37 Eduard Meyers in entscheidenden Einzelheiten angegriffen wurde, ist und bleibt sie dennoch typisch für den Geist unserer ganzen heutigen Wirtschaftsgeschichte. Eduard Meyer hat zwar gezeigt, daß kapitalistische Verkehrswirtschaft schon im Altertum vorhanden war; Pöhlmann^) hat sozialistisch und kommu nistisch geartete Revolutionen schon im Altertum nachgewiesen (wenn auch wohl allzu sehr mit modernen Augen gesehen); v. Below^) hat die von Bücher gegebene Stufenfolge (mit kritischen Vorbehalten) nur als Typenlehre, nicht aber als I geschichtliche Reihe gelten lassen und damit einen sehr wich tigen Einwand gemacht; Sombart, Mar Weber u. a. haben ihre Einwendungen vorgebracht — aber die Grundzüge des Ganzen wurden zuletzt doch von allen Gegnern stehen gelassen; Dopsch^) vielleicht am meisten hat, indem er die kommu nistische Art der germanischen Markgenossenschaft am entschie densten ablehnte, die Geschlossenheit der Hauswirtschaft (wie schon v. Below) verneinte und für die Karolingerzeit eine kapitalistische Welle annahm, an den Sinn der Bücherischen Gesamtkonstruktion gerührt. All dem gegenüber muß hervorgehoben werden, daß die Bücherische Einteilung aber nicht nur als Stufenfolge, also als geschichtliche Entwicklungslehre, unannehmbar ist; sondern sie ist auch systematisch, sie ist auch als Typen lehre falsch. Dies sofern sie den „Weg des Produktes" (vom Erzeuger bis zum Verbraucher) als Einteilungsgrund nimmt und noch allgemeiner darum: weil sie von der Einzelwirtschaft ausgeht! Denn einen Einteilungsgrund für die Wirtschafts- *) Die wirtschaftliche Entwicklung des Altertums, Jena 1895. 2 ) Geschichte der sozialen Frage und des Sozialismus in der an tiken Welt, 2. Ausl., München 1912, 2 Bde. 3 ) Probleme der Wirtschaftsgeschichte, 1920, S. 171 ff., 192ff. 4 ) Grundlagen der europäischen Kulturentwicklung, I, Wien 1918, II, 1920.