— XIII — Den Aufsatz über Mar Weber, der zuerst in der österreichi schen „Zeitschrift für Volkswirtschaft" (N. F., Bd. II, Jahrg. 1922) erschien, in erweiterter und sorgfältig durchgesehener Fassung hier neu vorzulegen, hielt ich für eine schmerzliche Pflicht. Wie meine vielen Besprechungen in verschiedenen Zeitschriften bezeugen, ist es sonst meine Art nickt, abzuurteilen, ich lasse weit lieber Werk und Mühe eines Verfassers gelten, als daß ich ihm seine Mängel nachrechne. Aber Mar Weber war kein gewöhnlicher Mann, sondern ein dämonischer, zersetzender Geist, der in persönlichem Verkehr und persönlicher Wirkung eine gefährliche Macht über die andern ausübte. Bei ihm war es unbedingt geboten, die dunklen Seiten seines Schaffens heraus zuheben und der Gerechtigkeit ihre volle Schärfe zu geben. Sein Ansehen wird auch heute noch von dunklen Mächten in unserem armen, geistig sich selbst entfremdeten Deutschland planmäßig wie instinktiv gepflegt, und darum ist es unerläßlich, einmal die nackte Wahrheit über ihn zu sagen. Daß er öfters an logischem deliritmi tremens litt — wie u. a. seine De finitionen jedem klar Denkenden zeigen (s. unten z. B. die Definition des sozialen Handelns S. 154, der Macht und Herr schaft S. 160f., der Nation S. 162) — möchte noch dahin gehen, da ja auch sonst viel Unlogisches geschrieben und ernst genommen wird; daß er aber als völlig a-metaphysischer Mensch von religiösen und sittlichen Dingen sprach und weithin ge hört wurde, durfte in unserer innerlich erschütterten und ver worrenen Zeit nicht gleichgültig bleiben. Dies sind die Gründe, warum ich mich zu einer öffentlichen Kritik entschloß. Ich erlebte die Genugtuung, viel begeisterte Anerkennung dafür zu finden, ja sie wurde als geradezu erlösend bezeichnet. Wie viele unterirdische Feinde sie mir gemacht, ist allerdings eine andere Frage. Aber es gibt Menschen, deren Feindschaft uns zur Ehre gereicht.