35 Wirtschaftsform (wenn auch die Bestie niemals ganz entfesselt ist) aber nur — zur Auflösung von Bindungen, nur als eine Umschichtung, als eine Verflüssigung, der vorhandenen Gliederungen! Die jeweilige „Freiheit der Einzelnen in ihren wirtschaftlichen Handlungen ist geschichtlich immer nur dadurch verwirklichbar gewesen, daß Angebot und Nachfrage, Verbrauch und Erzeugung, Preise und Gewinn, Kapitalien, Arbeit und Boden, Jnnenmarkt und Außenmarkt schon jeweils in bestimmter überlieferter Gegliedcrtheit und Ganzheit vorbanden waren, und daß nur durch schrittweise Änderungen — z. B. monopolistische Manufakturgründungen außerhalb der Zunft im merkantili- stischen Zeitalter — den, schließlich wieder nur bedingt freien, Handlungen der Einzelnen überlassen wurden. Selbst der sehr gemäßigte Kapitalismus bedeutet also niemals, daß aus freien Handlungen Einzelner sich die Wirt schaft erst bilde. Er bedeutet jedoch allerdings eine verhältnis mäßig stürmische und wenig gebundene, darum auch krisen- reiche Umwandlung wohlgeordneter Verhältnisse! Er ver bindet zwei ständische Perioden, er bildet eine Kurve aus zwei Bogen und einem Umkehrungspunkt. Diese Umkehrung ge schieht, wie die Geschichte lehrt, nwhr unbewußt, aber kraft innerer logischer Notwendigkeit der Wirtscbaft, die auf Gliede rung und Ganzheit, nicht auf Vereinzelung geht. Zum Schlüsse sei es erlaubt, unsere Zergliederung der vier Grundgestalten der Wirtscbaft an einem Bilde zu verdeutlichen. Es wäre dann — man erschrecke nicht — die individualistische Verkehrswirtschaft einem Narrenbause zu vergleichen, wo jeder nach eigenem Gutdünken herumflitzt und ängstlich das Seine sucht; die kommunistische Wirtschaft einem Zuchthause, wo jeder Einzelne gefesselt in seiner Zelle sitzt; die frei geregelte Wirtschaft einem in voller Umbildung begriffenen Hauswesen, wo durch den Tod des Hausvaters das Erbe geteilt wird; die