29 schüft als ständisch zu betrachten. Es ist falsch, irgendein Zeit alter der Geschichte so anzusehen, als hätte in ihm „g e - s ch l o s s e n e" Hauswirtschaft (z. B. der Bauernhöfe, der Fronhöfe oder der antiken Herrenhöfe mit Sklaven) je geherrscht oder gar allein geherrscht. Das wäre wieder eine atomistischc Vorstellungsweise! Man denkt sich in diesem Falle die Gesamt- wirtschaft eines Volkes zwar nicht aus lauter Robinsonen, aber aus lauter robinsonadisch abgeschlossenen Wirtschafts gebilden bestehend. Die Gesamtwirtschaft eines Volkes oder Gebietes böte aber den Anblick einer Summe in sich ge schlossener (autarker) Wirtschaften. In Wahrheit darf man die sog. „Hauswirtschaft" niemals, und sei sie noch so ureinfach, als „geschlossen" ansehen — geschlossene Hauswirtschaften hat es nicbt einmal im Steinzeitalter gegebenl 1 ); ebensowenig gibt es eine solche bei irgendeinem Naturvolk^). Die Haus wirtschaft ist gleich der Zunft im Innern verhältnismäßig ge bunden (organisiert), aber sie ist in der Lage, jede Veränderung der Ziele und Mittel, z. B. bei Mißernten, Kriegen, Bevöl- kerungsscbwankungen, durch selbst vorgenommenen, nach eigener individualisierter Anpassung durchgeführten inneren Umbau von Erzeugung und Verbrauch aufzuwiegen. Wie die Zunft mit anderen Wirtschaftskörpern verbunden und in höhere Wirtschaftsganzheiten strenger oder loser eingegliedert ist, so ist auch die einzelne Hauswirtschaft, eben weil sie nie ganz geschlossen ist, mit vielen anderen Wirtschaftskörpern verbunden und in allgemeine Zusammenhänge freier oder genauer eingegliedert. Die Verbindung der einzelnen Hauswirtscbaft mit Nachbar schaften (z. B. durch gemeinnachbarliche Arbeiten), mit der Dorfschaft (z. B. durch gemeinsam bestellte Organe und ge- *) Vgl. z. B. den Art. „Handel" im Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Straßburg, Trübner, 1915. 2 ) Dgl. z. B. Schmid, Ethnologische Volkswirtschaftslehre, Leipzig 1920, 1. Bd.