17 Soweit meine Notizen über diese englischen Geschäfts beziehungen genauer datiert sind, brechen sie ab mit dem Monat Juli des Jahres 1810. Das scheint kein Zufall zu sein. Denn von diesem Zeitpunkt an war der Geschäftsverkehr mit England wesentlich erschwert. Die Gründe dafür ergeben sich aus der napoleonischen Politik. England hat von jeher mit demjenigen Festlandstaat rivali siert, der am mächtigsten war, wie in unserer Zeit mit Deutsch land, so in früheren Jahrhunderten mit Frankreich. Napoleons Politik ist nur aus dem traditionellen Zwiespalt zweier um die Vorherrschaft streitenden Weltmächte zu verstehen. Von der ägyp tischen Expedition bis zum russischen Feldzug war die Einschrän kung der englischen Machtsphäre gewissermaßen das Endziel aller seiner Kriege, und seine Eroberungspolitik auf dem Festland lief im wesentlichen darauf hinaus, das die Meere beherrschende, im Herzen unantastbare Inselreich auf indirektem Wege zu schädigen, wie er selbst es ausdrückt, durch das Land das Meer zu erobern. Um die Entstehung der spezifisch handelspolitischen Wirren zu begreifen, muß man auf das Jahr 1786 zurückgehen, wo der englische Premierminister Pitt einen meisterhaften Handelsvertrag mit Frankreich zustande brachte, der den englischen Manufaktur waren mäßige Eingangszölle gewährte, aber auch die Industrie Frankreichs im Laufe der Jahre in bedenklicher Weise herabdrückte. Es gab in Frankreich Fabrikzentren, die nicht mehr die Hälfte von dem produzieren konnten, was sie vor dem Jahre 1786 geleistet hatten. Die Handelsbilanz zwischen den beiden Nationen schlug geradezu um. Die englische Einfuhr stieg auf 55 bis 60 Millionen, die französische sank auf 30 bis 35 Millionen. So kam es, daß bei Eröffnung der kriegerischen Feindseligkeiten im Jahre 1793 zugleich ein handelspolitischer Kampf eingeleitet wurde, in dem beide Parteien sich an Rücksichtslosigkeit nichts nachgaben. Aufs höchste stieg die Erbitterung im Jahre 1806. Durch eine Geheimratsordnung vom 16. Mai erklärte England die Küstenstrecke von Brest bis zur Elbe in Blockadezustand, obgleich ihm keine genügende Zahl von Schiffen zur Verfügung stand, um eine solche Blockade im völkerrechtlichen Sinne zur Durchführung zu bringen. Napoleon wartete mit seinem Gegenschlag, bis er Preußen nieder geworfen und damit ein weiteres Stück Küstenland in seine Macht sphäre gezogen hatte. Am 21. November erließ er von Berlin aus 2