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        <title>Bilanztechnik und Bilanzkritik</title>
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            <surname>Leitner</surname>
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      <div>86 
Das Kapital. 
oder eine echte Schuld vorliegt, z. B. Schadenreserve der Ver 
sicherungsgesellschaften, Lohnreserve der Produktionsgesellschaf 
ten. Manche Reserven sind als gemischte Reserven anzusprechen. 
Sie vereinigen Verlustabschreihung und Gewinnrücklage, z. B- 
wenn auf Delkrederefonds Abschreibungen der zweifelhaften und 
uneinbringlichen Forderungen über das notwendige Maß hinaus- 
gehen, oder wenn auf Erneuerungsfonds notwendige und über 
mäßige Abschreibungen auf Anlagevermögen vermengt werden- 
Andererseits muß ein Bilanzposten nicht ausdrücklich als Re 
serve bezeichnet sein und ist doch eine Gewinnrücklage, wie 
z. B. der Gewinnvortrag, der mindestens für ein Jahr zurück- 
gestellte Gewinnrest, der in die Bilanz eingestellt werden sollte, 
nicht, wie es stets geschieht, in die Ertragsbilanz. 
Die Reservekapitalien sind demnach: 
1. Gesetzliche und zwar allgemeine oder nur für bestimmte Un 
ternehmungsformen besonders vorgeschriebene Reservefonds 
(§ 262 HGB., § 26 Hyp.-Bk.-Ges., §§ 24, 44 Bankges., § 7 
Gen.-Ges.) oder freiwillige Rücklagen als allgemeiner Sicher 
heitsfonds oder als Spezialreserven für bestimmte Zwecke. 
2. Nach der Dauer ihrer Rückstellung vorübergehende oder 
dauernde Rücklagen. 
3. In der Bilanz sichtbare Reservefonds (Reservekonten) oder 
nicht sichtbare (geheime, versteckte, stille) Reserven. (Bi 
lanztechnische Analogien: offene und nicht sichtbare Ver 
bindlichkeiten; geheime, stille Verluste). 
4. Hinsichtlich ihrer Verfügbarkeit: frei verfügbare und durch 
ihren Verwendungszweck gebundene Reservekonten. (Ana 
logon: Freies und durch Kreditsicherungen gebundenes 
Vermögen.) 
5. Flüssige (liquide, realisierbare) und nicht flüssige, in Anlage 
vermögen festgelegte Reservekapitalien. Das wirkliche Vor 
handensein der Reservekapitalien ist von der richtigen Be 
wertung der Aktiva abhängig; sinkt der wirkliche Wert des 
Vermögens unter den Buchwert, stehen die Reserve- 
kapitalien „auf dem Papier“, wie zahlreiche Zusammen 
brüche von Aktienvereinen lehren. 
6. Besonders angelegte (gedeckte) Reservefonds und nicht be 
sonders gedeckte Reserve-Konten. (Analogie: durch beson</div>
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