228 Kritik des Aktionärs. 2. Anders gestaltet sich die Bilanzkritik eines Aktionärs. a) Der Blick des Spekulationsaktionärs, der Anteile der betreffenden Unternehmung erworben hat, wird fasziniert und getrübt durch die absolute Höhe der Dividende, die relative Verzinsung der für die Beschaffung der Aktien verausgabten und angelegten Gelder. Die Aktiendividende beeinflußt das Erträgnis des Aktionärs; die landesübliche Verzinsung der An schaffungskosten unter Berücksichtigung der Dauer des Aktien besitzes ist von der Aktiendividende in Abzug zu bringen. Erst der Rest ist Profitrate des Aktionärs unter Zurechnung etwaiger besonderer Zuwendungen wie Bezugsrechte, Bonus, Gratis aktien usw. und unter Abrechnung etwaiger Sanierungsverluste. Die Aktiendividende beeinflußt den Börsenkurs, sie ist für den Spekulationsaktionär Mittel zum Zwecke der Erzielung eines Börsengewinns. b) Das Interesse des Daueraktionärs ist anders geartet. Ganz abgesehen von Aktionären von Familiengründungen und Tochtergesellschaften in der Rechtsform der Aktienvereine, deren Interessen wiederum anders schattiert sind, deckt sich das Interesse des Daueraktionärs im wesentlichen mit dem Geschäftsinteresse der Unternehmung; innere Stärkung durch zweckentsprechende Bilanz- und Dividendenpolitik, Stabili sierung des Erträgnisses, wenn möglich bei allmählicher Steige rung des Ertrages, ohne ihn allzu hoch anwachsen zu lassen (wegen der Schwerfälligkeit eines im Kurs sehr hoch notierten Papiers, wegen des Anreizes zur Gründung neuer Unter nehmungen u. a.). 3. Wiederum anders geartet ist die Bilanzkritik des Steuer- fiskas, eines gewinnbeteiligten Dritten, der Lieferanten, der Abnehmer, der im Unternehmen beschäftigten Arbeiter und Angestellten, des Bankgläubigers einer stark mit Bankkredit belasteten oder einer sanierungsbedürftigen Unternehmung, einer Finanzzeitung, des Staatsanwalts im Strafprozeß usf.. Die subjektiven Interessen des Kritikers bestimmen Ziel und Me-| thodcn der Kritik. Aber jede Bilanzkritik beginnt mit der Passiv seite, den Kreditquellen, und geht dann über auf die Aktivseite, d. h. die Kapitalverwendung. Stets hat der Kritiker zu beachten, daß Bilanzzahlen Quantitäts- und nicht Qualüätszahien dar