privat- und volkswirtschaftliche Bedeutung der Preisschwankungen. 39 10 Millionen Kaufleute, Handwerker, Unternehmer, alle preise zu revidieren,- und wieviel Fehler mögen bei dieser Neuberechnung unterlaufen! Und wenn die preise wenigstens auf der ganzen Linie gleichmäßig anziehen wollten, so könnte man durch einen gleichmäßigen Teuerungszuschlag (Agio) die Sache erledigen. Aber aus den oben angeführten und vielen anderen Gründen ist das nicht der Fall. Die natürliche, durch die Produktionskosten beherrschte Rangordnung, in der die preise stehen, wird zerrissen. Bei einzelnen Waren (den sehr feinen und sehr groben), geht die Nachfrage und der preis zurück, und um so stärker wächst die Nachfrage der anderen. Schließlich werden alle preise durcheinander geworfen und der Begriff der Mark d. R. W., der bei allen immer nur aus einer Reihe bekannter Warenpreise besteht (anders kann auch die sogen. Werteknheit nicht aufgefaßt werden), verwildert und geht völlig verloren. Niemand weiß mehr, was eine Mark noch gilt. Alle Beziehungen des Geldes zu den Waren werden getrübt, und im Trüben läßt sich gut fischen. Die öffentliche Kontrolle der preise durch das Publikum geht völlig vorloren,- die Kaufleute nehmen diese Unwissenheit wahr und plündern, übervorteilen das Publikum. Das zeitraubende Handeln in den Läden wird allgemeine Sitte, und die Kosten dieser Sitte werden auf die Warenpreise geschlagen. Die Bruttoprofitrate der Kaufleute geht in die Höhe. Dabei gewinnt die Nettoprofitrate wenig,- denn wenn auch durch den Verlust der öffentlichen Kontrolle die preise infolge der durch die Banknoten bewirkten Markt- und Preisanarchie die Profitrate erheblich steigt, so löst diese Steigerung eine größere, schärfere Konkurrenz aus, die zur einzigen Folge hat, daß der Absah der einzelnen Kaufleute vermindert wird. Der Profit an den verkauften Waren steigt mit der Unstetigkett der preise zum Nachteil des Publikums und zu niemandes Vorteil, da sich dieser Profit auf eine größere Anzahl Kaufleute verteilt, die eine größere Masse Arbeit zu verrichten haben. (Feilschen des Publikums, Preisausrechnen usw., Lagerhüter.) Dem aufmerksamen Beobachter entgeht es nicht, daß der Sinn für den Wucher, den Schacher, das Glücksspiel, das arbeitslose Einkommen im deutschen Volke mächtig im Zunehmen begriffen ist. Wäre dieser Schachergeist ein spezifischer Lharakterzug der Juden (was er nach unserer Beobachtung durchaus nicht ist), so könnte man die Behauptung der Antisemiten, daß das deutsche Volk verjüdelt sei, gelten lassen. Aber die „Verjüdelung" haben weniger die Juden, als die Reichsbank (im Grunde genommen die Metallwährung) verursacht. Jedes Volk paß« sich den Verhältnissen an, und wenn die Reichsbank mit ihrer auf Hausse und Baisse, auf immer währende Differenzen gerichteten Politik den Schacher großzieht, so darf man sich nicht wundern, daß zuletzt selbst der schönste Arier schäbig wird *). Schmoller sagt: „In einer Zeit, in der die Vermittlungstätkgkeit (Handel) in der Gesellschaft von Z und 5 auf 11 und 13°/o, ja teilweise auf Zi o/o der Selbsttätigen gestiegen ist, in der diese Vermittlung einen steigenden Teil der preise ausmacht." Artikel: Der Handel im ly. Jahrhundert. (D. Woche, S. 1^7.) Das mag ganz richtig sein und stimmt mit den Beobachtungen überein, die jeder für seine Rechnung heute machen kann. Aber Schmoller hat für diese Erscheinung keine Erklärung,- sie ist ihm rätselhaft, wie allen, die, wie er, das Studium des Geldwesens vernachlässigen. Das Geld ist die Grundlage des Tausches und darum der Schlüssel aller Rätsel. i) Das alles war 1909 geschrieben und bezog sich auf die Hochkonjunktur der damaligen Zeit, die im Verlauf von 20 Jahren die preise 20—jOv/o gehoben hatte. Jetzt braucht man kein „aufmerksamer" Beobachter zu sein, um die Richtigkeit dieser Sähe zu erkennen.