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        <title>Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses</title>
        <author>
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            <forname>Christian Wilhelm</forname>
            <surname>Berghoeffer</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
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            <idno>1016729413</idno>
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ROTHSCHILDSCHES  STAMMHAUS

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        Meyer  Am  seh  el  Rothschild
der  Gründer  des  Rothschildschen
Bankhauses

VON
CHRISTIAN
WILHELM  BERGHOEFFER

WE*KSSOtMWH

FUS-J

Abteilung
Bibliothek

15)  B

1922

IM  VERLAG  ENGLERT  &amp;amp;  SCHLOSSER
IN  FRANKFURT  AM  MAIN

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        <pb n="4" />
        Bildet

Band  IV  der
Frankfurter  Lebensbilder,
herausgegeben  von  der
Historischen  Kommission
der  Stadt  Frankfurt
        <pb n="5" />
        Rothschild

in  London  und

Frau  Baronin  Therese

von  Rothschild  in

Paris  zugeeignet ­


WEHKS3Q
GEBKOOBk  /

/

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        <pb n="6" />
        Copyright  by
Englert  &amp;amp;  Schlosser
in  Frankfurt
am  Main

Alle
Rechte
vorbehalten

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ZtrfUtj,:

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        <pb n="7" />
        VORWORT

Die  große  Masse  der  Literatur  über  das  Haus  Rothschild
besteht  aus  Legenden  und  Anekdoten,  aus  Schmeichel-  und  Schmähschriften. ­
  Eine  wissenschaftliche  Biographie  Meyer  Amschel  Rothschilds ­
  gibt  es  nicht.  Es  war  daher  selbstverständlich,  daß  ich  bei
Abfassung  dieses  Buches  den  archivalischen  Quellen  nachging.  Am
ergiebigsten  waren  das  Freiherrlich  von  Rothschildsche  Archiv,  das
Stadtarchiv  zu  Frankfurt  a.  M.,  das  Staatsarchiv  zu  Marburg  i.  H.
und  das  auf  dem  Gut  Carlshausen  in  der  Gemarkung  Altenhaßlau
bei  Gelnhausen  befindliche  Archiv  der  Familie  von  Carlshausen.
Ergänzungen  boten  das  Archiv  der  Israelitischen  Gemeinde  in
Frankfurt  a.  M.,  das  Geheime  Staatsarchiv  in  Berlin,  das  General-Landesarchiv
  in  Karlsruhe,  das  Stadtarchiv,  das  Archiv  der  Israelitischen ­
  Gemeinde  und  das  Knatzsche  Familienarchiv  in  Kassel  und
das  Kammerarchiv  zu  Wien.  Den  Vorstehern  und  Besitzern  dieser
Archive  bin  ich  zu  Dank  verbunden.  Durch  besonders  wertvolle
persönliche  Hilfsleistungen  haben  mich  unterstützt  Hon.  N.  Charles
Rothschild  in  London,  Joseph  Ferdinand  Nauheim  daselbst,  Archivdirektor ­
  Professor  Dr.  Jung  in  Frankfurt  a.  M.,  Professor  Dr.  August
Hahn  daselbst,  Oberstleutnant  und  Kammerherr  Lothar  von  Carls-»
hausen  in  Stuttgart,  Kapitän  zur  See  Mensing  in  Berlin,  Bibliothekar
Professor  Dr.  Freimann  in  Frankfurt  a.  M.  und  Bibliotheksdirektor
Professor  Dr.  Brunner  in  Kassel,  jetzt  in  Gudensberg.  Ihnen  und
allen  sonstigen  Helfern  sei  auch  an  dieser  Stelle  herzlich  gedankt.
Frankfurt  a.  M.,  Januar  1922

Der  Verfasser

WtKKSBO
Gunoetit

VTAlt.  N.-C
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        Inhalt

Seite
Der  Name  Rothschild  und  das  sogenannte  Rothschildsche  Stammhaus  1
Rothschilds  Vorfahren  4
Rothschilds  Münz-  und  Antiquitätenhandel  7
Rothschilds  sonstiger  Warenhandel  13
Rothschilds  Geschäftslokalitäten  20
Rothschilds  Geldhandel  bis  1800  22
Rothschilds  Vermögensstand  um  1800  27
Rothschilds  Geldhandel  von  1801  bis  1806  33
Das  Rothschildsche  Zweiggeschäft  in  Kassel  51
Die  Rettung  des  Kurfürstlichen  Archivs  und  des  Kurfürstlichen  Vermögens ­
  in  den  Jahren  1806  und  1807  55
Die  Vermögensverwaltung  des  Kurfürsten  während  der  Exilzeit
Allgemeines  70
Bankherren  83
Einnahmen  92
Ausgaben  105
Überschüsse  121
Nachforschungen  der  Franzosen  nach  dem  Vermögen  des  Kurfürsten  .  133
Die  Rothschildlegende  144
Rothschilds  Beziehungen  zu  anderen  Fürsten  155
Persönliches  und  Allgemeines  158
Anmerkungen  166
Aktenstücke  198
Anhang
Anlehen  des  Frankfurter  Hauses  in  dem  Zeitraum  von  1815  bis  1865  232
Meyer  Amschel  Rothschilds  Nachkommen  in  der  ersten  Generation  256
Register  257
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        Der  Name  Rothschild  und  das  sogenannte
Rothschildsche  Stammhaus.
Man  weiß  nicht,  woher  die  Familie  Rothschild  nach  Frankfurt
eingewandert  ist.  Nach  einer  Familientradition  sollen  die  Rothschild ­
  aus  Dänemark  stammen  und  ihren  Namen  von  der  Stadt
Roskilde  (deutsch:  Rothschild)  führen.  Diese  Herleitung  des  Namens
ist  aber  nicht  zutreffend.  Es  kann  keinem  Zweifel  unterliegen,
daß  der  Name  Rothschild  von  einer  Hausbezeichnung  der  Frankfurter ­
  Judengasse  übernommen  wurde.  Die  Häuser  dieser  Gasse
waren  nach  Schildern  benannt,  die  ursprünglich  nach  Art  unserer
ländlichen  Wirtshausschilder  quer  über  der  Straße  hingen.  Nach
dem  Brande  vom  Jahre  1711,  der  alle  Häuser  der  Judengasse
zerstört  hatte,  wurden  diese  Schilder  in  den  Steinpfeilern  des
Erdgeschosses  oder  auf  den  Schlußsteinen  über  den  Haustüren
eingemeißelt.  Gegebenenfalls  waren  sie  auch  bemalt.  Nicht  selten
kam  es  vor,  daß  der  Name  des  Hauses  zum  Familiennamen  der
Insassen  wurde,  den  diese  auch  dann  beibehielten,  wenn  sie  in
ein  anderes  Haus  zogen.  So  geschah  es  auch  mit  dem  Namen  der
Familie  Rothschild.  Isak  Elchanan  (f  1585),  der  Sohn  Elchanans,
des  ältesten  in  Frankfurt  nachweisbaren  Familiengliedes,  ließ
sich  in  der  Judengasse  ein  Haus  bauen,  das  zum  roten  Schild
benannt  wurde.  Er  wohnte  darin  mit  seiner  Frau  Esther  vom
Jahre  1567  ab  und  erhielt  den  Beinamen  zum  roten  Schild.  Sein
Enkel  Naftali  Hirz  zum  roten  Schild  (f  1685)  verließ  jenes  Haus
und  zog  in  das  Haus  zur  Hinterpfann.  Hier  verblieb  die  stammhaltende ­
  Familie,  die  sich  von  jetzt  ab  nicht  mehr  zum  roten
Schild,  sondern  Rothschild  nannte,  fünf  Generationen  hindurch.
Erst  Meyer  Amschel  Rothschild,  der  Gründer  des  Bankhauses,
bezog  eine  andere  Wohnung,  nämlich  das  Haus  Nr.  148  zum  grünen
Schild,  das  er  in  den  Jahren  1783  und  1785  käuflich  erwarb.
1
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        Dieses  Haus  und  das  südlich  anschließende  Nebenhaus  zur  goldenen
Arche  stehen  heute  noch.  Sie  sind  die  einzigen  Überbleibsel  der
ehemaligen  Judengasse,  und  man  bezeichnet  die  beiden  mit  gemeinsamem ­
  Dachfirst  und  gemeinsamem  Zwerchhaus  versehenen  Gebäude ­
  kurzweg  als  das  Rothschildsche  Stammhaus.
Als  Meyer  Amschel  Rothschild  im  Jahre  1812  gestorben  war,
ging  sein  Haus  samt  Inventar  in  den  lebenslänglichen  Besitz  und
Genuß  seiner  Witwe  über.  Diese  starb  am  7.  Mai  1849.  Die
Hälfte  des  Hauses  fiel  jetzt  an  den  ältesten  Sohn  Amschel  Mayer,
den  Chef  des  Frankfurter  Bankhauses.  Es  scheint,  daß  er  auch
die  andere  Hälfte  seinen  Geschwistern  abkaufte.  Um  den  Verfall
des  Gebäudes  zurückzuhalten,  erteilte  man  später  einem  Angestellten
des  Frankfurter  Bankhauses,  namens  Ruben  Oppenheim,  die  Erlaubnis, ­
  darin  Wohnung  zu  nehmen.  Doch  war  der  Ruin  des  alten
Gebäudes,  das  kurz  nach  dem  Brand  vom  Jahre  1711  erbaut
worden  war,  nicht  lange  mehr  aufzuhalten.  Im  Jahre  1872  mußte
Oppenheims  Witwe  ihre  Wohnung  daselbst  aufgeben,  und  das  baufällige ­
  Haus  wurde  geschlossen.
Schon  in  den  dreißiger  und  vierziger  Jahren  waren  Häuser
der  Judengasse  auf  Anordnung  des  Polizei-  und  des  Bauamtes
wegen  Baufälligkeit  niedergerissen  worden,  und  seit  jener  Zeit
war  die  Stadtkämmerei  bemüht,  die  seitherigen  Besitzer  solcher
Behausungen,  deren  Grund  und  Boden  von  jeher  Eigentum  der
Stadt  war,  zu  einer  Verzichtleistung  auf  ihre  superfiziarischen
Rechte  zu  veranlassen,  oder  die  Häuser  selbst,  soweit  sie  noch
vorhanden  waren,  zu  erwerben.  Zunächst  richtete  sie  ihr  Augenmerk ­
  vorzugsweise  auf  die  westliche  Reihe,  deren  letztes  Haus  im
Jahre  1872  niedergelegt  wurde.  Auf  der  Ostseite  waren  damals
noch  zahlreiche  Häuser  in  Privatbesitz,  und  da  viele  Eigentümer
zu  hohe  Forderungen  stellten  oder  überhaupt  nicht  geneigt  waren,
ihre  Häuser  aus  freier  Hand  abzugeben,  so  wurde  das  Enteignungsverfahren ­
  eingeleitet.  Auf  diese  Weise  wurde  auch  das  Haus  zum
grünen  Schild  am  9.  August  1882  dem  Bankhaus  M.  A.  v.  Rothschild ­
  &amp;amp;  Söhne  abgekauft.  Die  Enteignungssumme  betrug  15  250  M.
und  80  Pf. 1
Nur  wenige  Jahre  blieb  das  verwahrloste  Haus  im  Besitze
der  Stadt.  Am  4.  Oktober  1884  waren  die  noch  vorhandenen
Häuser  der  Judengasse  bis  auf  vier  geräumt  und  wurden  von  der
Stadtkämmerei  der  Baudeputation  zum  Abbruch  übergeben.  Das
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        3

Rothschildsche  Bankhaus  hatte  schon  vorher  darauf  aufmerksam
gemacht,  daß  es  die  Überreste  des  Hauses  zum  grünen  Schild  zu
erwerben  wünsche,  worauf  die  Behörde  Rücksicht  nahm.  Am
11.  Mai  1885  wurde  ein  Kaufvertrag  zwischen  der  Stadtkämmerei
und  dem  Bankhaus  zum  Abschluß  gebracht,  wonach  letzteres  die
Grundfläche  der  vier  Häuser  Nr.  146  bis  149  im  Gehalt  von  1  Ar
91,50  qm,  welche  Fläche  nunmehr  die  Bezeichnung  Lit.  B  Nr.  247
an  der  Börnestraße  erhalten  hatte,  erwarb.  Gleichzeitig  kaufte
es  die  fünf  Gebäulichkeiten  Nr.  145  bis  149,  und  zwar  Nr.  147
und  148  zur  Wiederherstellung,  die  übrigen  auf  Abbruch.  Der  Kaufpreis ­
  für  die  Grundfläche  betrug  35  460  M.,  der  für  die  Gebäude
1000  M. 2
Die  Wiederherstellung  der  beiden  Häuser  Nr.  148  zum  grünen
Schild  und  Nr.  147  zur  goldenen  Arche  wurde  dem  Architekten
Franz  v.  Hoven  übertragen  und  unverzüglich  in  Angriff  genommen.
Wegen  Verbreiterung  der  Straße  mußte  ein  Stück  von  dem
vorderen  Teil  des  Doppelhauses  abgesägt  und  die  Fassade  vorschriftsmäßig ­
  in  schiefwinkligem  Abschnitt  um  1,25  m  Nord  bis
1,55  m  Süd  zurückgesetzt  werden.  Damals  war  die  Fassade  beider
Häuser  mit  Ausnahme  des  massiven  Erdgeschosses  vollständig  mit
Schiefer  beschlagen.  Als  man  den  Schieferbeschlag  entfernte,  trat
im  ersten  und  zweiten  Obergeschoß  das  ursprüngliche  Tafelwerk
zutage,  das  auch  bei  Wiederaufrichtung  der  Fassade  beibehalten
wurde.  Auch  die  alte  Steinhauerarbeit  des  Erdgeschosses  wurde
nach  Möglichkeit  verwendet.  Von  den  schmiedeeisernen  Oberlichtgittern ­
  der  Bogenöffnungen  war  noch  ein  Original  vorhanden,  dem
die  übrigen  nachgebildet  wurden.  Alles,  was  von  den  beiden
Häusern  hinter  der  neuen  Straßenfront  stand,  blieb  stehen  und
wurde  lediglich  restauriert.
Im  Jahre  1886  war  der  Umbau  und  die  Herrichtung  des
Doppelhauses  vollendet,  und  nun  konnte  das  Stammhaus,  das  die
Nummer  26  der  Börnestraße  erhielt,  seiner  Bestimmung  übergeben
werden.  Der  älteste  Sohn  Meyer  Amschel  Rothschilds,  Freiherr
Amschel  Mayer  v.  Rothschild  (f  1855),  hatte  nämlich  testamentarisch ­
  angeordnet,  daß  das  Haus  zum  grünen  Schild  nur  der
Vollziehung  wohltätiger  Zwecke  gewidmet  sein  solle.  Die  von  ihm
mit  einem  Kapital  von  1  200  000  fl  errichtete  Stiftung  für  die
armen  Israeliten  der  Stadt  Frankfurt  a.  M.  und  die  ebenfalls  von  ihm
gegründete  und  mit  50  000  fl  dotierte  Stiftung  zur  Ausstattung
1*  ■
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        4

unbemittelter  jüdischer  Jungfrauen  sollten  im  ersten  Obergeschoß,
des  Hauses  ihre  Verwaltungsräume  haben.  Außerdem  sollte  die
mit  Austeilung  und  Verrechnung  der  Almosen  betraute  Person  geeignetenfalls
  eine  freie  Wohnung  daselbst  erhalten.  Im  Jahre  1887
wurde  denn  auch  die  Verwaltung  der  beiden  Stiftungen  in  dem
Hause  eingerichtet,  und  im  folgenden  Jahre  bezog  der  Almosenverteiler ­
  Gumpertz  Zuntz 3  eine  Wohnung  daselbst.  Seitdem  ist
das  Gebäude  auch  der  Besichtigung  zugänglich.
Die  Stelle,  wo  heute  noch  das  Haus  zum  grünen  Schild  steht,
war  ungefähr  die  Mitte  der  einstigen  Judengasse,  wie  sie  auf  dem
Grundplan  des  Daniel  Merlan  vom  Jahre  1711  dargestellt  ist.  Wer
die  Gasse  von  der  mittleren,  nach  Westen  gelegenen  Pforte  betrat,
wo  jetzt  die  Einhorngasse  in  die  Börnestraße  mündet,  befand  sich
dem  Haus  zum  grünen  Schild  gerade  gegenüber.  Das  Haus  zum
roten  Schild  lag  inmitten  der  südlichen  Hälfte  der  Judengasse  auf
der  Westseite,  das  Haus  zur  Pfanne  nahe  dem  nördlichen  Eingang
der  Judengasse  auf  der  Ostseite.  Nicht  weit  davon  wurde  das.
noch  jetzt  vorhandene  v.  Rothschildsche  Bankhaus  errichtet.

Rothschilds  Vorfahren.
Von  Rothschilds  Eltern  und  Voreltern  wissen  wir  wenig.  Die
stammhaltenden  Vorfahren  handelten  ursprünglich  nur  mit  Waren,
vom  Anfang  des  18  Jahrhunderts  ab  auch  mit  Geld.  Sie  zählten,
weder  zu  den  Reichen,  noch  zu  den  Armen.  Doch  gibt  es  Anhaltspunkte ­
  dafür,  daß  sie  weiter  strebten,  daß  ihr  Vermögen  allmählich
wuchs  und  ihr  Geschäftskreis  sich  erweiterte.
Der  obengenannte  Isak  Elchanan  versteuerte  in  den  Jahren
1567  bis  1580  ein  Vermögen  von  2700  fl.  Sein  Urenkel  Kaimann
Rothschild  gen.  Bauer  (f  1707)  wurde  1690  auf  6000  fl  geschätzt.
Er  handelte  im  Jahre  1700  mit  Seide  und  Wollstoffen,  wird  aber
1703  als  Wechsler  genannt,  und  letzterem  Beruf  widmeten  sich
neben  dem  Warenhandel  auch  die  nachfolgenden  Stammhalter.
Das  besteuerte  Vermögen  beweist  bei  der  damaligen  Schätzung
natürlich  gar  nichts  für  den  wirklichen  Vermögensstand.  Man
muß  aber  annehmen,  daß  derjenige,  der  6000  fl  versteuerte,
auch  verhältnismäßig  mehr  besaß  als  derjenige,  der  nur  27Ö0  ff
versteuerte.  Von  Kaimanns  Sohn,  Moses  Kaimann,  erfahren  wir.

mm*
        <pb n="13" />
        5

,,daß  er  in  den  letzten  Jahren  seines  Lebens  1733  bis  1735  nach
und  nach  für  38  000  Gulden  Wechsel  des  bekannten  württembergischen
  Geheimen  Finanzrats  und  Residenten  zu  Frankfurt,
Josef  Süß  Oppenheimer,  übernahm  und  sie  mit  seinem  Giro  versehen ­
  weiter  verhandelte.  Oppenheimer  stand  damals  auf  dem
Gipfelpunkt  seiner  Macht  und  machte  mit  den  ersten  Frankfurter
Geschäftshäusern,  mit  Bernard,  Brentano,  d’Orville,  Metzler,  Grimmeisen, ­
  weit  bedeutendere  Geschäfte“  (Dietz).  Gerade  deshalb  aber
läßt  eine  derartige  Geschäftsbeziehung  die  Vermutung  zu,  daß
Meyer  Amschels  Großvater  ein  bestimmtes  Maß  von  Kredit  genoß,
und  in  dieser  Hinsicht  ist  jene  Überlieferung  allerdings  von  Wert.
Mit  diesen  wenigen  Angaben  sind  die  uns  zugänglichen  Quellen
über  die  Geschäfts-  und  Vermögensverhältnisse  von  Rothschilds
Vorfahren  im  wesentlichen  erschöpft.  Zwar  sind  sie  dürftig,  doch
lassen  sie  das  eine  erkennen,  daß  die  geschäftlichen  Fähigkeiten
des  Rothschildschen  Stammes  sich  in  einer  jahrhundertelang
sacht  aufsteigenden  Linie  bewegen.  Diese  Aufwärtsbewegung  ist
hier  und  dort  durch  Rückläufe  unterbrochen,  auf  die  regelmäßig
•ein  um  so  größerer  Vorsprung  folgt,  und  das  ist  anthropologisch
von  Interesse.  In  gleicher  Hinsicht  sind  auch  die  Charakterzüge
rein  persönlicher  Art,  die  das  Memorbuch  und  die  Grabschriften
mitteilen,  nicht  ohne  Belang.  Wenn  wir  von  dem  üblichen  Überschwang ­
  in  der  Ausdrucksweise  dieser  Überlieferungen  absehen,
so  ergibt  sich  als  Kern  derselben,  daß  in  der  Rothschildschen
Familie  Frömmigkeit,  Rechtschaffenheit,  Mildtätigkeit  und  Gastfreiheit ­
  sich  vererbten,  und  daß  speziell  auch  die  Eltern  Meyer
Amschel  Rothschilds  durch  solche  Eigenschaften  sich  auszeichneten ­
  4 .
Die  Stammreihe  Rothschilds  stellt  sich  folgendermaßen  dar:
Uri  um  1500;
I
; (  Elchanan,  f  21.  April  1546  (Grabstein  Nr.  187  bei  Horovitz),
l  Esther  (nach  Dietz:  Fogele  Worms);
I
(  Isak  Elchanan  zum  roten  Schild,  f  21.  April  1585  (Grabstein  Nr.  301),
i  Esther,  f  11.  Februar  1609,  Tochter  des  Moses;
        <pb n="14" />
        6

I  Moses  zum  roten  Schild,  -f-19.  Juli  1635,  getraut  16.  August  1593  mit
l  Gutlin,  f  21.  August  1641  (Grabstein  Nr.  691),  Tochter  desNaftali;
I
Naftali  Hirz  zum  roten  Schild,  wohnhaft  im  Hause  zur  Hinterpfann,
-f-  24.  Februar  1685  (Memorbuch  bei  Freimann,  Blatt  42),
getraut  3.  Mai  1634  mit
Schönche,  f  10.  November  1661  (Grabstein  Nr.  879,  Memorbuch  bei
Freimann,  Blatt  40),  Tochter  des  KalonymosKaz;  zweite  Frau
.Hanna,  +  20.  Mai  1686;
I
I  Kaimann  Rothschild  genannt  Bauer,  wohnhaft  im  Hause  zur
I  Hinterpfann,  f  19.  Juli  1707,  getraut  mit
|  Gitle,  -f-  31.  August  1664  (bei  Freimann,  Blatt  6,  Druckfehler:  1668,
Grabschrift  Nr.  917),  Tochter  des  Joseph  aus  Höchst;
Moses  Kaimann  Rothschild  genannt  Bauer,  wohnhaft  im  Hause
zur  Hinterpfann,  f  19.  Oktober  1735  (Memorbuch  bei  Freimann, ­
  Bl.  43,  stand  wie  sein  Sohn  Amschel  Moses  in  der
Schatzung  mit  jährlich  8  fl  Stadtarchiv  Frankfurt  a.  M.:
Judenschatzungsregister  1725  bis  1750,  Fol.  178;  1750  bis
1793,  Fol.  5),  getraut  mit
Vogel,  1-  18.  Dezember  1713  (Memorbuch  bei  Freimann,  Blatt  43),
Tochter  des  Steuereinnehmers  Elchanan  Waag;  zweite  Frau
Schönche,  f  13.  März  1733,  Tochter  des  Arztes  Wolf  Buxbaum;
I
Amschel  Moses  Rothschild  genannt  Bauer,  -j-  6.  Oktober  1755
(Grabstein  Nr.  2854,  Memorbuch  bei  Freimann,  Blatt  45),
wohnhaft  im  Hause  zur  Hinterpfann,
Schönche,  f  29.  Juni  1756  (Grabstein  Nr.  2579,  Memorbuch  bei
Freimann,  Blatt  45),  Tochter  des  Meier  Lechnich;
Meyer  Amschel  Rothschild,  mit  dem  Spitznamen  „das  Bäuerchen“,
geboren  im  Hause  zur  Hinterpfann,  später  wohnhaft  im
Hause  zum  grünen  Schild,  geboren  23.  Februar  1744,
•f-  19.  September  1812  (Grabstein  Nr.  4689,  Memorbuch  bei
Freimann,  Blatt  51  f.),  getraut  29.  August  1770  mit
Gutle,  Tochter  des  Wolf  Salomon  Schnapper,  geboren  15.  September
(nach  dem  Stammbaum  des  Frankfurter  Bankhauses:
23.  August)  1753,  f  7.  Mai  1849».
        <pb n="15" />
        —  7

Rothschilds  Münz-  und  Antiquitätenhandel.
Meyer  Amschel  Rothschild  wurde  am  23.  Februar  1744  geboren. ­
  Sein  Rufname  war  Meyer.  Er  hatte  zwei  ältere  Schwestern
und  zwei  jüngere  Brüder.  Mitteilungen  über  seine  Jugendzeit
finden  sich  in  dem  Memorbuch  und  in  einem  gedruckten  Nekrolog
vom  Jahre  1813.  Der  Verfasser  des  letzteren,  Salomon  Jakob
Cohen,  ist  ein  wortreicher  Prediger  und  ein  überfließender  Lobredner. ­
  Aber  er  hatte  offenbar  Beziehungen  zur  Rothschildschen
Familie,  und  man  kann  daher  bei  einiger  Vorsicht  seiner  Schrift
eine  Reihe  wertvoller  Tatsachen  entnehmen.  Er  erzählt,  daß  Meyer
Amschel  von  seinen  Eltern  eine  religiöse  Erziehung  erhielt  und
nach  Fürth  bei  Nürnberg  geschickt  wurde,  nicht  um  Rabbiner  zu
werden,  wie  man  später  vielfach  behauptet  hat,  sondern  nur,  um
seine  Religionskenntnisse  an  der  dortigen  rabbinischen  Hochschule
zu  erweitern.  Das  Memorbuch  erwähnt  ebenfalls,  daß  Rothschild
in  jungen  Jahren  in  die  Ferne  zog,  um  an  den  Talmudhochschulen ­
  der  hervorragenden  Gelehrten  seiner  Zeit  Halacha  zu
vernehmen  und  seine  Weisheit  und  Thorakenntnis  zu  vermehren.
Von  der  Absicht,  Rabbiner  zu  werden,  sagt  auch  das  Memorbuch
nichts 8 .
Die  Schulzeit  in  Fürth  war  hart  und  reich  an  Entbehrungen,
scheint  aber  nicht  von  langer  Dauer  gewesen  zu  sein.  Am
6.  Oktober  1755  verlor  Meyer  Amschel  seinen  Vater  und  am
29.  Juni  des  folgenden  Jahres  auch  seine  Mutter,  so  daß  er  mit
zwölf  Jahren  elternlos  dastand.  Schon  Cohen  gibt  an,  daß  er
später  einige  Jahre  in  einem  jüdischen  Handlungshaus  zu  Hannover
tätig  gewesen  sei.  Nach  Kriegk 7  war  es  im  Oppenheimschen  Bankhaus. ­
  Genauere  Zeitangaben  lassen  jedoch  beide  Gewährsmänner
vermissen.  Die  Rabbinatsschule  konnte  man  schon  mit  elf  Jahren
und  früher  besuchen.  Vielleicht  war  es  also  der  Tod  der  Eltern,
der  den  Knaben  veranlaßte,  Fürth  zu  verlassen,  um  sich  nunmehr
dem  Wechslerberuf  zu  widmen.  Hierbei  verfuhr  er,  wie  Cohen
mitteilt,  in  gelehrter  Weise,  indem  er  sich  auf  die  Kenntnis  der
„Antiken“,  besonders  auf  die  Kunde  der  alten  Münzen  und
Medaillen  legte  und  alle  dahin  einschlagenden  Schriften,  deren  er
habhaft  werden  konnte,  studierte.  Nach  demselben  Autor  waren
ihm  diese  Kenntnisse  in  der  Folge  ein  wichtiges  Erwerbsmittel,
und  wir  dürfen  vermuten,  daß  auch  die  erste  Annäheruug  an  den
        <pb n="16" />
        8

Erbprinzen  Wilhelm  von  Hessen-Kassel,  regierenden  Grafen  von
Hanau,  auf  dem  Wege  des  Münzhandels  stattfand.
Wilhelm,  der  Sohn  des  prunkliebenden  Landgrafen  Friedrich  II.,
wurde  am  3.  Juni  1743  geboren  und  folgte  seinem  Vater
am  31.  Oktober  1785  in  der  Regierung  von  Hessen-Kassel.
Friedrich  II.  war  als  Erbprinz  heimlich  zum  Katholizismus  übergetreten, ­
  und  als  sein  Vater,  Landgraf  Wilhelm  VIII.,  dies
erfuhr,  ergriff  er  alsbald  Maßregeln,  um  das  Regentenhaus  vor
weiteren  Konversionen  zu  bewahren  und  die  reformierte  Kirche
in  Hessen  zu  sichern.  So  kam  es,  daß  Friedrich  noch  als  Erbprinz ­
  vermöge  der  sogenannten  Religionsassekurationsakte  (1754)
auf  die  im  Jahre  1736  an  Hessen-Kassel  gefallene  Grafschaft
Hanau-Münzenberg  verzichten  mußte.  Dieselbe  ging  beim  Tode
Wilhelms  VIII.  nicht  auf  den  Sohn,  sondern  auf  den  Enkel  über,
womit  dem  Thronfolger  die  Unabhängigkeit  von  dem  katholischen
Vater  gesichert  werden  sollte.  Von  1760  bis  1764  wurde  die
Grafschaft  von  der  Mutter  und  Vormünderin  des  Erbprinzen,  Maria
von  England,  die  von  ihrem  Gatten  getrennt  lebte,  verwaltet.  Am
22.  Oktober  1764  hielt  Wilhelm  mit  seiner  jungen  dänischen
Gattin  seinen  Einzug  in  Hanau  und  übernahm  nunmehr  selbst  die
Regierung 8 .
Meyer  Amschel  Rothschild  war  damals  zwanzig  Jahre  alt.
Er  muß  bald  darauf  in  geschäftliche  Beziehungen  zum  Erbprinzen
getreten  sein,  denn  schon  am  21.  September  1769  wurde  er  zum
Fürstlich  Hessen-Hanauischen  Hof-Faktor  ernannt.
Um  einen  Titel  zu  erlangen,  ging  man  damals  in  ähnlicher
Weise  zu  Werke  wie  auch  heute  noch  vielfach,  man  bewarb  sich
darum.  So  auch  Rothschild.  Im  Stil  der  Zeit  unterwand  er  sich
untertänigst,  dem  Erbprinzen  eine  submisseste  Bittschrift  zu  Höchst
dessen  Füßen  zu  legen:  „Ich  habe  die  besondere  und  hohe  Gnade
gehabt,  Euer  Hoch  Fürstl.  Durch!*  verschiedene  Lieferungen  zu  thun
die  zu  Höchst  Dero  gnädigstem  Wohlgefallen  gereichet.  Alle  meine
Kräfte  und  Vermögen  werde  ich  anstrengen,  um  Euer  Hoch  Fürstl.
Durchl*  zu  fernern  gnädigst  Befehlenden  Diensten  bereit  zu  sein.
Eine  besondere  und  Kräftige  Aufmunterung  hiezu  würde  es  mir
geben,  wann  Euer  Hoch  Fürstl.  Durchlt  geruhen  wollten,  mich  mit
dem  Character  Höchst  Deroselben  Hof-Factoren  zu  begnadigen.
Ich  stehe  Euer  Hoch  Fürstl.  Durch!!  hierum  mit  desto  mehrerer
Zuversicht  an,  da  ich  dadurch  auf  keine  Weise  beschwerlich  falle,
        <pb n="17" />
        9

und  ich  durch  diesen  Character  in  Ansehung  meines  Handels
sowohl  als  auch  anderer  Umstände  wegen,  allhier  in  der  Stadt
Frankfurth  mein  Glück  machen  kan.“ 9
Welcher  Art  die  Lieferungen  waren,  von  denen  hier  die  Rede
ist,  und  auf  Grund  deren  Meyer  Amschel  der  Hoffaktortitel  bereitwilligst ­
  zugestanden  wurde,  dafür  finden  wir  einen  Anhaltspunkt
in  einem  anderen  Schreiben,  das  Rothschild  im  Jahre  1789  an
denselben  Regenten  richtete,  der  inzwischen  Landgraf  von  Hessen-Kassel
  geworden  war.  Er  bittet  darin  um  Überlassung  englischer
Wechselbriefe  und  beruft  sich  zur  Unterstützung  seines  Gesuchs
auf  seine  alten  Beziehungen  zum  Landgrafen.  Diese  beschränkten
sich  aber,  nach  dem  Inhalt  des  Schreibens  zu  schließen,  einmal
auf  die  Realisierung  englischer  Wechsel  und  dann  auf  die  Besorgung
von  Münzen  für  das  fürstliche  Kabinett.  Nur  auf  Geschäfte  letzterer
Art  kann  man  den  Ausdruck  „Lieferungen“  in  dem  Schreiben
vom  Jahre  1769  beziehen.  Aus  des  Kurprinzen  eigenen  Aufzeichnungen ­
  geht  nun  hervor,  daß  er  seine  Münzsammlung  bereits  im
Jahre  1763,  ein  Jahr  bevor  er  in  Hanau  einzog,  begonnen  hatte 10 .
Und  in  der  Hanauer  Schatullkassen-Rechnung,  die  leider  in  Marburg
nur  für  die  Zeit  vom  Oktober  1764  bis  Dezember  1765  vorhanden
ist,  treten  Beträge  für  alte  Silbermünzen,  Medaillen,  Medaillentische ­
  und  ähnliches  auf.  Im  Juni  1765  werden  daselbst  einem
Juden  namens  Meyer  38  fl  30  kr  für  Medaillen  ausgezahlt.  Für
damalige  Zeit  darf  es  nicht  auffallen,  wenn  ein  Jude,  obgleich
er  schon  einen  Familiennamen  besaß,  noch  mit  dem  bloßen
Vornamen  genannt  wird.  In  derselben  Schatullkassen-Rechnung
wird  ein  Jude  Amschell  Kahn  aus  Hanau  bald  unter  dem  vollen
Namen,  bald  unter  dem  bloßen  Vornamen  aufgeführt.  Man  darf
daher  annehmen,  daß  mit  dem  Namen  Meyer  der  Rufname  Meyer
Amschel  Rothschilds  gemeint  ist  und  daß  jener  kleine  Umsatz
von  38  fl  30  kr  das  erste  Geschäft  war,  das  Rothschild  mit
dem  Erbprinzen  machte.  Zwei  Monate  vorher,  im  April  des
Jahres  1765,  waren  Serenissimus  nach  Ausweis  der  Schatullkassen-Rechnung
  drei  Mal  zur  Messe  nach  Frankfurt  gereist.  Das  war
Gelegenheit  genug,  um  mit  dem  Münzhändler  Rothschild  in  Beziehung ­
  zu  treten.  Und  da  letzterer  im  Brief  vom  Jahre  1789
selbst  sagt,  daß  die  Münzlieferungen  seit  vielen  Jahren  stattfanden ­
  11 ,  so  darf  man  den  Schluß  ziehen,  daß  es  Lieferungen  für
das  fürstliche  Münzkabinett  waren,  wodurch  Rothschild  sich  beim
        <pb n="18" />
        10

Erbprinzen  in  Hanau  bereits  in  den  sechziger  Jahren  verdient  gemacht ­
  hatte.  Wenn  dieser  Fall  zeigt,  daß  Rothschild  in  jungen
Jahren  ein  findiger  und  geschickter  Münzhändler  gewesen  sein
muß,  so  fehlt  es  auch  nicht  an  Anhaltspunkten  dafür,  daß  er  den
Münzhandel  dauernd  und  zeitweilig  in  recht  intensiver  Weise
betrieb.
Am  22.  August  1780  schreibt  er  an  Friedrich  Justin  Bertuch,
den  Geheimschreiber  des  Herzogs  Karl  August  in  Weimar,  daß
er  vom  Grafen  von  Oersdorfs  eine  starke  Münzsammlung,  meist
sächsische  Münzen  und  Medaillen,  gekauft  habe,  fragt  an,  ob  er
ein  Verzeichnis  derselben  senden  solle,  und  überreicht  einstweilen
einen  seiner  Verkaufskataloge  l2 .  Wie  ein  solcher  Catalogus  aussah ­
  und  was  er  enthielt,  darüber  geben  uns  zehn  noch  erhaltene
Kataloge  der  Freiherrlich  Carl  v.  Rothschild’schen  Bibliothek  Aufschluß. ­
  Sie  sind  alle  in  kleinem  Oktavformat  gedruckt,  und  ihr
Umfang  beträgt  8  bis  16  Seiten.  Nach  meinem  Dafürhalten
stammen  sechs  Kataloge  aus  den  siebenziger,  vier  aus  den  achtziger
Jahren,  ln  den  sechs  älteren  schwankt  die  Verkaufssumme  der
angebotenen  Stücke  etwa  zwischen  1666  und  2917  fl,  in  den
vier  jüngeren  zwischen  2579  und  5074  fl.  Ferner  werden  in
den  Katalogen  der  siebenziger  Jahre  fast  nur  Thaler,  in  denen  der
achtziger  Jahre  auch  griechische,  römische  und  sonstige  Münzen
angeboten.  Man  kann  daraus  den  Schluß  ziehen,  daß  Rothschilds
Münzhandel  sich  während  der  achtziger  Jahre  erweiterte 13 .  Und
auch  nach  anderer  Richtung  eröffnen  die  vier  unscheinbaren
Heftchen  der  achtziger  Jahre  dem  aufmerksamen  Leser  einige
wertvolle  Ausblicke.  Es  geht  nämlich  aus  verschiedenen  Stellen
hervor,  daß  Rothschild  zu  jener  Zeit  neben  Münzen  und  Medaillen
noch  sonstige  Kunstsachen  führte.  In  einer  Nachschrift  zu  einem
der  Kataloge  findet  sich  die  Mitteilung,  daß  auch  Antique  Seltenheiten
und  Alterthümer  zu  verkaufen  stehen.  Aus  einem  Katalog  vom  Jahre
1786  erfahren  wir  ferner,  daß  auch  ein  Antique  Stein-Gabinet  von
geschnittenen  Bildern  und  seltenen  Steinen  um  billige  Preise  zu  haben
ist.  Und  ein  Katalog  vom  Jahre  1783  oder  1784  meldet  am  Schluß:
„Auch  sind  bei  mir  zu  haben  eine  Anzahl  Antique  geschnittene
Figuren  und  Steine,  schöne  geschnittene  Bildgen  zum  Theil  mit
Diamanten  besetzt;  sollten  solche  von  einem  Liebhaber  zum  Ansehen ­
  begehrt  werden,  so  wird  man  selbige  'einsenden,  und  den
billigsten  Preis  bestimmen.“  Auch  gibt  es  ein  untrügliches  Zeichen
        <pb n="19" />
        11

dafür,  daß  Rothschilds  Antiquitätenhandel  noch  in  die  siebenziger
Jahre  zurückreicht.  Im  Jahre  1778  nämlich  wird  Rothschild  zum
ersten  Mal  in  einem  Handlungsadreßbuch  erwähnt  und  dabei  lediglich ­
  als  Verkäufer  von  „Antiquen,  Medaillen  und  Schaustücken“
bezeichnet 14 .
Aus  alledem  muß  man  schließen,  daß  in  den  siebenziger  und
achtziger  Jahren  der  Münz-,  Medaillen-  und  Antiquitätenhandel,
letzterer  im  engeren  und  noch  heute  üblichen  Sinn,  den  Hauptbetrieb ­
  der  Rothschildschen  Handlung  darstellte  und  das  Wechselgeschäft ­
  weniger  hervortrat.  Auch  in  den  neunziger  Jahren  stand
der  Medaillenhandel  noch  in  Blüte.  Im  Jahre  1796  ließ  Meyer
Amschel  seinen  Knecht  Hirsch  Liebmann  verhaften,  weil  derselbe
verdächtig  war,  u.  a.  über  200  Stück  goldene  und  silberne  Medaillen
gestohlen  zu  haben 15 .  Da  das  allmähliche  Verschwinden  der
betreffenden  Stücke  erst  spät  festgestellt  wurde,  so  muß  man
daraus  den  Schluß  ziehen,  daß  der  Lagerbestand  zu  jener  Zeit
noch  beträchtlich  war.  Auch  dauerte  es  noch  lange,  bis  der
Medaillenhandel  aus  dem  Rothschildschen  Geschäft  völlig  ausgeschieden ­
  wurde.  Für  den  Kurfürsten  wurden  jedenfalls  noch  in
den  ersten  Jahrzehnten  des  19.  Jahrhunderts,  zuletzt  vielleicht
nur  noch  aus  besonderer  Gefälligkeit,  derartige  Geschäfte  zur
Ausführung  gebracht.
Als  nämlich  Rothschild  im  Jahre  1789  nach  längerer  Unterbrechung ­
  sich  dem  hessischen  Landgrafen  wieder  genähert  hatte
und  alsdann  bei  der  Realisierung  englischer  Wechsel  wieder  zugelassen ­
  war,  wurde  er  bald  darauf  auch  zu  Lieferungen  für  das
Medaillenkabinett  von  neuem  herangezogen.  Diese  Lieferungen
beginnen  mit  dem  Jahre  1791  und  dauern  bis  zum  Jahre  1806 16 .
Bei  der  französischen  Okkupation  fiel  das  Medaillenkabinett
des  Kurfürsten  in  die  Hände  der  Franzosen  und  wurde  nach  Paris  gebracht. ­
  Am  19.  April  1807  beauftragte  Wilhelm  I.  seinen  Oberhofagenten ­
  von  Rendsburg  aus,  das  Medaillenkabinett  zurückzukaufen  :
„Wir  versehen  Uns  zu  ihm,  daß  er  bey  diesem  Geschäft  allenthalben
nicht  allein  die  nöthige  Vorsicht  anzuwenden,  sondern  auch  zum
Vortheil  Unseres  Höchsten  Interesse,  diese  Medaillen,  so  billig  als
möglich,  zu  erhandeln  suchen  wird;  höchstens  darf  er  nur  für  die
goldenen  Medaillen  für  jeden  Dukaten  Sechs  Gulden  und  für  die
silbernen  =  für  jedes  Loth  Zwey  Gulden  20  Kreutzer,  beydes  im
24  fl-Fuß,  bezahlen;  welchen  Preis  Wir  ihm,  nach  geschehener
        <pb n="20" />
        richtigen  Ablieferung,  und  von  der  Behörde  darüber  beygebrachten
Bescheinigung  wieder  zu  erstatten  hierdurch  gnädigst  zusichern.“
Noch  im  Jahre  1807  lieferte  Rothschild  941  von  den  Franzosen
wiedererkaufte  silberne  Medaillen  ab,  die  168  Mark  wogen  und
mit  2 1 /s  fl  für  das  Lot,  d.  h.  mit  6272  fl  beglichen  wurden.
Unterm  26.  Februar  1808  quittierte  der  Kurfürst  in  Itzehoe  über
den  Empfang  von  92  Stück  goldene  und  weiteren  1320  Stück
silberne  Medaillen,  wovon  die  goldenen  2436  Dukaten  und  die
silbernen  3616  Lot  wiegen  sollten.  Nachdem  das  Gewicht  richtig
befunden  war,  wurde  im  Januar  1809  auch  dieser  Posten  von  dem
Geheimen  Kriegsrat  Buderus  von  Carlshausen  mit  dem  ausbedungenen ­
  Kaufpreis  von  23  053  fl  20  kr  durch  Verrechnung  beglichen ­
  17 .
Nodi  nach  Rothschilds  Tod  lieferte  sein  Haus  zwei  Mal  Medaillen
an  den  hessischen  Hof.  Am  6.  Januar  1813  wurden  in  Prag
13  Stück  goldene  und  208  Stück  silberne  Medaillen  abgeliefert,
und  im  Jahre  1814  fand  noch  eine  Lieferung  statt  im  Betrag  von
434  Rtlr.  26  Albus  3  Heller,  wie  aus  der  Schatullkassen-Rechnung
des  Jahres  1814  (S.  19)  zu  ersehen  ist.
Der  Handel  mit  Antiquitäten  läßt  sich  ebenfalls  weiter  herab
verfolgen.  In  den  neunziger  Jahren  findet  sich  noch  eine  deutliche ­
  Spur  davon.  Wenn  Rothschild  dann  in  der  Exilzeit  dem
Kurfürsten  mehrere  Gegenstände  der  Kleinkunst  abkaufte,  so  kann
das  allerdings  ein  bloßer  Gefälligkeitsdienst  gewesen  sein.  Im
Jahre  1813  aber  tritt  der  Kurfürst  noch  einmal  als  Abnehmer
auf.  Er  erhielt  einen  kostbaren  Ring  mit  einem  großen  rötlichen
Brillant,  der  mit  kleinen  weißen  Brillanten  umgeben  war 18 .
Damit  sind  unsere  Nachrichten  über  diesen  Gegenstand  erschöpft. ­
  Wichtig  ist,  daß  Meyer  Amschel  schon  in  jungen  Jahren
in  Verbindung  mit  seinem  Wechslerberuf  den  Münz-  und  Medaillenhandel ­
  betrieb  und  sich  auf  diesem  Weg  seinen  Hoftitel  beim
Fürsten  von  Hessen-Hanau  verdiente,  daß  in  den  siebenziger  und
achtziger  Jahren  sein  Münz-  und  Medaillenhandel  einen  größeren
Umfang  annahm  und  sich  gleichzeitig  der  Handel  mit  Juwelen  und
Antiquitäten  dazugesellte,  während  der  Handel  mit  Wechseln  mehr
zurücktrat.  Daß  der  Münz-  und  Antiquitätenhandel  sich  nach  den
achtziger  Jahren  noch  umfangreicher  entwickelt  hätte,  ist  nicht
anzunehmen.  Jedenfalls  kann  er  zu  dieser  Zeit  im  Verhältnis  zu
Rothschilds  sonstigem  Warenhandel  nur  einen  kleinen  Teil  aus-
        <pb n="21" />
        13

gemacht  haben.  Denn  es  läßt  sich  feststellen,  daß  letzterer  ein  sehr
ausgedehnter,  zugleich  Groß-  und  Kleinhandel,  Speditions-und  Kommissionsgeschäft ­
  war  und  sich,  wie  auch  bei  anderen  großen  Handelshäusern ­
  damaliger  Zeit,  auf  sehr  verschiedenartige  Zweige  erstreckte.
Die  wenigen  Nachrichten,  die  wir  darüber  zu  bieten  vermögen,
stammen  aus  den  neunziger  und  besonders  aus  den  folgenden
Jahren,  und  zwar  hatte  der  Betrieb  im  Anfang  des  19.  Jahrhunderts ­
  einen  Umfang  angenommen,  der  vermuten  läßt,  daß  lange
und  arbeitsreiche  Jahre  vorausgegangen  sein  müssen,  ehe  dieser
Zweig  des  Rothschildschen  Geschäfts  auf  solche  Höhe  gebracht
werden  konnte.

Rothschilds  sonstiger  Warenhandel.
Als  Rothschild  sechzig  Jahre  alt  war,  im  Jahre  1804,  zahlteer ­
  für  sein  Warenmagazin  eine  jährliche  Miete  von  400  fl  24  ff.
Daraus  ergibt  sich,  daß  sein  Warenbetrieb  umfangreich  war.  Im
Jahre  1809  gibt  er  im  Polizeiverhör  an,  daß  er  außer  seiner
Wechselhandlung  noch  eine  Warenhandlung  betreibe,  und  daß  vier
seiner  Söhne  dafür  tätig  seien.  Am  16.  Mai  1810  schreibt  er  dem
Kurprinzen  von  Hessen,  von  dem  er  fortgesetzt  angeborgt  wurde,,
er  sei  bereit,  ihm  zu  helfen,  obgleich  er  ein  starkes  Warenlager
habe,  und  sein  Kapital  in  seinem  Handel  gebrauchen  könne.  Und
in  dem  Gesellschaftsvertrag,  der  am  27.  September  1810  zwischen
ihm  und  dreien  seiner  Söhne  abgeschlossen  wurde,  und  dessen
amtliche  Urschrift  sich  auf  dem  Frankfurter  Stadtarchiv  befindet,
werden  bei  Aufzählung  der  Bestandteile  des  Handlungsfonds  die-Waren
  jedesmal  an  erster  Stelle  genannt.  Auch  hatten  die  Rothschild ­
  damals  noch  ein  Ladengeschäft.
Unter  den  Handelsartikeln  treten  hauptsächlich  Kleiderstoffe
hervor,  und  man  darf  annehmen,  daß  Rothschild  schon  in  früher
Zeit  sich  diesem  Geschäftszweig  zugewandt  hatte.  Nachweislich
machte  er  im  Jahre  1796  in  dieser  Branche  Geschäfte  mit  den
Firmen  Bradforth  in  Yorkshire  und  Sisson  Wood  &amp;amp;  Co.  in  Leeds.
Im  Jahre  1802  sandte  er  auf  fremde  Rechnung  zwei  Kisten  mit
Waren  an  die  Firma  Konrad  Knopf  in  Nürnberg,  deren  Inhalt
hauptsächlich  in  Batistmusselin  und  broschiertem  Musselin,  dann,
in  Tüchern  en  Couleur,  Kalikos,  Balzorins  u.  a.  bestand 19 .
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14  —

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fc-Weitere

  Artikel  seines  Handelsbetriebs  ergeben  sich  aus
folgenden  gelegentlich  von  mir  gemachten  Notizen.  Im  Juli  1806
empfängt  er  von  den  Starman  &amp;amp;  Co.  in  London  Assekuranzrechnung ­
  und  Faktura  über  14  Ballen  Kaffee  sowie  6  Kisten  und
3  Seronen  Indigo,  welche  für  seine  Rechnung  mit  dem  Schiffe
Mercurius,  Kapitän  A.  Jacobs,  nach  Hamburg  verladen  waren.  Im
Jahre  1807  kauft  er  in  Hamburg  eine  große  Partie  baumwollener
Waren.  Im  Jahre  1809  macht  er  nachweislich  Geschäfte  in  Zucker
und  Tabak,  im  Jahre  1810  außer  in  Tuch  und  baumwollenen
Tüchern  auch  in  Hasenfellen,  Schafwolle,  Arrak  und  Wein,  meist,
wie  es  scheint,  als  Kommissionär  oder  Spediteur.  Schafwolle  und
makedonische  Baumwolle  gehörten  damals  zu  seinen  Hauptartikeln.
In  dieser  Branche  hatte  er  u.  a.  auch  Geschäftsverbindung  mit
Prager  Häusern,  was  aus  seinem  regen  Verkehr  mit  dem  damals
in  Prag  weilenden  Kurfürsten  leicht  verständlich  wird.
Die  wichtigste  Bezugsquelle  für  Rothschilds  Warenhandel
muß  England  gewesen  sein.  Als  sein  Sohn  Nathan  Mayer  sich
im  Jahre  1798  in  Manchester  eingerichtet  hatte,  entwickelte  sich
zwischen  ihm  und  dem  Frankfurter  Mutterhaus  ein  lebhafter  Verkehr. ­
  Nathan  Mayer  war  nach  Manchester  gegangen,  um  englische
Waren  an  Ort  und  Stelle  einzukaufen.  Er  erzählt  seine  Erlebnisse
von  damals  dem  Sir  Thomas  Powell  Buxton  folgendermaßen:  „Es
war  in  der  Stadt  (Frankfurt)  nicht  genug  Raum  für  uns  alle.  Ich
machte  Geschäfte  in  englischen  Waren.  Ein  Engländer  kam  herüber, ­
  der  den  Markt  ganz  für  sich  hatte;  er  spielte  den  Großen
und  tat,  als  erweise  er  uns  eine  Gnade,  wenn  er  an  uns  verkaufte.
Ich  beleidigte  ihn  auf  irgendeine  Weise;  er  lehnte  es  daher  ab,
mir  seine  Muster  vorzulegen.  Dies  geschah  an  einem  Dienstag.
Ich  sagte  zu  meinem  Vater:  Ich  will  nach  England  gehen.  Ich
konnte  nur  Deutsch  sprechen;  aber  am  Donnerstag  schon  reiste
ich  ab.  Je  näher  ich  England  kam,  desto  wohlfeiler  wurden  die
englischen  Waren.  Als  ich  in  Manchester  angelangt  war,  verwendete ­
  ich  meine  ganze  Barschaft  zu  Einkäufen.  Es  war  ja
alles  so  spottbillig,  und  ich  machte  einen  guten  Profit.  Ich  fand
bald,  daß  bei  dem  ganzen  Geschäfte  ein  dreifacher  Nutzen  gemacht ­
  werde:  am  Rohmaterial,  beim  Färben  und  bei  der  eigentlichen ­
  Fabrikation.  Ich  sagte  zum  Fabrikanten:  Ich  liefere  Dir
Material  und  Farbe  und  Du  lieferst  mir  fertige  Ware.  So  zog  ich
dreifachen  Nutzen  und  konnte  billiger  als  alle  anderen  verkaufen.
        <pb n="23" />
        15

ln  kurzer  Zeit  verdiente  ich  mit  meinen  20  000  £  das  Doppelte,
so  daß  ich  60  000  besaß.  Mein  Erfolg  beruhte  auf  einem  einzigen
Grundsätze.  Ich  sagte  mir:  ,Was  ein  anderer  kann,  das  kann  ich
auch,  deshalb  bin  ich  dem  Mann  mit  den  Mustern  gewachsen  und
ebenso  allen  anderen!“  Ich  hatte  noch  einen  weiteren  Vorteil:  ich
war  ein  Kaufmann  aus  dem  Stegreif.  Ich  nahm  alles  mit  und
schloß  immer  meinen  Handel  auf  der  Stelle  ab.“ 20
Diese  Selbstschilderung  darf  im  wesentlichen  als  zutreffend
gelten,  obgleich  sie  erst  im  Februar  1834  stattfand,  36  Jahre  nachdem ­
  Nathan  Mayer  nach  England  übergesiedelt  war.  Dort  angelangt, ­
  war  er  selbstverständlich  darauf  bedacht,  nicht  nur  auf
eigene  Hand  ausgedehnte  Geschäfte  zu  machen,  sondern  auch
das  Frankfurter  Mutterhaus  in  reichlichstem  Maße  mit  englischen
Waren  zu  versorgen.  Ich  habe  jedoch  nur  gelegentliche  und  sehr
unvollkommene  Ermittlungen  hierüber  anstellen  können.  Zunächst
muß  man  es  als  selbstverständlich  betrachten,  daß  Nathan  Mayers
Warengeschäfte,  wie  er  sie  in  jener  Selbstschilderung  darlegt,  zum
guten  Teil  nach  dem  Festland  gerichtet  waren,  denn  nur  auf  diese
Weise  ließ  sich  ein  besonders  hoher  Gewinn  erzielen.  Meine
Notizen  zeigen,  daß  er  außer  seinem  Vater  auch  mit  anderen
Festlandsfirmen,  so  in  den  Jahren  1802  und  1803  mit  Sichel  &amp;amp;  Hildesheimer ­
  in  Frankfurt,  direkten  Geschäftsverkehr  unterhielt.  Seines
Vaters  aber  bediente  er  sich  auch  zur  Vermittlung  mit  sonstigen
Plätzen.  So  empfing  das  Frankfurter  Haus  während  der  Monate
Mai  bis  August  des  Jahres  1803  eine  Anzahl  Kistentransporte,
die  an  Löb  Hertz  in  Mainz,  C.  Fachmann  &amp;amp;  Co.  in  Brüssel,  Jacob
Marius  in  Amsterdam,  Veuve  Jaion  in  Lyon  und  an  verschiedene
andere  französische  Firmen  weitergehen  sollten.
Man  muß  annehmen,  daß  diese  Waren  ihren  Weg  über
einen  deutschen  Hafenplatz  nahmen.  Andere  kamen  über  Dünkirchen. ­
  Dort  hatte  sich  zeitweilig  Rothschilds  Sohn  Carl  Mayer
eingerichtet,  um  den  Eingang  der  von  Nathan  Mayer  abgesandten
englischen  Waren  daselbst  zu  erleichtern  und  sie  nach  den  Angaben ­
  seines  Vaters  nach  Frankfurt  oder  nach  anderen  deutschen
Plätzen  weiter  zu  fördern 21 .  Wieder  andere  Sendungen  kamen
über  Amsterdam.  So  wurde  im  Jahre  1809  oder  1810  eine  Sendung
von  Cambrics  und  Fancy  (Modeartikel)  im  Betrag  von  £  6023.16.0
an  die  Herren  Gosch  &amp;amp;  Lotes  in  Amsterdam  zur  Disposition  von
James  Mayer,  dem  1792  geborenen  jüngsten  Sohn  Rothschilds,
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        ;X.  V'i'-cv

16  —

Übermacht.  Auch  einen  Posten  von  900  Dutzend  Tüchern,  die
Rothschild  selbst  etwa  9700  fl  zu  stehen  kamen  und  einen  Gewinn
von  2229  fl  2  kr,  d.  h.  von  etwa  23°  o  abwarfen,  empfing  er  nachweislich ­
  auf  dem  Weg  über  Amsterdam  (1809  oder  1810).  Im
August  1809  gingen  15  Kisten  mit  Indigo  im  Wert  von^  1230.10.6
an  die  Firma  Echenique  &amp;amp;  Co.  daselbst,  und  es  scheint,  daß  auch
diese  Sendung  für  das  Frankfurter  Flaus  bestimmt  war.  Im  November
1809  erhielt  letzteres  auf  demselben  Seeweg  150  Päcke  „Twilled
Bandan“  (Geköperte  Taschentücher),  Mull,  Musselins  und  Worked
Robes.  Bei  den  übrigen  von  mir  notierten  Sendungen  ist  der  Weg
nicht  festzustellen.  Ihr  Inhalt  bestand  vorzugsweise  aus  Printed
Cambrics  (Kammertuch),  Blue  end  und  Red  end  Cambrics.  In  der
Regel  müssen  während  der  Jahre  1800  bis  1810  jeden  Monat
mehrere  Warensendungen  an  Rothschild  stattgefunden  haben.
Feststellen  läßt  sich,  daß  Nathan  Mayer  vom  15.  August  1801  bis
4.  August  1802  bei  der  Firma  S.  Solomons  &amp;lt;L  Co.  in  London  (Burry
Street)  auf  Rechnung  seines  Vaters  sechzehn  Kistentransporte
versichern  ließ.  Die  Gesamtversicherungssumme,  welche,  wie  es
scheint,  auch  alle  sonstigen  Spesen  in  sich  schloß,  betrug  rund
19  270  £.  Nach  Analogie  eines  anderen  genau  berechneten  Falles
muß  die  Wertsumme  der  übersandten  Waren  mit  Einschluß  der
Versicherung  sich  auf  60540  £  abgerundet  haben.  Die  Versicherung
betrug  nämlich  nahezu  die  Hälfte  vom  Einkaufspreis  der  Ware,
in  den  Jahren  1809  und  1810  sogar  etwas  mehr  als  die  Hälfte,
nämlich  35°  o  des  Gesamtpreises.  Sehr  regsam  muß  der  Verkehr
zwischen  Vater  und  Sohn  im  Juli  1810  gewesen  sein.  Unterm
9.  Juli  gingen  zwei  Sendungen  nach  Frankfurt,  die  eine  im  Wert
von  £  8816.16.9,  Mulegarn  (Mule  Twist)  und  vielleicht  auch
sonstige  Waren  enthaltend,  die  andere,  aus  Zucker,  Kaffee,  Wassergarn ­
  (Water  Twist)  und  Mulegarn  bestehend,  im  Betrage  von
£  4837.7.11.  Am  18.  Juli  wurden  257  Ballen  Musselin  und
seidene  Taschentücher  (Bandanna)  im  Wert  von  .€*3763.15.1  abgesandt. ­
  Am  23  Juli  gingen  wieder  zwei  Sendungen  ab,  200  Ballen
Blue  end  Cambrics,  Balassores  u.  a  im  Betrag  von  £  5350.4.7
und  50  Ballen  Printed  Cambrics  im  Betrag  von  £  1738.19.4.
Am  25.  Juli  fand  eine  nicht  näher  bezeichnete  Sendung  im  Betrag
von  £  10194  19.2  statt,  an  demselben  Tage  eine  andere  im
Betrag  von  £  12188.3.10.  Der  Gesamtwert  der  Julisendungen
betrug  demnach  über  45  000  £.

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        17

Soweit  meine  Notizen  über  diese  englischen  Geschäftsbeziehungen ­
  genauer  datiert  sind,  brechen  sie  ab  mit  dem  Monat
Juli  des  Jahres  1810.  Das  scheint  kein  Zufall  zu  sein.  Denn  von
diesem  Zeitpunkt  an  war  der  Geschäftsverkehr  mit  England
wesentlich  erschwert.  Die  Gründe  dafür  ergeben  sich  aus  der
napoleonischen  Politik.
England  hat  von  jeher  mit  demjenigen  Festlandstaat  rivalisiert, ­
  der  am  mächtigsten  war,  wie  in  unserer  Zeit  mit  Deutschland, ­
  so  in  früheren  Jahrhunderten  mit  Frankreich.  Napoleons
Politik  ist  nur  aus  dem  traditionellen  Zwiespalt  zweier  um  die
Vorherrschaft  streitenden  Weltmächte  zu  verstehen.  Von  der  ägyptischen ­
  Expedition  bis  zum  russischen  Feldzug  war  die  Einschränkung ­
  der  englischen  Machtsphäre  gewissermaßen  das  Endziel  aller
seiner  Kriege,  und  seine  Eroberungspolitik  auf  dem  Festland  lief
im  wesentlichen  darauf  hinaus,  das  die  Meere  beherrschende,  im
Herzen  unantastbare  Inselreich  auf  indirektem  Wege  zu  schädigen,
wie  er  selbst  es  ausdrückt,  durch  das  Land  das  Meer  zu  erobern.
Um  die  Entstehung  der  spezifisch  handelspolitischen  Wirren
zu  begreifen,  muß  man  auf  das  Jahr  1786  zurückgehen,  wo  der
englische  Premierminister  Pitt  einen  meisterhaften  Handelsvertrag
mit  Frankreich  zustande  brachte,  der  den  englischen  Manufakturwaren ­
  mäßige  Eingangszölle  gewährte,  aber  auch  die  Industrie
Frankreichs  im  Laufe  der  Jahre  in  bedenklicher  Weise  herabdrückte.
Es  gab  in  Frankreich  Fabrikzentren,  die  nicht  mehr  die  Hälfte
von  dem  produzieren  konnten,  was  sie  vor  dem  Jahre  1786
geleistet  hatten.  Die  Handelsbilanz  zwischen  den  beiden  Nationen
schlug  geradezu  um.  Die  englische  Einfuhr  stieg  auf  55  bis
60  Millionen,  die  französische  sank  auf  30  bis  35  Millionen.  So
kam  es,  daß  bei  Eröffnung  der  kriegerischen  Feindseligkeiten  im
Jahre  1793  zugleich  ein  handelspolitischer  Kampf  eingeleitet  wurde,  in
dem  beide  Parteien  sich  an  Rücksichtslosigkeit  nichts  nachgaben.
Aufs  höchste  stieg  die  Erbitterung  im  Jahre  1806.  Durch  eine
Geheimratsordnung  vom  16.  Mai  erklärte  England  die  Küstenstrecke
von  Brest  bis  zur  Elbe  in  Blockadezustand,  obgleich  ihm  keine
genügende  Zahl  von  Schiffen  zur  Verfügung  stand,  um  eine  solche
Blockade  im  völkerrechtlichen  Sinne  zur  Durchführung  zu  bringen.
Napoleon  wartete  mit  seinem  Gegenschlag,  bis  er  Preußen  niedergeworfen ­
  und  damit  ein  weiteres  Stück  Küstenland  in  seine  Machtsphäre ­
  gezogen  hatte.  Am  21.  November  erließ  er  von  Berlin  aus
2
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        das  berühmte  Edikt,  wodurch  er  seinerseits  die  britischen  Inseln
in  Blockadezustand  erklärte,  den  Handel  mit  England  oder  mit
englischen  Waren  untersagte,  jede  englische  Ware  für  gute  Prise
erklärte  und  jedem  direkt  von  England  kommenden  Schiff  die
Aufnahme  in  irgendeinem  Hafen  verweigerte,  bei  falscher  Deklaration ­
  aber  die  Konfiszierung  verlangte.
Diese  sowohl  als  militärische  wie  als  wirtschaftliche  Maßnahme ­
  aufzufassende  sog.  Kontinentalsperre  galt  für  alle  alliierten
Staaten,  also  auch  für  den  Primatialstaat  (errichtet  auf  Grund  der
Rheinbundakte  vom  12.  Juli  1806)  beziehungsweise  das  Großherzogtum ­
  Frankfurt  (errichtet  durch  Staatsvertrag  vom  16.  Februar  1810).
Nur  wurden  die  Vorschriften  begreiflicherweise  massenhaft  umgangen. ­
  Und  da  es  kein  Mittel  gab,  um  dem  Schmuggel  in
Kolonialwaren  wirksam  zu  steuern,  so  entschloß  sich  Napoleon  in
der  Absicht,  der  nach  dem  österreichischen  Feldzug  eingetretenen
Finanznot  abzuhelfen,  zu  dem  Edikt  von  Trianon  vom  5.  August
1810.  Für  englische  Manufakturwaren  blieben  nach  wie  vor  die
Bestimmungen  vom  November  1806  bestehen.  Die  Kolonialwaren
dagegen  wurden  zugelassen  gegen  einen  ausnehmend  hohen  Zoll,
der  etwa  40  bis  50  °/o  des  Preises  betrug  und  ungefähr  der  bis
dahin  üblichen  Schmugglerprämie  entsprochen  haben  mag.  Alle
Rheinbundstaaten,  die  Schweiz  und  Preußen  sahen  sich  genötigt,
den  Tarif  von  Trianon  anzunehmen.  Im  Großherzogtum  Frankfurt
trat  er  mit  dem  1.  Oktober  1810  in  Kraft.  Der  Handelsplatz  Frankfurt ­
  war  aber  dem  Kaiser  schon  lange  vorher  wegen  Umgehung
des  Berliner  Dekrets  in  hohem  Maße  verdächtig  erschienen  und
bereits  im  August  des  Jahres  1810  hatte  er  einen  Spion  namens
Thiard  dorthin  gesandt,  um  den  Warenverkehr  und  den  Schmuggel
zu  überwachen.  Im  Oktober  desselben  Jahres  wurde  die  Stadt  von
zwei  französischen  Infanterieregimentern  besetzt  und  am  23.  Oktober
das  Dekret  aus  Fontainebleau  vom  14.  desselben  Monats  bekannt
gegeben.  Darin  war  gesagt,  daß  die  Stadt  Frankfurt  mit  englischen ­
  und  Kolonialwaren  angefüllt  sei,  die  im  Laufe  des  letzten
Sommers  aus  Holland  und  den  nordischen  Häfen  eingeführt  und
dazu  bestimmt  seien,  heimlich  und  in  frevelhafter  Weise  nach
Frankreich  weitergeführt  zu  werden.  Es  solle  daher  auf  alle  in
Frankfurt  vorhandenen  Kolonialwaren,  ebenso  auf  englische  oder
vom  englischen  Handel  herkommende  Waren  der  Sequester  gelegt
werden.  Um  gleichzeitig  den  Schleichhandel  für  die  Zukunft
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        unmöglich  zu  machen,  hatte  Napoleon  am  19.  Oktober  durch  ein
zweites  Dekret  aus  Fontainebleau  befohlen,  daß  alle  von  englischen
Fabriken  herkommenden  und  verbotenen  Waren,  die  sich  gegenwärtig ­
  in  den  Niederlagen  oder  auch  noch  in  den  Magazinen  der
Douanen  befänden,  oder  künftig  bei  den  Douanen  einkommen,
beziehungsweise  irgendwo  in  Beschlag  genommen  würden,  öffentlich ­
  verbrannt  werden  sollten 22 .
Dieses  Dekret  sollte  auch  auf  die  in  Frankfurt  aufgestapelten
Manufakturwaren  zur  Anwendung  kommen,  wogegen  für  die  daselbst ­
  sequestrierten  Kolonialwaren  lediglich  der  Impost  von  Trianon
bezahlt  werden  sollte.  Nicht  weniger  als  234  Frankfurter  Firmen
hatten  unter  dieser  Kolonialwarensteuer  zu  leiden.  Und  obgleich
die  mit  der  Ausführung  betrauten  französischen  Behörden  sich  der
Bestechung  zugänglich  erwiesen,  wurden  bei  dieser  „Plünderung
des  Frankfurter  Handelsstandes“  (so  bezeichnen  die  späteren  Staatshandbücher ­
  den  Vorgang)  mehrere  Millionen  Franken  nach  Paris
entführt.  Die  Verbrennung  der  englischen  Textilwaren  scheint
weniger  ernst  betrieben  zu  sein  und  wird  kaum  mehr  als  100  000  fl
Schaden  angerichtet  haben 23 .  Immerhin  waren  diese  Maßnahmen
der  französischen  Regierung  geeignet,  von  einem  lebhaften  Geschäftsverkehr ­
  mit  England  abzuschrecken.  Von  den  Rothschild
wenigstens  darf  man  behaupten,  daß  sie  seit  jener  Zeit  das  Ladengeschäft ­
  und  den  Warenhandel  im  wesentlichen  eingehen  ließen.
Als  der  Gesellschaftsvertrag  vom  27.  September  1810  abgeschlossen
wurde,  machten  die  Waren  begreiflicherweise  noch  den  Hauptbestandteil ­
  des  Geschäftsvermögens  aus.  Und  bei  Sequestrierung
der  englischen  Waren  im  Oktober  desselben  Jahres  deklarierte
Rothschild  seine  derartigen  Vorräte  mit  60  000  fl,  wovon  27000  fl
allein  auf  Indigo  entfielen.  Anders  verhielt  es  sich  zwei  Jahre
später.  Kurz  vor  seinem  Tode  verkaufte  Rothschild  seinen  Vermögens- ­
  und  Handlungsanteil  an  seine  Söhne.  Dabei  handelte  es
sich  ausgesprochenermaßen  nur  um  Staatspapiere,  Wechsel,  Obligationen, ­
  Wein,  Bargeld,  liquide  und  illiquide  Aktiva.  Die  Rothschildsche
  Handlung  muß  demnach  zu  jenem  Zeitpunkt  wesentlich
Bankgeschäft  gewesen  sein.  Warenhandel  für  eigene  Rechnung
wurde  jedenfalls  nicht  mehr  in  dem  früheren  Umfang  betrieben,
sondern  nur  noch  Weinhandel.
Wir  haben  die  zerstreuten  Nachrichten  von  Rothschilds  Warenhandel ­
  an  erster  Stelle  vereinigt,  weil  wir  glauben,  daß  der  Waren-2*
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handel  von  Anfang  an  bis  zum  Jahre  1810  die  eigentliche  Grundlage ­
  seines  Geschäftes  war.  Für  einen  Frankfurter  Bankherrn
damaliger  Zeit  war  dieses  Verhältnis  gar  nichts  Ungewöhnliches.
Noch  im  ersten  Jahrzehnt  des  19.  Jahrhunderts  war  der  Warenhandel ­
  überhaupt  derjenige  Handelszweig,  der  Frankfurt  seine
Bedeutung  verlieh,  und  nicht  etwa  der  Geldhandel.  Auch  kam  es
häufig  vor,  daß  dieselbe  Firma  sich  in  mehreren  Branchen  betätigte. ­
  Und  nicht  nur  bei  Rothschild  wuchs  das  Bankgeschäft
gleichsam  aus  dem  Warenhandel  heraus,  sondern  auch  bei  vielen
anderen  Frankfurter  Kaufleuten  jener  Zeit,  so  bei  den  Metzler,
Steitz,  Staedel,  Wiesenhüter  u.  a.  Das  Bankhaus  Jacob  Adami,
das  im  Jahre  1748  die  Gebrüder  Bethmann  übernahmen,  und  bei
dem  später  P.  H.  Metzler,  dann  J.  J.  Hollweg,  dann  Andr.  Grunelius
Teilhaber  wurden,  hatte  ebenfalls  seinen  Ursprung  in  einem  Warengeschäft. ­
  Und  an  anderen  Plätzen  war  es  ähnlich,  ln  Hamburg,
Amsterdam  und  Berlin  betrieb  um  die  Wende  des  18.  Jahrhunderts ­
  die  Mehrzahl  der  angesehenen  Bankhäuser  noch  Bankund
  Warengeschäft  nebeneinander 24 .
Rothschilds  Geschäftslokalitäten.
Die  Lokalitäten,  in  denen  Rothschild  seinen  Handel  betrieb,
wechselten  mehrfach.  In  demselben  Jahr,  als  ihm  der  Titel  eines
Hessen-Hanauischen  Hoffaktors  zuteil  wurde,  kaufte  er  am  22.  November ­
  mit  seinen  zwei  Brüdern,  dem  verheirateten  Moses  und  dem
damals  noch  ledigen  Kaimann,  den  vierten  Teil  des  Hinterhauses
zur  Pfanne.  Der  Kaufpreis  war  mit  1600  Rtlrn.  in  Konventionstalern
nach  dem  24  ff  bar  zu  entrichten.  Verkäufer  war  ein  entfernter
Verwandter  namens  Feist  Rothschild  (f  1789)  und  seine  Gattin
Ritschele  (-j-  1796).  Vermutlich  betrieb  Rothschild  zunächst  auch
seine  Geschäfte  in  diesem  Hause.  Jedenfalls  wohnte  er  darin  bis
in  die  achtziger  Jahre  und  erwarb  inzwischen  mit  seiner  Frau  den
Alleinbesitz  von  drei  Achteln  des  Hauses.  Am  31.  Dezember  1783
(bei  Freimann  Drucks.:  1784)  kaufte  er  von  dem  Rabbiner  Tebele
Schiff  in  London  die  Hälfte  des  Vorderhauses  zum  grünen  Schild.
Der  Kaufpreis  betrug  5580  fl,  zahlbar  in  Konventionsmünze  auf
dem  24  ff  Damals  wohnte  in  dem  Hause  der  Bruder  des  Rabbiners,
Rabbinatsassessor  Mei'r  Schiff,  der  die  eine  Hälfte  bis  zum  1.  Oktober ­
  1786  gemietet  hatte,  die  andere  mit  seiner  Frau  zu  eigen
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        ,  R  M  A.

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besaß.  Rothschild  kaufte  dem  Ehepaar  im  November  1785  gegen
die  Summe  von  550  Carolin  zu  11  fl  noch  die  andere  Hälfte  des
Hauses  ab.  Ein  Drittel  des  Kaufschillings  war,  wie  üblich,  beide
Male  unverzüglich  nach  Übergabe  des  Kaufvertrags  zu  erlegen,
der  Rest  in  sechs  oder  acht  halbjährlichen  Raten  zu  entrichten.
Erst  am  1.  Oktober  1786  durfte  das  Haus  bezogen  werden.  Der
Mietzins  von  2 3 /4  Jahren  ä  150  fl  wurde  von  der  Kaufsumme  der
zuerst  erworbenen  Hälfte  in  Abzug  gebracht.  Den  Dreiachtelanteil ­
  am  Hinterhaus  zur  Pfanne  verkaufte  das  Ehepaar  Rothschild
am  10.  November  1785  für  die  Summe  von  3500  fl,  zahlbar  in
Konventionsmünze  nach  dem  24  ff,  an  den  Bruder  und  Schwager,
den  „angesehenen  und  thorakundigen“  Armenvorsteher  Moses
Rothschild.  Letzterer  besaß  damals  bereits  die  übrigen  fünf  Achtel
Hausanteile  und  wurde  somit  durch  diesen  Kauf  Alleinbesitzer
des  ganzen  Hinterhauses  zur  Pfanne 25 .
Ob  Rothschild  in  dem  Haus  zum  grünen  Schild  auch  seinen
Handel  betrieb,  ist  fraglich.  Im  Jahre  1803  (nach  Dietz  seit  dem
Jahre  1796)  hatte  er  jedenfalls  sein  Geschäftslokal  nicht  mehr  in
der  Judengasse,  sondern  in  der  Schnurgasse,  wo  er  beim  Lederhändler ­
  Trautwein  gemietet  hatte  (nach  Dietz:  L  72  —  Nr.  21).  Sein
Warenmagazin  befand  sich  seit  dem  1.  Mai  1804  auf  dem  vormals
Kurtrierischen  Hofplatz.  Bei  der  Mietsversteigerung  der  23  auf
dem  genannten  Platz  gelegenen  Gewölbe  waren  zwar  weder  Frankfurter ­
  noch  fremde  Juden  zugelassen,  auch  keine  Aftervermietung
an  solche  gestattet.  Mit  Rothschild  jedoch  wurde  eine  Ausnahme
gemacht.  Bevor  noch  die  Versteigerung  stattfand,  wurde  ihm  vom
Frankfurter  Administrationsamt  auf  zwölf  Jahre  das  Gewölbe  Nr.  10
überlassen,  das  alsdann  bei  der  Versteigerung  „Vorwaltender  besonderer ­
  Umstände  wegen  vor  der  Hand  nicht  zur  Ausbietung“
gelangte.  Der  jährliche  Bestandszins  des  Magazins,  das  der  Mieter
nur  zur  Aufbewahrung  von  Waren  gebrauchen  durfte,  betrug,  wie
bereits  oben  bemerkt,  400  fl  24  ff 26 .
Ihre  endgültige  Stätte  fand  die  Rothschildsche  Handlung  in
einem  für  damalige  Zeiten  höchst  respektablen  Geschäftshaus,
dessen  Bau  im  Jahre  1809  vorgenommen  wurde.  Nachdem  die
Judengasse  im  Jahre  1796  durch  die  Franzosen  in  Brand  geschossen
und  zum  größten  Teil  zerstört  war,  sollte  nach  Verlauf  von  zwölf
Jahren  endlich  mit  dem  Wiederaufbau  Ernst  gemacht  werden.
Zunächst  wurden  die  Wüstungen  des  nördlichen  Teils  versteigert.
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        Da  Rothschild  krank  lag,  so  erstanden  seine  Söhne  Amschel  Mayer,
Salomon  Mayer  und  Laioman  Mayer  mit  seinem  Einverständnis
den  Bauplatz  Nr.  1  an  der  Bornheimer  Pforte.  Derselbe  war  3376
Quadratschuh  groß  und  kostete  9284  fl.  Der  Kaufbrief  des  Hohen
Senats  wurde  am  24.  März  1809  ausgefertigt.  Aber  schon  am
15.  März  hatten  die  drei  Brüder  mit  den  Steigerern  des  Nebenplatzes ­
  Nr.  2,  David  Spanier  und  dessen  Schwiegersohn  Mayer
Moses  Spanier,  einen  Kaufvertrag  abgeschlossen,  wonach  diese
ihnen  rund  600  angrenzende  Quadratschuh  ihres  Platzes  gegen
die  bare  Summe  von  3000  fl  24  ff  überließen.  Auf  dem  so  vergrößerten ­
  Grundstück  wurde  das  noch  jetzt  stehende  Bankgebäude
errichtet.  Der  alte  Rothschild  trug  ein  Viertel  der  Grund-,  Platz-  und
Baukosten  und  schloß  am  28.  September  1810  mit  den  drei  genannten
Söhnen  einen  förmlichen  Vertrag,  wonach  die  letzteren  ihm  den
vierten  Teil  des  Hauses  als  Eigentum  einräumten,  er  selbst  aber
seine  Quart  erb-  und  eigentümlich,  jedoch  mit  Vorbehalt  der  väterlichen ­
  lebenslänglichen  Oberhand,  an  seinen  Sohn  Jakob  Mayer
abtrat 27 .  Bezogen  wurde  dieses  Haus  nicht  vor  dem  Jahre  1812.
Im  Jahrgang  1813  des  Handlungs-Adreß-Calenders  von  Frankfurt  a.  M.
(Franks.  Streng)  lesen  wir  den  Eintrag:  Mayer  Amschel  Rothschild
und  Söhne,  an  der  Bornheimer  Straße  Nr.  1,  in  Wechsel,
Spedition  und  Commission.  Im  Jahrgang  1811  und  1812  lautet
der  Eintrag:  Mayer  Amschel  Rothschild  und  Söhne,  in  der  Schnurgasse, ­
  L.  Nr.  72,  in  Wechselgeschäften.  In  den  früheren  Jahrgängen ­
  dieses  Kalenders  wird  die  Firma  nicht  aufgeführt.

Rothschilds  Geldhandel  bis  1800.
Wir  haben  gesehen,  daß  Rothschild  ursprünglich  Wechsler
war  und  mit  seinem  Geschäft  den  Münz-  und  Antiquitätenhandel
verband.  Die  Gründung  des  eigentlichen  Bankgeschäfts,  besser
gesagt  Wechselgeschäfts,  soll  im  Jahre  1771  stattgefunden  haben,
zwei  Jahre  nach  der  Ernennung  zum  Hessen-Hanauischen  Hoffaktor ­
 28 .  Es  scheint  jedoch,  daß  dieses  Datum  zu  spät  angesetzt
ist.  Als  der  Gesellschaftsvertrag  vom  27.  September  1810  abgeschlossen ­
  wurde,  versandte  M.  A.  Rothschild  an  seine  Geschäftsfreunde ­
  ein  gedrucktes  Zirkular  und  bemerkte  darin,  daß  er  seine
bereits  über  40  Jahre  betriebenen  Handlungsgeschäfte  von  jetzt  an
in  Gesellschaft  von  dreien  seiner  Söhne  fortzuführen  gedenke.
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        Danach  muß  man  annehmen,  daß  die  Gründung  des  Bankgeschäfts
spätestens  im  Jahre  1770  stattfand.
Welcher  Art  Rothschilds  bankmäßige  Geschäfte  waren,  erfährt ­
  man  zunächst  aus  dem  Briefe  vom  Jahre  1789.
Der  Landgraf  von  Hessen  hatte  Kapitalien  in  England  und
Holland  angelegt.  Mit  Einlösung  der  Zinsen  waren  die  Bankiers
van  Hotten  in  London  und  das  gleichnamige  Haus  in  Amsterdam
beauftragt.  Nur  vorübergehend  wurde  das  letztere  durch  die  Firma
van  Ghesel  &amp;amp;  Söhne  abgelöst.  Das  Londoner  Haus  der  van  Hotten
nahm  auch  die  Abschlagszahlungen  auf  englische  Subsidien  in
Empfang.
Alle  diese  Gelder  gingen  in  hohen  Beträgen  ein.  Und  da
solche  Barsummen  unverzinslich  waren,  so  hatten  die  herrschaftlichen ­
  Kassen  ein  Interesse  daran,  sie  nicht  allzu  lange  in  den
Händen  der  Bankiers  zu  lassen.  Dem  Generalkriegskommissariat
lag  es  ob,  die  Wechselagenten  zu  sich  zu  entbieten  und  die  vom
Landgrafen  in  Zahlung  empfangenen  englischen  und  holländischen
Wechsel  an  den  Meistbietenden  loszuschlagen.  Wollte  man  nun
starke  Wechselposten  gegen  sofortige  bare  Zahlung  abgeben,  so
drückte  die  Größe  des  Objekts  und  die  vorgängige  auswärtige
Anschaffung  der  stipulierten  Goldsorten  den  Kurs  hinab;  wenigstens
in  dem  Fall,  wo  die  Abgabe  der  Wechsel  zwischen  den  Frankfurter
Messen  stattfand.  Man  verfuhr  daher  in  der  Weise,  daß  man  die
Wechsel  nur  in  geringen  Posten  gegen  Barzahlung  begab,  bei
großen  Posten  aber  einen  Kredit  von  mehreren  Monaten,  meist  bis
zur  nächsten  Frankfurter  Messe,  gewährte.  Es  wurden  natürlich
nur  solche  Wechselagenten  berücksichtigt,  an  deren  Solidität  kein
Zweifel  bestand.  Minder  vermögende,  aber  im  übrigen  gute  Abnehmer ­
  hatten  eine  entsprechende  Sicherheit  in  Obligationen  zu
hinterlegen.
Bis  zum  Jahre  1787  waren  sechs  Kasseler  Firmen  bei  diesen
Geschäften  beteiligt,  darunter  der  gewesene  Hofagent  Feidel  David.
Von  Frankfurter  Firmen  war  bis  dahin  nur  der  Postmeister  Rüppell
berücksichtigt,  ein  geborener  Hesse,  aber  auch  er  nur  mit  kleinen
Posten  und  auf  kurze  Frist.  Rothschild  war  nicht  unter  den  Auserwählten, ­
  er  hatte  bis  dahin  mit  Kassel  überhaupt  noch  keine
Geschäfte  gemacht,  sondern  nur  mit  Hanau.  Im  folgenden  Jahre
aber  ist  er  in  der  Residenz.  Er  verkauft  dem  Landgrafen  Juwelen
zu  ausnehmend  billigem  Preis,  und  um  ihn  einigermaßen  schadlos
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        24

zu  halten,  verspricht  man  ihm,  daß  er  bei  der  Realisierung  englischer
Wechselbriefe  und  beim  Umtausch  englischer  Goldsorten  beteiligt
werden  soll.  Infolgedessen  machte  er  im  Juni  1789  eine  Eingabe
an  den  Landgrafen.  Nach  seinen  Informationen  wurden  die  englischen
Wechsel  und  die  englischen  Goldsorten  den  Kasseler  Bankiers  in
der  Weise  überlassen,  daß  Kredite  von  30,  50,  auch  100  000  Talern
zugestanden  wurden  und  die  Bezahlung  ratenweise  stattfand.
Rothschild  bittet  um  die  gleiche  Vergünstigung,  indem  er  alsdann
einen  höheren  Preis  zahlen  könne,  als  bei  Barzahlung.  Er  will
mit  dem  kleinsten  Kredit  zufrieden  sein,  und  da  er  nicht  in  Kassel
anwesend  sein  kann,  um  mitzubieten,  so  will  er  jedesmal  in  seinem
Verhältnis  den  höchsten  Preis  zahlen,  der  in  Kassel  überhaupt
geboten  werde.  „Ich  schmeichle  mir,  daß  ich,  als  ein  vieljähriger
Fürstlich  Hessischer  Hoffaktor,  nicht  als  ein  Fremder  angesehen
werden  kann,  der  ich  ehedem  in  Hanau  den  Preis  der  Englischen
Briefe  zum  Vorteil  der  Herrschaftlichen  Gassen  höher  gebracht,  als
vorhin  gewesen,  und  zwar  aus  dem  Grunde,  weil  man  mir  Credit
gegeben.  Daß  ich  jederzeit  mit  der  Zahlung  richtig  eingehalten,
darüber  wird  mir  das  Zeugniß  der  Hochfürstlichen  Rentkammer
und  Land-Gasse  daselbst  nicht  entstehen  können,  als  worauf  ich
mich  ganz  frey  berufen  darf.“
Über  diese  Hanauer  Wechselgeschäfte  hat  sich  in  den  Akten
nichts  weiter  ermitteln  lassen.  England  hatte  zur  Bekämpfung  der  aufständischen ­
  amerikanischen  Kolonien  Subsidienverträge  mit  mehreren
deutschen  Fürsten  abgeschlossen,  dem  Landgrafen  Friedrich  II.  von
Hessen-Kassel,  dem  Erbprinzen  Wilhelm  in  Hanau,  den  Regenten
von  Braunschweig,  Anspach-Bayreuth,  Waldeck  und  Anhalt-Zerbst.
Mit  Hessen-Hanau  wurde  im  Anfang  des  Jahres  1776  abgeschlossen.
Rothschilds  englische  Wechselgeschäfte  mit  der  Rentkammer  und
Landkassendirektion  daselbst  werden  also  schwerlich  vor  diesem
Zeitpunkt  begonnen  haben.  Sie  sind  vielleicht,  nachdem  Wilhelm
die  Regierung  von  Hessen-Kassel  angetreten  hatte,  noch  fortgesetzt
worden.  Mit  dem  Kasseler  Hof  aber  begannen  die  Wechselgeschäfte
nicht  früher  als  1789.
Als  Rothschild  sein  Gesuch  in  Kassel  eingereicht  hatte,  wurde
zunächst  das  Kriegskollegium  zum  Bericht  über  ihn  aufgefordert.
Es  wandte  sich  an  die  Fürstliche  Rentkammer  und  Landkassendirektion ­
  in  Hanau  und  auf  deren  Veranlassung  noch  an  den  Postmeister ­
  Rüppell  in  Frankfurt.  Rothschild  hatte  bei  der  Verhandlung
        <pb n="33" />
        —  25  —

englischer  Wechsel  in  Hanau  jederzeit  Kredit  gehabt,  mit  ansehnlichen ­
  Summen  richtig  eingehalten  und  öfters  die  besten  Preise
gemacht,  er  hatte  auch  noch  immer  den  Ruf  eines  fleißigen  und
ehrlichen  Mannes,  so  daß  man  ihm  nach  kaufmännischen  Grundsätzen ­
  wohl  Kredit  geben  konnte.  Von  seinen  Vermögensumständen
aber  war  nichts  in  Erfahrung  zu  bringen.
Damit  tritt  das  Verhältnis  Rothschilds  zum  Landgrafen  Wilhelm
in  eine  eigenartige  Beleuchtung.  Wenn  dieser  als  Erbprinz  mit
Rothschild  in  persönliche  Beziehung  getreten  war  und  ihn  genauer
kennen  gelernt  hatte,  so  hatte  er  ihn  später  jedenfalls  wieder  aus
dem  Gesicht  und  aus  dem  Gedächtnis  verloren.  Zweifellos  müssen
die  Beziehungen  eine  längere  Unterbrechung  erlitten  haben.  Vielleicht
aber  war  Rothschild  dem  Erbprinzen  persönlich  nur  wenig  nahe
getreten  und  beschränkte  sich  bei  seinen  Hanauer  Geschäften  im
wesentlichen  auf  die  übliche  Vermittlung  der  Beamten.  Während  der
achtziger  Jahre  war  er  vielleicht  schon  mit  Buderus  (geb.  22.  Februar ­
  1759  in  Büdingen)  bekannt  geworden,  denn  dieser  war
damals  in  Hanau  Landkassen-Obereinnehmer  und  besorgte  neben
seinem  Amt  auch  des  Erbprinzen  private  Geldgeschäfte.
Der  Erfolg  seines  Gesuchs  war  für  Rothschild  kein  übermäßiger.
Der  Landgraf  bestimmte,  daß  man  ihm  versuchsweise  Kredit  bis
zu  1000  £  gewähren  solle,  worauf  ihm  dann  tatsächlich  800  £
bewilligt  wurden.  Ein  Hauptkonkurrent  war  der  Kasseler  Hofagent
Feidel  David.  Diesem  wurde  im  Dezember  1789  die  Summe  von
25  000  £  auf  sechsmonatigen  Kredit  überlassen.  Und  als  im  folgenden
Jahre  ein  Zinsbetrag  von  40  000  holländischen  Gulden  aus  einem
der  Provinz  Holland  vorgeschossenen  Anlehen  verfügbar  wurde,
machte  Feidel  David  mit  140"/m  Rtlrn.  für  250  holländische  Gulden
das  höchste  Gebot.  Er  erhielt  den  Zuschlag  auf  die  ganze  Summe.
Rothschild  hätte  gar  nicht  mitbieten  können.  Als  er  im  Jahre  1790
um  Erhöhung  seines  Kredits  auf  10  000  ^  nachsuchte,  wurden  ihm
nicht  mehr  als  2000  £  zugestanden.
In  den  nächsten  Jahren  wurde  seine  Stellung  jedenfalls  nicht
leichter,  denn  jetzt  traten  die  angesehensten  Frankfurter  Firmen  in
Mitbewerb.  Als  im  Jahre  1794  des  Landgrafen  Barguthaben  bei
den  van  Hotten  in  London  auf  eine  ansehnliche  Summe  gestiegen
war,  beschloß  man  150000  ^  von  diesem  Vorrat  durch  Wechsel
zur  Kriegskasse  einzuziehen.  Der  Oberkriegskommissar  Buderus,
der  schon  drei  Mal  zum  Verkauf  englischer  Wechsel  in  Frankfurt

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        26

gewesen  war,  empfahl  folgende  Firmen,  die  sich  ihm  mehrfach  zu
Wechselgeschäften  angeboten  hatten:  Gebr.  Bethmann,  Benjamin
Metzler  sei.  Sohn  et  Comp.,  Jakob  Friedrich  Gontard  et  Söhne,
Gebr.  d’Orville,  Postmeister  Rüppell  et  Comp,  und  den  Hoffaktor
Rothschild.  Bei  allen  diesen  Firmen  halte  er  die  herrschaftlichen
Kassen  für  völlig  gesichert,  auch  wollten  sich  alle  mit  1 U  Prozent
Provision  begnügen.  Der  Landgraf  entschied,  daß  die  150  000  ^  zu
gleichen  Teilen  auf  die  Firmen  Simon  Rüppell,  Bethmann,  Metzler
und  Heyder  zu  verteilen  seien,  d.  h.  daß  jene  Summe  an  diese  vier
Firmen  in  Partialkreditbriefen  zum  Verkauf  remittiert  werde.  Es
waren  das  diejenigen  Bankhäuser,  die  sich  speziell  um  dieses  Geschäft ­
  beworben  hatten.  Von  einigen  waren  die  Inhaber  persönlich
zu  diesem  Zweck  nach  Kassel  gekommen.  Es  durfte  ihnen  Kredit
bis  zu  acht  Monaten  zugebilligt  werden.  Rothschild  hatte  sich  nicht
beworben,  vielleicht  aus  Unkenntnis,  vielleicht  weil  das  Objekt  zu
groß  war  im  Verhältnis  zu  dem  ihm  gewährten  Kredit.  Es  dauerte
aber  nicht  mehr  lange,  da  hatte  sich  die  Lage  zu  seinen  Gunsten
geändert.  Die  bis  dahin  bevorzugten  Firmen  traten  zurück  bis  auf
den  Oberpostmeister  Rüppell,  und  zu  diesem  gesellten  sich  der
Geh.  Legationsrat  Jordis  und  der  Hofagent  Rothschild.  Im  Jahre  1798
war  es  schon  Regel  geworden,  sich  beim  Debit  der  englischen  Wechsel
dieser  drei  Firmen  zu  bedienen.  Als  der  Landgraf  damals  von  seinem
Londoner  Annuitätenkapital  24  000  £  verkaufen  ließ,  wurde  der
Hauptteil  des  Ertrags  jenen  drei  Firmen  zu  gleichen  Teilen  gegen
Barzahlung  überlassen,  der  Rest  an  den  Meistbietenden  abgegeben.
Zu  gleicher  Zeit  hatte  der  Oberkriegskommissar  Reiz  aus  Hanau
infolge  Verkaufs  von  weiterem  Annuitätenkapital  13  000  £  ebenfalls
gegen  bar  abzugeben,  und  diese  ganze  Summe  wurde  Rothschild
überlassen,  weil  er  das  höchste  Gebot  gemacht  hatte.  Damit  hatte
er  zum  ersten  Mal  auch  seine  engere  Konkurrenz  überflügelt 29 .
Bis  zum  Jahre  1800  war  das  Wechselgeschäft  neben  dem
Geldwechseln  das  wesentlichste,  vielleicht  das  einzige  bankmäßige
Geschäft,  das  Rothschild  betrieb.  Die  Verbindung  des  Warengeschäfts
mit  dem  Bankgeschäft  und  das  Herauswachsen  des  letzteren  aus
dem  ersteren  muß  man  sich  so  denken,  daß  Frankfurt  ein  Sammelbecken ­
  war,  in  das  große  Massen  von  Waren  zusammenströmten,
um  dann  wieder  in  größeren  oder  kleineren  Kanälen  auseinander  zu
fließen.  Das  führte  zum  Speditions-  und  Kommissionsgeschäft  und
in  Verbindung  damit  zum  Wechselgeschäft.  „Wechsel,  Spedition  und
        <pb n="35" />
        27

Kommission“  ist  daher  eine  häufig  wiederkehrende  Bezeichnung
Frankfurter  Firmen,  und  diese  Bezeichnung  wurde  auch  dann  noch
beibehalten,  als  die  Spedition  und  Kommission  bereits  ausgeschaltet
und  nur  das  Wechsel-  oder  Bankgeschäft  noch  übrig  war.

Rothschilds  Vermögensstand  um  1800.
Im  Jahre  1801  trat  das  Rothschildsche  Geschäft  in  ein  neues
Stadium.  Meyer  Amschel  wurde  in  stärkerem  Maße  als  bisher  bei
den  Geldgeschäften  des  Landgrafen  verwendet  und  tat  die  ersten
Schritte  zum  Bankgeschäft  großen  Stils.  Da  uns  die  Quellen  abgehen, ­
  aus  denen  die  bisherige  Entwicklung  seines  Hauses  genauer
als  es  geschehen  ist,  dargelegt  werden  könnte,  so  wollen  wir  versuchen, ­
  wenigstens  über  seine  damaligen  Vermögensverhältnisse
Aufschluß  zu  gewinnen.
Den  Eltern  Meyer  Amschels  wird  Mildtätigkeit  und  Gastfreiheit ­
  nachgerühmt.  Man  muß  also  annehmen,  daß  ihnen  auch  die
Mittel  zu  Gebote  standen,  um  diese  Eigenschaften  in  merklicher
Weise  zu  betätigen 80 .  Da  Meyer  Amschel  aber  vier  Geschwister
hatte,  und  seine  Eltern,  wie  es  scheint,  kein  hohes  Alter  erreichten,
so  wird  man  das  Vermögen,  das  er  von  Haus  aus  besaß,  nicht  hoch
anschlagen  dürfen.  Ein  Jahr  später,  nachdem  er  den  Titel  erhalten
hatte,  mit  dem  er  glaubte  in  Frankfurt  sein  Glück  zu  machen,
gründete  er  seinen  Hausstand.  Am  29.  August  1770  schloß  der
Sechsundzwanzigjährige  seine  Ehe  mit  Gutle  Schnapper,  der  Tochter
des  Handelsmannes  Wolf  Salomon  Schnapper.  Die  Mitgift  seiner
Braut  betrug  2400  fl.  Sein  eigenes  Vermögen  aber  muß  damals
schon  erheblich  gewesen  sein.  Das  beweist  die  Höhe  des  damaligen
Geschäftsgewinns.
Die  Quelle,  aus  der  wir  diesen  Geschäftsgewinn  feststellen,  ist
die  denkbar  zuverlässigste.  Das  jüdische  Gesetz  schreibt  vor,  daß
man  den  Zehnten  von  seinem  Einkommen  an  die  Armen  geben  soll.
Fromme  Juden  führen  daher  heute  noch  ein  sog.  Maaserbuch,  in
das  sie  ihre  Almosen  eintragen,  um  gewissenhaft  kontrollieren  zu
können,  ob  sie  den  Zehnten  voll  entrichtet  haben.  Ein  solches
Maaser-  oder  Zehentbüchlein  führte  auch  Rothschild.  Man  erfährt
daraus,  daß  an  seinem  Geschäft  sein  Bruder  Kaimann  beteiligt  war,
der  am  19.  Mai  1782  starb,  und  daß  derselbe  Anspruch  auf  ein  Drittel
vom  Gewinn  hatte.  Beide  Brüder  hatten  vom  19.  Februar  1771  bis
        <pb n="36" />
        28

zum  7.  Juli  1779  3068  fl  3  kr  20  ff  an  Zehent  zu  entrichten,  was
einem  Reingewinn  von  30  680  fl  30  kr  entspricht.  Dieser  Reingewinn
verteilt  sich  auf  jene  S 1 ^  Jahre  ziemlich  gleichmäßig.  Eine  steigende
oder  fallende  Tendenz  ist  nicht  zu  erkennen.  Die  jährliche  Durchschnittseinnahme ­
  betrug  also  in  jenem  Zeitraum  etwas  mehr  als
3600  fl,  wovon  2400  fl  Meyer  Amschel  zukamen.
Welche  Höhe  nun  das  Geschäftsvermögen  im  Jahre  1771  hatte,
können  wir  nicht  ermitteln.  Zweifellos  aber  muß  sich  dasselbe  im
Laufe  der  folgenden  fünfzehn  Jahre  vermehrt  haben.  Es  ist  nicht
anzunehmen,  daß  Rothschild  alles,  was  er  verdiente,  mit  seiner
Familie  aufbrauchte,  auch  nicht,  als  sein  Bruder  noch  am  Leben  war.
Das  Durchschnittseinkommen  von  2400  fl  20  ff,  das  ihm  während
der  Jahre  1771  bis  1782  zukam,  betrug  zweimal  soviel  als  der
Gehalt  eines  Ratsherrn  der  zweiten  Bank,  übertraf  den  Gehalt  eines
Schöffen,  den  man  nach  Stellung  und  Einkommen  mit  einem  heutigen
Stadtrat  vergleichen  darf,  um  drei  Fünftel,  und  den  des  Schultheißen
um  ein  Drittel 31 .  Dazu  kam  der  Wert  der  freien  Wohnung,  der  bei
den  Gewinnsätzen  des  Maaserbüchleins  nicht  in  Ansatz  kommt.  Das
Einkommen  war  also  ein  recht  erhebliches,  und  Rothschild  konnte
auch  bei  guter  Lebensführung,  selbst  noch  im  Jahre  1781,  wo  ihm
sein  fünftes  Kind  geboren  wurde,  ein  gutes  Teil  seines  Einkommens
zu  weiterer  Vermehrung  des  Geschäftsvermögens  verwenden.
Aus  all  dem  wird  es  durchaus  begreiflich,  daß  Meyer  Amschel
um  die  Mitte  der  achtziger  Jahre  nach  seinem  Vermögensstand  ein
wohlhabender  Mann  war.  Denn  diesen  Schluß  muß  man  unter  allen
Umständen  aus  seinem  Häuserkauf  ziehen.  Als  er  noch  Junggeselle
war,  bewohnte  er  mit  seinen  zwei  Brüdern,  von  denen  einer  verheiratet ­
  war,  einen  Hausanteil  im  Wert  von  1600  Rtlrn.,  und  man
darf  annehmen,  daß  von  diesem  Kapital  auf  Meyer  Amschel  nicht
mehr  als  1000  fl  entfielen.  Nach  seiner  Verheiratung  erhöhte  er  mit
Gutle  seinen  Hausanteil  auf  ein  Kapital  von  3500  fl,  womit  das  ungefähre ­
  Verhältnis  zwischen  Familienvater  und  Junggesellen  schon
reichlich  zum  Ausdruck  kommt.  Der  Kaufpreis  des  Hauses  zum
grünen  Schild  aber,  das  er  anderthalb  Jahre  nach  dem  Tode  seines
Bruders,  am  31.  Dezember  1783  und  am  7.  November  1785  erwarb,
betrug  insgesamt  11  630  fl,  und  damit  vermehrte  sich  sein  Hauskapital ­
  auf  das  Dreieinhalbfache  der  vorhergehenden  Zeit.  Wir
müssen  aus  diesen  Daten  den  Schluß  ziehen,  daß  Rothschild  in
der  Mitte  der  achtziger  Jahre  zu  gesichertem  Wohlstand  gelangt
        <pb n="37" />
        29

war.  Allerdings  können  wir  denselben  nicht  ziffernmäßig  bestimmen,
das  Vermögen  kann  150  000  fl,  es  kann  auch  200  000  fl  betragen
haben,  sicherlich  aber  nicht  weniger  als  100  000  fl.
Bessere  Anhaltspunkte  für  eine  ziffernmäßige  Schätzung  bieten
sich  in  den  neunziger  Jahren.  Schon  die  damalige  Schatzung  deutet
auf  eine  erhebliche  Vermehrung.  Rothschild  war  seit  seiner  Verheiratung ­
  Mitglied  der  Israelitischen  Gemeinde,  wurde  aber  erst
im  Jahre  1773  als  solches  eingeschrieben  und  besteuert 32 .  Sein
Vermögen  war  damals  auf  2000  fl  veranschlagt,  und  in  dieser
Schatzung  blieb  er  22  Jahre  lang.  Der  entsprechende  Steuersatz
betrug  11  fl  20  kr  und  seit  1782  13  fl.  Im  Jahre  1795  sah  man
sich  veranlaßt,  seine  Schatzung  zu  verdoppeln,  und  im  folgenden
Jahre  kam  er  sogar  mit  einem  Steuersatz  von  55  fl  10  kr  in  die
höchste  Schatzung,  zu  der  diejenigen  gehörten,  die  15  000  fl  oder
mehr  besaßen 33 .  Natürlich  bedeuten  diese  Daten  gar  nichts  für  die
Höhe  des  wirklichen  Vermögenstandes,  sie  sind  aber  insofern  von
Interesse,  als  sie  gewissermaßen  Abstufungen  der  öffentlichen
Meinung  darstellen.  Wenn  Rothschild  länger  als  20  Jahre  in  derselben ­
  Steuerklasse  blieb,  dann  auf  das  Doppelte  und  nach  weiterem
Verlauf  eines  einzigen  Jahres  auf  ein  vielfach  höheres  Vermögen
eingeschätzt  wurde,  so  bedeutet  dies,  daß  um  jene  Zeit  Symptome
zutage  traten,  die  seine  Vermögenslage  in  ganz  neuem  Lichte  erscheinen ­
  ließen.
Am  28.  Oktober  1795  heiratete  die  älteste  Tochter  Rothschilds,
Charlotte,  den  Handelsmann  Benedikt  Moses  Worms.  Sie  erhielt
eine  bare  Mitgift  von  5000  fl  24  ff  und  zwei  Jahre  lang  freie  Kost
und  Wohnung.  Außerdem  wurde  ihr  „aus  väterlicher  Güte“ 84  ein
halbes  männliches  Erbteil  zugesichert,  das  10  000  fl  betragen  sollte,
7000  fl  beim  Ableben  des  Vaters,  3000  fl  beim  Ableben  der  Mutter.
Wer  so  viel  Kinder  hat  wie  Rothschild  und  seine  Töchter  in  dieser
Weise  aussteuern  kann,  muß  mehr  als  15  000  fl  besitzen.  Kein
Wunder  also,  daß  Rothschild  im  folgenden  Jahre  in  die  höchste
Schatzung  trat.  Die  Zahl  der  Kinder  hatte  sich  nämlich  inzwischen
um  fünf  vermehrt,  es  waren  fünf  Söhne  und  fünf  Töchter  vorhanden,
und  man  muß  annehmen,  daß  jeder  nachgeborenen  Tochter  die
gleiche  Mitgift  und  die  gleiche  Erbschaft  wie  der  ältesten  vorbehalten
blieb,  für  alle  fünf  Töchter  also  75  000  fl  vorhanden  waren.
Ein  Jahr  später,  am  16.  November  1796,  verheiratete  sich
der  älteste  Sohn  Amschel  Mayer  mit  Eva  Hanau.  Er  war  damals
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        23  Jahre  alt.  Der  zweite  Sohn,  Salomon  Mayer,  war  nur  ein  Jahr
jünger,  der  dritte,  Nathan  Mayer,  zählte  19  Jahre  und  die  zweite
Tochter,  Belche  genannt  Isabella,  15  Jahre.
Diese  Familienverhältnisse  muß  man  sich  auch  dann  vor
Augen  halten,  wenn  man  eine  Vorstellung  von  Rothschilds  Geschäftsbetrieb ­
  gewinnen  will.  Dieser  hatte  bis  zuletzt  einen  stark
patriarchalischen  Charakter.  Wenn  der  jüngste  Sohn  James  Mayer
vor  Gericht  aussagt,  daß  er  im  Jahre  1808  mit  sechzehn  Jahren
als  Gehilfe  bei  seinem  Vater  eintrat,  so  darf  man  hierauf  und  auf
andere  bezügliche  Nachrichten  die  Vermutung  gründen,  daß  auch
die  beiden  ältesten  Söhne  schon  in  jungen  Jahren  im  Geschäft  des
Vaters  tätig  waren.  Auch  wurde  der  Flor  des  Hauses  Rothschild
durch  die  Mithilfe  der  Söhne  kräftig  emporgetrieben.  Die  Schwiegertöchter ­
  und  die  unverheirateten  Haustöchter  wurden  ebenfalls  zu
Hilfsleistungen,  und  zwar  auf  Vertrauensposten  herangezogen.  Noch
im  Jahre  1809,  als  Rothschild  65  Jahre  zählte,  hatte  das  Geschäft
keinen  eigentlichen  Kassierer.  Die  Kasse  wurde  damals  im  wesentlichen ­
  von  der  noch  unverheirateten  Tochter  Jettgen  (Henriette),  die
achtzehn  Jahre  alt  war,  ferner  von  den  Frauen  Amschel  Mayers
und  Salomon  Mayers  sowie  von  deren  Schwestern  versehen.  Diese
Gehilfinnen  zahlten  abwechselnd  auf  Wechsel  und  Anweisungen
der  einheimischen  Kaufleute  die  Gelder  aus,  schrieben  die  ausgezählten ­
  Summen  auf  ein  Blatt  Papier  und  reichten  dieses  zwecks
Buchung  abends  in  das  Kontor.  Alle  diese  Verhältnisse  sind  auch
für  die  Erklärung  des  Rothschildschen  Vermögensstandes  und  dessen
Wachstum  nicht  unwesentlich.  Rothschilds  Kindersegen  bedeutete
in  späteren  Jahren  zugleich  ein  Stück  materiellen  Reichtums.  Denn
Verwandte  arbeiten  regelmäßig  zuverlässiger  und  billiger  als  Fremde,
und  was  sie  erübrigen,  kommt  in  unserm  Fall  dem  Geschäftsvermögen
zugute.  Wo  jedoch  die  Fähigkeiten  oder  Kenntnisse  der  Söhne
und  Töchter  nicht  ausreichten,  da  scheute  sich  der  alte  Rothschild
keineswegs,  auch  einen  Vertrauensposten  mit  einer  fremden  Kraft
zu  besetzen,  und  war  klug  genug,  sich  den  allertüchtigsten  Mann
auszusuchen  und  ihn  angemessen  zu  besolden.  Im  Jahre  1795
bestellte  er  einen  Fachmann  erster  Qualität,  den  ‘edel  gesinnten
und  kenntnisreichen  Seligmann  Geisenheimer,  als  ersten  Buchhalter.
Derselbe  war  des  Französischen,  Englischen,  Italienischen  und
Spanischen  mächtig  und  muß  den  Rothschild,  die  in  fremden
Sprachen  völlig  unkundig  waren,  nützliche  Dienste  geleistet  haben.
        <pb n="39" />
        Auch  machte  Rothschild,  wenn  es  sich  um  die  Wahl  eines  geeigneten
Mitarbeiters  handelte,  bereits  keinen  Unterschied  zwischen  Juden
und  Christen,  denn  im  Jahre  1803  war  ein  christlicher  Buchhalter
namens  Hauser  bei  ihm  angestellt,  der  ebenso  wie  Oeisenheimer
aus  Bingen  stammte 35 .
Vom  Jahre  1796  ab  scheinen  nun  die  beiden  ältesten  Söhne,
die  bis  dahin  lediglich  Mitarbeiter  gewesen  waren,  in  ein  engeres
Geschäftsverhältnis  zu  ihrem  Vater  getreten  zu  sein.  Wir  erfahren
aus  Meyer  Amschels  eigenen  Aufzeichnungen  vom  Jahre  1808,  daß
Amschel  Mayer  und  Salomon  Mayer  ihr  eigenes  Vermögen  im  Geschäft ­
  hatten  und  daß  beide  seit  zwölf  Jahren,  also  seit  dem  Jahre  1796,
rastlos  in  der  Handlung  gearbeitet  und  zu  ihrem  Flor  sehr  viel  beigetragen ­
  hatten.  Ferner  wird  im  Gesellschaftsvertrag  vom  Jahre  1810
mitgeteilt,  daß  bereits  vorher  zwischen  dem  Vater  und  den  beiden
ältesten  Söhnen  eine  Handlungssozietät  bestanden  habe,  und  daß
dieselbe  nunmehr  auf  den  im  Jahre  1788  geborenen  Sohn  Callman
Mayer  ausgedehnt  werden  solle.  Man  muß  annehmen,  daß  das
Jahr  1796  der  Zeitpunkt  war,  in  dem  diese  frühere  Sozietät  geschlossen ­
  wurde,  und  daß  Amschel  Mayer  erst  als  Teilhaber  am
Geschäft  seines  Vaters  sich  dazu  entschloß,  eine  Ehe  einzugehen 36 .
Aus  zerstreuten  Aufzeichnungen  kann  man  schließen,  daß  seine
väterliche  Mitgift  30  000  fl  betrug,  und  ein  gleiches  Heiratsgut,  so
darf  man  annehmen,  war  auch  den  übrigen  Söhnen  zugedacht.
Demnach  müßten  im  Jahre  1796  für  die  fünf  Söhne  150000  fl
Heiratsgut  und  100  000  fl  Erbgut  vorhanden  gewesen  sein.
Aus  alledem  würde  sich  ein  Gesamtvermögen  Meyer  Amschels
von  325000  fl  ergeben.  Natürlich  steckte  diese  ganze  Summe  in
dem  Geschäft,  und  zu  diesem  Geschäftsvermögen  kamen  noch  die
Anteile  der  beiden  ältesten  Söhne  hinzu.  Diese  Anteile  betrugen
nach  dem  Gesellschaftsvertrag  vom  Jahre  1810  zusammen  genau
so  viel  wie  das  Vermögen  des  Vaters,  doch  ist  nicht  anzunehmen,
daß  schon  beim  Abschluß  des  ersten  Gesellschaftsvertrags  das  gleiche
Verhältnis  statt  hatte.  Denn  im  Jahre  1808  hatte  Meyer  Amschel
die  Absicht,  die  beiden  ältesten  Söhne,  gerade  weil  ihr  Vermögen
in  der  Handlung  steckte,  und  sie  sich  um  das  Emporblühen  derselben ­
  Verdienste  erworben  hatten,  mit  einem  Prälegat  von  je
60  000  fl  zu  bedenken.  Diese  Absicht  dürfte  sich  in  der  Weise  verwirklicht ­
  habertj  daß  bei  Erneuerung  des  Gesellschaftsvertrags  im
Jahre  1810  jedem  der  beiden  ältesten  Söhne  der  Geschäftsanteil
        <pb n="40" />
        32

um  60  000  fl  erhöht  wurde.  Unmittelbar  vor  Abschluß  des  Vertrags
würde  demnach  Meyer  Amschels  Anteil  490  000  fl,  derjenige  der
beiden  ältesten  Söhne  250000  fl,  also  etwas  mehr  als  die  Hälfte
von  demjenigen  des  Vaters  betragen  haben  37 .  Übertragen  wir  dieses
Verhältnis  auf  das  Jahr  1796,  so  erhalten  wir  als  Totalsumme  des
Geschäftsvermögens  rund  491  000  fl  24  ff.  Da  das  Rothschildsche
Familienhaupt  aber  in  Geldsachen  mit  größter  Vorsicht  zu  Werke
ging,  so  ist  eher  anzunehmen,  daß  sein  damaliges  Gesamtvermögen
die  von  uns  berechnete  Summe  noch  übertraf 38 .
Jedenfalls  war  das  Rothschildsche  Geschäftshaus  im  Jahre  1796
auf  eine  Basis  gestellt,  die  von  derjenigen  des  Jahres  1785  sich  wesentlich ­
  unterschied,  ln  der  Mitte  der  achtziger  Jahre  war  Meyer  Amschel
nur  ein  wohlhabender  Mann,  dessen  Geschäft  hauptsächlich  auf
seinen  eigenen  Schultern  ruhte.  Ganz  anders  lagen  die  Verhältnisse
im  Jahre  1796.  Nach  ihrem  Vermögensstand  zählte  die  Familie
Rothschild  nunmehr  zu  den  Reichen.  In  ihrem  Geschäft  waren  außer
dem  Gründer  noch  vier  erstklassige  Persönlichkeiten  tätig,  zwei  als
Teilhaber,  alle  von  unbedingter  Zuverlässigkeit,  einige  ganz  hervorragend ­
  in  spezifisch  geschäftlicher  Fähigkeit.  In  dieser  Situation
war  es  ein  entschlossenes,  aber  kein  abenteuerliches  Unternehmen,
wenn  der  dritte  Sohn  Nathan  Mayer  zwei  Jahre  später 39  sich  von
den  Launen  des  englischen  Musterreiters  emanzipierte  und,  ohne
der  Landessprache  kundig  zu  sein,  selbst  nach  England  ging,  um
die  Produkte  des  Landes  an  Ort  und  Stelle  einzukaufen.  Damals
muß  das  Rothschildsche  Gesamtvermögen  über  eine  halbe  Million
Gulden  betragen  haben,  und  da  Nathan  Mayer  von  Haus  aus  großzügiger ­
  angelegt  war  als  sein  vorsichtiger  Vater,  so  nahm  er  unverhältnismäßig ­
  viel  Geld  mit.  Seine  Summe  betrug,  wie  gesagt,
20  000  £,  das  sind  rund  225000  fl  24  ff.  Natürlich  hat  er  die  Summe
nicht  auf  ein  Mal  mitgenommen,  denn  so  viel  Barschaft  konnte  in
einer  rationell  geführten  Warenhandlung  nicht  vorhanden  sein.  Vielmehr ­
  hat  er  die  Summe  nach  und  nach  in  Raten  empfangen  und
gleichzeitig  durch  Warenlieferungen  Abzahlungen  geleistet.  Auch
kann  nur  ein  kleiner  Teil  von  diesem  Fonds  sein  durch  Mitarbeit
erübrigtes  Kapital  ausgemacht  haben,  jedenfalls  nicht  mehr  als
50  000  fl.  Das  übrige  kam  aus  dem  Geschäftsvermögen  der  drei
Teilhaber  und  machte  mehr  als  ein  Drittel  desselben  aus,  ein  schöner
Beweis  für  das  Vertrauen,  welches  die  älteren  Herren  auf  den  jugendlichen ­
  Mitarbeiter  setzten.  Da  dieser  nun  mit  dem  ihm  anvertrauten
        <pb n="41" />
        3

Betriebskapital  zunächst  ganz  unabhängig  wirtschaftete  und  noch
im  Jahre  1810  mit  dem  Frankfurter  Mutterhaus  nicht  vollständig
abgerechnet  hatte,  so  kann  sein  Fonds  bei  der  Beurteilung  von
seines  Vaters  Leistungsfähigkeit  ums  Jahr  1800  nur  teilweise  in
Betracht  kommen.  Man  möchte  aber  glauben,  daß  Meyer  Amschel
schon  um  das  Jahr  1796  gut  imstande  gewesen  sei,  zum  Bankgeschäft ­
  großen  Stils,  dem  eigentlichen  Anleihegeschäft,  überzugehen.
Doch  darf  man  nicht  vergessen,  daß  damals  und  bis  zum  Jahre  1810
sein  Handlungsfonds  noch  wesentlich  aus  Waren  bestand.  Man  wird
ferner  annehmen  müssen,  daß  er  anfangs  auch  technisch  zu  tief
im  Warenhandel  steckte,  um  Geldgeschäfte  großen  Umfangs  übernehmen ­
  zu  können.  Wenn  er  trotzdem,  und  obgleich  inzwischen
eine  Abzweigung  des  Handlungsfonds  nach  England  stattgefunden
hatte,  im  Jahre  1801  zum  erstenmal  ein  wirkliches  Anleihegeschäft
übernahm,  so  hatte  das  seine  ganz  besondere  Bewandtnis.  Meyer
Amschel  war  ebenso  vorsichtig  wie  in  der  Verfolgung  seiner  Ziele
ausdauernd  und  zäh.

Rothschilds  Geldhandel  von  1801  bis  1806.
Im  Jahre  1788  hatte  Rothschild,  wie  oben  ausgeführt,  sich  dem
Landgrafen  von  Hessen  wieder  genähert.  Im  Jahre  1792  wurde  der
Oberkriegskommissar  Buderus,  früher  Obereinnehmer  bei  der  Landkasse ­
  in  Hanau,  nach  Kassel  versetzt  und  als  Rechnungsführer  bei
•  der  dortigen  Oberrentkammerkasse  bestellt,  ein  Finanzmann,  auf
dessen  Urteil  der  Landgraf  großes  Gewicht  legte  und  den  er  1793
zum  Kriegszahlmeister,  1795  zum  Kriegsrat,  1802  zum  Kriegszahlamtsdirektor ­
  und  Kabinettskassendirektor,  1806  zum  Geheimen
Kriegsrat  ernannte.  Buderus  hatte  mehrfach  Reisen  nach  Frankfurt
zu  machen,  um  dort  englische  Wechsel  zu  verkaufen.  Bei  dieser
Gelegenheit  kam  er  mit  Rothschild  von  neuem  in  Beziehung,  und
dieser  wird  das  seinige  getan  haben,  um  sich  Buderus’  Empfehlung
beim  Landgrafen  zu  sichern.
Der  Landgraf  war  der  größte  Kapitalist  seiner  Zeit.  Da  er
aber  alles  darauf  anlegte,  nicht  als  reich,  sondern  als  arm  zu  gelten,
so  war  er  geneigt,  seine  flüssigen  Kapitalien  auch  auf  Umwegen
auszuleihen,  und  so  fand  Rothschild  Gelegenheit,  Anleihen  zu  bewirken, ­
  die  nicht,  wie  gewöhnlich,  ein  großes  Risiko  auf  die  Person
des  Unternehmers  bürdeten,  sondern  von  vornherein  völlig  gesichert
        <pb n="42" />
        m

34

waren.  In  den  Jahren  1801  bis  1806  brachte  er  elf  Anleihen  im
Gesamtbetrag  von  nahezu  5  Millionen  Gulden  zustande.  Mit  geringen ­
  Ausnahmen  aber  wurden  die  Summen  verabredetermaßen
von  den  landgräflichen  oder  kurfürstlichen  Kassen  bestritten,  und
ähnlich  verhielt  es  sich  mit  anderen  gleichartigen  Finanzgeschäften.
Hauptkontrahent  bei  den  Anleihen  und  sonstigen  Geldgeschäften
dieses  Zeitraumes  ist  Dänemark.  Außerdem  kommen  drei  Anleihen
mit  Hessen-Darmstadt  zustande,  eine  mit  Kurbaden,  und  eine  verunglückte ­
  Anleihe  betrifft  den  Johanniter-Orden.
Dänemark.
Es  ist  interessant  zu  beobachten,  mit  welcher  Vorsicht  Rothschild ­
  zu  Werke  ging,  als  er  den  ersten  Schritt  wagte,  sich  an
einer  Anleihe  großen  Stils  auch  nur  zu  beteiligen,  ln  den  Rothschildschen
  Tilgungsbüchern  wird  als  erste  Anleihe  eine  4prozentige
dänische  aufgeführt.  Sie  wurde  am  1.  Oktober  1800  abgeschlossen
und  belief  sich  auf  66  000  Conv.  Species  Taler.  Die  Hauptmasse  der
Partialobligationen  trug  aber  die  Nummern  402—425  und  551—650.
Das  deutet  darauf  hin,  daß  es  sich  hier  nur  um  einen  Anteil  an
einer  größeren  Anleihe  handelt,  und  diese  größere  Anleihe  war  von
den  Rüppell  &amp;amp;  Harnier  debitiert.  Wenn  wir  die  Marburger  Akten
dieser  Firma  heranziehen,  so  finden  wir,  daß  sie  unterm  6.  Oktober  1801
dieselben  Nummern  ihrer  dänischen  Anleihe  vom  Jahre  1800  im
Betrag  von  77  500  Rtlr.  in  Ldor  an  den  Landgrafen  von  Hessen
verkauft.
Das  sind  die  124  Obligationen,  die  nach  dem  Rothschildschen
Tilgungsbuch  C[arlshausen],  d.  h.  der  Landgraf  von  Hessen  empfing.
Da  der  Zinsfuß  von  4  Prozent  dem  Landgrafen  nicht  genügte,  so
mußten  die  Rüppell  &amp;amp;  Harnier  für  die  ausbedungene  zehnjährige
Stillstandszeit  1 /2  Prozent  Zinsaufschlag  im  voraus  entrichten,  wofür
3875  Rtlr.  zu  zahlen  waren.  Die  Kaufsumme  des  Landgrafen  wurde
mit  einer  dänischen  Zins-  und  Stückzahlung  bestritten,  die  am
1.  Juli  desselben  Jahres  fällig  war  und  durch  die  Gebr.  Bethmann
übermittelt  wurde.  Sie  betrug  27  000  Rtlr.  Zinsen  und  50  000  Rtlr.
Kapitalrückzahlung,  alles  in  Ldor  zu  5  Rtlrn.  Diese  in  Gold  empfangenen
Beträge  sollten  auch  wieder  in  Gold  angelegt  werden.  Dazu  fand
sich  aber  für  eine  so  beträchtliche  Summe  keine  Gelegenheit.  Infolgedessen ­
  ließen  sich  die  Rüppell  &amp;amp;  Harnier  von  der  dänischen
Regierung  ermächtigen,  statt  der  Konventionstaler  Gold  auf  die
        <pb n="43" />
        3*

35

Obligationen  anzunehmen,  natürlich  mit  der  Verpflichtung,  daß
Zins-  und  Rückzahlungen  ebenfalls  in  Gold  stattfanden 40 .
Die  Rüppell  &amp;amp;  Harnier  verkauften  also  die  Obligationen  direkt
an  den  Landgrafen.  Die  Zinszahlungen  und  sonstigen  Obliegenheiten ­
  übernahm  Rothschild.  Er  hatte  das  Geschäft  angeregt,  und
nachdem  dieser  schüchterne  Versuch,  sich  dem  Landgrafen  auf
einem  neuen  Wege  zu  nähern,  geglückt  war,  wurde  er  kühner.
Seine  Beziehungen  zum  hessischen  Fürstenhaus  erleiden  von
jetzt  ab  keine  Unterbrechung  mehr.  Noch  im  November  1801
machte  er  eine  Lombardanleihe  beim  Landgrafen  im  Betrage  von
160  000  Rtlrn.  zu  4°/o.  Im  Juli  1802  erfolgte  die  zweite  Lombardanleihe ­
  im  Betrage  von  200  000  fl  24  ff.  Sie  wurde  zur  Hälfte  für
Rothschild  selbst,  zur  Hälfte  für  seine  Söhne  Amschel  Mayer  und
Salomon  Mayer  bewirkt 41 .
Beide  Söhne  waren  in  demselben  Jahre  zu  hessischen  Kriegszahlamtsagenten ­
  ernannt  worden,  woraus  hervorgeht,  daß  sie  sich
bereits  Verdienste  um  den  hessischen  Fürsten  erworben  hatten.
Man  darf  aber  nicht  glauben,  daß  nun  etwa  die  Geschäfte  mit  dem
hessischen  Hof  sich  besonders  leicht  arrangierten.  Denn  Großzügigkeit ­
  und  Vertrauen  waren  dem  Landgrafen  fremd.  Jede  Sache
wurde  von  ihm  auch  im  einzelnen  peinlich  erwogen.  Was  er  den
ausführenden  Organen  hätte  überlassen  können,  behielt  er  eigener
Prüfung  und  Entscheidung  vor.  Mißtrauen  und  eine  geizige  Furcht
vor  Übervorteilung  waren  bei  ihm  zu  einer  Art  stetig  wiederkehrender
Zwangsvorstellung  entwickelt  und  traten  gegebenenfalls  auch  gegenüber ­
  solchen  Personen  auf,  die  ihm  Beweise  von  Vertrauenswürdigkeit ­
  gegeben  hatten.  Vielleicht  war  seine  eigenartige  Vorsicht  nicht
nur  durch  Naturanlage  bedingt,  sondern  auch  durch  die  damaligen
Beamten  Verhältnisse  verursacht,  bei  denen  Treue  im  heutigen  Sinne
weniger  vorausgesetzt  und  weniger  geübt  wurde.
Im  Jahre  1802  hatte  der  König  von  Preußen  beim  hessischen
Landgrafen  den  Rest  einer  Kapitalschuld  von  1  500  000  fl  heimzuzahlen, ­
  und  von  diesem  Posten  sollten  200  000  fl  durch  das  Darlehen
bei  Rothschild  zinsbar  gemacht  werden.  Dieser  war  persönlich  in
Kassel  anwesend,  als  er  sich  um  den  Kapitalvorschuß  bewarb.  Der
Landgraf  entschied  zunächst,  daß  Rothschild  erst  zu  befragen  sei,
was  für  Staatspapiere  er  einlegen  wolle.  Rothschild  erklärte,  er
wolle  dänische,  Frankfurter  und  andere  gleich  solide  Papiere  zum
Unterpfand  geben  und  das  Geld  ratenweise,  nachdem  er  zuvor
        <pb n="44" />
        36

jedes  Mal  eine  entsprechende  Summe  in  Obligationen  vorgelegt  habe,
beziehen.  Hierauf  wurde  sein  Gesuch  nur  in  dem  Sinne  gewährt,
daß  die  außer  den  dänischen  und  Frankfurter  Obligationen  einzulegenden ­
  Staatspapiere  ebenfalls  noch  der  höchsten  Approbation
bedürften.  Meyer  Amschel  erklärte  nun,  daß  er  außer  dänischen
und  Frankfurter  noch  pfalz-bayerische  Partialobligationen  einlegen
wolle.  Daraufhin  fand  die  endgültige  allerhöchste  Genehmigung
statt.  Rothschild  verhandelte  dabei  mit  dem  zweiten  Departement
des  Kriegskollegiums,  dieses  gab  jedesmal  entsprechende  Berichte
an  den  Landgrafen,  empfing  die  Antworten  in  Form  eines  Extraktes
des  Generalkriegsprotokolls  und  gab  sie  an  Rothschild  weiter.
Am  31.  Mai  hatte  dieser  sein  Gesuch  eingereicht,  und  am  3.  Juli
fand  die  letzte  Entscheidung  statt.  Das  ging  noch  verhältnismäßig
rasch.  Wenn  er  aber  seine  Sache  von  Frankfurt  aus  betrieben
hätte,  so  wäre  er  entweder  gar  nicht  oder  viel  langsamer  zum
Ziel  gelangt.  Hier  tritt  uns  wieder  eine  Eigenschaft  entgegen,  die
der  emporstrebenden  Rothschildschen  Familie  wesentlich  zustatten
kam,  ihr  schnelles  persönliches  Eingreifen  an  Ort  und  Stelle.
Das  wiederholt  sich  bei  den  nunmehr  folgenden  Geschäften
mit  einer  gewissen  Regelmäßigkeit.  Das  letzte  Geschäft  vom
Jahre  1801  wurde  noch  von  Frankfurt  aus  gemacht.  Und  zwar
wurde  es  mit  Obligationen  bestritten,  die  von  den  Gebr.  Bethmann
begeben  waren.  Diese  Firma  hatte  damals  eine  dänische  Anleihe
von  1  Million  fl  20  ff  zu  4 1 /2°/o  auf  eine  8jährige  Stillstandszeit
eröffnet.  Es  war  allgemein  üblich,  auf  diese  Obligationen  einen
Nachlaß  von  l 1 /** 0 / 0  zu  vergüten,  und  unter  dieser  Bedingung  erhielt
Rothschild  am  7.  Dezember  1801  einen  Auftrag  auf  180  000  fl  24  ff
und  der  Oberkriegszahlamtsagent  Michel  Simon  in  Kassel  einen
solchen  auf  60  000  fl  24  ff 42 .
Auch  das  folgende  Geschäft  im  Mai  des  Jahres  1802  fand
noch  von  Frankfurt  aus  statt.  Rothschild  verkaufte  damals  dem
Landgrafen  dänische  und  Frankfurter  Obligationen  im  Gesamtbetrag
von  200  000  fl,  die  ebenfalls  mit  der  preußischen  Rückzahlung  beglichen ­
  wurden 43 .
Beim  nächsten  Obligationenkauf  aber  ist  Rothschild  wieder  in
Kassel  anwesend,  um  seine  Sache  an  Ort  und  Stelle  zu  vertreten.
Vom  31.  Mai  bis  zum  3.  Juli  1802  hatte  er  sich  daselbst  um  die
Lombardanleihe  von  200  000  fl  bemüht.  Vom  12.  August  bis  4.  September ­
  war  er  ebenfalls  dort,  um  den  Auftrag  auf  100  4 4 /sprozentige
        <pb n="45" />
        dänische  Obligationen  zu  1200  fl  24  ff  zu  erringen.  Ob  er  in  der
Zwischenzeit  überhaupt  nach  Frankfurt  zurückkehrte,  muß  fraglich
erscheinen 44 .
Das  folgende  Jahr  brachte  ihm  den  ersten  greifbaren  Erfolg
bei  der  dänischen  Regierung.  Von  diesem  Jahr  ab  kann
man  in  den  Akten  beobachten,  daß  die  dänischen  Stückzahlungen
nicht  mehr  ausschließlich  durch  der  Gebr.  Bethmann,  der  Rüppell
&amp;lt;L  Marnier  und  Moses  Joseph  [Büding]’s  Hand  gingen,  sondern  daß
auch  Rothschild  mit  derartigen  Aufträgen  betraut  wurde.  Am
1.  Juli  1803  hatte  er  250  000  Rtlr.  in  Ldor  zu  5  Rtlrn.  für  dänische
Rechnung  an  die  hessische  Kriegskasse  zu  zahlen.  Schon  am  19.  April
stellte  er,  in  Kassel  anwesend,  unmittelbar  beim  Landgrafen  den
Antrag,  200  000  Rtlr.  von  dieser  Summe  in  4 4 /sprozentigen  dänischen
Bethmännischen  Obligationen  entrichten  zu  können,  und  erlangte
auf  wiederholtes  Gesuch  unterm  10.  Mai  die  Genehmigung 45 .
Dieses  Geschäft  war  die  Einleitung  zu  regelmäßigen  und  rasch
aufeinander  folgenden  Vermittlungen  zwischen  Dänemark  und  Hessen-Kassel.
  Rothschild  war  mit  seinem  Erfolg  bei  der  dänischen  Regierung ­
  auch  in  der  Wertschätzung  des  Landgrafen  gestiegen.  Noch
in  demselben  Jahre,  am  24.  September  1803,  wurde  der  bisherige
Hoffaktor  zum  Oberhofagenten  ernannt 46 .  Im  Jahre  1804  erfolgte
die  zweite  und  dritte  dänische  Anleihe,  jene  im  Betrag  von
200  000  Rtlrn.  in  Ldor  zu  5  Rtlrn.  zu  4 1 /2°/o,  diese  im  Betrag
von  250  000  fl  20  ff  zu  4°/o.  Im  Gegensatz  zur  ersten  dänischen
Anleihe  stellten  die  zweite  und  dritte  sich  als  selbständige  Rothschildsche
  Unternehmungen  dar.  Die  folgenden  beiden  Jahre  bis
zur  Besetzung  Hessens  durch  die  Franzosen  geht  es  im  selben
Tempo  weiter.  Jedes  Jahr  werden  zwei  dänische  Anleihen  abgeschlossen, ­
  und  die  beiden  letzten  nehmen  einen  achtungswerten
Umfang  an.  Dazwischen  laufen  dänische  Stückzahlungen.
Die  nächste  dieser  Stückzahlungen  war  am  31.  Dezember  1804
fällig  und  betrug  200  000  Rtlr.  in  Ldor  zu  5  Rtlrn.  Schon  am
17.  August  trug  Rothschild  von  Frankfurt  aus  darauf  an,  für  diesen
Betrag  neue  4 4 /sprozentige  dänische  Partialobligationen  liefern  zu
dürfen.  Der  Kurfürst  zögerte,  Rothschild  kam  nach  Kassel  und
wiederholte  sein  Gesuch  am  6.  November.  Er  war  inzwischen  von
den  Gebr.  Bethmann  als  einziger  bevollmächtigt  worden,  von  deren
dänischen  Partialobligationen  Angebote  zu  machen,  und  stellte  nun
zur  Wahl,  ob  man  für  die  genannte  Summe  Bethmännische  oder
        <pb n="46" />
        38

vom  dänischen  Finanzkollegium  erteilte  Originalobligationen  annehmen ­
  wolle.  Die  Entscheidung  fiel  im  letzteren  Sinne  am
17.  November 47 .
Kurz  darauf  begann  Rothschild  Verhandlungen  mit  dem
Kurfürsten  betreffs  einer  weiteren  dänischen  Anleihe.  Zunächst
handelte  es  sich  um  ein  Kapital  von  500  000  Rtlrn.,  das  Rothschild
für  die  Krone  Dänemark  negoziieren  sollte.  Er  suchte  den  Kurfürsten
zur  Teilnahme  zu  bewegen,  indem  er  sich  erbot,  ein  bei  dem  Kaiser
von  Rußland  stehendes  Kapital  an  Zahlungstatt  anzunehmen.  Einstweilen ­
  aber  wollte  der  Kurfürst  von  einer  weiteren  Erwerbung
dänischer  Obligationen  nichts  wissen  und  lehnte  Rothschilds  Antrag
ab  am  12.  März  1805.  Rothschild  aber  war  zähe.  Einer  seiner
Frankfurter  Geschäftsfreunde,  der  gewöhnlich  die  russischen  Zahlungen ­
  besorgte,  hatte  es  durch  seine  Beziehungen  dahin  gebracht,
daß  ein  Teil  der  damaligen  russischen  Rimessen  nicht  nach  Holland
oder  sonstwohin,  sondern  nach  Kassel  angewiesen  werden  sollte
zur  Abtragung  eines  Kapitals  von  200  000  Rtlrn.  Er  ließ  durch
Rothschild  diesen  Abtrag  in  der  Weise  anbieten,  daß  dafür  dänische
oder  andere  gute  Staatspapiere  angenommen  würden.  Rothschild
war  wieder  in  Kassel.  Er  trug  dem  Kurfürsten  an,  sowohl  für
die  genannte  russische  Schuld  als  auch  für  eine  am  Ende  des
Jahres  fällige  dänische  Rückzahlung  neue  dänische  4 1 / 2 prozentige
Obligationen  anzunehmen.  Die  abzutragende  russische  Schuld  in
Silbergeld  im  20  ff  hatte  5°/o,  die  dänische  im  Betrag  von  ebenfalls ­
  200  000  Rtlrn.,  aber  in  Ldor  zu  5  Rtlrn.,  hatte  4 0 /o  Zinsen
getragen.  Demnach  hatte  die  Kriegskasse  bei  Annahme  von
400  000  Rtlrn.  4 1 / 2 prozentiger  dänischer  Obligationen  Reinerlei  Einbuße ­
  an  Einnahmen  zu  erleiden.  Die  Abtragung  der  russischen
Schuld  durfte  man  jetzt  nicht  mehr  ausschlagen.  Der  Kurfürst
genehmigte  daher  den  Vorschlag  bereits  am  folgenden  Tage
(27.  März  1805),  und  zwar  in  dem  Sinne,  daß  nur  dänische,  vom
Finanzkollegium  ausgefertigte  4 1 / 2 prozentige  Obligationen  angenommen ­
  wurden.  Er  verlangte  aber  noch  einen  Bericht  des
2.  Departements  vom  Kriegskollegium,  und  als  dieses  sich  zustimmend
geäußert  hatte,  erfolgte  am  2.  April  1805  die  endgültige  Genehmigung
und  gleichzeitig  die  Vollziehung  des  Verrechnungsbefehls.  Mit  der
russischen  Stückzahlung  wurde  das  fünfte  dänische  Anlehen  vom
1.  Juni  1805  bestritten,  was  deutlich  aus  den  Akten  hervorgeht,
und  man  muß  annehmen,  daß  mit  der  dänischen  Stückzahlung
        <pb n="47" />
        ■  -vE-'

—  39  —
das  vierte  dänische  Anlehen  vom  1.  Dezember  desselben  Jahres
bestritten  wurde.  Die  Verhandlungen  über  die  sechste  und  siebente
dänische  Anleihe  würden  dann  im  August  1805  begonnen  haben.
In  diesem  Monat  ist  nämlich  Rothschild  wieder  in  Kassel,  um
in  gewohnter  Weise  neue  dänische  Obligationen  anzubieten.  Dieses
Mal  wollte  er  andere  Staatspapiere  an  Zahlungstatt  annehmen.
Sein  Gesuch  wurde  einstweilen  abgelehnt.  Im  Oktober  fragte  er
wieder  an,  und  zwar  formulierte  er  jetzt  seinen  Antrag  in  der
Weise,  daß  es  sich  um  die  Teilnahme  an  einem  neuen  dänischen
Anlehen  von  1  400  000  Rtlrn.  zu  4^/z  °/o  handelte,  wozu  Rothschild
vom  dänischen  Hof  beauftragt  war.  Beschluß  Serenissimi:  Beruhet
für  jetzt.  In  den  nächsten  Wochen  wiederholte  Rothschild  seinen
Antrag  mehrere  Male,  natürlich  war  er  persönlich  in  Kassel
anwesend,  und  erlangte  die  kurfürstliche  Genehmigung  unterm
17.  November.
Sofern  die  einzuliefernden  dänischen  Obligationen  teils  auf
Gold,  teils  auf  Silber  in  gleicher  Art  wie  die  letzteren  Male  von
dem  Kgl.  Finanzkollegium  ausgefertigte  mit  4 l /2°/o  zinsbare  Originalobligationen ­
  seien,  sollte  folgendermaßen  auf  Rothschilds  Vorschlag
eingegangen  werden:
1.  Zwei  künftige  dänische  Rückzahlungen,  fällig  am  31.  Dezember ­
  1806  und  am  31.  Dezember  1807,  im  Gesamtbeträge ­
  von  400  000  Rtlrn.  in  Louisdors  zu  5  Rtlrn.,  werden
in  den  angegebenen  neuen  dänischen  Originalobligationen
zu  4 1 /g  °/o  angenommen.
2.  405  000  Rtlr.  20  ff  werden  mit  1458  bei  der  Oberrentkammer
  befindlichen  4prozentigen  preußischen  Partialobligationen, ­
  jede  über  500  fl  24  ff,  berichtigt.
3.  Der  bare  Geldzuschuß  darf  500  000  Rtlr.  nicht  übersteigen. ­
  Er  wird  nach  Gelegenheit  und  Konvenienz  nach
und  nach  gegen  entsprechende  Einlieferung  von  dänischen
Originalobligationen  bar  aus  der  Kriegskasse  bezahlt,
und  zwar  300  000  Rtlr.  in  Louisdors  zu  5  Rtlrn.  und
200  000  Rtlr.  20  ff.  Auf  diese  verschiedenen  Sorten
müssen  auch  die  Obligationen  sprechen.
Übereinstimmend  mit  diesem  Abkommen  ist  die  Darstellung
des  Bankiers  Lawätz  in  Altona,  der  wie  in  früheren  Anleihefällen
so  auch  dieses  Mal  zwischen  Rothschild  und  der  dänischen  Regierung
        <pb n="48" />
        vermittelte.  Das  Geschäft  fand  in  der  Weise  statt,  daß  Lawätz
die  Obligationen  von  der  dänischen  Regierung  in  Empfang  nahm
und  sie  an  das  kurfürstliche  Kriegszahlamt  in  Kassel  weitergab.
Rothschild  komplettierte  dem  Bankier  Lawätz  nach  und  nach  die
Leihsumme.  Lawätz  wünschte  aber,  daß  man  mit  Vorsicht  vorgehe:
„Ich  habe  den  Herrn  Rothschild  zwar  immer  ungemein  reell,  prompt
und  des  besten  Zutrauens  völlig  würdig  gefunden.  Sobald  indes
bei  einer  so  bedeutenden  Summe  nur  ein  einzelner  Privatmann  in
Anspruch  kommt,  so  erfordert  die  Natur  der  Sache  einige  Vorsicht.“
Er  verlangte  deshalb,  daß  die  übersandten  Obligationen  vom  Kriegszahlamt ­
  zu  seiner  (Lawätz’)  Disposition  gehalten  und  nur  insoweit
jedesmal  an  Rothschild  ausgefolgt  würden,  als  sie  durch  dessen
Rimessen  an  Lawätz  gedeckt  seien 48 .  In  Wirklichkeit  behielt  natürlich ­
  die  kurfürstliche  Behörde  die  Obligationen  in  Händen  und  folgte
dem  Oberhofagenten  nach  und  nach  die  Beträge  dafür  aus.
Die  erste  Abschlagzahlung  in  bar  betrug  100  000  Rtlr.  und
wurde  am  14.  Februar  1806  genehmigt.  Am  7.  März  wurde  über
10  000  Rtlr.  verfügt,  die  unterm  7.  April  von  Rothschild  an  Lawätz
remittiert  wurden.  Als  das  2.  Departement  des  Kriegskollegiums
am  28.  März  wieder  eine  Abschlagzahlung  von  100  000  Rtlrn.  beantragte, ­
  verfügte  der  Kurfürst,  daß  Rothschild  zunächst  zu  befragen
sei,  ob  er  nicht  leiningische,  darmstädtische  oder  pfälzische  Obligationen ­
  dafür  annehmen  könne.  Rothschild  erwiderte,  daß  er  neben
der  Einbuße  von  20  000  Rtlrn.,  die  er  „nach  der  höchsten  mündlichen ­
  Bestimmung“  als  Provision  an  die  Kriegskasse  erlegen  mußte,
und  dem  Schaden  bei  den  preußischen  Obligationen  unmöglich  noch
ein  weiteres  Opfer  bringen  könne.  Umsonst  habe  er  sich  bisher
bemüht,  dergleichen  Obligationen  zu  verkaufen.  Jedermann  ziehe
die  neuen  4 1 / 2 prozentigen  Preußen  den  4prozentigen  vor.  Auch
eine  in  dieser  Absicht  unternommene  Reise  nach  Dänemark  sei  ohne
Erfolg  gewesen.  Zugleich  reichte  Rothschild,  der  von  Kopenhagen
um  das  bare  Geld  gedrängt  wurde,  eine  Vorstellung  ein  und  bat,
den  Rest  der  Barsumme  anzuweisen.  Das  2.  Departement  bemerkte
zu  der  Sache,  daß  die  Kriegskasse  gar  keine  Vorteile  genieße,  wenn
sie  Obligationen  in  Zahlung  gebe,  deren  Zinsen  pünktlich  eingingen
und  ebenso  viel  betrügen  wie  die  der  dänischen  Obligationen.  Dagegen ­
  sei  es  im  Interesse  des  Kurfürsten,  jeden  entbehrlichen  Zinsposten ­
  vom  Augenblick  des  Verfalls  an  wieder  anzulegen.  Aus  diesen
Gründen  legte  das  2.  Departement  einen  Zahlungsbefehl  auf  die
        <pb n="49" />
        Testierenden  390  000  Rtir.  zur  Ausfertigung  bei.  Der  Kurfürst  aber
war  noch  nicht  beruhigt.  Er  wollte  erst  noch  wissen,  ob  Rothschild
sich  nicht  bereit  finden  lasse,  wenigstens  für  100  000  bis  200  000  Rtlr.
von  den  genannten  Obligationen  anzunehmen,  allenfalls  gegen  Rückzahlung ­
  eines  Teiles  der  Provision.  In  dieser  Lage  verlor  Rothschild
nicht  die  Geduld,  das  kam  bei  ihm  nicht  vor.  Er  machte  aber  auf
diesen  Vorschlag  Anerbietungen,  die  nicht  annehmbar  erschienen.
Und  jetzt  bewilligte  der  Kurfürst  am  23.  April  wenigstens  den  ursprünglich ­
  vorgelegten  Zahlungsbefehl  von  100  000  Rtlrn.,  und  diese
Summe  wurde  unterm  10.  Juni  an  Lawätz  remittiert.  Unterm  21.  Mai
wurde  dann  auch  der  Rest  im  Betrag  von  290  000  Rtlrn.  angewiesen.
Das  letzte  dänische  Geschäft,  das  zwischen  dem  Kurfürsten
und  seinem  Oberhofagenten  sich  abwickelte,  kam  einige  Wochen
vor  der  französischen  Okkupation  zustande.  Am  1.  Januar  1809
hatte  Dänemark  einen  Kapitalrest  von  200  000  Rtlrn.  zu  entrichten,
der  bis  dahin  mit  4°/o  zu  verzinsen  war.  Rothschild  erbot  sich
am  20.  September  1806,  diese  Restzahlung  gleichsam  im  voraus
zu  bewirken  und  an  Stelle  jener  4prozentigen  Papiere  wiederum
4 1 /2prozentige  vom  dänischen  Finanzkollegium  ausgestellte  Originalobligationen ­
  alsbald  bei  der  Kriegskasse  einzulegen.  Dem  Kurfürst
war  die  Sache  recht.  Er  verlangte  aber  eine  Provision  von  5000  Rtlrn.
Die  Kriegsräte  Lennep  und  Buderus  legten  in  einem  Promemoria  dar,
daß  in  solchen  Fällen  gewöhnlich  1°/o,  höchstens  i 1 la°lo  der  betreffenden ­
  Summe  als  besondere  Vergütung  bezahlt  worden  seien,  was  im
vorliegenden  Fall  2000,  höchstens  3000  Rtlr.  ausmachen  würde.  Der
Kurfürst  aber  bestand  auf  der  Summe  von  5000  Rtlrn.,  und  Rothschild ­
  wußte,  was  er  wollte,  er  ging  darauf  ein.  Am  16.  Oktober
wurde  die  Rechnungslegitimation  vom  Kurfürsten  vollzogen.
In  den  Rothschildschen  Tilgungsbüchern  werden  nur  sieben
dänische  Anleihen  beziffert  und  aufgeführt.  Wenn  meine  Vermutung
über  die  vierte  Anleihe  richtig  ist,  so  bleibt  noch  ein  Posten  von
250  000  Rtlrn.  (1.  Juli  1803)  und  zwei  Posten  von  je  200  000  Rtlrn.
(31.  Dezember  1804  und  Oktober  1806)  übrig,  die  ganz  oder  teilweise ­
  in  dänischen  Obligationen  zurückgezahlt  wurden,  aber  nicht
als  dänische  Anleihen  gelten.  Im  ersten  Fall  kaufte  Rothschild  die
Obligationen  in  fertigem  Zustand,  denn  es  handelte  sich  um  Bethmännische
  Papiere.  Die  beiden  anderen  Fälle  aber  unterscheiden
sich  kaum  von  den  sog.  Anleihen.  Für  den  Betrag  vom  31.  Dezember ­
  1804  z.  B.  waren  die  Zinsen  bei  Rothschild  zu  erheben,  und
        <pb n="50" />
        ebenso  war  das  Kapital  am  1.  Februar  1815  an  ihn  zurückzuzahlen.
Man  muß  auch  annehmen,  daß  Rothschild  in  Wirklichkeit  noch  mehr
dänische  Stückzahlungen  an  die  hessische  Kriegskasse  zu  bewirken
hatte,  als  aus  den  Akten  festgestellt  werden  konnte.
Die  Krone  Dänemark  hatte  natürlich  selbst  ein  Interesse  daran,
daß  ihre  Stückzahlungen  in  dänische  Obligationen  umgewandelt
wurden,  sie  war  die  Triebfeder  für  dieses  Verfahren.  So  kam  es,
daß  Rothschild  die  Konkurrenz  anderer  mit  dänischen  Stückzahlungen
betrauter  Firmen,  der  Rüppell  &amp;amp;  Marnier  und  Moses  Joseph  [Büdingj’s
zu  bestehen  hatte.  Auch  diese  Bankherren  boten  dänische  Obligationen ­
  an  Stelle  der  dänischen  Kapitalrückzahlungen  an.  Im
November  1804  machten  beide  Firmen  sogar  ein  gemeinsames  Gesuch ­
  und  erboten  sich,  dieselbe  Summe  wie  Rothschild  für  milde
Stiftungen  an  die  kurfürstliche  Kabinettskasse  abzugeben.  Es  wurde
aber  auf  ihre  Vorschläge  nicht  eingegangen,  weil  Rothschild  ihnen
mit  seinem  Antrag  zuvorgekommen  war.  Moses  Joseph  wiederholte
sein  Gesuch  auch  im  folgenden  Jahre  vergebens.  Selbst  ein  Bethmännischer
  Antrag  vom  November  1805  wurde  abgelehnt,  zumal
das  darin  enthaltene  Anerbieten,  beim  dänischen  Hof  eine  besondere
Prämie  von  2  bis  2*/,°/o  zu  erwirken,  höheren  Orts  als  höchst
unschicklich  erachtet  wurde 49 .
Rothschild  war  klug  und  suchte  seine  dänisch-hessischen
Finanzgeschäfte  vor  den  Frankfurter  Bankiers  möglichst  geheim
zu  halten.  Es  gelang  das  aber  nicht  ganz,  und  die  Eifersucht
wurde  wach.  Als  die  sechste  und  siebente  dänische  Anleihe  abgeschlossen ­
  und  im  Gange  war,  bewarben  sich  die  Gebr.  Bethmann
ebenfalls  um  eine  Anleihe.  Lawätz  schreibt  darüber  unterm  2.  Juli
1806  an  Buderus:  „Ich  bitte  ihm  (Rothschild)  gewogentlich  anzuzeigen, ­
  daß  die  neue  dänische  Anleihe  bei  Bethmann,  welche  man
absichtlich  in  Kopenhagen  für  mich  cachirt  zu  haben  scheinet,  sich
ganz  richtig  bestätiget.  Man  schreibt  mir  zugleich,  daß  man  es
diesem  alten  Bethmannschen  Hause,  welches  sich  hintangesetzt
hielt,  nicht  hat  abschlagen  können;  und  ich  merke  wohl,  daß  diejenigen, ­
  welche  unserem  braven  Rothschild  nicht  gut  sind,  versprochen
haben,  daß  diese  Bethmannsche  Anleihe  weniger  kosten  und  schneller
berichtigt  sein  würde  wie  die  Rothschild’sche.  Um  diesem  letzteren
von  meiner  Seite  möglichst  zu  widersprechen,  werde  ich  den  ganzen
Rest  der  Anleihe  noch  heute  berichtigen  und  den  Schluß-Rimessen
von  dort,  auf  dero  Beistand  mich  verlaßend,  ruhig  entgegen  sehen.
        <pb n="51" />
        43

um  dem  guten  Rothschild  beizustehen,  soviel  ich  vermag.  Ich  hoffe
man  soll  am  Ende  überzeugt  werden,  daß  er  ein  braver  Mann  ist,
der  Achtung  verdient;  —  der  Neid  mag  sprechen  wider  ihn,  was
er  wolle.“ 50  Diese  Bethmännische  Anleihe,  im  Betrage  von  500000  fl,
verwirklichte  sich  nicht.  Die  Firma  war  außerstande,  ihr  Versprechen ­
  zu  erfüllen.  „Wie  sie  im  November  schrieb,  hatte  sie
einige  Monate  zuvor  noch  nicht  geahnt,  welche  Ereignisse  gerade
diejenigen  Teile  Deutschlands  zu  zertrümmern  drohten,  deren  Wohlstand ­
  durch  vieljährige  Ruhe  und  weise  Verwaltung  unerschütterlich
begründet  zu  sein  schien,  und  wohin  bisher  mancher  ermüdete
Bewohner  unserer  durch  so  viele  Lasten  gedrückten  Gegenden  sein
Auge  sehnsuchtsvoll  als  nach  einem  sicheren  Zufluchtsorte  zu  wenden
gewohnt  war!  Sogar  einen  kleinen  Vorschuß,  den  Gebrüder  Bethmann
  im  Februar  1806  dem  dänischen  Hofe  gewährt  hatten,  mußten
sie  zurück  erbitten,  um  ihre  eigenen  Verbindlichkeiten  erfüllen  zu
können.“ 51  In  dieser  Zeit  der  größten  Geldnot  stand  also  Rothschild
bereits  leistungsfähiger  da  als  dasjenige  Haus,  das  damals  nicht
nur  in  Frankfurt  a.  M.,  sondern  vielleicht  in  ganz  Deutschland  die
angesehenste  Stellung  einnahm.
Hessen-Darmstadt.
Von  den  drei  hessischen  Anleihen  wurde  die  erste  am  1.  Juli  1804
im  Betrage  von  500  000  fl  24  ff,  die  zweite  am  1.  Oktober  1804  im
Betrage  von  200  000  fl  24  ff  und  die  dritte  am  15.  April  1805  im
Betrage  von  600  000  fl  24  ff  abgeschlossen,  alle  drei  zu  4 1 /z°/o.  Auch
von  diesen  Anleihen  übernahm  der  Kurfürst  von  Hessen  beinahe
die  Hälfte.  Nur  über  die  erste  Anleihe  hat  sich  etwas  ermitteln
lassen,  zumal  die  hessisch-darmstädtischen  Akten  nicht  mehr  vorhanden ­
  sind,  weder  im  Staatsarchiv,“  noch  bei  der  Kabinettskassendirektion, ­
  noch  beim  Finanzministerium.  Im  Mai  1804  wurde
Rothschild  von  dem  hessischen  Staatsminister  von  Barckhaus  zu
Unterhandlungen  aufgefordert.  Man  einigte  sich  auf  folgende
Bedingungen:  Rothschild  erhielt  in  Wirklichkeit  nicht  4 1 /z,  sondern
5  °/o  Zinsen.  Er  durfte  für  120  000  fl  Rheinpfälzer  S^prozentige
Obligationen  Litera  D  in  Zahlung  geben.  Den  Rest  von  380  000  s!
hatte  er  in  Abschlagzahlungen  von  zwei  zu  zwei  Wochen  mit  je
25  000  fl  abzutragen,  so  daß  das  ganze  Kapital  im  November  desselben ­
  Jahres  aufgefüllt  war.  Neben  der  Hauptobligation  wurden
Partialobligationen  zu  1000  fl  ausgestellt,  beide  auf  J'/s 0 /«  Zinsen
        <pb n="52" />
        44

lautend.  Das  fehlende  halbe  Prozent  zog  der  Darleiher  beim  letzten
Zahlungstermin  auf  die  ganze  Dauer  des  Anlehens  ab.  Da  die
Partialobligationen  ohne  Prämie  nicht  anzubringen  waren,  so  erhielt
Rothschild  hierfür  und  für  seine  Bemühung  eine  Provision  von
1 3 /4°/o  auf  die  Hälfte  der  Anleihe.  Diese  Provision  wurde  ebenfalls
bei  der  letzten  Zahlung  abgezogen.  Für  Auszahlung  der  Zinsen
und  Stückzahlungen  wurde  dem  Darleiher  außerdem  eine  Vergütung
von  1 U°lo  zugebilligt.
Mit  den  Abschlagzahlungen  scheint  Rothschild  sich  beeilt  zu
haben.  Denn  schon  am  1  .Juli  unterzeichnete  der  Landgraf  Lud  wigX.
von  Hessen-Darmstadt  die  Originalschuldverschreibung,  und  am
selben  Tage  bescheinigte  die  landgräfliche  Generalkasse  den  Empfang
der  500  000  fl.  Am  3.  Juli  hatte  Rothschild  bereits  100  000  fl  von  der
Anleihe  verkauft.  Den  Rest  von  400  000  fl  bot  er  von  Frankfurt
aus  dem  Kurfürsten  an.  Er  wollte  die  Hauptschuldverschreibung
in  Kassel  hinterlegen  und  diejenigen  bei  der  Kriegskasse  befindlichen ­
  Darmstädter  Obligationen,  die  Ende  1804  und  1805  verfallen ­
  würden,  in  Zahlung  nehmen.  Am  16.  Juli  wurde  der  Antrag
genehmigt.
Es  ist  interessant  zu  sehen,  in  welcher  Weise  das  2.  Departement ­
  des  Kriegskollegiums,  das  natürlich  vorher  über  die  Sache  zu
berichten  hatte,  den  Ankauf  von  Staatspapieren  beim  Kurfürsten
grundsätzlich  befürwortet.  Es  führt  sieben  Gründe  an:
1.  Staatspapiere  in  der  hier  nur  anzunehmenden  Bedeutung
des  Wortes  sind  bestimmte  Anteile  an  einer  mit  hinreichender ­
  Hypothek  und  den  gewöhnlichen  Sicherheitsformeln ­
  gegebenen  Schuldverschreibung,  wodurch  ein
Debitor  von  mehreren  oder  vielen  Personen  diejenige
Summe  erhalten  kann,  welche  nur  selten  eine  einzige
darzuschießen  vermag.
2.  Unumstößlichen  Rechtsgrundsätzen  zufolge  muß  jedem
Inhaber  einer  solchen  Partialobligation  für  die  Summe,
worüber  sie  erteilt  worden  ist,  eben  die  Sicherheit  zuteil ­
  werden,  welche  einem  Besitzer  einer  nicht  unter
viele  verteilten  Hauptobligation  zusteht.
3.  Eben  diese  Obligationenverteilung  gibt  einen  höheren
Grad  von  Sicherheit  dadurch,  weil  im  Falle  der  nicht
stipuliertermaßen  erfolgenden  Zinsen-  und  Kapitalsrückzahlung ­
  alle  Interessenten  zusammen  gegen  den  Debitor
        <pb n="53" />
        45

auftreten  und  dem  Kredit  desselben  einen  weit  empfindlicheren ­
  Stoß  geben  können,  als  die  gerichtliche  Verfolgung
eines  einzigen  jemals  wirket.
4.  Die  Reichsgerichte  erkennen  auf  dergleichen  garantierte
Instrumente  ebensowohl  mandata  s.  c.  [sine  clausula]  als
auf  die  mit  aller  Vorsicht  verfertigte  Hauptobligation  des
einzigen  Gläubigers.
5.  Bei  unerwarteten,  einen  Debitor  zur  Erfüllung  seiner
Verbindlichkeiten  außer  Stand  setzenden  Ereignissen
kann  man  schon  vor  deren  Eintritt  die  Partialobligationen
versilbern  oder  in  Zahlung  auf  andere  Anleihen  geben,
und  selbst  wenn  diese  Ereignisse  eingetreten  sind,  lassen
sich  Auswege  finden,  um  dergleichen  Obligationen,  ohne
den  so  beschwerlichen  Weg  der  gerichtlichen  Klage  zu
betreten,  fortzuschaffen.
Ein  ganz  neues  Beispiel  der  letzteren  Art  liefern
die  Pfalzbaierischen  ZVsprozentigen  Obligationen  lit.  D.
Hätten  die  kurfürstlichen  Kassen  das  ganze  Anlehen
vorhin  vorgeschossen,  so  würde  bei  der  geschehenen
Verteilung  der  Hypothek  unter  mehrere  Herren  nichts
übrig  geblieben  sein  als  gegen  sämtliche  Hypothekbesitzer ­
  klagbar  zu  werden,  und  die  neuere  Erfahrung
mit  dem  Fürsten  von  Waldeck  zeigt,  mit  welchen
außerordentlichen  Umständen  und  großem  Zeitverlust
die  reichsgerichtliche  Klage,  sogar  im  privilegirten
Mandatsprozesse  auf  eine  Hauptobligation,  gegen  einen
Debitor  verbunden  ist.
Mit  den  gehabten  Partialobligationen  hat  man  aber
einen  Teilhaber  der  Hypothek  zu  deren  Annahme
anstatt  baren  Geldes  vermögen  können,  weil  dieser
gerade  nur  so  viel  in  dergleichen  Obligationen  annimmt,
als  seine  Rata  zur  Schuldenzahlung  tragen  wird  [s.  f.  S.].
6.  Bei  Partialobligationen  auf  den  Inhaber  gestellt  sind
Maßregeln,  wonach  man  einem  Reichsstande  die  ihm
gebührenden  Zahlungen  mit  Arrest  zu  belegen  beabsichtigen ­
  könnte,  unzulässig  und
7.  der  eigentliche  Vermögensbestand  Ew.  Kurfürstlichen
Durchlaucht  kann  weder  von  Reichsgerichten  noch
anderen  Behörden  nachkalkulirt  werden.
        <pb n="54" />
        46

Diese  Darlegungen  sind  in  doppelter  Hinsicht  von  Interesse.
Sie  zeigen,  inwieweit  die  Überzeugung  von  der  Sicherheit,  die
ein  Staatspapier  erheischt,  damals  bereits  in  das  allgemeine  Rechtsbewußtsein ­
  eingedrungen  war.  Sie  zeigen  ferner,  welche  Nutzanwendung ­
  man  in  der  Umgebung  des  Kurfürsten  aus  den  neuen
Verhältnissen  zog.  Die  kurfürstlichen  Räte  hätten  in  bestimmter
Richtung  noch  weiter  gehen  dürfen,  indem  sie  dafür  sorgten,  daß
nicht  nur  die  neuen  Kapitalanlagen  durch  Inhaberpapiere  bewirkt
wurden,  sondern,  soweit  nötig  und  möglich,  auch  die  rückwärtigen
Anlagen  in  Staatspapiere  umgewandelt  wurden.  Wäre  das  geschehen,
so  hätte  der  Kurfürst  bei  der  Besetzung  seines  Landes  durch  die  Franzosen ­
  an  seinen  ausgeliehenen  Kapitalien  weniger  Einbuße  erlitten 52 .
Das  letzte  Darmstädter  Geschäft  dieses  Zeitraums  fand  im
Jahre  1806  statt  und  bestand  in  einem  Obligationenumtausch  im
Betrage  von  111000  fl  24  ff,  wobei  gegen  landgräflich  darmstädtische
Papiere  zu  4 1 /2°/o  eine  gleiche  Anzahl  ebensolcher,  aber  von  den
Landständen  garantierter  Obligationen  zu  5°/o  für  den  Kurfürsten
eingetauscht  wurden 53 .

Kurbaden.
Der  Kurfürst  von  Hessen  hatte  einen  großen  Posten  S^p’rozentiger
  rheinpfälzischer  Obligationen  lit.  D  in  Händen.  Als  Spezialhypothek ­
  haftete  für  diese  Obligationen  u.  a.  der  die  Hauptstädte
Heidelberg  und  Mannheim  enthaltende  Teil  der  Rheinpfalz,  der  durch
den  Reichsdeputationshauptschluß  als  Entschädigung  an  den  Kurfürsten ­
  von  Baden  gefallen  war.  Um  nun  den  Schwierigkeiten  einer
rechtlichen  Auseinandersetzung  mit  Baden  zu  entgehen,  verstand  sich
der  Kurfürst  von  Hessen  zu  folgendem  Vergleich.  Er  lieh  dem  Kurfürsten ­
  von  Baden  ein  Kapital  von  1  400  000  fl  24  ff  zu  4 1 /2°/o,
wobei  er  mit  Einschluß  der  verfallenen  Zinskupons  500  000  fl  jener
5 1 /2prozentigen  Obligationen  al  pari  in  Zahlung  gab.  Die  Resolution
hierüber  datiert  vom  15.  Mai  1804.  Die  Unterhandlungen  hatte  ein
früherer  Beamter  des  Kurfürsten,  der  Geheime  Kabinettsrat  Kopp,
geführt.  Als  dieser  bereits  in  Karlsruhe  mit  der  dortigen  Regierung
verhandelte,  wurde  ihm  von  befreundeter  Seite  mitgeteilt,  daß  Kurbaden ­
  auch  in  Frankfurt  negoziiere.  Um  sich  sein  Geschäft  nicht
zerstören  zu  lassen,  eilte  er  dorthin,  wandte  sich,  da  Rothschild
gerade  in  München  war,  an  dessen  ältesten  Sohn  Amschel  Mayer,
der  bereits  seinerseits  mit  Karlsruhe  in  Verbindung  stand  und  schon

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        47

1470
eine  beträchtliche  Barhinterlegung  daselbst  bewirkt  hatte.  Man  hatte
besonders  darauf  Bedacht  zu  nehmen,  daß  die  Rüppell  &amp;amp;  blamier
von  diesen  Unterhandlungen  nichts  erfuhren.  Amschel  Mayer  Rothschild ­
  griff  die  Sache  mit  größtem  Eifer  und  bestem  Erfolg  an.  Das
Geld  wurde  in  Frankfurt  bezahlt,  Rothschild  mußte  es  übermachen
und  hatte  Zins-  und  Stückzahlungen  zu  leisten.  Die  Rückzahlung
sollte  vom  1.  Juli  1823  ab  mit  100  000  fl  jährlich  geschehen,  weshalb
vierzehn  gleichlautende  Schuldverschreibungen,  jede  über  100  000  fl,
ausgefertigt  wurden.  Die  eine  Hälfte  des  Anlehens  wurde  von  der
Kriegskasse  übernommen,  die  andere  von  der  Oberrentkammerkasse.
Vom  1.  Januar  1807  ab  stockten  aber  die  Zinszahlungen,  und  der
weitere  Verlauf  der  Angelegenheit  endete  in  einem  langwierigen
Prozeß,  der  ein  Kapitel  für  sich  darstellen  würde  und  uns  hier  nicht
weiter  beschäftigen  soll 54 .
Johanniterorden.
Ein  eigenes  Schicksal  hatte  auch  die  Anleihe  des  Johanniterordens. ­
  Infolge  der  französischen  Revolution  waren  die  drei  französischen ­
  Zungen  dieses  Ordens  aufgelöst  worden  und  hatte  das
deutsche  Großpriorat  mehrere  Besitzungen  im  Elsaß  verloren,  die
zum  französischen  Staatsgut  eingezogen  wurden.  In  Anbetracht
dieser  Verluste  wurden  dem  Orden  durch  §  26  des  Reichsdeputationshauptschlusses ­
  vom  25.  Februar  1803  sämtliche  geistlichen  Besitzungen
im  Breisgau  zugesichert  mit  der  Auflage,  die  Schulden  der  Bischöfe
von  Lüttich  und  Basel  zu  bezahlen.  Letzterem  Zweck  sollte  das
Frankfurter  Anlehen  dienen.  Laut  Kapitelsrezeß  vom  11.  März  1803
sollte  dieses  Anlehen  durch  Rothschild  bei  der  „Hessen-Casselischen  '
Leihbank  in  Frankfurt“  im  Betrag  von  200  000  fl  aufgenommen
werden.  Da  aber  die  Bestimmungen  des  Reichsdeputationshauptschlusses ­
  nicht  zum  Vollzug  kamen,  so  wurde  jenes  Anlehen  nur
bis  zur  Summe  von  20  000  fl  verwirklicht.  15  000  fl  empfing  Rothschild ­
  als  seine  ausbedungene  Provision  und  fünf  Partialobligationen
empfing  der  Komtur  Graf  von  Thurn  zur  Deckung  solcher  Auslagen, ­
  die  er  bereits  zum  Zweck  der  geplanten  Entschädigungen
gemacht  hatte.
Kurz  vorher  hatte  das  deutsche  Großpriorat  schon  zwei  andere
Anleihen  aufgenommen,  nämlich  am  4.  Januar  1801  bei  der  Firma
Lindenkampf  L  Olfers  in  Münster  die  sog.  Requisitionsanleihe  im
Betrag  von  60  000  fl  zum  Ausgleich  von  Kriegsschäden,  und  am
lV ,.  (4.  B.  H.
(4,-D'

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        48

—  48  —
30.  Oktober  und  10.  Dezember  1802  bei  derselben  Firma  die
sog.  Indemnisationsanleihe  zur  Bestreitung  der  Unkosten  bei  Übernahme ­
  der  dem  Orden  als  Entschädigung  zuerkannten  Stifter,  Abteien ­
  und  Klöster.  Letztere  Anleihe  sollte  140  000  fl  betragen,  sie
wurde  aber,  als  sie  die  Summe  von  122764  fl  erreicht  hatte,  durch
Kapitelsrezeß  vom  21.  Juni  1805  aus  denselben  Gründen  wie  die
Rothschildsche  Anleihe  eingestellt.
Für  alle  drei  Anleihen  waren  teils  die  Ordensgüter  im  allgemeinen, ­
  teils  besondere  Ordensgüter  verpfändet.  Durch  den  Preßburger
  Frieden  (26.  Dezember  1805),  die  Rheinbundakte  (12.  Juli  1806}
und  nachfolgende  Säkularisationen  verlor  aber  der  Orden  seine  Güter.
Das  Großpriorat  Heitersheim,  d.  h.  die  dem  Großprior  gehörigen
Besitzungen,  fielen  durch  die  Rheinbundakte  an  Baden  mit  der
Verpflichtung,  den  Großprior  zu  pensionieren.  Von  den  drei  Anlehen ­
  waren  damals  nur  ganz  kleine  Summen  abgetragen.  Die
Gläubiger  warteten  bis  zur  Eröffnung  des  deutschen  Bundestages,
um  alsdann  mit  ihren  Reklamationen  hervorzutreten.  Und  diejenigen
Staaten,  die  ehemalige  Güter  des  Johanniterordens  innehatten,  nämlich ­
  Österreich  (Kommende  Frankfurt  teilweise),  Preußen,  Bayern,
Hannover,  Württemberg,  Baden,  Hessen-Darmstadt,  Nassau  usw.,  beschlossen ­
  nunmehr,  die  auf  ihren  Gütern  haftenden  Ordensschulden
zu  tilgen.  Am  12.  Januar  1829  kam  zwischen  den  Regierungen  der
genannten  Staaten  eine  Übereinkunft  zustande,  wonach  für  zahlbar
erkannt  wurden:
1.  Von  der  Requisitionsanleihe  an  Kapital  .  .  59  550  fl
(450  fl  waren  im  Jahre  1805  zurückgezahlt.)
An  Zinsen  vom  1.  Mai  1806  bis  letzten  Dezember ­
  1828  53632,,
2.  Von  der  Indemnisationsanleihe  an  Kapital  .  122  494  ,,
(270  fl  waren  bereits  zurückgezahlt.)
An  Zinsen  vom  1.  Mai  1806  resp.  1807  bis
letzten  Dezember  1828  108181  „
3.  Von  der  Rothschildschen  Anleihe  an  Kapital  20  000  „
An  Zinsen  vom  15.  Juni  resp.  15.  Dezember  1807
bis  letzten  Dezember  1828  19747  „
Die  Requisitionsanleihe  sollte  von  den  betreffenden  Regierungen
in  dem  Verhältnis  bezahlt  werden,  in  dem  die  ihnen  zugefallenen
Ordensgüter  Vorschüsse  daraus  empfangen  hatten.  Die  Tilgung  der
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        4

beiden  übrigen  Anleihen  sollte  in  dem  Verhältnis  verteilt  werden,
in  dem  die  Inhaber  der  ehemaligen  Kommenden  zur  Kapitelskasse
beizusteuern  hatten.
Mit  dem  Einzug  und  der  Heimzahlung  sämtlicher  noch  ausstehenden ­
  Partialobligationen  wurde  das  Haus  Rothschild  in  Frankfurt ­
  a.  M.  betraut.  Die  vertragschließenden  Regierungen  sollten  binnen
Jahresfrist  gegen  Auslieferung  der  Originalschuldverschreibungen  und
Zinsquittungen  Zahlung  leisten,  und  das  geschah.
Das  deutsche  Provinzialkapitel  war  aber  im  Besitz  der  Kapitelskasse ­
  geblieben,  die  am  30.  April  1825  noch  40  928  fl  betrug,  und
die  beteiligten  Regierungen  hatten  schon  vor  dem  Vertrag  vom
Jahre  1829  dieses  Ordensvermögen  reklamiert,  um  es  mit  zur
Schuldentilgung  zu  verwenden.  Da  die  Auslieferung  der  Kasse  aber
verweigert  wurde,  so  eröffneten  die  obengenannten  Regierungen,
mit  Ausnahme  von  Baden  und  Nassau,  beim  Stadtamt  Freiburg
gegen  das  deutsche  Provinzialkapitel  des  Johanniterordens  einen
Rechtsstreit,  der  bis  zum  Jahre  1842  dauerte.  Die  Klage  lautete
auf  Auslieferung  der  Kapitelskasse  und  wurde  in  drei  Instanzen
kostenfällig  verworfen 5S .

Zeitliche  Übersicht  der  Finanzgeschäfte.
Die  Zeitangabe  bezeichnet  bei  den  Anleihen  das  Datum  der  Ausfertigung,  bei  den  übrigen
Geschäften  das  Datum  der  landgräflichen  oder  (seit  1.  Mai  1803)  kurfürstlichen  Resolution.
1.  Oktober  1800:  (Verkauf  an  den  Landgrafen  von  Hessen  Oktober  1801)
Ites  dänisches  Anlehen  von  Stück  66  000  Conv.  Species  Thalern
zu  4 0 /o.  Ausgestellt  Kopenhagen  den  1.  Oktober  1800.  Die  131
Partialobligationen  trugen  die  Nummern  402—425,  551—650,  171,
194—197,  99,  427.  Das  Anlehen  sollte  vom  30.  September  1814  an
auf  halbjährige  Loskündigung  stehen,  wurde  aber  durch  Reskript
vom  9.  Mai  1817  auf  12  Jahre  verlängert.  124  Obligationen  ä  Rth.  625
in  Ldor  ä  5  Rth.  übernahm  Hferr]  v.  Qarlshausen],  d.  h.  der  Landgraf
von  Hessen,  3  ebensolche  besaß  Oerlach  in  Gotha,  2  Gebrüder  Pfeiffer
in  Cassel.  2  Obligationen  zu  500  Conv.  Thalern  besaß  die  Kurfürstin
von  Hessen.  126  Obligationen  waren  ursprünglich  zu  5%  angelegt.
November  1801:  Lombardanleihe  beim  Landgrafen  von  Rth.  160  000  zu  4°/».
7.  Dezember  1801:  Ankauf  von  150  000  fl  20  ff  (180  000  fl  24  ff)  dänische
Obligationen  bei  Bethmann  für  den  Landgrafen  von  Hessen-Kassel.
7.  Mai  1802:  Verkauf  von  200000  fl  dänischen  und  Frankfurter  Obligationen
an  den  Landgrafen.
3.  Juli  1802:  Lombardanleihe  beim  Landgrafen  von  200  000  fl  24  ff.
4.  September  1802:  Ankauf  von  120  000  fl  dänischen  Obligationen  24  ff  zu
4 1 /2°/o  für  den  Landgrafen.
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        50

10.  Mai  1803:  Dänische  Stückzahlung  von  Rth.  250  000  in  Ldor  zu  5  Rth.
an  die  Hessische  Kriegskasse,  fällig  am  1.  Juli  1803,  davon  200  000  Rth.
in  4 1 /j°/oigen  dänischen  Bethmännischen  Obligationen.
15.  Juni  1803:  Anlehen  des  Johanniter-Ordens  von  200  000  fl  24  ff  zu  4 , /s°/o.
Ausgestellt  in  Heitersheim  im  Breisgau.  Tilgungsplan:  Verlosung
vom  15.  VI.  1812  bis  15.  VI.  1819.
1.  Februar  1804:  2tes  dänisches  Anlehen  von  Rth.  200  000  in  Ldor  zu  5  Rth.
zu  4 1 /8°/o-  später  zu  4°/o.  Ausgestellt  zu  Kopenhagen.  200  Partialobligationen ­
  zu  1000  Rth.  mit  ganzjährigen  Zinskupons  zu  40  Rth.
Das  Anlehen  war,  wie  es  scheint,  von  1813  ab  kündbar,  sollte
zurückgezahlt  werden  am  1.  Februar  1815,  wurde  aber  durch
Reskript  vom  9.  Mai  1817  auf  12  Jahre  verlängert.  Das  ganze
Anlehen  übernahm  der  Kurfürst  von  Hessen.
1.  April  1804:  3ttes  dänisches  Anlehen  von  250000  fl  20  ff  zu  4 0 / 0 .  Ausgestellt ­
  zu  Kopenhagen.  250  Partialobligationen.  Stand  vom
1.  April  1813  ab  auf  halbjähriger  Loskündigung,  sollte  am  1.  Februar ­
  1815  zurückgezahlt  werden,  wurde  aber  durch  Reskript  vom
9.  Mai  1817  auf  12  Jahre  verlängert,  und  zwar  vom  1.  April  1813
ab.  Das  ganze  Anlehen  übernahm  der  Kurfürst  von  Hessen.
15.  Mai  1804:  Kurbadensches  Anlehen  von  1  400  000  fl  24  ff  zu  4'/s"/&amp;lt;&amp;gt;.
1.  Juli  1804:  Ites  Hessen-Darmstädtisches  Anlehen  von  500  000  fl  24  ff  zu
4 1 / 2 0 /o.  Ausgestellt  in  Darmstadt.  Tilgungsplan:  Verlosung  vom
31.  XII.  1821  bis  31.  XII.  1830.  Getilgt  durch  Aufkündigung  auf  den
1.  Dezember  1828.  Der  Kurfürst  von  Hessen  übernahm  400  000  fl.
1.  Oktober  1804:  2tes  Hessen-Darmstädtisches  Anlehen  von  200  000  fl  24  ff
zu  4 1 /2°/o.  Ausgestellt  in  Darmstadt.  Tilgungsplan:  Verlosung  vom
30.  VI.  1819  bis  30.  VI.  1826.  Getilgt  durch  Aufkündigung  auf  den
1.  Oktober  1828.  Verschiedene  Empfänger  von  Partialobligationen.
17.  November  1804:  Dänische  Stückzahlung  von  Rth.  200  000  in  Ldor  zu  5  Rth.  an
die  Hessische  Kriegskasse,  fällig  am  31.  Dezember  1804,  bewirkt  in  dänischen ­
  vom  Finanz-Kollegium  erteilten  Original-Obligationen  zu4 1 /2°/o.
2.  April  1805  :  Russische  Stückzahlung  von  Rth.  200  000  in  Silbergeld,  dänische
Stückzahlung  von  Rth.  200  000  in  Gold  an  die  Hessische  Kriegskasse, ­
  fällig  Ende  1805.  Beides  in  neuen  dänischen  Obligationen
zu  ly/o.  Vielleicht  sind  beide  Geschäfte  identisch  mit  dem  5.  und
4.  dänischen  Anlehen.
15.  April  1805:  3ttes  Hessen-Darmstädtisches  Anlehen  von  600000  fl  24  ff  zu
4 1 /2°/o.  Wurde  nicht  ganz  untergebracht.  Tilgungsplan:  Verlosung
vom  15.  IV.  1818  bis  15.  IV.  1823.  Ein  Rest  wurde  auf  den  1.  Dezember
1828  gekündigt.  Etwa  200  000  fl  in  Partialobligationen  übernahm
der  Kurfürst  von  Hessen.
1.  Juni  1805:  5tes  dänisches  Anlehen  von  200000  Rth.  20  ff  zu  4'/ 2  °/o,  später
zu  4 0 /'o.  Ausgestellt  zu  Kopenhagen.  War  rückzahlbar  vom  1.  Juni
1818  ab  mit  25000  Rth.  jährlich,  wurde  aber  durch  Reskript  vom
9.  Mai  1817  von  seinen  bezüglichen  Verfallzeiten  an  auf  12  Jahre
verlängert.  Das  ganze  Anlehen  übernahm  der  Kurfürst  von  Hessen.
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        1.  Dezember  1805  :  4tes  dänisches  Anlehen  von  Rth.  200000  in  Ldor  zu
5  Rth.,  zu  4 1 /2°|o )  später  zu  4°/o.  200  Partialobligationen.  Sollte
10  Jahre  lang  unaufkündbar  sein.  Wurde  durch  Reskript  vom
9.  Mai  1817  auf  12  Jahre  verlängert.  Das  ganze  Anlehen  übernahm
der  Kurfürst  von  Hessen.
1.  Januar  1806:  6tes  dänisches  Anlehen  von  Rth.  700000  in  Ldor  zu  5  Rth.,
zu  4&amp;gt;/-&amp;gt;"/,,  später  zu  4 0 / 0 .  Ausgestellt  in  Kopenhagen.  700  Partialobligationen. ­
  Sollte  rückzahlbar  sein  vom  1.  Januar  1820  ab  mit
Rth.  35000  jährlich.  Durch  Reskript  vom  9.  Mai  1817  wurde  das
Anlehen  auf  12  Jahre  verlängert.  Das  ganze  Anlehen  übernahm
der  Kurfürst  von  Hessen.
1.  Januar  1806:  7tes  dänisches  Anlehen  von  605  000  Rth.  20  ff,  zu  4'/,"/»,
später  zu  4 0 / 0 .  605  Partialobligationen.  Sollte  rückzahlbar  sein
vom  1.  Januar  1820  ab  mit  Rth.  30  000  jährlich.  Durch  Reskript
vom  9.  Mai  1817  wurde  das  Anlehen  auf  12  Jahre  verlängert.  Das
ganze  Anlehen  übernahm  der  Kurfürst  von  Hessen.
21.  Februar  1806:  Umtausch  von  111  Landgräflich  Darmstädtischen  Partialobligationen ­
  ä  1000  fl  24  ff  zu  4 1 / 2  °/o  gegen  ebenso  viel  Landgräflich ­
  Darmstädtische  von  den  Landständen  garantierte  Obligationen
zu  5  °/o  für  den  Kurfürsten  von  Hessen.
16.  Oktober  1806:  dänische  Restschuld  von  Rth.  200000,  fällig  am  1.  Januar
1809,  durch  Rothschild  im  voraus  an  Hessen-Kassel  zurückgezahlt
in  dänischen  vom  Finanzkollegium  ausgestellten  Originalobligationen ­
  zu  4'/s 0 /«.

Das  Rothschildsche  Zweiggeschäft  in  Kassel.
Das  vorige  Kapitel  hat  gezeigt,  daß  Rothschild  häufig  nach
Kassel  kam  und  sich  auch  längere  Zeit  dort  aufhielt.  Um  bei
vorkommenden  Gelegenheiten  schnell  und  persönlich  daselbst  eingreifen ­
  zu  können,  muß  er  schon  im  Jahre  1802  in  Kassel  ansässig
gewesen  sein,  und  gelegentlich  müssen  auch  seine  Söhne  sich
Geschäfte  halber  dort  aufgehalten  haben.  Auch  nach  dem  Bericht
der  judenschaftlichen  Kommission  vom  22.  April  1820  betrieb  Rothschild ­
  schon  im  Jahre  1802,  ohne  mit  dem  landesherrlichen  Schutz
versehen  zu  sein,  die  ausgedehntesten  Wechsel-  und  sonstigen
Geschäfte  in  der  Residenz.  Als  die  dortigen  Israeliten  sich  dadurch
in  ihrem  Nahrungserwerb  geschmälert  glaubten  und  Beschwerde
führten,  wurde  Rothschild  zunächst  von  der  Oberrentkammer  zur
Bezahlung  des  ordnungsmäßigen  Nachtgeldes  angehalten.  Zwar
suchte  er  das  abzuwenden,  und  es  gelang  ihm  auch  am  16.  September
des  Jahres  1802  bei  der  Oberrentkammer  eine  gnädigste  Resolution
zu  erwirken,  wonach  er,  wohl  gegen  Erlegung  von  100  Rtlrn.,  vom
4*
        <pb n="60" />
        52

Nachtgeld  und  vom  Leibzoll  befreit  werden  sollte.  Die  Oberrentkammer
  veranlaßte  darauf  das  Nötige,  verfügte  jedoch,  daß  Rothschild ­
  noch  bis  zum  7.  September  Leibzoll  und  Nachtgeld  für  sich
und  seine  Söhne  zu  zahlen  habe 56 .  Außer  den  Geschäften  mit
dem  Kurfürsten  müssen  in  der  Tat  noch  andere  Interessen  die
Rothschild  bewogen  haben,  sich  häufig  und  auf  längere  Dauer  in
Kassel  aufzuhalten.  Da  aber  zu  befürchten  stand,  daß  ihnen  eines
Tages  der  Geschäftsbetrieb  daselbst  gänzlich  untersagt  werde,  so
richtete  der  Vater  am  1.  August  1803  von  Kassel  aus  ein  eigenhändiges ­
  Gesuch  an  den  Kurfürsten:  Sein  Handelshaus  habe  im
nördlichen  Deutschland  nicht  unbedeutende  Wechselgeschäfte,  und  er
habe  daher  den  Wunsch,  der  Kurfürst  möge  ihn  mit  dem  Schutz  für
einen  seiner  Söhne  in  der  Residenzstadt  begnadigen.  Den  Kasseler  Kaufleuten ­
  geschähe  dadurch  kein  Eintrag,  und  denjenigen,  die  Wechselgeschäfte ­
  betrieben,  werde  dadurch  sogar  Vorteil  gebracht,  da
dergleichen  Geschäfte  eigentlich  durch  große  Konkurrenz  gewännen.
Die  Oberrentkammer,  zum  Bericht  aufgefordert,  war  der
Ansicht,  daß  das  Gesuch  abzuschlagen  sei,  und  berief  sich  auf
allerhöchste  Resolutionen,  wonach  die  Anzahl  der  Juden  in  Kassel
eingeschränkt  werden  solle.  Sie  stelle  jedoch  alles  dem  Landesherrn ­
  anheim,  da  der  Supplikant  ein  sehr  reicher  Mann  sei,  der
starke  Geschäfte  mache  und  auch  von  des  Kurfürsten  Durchlaucht
in  verschiedenen  Geschäften  nützlich  gebraucht  worden  sei.  Der
Kurfürst  genehmigte  alsdann  unterm  17.  August  das  Rothschildsche
Gesuch,  und  zwar  gegen  Erlegung  eines  Dispensationsgeldes  von
400  Rtlrn.  und  unter  der  Voraussetzung,  daß  Mayer  Amschel  (so!)
sich  vorher  verbindlich  mache,  nur  Bankiergeschäfte  zu  treiben.
Die  400  Rtlr.  wurden  am  1.  September  1803  bezahlt,  und  Rothschild
hatte  nach  wie  vor  sein  Domizil  bald  in  Kassel,  bald  in  Frankfurt.
Der  Schutzbrief  wurde  jedoch  einstweilen  nicht  ausgefertigt,  aus
welchem  Grunde,  wissen  wir  nicht.  Während  der  nächsten  Jahre
aber  muß  Rothschild  in  noch  höherem  Maße  als  früher  die  Eifersucht ­
  der  Kasseler  Judenschaft  erregt  haben.  Solange  der  Schutzbrief ­
  nicht  ausgefertigt  war,  konnte  Rothschild  auch  nicht  zur
Besteuerung  herangezogen  werden.  Das  war  ein  neuer  Grund
zur  Eifersucht.  Im  Jahre  1805  erging  endlich  die  Aufforderung  an
Rothschild,  sich  zu  erklären,  auf  wen  der  Schutzbrief  ausgestellt
werden  solle,  und  Meyer  Amschel  richtete  nun  am  2.  April  und  am
8.  Juli  1805  weitere  Gesuche  von  Kassel  aus  an  den  Kurfürsten.
        <pb n="61" />
        53

Er  teilte  mit,  daß  sein  Sohn  sich  mit  seinem  Bruder  in  London
assoziieren  wolle,  und  bat  daher,  den  zugesagten  Schutzbrief  auf
seinen  eigenen  Namen  ausfertigen  zu  lassen.  Außer  den  übrigen
öffentlichen  Abgaben  erbot  er  sich  jährlich  an  die  Kasseler  Judenschaft ­
  ebenso  viel  zu  zahlen  wie  der  Oberhofagent  Moses  Joseph,
der  reichste  Kasseler  Schutzjude,  der  damals  mit  120  bis  125  rf  in
der  Schatzung  stand.  Auf  Grund  von  Gutachten  der  Judenschaft
und  der  Oberrentkammer  wurde  entschieden,  das  Gesuch  zu
gewähren,  vorausgesetzt,  daß  Rothschild  mit  seinem  Vermögen
nach  Kassel  ziehe  und  sich  hinsichtlich  seiner  Besteuerung  der
üblichen  Vermögensanlage  unterwerfe,  wie  sie  alljährlich  auf  dem
judenschaftlichen  Versammlungstag  stattfand.  Auf  diese  Bedingungen
konnte  natürlich  Meyer  Amschel  nicht  eingehen.  Da  ihm  aber
offenbar  sehr  viel  daran  gelegen  war,  in  Kassel  festen  Fuß  zu  halten,
so  kam  er  wieder  auf  den  Plan  mit  seinem  Sohn  zurück,  für
den  ja  im  Jahre  1803  leichtere  Bedingungen  zugestanden  waren.
Nachdem  die  Sache  sich  noch  drei  Vierteljahre  hingezogen  hatte,
wurde  endlich  der  Schutzbrief  für  den  Kriegszahlamtsagenten  Anselm
Mayer  Rothschild  aus  Frankfurt  am  Main  von  der  Oberrentkammer
ausgefertigt  und  unterm  21.  Juni  1806  gnädigst  vollzogen.  Anselm
Mayer  hatte  sich  vorher  durch  einen  Revers  verbindlich  gemacht,
nur  Bankiergeschäfte  zu  treiben.  Damit  war  endlich  in  aller  Form
das  erste  Rothschildsche  Zweiggeschäft  auf  dem  Kontinent  errichtet.
Dasselbe  sollte  aber  nur  von  kurzer  Dauer  sein.  Denn  als  im
November  desselben  Jahres  das  Kurfürstentum  von  den  Franzosen
besetzt  wurde,  machte  Anselm  Mayer  von  seiner  Kasseler  Handelsbefugnis ­
  keinen  Gebrauch  mehr 57 .  Er  unterließ  aber,  um  förmliche
Entlassung  aus  dem  erst  vor  kurzem  erworbenen  Untertanenverband
nachzusuchen,  und  so  folgte  auf  die  Episode  der  Kasseler  Filialbegründung
  noch  ein  langwieriges  gerichtliches  Nachspiel.
Seine  Beiträge  zu  den  Abgaben  und  Lasten  der  judenschaftlichen ­
  Korporation  in  Kurhessen  und  der  israelitischen  Gemeinde
in  Kassel  zahlte  Anselm  Mayer  einstweilen  weiter  bis  zum  Jahre  1809.
Von  da  ab  blieb  er  mit  seinen  Beiträgen  im  Rückstand,  und  als
die  Judenschaft  von  der  westfälischen  Regierung  zur  Rückzahlung
eines  aus  der  früheren  kurfürstlichen  Kriegskasse  erborgten  Kapitals
angestrengt  wurde,  weigerte  er  sich,  seinen  Anteil  zu  zahlen.
Infolgedessen  verklagten  ihn  die  Vorsteher  der  israelitischen  Gemeinde
im  November  1815  beim  Kasseler  Stadtgericht.  Anselm  Mayer
        <pb n="62" />
        —  54  —
bestritt  seine  Beitragspflicht  besonders  aus  dem  Grunde,  daß  durch
die  in  der  westfälischen  Zeit  eingetretenen  Veränderungen  in  den
Verhältnissen  der  Juden  die  Ansprüche  der  hessischen  Judenschaft
hinfällig  geworden  seien,  wogegen  letztere  erwiderte,  daß  bei  der
Zulassung  der  Juden  zum  Staatsbürgerrecht  deren  Konkurrenz
zu  den  Schulden  und  Lasten  der  judenschaftlichen  Korporation  und
Gemeinde  keineswegs  aufgehoben,  sondern  ausdrücklich  beibehalten
sei.  Durch  fortgesetzte  Appellationen  wurde  der  Prozeß  von  Rothschildscher ­
  Seite  lange  Jahre  aufgehalten.  Vergeblich  versuchte
Amschel  Mayer  im  Jahre  1820  den  Kurfürsten  zu  bestimmen,  die
Ansprüche  der  Judenschaft  niederzuschlagen,  vergeblich  versuchte
er  drei  Jahre  später  eine  Entlastungsurkunde  zu  erwirken,  wodurch
das  Aufhören  jeglichen  Verbandes  mit  dem  hessischen  Staat,  der
israelitischen  Gemeinde  und  der  israelitischen  Korporation  seit  der
Verordnung  vom  14.  Mai  1816  ausgesprochen  werden  sollte.  Unterm
19.  Juli  1823  wurde  ihm  vom  kurfürstlichen  Ministerium  die  Resolution ­
  erteilt,  daß  ihm  die  Entlassung  aus  dem  Kurhessischen  Untertanenverband ­
  nur  vom  gegenwärtigen  Zeitpunkt 58  an  erteilt  werden
könne,  daß  damit  aber  seinen  früheren  Verbindlichkeiten  und  dem
darüber  anhängigen  Rechtsstreit  kein  Eintrag  geschehe.  Hierauf
setzte  Amschel  Mayer  seine  Appellationen  fort  —  im  Jahre  1824
hatte  er  im  ganzen  bereits  neun  Mal  appelliert  —  und  lenkte  erst
ein,  als  im  Jahre  1828  seine  Kasseler  Rechtsanwälte  Rösing  und
Wolff,  ersterer  mehrfach,  letzterer  ein  Mal,  wegen  Mißbrauchs  des
Rechtsmittels  der  Appellation  in  Geldstrafen  genommen  waren.
Der  Rechtsstreit,  dessen  Ausgang  man  immer  noch  nicht  mit
Bestimmtheit  voraussehen  konnte,  war  nicht  weiter  als  bis  zum
Beweisverfahren  gediehen,  als  Rothschild  sich  im  Jahre  1829  zu
einem  Vergleich  herbeiließ.  Er  zahlte  an  den  Kasseler  Kreisvorsteher ­
  und  die  Gemeindeältesten  die  Summe  von  2500  Tlrn.,  und
zwar  1000  Tlr.  in  Frdor  zu  5  Tlrn.  und  1500  Tlr.  in  niederhessischer ­
  Währung.  Aus  dieser  Summe  wurde  die  Gemeinde
sowohl  wie  die  Korporation  mit  allen  eingeklagten  Beiträgen  samt
den  aufgelaufenen  Prozeßkosten  befriedigt.  Dagegen  erhielt  Amschel
Mayer  eine  „Befreiungsurkunde“  ausgefertigt,  wonach  die  Judenschaft ­
  auf  alle  ferneren  Ansprüche  an  ihn  verzichtete.  Die  althessische
  judenschaftliche  Korporation  erhielt  auf  diese  Weise
1145  Tlr.  25  Albus  8  Heller  niederhessischer  Währung  ausgezahlt,
die  israelitische  Gemeinde  zu  Kassel  1495  Tlr.  27  Albus  8  Heller  .
        <pb n="63" />
        55

Die  Rettung  des  Kurfürstlichen  Archivs  und  des  Kurfürstlichen ­
  Vermögens  in  den  Jahren  1806  und  1807.
Durch  die  politischen  Ereignisse  des  Jahres  1806  wurde  das
Verhältnis  der  Rothschild  zum  hessischen  Fürstenhaus  in  noch
festere  Bahnen  geleitet.  Wir  haben  schon  gesehen,  daß  die  Napoleonische ­
  Politik  im  Jahre  1810  für  die  Weiterentwicklung  der
Rothschildschen  Handlung  von  bestimmendem  Einfluß  war.  ln  noch
stärkerem  Maße  hatte  vier  Jahre  früher  das  Vorgehen  Napoleons
gegen  das  Kurfürstentum  Hessen  in  das  Schicksal  des  Rothschildschen
Hauses  eingegriffen,  wenn  auch  nicht  eigentlich  im  nachteiligen
Sinne.  Denn  die  Vertreibung  des  Kurfürsten  aus  seinem  Lande  gab
den  Rothschild  Gelegenheit,  Treue  zu  beweisen,  und  das  brachte
ihnen  festeres  Vertrauen  und  Wachstum  an  Macht.  Der  indirekte
Kampf  Napoleons  gegen  England  muß  auch  hier  wieder  den  Ausgangspunkt ­
  unserer  Betrachtung  bilden.
Das  hessische  Fürstenhaus  stand  seit  dem  Anfang  des  18.  Jahrhunderts ­
  in  enger  und  vielumstrittener  Verbindung  mit  dem  Britischen ­
  Reich.  Landgraf  Karl  (1677—1730),  der  eigentliche  Schöpfer
der  unvergleichlichen  Parkanlagen  von  Wilhelmshöhe  und  der  nach
ihm  benannten  Karlsaue  bei  Kassel,  war  der  erste  hessische  Regent,
der  ein  stehendes  Heer  unterhielt,  und,  was  später  auch  viele  andere
deutsche  Fürsten  des  18.  Jahrhunderts  taten,  seine  Soldaten  gegen
Geld  fremden  Mächten  zur  Verfügung  stellte,  so  z.  B.  während  des
Spanischen  Erbfolgekrieges  den  Seemächten  England  und  Holland.
Mit  England  wurde  dieses  Verhältnis  auch  unter  den  folgenden  Landgrafen ­
  aufrecht  erhalten  und  auf  den  Höhepunkt  geführt  durch  Landgraf ­
  Friedrich  II.  im  nordamerikanischen  Freiheitskrieg  (1775—1783).
Um  diese  Sache  gerecht  zu  beurteilen,  darf  man  folgendes
nicht  außer  Acht  lassen.  Die  vom  Landgrafen  Karl  vermieteten
Regimenter  bestanden  lediglich  aus  freiwillig  geworbenen  Söldnern.
Unter  Friedrich  11.  aber  ergänzte  sich  das  hessische  Heer  wesentlich
durch  Aushebung  nach  Kantonen  (Kurhess.  Landesordn.  6,  S.  57)
und  nur  teilweise  durch  Anwerbung.  Die  Aushebung  betraf  die  niederen
Volksklassen,  die  Anwerbung  erstreckte  sich  sowohl  auf  Inländer
wie  auf  Ausländer.  Unter  den  Angeworbenen  waren  viele,  die  von
Wanderlust  oder  von  der  Lust  an  Kampf  und  Abenteuern  getrieben
wurden;  unter  den  Ausgehobenen  waren  viele,  die  nur  gezwungen
mitgingen.  Daß  das  Nationalbewußtsein  der  deutschen  Fürsten  so
        <pb n="64" />
        56

tief  gesunken  war,  daß  sie  ihre  Truppen  für  fremde  Interessen  kämpfen
ließen,  war  eine  Folge  der  politischen  Zustände  des  alten  Deutschen
Reichs,  die  ganz  dazu  angetan  waren,  Partikularismus  und  Egoismus
zu  fördern.  Staatsrechtlich  waren  die  souveränen  Fürsten  zu  Subsidienverträgen
  befugt,  und  die  hessischen  Stände  erhoben  keinen
Einspruch  dagegen.  Die  öffentliche  Meinung  aber  stand  zu  Friedrichs  II.
Zeit  schon  zum  guten  Teil  gegen  diese  Fürsten 60 .  Auch  bediente
sich  Napoleon  derselben,  um  sein  Vorgehen  gegen  das  hessische
Fürstenhaus  zu  begründen.  In  Wirklichkeit  war  sein  bitterer  Flaß
dadurch  hervorgerufen,  daß  die  hessischen  Fürsten  Frankreichs
Feinde  begünstigt  hatten.  Auch  war  ihm  die  persönliche  Gesinnung
des  Kurfürsten  gegen  ihn  wohl  bekannt.  Und  so  stand  sein  Entschluß ­
  fest,  das  Herrscherhaus,  das  seit  mehr  als  hundert  Jahren
seine  Truppen  in  den  Dienst  Englands  gestellt  hatte,  zu  enttronen
und  dessen  Schätze  seiner  Politik  dienstbar  zu  machen.
Der  Kurfürst,  anstatt  entschlossen  auf  die  eine  oder  andere
Seite  zu  treten,  schwankte  hin  und  her,  bis  er  zuletzt  bei  Ausbruch
der  Feindseligkeiten  zwischen  Napoleon  und  Preußen  sein  Land  als
neutral  erklärte  und,  teils  aus  naiver  Beurteilung  der  politischen
Situation,  teils  auch  aus  kindischem  Eigensinn,  auf  allen  Grenzpfählen
die  Aufschrift  anbringen  ließ:  „Pays  neutre“.  Ende  Oktober  des
Jahres  1806  rückten  dessen  ungeachtet  zwei  feindliche  Heere,  das
eine  von  Süden  unter  Marschall  Mortier,  das  andere  von  Norden
unter  dem  König  von  Holland,  gegen  Kassel  vor,  und  am  1.  November
mußte  der  Kurfürst  seine  Hauptstadt  verlassen,  um  nicht  als
„preußischer  General“  in  Gefangenschaft  zu  geraten.  Er  konnte,
wie  er  selbst  angibt,  nur  das  notwendigste  Reisegeld  mitnehmen
und  floh  in  Begleitung  des  Kurprinzen  und  einiger  Bedienten  zunächst ­
  nach  Arolsen,  um  von  dort  in  Zivilkleidern  nach  Schleswig
zu  reisen 61 .  Am  2.  November  bezog  der  von  Napoleon  ernannte
Generalgouverneur  von  Hessen,  General  Lagrange,  das  kurfürstliche
Residenzschloß,  und  noch  am  selben  Tage  wurden  alle  herrschaftlichen ­
  Kassen  in  Beschlag  genommen.  Zwei  Tage  später  erließ  der
Generalgouverneur  eine  Proklamation,  die  u.  a.  bestimmte,  daß  alle
Landesrevenüen  fortab  für  den  Kaiser  zu  erheben  und  die  Bestände
der  öffentlichen  Kassen  nach  Kassel  abzuführen  seien.  Wer  ver-,
suchen  sollte,  öffentliche  Einkünfte  zu  unterschlagen,  wer  Gelder*
oder  andere  Sachen,  die  dem  Staate  gehörten,  verhehle  und  nicht
binnen  24  Stunden  anzeige,  solle  verhaftet  und  von  einer  militari-
        <pb n="65" />
        57

sehen  Kommission  nach  der  Strenge  gerichtet  werden 62 .  Natürlich
war  es  mit  der  letzteren  Maßregel  auf  Ermittlung  des  kurfürstlichen
Vermögens  abgesehen.
Begreiflicherweise  hatte  der  Kurfürst  Vorkehrungen  getroffen,
um  seine  Schätze  und  die  Nachweisungen  seiner  Außenstände  zu
sichern.  Mehrere  Monate  vor  Ankunft  der  Franzosen  hatte  er
seinem  vertrautesten  Beamten  in  Finanzangelegenheiten,  dem  Geheimen ­
  Kriegsrat  Buderus  von  Carlshausen,  die  Verbergung  seiner
Wertpapiere,  seiner  Wertsachen  und  seines  Archivs  übertragen,
soweit  letzteres  Auskunft  über  seine  früheren  Einkünfte  und  seine
gegenwärtigen  Außenstände  gab.  Die  letzten  zwanzig  Jahrgänge
der  Rechnungsbücher,  Urkunden,  Belege  etc.  wurden  jedes  Mal  aus
dem  Archiv  ausgesondert  und  beiseite  geschafft.  Die  Wertpapiere
bestanden  in  Nominalobligationen,  Partialobligationen  und  den  zu
den  letzteren  gehörenden  Kupons.  Man  gebrauchte  die  Vorsicht,
die  Zinsbogen  von  den  Partialobligationen  zu  trennen  und  beides
an  verschiedenen  Plätzen  zu  verbergen.  Da  die  Bergungsgeschäfte
in  großer  Eile  vorgenommen  wurden,  so  darf  es  nicht  wundernehmen, ­
  daß  hier  und  dort  Verschiebungen  stattfanden,  Päcke  mit
Obligationen  unter  solche  mit  Kupons  gerieten.  Im  Monat  September ­
  brachte  Buderus  die  Nominal-  und  Partialobligationen  nach
Dänemark.  Staatspapiere,  die  nicht  der  eigentlichen  Finanzverwaltung, ­
  mit  anderen  Worten  nicht  dem  Vermögen  des  Kurfürsten
zukamen,  z.  B.  diejenigen  der  Witwenkassen,  wurden  zurückgelassen.
Ebenso  diejenigen  Papiere,  die  der  Maitresse  des  Kurfürsten,  der  Reichsgräfin ­
  von  Schlotheim,  ihrer  Schwester,  der  Majorin  von  Thümmel,
und  den  unrechtmäßigen  Kindern  des  Kurfürsten,  den  Flessenstein,
Heimrodt  und  Haynau 63 ,  gehörten.  Einige  Bankiers,  darunter  Meyer
Amschel  Rothschild,  hatten  beim  Kurfürsten  Lombardanleihen  gegen
Unterpfänder  von  Staatspapieren  gemacht.  Auch  diese  Obligationen
wurden  nicht  außer  Landes  geschafft.  Was  Buderus  nach  Dänemark
wegführte,  bestand  in  einem  Koffer  mit  Nominalobligationen  und
etwa  drei  Koffern  mit  Partialobligationen.  Sein  Diener  Waltz  begleitete ­
  ihn.  Der  Weg  führte  durch  die  Linie  der  französischen
Vorposten  und  war  nicht  ohne  Gefahr.  In  Schleswig  liegt  westlich
von  Kappeln  ein  Gutsbezirk  an  der  Schlei  namens  Roest.  Dort
hinterlegte  Buderus  die  herrschaftlichen  Obligationen  und  begab
sich  dann  eilig  zurück,  um  in  angestrengtester  Tätigkeit  für  die
Bergung  der  übrigen  Effekten  Sorge  zu  tragen 64 .
        <pb n="66" />
        Der  Kurfürst  hatte  eigenhändig  eine  Aufstellung  gemacht  zur
Verteilung  der  in  Kassel  verbliebenen  Objekte  auf  verschiedene
Verstecke,  und  dieses  noch  vorhandene  Verzeichnis  wurde  dann
von  Buderus  vervollständigt 65 .  Eine  ganze  Reihe  späterer  Spezialverzeichnisse ­
  gibt  weitere  Ergänzungen  und  stellenweise  eingehendere ­
  Spezifikationen.  Auch  zeigen  sie  zugleich,  daß  bei  der
Ausführung  gewisse  Verschiebungen  des  ursprünglichen  Planes
stattfanden.  Aus  der  Vergleichung  aller  dieser  Verzeichnisse  ergibt
sich  unter  Heranziehung  sonstiger  bezüglichen  Ermittlungen  folgendes ­
  Bild.
Die  wertvollsten  und  wichtigsten  Objekte  wurden  auf  der
Wilhelmshöhe  unter  der  Treppe  des  nördlichen  Schloßflügels  untergebracht. ­
  Hier  befanden  sich  insgesamt  24  Kisten  oder  Koffer.
Vier  davon  waren  mit  Kupons  gefüllt,  einer  mit  Kupons  und  Kriegszahlamtsrechnungen ­
  und  einer  mit  Kupons  und  Obligationen  sowie
fünf  Päcken  [Obligationen],  die  den  von  Hessenstein,  Heimrodt  und
Haynau  zugehörten.  Drei  Kasten  enthielten  die  Unterpfänder,  die
Meyer  Amschel  Rothschild,  Rüppell  L  Harnier,  Michel  Simon  und
Herz  Meyer  gegen  Darlehen  hinterlegt  hatten.  Sie  bestanden  in
Staatspapieren  und  bezifferten  sich  auf  über  V/a  Millionen  fl.  Aus
dem  Bellevueschloß  stammten  zwei  Geldkasten  mit  Dosen  und
Pretiosen,  aus  der  Lichtkammer  daselbst  ein  großer  Kasten  mit
Silber,  aus  dem  Wilhelmshöher  Schloß  ein  Kasten  mit  einem
Kampagne-Service,  das  der  Reichsgräfin  von  Schlotheim  gehörte.  Die
Kleider  der  letzteren  waren  in  vier  Kasten  oder  Koffern  untergebracht. ­
  In  zwei  Kasten  waren  die  Kriegs-  und  Kammerkassenetats ­
  der  Jahre  1786  bis  1805  verpackt.  Vier  Kasten  waren  mit
Kriegskassen-Akten  gefüllt,  und  einer  enthielt  außer  Kriegskassenakten ­
  noch  zwei  Pakete  mit  Pretiosen  des  Kurfürsten.
Im  Fronton  des  Wilhelmshöher  Schlosses  befanden  sich  ebenfalls ­
  in  ca.  24  Kisten  verpackt  die  Kataloge  der  Wilhelmshöher
Schloßbibliothek  und  pretieuse  Bücher  aus  derselben,  ferner  viele
Akten  aus  dem  Geheimen  Kabinettsarchiv  des  Bellevueschlosses,
vor  allem  die  Urkunden  und  Belege  zur  Kabinettskassenrechnung
der  Jahre  1786  bis  1806,  die  in  über  70  Foliobände  gebunden
waren,  wozu  noch  zwei  Konvolute  kamen.
Im  Keller  der  im  Wilhelmshöher  Park  gelegenen  Löwenburg
wurde  die  gleiche  Zahl  Kisten  oder  Koffer  wie  im  Nordflügel  des
Schlosses  untergebracht.  Eine  Kiste  enthielt  Staatspapiere  der  Reichs-
        <pb n="67" />
        gräfin  v.  Schlotheim,  Obligationen  von  der  Militär-  und  der  Zivilwitwenkasse, ­
  dem  Hofgericht,  dem  Hofhospital,  dem  Steuerkollegium,
auch  Ordensobligationen;  ferner  Kriegs-  und  Kabinettskassenakten
und  die  Vollmachten  zur  Übertragung  der  in  London  angelegten
Annuitätenkapitalien  auf  andere  Namen.  Ein  eisenbeschlagener
Koffer  enthielt  die  Staatspapiere  der  Majorin  von  Thümmel.  Aus  der
Löwenburg  selbst  stammten  goldene  Becher  und  Schalen,  die  mit
dem  Inventarium  des  Rittersaalbüffetts,  einem  Päckchen  aus  dem
Geheimen  Kabinettsarchiv,  Büchern  und  drei  Holzschnitten  in  einen
Verschlag  verpackt  waren.  Fünf  weitere  Verschlüge  bargen  das
Porzellan,  das  Tafelleinen  und  weitere  Kleidungsstücke  der
Reichsgräfin  von  Schlotheim.  Eine  Kiste  war  mit  Manualien  vom
Kriegszahlamt  gefüllt,  sieben  Kisten  mit  Urkunden  vom  Geheimen
Kabinettsarchiv  (Hofarchiv),  sieben  weitere  mit  solchen  von  der
Oberrentkammerkasse,  eine  achte  enthielt  außerdem  Kupons.
Auf  das  einsame  Jagdschloß  Sababurg  im  Reinhardswald  sollten
47  Kisten  verbracht  werden.  Über  dieses  Versteck  ist  kein  Spezialverzeichnis, ­
  sondern  ebenso  wie  über  das  Fronton  des  Wilhelmshöher ­
  Schlosses  nur  der  Entwurf  des  Kurfürsten  erhalten.  Dieser
hatte  das  Silber  aus  der  Lichtkammer  des  Bellevueschlosses  dorthin ­
  bestimmt.  Doch  ist  zu  bemerken,  daß  eine  Kiste  mit  solchem
Silber  tatsächlich  im  nördlichen  Flügel  des  Wilhelmshöher  Schlosses
versteckt  war  (s.  o.).  Sie  enthielt  einen  silbernen  Teetisch  mit  Teemaschine ­
  u.  a.  Es  kamen  ferner  nach  Sababurg  eine  Toilette  aus
dem  Kabinett  des  Kurfürsten,  Pretiosen  aus  dem  Museum,  Pretiosen
der  Kurfürstin,  Silber  vom  Kurprinzen  und  eine  Toilette  der  Kurprinzessin. ­
  Auch  Porträts  aus  der  Bildergalerie  sollten  dorthin  verbracht ­
  werden,  wobei  jedoch  bemerkt  wird,  daß  diese  Bilder  nachher
ins  kurfürstliche  Schloß  gebracht  wurden.  Außer  Papieren  vom
Marstall  werden  bei  diesem  Versteck  keinerlei  Akten  erwähnt.
Die  Sachen  wurden  auf  zwei  Wagen  verladen,  von  denen  jeder
mit  vier  Maultieren  bespannt  war 66 ,  und  man  darf  annehmen,  daß
sich  darunter  eine  schwere  Masse  von  Silbersachen  und  Kostbarkeiten ­
  befand 67 .  Sie  fielen  alle  in  die  Hände  der  Franzosen.
Der  Kurfürst  war  geizig  und  mißtrauisch.  Bei  seiner  Flucht
hatte  er  als  sog.  Landesregierung  die  Staatsminister  von  Waitz  und
von  Baumbach  zurückgelassen  und  außerdem  zur  Landesdirektion
mit  designiert  den  Oberjägermeister  von  Witzleben  und  den  Generalmajor ­
  von  Webern.  Hätte  er  sich  mit  diesen  Männern  zeitig
        <pb n="68" />
        60

verständigt,  so  hätte  man  ihm  sicher  zum  Besseren  geraten  oder
hätten  wenigstens  noch  Vorkehrungen  zur  Rettung  der  Sababurger
Wertsachen  getroffen  werden  können.  Volles  Vertrauen  zu  üben
war  aber  nicht  Sache  des  Kurfürsten,  auch  nicht  den  erprobtesten
Männern  gegenüber.  Immer  erst  in  der  höchsten  Not  entschloß
er  sich  zur  Offenheit.  Und  so  hatte  er  auch  dem  Geheimen
Ministerium  vor  seiner  Flucht  nichts  von  der  Bergung  der  Vermögensobjekte ­
  mitgeteilt.  Das  Silbergerät  sollte  ursprünglich  von
Münden  aus  zu  Schiff  die  Weser  hinab  und  nach  England  gebracht
werden.  Da  man  sich  aber  mit  dem  Schiffer  nicht  über  die  Fracht
einigen  konnte,  indem  dieser  50  Tlr.  mehr  verlangte,  als  der  Kurfürst
zahlen  wollte,  so  entschloß  letzterer  sich  zur  schleunigen  Vermauerung ­
  in  Sababurg.  Von  diesem  und  den  übrigen  Transporten
des  Buderus  hatten  viele  Leute  Kunde  erhalten,  und  so  verbreitete
sich  das  Gerücht,  daß  an  den  drei  beschriebenen  Örtlichkeiten
Schätze  vergraben  seien.  Aus  Furcht,  daß  diese  Gerüchte  die
Franzosen  zu  Nachforschungen  veranlassen  könnten,  teilten  der
Oberbaurat  Jussow  und  der  Steuerrat  Gottsched  am  4.  November
abends  nach  11  Uhr  dem  Geheimen  Ministerium  den  Sachverhalt
mit.  Sie  legten  ein  Schreiben  von  Buderus  bei,  daß  dieser  am
2.  November  auf  seiner  Reise  nach  Gottorf  von  Veckerhagen  aus
an  Jussow  gerichtet  hatte,  und  das  die  gleiche  Besorgnis  speziell
wegen  der  auf  Sababurg  verborgenen  Sachen  kundgab.  Man  war
so  unklug  gewesen,  zum  Schutze  gegen  etwaige  Einbruchdiebstähle
ein  Jägerkommando  nach  Sababurg  zu  legen,  was  natürlich  jedermann ­
  verdächtig  erscheinen  mußte.  Man  hatte  außerdem  in  der
Eile  die  große  Unvorsichtigkeit  begangen,  mit  den  Silbersachen
nicht  zugleich  auch  das  betreffende  Inventarienverzeichnis  beiseite
zu  schaffen,  wie  man  es  doch  bei  den  Goldsachen  der  Löwenburg
und  den  Büchern  der  Wilhelmshöher  Schloßbibliothek  getan  hatte.
Als  sich  nun  herausstellte,  daß  der  hessische  Hofmarschall  Graf
von  Bohlen  das  Inventarienverzeichnis  des  herrschaftlichen  Silbers
dem  Generalgouverneur  vorgewiesen  hatte,  blieb  dem  geängsteten
Ministerium  keine  Wahl  mehr.  Am  5.  November,  noch  vor  erfolgter
Drucklegung  der  oben  erwähnten  Proklamation,  wurde  beschlossen,
das  Silbergeschirr  wieder  an  Ort  und  Stelle  bringen  zu  lassen,
und  dem  Grafen  von  Bohlen  anheimgegeben,  dem  Gouverneur  davon
Mitteilung  zu  machen.  Der  zurückgeholte  Schatz  wurde  von  den
Franzosen  alsbald  nach  Mainz  geschafft,  und  man  darf  annehmen,
        <pb n="69" />
        61

daß  das  Silber,  mit  Ausnahme  der  etwa  dabei  befindlichen  Medaillen,
in  den  Schmelztiegel  wanderte.
Es  galt  nun,  von  den  im  Wilhelmshöher  Schloß  und  auf  der
Löwenburg  verborgenen  Sachen  zu  retten,  was  gerettet  werden
konnte.  Denn  eine  Geheimhaltung  schien  auch  bei  diesen  Objekten ­
  völlig  ausgeschlossen,  und  in  diesem  Sinne  hatte  schon  am
6.  November  der  Burggraf  Steitz  auf  Wilhelmshöhe  im  Einverständnis
mit  dem  Burgvogt  Boeger  auf  der  Löwenburg  dem  Ministerium
seine  Bedenken  mitgeteilt  und  Verhaltungsbefehle  erbeten.  In  dieser
Notlage  kam  den  Landesdirektoren  der  Gedanke,  dem  General
Lagrange  Geld  anzubieten.  Der  Regierungsrat  Schmerfeld  übernahm
diese  Mission,  und  es  gelang  ihm,  den  Gouverneur  gegen  die  Summe
von  260  000  Fr.  zu  bestimmen,  42  Kisten,  welche  „den  bei  weitem
wichtigsten  Teil  der  Wilhelmshöher  Depositen 68  “  ausmachten,  freizugeben. ­
  Etwa  30  Kisten  mußten  auf  Wunsch  des  Gouverneurs
stehen  bleiben  und  wurden  von  den  Franzosen  konfisziert 69 .  Natürlich
durften  die  42  freigegebenen  Kisten  trotz  der  Konnivenz  des
Gouverneurs  nur  heimlich  fortgeschafft  werden.  Ja  es  war  ein
großes  Wagestück,  diese  Sachen  in  Sicherheit  zu  bringen,  weil  im
Fall  der  Entdeckung  nichtsdestoweniger  der  oben  erwähnte  Erlaß
des  Gouverneurs  wegen  Verhehlung  staatlichen  Eigentums  zur  Anwendung ­
  kommen  mußte.  Der  Ruhm,  diese  schwierige  Aufgabe
übernommen  und  glücklich  durchgeführt  zu  haben,  gebührt  einem
tapferen  und  unerschrockenen  Soldaten,  dem  hessischen  Hauptmann
Wilhelm  Mensing,  ln  der  Nacht  vom  8.  auf  den  9.  November  ließ
er  die  Kisten  auf  vier  Wagen  verladen  und  brachte  sie  auf  den
Hof  Stölzingen,  zwei  Wegstunden  östlich  von  Spangenberg.  Dort
blieben  die  Sachen  drei  Wochen  verborgen  und  wurden  dann  in
fünf  Transporten  anderwärts  in  Sicherheit  gebracht 70 .
Nachdem  Mensing  dem  Ministerium  Bericht  erstattet  hatte,
begab  sich  zunächst  der  Geheime  Kriegsrat  Lennep  nach  Stölzingen,
um  persönlich  diejenigen  Objekte  auszuwählen,  die  er  seinerseits
in  Gewahrsam  nehmen  sollte.  Der  Keller  auf  Stölzingen  wurde
„von  einwendig“  ausgemauert,  und  Lennep  stieg  mit  Mensing  hinein.
Lennep  sollte  vor  allem  gewisse  Wertpapiere  an  sich  nehmen.  Zu
dem  Zweck  mußten  fünf  Kasten  geöffnet  werden.  Drei  davon  wurden
völlig  entleert  und  die  leeren  Kasten  verbrannt.  Abgesehen  von
der  Isenburg-Wächtersbachschen  Obligation  über  320  000  fl  von  der
Rentkammer  in  Hanau  bestanden  die  sämtlichen  von  Lennep  aus-
        <pb n="70" />
        62

gesonderten  Papiere  in  54  Paketen.  Ein  Paket  war  ohne  jede  Bezeichnung, ­
  ein  anderes  trug  die  Chiffre  F.  F.  Fritzlar  A.  B.  C.  et  D.,
ein  drittes  war  versiegelt  und  enthielt  die  Vollmachten  zur  Übertragung ­
  der  Fondoner  Stocks.  Sechs  Pakete  enthielten  Staatspapiere
der  Gräfin  Schlotheim  und  der  unrechtmäßigen  Kinder  Wilhelms  1.,
der  Hessenstein,  Heimrodt  und  Haynau.  Die  Unterpfänder  von
Meyer  Amschel  Rothschild,  Michel  Simon  und  Herz  Meyer,  die
inzwischen  Eigentum  des  Kurfürsten  geworden  waren,  machten
elf  Pakete  aus.  Den  fürstlichen  Kassen  kamen  fünf  Päcke  mit
Obligationen  und  29  Päcke  mit  Zinskupons  zu.  Soweit  die  beiden
letzten  Kategorien  genauere  Inhaltsangaben  aufweisen,  enthielten
sie  445  Obligationen,  1177  Kuponbogen  und  778  einzelne  Kupons.
In  der  Hauptsache  waren  dies  darmstädtische,  dänische,  landständisch-baierische
  und  kaiserlich  königlich  holländische  Papiere.
Alles  wurde  in  zwei  Partien  am  3.  und  6.  Dezember  nach  Kassel
gebracht.  Mensing  selbst  leitete  die  Transporte.  Er  packte  die
meisten  Pakete  in  Säcke  und  füllte  diese  mit  Hafer  auf.  Am  Tor
gab  er  an,  daß  der  Hafer  dem  Rat  Beermann  zukomme,  wurde
durchgelassen  und  brachte  abends  um  10  Uhr  alles  in  Lenneps
Wohnung.  Lennep  verwahrte  die  Objekte  an  verschiedenen  sicheren
Orten 71 .
Der  dritte  Transport  ging  zum  Messinghammer.  Er  umfaßte
die  neun  Kisten  oder  Koffer  —  vier  vom  Schloß  Wilhelmshöhe  und
fünf  von  der  Löwenburg  —  mit  dem  Porzellan,  dem  Tafelleinen  und
den  Kleidern  der  Reichsgräfin  von  Schlotheim,  außerdem  den  eisenbeschlagenen ­
  Koffer  mit  den  Staatspapieren  ihrer  Schwester,  der
Frau  Majorin  von  Thümmel.  Durch  Verrat  gelangten  diese  Kisten  in
das  Kasseler  Schloß,  wurden  aber,  da  sie  Privateigentum  enthielten,
vom  Gouverneur  wieder  herausgegeben 72 .
Der  vierte  Transport  umfaßte  ebenfalls  zehn  Kisten.  Die  Hälfte
derselben  enthielt  vorzugsweise  Kupons,  ein  großer  Kasten  das  Silber
aus'dem  Bellevueschloß,  zwei  Kasten  Pretiosen  des  Kurfürsten,
einer  Akten  aus  dem  Geheimen  Kabinettsarchiv  und  einer  Manualien
vom  Kriegszahlamt.  Am  8.  Dezember  gingen  die  Kisten  ab  und
gelangten  als  angebliche  Güter  der  Firma  Thorbecke  auf  dem  Weg
über  Witzenhausen  und  Hedemünden  in  das  Thorbeckesche  Lagerhaus ­
  zu  Münden.  Die  beiden  Kisten  mit  Pretiosen  wurden  im
März  1807  durch  Lennep  persönlich  dem  Kurfürsten  überbracht 73 .
Die  übrigen  Kisten  gingen  Anfang  Februar  von  Münden  nach  Soden
        <pb n="71" />
        —  63  —
bei  Aliendorf.  Dort  sollte  sie  der  Bergrat  Schaub  in  Verwahrung
nehmen 74 ,  um  sie  später  nach  Eisenach  oder  einem  anderen  geeigneten ­
  Ort  abzuführen.  Schaub  hielt  jedoch  Allendorf  für  keinen
sicheren  Platz,  und  so  wurden  die  Kisten  alsbald  weiter  nach
Eisenach  befördert.
Der  fünfte  Transport  war  auf  zwei  Wagen  geladen,  die  von
acht  Pferden  gezogen  wurden  75 .  Er  umfaßte  sechzehn  Kisten  von
der  Löwenburg,  nämlich  die  acht  Kisten  mit  Akten  etc.  von  der
Oberrentkammer,  die  sieben  Kisten  mit  Urkunden  aus  dem  Hofarchiv ­
  und  die  eine  Kiste  mit  den  Obligationen  der  Witwenkassen
und  der  verschiedenen  Ämter.  Ferner  waren  dabei  drei  Kisten
aus  dem  Nordflügel  des  Wilhelmshöher  Schlosses,  nämlich  eine  mit
den  Unterpfändern  der  Rüppel  &amp;amp;  Harnier  und  zwei  mit  den  Kriegsund ­
  Kammerkassenetats  der  Jahre  1786  bis  1805.  Dieser  Transport ­
  von  insgesamt  19  Kisten  wurde  wieder  von  Mensing  selbst
geleitet  und  ging  an  das  Speditionshaus  von  Preye  &amp;amp;  Jordis  in
Frankfurt.  Am  10.  Dezember  brach  Mensing  von  Stölzingen  auf.
Am  17.  Dezember  lieferte  er  in  Frankfurt  ab.  Als  er  nach  vielen
Fährlichkeiten  das  letzte  Dorf  vor  Frankfurt  erreicht  hatte,  ließ  er
zunächst  seinen  Fuhrmann  haltmachen  und  begab  sich  allein  in
die  Stadt,  um  mit  Jordis  zu  sprechen.  Der  erklärte,  es  sei  unmöglich,
die  Sachen  in  die  Stadt  zu  bringen,  da  bei  der  Zollwache  alles
geöffnet  werde.  Mensing  erschrak,  faßte  sich  aber  rasch  und  bat
Jordis,  nur  sein  Hoftor  auszuschließen,  für  das  übrige  werde  er
sorgen.  Er  begab  sich  zurück,  verkleidete  sich  als  Fuhrmann  und
kam  mit  seinen  Kisten  angefahren.  Als  ihm  die  Torwache  entgegentrat, ­
  die  aus  drei  alten  Bürgern  bestand,  spielte  er  den  Betrunkenen ­
  und  redete  Platt,  was  ihm  als  Sohn  eines  Rinteler
Schlossers  von  Jugend  an  geläufig  war.  Der  Wache  steckte  er
zwei  Krontaler  zu,  ebenso  dem  Examinator,  und  fuhr  dann  flott
in  die  Stadt  hinein.  „Laßt  den  versoffenen  Hannoveraner  zum
Teufel  fahren,  er  kommt  ja  nicht  zum  Tor  naus;  wir  wollen  ihn
schon  kriegen.“  Mit  diesen  Worten  beruhigte  die  Zollwache  ihr
Gewissen,  und  ungehindert  gelangten  die  Wagen  in  das  Lagerhaus
von  Preye  &amp;amp;  Jordis  in  der  Saalgasse 76 .  Dort  lagen  Hunderte  von
Kisten,  und  kein  Zollwächter  konnte  daselbst  die  kurfürstlichen
Effekten  von  den  sonstigen  Sachen  unterscheiden.  Am  17.  Dezember
1806  quittierte  Fr.  Schärft 77 ,  der  Teilhaber  der  Bankfirma  Preye  &amp;amp;
Jordis,  dem  „Kaufmann“  Mensing  den  Empfang  der  19  Kisten 78 .
        <pb n="72" />
        —  64  —
Die  Bescheinigung  ging  an  Schmerfeld  und  wurde  von  diesem  am
28.  Januar  1807  dem  Buderus  ausgehändigt.  Damit  war  alles  bis
dahin  Gerettete,  soweit  es  Privatvermögen  war,  zurückerstattet,
und  soweit  es  kurfürstliches  Eigentum  war,  in  Sicherheit  gebracht ,9 .
Inzwischen  waren  in  Kassel  bereits  neue  Verhandlungen  mit  Lagrange
eingeleitet  worden,  um  aus  den  konfiszierten  Kisten  nicht  zwar
die  Wertsachen  —  denn  diese  gab  der  Franzose  nicht  heraus  —,
aber  wenigstens  die  Nachweisungen  der  Außenstände  zu  retten.
Von  welcher  Wichtigkeit  die  letzteren  waren,  zeigt  uns  ein  Blick
in  das  hessische  Finanzwesen  der  damaligen  Zeit.
Die  hessische  Finanzverwaltung  zerfiel  wesentlich  in  drei  Kassen,
die  Kammer-,  Kriegs-  und  Kabinettskasse,  ln  die  Kammerkasse
flössen  die  Domanialeinkünfte  und  die  indirekten  Steuern,  in  die
Kriegskasse  die  Landesgrundsteuer  und  die  von  den  Ständen  bewilligten ­
  außerordentlichen  Grundabgaben,  die  nach  dem  Erhebungstermin ­
  als  Martini-  und  Petristeuern  bezeichnet  wurden.  Die  Kriegskasse ­
  diente  eigentlich  zur  Unterhaltung  des  Militärs,  die  Kammerkasse ­
  zur  Bestreitung  der  sonstigen  Staatsverwaltung.  Besonders
aus  der  Kriegskasse  wurden  die  durch  Sparsamkeit  erübrigten
Kapitalien  ausgeliehen.  Von  untergeordneter  Bedeutung  war  die
sog.  Kabinettskasse,  von  1814  ab  Schatullkasse  genannt.  Abgesehen
von  Zinsen  und  Kapitalsrückzahlungen  bestanden  die  Einnahmen
dieser  Kasse  im  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  vorzugsweise  in  Zuschüssen, ­
  die  auf  allerhöchsten  Befehl  die  beiden  anderen  Kassen
zu  leisten  hatten.  Die  Oberrentkammerkasse  hatte  sogar  eine
regelmäßige  Beisteuer  von  jährlich  15  000  Rtlrn.  zu  zahlen.  Im
Jahr  1805  betrug  der  Etat  der  Kabinettskasse  62  780  Rtlr.,  in  den
ersten  10  Monaten  des  Jahres  1806  36  605  Rtlr.  Hauptausgabeposten ­
  bildeten  die  gnädigst  verordneten  Besoldungen  und  Zulagen,
bei  denen  auch  die  Reichsgräfin  von  Schlotheim  figuriert,  und  außerdem ­
  die  Reisekosten.  Kleinere  Posten  betreffen  die  Bedürfnisse
zur  Garderobe,  Bijouteriewaren  und  Nippes,  Silbergeschirr,  allerhand
Mobilien,  die  Kabinettsbibliothek,  Kupferstiche,  Zeitungen  und  Journale ­
  usf. 80  Man  könnte  glauben,  die  Kabinettskasse  sei  eine  Privatkasse ­
  des  Regenten  gewesen.  Es  bestand  aber  keine  eigentliche
Trennung  zwischen  Staats-  und  Privatvermögen.  Der  Landgraf  oder
der  Kurfürst  konnte  in  seiner  Eigenschaft  als  Staatsoberhaupt  auch
über  die  Kriegs-  und  Kammerkasse  ohne  Zuziehung  der  Landstände
verfügen.  Umgekehrt  wurde  auch  die  Kabinettskasse  gelegentlich
        <pb n="73" />
        \

—  65  —
zu  staatlichen  Zwecken  herangezogen.  Es  kam  auch  vor,  daß  die
eine  Kasse  von  der  andern  durch  Darlehen  unterstützt  wurde,
und  daß  Schulden  einer  notleidenden  Kasse  von  einer  zahlungsfähigen ­
  übernommen  wurden.  Ferner  wurden  Beamtengehälter,
z.  B.  der  Gehalt  des  hessischen  Geschäftsträgers  in  London  und
später  der  des  kurhessischen  Gesandten  beim  Bundestag  zur  einen
Hälfte  aus  der  Kriegskasse,  zur  anderen  aus  der  Kammerkasse
bestritten 81 .
Das  Vermögen  der  drei  Kassen  bestand  in  Staatspapieren
und  in  Außenständen  bei  Souveränen  und  Privaten.  Durch  seine
Sparsamkeit  und  durch  seine  und  seiner  Vorgänger  Subsidienverträge
  war  Kurfürst  Wilhelm  1.  einer  der  reichsten  Fürsten  Europas
geworden,  und  selbstverständlich  war  sein  Vermögen  im  Wachsen.
Bei  der  Kriegskasse  betrug  die  Hauptsumme  des  Status  activorum
kurz  vor  seiner  Flucht  im  September  1806  21  021  422  Rtlr.  gegen
20  566  477  Rtlr.  im  Januar  desselben  Jahres.  Darunter  befanden
sich  15  994112  Rtlr.  an  hin  und  wieder  ausgeliehenen  Kapitalien  mit
monatlich  53  290  Rtlrn.  Zinsen,  2  588  545  Rtlr.  angelegte  englische
Annuitäten,  die  monatlich  9879  Rtlr.  Zinsen  brachten,  282  043  Rtlr.
holländische  Bankokapitalien  mit  monatlich  708  Rtlrn.  Zinsen.  Die
Gesamteinnahmen  betrugen  im  Januar  1806  107  374  Rtlr.,  die  Ausgaben ­
  65  898  Rtlr.,  was  einen  Überschuß  von  41  476  Rtlrn.  machte.
Im  September  betrug  der  Überschuß  43  028  Rtlr.,  was  einen  Jahresüberschuß ­
  von  mehr  als  einer  halben  Million  bedeutet 82 .
Als  Schuldner  der  hin  und  wieder  ausgeliehenen  Kapitalien
werden  in  dem  summarischen  Extrakt  sämtlicher  Einnahme-  und
Ausgaberubriken  des  Kriegsetats  pro  anno  1806  die  verschiedenartigsten ­
  Personen  namhaft  gemacht:  Fürsten,  hessische  Stadt-  und
Landgemeinden,  Offiziere,  Beamte  und  Handwerker.  Die  ausgeliehenen ­
  Beträge  gehen  bis  auf  60  Rtlr.  herab.  Als  größte
Außenstände  werden  folgende  erwähnt:  Herzoglich  Mecklenburg-Strelitzsches
  Anlehen  von  427  000  rf  ä  3Ü2  "/&amp;lt;&amp;gt;,  Fürst  Öttingen-Wallerstein
  mit  einem  Kapitalrest  von  327122  rf  ä  3 1 /s°/o,  Fürstlich
Leiningisches  Anlehen  von  289  000  rf  ä  4 1 /2°/o,  Fürst  Löwenstein-Wertheim
  mit  zwei  Kapitalresten  von  321  000  rf  ä  3^2  und  4  °/o
und  60  445  rf  ä  4  °/o,  Fürst  Lippe-Detmold  mit  einem  Kapitalrest
von  220  000  rf  ä  3^2  °/o,  Fürst  zu  Hohenlohe-lngelfingen  mit  einem
Kapitalrest  von  140  959  rf  ä  4°/o,  Graf  von  Platen  zu  Hallermünde
mit  einem  solchen  von  124  400  rf  ä  3^2  °/o,  die  bayerischen  Land-5
        <pb n="74" />
        66

stände  mit  200  000  fl  ä  5%,  Oberjägermeister  von  Moltke  mit
200  000  rf  ä  4 1 /2°/o.
Solche  Außenstände  geheimzuhalten ,  war  natürlich  viel
schwieriger,  als  Obligationen  und  Kupons  in  Sicherheit  zu  bringen.
Wohl  hatte  man  bei  Wegschaffung  der  Effekten  auch  an  die  Verbergung ­
  aller  derjenigen  Akten  gedacht,  welche  Aufschluß  über
Einnahmequellen  irgendwelcher  Art  geben  konnten.  Das  beweisen
unsere  Inhaltsangaben  der  verschiedenen  Verstecke  zur  Genüge.
Wir  sahen  aber  bereits,  daß  ca.  30  Kisten  in  die  Hände  der
Franzosen  gefallen  waren,  und  auch  in  diesen  befanden  sich  wichtige
Nachweisungen.  Ferner  wissen  wir,  daß  man  in  der  Eile  die
Beiseiteschaffung  verschiedener  Dokumente  vergessen  hatte.  So
war  die  in  dem  Bellevueschloß  befindliche  Korrespondenz  dort
liegen  geblieben.  Und  selbst  den  Fall  gesetzt,  daß  es  gelungen
wäre,  alle  im  Augenblick  der  Gefahr  erreichbaren  Nachweisungen
zu  beseitigen,  so  wären  damit  begreiflicherweise  noch  nicht  sämtliche ­
  Außenstände  bei  dauernder  Nachforschung  verborgen  geblieben ­
 83 .  Die  Franzosen  aber  gingen  systematisch  in  ihren
Ermittlungen  vor.  Der  Intendant  Marteilläre  war  damit  beauftragt,
das  Vermögen  der  verschiedenen  Kassenverwaltungen  ausfindig  zu
machen,  und  Anfang  Dezember  war  Lagrange  bereits  im  Besitz
eines  Kapitalienbuchs  der  Kriegskasse,  des  Kabinettskassenetats
von  1806  und  eines  Status  der  bei  der  Oberrentkammer  in  Kassel
und  der  Rentkammer  in  Hanau  ausgeliehenen  Kapitalien 84 .  Schon
gaben  die  Minister  alles  verloren,  da  trat  plötzlich  eine  Wendung
ein.  Lagrange  bot  sich  diesmal  selber  an,  sich  und  zugleich  den
Generalintendanten  Marteillere.
Der  Gouverneur  war  ein  vorsichtiger  und  schlauer  Mann.  Er
hatte  von  vornherein  die  Absicht,  bei  dieser  Gelegenheit  sich  gründlich ­
  zu  bereichern.  Vor  Untreue  schreckten  ihn  weder  Gewissen
noch  Selbstachtung  zurück;  auch  durfte  er  bei  seinem  kaiserlichen
Herrn  in  Geldsachen  auf  Nachsicht  rechnen.  Doch  hatte  er  nicht
die  Absicht,  eine  förmliche  Unterschlagung  zu  begehen.  Vielmehr
war  das  Abkommen  mit  der  verhältnismäßig  kleinen  Summe  von
260  000  Fr.  von  ihm  so  angelegt,  daß  dieselbe  Affäre  sich  später  in
verbesserter  Auflage  wiederholen  mußte.  Bei  der  ersten  Bestechung
war  ihm  der  Inhalt  der  deponierten  Kisten  selbstverständlich  von
Schmerfeld  mitgeteilt  worden.  Er  ließ  sich  damals  u.  a.  alle  diejenigen ­
  Kisten  abkaufen,  in  denen  Barvermögen,  d.  h.  Obligationen
        <pb n="75" />
        5*

67

oder  Kupons,  enthalten  waren.  Dagegen  nahm  er  Silber  und
Wertsachen  an  sich  und  beschlagnahmte  außerdem  eine  große
Anzahl  solcher  Kisten,  die  wichtige  und  wertvolle  Nachweisungen
enthielten,  indem  er  von  vornherein  darauf  bedacht  war,  sich
auch  diese  für  ein  gutes  Stück  Geld  wieder  abkaufen  zu  lassen.
Es  waren  von  ihm  ca.  30,  de  facto  wohl  genau  30  Kisten,  zurückbehalten. ­
  Aus  dem  Keller  der  Löwenburg  hatte  er  nur  den  Verschlag ­
  mit  den  goldenen  Bechern  und  Schalen  belegt.  Aus  dem  Nordflügel ­
  des  Wilhelmshöher  Schlosses  hatte  er  sechs  Kisten  beschlagnahmt. ­
  Vier  davon  enthielten  Kriegskassenakten,  eine  fünfte
enthielt  außerdem  zwei  Pakete  mit  Pretiosen,  und  in  der  sechsten
befand  sich  das  silberne  Kampagne-Service  der  Reichsgräfin  von
Schlotheim.  Aus  dem  Fronton  des  Wilhelmshöher  Schlosses  waren
ca.  23  (wohl  genau  23)  Kisten  zurückbehalten,  in  denen  sich  18  Jahrgänge ­
  von  Urkunden  und  Belegen  zur  Kabinettskassenrechnung
mit  Einschluß  derer  vom  Jahre  1806  befanden.  Nur  eine  Kiste
mit  derartigen  Akten  wurde  nicht  beschlagnahmt.  Alle  übrigen
Depositen  waren  freigegeben,  von  Mensing  gerettet  und  mit  den
erwähnten  fünf  Transporten  in  Sicherheit  gebracht.
Die  Planmäßigkeit  und  Vorsicht,  mit  der  Lagrange  in  diesen
Dingen  verfuhr,  zeigt  sich  in  entsprechender  Weise  bei  seinem
Verhalten  gegenüber  Napoleon.  Dieser  mußte  wissen,  daß  der
Kurfürst  ein  reicher  Mann  war.  Da  letzterer  aber  alles  darauf
anlegte,  als  arm  zu  gelten,  so  wird  man  das  eigentliche  Maß  seines
Reichtumes  schwerlich  gekannt  haben.  Als  daher  der  Kaiser  dem
Kurstaat  eine  Kriegskontribution  von  6  Millionen  Livres  auferlegte,
schlug  der  schlaue  Gouverneur  ihm  selber  vor,  diese  Kontribution
nicht  aus  dem  Land,  da  dieses  unvermögend  sei,  sondern  aus  dem
Vermögen  des  Kurfürsten  beizutreiben 85 .  Das  Gesamtvermögen  des
Kurfürsten  aber  verschwieg  er  und  wies  statt  dessen  nur  einen
Bestand  von  11  Millionen  Talern  nach.  Das  war  für  damalige  Zeit
auch  schon  ein  ausnehmend  großer  Besitz,  und  Napoleon  hatte
keinen  Grund,  in  diese  Angabe  Zweifel  zu  setzen.  Als  Lagrange
diese  Meldung  an  Napoleon  abgehen  ließ,  hatte  er  aber  bereits  dem
Geheimen  Ministerium  seine  Offerte  gemacht 86 .  Gegen  eine  Vergütung ­
  für  sich  und  den  Intendanten  hatte  er  versprochen:  1.  dem
Kaiser  keine  weiteren  Vermögensnachweise  zu  melden,  2.  alle  Nachweisungen, ­
  die  er  selbst  in  Händen  hatte,  oder  die  sich  bei  den
Kasseler  Kollegien,  d.  h.  bei  der  Kriegs-,  Kammer-  und  Kabinetts-
        <pb n="76" />
        68

kasse  befänden 87 ,  auszufolgen,  soweit  er  selbst  nicht  dabei  kompromittiert ­
  werde,  3.  keinerlei  weitere  Nachforschungen  nach  derartigen
Nachweisungen  anzustellen,  4.  die  im  Bellevueschloß  gefundenen
Korrespondenzen  durch  den  Intendanten  Lamartilliere  [so!]  auszuliefern ­
 88 .  Als  Lohn  für  seine  Untreue  ließ  er  durch  den  Bankier
und  Legationsrat  Jordis  aus  Frankfurt  800  000  Livres  verlangen.
Es  sollten  damit  auch  sein  Helfer  Marteillere  und  zwei  ins  Vertrauen ­
  zu  ziehende  Hehler  abgefunden  werden.  Daß  im  übrigen  sein
Anerbieten  reell  gemeint  war,  erkannte  nur  der  Minister  von  Waitz,
nicht  von  Baumbach,  am  wenigsten  der  mißtrauische  Kurfürst.  Dieser
bestand  bis  zuletzt  auf  einer  schriftlichen  Versicherung  des  Gouverneurs, ­
  die  dieser  aber  ablehnte,  weil  er  fürchten  mußte,  dadurch
kompromittiert  zu  werden.  Es  kam  dahin,  daß  die  Minister  nach  und
nach  ohne  des  Kurfürsten  Autorisation  die  Summe  von  700000  Livres,
auf  die  Lagrange  seine  Forderung  ermäßigt  hatte,  komplettierten,
und  der  Kurfürst  mußte  es  wohl  oder  übel  genehmigen.  Unterm
10.  Februar  machten  ihm  die  Minister  Mitteilung  von  der  ihnen
unumgänglich  erschienenen  Auszahlung  der  Restsumme  von
300  000  Livres.  Der  Geh.  Rat  von  der  Malsburg  überbrachte  dem
Kurfürsten  persönlich  den  Bericht.  Lagrange  hatte  inzwischen
konsequenterweise  auch  dasjenige  Zugeständnis  gemacht,  ohne  das
alle  seine  Versprechungen  von  fraglichem  Wert  geblieben  wären,  daß
nämlich  die  Zins-  und  Stückzahlungen  der  verschwiegenen  Kapitalien
nur  gegen  des  Kurfürsten  eigene  Quittung  erfolgen  sollten 89 .  Das
Verzeichnis  über  die  11  Millionen  Taler  wurde  vom  Geheimen  Ministerium ­
  neu  aufgestellt  und  dem  Gouverneur  überreicht.  Alle  in
den  Händen  des  Gouverneurs  befindlichen  Schriftstücke  wurden
dem  Geheimen  Kriegsrat  Buderus  von  Carlshausen  ausgefolgt.
Damit  hatte  die  Bestechungsaffäre  ihren  Abschluß  erreicht.
Es  blieb  nur  noch  übrig,  die  ausgelieferten  Literalien  außer  Landes
zu  schaffen;  und  hier  zum  ersten  Mal  bei  dem  ganzen  Rettungswerk
tritt  auch  das  Haus  Rothschild  in  Tätigkeit.  Der  Kurfürst  hatte
verlangt,  daß  die  ausgelieferten  Etats  nach  Rendsburg  gesendet,
die  übrigen  Literalien  dem  Antrag  der  Minister  gemäß  in  Frankfurt
sicher  verwahrt  werden  sollten 90 .  Es  wurden  ihm  aber  nicht  nur
die  sog.  Etats,  sondern  auch  sonstige  aktuelle  Dokumente,  die  von
Wichtigkeit  waren,  zugeführt.  Im  April  des  Jahres  1807  überbrachte
ihm  der  Archivarius  Galland  folgende  Schriftstücke:  Den  summarischen ­
  Extrakt  der  Einnahmen  und  Ausgaben  bei  der  Oberrent-
        <pb n="77" />
        69

kammer  vom  Jahre  1804  ab,  die  Generalkassenrapporte  vom
Jahre  1806,  das  bis  zum  Jahre  1802  reichende  Verzeichnis  der  bei
der  Kriegskasse  ausgeliehenen  Kapitalien  und  die  drei  Konvolute
von  Urkunden  und  Belegen  zur  Kabinettskassenrechnung  pro  1806. 91
Den  Kabinettskassenetat  vom  Jahre  1806  nahm  der  Geheime  Kriegsrat
Buderus  von  Carlshausen  an  sich  und  stellte  eine  Quittung  darüber
aus.  Die  sonstigen  Dokumente  neueren  Datums  und  alle  retrospektiven ­
  Akten  müssen  nach  Frankfurt  und  in  das  Rothschildsche
Bankhaus  gekommen  sein.  Daß  das  letztere  mehrere  Kisten  mit
Archivalien  zur  Aufbewahrung  erhielt,  ergeben  die  Carlshausenschen
Akten  mit  voller  Gewißheit 92 .  Außerdem  findet  sich  im  Marburger
Archiv  ein  Blatt  folgenden  Inhalts:

Q

G  W

Sub  hoch  signo  ist  in  der  2ten  Herbst  Meßwoche  1807  eine
Kiste  mit  Kr.  u  C.  C.  L.  [Kriegs-  und  Cabinets  Gassen  Literalien]  an
R. s  [Carl  Mayer  Rothschild’s]  Schwager  W.  [Benedict  Moses  Worms]
abgegeben  worden 93 .
Die  eckigen  Klammern  geben  meine  Ergänzungen,  und  diese
sind  evident.  Es  handelt  sich  hier  offenbar  um  einen  Teil  derjenigen ­
  Akten,  die  von  Lagrange  gegen  die  Summe  von  700  000  Livres
ausgeliefert  wurden  und  auf  Antrag  des  Geheimen  Ministeriums  in
Frankfurt  sicher  verwahrt  werden  sollten.  Um  nicht  aufzufallen,
hatte  man  für  die  Transportierung  der  Akten  oder  eines  Teils  derselben ­
  die  Meßzeit  gewählt,  wo  viele  Waren  nach  Frankfurt  zusammenströmten. ­
  Aus  demselben  Grunde  hatte  man  nicht  alle
Kisten  direkt  an  Rothschild  gesandt,  sondern  eine  an  dessen
Schwiegersohn  Worms,  der  sie  dann  seinerseits  unauffällig  an  seinen
Schwiegervater  abliefern  konnte.  Unter  R.  ist  Meyer  Amschels
Sohn  Carl  oder  Callmann  Mayer  zu  verstehen,  der  in  der  Exilzeit
fortwährend  für  den  Kurfürsten  unterwegs  war  und  auch  diese
Angelegenheit  persönlich  in  Kassel  besprochen  haben  mag.  Auch
konnte  es  sich  bei  diesem  Transport  lediglich  um  Kriegs-  und
Kabinettskassenliteralien  handeln,  da  die  Generalkassenrapporte
        <pb n="78" />
        und  die  Kammerkassenakten  dem  Kurfürsten  bereits  in  sein  Refugium
gesandt  waren.  Aus  einer  späteren  Akte  erfahren  wir  denn  auch,
daß  es  im  ganzen  vier  Kisten  mit  Literalien  aus  dem  Geheimen
Kabinettsarchiv  waren,  die  Rothschild  empfing 94 .  Der  Anteil  des
Hauses  Rothschild  an  dem  ganzen  Rettungswerk  beschränkt  sich
demnach  auf  die  Bergung  eines  Teiles  vom  kurfürstlichen  Archiv.
Die  Vermögensverwaltung  des  Kurfürsten
während  der  Exilzeit.
Allgemeines.
Die  kurfürstliche  Familie  war  während  der  Exilzeit  zerstreut.
Die  Kurfürstin  begab  sich  zu  ihrer  Tochter,  der  regierenden  Herzogin
zu  Gotha.  Der  Kurprinz  ging  mit  Gemahlin  und  Kindern  nach
Berlin,  um  bei  seinem  Schwager,  dem  König  Friedrich  Wilhelm  III.,
Schutz  zu  suchen.  Daß  das  Haupt  der  Familie  sich  zunächst  nach
Dänemark  wandte,  erklärt  sich  aus  vielfachen  Beziehungen  des
hessischen  Fürstenhauses  zum  dänischen  Hof.
Die  sog.  Assekurationsakte  (s.  o.  S.  8)  war  u.  a.  durch  die
drei  protestantischen  Könige  von  Großbritannien,  Dänemark  und
Preußen  garantiert.  Um  aber  die  Söhne  Friedrichs  II.  vor  allen
Bekehrungsversuchen  aufs  sicherste  zu  bewahren,  hatte  man  sie
schon  im  Jahr  1754  aus  Hessen  entfernt  und  nach  Göttingen
geschickt,  wo  sie  unter  dem  Schutz  ihres  Großvaters  mütterlicher
Seite  standen.  Als  zwei  Jahre  später  der  Siebenjährige  Krieg  ausbrach, ­
  schien  der  weitere  Aufenthalt  der  Prinzen  in  deutschen
Landen  bedenklich.  Ihr  Großvater  schickte  sie  nach  Kopenhagen.
Dort  leitete  Friedrich  V.  von  Dänemark  (1746—1766)  ihre  Erziehung.
Dessen  Gemahlin  Luise  war  im  Jahr  1751  gestorben.  Sie  war  die
jüngste  Tochter  Georgs  II.  von  Großbritannien  und  die  Lieblingsschwester ­
  Marias,  der  Mutter  der  hessischen  Prinzen,  gewesen.
Die  vier  Kinder,  welche  sie  hinterließ,  waren  nur  wenige  Jahre
jünger  als  ihre  hessischen  Vettern,  und  die  Verlobung  Wilhelms
mit  Wilhelmine  Karoline,  der  zweiten  Tochter  Friedrichs  V.,  war
damals  bereits  verabredet.  Wilhelms  Bruder,  der  Landgraf  Karl,
trat  später  in  dänische  Dienste.  Er  war  zur  Zeit  des  Exils  Statthalter ­
  der  Herzogtümer  Schleswig  und  Holstein,  sein  Sohn,  Prinz
Friedrich,  Gouverneur  von  Rendsburg.  Auch  Landgraf  Karl  hatte
eine  Tochter  Friedrichs  V.  von  Dänemark,  Luise,  zur  Gattin,  und
        <pb n="79" />
        71

seine  älteste  Tochter  Marie  Sophie  Friederike  war  an  den  Kronprinzen ­
  und  Mitregenten  Friedrich  von  Dänemark  verheiratet.  Der
Wohnsitz  des  Landgrafen  Karl  war  das  Schloß  Gottorf  bei
Schleswig.  Flier  und  in  dem  von  ihm  erbauten  Lustschloß  Luisenlund ­
  verbrachte  er  seine  meiste  Zeit 95 .  Gottorf  war  denn  auch
am  1.  November  1806  das  Ziel  des  flüchtigen  Kurfürsten.  Dorthin
folgte  ihm  einen  Tag  später  auf  speziellen  Befehl  der  Geheime
Kriegsrat  Buderus  von  Carlshausen 96 .  Am  12.  November  langte
dieser  in  Gottorf  an.  Er  hatte  wieder  seinen  Diener  Waitz  mitgenommen, ­
  sandte  ihn  jedoch  von  Hannover  aus  nach  Kassel  zurück.
Welchen  Auftrag  der  Diener  in  der  hessischen  Hauptstadt  auszuführen ­
  hatte,  erfahren  wir  nicht.  Nur,  daß  er  Briefe  von  Buderus
an  dessen  in  Kassel  verbliebene  Gattin  zu  überbringen  hatte.
Jedenfalls  war  sein  Aufenthalt  in  Kassel  nur  von  ganz  kurzer
Dauer,  denn  am  14.  November  befindet  er  sich  bei  seinem  Herrn
auf  Gottorf.  Dort  muß  er  viel  von  den  französischen  Truppenbewegungen ­
  erzählt  haben,  die  er  auf  seiner  Reise  wahrgenommen
hatte,  und  gleichzeitig  schrieb  der  Bankier  Lawätz  in  Altona  unterm
14.  November  an  Buderus,  daß  in  und  bei  Lüneburg  für  17  000  Franzosen ­
  Quartier  bestellt  sei.  „Gott  weiß,  wohin  sie  bestimmt  sind.“
Am  18.  November  schreibt  er:  „Die  Franzosen  gehen  jetzt  bei
Artlenburg  über  die  Elbe.  Und  wir  müssen  nun  erwarten,  ob  und
was  sie  gegen  Holstein  im  Sinne  führen.“  Tags  darauf,  am  19.  November, ­
  besetzten  die  Franzosen  unter  dem  Marschall  Mortier  Hamburg.
Am  25.  November  schreibt  Lawätz:  „Heute  frühe  sind  bereits
3  Regimenter  Franzosen  wieder  von  Hamburg  weg  marschirt.  Es
heißt,  bei  Posen  soll  eine  Affaire  zum  Vofteil  der  Russen  vorgefallen ­
  sein,  und  diese  daher  zur  Verstärkung  nach  Berlin  marschiren.“
Inzwischen  war  der  Kurfürst,  wie  es  scheint,  durch  die  von
Waitz,  Lawätz  und  vielleicht  auch  von  anderer  Seite  empfangenen
Nachrichten  in  große  Aufregung  und  Angst  versetzt  worden,  so  daß
er  drauf  und  dran  war,  seinen  Finanzmann  Buderus  mit  seinem
sämtlichen  Vermögen,  wie  dieser  es  ausdrückt,  d.  h.  mit  seinen
sämtlichen  Nominal-  und  Partialobligationen  —  denn  von  den  Zinskupons ­
  konnte  damals  noch  nichts  in  Schleswig  sein  —  gewissermaßen ­
  von  Gottorf  wegzujagen,  ohne  ihm  einen  Sicherheitsort
bestimmen  zu  können.  Er  sollte  der  Landstraße  nach  in  ein
Wirtshaus,  nach  Schweden  oder  Norwegen,  oder  wohin  er  sonst
wollte,  flüchten.  Buderus  selbst  fürchtete  die  Möglichkeit,  daß  der
        <pb n="80" />
        72

Kurfürst  alles  verlieren  könne,  und  entschloß  sich,  ohne  von  ihm
autorisiert  zu  sein,  einen  Teil  der  Kabinettskassenobligationen  an
Lawätz  zu  senden.  Er  dachte,  auf  diese  Weise  seinem  Herrn
wenigstens  ein  Taschengeld  zu  sichern.  Das  erste  Paket  mit
Obligationen  empfing  Lawätz  am  25.  November  mit  Schreiben  des
Buderus  vom  24.  November;  Paket  2  und  3  hatte  er  am  26.
in  Händen.  Seine  Mitteilung  vom  25.  November  scheint  dann
einigermaßen  beruhigend  gewirkt  zu  haben 97 .
Immerhin  war  die  Furcht  des  Kurfürsten,  eines  Tages  von
den  Franzosen  überrascht  zu  werden,  enorm  und  bei  den  damaligen
Zeitläuften  nicht  unbegründet.  Er  mußte  darauf  gefaßt  sein,  jeden
Augenblick  mit  seinen  Habseligkeiten  weiter  zu  wandern,  und
verwahrte  daher  seine  Wertobjekte  in  Kisten,  die  meisten  vermutlich ­
  in  denselben  Behältnissen,  in  denen  sie  in  sein  Refugium
gelangt  waren.  Ein  Hauptkistendepot  richtete  er  auf  Gottorf  ein,
ein  anderes  später  in  Itzehoe.  Als  er  dann  nach  Itzehoe  übergesiedelt ­
  war,  wurde  der  Hauptmann  Mensing  in  dem  nahegelegenen
Wüster  stationiert  mit  der  Weisung,  falls  der  Kurfürst  seinen
Aufenthalt  verändern  müsse,  das  Gottorfer  Depot  sicher  fortzubringen. ­
  Der  Ort  Wüster  war  gewählt  worden  „wegen  des  Umgehens ­
  der  Straße  im  Falle  einer  Surprise“.  Mensing  wohnte
daselbst  unter  dem  Namen  eines  Kaufmanns  Bruckmann  aus
Kolding 98 .  Sein  Aufenthalt  wurde  sogar  vor  den  Dienern  in  Itzehoe
geheim  gehalten.  Er  durfte  ohne  expressen  Befehl  niemals  in
Itzehoe  erscheinen,  überhaupt  seinen  Ort  ohne  besondere  Erlaubnis
nicht  verlassen,  mußte  sich  aller  Korrespondenz,  aller  politischen
Gespräche  und  der  Anknüpfung  von  Bekanntschaften  enthalten.
Jede  Woche  hatte  er  ein  Mal  unter  des  Kriegsrats  Schmincke
Adresse  an  den  Kurfürsten  zu  berichten,  bei  vorfallenden  Nachrichten ­
  aber  immediate  Meldung  durch  expressen  Boten  zu  machen 99 .
Die  Besorgnis,  die  bei  diesen  Vorgängen  und  Anordnungen
zutage  tritt,  hinderte  den  Kurfürsten  aber  nicht,  baldigst  eine
regelrechte  Vermögensverwaltung  anzubahnen.  Für  diesen  Zweck
stand  ihm  eine  Anzahl  tüchtiger  Männer  zur  Verfügung.  Einige
treue  Beamte,  darunter  der  Kriegsrat  von  Schmincke,  der  Kabinettskassierer ­
  Knatz,  der  am  7.  November  1806  zum  Kriegskommissarius
ernannt  wurde,  der  Sekretarius  Delbrück  und  der  Pedell  Schäffer
waren  mit  ihm  ins  Exil  gegangen.  Daß  der  Geheime  Kriegsrat
Lennep  an  seinem  Wohnort  weiterhin  die  Interessen  des  Kurfürsten
        <pb n="81" />
        —  73  —
wahrnahm,  haben  wir  schon  gesehen.  Der  Geheime  Kriegsrat
Buderus  von  Carlshausen,  der,  wie  wir  sahen,  die  Verbergung  des
Vermögens,  der  Wertsachen  und  Archivalien  geleitet  hatte,  und
zunächst  seinem  Herrn  nach  Gottorf  gefolgt  war,  verzichtete  dauernd
auf  französische  und  westfälische  Dienste  und  stellte  sich  seinem
rechtmäßigen  Landesherrn  zur  Verfügung.  Er  befand  sich  während
der  Exilzeit  meist  in  Hanau  oder  auf  seinem  Gut  Carlshausen  bei
Altenhaßlau  in  der  Nähe  von  Gelnhausen.  Der  Bankier  J.  D.  Lawätz
in  Altona,  seit  Februar  1807  auf  seinem  nahegelegenen  Landsitz
Neumühlen,  stand  mit  dem  hessischen  Fürstenhaus  seit  langem  in
geschäftlicher  und  freundschaftlicher  Verbindung.  Er  war  zu  dem
Zeitpunkt,  wo  der  Kurfürst  nach  Schleswig  floh,  gerade  im  Begriff
sein  Geschäft  zu  liquidieren,  ließ  sich  aber  durch  wiederholte  Bitten
bewegen,  seine  trefflichen  Fähigkeiten  weiterhin  in  den  Dienst
des  Kurfürsten  zu  stellen.  Als  Philanthrop  und  Gefühlsmensch  vermochte ­
  er  über  die  Schwächen  des  Fürsten  völlig  hinwegzusehen.
Auch  mit  Buderus  von  Carlshausen  verband  ihn  eine  echte^Freundschaft.
  Seine  Briefe  an  diesen  schrieb  er  alle  eigenhändig,  und
soweit  dieselben  nicht  rein  geschäftliche  Dinge  betreffen,  ist  ihre
Lektüre  ein  angenehmer  Genuß  wegen  ihres  menschlich  anmutenden ­
  Inhalts.  Mit  diesen  Männern  richtete  der  Kurfürst  seine  Vermögensverwaltung ­
  ein.  An  seinem  Domizil,  sowohl  in  Schleswig-Holstein
  wie  zu  Prag,  wurde  eine  sog.  Reservekasse  gebildet,  in
die  alle  dort  eingehenden  Gelder  flössen.  Rechnungsführer  und  Verwalter ­
  von  dieser  Kasse  war  der  Kriegskommissarius  Knatz,  sein
Vorgesetzter  der  Kriegsrat  von  Schmincke.  Eigentlicher  Chef  der
Vermögensverwaltung  und  Hauptrechnungsführer  war  jedoch  der
Geheime  Kriegsrat  Buderus.  Er  hatte  die  drei  anderen  Rechnungsführer ­
  Knatz,  Lawätz  und  Lennep  zu  revidieren,  während  er  seinerseits ­
  direkt  dem  Kurfürsten  verantwortlich  war.  Knatz  verkehrte
mit  ihm  zuweilen  auch  brieflich  durch  Boten  und  schrieb  alsdann
meist  unter  der  Adresse  eines  Barons  von  Waldschmidt.  Er  selbst
bediente  sich  dabei  des  Pseudonyms  Joh.  Weber  und  vermied  es,
seinen  Aufenthaltsort  anzugeben.  Für  „Rothschild“  wird  „Arnold!"
eingesetzt,  für  „Stockskapital“  „Stockfisch“.  Der  Kurfürst  figuriert
in  diesen  Briefen  als  Herr  von  Goldstein  oder  auch  als  Prinzipal
Joh.  Webers,  in  Lawätz’  Briefen  als  Johannes  Adler.  Buderus’
Briefe  an  den  Kurfürsten  gingen,  so  lange  dieser  sich  in  Schleswig-Holstein
  aufhielt,  regelmäßig  unter  Lawätz’  Adresse,  Lawätz’  und
        <pb n="82" />
        des  Kurfürsten  Briefe  an  Buderus  regelmäßig  unter  Rothschilds
Adresse.  Zeitweise  hatte  Lawätz  für  Einlagen  an  Johannes  Adler
täglich  5  bis  6  Rtlr.  Porto  auszugeben  10 °.  Auch  gingen  Pakete  für
den  Kurfürsten  durch  seine  Vermittlung.  Hatte  er  Briefe  nach  Kassel
zu  übermitteln,  so  sandte  er  sie  unter  der  Adresse  Michel  Simons,
gingen  solche  an  die  van  Hotten  in  London,  so  wurden  sie  an  die
Firma  Ryberg  &amp;amp;  Comp,  in  Kopenhagen  geschickt,  die  sie  weiter
beförderte.  Auch  Wechsel  auf  London  übergab  Lawätz  dieser  Firma
zum  Verkauf.
Dann  und  wann  begab  sich  Buderus  nach  Schleswig,  um  sich
persönlich  mit  dem  Kurfürsten  zu  benehmen.  In  der  Regel  aber
übernahm  es  Meyer  Amschel  Rothschild  oder  sein  Sohn  Carl  Mayer
oder  auch  ein  vertrauter  Angestellter  des  Rothschildschen  Bankhauses, ­
  nach  Schleswig-Holstein  und  später  nach  Prag  zu  reisen,
um  dem  Kurfürsten  Bericht  zu  erstatten,  Aufträge  von  ihm  entgegenzunehmen ­
  und  Übermittlungen  der  verschiedensten  Art  auszuführen.
Beim  Verkehr  mit  Prag  hatte  man  zu  dem  Zweck  einen  Wagen
mit  einem  Geheimfach.  Die  Obligationen  und  Kupons  gingen  regelmäßig ­
  in  unversiegelten  Paketen  hin  und  her.  Rothschilds  vierter
Sohn  Carl  Mayer  war  während  des  Exils  fast  ununterbrochen  auf
Reisen,  und  zwar  größtenteils  für  den  Kurfürsten.  Im  Jahr  1812
wünschte  dieser,  daß  einer  der  Rothschildschen  Söhne  sogar  dauernd
seinen  Aufenthalt  in  Prag  nehmen  solle.  Diesem  Wunsche  konnte
jedoch  nicht  entsprochen  werden,  zumal  der  Vater  Rothschild  damals
schon  seit  längerer  Zeit  leidend  war  l01 .
Eigentliche  Depots  hatte  Buderus  nicht.  Er  hatte  in  der  Regel
nur  Akten  in  Händen,  und  diese  hielt  er  an  verschiedenen  Orten
verborgen,  z.  B.  auf  seinem  Gute  Carlshausen,  aber  auch  an  einem
ziemlich  weit  davon  entfernten  Platz 102 .  Auch  Lawätz  hatte  von
Obligationen  nur  die  wenigen  Pakete  in  Verwahrung,  die  Buderus
ihm  zur  Zeit  der  Ratlosigkeit  des  Kurfürsten  anvertraut  hatte.
Vielmehr  war  das  Bestreben  des  letzteren  darauf  gerichtet,  Obligationen, ­
  Kupons  und  Wertsachen  in  seinem  Domizil  zusammenzuziehen. ­
  Die  Nominal-  und  Partialobligationen,  die  auf  Roest
verborgen  lagen,  wurden  noch  im  November  1806  von  dort  nach
Schleswig  geschafft 103 .  Wir  haben  gesehen,  daß  Lennep  alsdann
im  März  1807  zwei  Kasten  mit  Pretiosen  dem  Kurfürsten  zuführte.
Eine  Kiste  mit  Kupons,  die  in  den  Transport  an  Freye  &amp;lt;6  Jordis  in
Frankfurt  geraten  war  (Nr.  19)  wurde  am  26.  April  1807  ebenfalls
        <pb n="83" />
        an  Lennep  abgeliefert,  der  sie  an  den  Kurfürsten  weiterbesorgte 104 .
Dann  begaben  sich  am  28.  Juni  Buderus  und  Galland  nach  Frankfurt, ­
  um  alle  Kupons  und  Staatspapiere,  die  sonst  noch  in  das
Freye  &amp;amp;  Jordissche  Depot  gelangt  waren,  an  geeignete  Stelle  zu
bringen.  Die  Kiste  Nr.  3,  in  der  sich  6  Päcke  mit  Obligationen
befanden,  die  zu  den  Unterpfändern  der  Finanzräte  Rüppell  &amp;amp;  blamier
gehörten,  wurde  von  Galland  geleert  und  der  Inhalt  an  Lennep
abgeliefert,  der  die  Besorgung  an  den  Kurfürsten  übernahm  (Buderus
an  den  Kurfürsten  1.  August  1807,  S.  5).  Die  Obligationen  von  der
Militärwitwenkasse  aus  Kasten  Nr.  18  nahm  Buderus  an  sich,  um
die  erforderlichen  Umtauschungen  bei  den  Unterpfändern  vorzunehmen ­
  und  sie  später  an  Starkloff  und  Gottsched  in  Kassel  abzuliefern. ­
  Auch  behielt  er  den  Kapitalienetat  pro  1806  von  der
Rentkammer  in  Hanau,  um  sich  nötigenfalls  desselben  bedienen  zu
können.  Dem  Kurfürsten  übermittelte  er  den  Hauptkriegsetat,  den
Oberrentkammeretat,  den  Hanauer  Kammeretat  und  den  Ämteretat,
alle  vom  Jahr  1806.  An  Kasseler  Behörden  gelangten  bei  dieser
Gelegenheit  und  wurden  durch  den  Archivarius  Galland  dorthin
gebracht:  1.  eine  Anzahl  Obligationen  und  Kupons,  die  von  der
Oberrentkammer  zurückverlangt  waren,  2.  die  Kautionsobligationen
vom  Steuerkollegium,  die  der  Kriegsrat  Gschwind  benötigte,  3.  die
Staatspapiere  von  der  Zivilwitwenkasse,  dem  Hofhospital,  dem  Hofgerichtsdepositum ­
  und  die  Ordensobligationen;  diese  waren  sämtlich ­
  vom  Regierungsrat  Schmerfeld  zurückverlangt 105 .
Am  liebsten  hätte  der  Kurfürst  außer  den  eigentlichen  Wertobjekten ­
  auch  alle  Archivalien  an  sich  gezogen,  und  im  August  1807
wandte  er  sich  in  diesem  Sinne  an  den  Minister  von  Waitz  und
an  seine  Rechnungsführer  Buderus  und  Lennep.  Buderus  sollte
persönlich  alle  in  Frankfurt  und  Eisenach  lagernden  Kisten  nach
Itzehoe  überführen.  Er  wies  jedoch  darauf  hin,  wie  gefahrvoll  es
für  das  Eigentum  des  Kurfürsten  sei,  wenn  der  von  allen  Seiten
scharf  beobachtete  Rechnungsführer  ein  solches  Wagnis  unternehme.
Auch  wies  er  auf  die  Sicherheit  der  Frankfurter  Depots  hin,  für
deren  Erhaltung  er  persönlich  hafte.  Dagegen  pflichtete  er  dem
Kurfürsten  bei,  daß  das  Eisenacher  Depot  fortgeschafft  werde,  und
bat  den  Minister  von  Waitz,  eine  geeignete  Person  hiermit  zu
beauftragen.  Dieser  übertrug  die  Aufgabe  zwei  Artillerieoffizieren,
den  Leutnants  Kellermann  und  Schwarzenberg.  Schon  vorher  hatte
der  Geheimrat  Kunckell  von  Löwenstern  eine  Kiste  des  Eisenacher
        <pb n="84" />
        Depots  nach  Itzehoe  gesandt.  Den  Rest  von  7  Kisten  besorgten
im  September  1807  die  beiden  Leutnants.  Damit  waren  u.  a.  wieder
5  Kisten,  welche  Kupons  enthielten,  und  ein  Kasten  mit  Silber  aus
dem  Bellevueschloß  in  die  Hände  des  Kurfürsten  gelangt 106 .
Auch  die  Obligationen,  die  Lawätz  in  Verwahrung  hatte,
wurden  noch  im  August  1807  zurückgeliefert.  Von  den  Zinskupons,
die  Lennep  in  Kassel  verborgen  hielt,  wurde  ein  gutes  Teil,  vermutlich ­
  durch  diesen  selbst,  dem  Kurfürsten  überbracht,  und  am
15.  November  1807  holte  der  Kriegsrat  von  Schmincke  alle  übrigen
ab.  Die  Gräflich  Hessensteinschen  Obligationen  samt  den  zugehörigen
Zinskupons,  die  mit  dem  ersten  Transport  ebenfalls  in  Lenneps
Hände  gelangt  waren,  wurden  bei  dem  von  Geylingenschen  Archiv
in  Babenhausen  hinterlegt 107 .
Nachdem  alles  Genannte  in  Itzehoe  oder  auf  Gottorf  geborgen
war,  bestand  das  Gesamtdepot  an  Wertobjekten  aus  1  Koffer  mit
Nominalobligationen,  6  Koffern  mit  Partialobligationen,  3  Kisten  mit
Kupons  und  2  Kisten  mit  Pretiosen 108 .  Daß  den  6  Koffern  mit
Partialobligationen  3  Kisten  mit  Kupons  gegenüberstehen,  kann
nicht  wundernehmen.  Man  wird  annehmen  dürfen,  daß  von  Haus
aus  ein  Kuponbogen  etwa  dieselbe  Größe  wie  eine  Partialobligation
hatte,  und  daß  bei  einem  großen  Bestand  von  Staatspapieren  mit
sehr  verschiedenartigen  Emissionsterminen  auch  die  Kuponbogen
von  verschiedenartigster  Größe  waren.  Sie  müssen  daher  im
Durchschnitt  etwa  halbsoviel  Umfang  wie  die  zugehörigen  Obligationen ­
  gehabt  haben.  Aus  den  verschiedenen  Verstecken  waren
nach  und  nach  3  Kasten  mit  Obligationen  und  7  Kasten  mit  Kupons
an  den  Kurfürsten  gelangt 109 .  Die  Kisten  mit  Obligationen  enthielten
die  Unterpfänder  der  mit  Lombardanleihen  belasteten  Bankiers.
Von  den  Kuponkasten  enthielten  zwei  (2  und  9  bei  Buderus)
zusammen  etwa  nur  halbsoviel  Zinsabschnitte  als  eine  einzige
Kiste  aufnehmen  konnte.  Ein  dritter  (19  des  5.  Transports)  war
ebenfalls  nur  teilweise  mit  Kupons  gefüllt.  Daß  sich  ferner  hier
und  dort  unter  den  Kupons  auch  Obligationen  befanden,  zeigt  das
Verzeichnis  des  1.  Transports  nach  Lenneps  Wohnung.  Dort  ist
der  Inhalt  der  Kiste  7  des  Buderusschen  Verzeichnisses  genauer
spezifiziert,  und  es  finden  sich  dabei  auch  Päcke  mit  Obligationen,
die  bei  Buderus  summarisch  als  Päcke  mit  Kupons  bezeichnet
waren.  Gesetzt,  daß  es  sich  mit  den  übrigen  Kuponkasten  ähnlich ­
  verhielt,  so  kann  das  als  Erklärung  dafür  dienen,  daß  der
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        77

Kuponvorrat  der  7  Kisten  später  in  nur  3  Kisten  untergebracht
wurde 110 .
Als  der  Kurfürst  sich  von  der  Angst  der  ersten  Tage  erholt
hatte,  richtete  er  sich  in  Schleswig-Holstein  für  längeren  Aufenthalt
ein.  Vom  1.  Februar  1807  ab  wohnte  er  in  Rendsburg.  Ende  April
desselben  Jahres  zog  er  nach  Itzehoe.  Der  Bankier  Lawätz  mußte
ihm  dort  heimlich  für  16  000  Rtlr.  das  ehemals  von  Schildensche
Haus  kaufen  und  galt  nach  außen  als  dessen  Besitzer  und  Vermieter ­
 111 .  in  Itzehoe  blieb  der  Kurfürst  wohnen  bis  zu  seiner
Übersiedelung  nach  Böhmen.  Doch  reiste  er  viel  umher,  pendelte
zwischen  Schleswig  und  Rendsburg,  Itzehoe  und  Gottorf,  und
besuchte  öfters  Altona,  Luisenlund  und  Glückstadt 112 .  Der  politische
Umschwung,  der  im  Laufe  des  nächsten  Jahres  sich  vollzog,  veranlaßte ­
  ihn  jedoch,  eine  andere  Zuflucht  zu  suchen.
Als  der  Kurfürst  nach  Schleswig  floh,  war  Dänemark  noch
neutral.  Im  Laufe  des  Jahres  1807  aber  traten  Ereignisse  ein,  die
diesen  Staat  ganz  auf  französische  Seite  drängten.  Am  7.  Juli  war
zwischen  Napoleon  und  Alexander  von  Rußland  Lriede  geschlossen
worden.  Ihrem  Bund,  so  hatten  sie  in  Aussicht  genommen,  sollten
auch  Dänemark  und  Schweden  beitreten.  Das  heißt:  diese  beiden
Staaten  sollten  den  Engländern  ihre  Häfen  sperren.  Ob  man  das
in  England  wußte  oder  nicht,  ist  gleichgültig.  Unter  allen  Umständen
lag  die  Gefahr  nahe,  daß  Dänemark  genötigt  wurde,  dem  Kaiser
Napoleon  seine  Flotte  gegen  England  zur  Verfügung  zu  stellen,
ln  dieser  Situation  beging  letzteres  einen  Akt  putativer  und  präventiver ­
  Notwehr,  der  vielfach  schwer  verurteilt  worden  ist.  Es  schickte
ein  Heer  und  eine  Flotte  nach  dem  Sund  und  bot  Dänemark  ein
Bündnis  an  unter  der  Bedingung,  daß  es  seine  Flotte  als  Pfand
ausliefere.  Diese  Forderung  wurde  abgelehnt,  Kopenhagen  wurde
eingeschlossen  und  durch  Beschießung  zur  Übergabe  gezwungen
(7.  September).  Die  Flotte  wurde  weggenommen.  Die  Folge  war,
daß  Dänemark  am  31.  Oktober  ein  Bündnis  mit  Frankreich  schloß
und  England  den  Krieg  erklärte.  Ende  Februar  und  im  März  1808
rückte  dann  ein  französisches  Hilfskorps  in  den  dänischen  Herzogtümern ­
  ein  und  nahm  an  den  verschiedensten  Plätzen  Quartier.
Es  muß  sich  lange  dort  aufgehalten  haben,  denn  noch  unterm
28.  April  erschien  im  Druck  eine  Verfügung  der  Königlich  Schleswig-Holsteinischen
  Kanzlei  in  Kopenhagen  betreffend  das  Verhalten  der
Beamten  in  Ansehung  der  in  hiesigen  Landen  einquartierten  fremden
        <pb n="86" />
        Truppen.  Frankreich  wird  darin  als  eine  befreundete  und  alliierte
Macht  bezeichnet 113 .
Dem  Kurfürst  war  schon  längst  bange  geworden.  Im  Juni
des  Jahres  1807  hatte  er  in  Itzehoe  eine  anonyme  Anzeige  erhalten,
wonach  die  Franzosen  die  Absicht  hatten,  ihn  durch  eine  Kavallerieabteilung ­
  aufzuheben.  Die  Anzeige  erwies  sich  als  grundlos,  doch
waren  solche  Dinge  stets  geeignet,  den  Kurfürsten  ängstlich  zu
machen.  Er  fürchtete  eines  Tages  eine  ähnliche  Überraschung  zu
erleben  wie  am  1.  November  1806  in  Kassel.  Damals  hatte  er
wenigstens  die  Möglichkeit  gehabt,  seine  Person  durch  die  Flucht
zu  retten.  Wurde  er  jetzt  in  Holstein  überrascht,  so  war  ein  Entweichen ­
  so  gut  wie  ausgeschlossen.
Auch  dem  dänischen  Hof  konnte  der  weitere  Aufenthalt  des
Kurfürsten  nicht  erwünscht  sein.  Die  verwandtschaftlichen  Beziehungen ­
  hatten  den  Kurfürsten  veranlaßt,  seine  Zuflucht  in
Dänemark  zu  suchen.  Beim  dänischen  Königshaus  aber  mußten
die  Familienrücksichten  hinter  die  politischen  treten.  Auch  war
der  Prinzregent  ängstlich  und  suchte  alles  Aufsehen  zu  vermeiden.
Er  duldete  den  Kurfürsten,  war  aber  von  vornherein  keineswegs
entzückt  von  seiner  Anwesenheit 114 .  Daher  kam  es,  daß  der
Kurfürst  in  Rendsburg  sich  mit  der  Parterrewohnung  eines  kleinen
Hauses  begnügen  mußte,  obgleich  mehrere  Schlösser  in  Holstein
zur  Verfügung  standen.  In  Itzehoe  mußte  er  sich  um  den  doppelten
Preis  ein  Haus  kaufen  und  war  jedem  Angriff  von  außen  ausgesetzt,
ohne  Wache  und  ohne  Schutz.  Er  konnte  also  auch  aus  diesem
Grunde  leicht  gefangen  genommen  werden,  und  so  entschloß  er
sich  denn,  das  dänische  Gebiet  unter  einem  falschen  Vorwand
zu  verlassen  und  sich  nach  Österreich  zu  begeben 115 .  An  Österreich ­
  hatte  er,  wie  es  scheint,  schon  früher  gedacht.  Zwar  glaubte
er  anfangs,  daß  die  Franzosen  recht  bald  wieder  aus  seinem  Lande
vertrieben  würden.  Da  er  aber  trotzdem  in  den  ersten  Monaten
des  Jahres  1807  seinen  Wohnsitz  immer  weiter  nach  Süden  verlegte, ­
  so  deutet  das  darauf  hin,  daß  er  von  vornherein  damit
rechnete,  gegebenenfalls  nach  Österreich  zu  wandern.  Im  Falle
dringender  Gefahr  würde  er  damals  das  Kistendepot  in  Itzehoe
selbst  mitgeführt  haben,  das  Gottorfer  Depot  hätte  der  Hauptmann
Mensing  nachschaffen  müssen.  Es  kam  indes  anders.  Mensing
mußte  seine  Station  in  Wüster  auf  Befehl  des  Kurfürsten  wieder
verlassen,  um  sich  nach  Hessen  zu  begeben,  man  weiß  nicht  warum.
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        DE  *  FIRMA

GEBKÖUER  BUSATIS  GES.  M.  B.  H.
PURG5TALL,  N.-D.
—  79  —

Und  bei  der  Übersiedlung  nach  Karlsbad  nahm  der  Kurfürst  die
große  Masse  seiner  Effekten  selbst  mit  und  ließ  nur  eine  Kiste
mit  Obligationen  in  Hamburg  liegen,  die  der  alte  Rothschild  später
nachführen  sollte.  Selbstverständlich  aber  gebrauchte  man  die
Vorsicht,  bei  Überführung  der  Hauptmasse  die  Wagen  in  mehrere
Züge  zu  trennen.  Die  Kasse  befand  sich  in  dem  Zuge  des  Kriegskommissars ­
  Knatz.  Am  20.  Juli  1808  wurde  die  Reise  angetreten.
Da  der  Kaiser  von  Österreich  dem  Kurfürsten  noch  kein  festes
Asyl  bestimmt  hatte,  so  wurde  als  nächstes  Ziel  Karlsbad  ins  Auge
gefaßt 110 .  Die  Pässe  lauteten  auf  fingierte  Namen  und  fingierte
Titel.  Alle  Personen  waren  verkleidet  und  bewaffnet.  Gegenden,
wo  feindliche  Truppen  standen,  wurden  möglichst  vermieden.  Der
Weg  war  etwa  80  Meilen  lang  und  führte  über  Ratzeburg,  Boitzenburg,
  Perleberg,  Zemitz,  Rathenow,  Genthin,  Zerbst,  Dessau,  Leipzig, ­
  Altenburg,  Zwickau  und  Schneeberg.  Da  man  für  jede  Meile
zwei  volle  Stunden  benötigte,  so  nahm  die  Reise  trotz  Zuhilfenahme ­
  der  Nächte  acht  Tage  in  Anspruch.  Man  traf  mehrere  Male
mit  französischen  Truppen  zusammen,  die  sich  jedoch  täuschen
ließen 117 .  In  Karlsbad  wurde  einstweilen  Aufenthalt  genommen.
Kaiser  Franz  II.  bestimmte  nunmehr  die  Stadt  Prag  als  Aufenthaltsort ­
  für  den  Kurfürsten.  Am  26.  August  siedelte  man  hinüber 118 .
Im  Dezember  gelangte  dann  auch  die  Kiste  mit  Obligationen  nach
Prag,  die  Meyer  Amschel  anvertraut  war.
Der  alte  Rothschild  war  nämlich  der  treueste  Anhänger  des
hessischen  Fürsten.  Es  war  eigentlich  selbstverständlich,  daß  der
beste  Bankier  sich  an  den  besten  Kapitalisten  hielt,  und  in  diesem
Punkt  war  Rothschild  bei  weitem  klüger,  energischer,  zäher  und
ausdauernder  als  alle  seine  Konkurrenten.  Er  hielt  zum  Kurfürsten,
weil  dieser  auch  in  der  Exilzeit  noch  über  einen  ausnehmend
großen  Reichtum  verfügte.  Er  stand  aber  außerdem  aus  Dankbarkeit ­
  und  Treue  zu  ihm.
Einige  Wochen  nach  der  Flucht  des  Fürsten,  am  15.  Dezember ­
  1806,  richtete  Rothschild  ein  fußfälliges  Schreiben  an
ihn.  Er  teilt  ihm  mit,  daß  gegenwärtig  aus  Londoner  Wechseln
kein  Geld  zu  machen  sei,  daß  er  aber  trotzdem  100  000  rf,  die
einen  Monat  dato  fällig  waren,  ohne  Aufschub  an  den  Überbringer
bezahlt  habe.  Er  versichert  den  Fürsten  seiner  Treue  bis  zum
letzten  Blutstropfen  und  übermittelt  ihm  in  treuherziger,  aber  recht
stilloser  Weise  den  wohlgemeinten  Rat  des  Fürsten  Primas,  er
        <pb n="88" />
        möge  dem  Kaiser  gegenüber  nicht  zu  stark  sein  Recht  betonen,
sondern  demütig  bitten.  Dalberg  hatte  sich  auf  Rothschilds  Fürbitte ­
  bereits  für  den  Kurfürsten  verwendet  und  das  Versprechen
gegeben,  auch  bei  der  Kaiserin,  deren  Ankunft  in  Frankfurt  damals
kurz  bevorstand,  alles  Mögliche  zu  dessen  Nutzen  anzuwenden.
Auch  die  von  Lagrange  geforderte  Kontribution  von  6  Millionen  Livres
glaubte  Meyer  Amschel  durch  seinen  Einfluß  ermäßigen  zu  können,
da  er  vom  Fürsten  Primas  an  alle  Marschälle  und  Minister  gut
empfohlen  sei 119 .  Diese  Bemühungen  blieben  ohne  Erfolg.  Meyer
Amschel  aber  ging  unentwegt  weiter.  Um  in  der  Nähe  des  Kurfürsten ­
  zu  sein,  richtete  er  sich  im  Sommer  1807  in  Hamburg  ein
Wechselkontor,  d.  h.  eine  Art  Filiale  ein  und  besuchte  von  dort
aus  den  Fürsten  häufig  in  Itzehoe.  Auch  benutzte  er  die  Gelegenheit, ­
  um  in  Hamburg  eine  große  Masse  baumwollene  Waren  anzukaufen ­
  12 °.  Sein  Aufenthalt  in  der  norddeutschen  Handelsstadt
dehnte  sich  bis  in  das  Jahr  1808  aus,  und  so  erklärt  es  sich,  daß
er  bei  der  Abreise  des  Kurfürsten  nach  Karlsbad  Effekten  desselben ­
  zur  Aufbewahrung  in  Hamburg  erhielt.  Das  war  am  15.  Juli.
Damals  erkrankte  Rothschild  heftig,  und  dies  mag  der  Grund  gewesen ­
  sein,  weshalb  die  Ablieferung  der  Effekten  sich  ein  halbes
Jahr  hinauszog m .
Auch  mehrere  Kisten  mit  Medaillen  waren  dem  alten  Rothschild
anvertraut,  und  wurden  von  ihm  bis  zum  Herbst  des  Jahres  1808
aufbewahrt.  Im  November  dieses  Jahres  reiste  er  auf  Befehl  des
Kurfürsten  nach  Hamburg,  um  die  Kisten  zu  holen  und  an  Buderus
abzuliefern.  Zweifellos  enthielten  diese  Kisten  das  von  den  Franzosen ­
  zurückgekaufte  Medaillenkabinett  (s.  o.  S.  11  f.).  Buderus  hatte
damals  die  Absicht,  die  Kisten  entweder  in  Frankfurt  oder  bei  dem
Obereinnehmer  Herpell  in  St.  Goarshausen  unterzubringen.  Jedenfalls ­
  gingen  sie  nicht  in  das  Refugium  des  Kurfürsten  122 .  Ein  Rest
von  Archivalien,  z.  B.  zur  Kriegskasse,  eine  Reihe  hessischer  Nominalobligationen ­
  und  eine  Kiste  mit  Silber  befanden  sich  aber  auch  jetzt
noch  in  Gottorf,  und  erst  im  März  1810  wurde  Buderus,  der  dorthin
reisen  wollte,  beauftragt,  die  sichere  Verbringung  dieser  Effekten
nach  Prag  zu  veranlassen.  Natürlich  sollte  Rothschild  sich  dieser
Aufgabe  unterziehen,  er  war  ja  in  solchen  Dingen  die  letzte  Zuflucht.
Die  Sache  kam  ihm  aber  sehr  ungelegen,  der  Kurfürst  mußte  warten,
zuletzt  riß  ihm  die  Geduld  und  im  August  1811  entschloß  er  sich,
die  Sachen  unmittelbar  einzuholen m .
        <pb n="89" />
        81

In  Prag  kaufte  der  Kurfürst  ein  Palais  auf  der  Kleinseite,  in
dem  auch  seine  sämtlichen  Beamten  Wohnung  nahmen.  Dann  wurde
ein  Landsitz,  das  Gut  Bubenetsch  nebst  Park  und  Schloß  erworben, ­
  und  im  Jahre  1812  mußte  der  alte  Rothschild  noch  den
Meierhof  Zatory  kaufen.  Je  nach  der  Saison  verweilte  man  teils
in  Prag,  teils  in  Bubenetsch  und  zur  Kurzeit  in  Karlsbad  oder
Franzenbrunn.
Die  Finanzgeschäfte  wurden  jetzt  infolge  der  größeren  Entfernungen ­
  schwieriger.  Man  hatte  zu  korrespondieren  oder  zu
konferieren  mit  Lorentz  in  London,  Buderus  auf  Carlshausen,
Rothschild  in  Frankfurt,  Galland  in  Kassel,  auch  mit  Lennep.  Die
meisten  Reisen  nach  Prag  hatte  das  Haus  Rothschild  zu  übernehmen. ­
  Doch  waren  solche  Reisen  beschwerlich  und  zeitraubend
und  deshalb  im  Verhältnis  selten.  Um  so  häufiger  kamen  schriftliche ­
  Berichte  und  Anträge,  besonders  von  Buderus,  der  persönlich
niemals  in  Prag  anwesend  war.
Der  Kurfürst  beriet  alle  finanziellen  und  alle  politischen  Angelegenheiten ­
  mit  seinen  Getreuen  in  den  sog.  Kabinettsitzungen.
Er  leitete  die  Diskussion  und  resolvierte  selbst.  Der  Regierungsrat
Schmerfeld  führte  das  Protokoll  und,  wenn  er  behindert  war,  der
Kriegsrat  Schmincke.  Vom  Jahre  1809  ab  nahm  auch  der  Kriegskommissar ­
  Knatz  an  diesen  Sitzungen  teil.  Als  Rechtskonsulent
fungierte  der  Rat  Kauka,  ein  Böhme  von  Geburt 124 .
Anfangs  lebte  der  Kurfürst  in  Prag  zurückgezogen.  Er  war
genötigt,  das  Inkognito  zu  wahren,  und  hatte  fast  keinen  Verkehr.
Diese  Lage  änderte  sich  im  Frühjahr  1809,  als  der  Krieg  zwischen
Frankreich  und  Österreich  ausbrach  und  Wilhelm  I.  auf  eigene
Kosten  ein  Truppenkorps  aufstellte.  Jetzt  wurde  er  formell  als
Kurfürst  anerkannt.  Am  16.  April  wurden  ihm  auf  ausdrücklichen
Befehl  des  Wiener  Hofes  alle  Spitzen  des  Militärs  und  der  Zivilverwaltung ­
  vorgestellt.  Auch  stellte  man  ihm  eine  Ehrenwache
und  Posten  125 .  Bald  aber  fühlte  er  sich  in  Prag  nicht  mehr  sicher
genug  und  faßte  den  Plan,  seinen  Aufenthalt  nach  Olmütz  zu
verlegen.  Am  7.  Mai  wurde  der  Sekretarius  Delbrück  und  der
Pedell  J.  H.  Schaffer  mit  einem  Teil  der  Effekten  dorthin  gesandt.
Von  den  Wertobjekten  wurde  ihndn  anvertraut:  der  Koffer  mit
Nominalobligationen,  die  6  Koffer  mit  Partialobligationen,  1  Kasten
mit  Zinskupons  und  1  Kiste  mit  Pretiosen.  Außerdem  führten  sie
mit  sich:  2  Bibliothekskasten,  1  Aktenkasten,  1  Garderobekoffer  und
6
        <pb n="90" />
        82

1  Koffer  für  die  Reichsgräfin  Caroline  von  Schlotheim.  Am  11.  Mai
kam  Delbrück  mittags  in  Olmütz  an.  Der  Festungskommandant,
Generalfeldmarschall-Leutnant  von  Prohn,  nahm  ihn  höflich  auf.  In
Ermangelung  eines  geeigneten  Privathauses  wurde  er  in  der  Residenz
des  Erzbischofs  Fürsten  Colloredo  einquartiert,  wo  auch  sein  Depot,
das  als  kurfürstliches  Archiv  bezeichnet  wurde,  Unterkunft  fand.
Am  6.  und  7.  Juli  fand  die  Niederlage  Österreichs  bei  Wagram  statt,
und  in  übergroßer  Ängstlichkeit  befürchtete  der  Festungskommandant
von  Olmütz  eine  Annäherung  des  Feindes.  Infolgedessen  begab  sich
Delbrück  seiner  Instruktion  gemäß  am  11.  Juli  auf  die  Reise  nach
Glatz,  wo  er  am  16.  Juli  anlangte.
Daß  der'  Kurfürst  daran  dachte,  seinen  Aufenthalt  von  Prag
nach  Olmütz  zu  verlegen,  geht  schon  daraus  hervor,  daß  er
Garderobe  und  Bücher  mit  dorthin  gab.  Auch  wurde  dieser  Plan,
als  Delbrück  sich  in  Olmütz  aufhielt,  noch  weiter  erwogen,  und
der  Erzbischof,  der  damals  in  Kremsier  war,  hatte  für  den  Fall  der
Übersiedlung  den  komplett  möblierten  zweiten  Stock  seiner  Winterresidenz ­
  zur  Verfügung  gestellt.  Er  selbst  wollte  sich  mit  dem
ersten  Stock  begnügen.  Als  aber  Delbrück  nach  Glatz  geflohen
war,  gab  der  Kurfürst  jenen  Gedanken  endgültig  auf.  Er  ließ  im
Oktober  1809,  noch  ehe  der  Friede  zu  Wien  abgeschlossen  war,
alle  Sachen  wieder  abholen,  mit  Ausnahme  des  Pretiosenkastens
und  der  sieben  Koffer  mit  Obligationen 126 .  Er  hatte  seine  Absicht
geändert  und  wollte  jetzt  in  Berlin  seinen  Aufenthalt  nehmen.
Preußen  hatte  ja  im  November  1807  aus  eigenem  Antrieb  das
Versprechen  gegeben,  dem  Kurfürsten  in  Berlin  eine  Zuflucht  zu
gewähren  und  ihm  das  Schloß  Monbijou  daselbst  als  Wohnsitz  zu
überlassen.  Auch  hatte  Friedrich  Wilhelm  in  vier  Briefen  dieses
Versprechen  wiederholt.  Als  aber  der  Kurfürst  jetzt  Ernst  machte,
in  die  preußische  Hauptstadt  überzusiedeln,  trug  der  ängstliche
König  Bedenken,  ihn  aufzunehmen.  Es  sollte  zuvor  die  Zustimmung
des  Pariser  Kabinetts  eingeholt  werden,  was  der  Kurfürst  jedoch
ablehnte  und  lieber  in  Prag  blieb 127 .
Der  Rest  des  Glatzer  Depots  kann  nicht  mehr  lange  dort
geblieben  sein.  Denn  am  2.  November  sind  Delbrück  und  Schäffer
wieder  in  Prag,  und  bei  der  Abreise  von  dort  im  Jahre  1813  sind
wieder  alle  Kisten  und  Koffer  beisammen.  Das  gesamte  Depot
blieb  unter  der  Oberaufsicht  des  Kriegsrats  Schmincke  und  des
Kriegskommissars  Knatz;  die  Inspektion  wurde  dem  Sekretarius
        <pb n="91" />
        6*

83

Delbrück  und  dem  Pedell  Schaffer  anvertraut 128 .  Noch  gegen
Ende  des  Jahres  1813  dürften  sämtliche  Prager  Effekten  wieder
nach  Kassel  gelangt  sein.  Im  Monat  April  des  nächsten  Jahres
lieferten  die  Freye  &amp;amp;  Jordis  ihr  Depot  an  die  Rothschild  ab.  Im
Monat  Mai  lieferten  die  Rothschild  sowohl  ihr  eigenes  wie  das
Freye  &amp;amp;  Jordissche  Depot  nach  Kassel  ab 129 .
Bankherren.
Um  die  Übermittlungen  auszuführen,  die  bei  den  Einnahmen,
den  Ausgaben  und  dem  Anlegen  der  Überschüsse  des  Kurfürsten
nötig  waren,  bedurfte  es  geeigneter  Bankiers.  Die  englischen
Einnahmen  hatten  die  van  Notten  in  Empfang  zu  nehmen  und
weiterzugeben.  Damit  waren  die  Funktionen  dieses  Bankhauses
erschöpft.  Für  die  sonstigen  Operationen  kamen  vor  allem  drei
Frankfurter  Häuser  in  Frage,  die  Gebrüder  Bethmann,  die  Rüppell
&amp;amp;  Harnier  und  Meyer  Amschel  Rothschild.  Der  Kurfürst  selbst
wollte  einstweilen  die  Bethmann  nicht  aufgeben.  Sie  stellten  bis
dahin  das  bedeutendste  Bankhaus  Deutschlands  dar  und  unterhielten ­
  schon  lange  Geschäftsverbindung  mit  dem  hessischen  Hof.
Auch  die  Finanzräte  und  Hofbankiers  Rüppell  &amp;amp;  Harnier  hatten
alte  Beziehungen  zum  Kurfürsten  (s.  o.  S.  34  u.  ö.).  Diese  Handelsgesellschaft ­
  war  gegründet  am  15.  August  1799.  An  diesem  Tage
erstatteten  Simon  Rüppell  und  Louis  Harnier  die  Anzeige,  daß  sie
ihre  bisherigen  Wechsel-  und  Anlehensgeschäfte  unter  der  Firma
Rüppell  &amp;amp;  Harnier  mit  gemeinschaftlicher  Verbindlichkeit  fortsetzen
wollten  13 °.  Harnier  stammte  aus  Kassel.  Er  war  der  Sohn  des
hessen-kasselschen  Kriegsrats  Kaspar  Harnier  und  hatte  eine
Tochter  des  hessischen  Postmeisters  Wilhelm  Arstenius  zur  Frau 181 .
Rüppell  war  ebenfalls  geborener  Hesse,  hatte  schon  vor  seiner  Verbindung ­
  mit  Harnier  Beziehungen  zum  Kurfürsten  und  war  kurhessischer ­
  Oberpostmeister  und  Hofbankier.
Auch  mit  anderen  Fürsten  machte  die  Firma  Rüppell  &amp;amp;  Harnier
ansehnliche  Geschäfte.  Im  Jahre  1800  lieh  sie  dem  Kurfürsten
zu  Köln  200  000  fl,  1803  dem  Fürsten  zu  Leiningen  400  000  fl  und
dem  Fürsten  zu  Löwenstein-Wertheim  530  000  fl  mit  530  auf  den
Inhaber  lautenden  Partialobligationen;  1804  wiederum  dem  Fürsten
zu  Leiningen  1 1 U  Mill.  Gulden.
Das  Verhältnis  der  Firma  zu  Rothschild  muß  ursprünglich
ein  freundschaftliches  gewesen  sein.  Denn  mehrfach  sehen  wir
        <pb n="92" />
        84

beide  Häuser  in  Gemeinschaft  miteinander  tätig.  AIs  die  Rüppell
&amp;amp;  Harnier  im  Jahre  1800  eine  dänische  Anleihe  debitierten,  wurde
Rothschild,  wie  schon  erwähnt,  mit  131  Partialobligationen  dabei
beteiligt.  Am  28.  Juli  1802  vereinigten  sich  die  beiden  Firmen,
um  der  kurfürstlichen  Landeskasse  zu  Mannheim  nach  „ausgefertigter ­
  Haupt-  und  darin  gemeldeten  Partialobligationen“  ein
Kapital  von  500  000  fl  24  ff  zu  leihen.  Als  am  5.  Dezember  desselben
Jahres  die  Rüppell  &amp;lt;6  Harnier  eine  Anleihe  von  4  Mill.  Gulden  mit
der  Rechnungskommission  der  Stadt  Frankfurt  abgeschlossen  hatten,
beteiligte  sich  wiederum  nachträglich  auch  Rothschild  an  diesem
Geschäft.  Am  22.  Dezember  traf  er  mit  der  befreundeten  Firma
ein  Sonderabkommen,  wonach  er  sich  verbindlich  machte,  bei  jener
Anleihe  den  zehnten  Teil  vom  Gewinn  und  Schaden  zu  übernehmen.
Demgemäß  hatte  er  auch  von  den  100  000  fl,  die  Rüppell  &amp;amp;  Harnier
als  bare  Kaution  hinterlegt  hatten,  den  zehnten  Teil  zu  tragen  und
beim  Empfang  von  Stadtobligationen,  wenn  er  sie  nicht  gleich  bar
zu  berichtigen  gut  fand,  dieselben  Unterpfänder  zu  geben  wie  die
eigentlichen  Vertragschließer.  Die  vereinbarte  Provision  sollte  genau
verrechnet  und  vom  bleibenden  Reingewinn  der  zehnte  Teil  nach
vollendetem  Geschäft  an  Meyer  Amschel  abgegeben  werden.  An  dem
halben  Prozent  aber,  das  die  Stadt  außerdem  für  kleine  Spesen
bewilligt  hatte,  wurde  Rothschild  nicht  beteiligt.
Im  folgenden  Jahre  finden  wir  beide  Firmen  gemeinsam  in
Kassel  tätig.  Unterm  1.  August  1803  reichten  sie  ein  Gesuch  an  den
Kurfürsten  ein  und  baten  um  Überlassung  von  1  Mill,  preußischer
4°/oiger  Obligationen  im  Umtausch  gegen  4°/oige  kurbadensche
und  hannoverisch-landständische.  Das  Gesuch  wurde  abgelehnt,
obgleich  die  Antragsteller  sich  zu  dem  Gegendienst  erboten
hatten,  nach  höchster  Bestimmung  einige  tausend  Dukaten
abzugeben.  Inzwischen  war  der  siebenundzwanzigjährige  Barthold
Georg  Niebuhr,  damals  dänischer  Kommerzassessor  und  Direktor
des  Bankkontors  in  Kopenhagen,  nach  Kassel  gekommen,  um
mit  Simon  Rüppell,  Meyer  Amschel  Rothschild  und  Michel  Simon
über  ein  dänisches  Anlehen  zu  verhandeln.  Diese  drei  Firmen
waren  hier  nicht  zum  ersten  Mal  zusammengetreten.  Sie  hatten
schon  früher  für  verschiedene  hannoverische  Landschaften  in  solidum
ein  Anlehen  im  Betrag  von  einer  halben  Mill.  Rtlrn.  in  Pistolen  zu
5  Rtlrn.  bewirkt 132 .  Jetzt  vereinbarten  sie  am  29.  August  die  Bedingungen, ­
  unter  denen  sie  —  vermutlich  mit  kurfürstlichem  Gelde  —
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        85

sich  der  Realisierung  dänischer  Obligationen  im  Betrag  von  1  Mill.
Gulden  unterziehen  wollten.  Die  Entscheidung  über  Annahme  oder
Ablehnung  derselben  sollte  innerhalb  acht  Tagen  der  Finanzminister
Schimmelmann  treffen.  Aber  auch  bei  dieser  Angelegenheit  trat
Rothschilds  Bedeutung  noch  nicht  in  den  Vordergrund,  die  Firma
Rüppell  &amp;amp;  Harnier,  vertreten  durch  ihren  Teilhaber  Simon  Rüppell,
spielte  die  Hauptrolle.
Rothschild  gewann  aber,  so  scheint  es,  im  persönlichen  Verkehr. ­
  So  hier  bei  Niebuhr.  Gerade  von  jener  Konferenz  an  muß
sein  Ansehen  bei  der  dänischen  Regierung  gestiegen  sein.  Denn  bis
dahin  hatte  er  nur  eine  dänische  Anleihe  verwirklicht,  im  JahrelSOl,
und  ein  Mal  eine  dänische  Stückzahlung  von  250  000  Rtlrn.  vermittelt ­
  im  Juli  1803.  Jene  Anleihe  aber  war  sehr  klein  und  nur
einer  Beteiligung  seitens  der  Rüppell  &amp;amp;  Harnier  an  ihrem  großen
Anlehen  zu  verdanken.  Und  wenn  Rothschild  dänische  Obligationen
in  fertigem  Zustand  für  den  Kurfürsten  anzuschaffen  hatte,  so  waren
es  bis  dahin  ältere  Staatspapiere  gewesen,  in  der  Regel  Bethmännische.
Dann  aber  hatte  Rothschild  sich  von  diesen  beiden  Bankhäusern
unabhängig  gemacht.  Vom  Jahre  1804  an  bis  zum  Jahre  1806  verwirklichte ­
  er  sechs  dänische  Anleihen  und  schaffte  außerdem  mehrere
Male  neue  dänische  vom  Finanzkollegium  erteilte  Originalobligationen
für  den  Kurfürsten  an,  in  der  Regel  mittels  dänischer  durch  ihn
selbst  vermittelter  Stückzahlungen.  Das  alles  konnte  trotz  Rothschilds ­
  Bemühung  nicht  verborgen  bleiben  und  wurmte  die  Rüppell  &amp;amp;
Harnier.  Die  Häufung  dänischer  Geldgeschäfte  in  Rothschilds  Hand
erschien  ihnen  wie  eine  Monopolisierung.  Es  entwickelte  sich  zwischen
beiden  Firmen  ein  erbitterter  Konkurrenzkampf.  Rothschild  wurde
von  den  Rüppell  &amp;amp;  Harnier  mit  Haß  verfolgt,  und  die  Rüppell  &amp;amp;  Harnier
wurden  von  Rothschild  gefürchtet.  Bezeichnend  für  die  Art,  wie
jene  Firma  gegen  ihren  Nebenbuhler  vorging,  ist  ein  Schreiben  vom
16.  Juni  1806.  An  der  dänischen  Anleihe,  die  von  den  Rüppell  &amp;amp;  Harnier
am  1.  Oktober  eröffnet  war,  hatte  sich  auch  die  Hanauer  Kammerkasse ­
  mit  100  000  fl  20  ff  beteiligt.  Rothschild  hatte  Kenntnis  von
diesem  Besitz,  zumal  die  Kammerkasse  mehrfach  die  Einlösung  der
Zinsabschnitte  nicht  den  Rüppell  &amp;amp;  Harnier,  sondern  ihm  übertragen
hatte.  Er  stellte  daher  seinen  üblichen  Antrag,  jene  4prozentigen
Papiere  zur  vermeintlichen  Verfallzeit,  nämlich  am  30.  September  1806,
gegen  neue  dänische  4 1 /aprozentige  Obligationen  umzutauschen m .
Die  Rentkammer  war  bereit  dazu  und  übermittelte  den  Rüppell  &amp;amp;
        <pb n="94" />
        Marnier  die  nötige  Kündigung.  Diese  erwiderten  jedoch,  daß  die
sechsmonatige  Kündigungsfrist  bereits  überschritten  sei:  „Wenn
demnach  ein  außergewöhnlicher  Capital  Abtrag  verlangt  werden
wolte,  so  Konten  wir  ohne  allerhöchste  Autorisation  des  Königlichen
Finanz-Collegii  in  Coppenhagen  nicht  einmahl  die  Aufkündigung
annehmen,  viel  weniger  eine  frühere  als  in  der  Obligation  stipulirte
Rückzahlung  hoffen  laßen.  Es  scheint  uns  aber  bedencklich,  und
aus  treuester  Anhänglichkeit  an  S e „  kurfürstliche  Durchlaucht  unterlaßen ­
  wir  vorerst  nach  Coppenhagen  zu  berichten;  denn  da  wir
doch  zu  Erhaltung  unserer  Ehre  /-  welche  christliche  und  jüdische
Handels  Neider  seit  lange  her  zweifelhaft  machen  mögten  -/  das
Motif,  nemlich  die  Anlage  in  Dänischen  auf  Rotschilds  Nahmen
lautenden  Obligationen  mit  anführen  müßten,  so  könte  das  Königliche ­
  Finanz  Collegium  daraus  den  Schluß  ziehen,  daß  nicht  der
eigene  Dänische  Staats  Credit,  sondern  blos  der  jüdische  Nahme
Rotschild  denen  Dänischen  Staats  Papieren  in  Heßen  annoch  Eingang
gewähre;  und  dies  ist  gewiß  so  sehr  gegen  Sr  Kurfürstlichen  Durchlaucht ­
  Höchste  Absicht,  daß  wir  es  uns  zum  Verdienst  rechnen,
Ew.  Hochfreyherrlichen  Excellenz  Hochwohl-  und  Wohlgebohrnen
hierauf  aufmerksam  zu  machen  und  unterthänig  anheim  geben,  zu
Conciliirung  des  höchsten  Kurfürstlichen  Intereße  mit  der  Ehre  der
Königlichen  Staats  Effecten,  entweder,  nach  dem  darin  enthaltenen
Vorbehalt,  die  Aufkündigung  bis  zum  30.  März  nächstkünftig  auszusetzen, ­
  oder  aber  zu  bestimmen,  auf  wieviel  Jahre  wir  die  Differenz
des  */*  Zinß  pro  Cent  auf  die  Königs.  Dänischen  100  Obligationen
unserer  älteren  Negotiation  zum  voraus  vergüten  sollen,  wodurch
der  Zinsfuß  mit  jenen  neueren  gleichgestellt  seyn  würde.“  134  Dieses
Ansinnen  wurde  in  Kassel  abgelehnt.  Man  beschloß,  die  Kündigung
bis  zum  30.  März  1807  auszusetzen,  dann  aber  den  von  Rothschild
beantragten  Umtausch  vorzunehmen.
Der  Kampf  der  beiden  Firmen  übertrug  sich  auch  auf  kurfürstliche ­
  Beamte.  Auf  Seiten  der  Rüppell  &amp;amp;  blamier  stand  der
Geheime  Kriegsrat  Lennep,  auf  Seiten  Rothschilds  Buderus.  Das
Verhältnis  der  beiden  Beamten  muß  ursprünglich  ebenfalls  ein
freundschaftliches  gewesen  sein 135 .  Erst  in  der  Exilzeit  verschlechterte ­
  es  sich.  Lennep  hatte  sich,  wie  oben  erzählt,  bei  der
Rettung  des  kurfürstlichen  Vermögens  beteiligt.  Mit  einem  gewissen
Recht  nahm  er  das  Verdienst  in  Anspruch,  seinem  Fürsten  viele
Millionen,  speziell  den  ganzen  Kuponvorrat  vom  Jahr  1806  und  1807
        <pb n="95" />
        87

durch  ein  sehr  gewagtes  Unternehmen  in  Sicherheit  gebracht  zu
haben.  Hierbei  passierte  ihm  aber  das  Mißgeschick,  daß  von  dem
erwähnten  Kuponvorrat  ein  Paket  Mecklenburger  verschwand,  das
auch  im  Juli  1811  noch  nicht  wieder  aufgefunden  war.  Lenneps
Gesinnung  war  treu  und  bieder.  Er  hatte  zur  Beruhigung  und
Sicherstellung  des  Kurfürsten  einstweilen  auf  seine  Pension  verzichtet ­
  und  außerdem  12  000  fl  eigene  Staatspapiere  als  Kaution
eingeschickt.  Menschenkenntnis  und  Klugheit  aber  waren  nicht  seine
Stärke.  Nach  seiner  Ansicht  war  jenes  Paket  durch  Unterschlagung
verschwunden,  und  er  suchte  den  Verdacht  des  Kurfürsten  auf  die
Bankiers  Michel  Simon  und  Rothschild  zu  lenken,  besonders  auf
letzteren  138 .  Das  gelang  ihm  natürlich  nicht.  Zu  dem  Pech  aber,
das  er  mit  jenem  Verlust  gehabt  hatte,  kam  noch  die  Eifersucht
von  Buderus.  Dieser  hatte  von  der  Pike  auf  gedient  und  verband
mit  seinen  höheren  finanziellen  Fähigkeiten  die  peinliche  Genauigkeit, ­
  Pünktlichkeit  und  ausführende  Leistungsfähigkeit  des  allertüchtigsten ­
  Subalternbeamten.  Wohl  empfand  er  die  Vermögensverwaltung, ­
  wie  er  sie  mit  Einschluß  untergeordneter  Manipulationen
auszuführen  hatte,  als  eine  Herabsetzung  aus  seiner  früheren  höheren
Stellung,  und  mit  Recht.  Aber  gerade  in  dieser  Situation,  wo  er
durch  die  Verhältnisse  oft  ganz  auf  seine  eigene  Person  angewiesen
war,  kam  ihm  die  einstige  Übung  in  ausführenden  Geschäften  aufs
beste  zu  statten.  Größere  Depots  von  Wertpapieren  oder  Geld
in  Verwahrung  zu  nehmen,  war  nicht  seine  Sache,  dazu  war  er
viel  zu  vorsichtig,  beinahe  ängstlich.  Ein  Mißgeschick  wie  das
Lenneps  konnte  ihm  also  nicht  leicht  zustoßen.  Bis  auf  die  Politik,
von  der  er  gar  nichts  verstand,  kannte  er  seine  Grenzen  ganz
genau  und  war  im  übrigen  durchaus  der  Mann,  wie  der  Kurfürst,
der  selbst  etwas  Subalternes  an  sich  hatte,  ihn  brauchte.
Die  ersten  Anzeichen  einer  Verstimmung  zwischen  Buderus
und  Lennep  traten  im  Frühjahr  1807  zutage.  Lennep  war  mit
Simon  Rüppell  und  Louis  Harnier  beim  Kurfürsten  in  Rendsburg
gewesen,  und  am  15.  März  war  ihm  dort  ein  Reskript  eingehändigt
worden,  wonach  er  die  Lombard-Obligationen  der  vier  Bankiers
sich  nunmehr  vollständig  zuliefern  lassen  sollte,  um  sie  nach  Erledigung ­
  der  noch  nötigen  Austauschungen  und  sonstigen  Vorkehrungen ­
  bei  erster  sicherer  Gelegenheit  an  den  Kurfürsten  zu
senden.  Letzterer  hatte  als  selbstverständlich  angenommen,  daß
Buderus  von  dem  Inhalt  dieses  Reskripts  in  Kenntnis  gesetzt  werde.
        <pb n="96" />
        88

Das  geschah  jedoch  nicht,  und  Buderus  erblickte  darin  ein  Zeichen
des  Mißtrauens  in  seine  Geschäftsführung.  In  diesem  Sinne  schrieb
er  dem  Kurfürsten,  als  ihm  der  Sachverhalt  aufgegangen  war.
Er  fürchtete  Intriguen  von  seiten  der  Rüppell  &amp;amp;  blamier:  „Sind
Insinuationen  verruchter  Menschen,  deren  Gewinnsucht  meine
Anhänglichkeit  an  Ew.  Kurfürstl.  Durchlaucht  nicht  sättigen  konnte
und  durfte,  geschehen,  so  muß  ich  es  innigst  bedauern,  daß  31jährige
mit  Entsagung  auf  jeden  Lebensgenuß  geleistete  Dienste,  welche
Ew.  Kurfürstl.  Durchlaucht  durch  geheim  und  öffentlich  angestellte
Controleurs,  durch  im  Stillen  vom  geheimen  Staatsminister  von  Meyer
angestellte  Nachforschungen  und  auf  tausenderlei  Weise  haben
prüfen  lassen,  nicht  den  Eingang  untunlich  gemacht  haben.“ 137
Auf  dieses  Schreiben  sandte  der  Kurfürst  eine  Abschrift  des  für
Lennep  ausgefertigten  Reskriptes  und  versicherte  Buderus  seines
ungeschwächten  Vertrauens:  „Insinuationen  gegen  denselben  finden
nicht  Statt  und  können  auch  bei  Meiner  Denkungsart  und  der
Gesinnung  derer,  die  Mich  umgeben,  nicht  Statt  finden.“ 138  Indes
blieb  das  Verhältnis  zu  Lennep  von  jetzt  ab  gestört,  und  dieser
war  unklug  genug,  es  stetig  zu  verschlechtern.  Er  und  die  Rothschild ­
  kamen  geschäftlich  nicht  miteinander  aus,  besonders  dann
nicht,  wenn  die  Rothschild  auf  sein  Geheiß  Zahlungen  an  den
Fürsten  von  Wittgenstein  leisten  sollten  und  damit  zögerten.  Lennep
nahm  infolgedessen  fortgesetzt  eine  drohende  Haltung  gegen  die
Rothschild  an.  Er  übersah,  daß  sie  durch  ihr  entschlossenes  und
rückhaltloses  Eintreten  für  den  Kurfürsten  den  Rüppell  &amp;amp;  Harnier
zuvorkommen  mußten.  Auch  hinderte  er  nicht  oder  merkte  er
nicht,  daß  seine  Schützlinge  die  gänzlich  verfehlte  Taktik  einschlugen, ­
  sich  in  der  Zeit  der  Not  und  Gefahr  dem  Kurfürsten
gegenüber  höchst  zweideutig  aufzuführen.  Sie  wurden  infolgedessen
sehr  bald  fallen  gelassen,  nur  vermied  man  es,  sie  irgendwie  zu
reizen.  Auch  Lennep  selbst,  der  zwar  vom  besten  Willen  beseelt
war,  aber  nicht  entfernt  die  Fähigkeit  für  Geldgeschäfte  wie  Buderus
besaß,  erhielt  außer  dem  Geschäft  mit  den  Lombardobligationen
und  der  Verwahrung  seiner  sonstigen  Depots  keine  weiteren  Aufträge ­
  vom  Kurfürsten.  Nach  und  nach  wurden  ihm  auch  die  Depots
wieder  abgenommen.  Die  Kupons  holte,  wie  gesagt,  im  November  1807
der  Kriegsrat  Schmincke.  Alle  noch  in  seinem  Besitz  befindlichen
Staatspapiere  verlangte  der  Kurfürst  im  Frühjahr  1811  zu  wiederholten ­
  Malen  zurück.  Im  Juli  wurde  diesem  Auftrag  im  wesentlichen
        <pb n="97" />
        89

entsprochen.  Die  Berichtigung  der  übernommenen  und  umgetauschten
Pfänder,  wovon  bereits  im  September  1807  nur  noch  645  000  fl
restierten,  war  inzwischen  durch  weitere  Abtragungen  vorgeschritten
und  wurde  im  Juli  1811  bis  auf  einen  geringfügigen  Rest  erledigt.
Gleichzeitig  wurden  auch  237  Stück  Jülich-Bergische,  der  Gräfin
von  Schlotheim  und  ihren  Kindern  zukommende  Obligationen
(ä  100  Karolin),  die  Lennep  noch  von  Itzehoe  aus  zur  Aufbewahrung
erhalten  hatte,  zurückgegeben  139 .
Gegen  die  Bethmann  trat  Buderus  im  September  1807  auf,
als  er  den  Kurfürsten  in  Itzehoe  besuchte.  Buderus,  der  im  unmittelbaren ­
  Verkehr  mit  den  Bankherren  stand,  hatte  die  Fähigkeiten
der  Rothschild  und  ihre  Verwendbarkeit  in  schwierigen  Fällen  besser
erkannt  als  der  fernerstehende,  mißtrauisch  langsame  und  mißtrauisch ­
  eigensinnige  Kurfürst.  Er  hatte  damals  die  Rothschild
bereits  in  stärkerem  Maße  herangezogen,  als  es  seinem  Herrn
erwünscht  war,  und  dieser  hatte  ihn  das  schon  fühlen  lassen.
Unterm  24.  Juni  1807  wurde  vom  Kurfürsten  durch  einen  der
Rothschild  ein  eigenhändiges  Schreiben  an  Buderus  gesandt  —  sonst
pflegte  solche  Briefe  der  Kriegsrat  Schmincke  zu  schreiben,  und  der
Kurfürst  setzte  nur  seinen  Namen  darunter.  Darin  macht  er  Buderus
bekannt,  daß  die  englischen  und  dänischen  Zinsen  ab  1.  Juli  nicht
mehr  wie  bisher  direkt  zu  beziehen,  sondern  an  die  Reservekasse
in  Itzehoe  zu  übermachen  seien:  „Über  diese  Verfügung  erwarte
sogleich  ein  Recepisse  und  daß  das  Nötige  besorgt  ist.“  Das  traf
auf  Rothschild,  der  seit  der  Flucht  des  Kurfürsten  den  weitaus
größten  Teil  der  englischen  und  dänischen  Einkünfte  bezogen
hatte.  Das  machte  ferner  dem  Rechnungsführer  Buderus  erhebliche
Schwierigkeiten,  da  er  in  die  Lage  versetzt  wurde,  die  Schulden,
die  der  Kurfürst  bei  verschiedenen  Bankiers  hatte,  nicht  bezahlen
zu  können.  Der  Kurfürst  war  wieder  ein  Mal  von  plötzlichen  mißtrauischen ­
  Zwangsvorstellungen  befallen.  Er  fürchtete,  daß  bei  den
Bankiers  van  Notten  vielleicht  Erhebungen  ohne  gehörige  Berechnung ­
  gemacht  seien.  Um  ihm  seinen  Argwohn  zu  nehmen,  sandte
Buderus  alsbald  seine  Kontokorrente  mit  den  van  Notten,  Rothschid,
Jordis  und  Michel  Simon  ein  und  wies  nach,  daß  er

dem  Legationsrat  Jordis  fl  87789.—.  2
dem  Oberhofagenten  Rothschild  „  35  295.16.—
dem  Oberkriegszahlamtsagenten  Michel  Simon  .  „  6  341.30.—

überhaupt  also  fl  129  425.46.  2
        <pb n="98" />
        schuldig  sei,  obgleich  Rothschild  die  erst  im  Dezember  fälligen
Zinskupons  bereits  in  Zahlung  genommen  hatte.  Dem  Legationsrat
Jordis  hatte  Buderus  seine  Ehre  und  sein  ganzes  Vermögen  dafür
verbürgen  müssen,  daß  er  Ende  August  bezahlt  werde.  1000  rf
Deputatgelder  für  der  Kurfürstin  Königliche  Hoheit,  4500  rf  rückständige ­
  Besoldung  für  den  Geheimrat  von  Günderode  in  Wien
fehlten  ihm  ebenfalls 140 .  Die  Darlegung  dieser  Dinge  rührte  indes
den  Eigensinn  des  Kurfürsten  einstweilen  gar  nicht.  Vielmehr  wurde
Buderus,  wie  schon  vorher,  von  ihm  gedrängt,  er  solle  sich  zur
persönlichen  Rücksprache  über  verschiedene  Vermögensangelegenheiten ­
  nach  Itzehoe  begeben 141 .  Im  September  kam  er  dort  an.
Bei  der  ersten  Besprechung,  die  er  mit  dem  Kurfürsten  hatte,
wies  dieser  auf  die  Bethmann  hin,  worauf  Buderus  ihm  die  Vorzüge
der  Rothschild  klar  machte.  Dabei  muß  Buderus  auf  scharfen  Widerstand ­
  gestossen  sein,  so  daß  er  sich  veranlaßt  sah,  hinterher  seinen
Standpunkt  noch  schriftlich  zu  wahren:  „Seit  dem  1.  Nov:  v:  J:  habe
ich  die  in  London  eingegangenen  Gelder  mit  Ausnahme  von  2  Posten,
wovon  der  Legations-Rath  Jordis  den  einen  und  der  Oberkriegszahlamtsagent ­
  Michel  Simon  den  andern  erhalten  hat,  durch  den
Oberhofagenten  Rothschild  beziehen  lassen.  Meine  Veranlassung
dazu  war  die  pünktlichste  Zahlung,  auf  welche  ich  bei  ihm  rechnen
kann  und  welche  meine  unterm  1.  August  d:  J:  überreichte  Abrechnung ­
  mit  ihm  beweiset;  die  Gewißheit,  daß  er  mir  den  nach
den  Coursblättern  der  Tage  des  Verkaufs  bestehenden  Cours
berechnet;  die  Überzeugung,  daß  er  niemandem  von  Begebungen
für  Ew:  Kurfürstl:  Dhl‘  etwas  entdeckt,  denn  er  hat  den  Verkauf
dermaßen  mit  Vorsicht  betrieben,  daß  an  ihn  abgeschickte  Franzosen, ­
  welche  ihn  vernehmen  sollten,  ob  er  englische  Gelder  für
Ew:  Kurfürstl:  Dhl 1  zu  beziehen  habe,  aus  seinen  ihnen  vorgelegten
Büchern  nicht  einmal  etwas  entnehmen  konnten;  und  Wegräumung
aller  bey  der  wachsamen  Menge  Aufsehen  erregenden  Vorkehrungen
zum  Ersatz  der  vom  Rothschild  geleisteten  Zahlungen  durch  Abrechnung ­
  auf  die  englischen  Wechsel.  Zu  jeder  von  andern
verweigerten  Zahlung  war  er  immer  bereit,  er  hat  sie  zur  Zufriedenheit ­
  eines  jeden  geleistet,  und  da  ich  gar  keinen  Unterschied  unter
einem  Gulden  vom  Rothschild  und  einem  Gulden  vom  Bethmann
finden  kann,  so  glaubte  ich  alles  recht  gut  gemacht  zu  haben.
Es  ist  mir  indessen  kränkend,  daß  Ew:  Kurfürstl:  Durchll  dieses
nach  der  gestrigen  mündlichen  Äußerung  nicht  gnädigst  zu  billigen
        <pb n="99" />
        91

scheinen,  und  ich  will  daher  um  eine  bestimmte  huldreichste  Vorschrift ­
  bitten,  wie  in  Zukunft  und  dermalen  die  englischen  Wechsel
begeben  werden  sollen?  Mir  ist  es  ja  völlig  gleichgültig,  und  ich
brauche  nicht  zu  erinnern,  daß  jedes  Nachteil  bringende  Ereignis
bey  der  pünktlichsten  Befolgung  der  höchsten  Befehle,  worauf  alle
meine  Kräfte  verwendet  werden,  mir  einige  Verantwortlichkeit  nicht
zuziehen  kann“. 142  Das  Guthaben  bei  den  van  Notten  hätte  zwar  nicht
ganz  ausgereicht,  um  alle  fälligen  Zahlungen,  die  bis  zum  13.  September
aufgewachsen  waren,  zu  begleichen.  Es  hätte  aber,  wenn  es  zeitig
abgehoben  wurde,  zu  besserem  Kurs  verkauft  werden  können.
Jetzt  war  es  anders  geworden  :  „Hätten  E.  K.  D.  ...  gnädigst  geruhet,
mich  in  meinem  Geschäftsgänge  nicht  aufzuhalten,  so  hätte  ich
20  000  Pf.  St.  noch  für  141  '/s  Batzen  für  das  Pf.  begeben  können.
Jetzt  sind  sie  im  geringsten  Anschlage  6000  fl  weniger  werth,  und
menschliche  Weisheit  vermag  keinen  Ausweg  zur  Abwendung  dieses
Verlustes  zu  finden“. 143
Es  scheint,  daß  diese  Darlegungen,  an  die  sich  jedenfalls
weitere  mündliche  Besprechungen  knüpften,  ihre  Wirkung  nicht
verfehlten.  Denn  von  jetzt  ab  wurde  die  Frage  Bethmann  oder
Rothschild  nicht  mehr  erörtert.
Man  sieht  auch  nicht,  daß  die  Bethmann  Anstrengungen  gemacht ­
  hätten,  um  bei  den  Geschäften  des  Kurfürsten  weiter  beteiligt ­
  zu  werden.  Jedenfalls  gingen  ihnen  die  Rothschild  an
'Zielbewußtsein  und  Entschlossenheit  voran.
Auch  diejenigen  Bankiers,  mit  denen  man  sonst  noch  in
Verbindung  stand,  wurden  während  der  Exilzeit  fast  alle  fallen
gelassen.  Im  Jahr  1807  sind  in  Buderus’  Kontokorrent  außer  den
van  Notten  und  M.  A.  Rothschild  noch  drei  Kasseler  Häuser  vertreten, ­
  der  Legationsrat  Jordis,  der  Oberkriegszahlamtsagent
Michel  Simon  (später:  Michel  Simon  Meylert)  und  die  Hof-  und
Kriegsagenten  Ruben  Hesse  Goldschmidt  seel.  Sohn.  Lennep,  der
den  Kuponvorrat  für  die  Jahre  1806  und  1807  geborgen  hatte,
verteilte  diesen  an  M.  A.  Rothschild  und  die  drei  Kasseler  Firmen
zur  Einlösung 144 ,  sonst  würden  Michel  Simon  und  Goldschmidt
vermutlich  gar  nicht  bei  Buderus  figurieren.  Jordis  hatte  im  Jahr  1807
außer  dem  Kupongeschäft  noch  andere  größere  Aufträge,  z.  B.
die  Beschaffung  der  Bestechungsgelder  für  Lagrange.  Im  Jahr  1808
ist  Michel  Simon  bei  Buderus  nur  mit  kleinen  Beträgen  vertreten,
und  haben  die  Preye  &amp;amp;  Jordis  in  Frankfurt  nur  ein  Konto  von
        <pb n="100" />
        92

einigen  Posten.  Sonst  kommen  in  diesem  Jahr  nur  noch  M.  A.  Rothschild ­
  und  P.  &amp;amp;  C.  van  Notten  &amp;amp;  Co.  vor.  Letztere  sind  vom
Jahr  1809  ab  neben  Rothschild  die  einzige  Bankfirma,  mit  der
Buderus  ein  Kontokorrent  führt.  Schon  im  Jahre  1807  aber  ist
Rothschild  der  Hauptbankier  und  sein  Konto  das  größte.  Daß
außerdem  auch  der  Rechnungsführer  Lawätz,  besonders  vor  der
Übersiedlung  des  Kurfürsten  nach  Böhmen,  bankmäßige  Übermittlungen ­
  ausführte,  versteht  sich  von  selbst.
Vermutlich  war  Buderus  bei  seinem  Vorgehen  durch  den
Gedanken  geleitet,  daß  es  wesentlich  einfacher  sei,  mit  einem
Hauptbankier  zu  verkehren  als  mit  mehreren.  Und  daß  dieser
eine  kein  anderer  als  Rothschild  sein  sollte,  dafür  lag  der  Grund
nicht  etwa  in  dem  früheren  Verhältnis  zwischen  diesem  und  Buderus,
sondern  in  Rothschilds  Fähigkeiten  und  Charakter.  Mit  den
Rüppell  &amp;amp;  Harnier,  Michel  Simon  und  den  Ruben  Hesse  Goldschmidt
seel.  Sohn  gab  es  Schwierigkeiten  und  Unannehmlichkeiten,  während
die  Rothschild  nach  wie  vor  neben  ihren  rein  geschäftlichen  Fähigkeiten ­
  Zuverlässigkeit,  Hilfsbereitschaft  und  —  man  kann  es  nicht
anders  bezeichnen  —  Uneigennützigkeit  bewiesen.  Es  ist  schon
oben  gesagt  worden,  daß  Meyer  Amschel  nicht  nur  aus  Geschäftssinn ­
  zum  Kurfürsten  hielt,  sondern  auch  aus  Treue  und  Anhänglichkeit. ­
  Das  zeigt  sich  während  der  Exilzeit  in  seinem  ganzen
Gebahren.  Seine  Dienste  waren  wertvoll,  sein  Gewinn  klein.  Oft
mußte  er  sogar  lange  auf  Bezahlung  oder  Ersatz  seiner  Unkosten
warten.  Und  Buderus  hatte  Recht,  wenn  er  später  den  Rothschild
gelegentlich  das  Zeugnis  ausstellt,  daß  sie  in  der  Zeit  der  Not,
wo  niemand  den  Kurfürsten  kennen,  noch  weniger  ihm  einen  Dienst
erzeigen  wollte,  mit  der  ausdauerndsten  Beharrlichkeit  und  in  den
gefahrvollsten  Situationen  Aufträge  von  sehr  großem  Belang  ausrichteten. ­
  Und  wenn  sie  unredliche  Menschen  gewesen  wären,  so
hätten  sie  sich  bei  jenen  Gelegenheiten  Millionen  aneignen  können  Uo .
Einnahmen.
Der  Vermögensstand  des  Kurfürsten  war  im  Jahr  1806  folgender: ­
  Bei  der  Kriegskasse  betrug  im  September  dieses  Jahres  die
Summe  der  angelegten  Kapitalien,  d.  h.  der  Nominalobligationen
und  des  Anlegewertes  oder  Nominalwertes  der  Partialobligationen,
21,02  Mill.  Rtlr.  (s.  o.  S.  65).  Davon  entfielen  rund  1,82  Mill,  auf
das  Land U6 ,  2,59  Mill,  als  Ankaufspreis  auf  englische  Annuitäten,
        <pb n="101" />
        93

0,28  Mill,  auf  holländische  Bankokapitalien,  16,00  Mill,  auf  hin  und
wieder  ausgeliehene  Kapitalien,  0,10  Mill,  auf  Fräulein-Steuern,
0,12  Mill,  auf  zinsfreie  Vorschüsse  und  0,11  Mill,  auf  die  Ausleihe
der  Karlshafer  Lazarettkasse.  Bei  der  Oberrentkammer  betrug  die
Summe  der  vorhandenen  Staatspapiere  4  311  072  fl  24  ff  oder  rund
2,40  Mill.  Rtlr.,  die  Gesamtsumme  der  ausgeliehenen  Kapitalien
schätzungsweise  3,70  Mill.  Rtlr.  Bei  der  Kammerkasse  zu  Hanau
betrug  die  Summe  sämtlicher  ausgeliehenen  Kapitalien  am
20.  August  1806  2  073  366  fl  24  ff  oder  rund  1,15  Mill.  Rtlr.,  bei
der  Kabinettskasse  am  3.  April  1806  284  790  Rtlr.  Es  waren  also
von  den  vier  Kassen  rund  26,15  Mill.  Rtlr.  ausgeliehen,  teils  auf
Inhaber-,  teils  auf  Rektapapiere 147 .  Von  diesen  Kapitalien  hatte
aber  Lagrange,  wre  wir  sahen,  nur  11  Mill.  Rtlr.  bekannt  gegeben.
Als  der  General  sich  mit  700  000  Livres  dazu  bestechen  ließ,
die  übrigen  Außenstände  des  Kurfürsten  zu  verschweigen,  wurden
mit  seiner  Erlaubnis  die  Rechnungsführer  angewiesen,  von  den  im
Tableau  nicht  enthaltenen  Kapitalien  keine  Zinsen  und  Stückzahlungen ­
  einzufordern  und  alle  etwa  unverlangt  eingehenden
Zahlungen  dieser  Art  zur  Disposition  des  Kurfürsten  zu  halten.
Daraufhin  benachrichtigte  der  Kurfürst  seine  Schuldner  durch  unmittelbare ­
  Schreiben,  die  er  am  22.  Februar  1807  an  Buderus  zur
Weitersendung  übermittelte,  daß  sie  nur  an  denjenigen  zahlen
sollten,  der  des  Kurfürsten  eigene  Quittung  vorzeige.  Einige  Schuldner
im  Preußischen  und  Mecklenburgischen  wies  er  von  Rendsburg
aus  an,  die  Gelder  an  den  Etatsrat  Lawätz  in  Altona  zu  senden  148 .
Als  später  das  Königreich  Westfalen  eingerichtet  war,  nahm
Napoleon  vermöge  der  Berliner  Konvention  vom  22.  April  1808  die
Schuldbriefe  über  solche  Kapitalien,  die  außerhalb  des  Königreichs
ausgeliehen  waren,  für  sich  in  Anspruch,  während  die  Forderungen
an  solche  Personen,  die  nunmehr  westfälische  Untertanen  waren,
dem  König  Jeröme  zufallen  sollten.  Erstere  sollten  32,  letztere
11  Millionen  Franken  betragen.  Jene  Summe  entfiel  zum  weitaus ­
  größten  Teil  auf  das  Gebiet  des  ehemaligen  Kurfürstentums
Hessen  149 .
Die  Domänen  sollten  nach  Artikel  2  der  Verfassung  für  das
Königreich  Westfalen  vom  15.  November  1807  gleichmäßig  zwischen
J6röme  und  Napoleon  geteilt  werden,  ln  der  Berliner  Konvention
vom  22.  April  1808  beanspruchte  indes  Napoleon  von  seinem
Bruder  nicht  mehr  Domänen,  als  nötig  waren,  um  eine  Rente  von
        <pb n="102" />
        94

7  Millionen  Franken  zur  Belohnung  für  seine  Generäle  sicherzustellen. ­
  Das  war  mehr  als  die  Hälfte  des  wirklichen  Ertrags,  der
nicht  über  13  Mill.  Franken  betrug,  von  den  französisch-westfälischen
Beamten  aber  durch  Aufnahme  gewisser  Steuerobjekte  in  die  Rubrik
der  Domänen  auf  mehr  als  16  Mill.  Franken  gesteigert  wurde 150 .
Von  den  Domänen  hätte  nun  der  Kurfürst  auch  ohne  das  Vorgehen ­
  der  Brüder  Bonaparte,  die  noch  dazu  einen  Teil  derselben
veräußerten,  keine  Einkünfte  während  der  Exilzeit  beziehen  können.
Was  ihm  sonst  aber  an  Vermögen  oder  Einkünften  erhalten  blieb,
das  erfahren  wir  aus  den  in  Marburg  befindlichen  Rechnungsbüchern ­
  und  den  auf  Carlshausen  vorhandenen  Kontokorrenten.
Auf  Carlshausen  befindet  sich  außerdem  eine  reichhaltige,  die
Rechnungsbücher  und  Kontokorrente  ergänzende  Korrespondenz.
Aus  diesen  Quellen  lassen  sich  auch  die  Ausgaben  des  Kurfürsten
und  die  Verwendung  seiner  Überschüsse  ermitteln.
Völlig  unantastbar  für  die  Franzosen  waren  von  vornherein
des  Kurfürsten  englische  Guthaben.  In  London  stand,  auf  falsche
Namen  eingetragen,  ein  der  Kriegskasse  zugehöriges  Annuitätenkapital ­
  im  Nominalwert  von  499  000  £  zu  3  Prozent  und  ein
ebensolches  von  136  400  £  zu  4  Prozent.  Das  erstere  war  während
der  Jahre  1781  bis  1799  angelegt  worden  und  hatte  2  012  557  rf
gekostet.  Im  Durchschnitt  entfielen  also  auf  100  £  Nominalkapital ­
  £  65.18.1 432 /499  bar  oder  403  rf  28  311 /499  Kr.  Beide
Kapitalien  waren  bei  der  Bank  von  England  deponiert  und  trugen
jährlich  20  426  £  Zinsen,  die  durch  das  Londoner  Bankhaus
P.  &amp;lt;L  C.  van  Notten  L  Co.  in  Empfang  genommen  wurden.  Ebenfalls
aus  der  Kriegskasse  stammte  ein  Kapital,  das  der  damalige  Prinz
von  Wallis  und  spätere  Prinzregent  von  England  (Regent  seit  1811,
dann  König  Georg  IV.  1820—1830)  unter  Bürgschaft  seines  Bruders
Friedrich,  Herzogs  von  York,  und  seines  Bruders  Wilhelm  Heinrich,
Herzogs  von  Clarence,  im  Jahr  1791  geliehen  hatte.  Es  betrug
650  000  rf  und  trug  Jüs  Prozent  Zinsen.  Im  Jahr  1798  hatte  derselbe ­
  Prinz  ein  neues  Kapital  von  40  000  £  zu  5  Prozent  geliehen.
Beide  Kapitalien  wurden  im  Jahr  1842  mit  allen  bis  zum  5.  Januar
dieses  Jahres  rückständigen  Zinsen  auf  £  225  361.8.11  abgeschlossen.
£  137111.  2.  3  betrug  der  Kapitalrest
„  83  575.  6.  8  die  rückständigen  Zinsen
„  4  675.—.—  der  Verlust  durch  entbehrte  Zinsen.
Sa:  £  225  361.  8.11
        <pb n="103" />
        95

Von  der  Gesamtsumme  wollten  übernehmen  und  mit  5  Prozent
verzinsen:
der  Prinzregent  .  ...  £  140000.—.—
der  Herzog  von  York  .  .  „  55  000.—.—
der  Herzog  von  Clarence  .  „  20  000.—.—
bar  sollten  bezahlt  werden  „  10361.  8.11
Sa. 151 :  £  225  361.  8.11
Außerdem  schuldete  der  Herzog  von  York  zur  Zeit  der  Okkupation ­
  dem  Kurfürsten  einen  Kapitalrest 162  von  £  11  666.13.4.
Die  Einnahmen  aus  diesen  englischen  Leihkapitalien  waren
zur  Exilzeit  recht  klein.  Der  Herzog  von  York  zahlte  nur  dann
und  wann  einmal  Zinsen,  auch  kleine  Kapitalabschläge,  der  Prinzregent ­
  zahlte  nur  während  der  Jahre  1812  und  1813  und  insgesamt
weniger  als  £  ,26  000.
Der  Kurfürst  hatte  nämlich  seinen  Londoner  Geschäftsträger
angewiesen,  jene  Forderungen  nur  mit  größter  Vorsicht  zu  betreiben.
Die  betreffenden  Personen  sollten  geschont  werden,  um  das  höhere
politische  Interesse  des  Fürsten,  seine  Restitution  mit  englischer
Hilfe,  nicht  zu  gefährden.  Anders  aber  verfuhr  man  mit  der
Beitreibung  einer  staatlichen  Schuld.  Die  kurfürstliche  Kriegskasse
hatte  nämlich  noch  einen  Rest  an  Subsidien-  und  Soldeigeldern
zugute.  Hiervon  ging  mehr  ein,  dank  der  Umsicht,  der  Klugheit
und  der  Zähigkeit  des  damaligen  Ministerresidenten  in  London,
des  Kriegsrats  Lorentz.  Dieser  hatte  seinen  Posten  im  Jahre  1803
angetreten.  Sein  Vorgänger,  der  völlig  ungeeignete  Generalmajor
von  Baurmeister,  hatte  diese  Sache  mit  unerhörter  Nachlässigkeit
behandelt.  Er  hatte  einfach  gar  nichts  getan.  Die  ihm  übermittelte
sog.  Extraordinarienrechnung,  welche  die  Aufstellung  der  außerordentlichen ­
  Kriegskosten  enthielt,  und  ebenso  die  Fouragedouceurgelderlisten
  fanden  sich  uneröffnet  in  seinem  Nachlaß.  Als  nun
Lorentz  nach  London  kam,  berechneten  die  englischen  Kontrolleure
das  Guthaben  der  kurfürstlichen  Kriegskasse  auf  rund  80  000  £.
Sie  ließen  es  aber  in  ihrem  Bericht  dahingestellt,  ob  dieses  Guthaben ­
  und  etwaige  andere  Forderungen,  die  man  stellen  werde,
mit  dem  Subsidientraktat  von  1793  und  den  englischen  Gesetzen
vereinbar  seien.  Durch  den  mit  der  französischen  Republik  am
28.  August  1795  in  Basel  geschlossenen  Frieden  habe  der  Kurfürst
jenen  Subsidientraktat  verletzt 153 .  Sie  stellten  die  Entscheidung
den  Lord  Commissioners  des  königl.  Schatzamtes  anheim,  und
        <pb n="104" />
        96

diese  hatten  die  Absicht,  ein  Gutachten  der  obersten  Justizstelle
einzuholen,  um  dem  Parlament  gegenüber  vor  aller  Verantwortlichkeit ­
  gesichert  zu  sein.
So  standen  die  Dinge  im  Jahre  1803.  Inzwischen  war  Lorentz
an  der  Arbeit  gewesen,  und  als  der  Kurfürst  vor  den  Franzosen
hatte  fliehen  müssen,  betrieb  er  bei  der  Tresorene  die  Abschlagzahlungen ­
  auf  die  Extraordinarienrechnung,  die  man  hessischerseits
auf  nahezu  127  000  £  festgesetzt  hatte,  mit  besonderem  Eifer
Er  wurde  dabei  von  Buderus,  dem  die  ganze  Vorbereitung  und
Formierung  der  Extraordinarienrechnung  oblag,  sachkundig  und
emsig  unterstützt.  Man  hatte  Erfolg.  Im  Jahre  1807  wurden
insgesamt  55  000  £  ausgezahlt,  im  Jahre  1810  45  150  £.  Aue
diese  Zahlungen  gingen  durch  die  van  Motten 154 .
Was  dem  Kurfürsten  von  dem  auf  dem  Festland  domizilierten
Vermögen  verloren  ging,  ist  bereits  oben  bei  Erzählung  der  Affäre
Lagrange  angedeutet  worden.  Außer  den  Schuldbriefen  zum  Verzeichnis ­
  der  11  Millionen  Taler  wurden  selbstverständlich  die  Barbestände ­
  der  herrschaftlichen  Kassen  von  den  Franzosen  beschlagnahmt. ­
  Ein  merkwürdiger  Fall  aber  hatte  es  gefügt,  daß  diese
Bestände  zu  jenem  Zeitpunkt  sehr  gering  waren.  Des  Kurfürsten
unrechtmäßige  Kinder,  die  Fiessenstein,  Heimrod  und  Haynau,  hatten
in  den  Jahren  1803  und  1804  um  einen  hohen  Preis  Guter  in
Mecklenburg  erworben.  Im  April  1806  nahm  der  Kurfürst  ihnen
diese  Güter  wegen  des  damit  verbundenen  Aufwands  wieder  ab
und  übergab  sie  der  Oberrentkammer  zur  Verwaltung.  Im  August
des  Jahres  1806  kaufte  die  Güter  der  Erblandmarschall  Graf
Karl  von  Hahn  zu  Remplin.  Der  Kaufpreis  von  700000  rf  wurde
aber  nicht  etwa  alsbald  ausgezahlt,  sondern  der  Graf  blieb  ihn
schuldig  und  verzinste  ihn  mit  3  Prozent.  Außerdem  wurde  zur
Bedingung  gemacht,  daß  dem  Grafen  Hahn  noch  obendrein  ein
Kapital  von  600  000  rf  zu  4°/o  geliehen  werde,  und  daß  alsbald
eine  Abschlagszahlung  hierauf  von  200  000  rf  in  Pistolen  ä  5  rf
erfolge.  Am  1.  August  war  die  Oberrentkammer  zur  Auszahlung
dieses  Betrages  von  200  000  rf  angewiesen,  sie  erborgte  ihn  beim
Oberkriegszahlamtsagenten  Michel  Simon  in  Kassel  und  hatte  ihn
am  1.  November  bis  auf  einen  Rest  von  8000  rf  wieder  abgetragen.
Der  seitens  der  Gräflich  Hessensteinschen,  von  Heimrod-  und  von
Haynauschen  Vermögensadministrationen  für  die  Güter  aufgewendete
Kaufpreis  war  von  den  herrschaftlichen  Kassen  ersetzt  worden.
        <pb n="105" />
        97

Die  sonst  noch  zur  Verbesserung  der  Güter  verwendeten  Summen
wurden  sogar  mit  Zinsen  zurückerstattet.  So  kam  es,  daß  zur
Zeit  der  Okkupation  die  Barbestände  der  kurfürstlichen  Kassen
nahezu  erschöpft  waren,  und  den  Franzosen  aus  diesen  Quellen
nur  wenig  zufließen  konnte.  Außerdem  aber  rettete  Buderus  von
den  verbliebenen  Kassenbeständen  und  den  um  die  Okkupationszeit ­
  fälligen  Einzahlungen 155  noch  fl  45  296.42.3.  Was  sonst  noch
von  dem  festländisch  domizilierten  Vermögen  gerettet  wurde,  zeigen
am  besten  die  in  Marburg  vorhandenen  Rechnungsbücher.
Buderus’  Rechnungen  sind  bis  zum  Jahr  1812  erhalten.  Sie
sind  nach  Jahrgängen  gebunden.  Auf  dem  Rücken  der  Bände
wurden  sie  zuerst  als  Reservekassenrechnung,  dann  als  Schatullkassenrechnung
  bezeichnet.  Keines  von  beiden  ist  zutreffend.  Buderus
selbst  bezeichnet  seine  Bücher  als  Rechnung  über  Einnahmen  und  Ausgaben, ­
  und  wir  zitieren  sie  demgemäßals  Buderus’Rechnung.  Sie  stellen
ein  Hauptbuch  dar,  aber  nur  für  das,  was  bei  Buderus  selbst  eingenommen ­
  und  ausgegeben  wurde,  mit  Einschluß  der  Einnahmen  und
Ausgaben  aus  englischen  Quellen.  Was  beim  Kurfürsten  eingenommen
und  ausgegeben  wurde,  figuriert  in  der  Reservekassenrechnung.
Diese  ist  in  Marburg  für  die  Zeit  vom  15.  November  1806  bis  Ende
1813  vorhanden.  Vom  15.  November  bis  24.  Dezember  1806  wurde
sie  von  Buderus  geführt,  dann  einige  Tage  vom  Registrator  Delbrück,
von  1807  bis  1813  von  Knatz 156 .
Der  Kurfürst  empfing  Gelder  zu  höchsteigenen  Händen  sowohl
aus  der  Reservekasse  wie  von  Buderus,  die  letzteren  entweder
direkt  oder  durch  Rothschilds  und  Lawätz’  Vermittlung.  Was  er
aus  der  Reservekasse  empfing,  war  zur  persönlichen  Verausgabung
bestimmt  und  figuriert  in  der  Reservekassenrechnung  als  Ausgabe.
Was  er  von  Buderus  oder  dessen  Agenten  empfing,  war  nicht  zur
persönlichen  Verausgabung  bestimmt  und  figuriert  in  der  Reservekassenrechnung ­
  als  Einnahme.  Diese  Aufbewahrungskasse  des  Kurfürsten ­
  wird  in  der  Reservekassenrechnung  als  Schatullkasse  bezeichnet. ­
  Wurden  Gelder  daraus  entnommen,  so  wurden  sie
selbstverständlich  in  der  Reservekassenrechnung  gebucht.  Der
Kurfürst  und  Knatz  teilten  sich  also  in  die  Aufbewahrung  der
Barvorräte  der  Reservekasse,  und  der  vom  Kurfürsten  aufbewahrte ­
  Teil  führte  den  Namen  Schatullkasse.  Zweifellos  hatte
der  vorsichtige  Herr  diese  Einrichtung  aus  Sicherheitsgründen  getroffen. ­

7
        <pb n="106" />
        Über  das,  was  der  Kurfürst  aus  der  Reservekasse  empfing,
führte  er  eigenhändig  Buch.  Diese  Sonderkasse  wird  hier  und  dort  als
Partikular-  oder  Partikulierkasse  bezeichnet.  Es  kam  auch  vor,  daß  aus
dieser  Partikulierkasse  der  Reservekasse  eine  Einnahme  zufloß 157 .
Was  die  Reservekasse  von  Buderus  empfängt,  ist  in  Buderus’
Rechnung  als  Ausgabe  gebucht.  Die  sonstigen  Einnahmen  der
Reservekasse  figurieren  nicht  bei  Buderus,  z.  B.  nicht  die  Zinsen  von
ausgeliehenen  Kapitalien.  Auch  waren  die  wenigen  zinstragenden
Kapitalien  der  Reservekasse  variabel.  Zum  Beispiel  werden  die
Zinsen  eines  Kapitalrestes  von  200  000  rf  bei  des  Königs  von
Dänemark  Majestät  zum  Teil  bei  der  Reservekasse,  zum  Teil  bei
Buderus  vereinnahmt.  Figurieren  sie  dort,  so  fehlen  sie  hier,  und
umgekehrt.  Um  also  die  Gesamteinnahmen  aus  solchen  Zinsen
oder  die  entsprechenden  Kapitalien  kennen  zu  lernen,  muß  man
die  betreffenden  Posten  bei  Buderus  und  bei  Knatz  vergleichen.
Die  Reservekassenrechnung  schließt  jedes  Mal  mit  dem  Kalenderjahr ­
  ab,  Buderus’  Rechnung  in  der  Regel  mit  dem  Kalendermonat.
Nur  das  Jahr  1807  bildet  bei  Buderus  eine  einheitliche  Rechnung,
die  auch  mißlicher  Umstände  wegen  und  trotz  des  fortgesetzten
Drängens  des  Kurfürsten  mehrere  Jahre  im  Rückstand  bleiben
mußte 158 .  Die  schwierigen  und  verwickelten  Verhältnisse,  die  den
Übergang  aus  der  Staatsverwaltung  in  eine  verzweigte  Privatverwaltung ­
  bezeichnen,  sind  hier  mit  meisterhafter  Klarheit  und
Durchsichtigkeit  dargelegt.  Aus  dieser  Jahresrechnung  und  der
Reservekassenrechnung  desselben  Jahres  ergibt  sich,  daß  damals,
alles  in  Reichstaler  umgerechnet  und  abgerundet,  folgende  festländischen ­
  Kapitalien  dem  Kurfürsten  verblieben  waren:
1.  von  ehemaligen  Kriegskassenkapitalien  7  467  000  Rtlr.;
2.  von  ehemaligen  Oberrentkammerkapitalien  2911000  Rtlr.;
3.  von  ehemaligen  Kapitalien  der  Hanauer  Kammerkasse
87  000  Rtlr.;
4.  von  ehemaligen  Kabinettskassenkapitalien  238  000  Rtlr.
Die  in  diesen  Summen  enthaltenen  Staatspapiere  sind  nach  dem
Nominalwert  berechnet.  Zu  den  geretteten  Kapitalien  der  Kriegskasse ­
  (2,59  Mill.  Rtlr.  Ankaufpreis  der  englischen  Annuitäten,
0,89  Mill,  bei  den  englischen  Prinzen  und  7,47  Mill,  festländische
Kapitalien)  kamen  noch  0,93  Mill.  Rtlr.  an  Pfandverbindlichkeiten,
die  weder  bei  Buderus  noch  bei  Knatz,  sondern  bei  Lennep  verrechnet ­
  wurden.  Der  Kurfürst  hatte  nämlich  den  Bankiers  Michel
        <pb n="107" />
        7*

99

Simon,  Herz  Meyer,  Nathan  Simon  Michel,  Meyer  Amschel  Rothschild
und  Rüppell  &amp;amp;  Harnier  Kapitalien  aus  der  Kriegskasse  gegen  Einlegung ­
  von  Staatspapieren  dargeliehen.  Auf  den  Oberkriegszahlamtsagenten ­
  Michel  Simon  entfielen  drei  Kapitalien  im  Gesamtbeträge
von  52  333 1 /8  rf,  außerdem  ein  Kapital  von  200  000  fl,  insgesamt
fl  293  351.21.1.  Auf  den  Kriegszahlamtsagenten  Herz  Meyer  und
den  Schutzjuden  Juda  Salomon  Abraham  entfielen  25  000  rf,  auf
den  Schutzjuden  Nathan  Simon  Michel  16  000  fl.  Auf  Rothschild
entfiel  ein  Kapital  von  160000  rf  und  eines  von  200000  fl,  zusammen
485  405  fl.  Auf  Rüppell  &amp;amp;  Harnier  entfielen  44  000  fl  auf  zwei
Wechsel  vom  Jahre  1799,  499  459  fl  28  kr  auf  einen  Wechsel  vom
Jahre  1802  und  300  000  fl  auf  einen  solchen  vom  Jahre  18  03  159 .
Um  diese  Darlehen  zu  retten,  traf  der  Kurfürst  am  13.  Dezember  1806
folgendes  Abkommen  mit  den  Schuldnern.  Durch  ein  auf  den
31.  Oktober  zurückdatiertes  Reskript  wurde  denselben  ihre  Pfandverbindlichkeit ­
  erlassen  und  über  die  bisherigen  Anleihen  quittiert.
Dagegen  sollte  ihnen  der  Betrag  ihrer  Schuld  in  besten  Staatspapieren ­
  abgenommen  werden,  die  geeignetenfalls  aus  den  Pfändern
zu  entnehmen,  im  Bedarfsfälle  aber  nachzuliefern  waren.  Acht
Prozent  der  Schuldsumme  nahm  der  Kurfürst  als  Provision  in
Anspruch.  Die  Sache  gelang.  Auf  einem  Fragebogen  des  Kurfürsten
vom  16.  März  1807  teilt  Lennep  mit,  daß  diese  Kapitalien  gerettet
seien,  daß  die  ein  Eigentum  des  Kurfürsten  gewordenen  Obligationen
teils  in  Kassel  teils  in  Frankfurt  zur  höchsten  Disposition  ‘bereit
lägen,  daß  außerdem  ein  Provisionsbetrag  von  ca.  120  000  fl  aufgebracht ­
  sei 160 .  Am  8.  September  1807  hatte  Lennep  von  den
übernommenen  oder  umgetauschten  Pfändern  fünf  Sendungen  dem
Kurfürsten  übermittelt,  so  daß  nur  noch  645  111  fl  zu  berichtigen
waren.  Bis  zum  5.  Juli  1811  hatte  er  vier  weitere  Partien,  insgesamt
639  400  fl  abgeliefert,  so  daß  nur  noch  5711  fl  und  einige  durch
genauere  Berechnung  entstandene  Zugänge  zu  berichtigen  blieben 101 .
Lennep  führte  über  diese  Sache  besondere  Rechnung.  In  der  obigen
aus  Buderus’  Rechnung  gezogenen  Aufstellung  sind  von  den  Lombardanleihen ­
  nur  die  16  000  fl  24  ff  mitgerechnet,  die  Nathan  Simon
Michel  geliehen  hatte  I6a .
In  Lagranges  Tableau  der  11  Mill.  Rtlr.  waren  etwa  8  Mill,
von  der  Kriegskasse  enthalten,  3  Mill,  von  der  Oberrentkammerkasse.
  Unter  den  Oberrentkammerkapitalien  befanden  sich  etwa
0,8  Mill,  inländische  und  ausländische  Nominalobligationen.  Diese
        <pb n="108" />
        100

Leihsummen  wurden  zum  größten  Teil  von  den  Franzosen  eingezogen. ­
  Die  Staatspapiere  jedoch  wurden  dem  Kurfürsten  gerettet,
und  zwar  nicht  nur  die  in  Lagranges  Tableau  enthaltenen,  sondern
auch  alle,  die  sonst  noch  der  Oberrentkammer  zukamen 163 .
Ziehen  wir  aus  alledem  das  Fach,  so  ergibt  sich,  wenn  man
nach  Millionen  Talern  rechnet,  für  den  Vermögensstand  des  Kurfürsten ­
  im  Jahre  1806  und  1807  folgendes  Bild:
Vermögensstand  Überbleibsel
Kriegskasse:  1806
Vorschüsse  an  das  Land  1,82
Englische  Annuitäten  .  2,59
Holländische  Bankokapitalien ­
  ....  0,28
Hin  und  wieder  ausgeliehene ­
  Kapitalien  .  16,00
Zinsfreie  Vorschüsse  .  0,12
Fräulein-Steuern  .  0,10
Ausleihe  aus  Karlshafer
Lazarettkasse  ,  .  0,11
Oberrentkammerkasse:
Staatspapiere  .  .  .  2,40
Sonstige  ausgeliehene
Kapitalien  ....  1,30
Hanauer  Kammerkasse:
Summe  der  ausgeliehenen ­
  Kapitalien  .  .  1,15
Kabinettskasse:
Summe  der  ausgeliehenen ­
  Kapitalien  .  0,28
Sa.:  26,15  15,12
Wenn  man  von  den  Vorschüssen  an  das  Land  absieht,  so
waren  also  den  Franzosen  Kapitalien  im  Betrag  von  rund
9,21  Mill.  Rtlrn.  in  die  Hände  gefallen.  Es  kam  auch  vor,  daß
von  den  geretteten,  d.  h.  den  im  Jahr  1807  als  gesichert  betrachteten ­
  Kapitalien  im  Laufe  der  Exilzeit  noch  der  eine  oder  andere
Posten  durch  das  eigentümliche  Verfahren  der  Brüder  Bonaparte
dem  Kurfürsten  entrissen  wurde.  Das  kam  so.  Beide  Bonaparte
hatten  viel  Geld  nötig,  wenn  auch  zu  sehr  verschiedenen  Zwecken.
Auch  genügten  ihnen  die  bloßen  Zinsen  nicht,  sie  strebten  nach

1807
2,59
Bei  den  englischen
Prinzen  ....  0,89
Pfandverbindlichkeiten ­
  ....  0,93
Sonstige  Festlandskapitalien ­
  .  .  -  7,47
2,40
0,51
0,09
0,24
        <pb n="109" />
        101

Abtragung  der  Kapitalien.  Nun  befanden  sich  aber  die  Originalschuldverschreibungen ­
  in  den  Händen  des  Kurfürsten,  und  die
Termine  der  Kapitalsrückzahlungen  verteilten  sich  auf  längere  Zeiträume. ­
  Napoleon  erließ  daher  ein  Dekret,  wonach  es  bei  Zurückerstattung ­
  der  Kapitalien  nicht  der  Originalschuldverschreibung
bedurfte.  Das  hätte  aber  natürlich  noch  nicht  genügt,  um  die
Masse  der  Schuldner  willfährig  zu  machen.  Dazu  bedurfte  es
stärkerer  Mittel.  Und  Napoleon,  der  auf  das  Niedrige  im  Menschen
baute,  hatte  sich  nicht  verrechnet,  als  er  auf  den  schlauen  Gedanken
verfiel,  sein  und  seines  Bruders  Interesse  mit  dem  der  Schuldner  zu
vereinen  und  die  letzteren  durch  Nachlaß  eines  Teiles  der  Leihsumme
zur  Zahlung  geneigt  zu  machen.  Jetzt  nahmen  viele  Schuldner,  besiegt
vom  Eigennutz,  Quittungen  auf  die  Totalsumme  an,  obgleich  sie  nur
einen  Teil,  oft  kaum  die  Hälfte  zurückgezahlt  hatten.  Unter  den
Herrscherhäusern  waren  es  meist  Rheinbundfürsten,  die  sich  auf  diese
Weise  mit  Napoleon  abfanden,  u.  a.  die  Häuser  Mecklenburg-Strelitz,
Waldeck,  Ysenburg,  Löwenstein-Werthheim,  Nassau-Usingen.  So  hatte
beispielsweise  der  Herzog  Karl  zu  Mecklenburg-Strelitz  im  Jahr  1797
eine  halbe  Million  Rtlr.  aus  der  hessischen  Kriegskasse  geliehen,  die  mit
3 1 /ä ll /o  verzinst  und  in  jährlichen  Stückzahlungen  von  10  000  Rtlrn.
zurückerstattet  werden  sollten.  Am  27.  Mai  1807  erfolgte  die  letzte
Zins-  und  Stückzahlung.  Die  Restschuld  von  400  000  Rtlrn.  wurde
an  Napoleon  entrichtet  unter  Zubilligung  eines  Nachlasses 164 .
Die  Fürsten  waren  mit  verhältnismäßig  hohen  Summen  beteiligt, ­
  sie  bildeten  aber  nur  einen  kleinen  Teil  der  Gesamtzahl
von  Schuldnern,  mit  denen  derartige  Abkommen  getroffen  wurden.
Das  Staatsarchiv  zu  Marburg  (Kabinett  111.  51  :  Acta  Generalia  betr.
1807—1811)  bewahrt  aus  Buderus’  Nachlaß  eine  Liste,  deren  Auslieferung ­
  in  Paris  Jakob  Grimm  vermittelt  hatte:  Etat  des  Debiteurs
de  S.  A.  R.  l’Electeur  de  Hesse,  qui  ont  et6  admis  ä  se  liberer
de  leurs  dettes  en  execution  des  Decret  et  Decision  du  30.  Janvier  1809,
et  30.  8Irr  1810.  Dort  sind  222  Schuldner  aufgeführt,  Herrscherhäuser, ­
  Gemeinden  und  Private.  Bei  jedem  ist  die  Ziffer  der
ursprünglichen  und  der  vereinbarten  reduzierten  Schuld,  sowie  die
bezahlte  und  die  noch  zu  bezahlende  Summe  angegeben.  Die
Schuldposten,  die  Napoleon  hier  in  Anspruch  nimmt,  belaufen  sich
in  ihren  ursprünglichen  Beträgen,  alles  in  Taler  umgerechnet,  auf
etwa  6,2  Mill.  Natürlich  muß  ein  großer  Teil  dieser  Ausstände  zu  dem
Tableau  der  elf  Millionen  Taler  gehört  haben,  und  die  Nutznießung
        <pb n="110" />
        102

vieler  von  diesen  Kapitalien  wurde  dem  Kurfürsten  nicht  erst  nachträglich, ­
  sondern  von  vornherein  durch  die  Franzosen  entzogen 165 .
Der  Zinsfuß  war  bei  den  Leihsummen  des  Festlandes  —
Partial-  und  Nominalobligationen  —  von  verschiedener  Höhe.  Nicht
ganz  die  Hälfte  der  Kapitalien  trug  4 1 /a  Prozent,  etwa  je  ein  Viertel
5  oder  4  Prozent,  einige  Male  kommen  3 1 /*  und  vereinzelt  6  Prozent
vor.  Zur  Verwaltung  der  Partialobligationen  muß  Buderus  ausreichende ­
  Nachweise  in  Händen  gehabt  oder  nötigenfalls  empfangen
haben.  Er  verfolgte  aufmerksam  die  Finanzberichte  der  Zeitungen,
forderte  regelmäßig  die  ablegbaren,  die  umzutauschenden,  die  mit
neuen  Zinskupons  zu  versehenden  Obligationen  ebenso  die  fälligen
Zinskupons  beim  Kurfürsten  ein  und  besorgte  das  Nötige.  Papiere,
die  gefährdet  erschienen,  wurden  nach  Möglichkeit  verkauft
oder  vertauscht.  Gewinne  auf  verloste  Obligationen^  wurden  von
ihm  eingezogen.  Die  Zinskupons  ließ  er,  soweit  es  die  Vorsicht
gebot,  in  kleinen  Partien  von  sechs  bis  acht  Stück  durch  vielerlei,
zum  Teil  völlig  unbekannte  Leute  einlösen.  Ein  gutes  Teil,  welches
in  den  Jahren  1806  und  1807  fällig  war  und  später  von  Lennep
geborgen  wurde,  hatte  er  noch  beim  Heranrücken  der  Franzosen
rechtzeitig  abgeschnitten.  Wenn  neue  Kuponbogen  zu  beschaffen
waren,  verfuhr  er  in  der  Weise,  daß  er  die  in  nächster  Zeit  fällig
werdenden  Kupons  gleich  zum  Einkassieren  zurückbehielt,  die  übrigen
an  den  Kurfürsten  sandte.  Auch  fuhr  er  etwa  acht  bis  zehn  Mal  im
Jahr  nach  Frankfurt,  nahm  in  Empfang,  was  Rothschild  für  ihn  vom
Kurfürsten  mitbrachte,  und  verweilte  oft  mehrere  Tage  daselbst 166 .
Einen  Überblick  über  alle  wesentlichen  Einnahmen  des  Kurfürsten ­
  geben  die  folgenden  Tabellen:

Einnahmen  in  fl  ermittelt  aus  Buderus’  Rechnung.

Jahr

Aus  den
Kassen  i
im  Lande

Zinsen  von
ausgeliehenen
Kapitalien

Abgetragene ­

Kapitalien

Außerordentliche ­

Einnahmen

Summen

1807

45296.42.3

1140208.17.3

248851.  4.1

(  465.49.21
\735474.  4.2)

2170295.58.3

1808

687754.10.3

198220.52.2

25515.  8  3

911490.12.—

1809

800517.29.1

292713.28  —

7613.17.2

1100844.14.3

1810

805591.34.3

158237.  6  —

423703.28.—

1387532.  8.3

1811

689576.35.'/-620800.—.—



46876.15.1

1357  252.50.1'/ 2

1812

—

687140.41.2

163555.13  —

5233.20.-855929.14.2



1807—12

|  45296.42.3

4810788/49.'/-1682377.43.3



1244881.23.2

7783344.39.'/-
        <pb n="111" />
        MM

K-Wr-r

—  103  —
Es  kam  vor,  daß  nicht  alle  verrechneten  Einnahmen  realisiert ­
  waren,  z.  B.  wenn  die  Kupons  nicht  eingelöst  wurden  oder
ein  Schuldner  mit  seiner  Zahlung  im  Rückstand  blieb.  Diese
Posten  wurden  unter  der  Rubrik  der  liquidierten  Ausstände
wieder  als  Ausgabe  verrechnet.  Die  Summe  dieser  liquidierten ­
  Ausstände  betrug  bei  Buderus  am  Ende  des  Jahres  1807:
fl  267  850.8.—.  Dieser  Posten  wurde  jedes  Mal  weiter  übertragen.
Gingen  Ausstände  ein,  so  wurden  sie  abgeschrieben,  kamen
neue  Ausstände  dazu,  so  wurden  sie  zugeschrieben.  Ende  1812
betrug  die  Summe  der  liquidierten  Ausstände  fl  119365.15.2.
Das  ist  demnach  alles,  was  in  den  Jahren  1807  bis  1812  von
den  bei  Buderus  verrechneten  Einnahmen  noch  nicht  eingegangen ­
  war.
Bei  den  Zinsen  des  Jahres  1807  sind  auch  solche  mitgerechnet, ­
  die  vor  dem  1.  Januar  dieses  Jahres  fällig  waren.
Bei  den  außerordentlichen  Einnahmen  figurieren  u.  a.  die  englischen ­
  Eingänge  auf  die  Extraordinarienrechnung,  die  8  Prozent
Provision  seitens  der  mit  Lombardanlehen  belasteten  Bankiers
und  das  zuweilen  nicht  unerhebliche  Aufgeld  von  verwechselten
Geldsorten.
Die  englischen  Einnahmen  sind  nämlich  in  obigen  Posten
regelmäßig  durch  Umrechnung  in  Gulden  mit  verrechnet.  Nur  drei
Posten  sind  in  englischer  Währung  aufgeführt  und  dienen  als
Ergänzungen  obiger  Tabelle  in  der  Rubrik:  Zinsen  von  ausgeliehenen
Kapitalien,  nämlich:
1811  Juli  £  16  888.15.—
1812  Juni  „  12  279.  7.6
1812  Juli 167  „  19067.  1.2
Auch  in  den  letzten  Monaten  des  Jahres  1806  stand
dem  Kurfürsten  noch  ein  nennenswerter  Barvorrat  bei  den
van  Notten  zur  Verfügung.  Am  31.  Oktober  empfängt  Meyer
Amschel  einen  Kreditbrief  auf  die  van  Notten  über  4500  £
—  45  737  fl  25  kr  und  im  Dezember  einen  solchen  über  16  700  £
—  169  736  fl  39  kr.
Einnahmen  ermittelt  aus  der  Reservekassenrechnung  (Knatz).
Der  Vorrat  bei  der  Reservekasse  betrug  Anfang  Januar  1807
7606  rf  I 3 /*  Sch.  Schlesw.-Holst.  Kurant.
        <pb n="112" />
        104

Zinsen  von  ausgeliehenen  Kapitalien.

Jahr

Rtlr.

g-Gr.


Hlr.

Schlesw.-Holst,

Kurant
tf  Sch.]  Pf

Wiener
Währung
Gulden  1  kr  |Pf.

Wiener
Bankozettel
Gulden  |  kr  |  Pf

Wiener
Einlösungsscheine ­

Gulden  j  kr  |  Pf.

1807

—

—

5353

30  —

1808

4000

—

—

1809

—

—

—

—

!

46413

12

3

—

—

—

—

—  —

1810

—

—

—

1

169827

27

1811

110

16

—

—

—

—

—

114736

41  3

25834

49  -/-1812



84

19

12 4 / 9

—

56113

35  —

1813

453

—

14-,9

—

58597

8

2

—

—  —

1807—1813

4648

12

io°/°

5353

30  |—

274837

48

1

114736

41

3

81948

24[  «,3

Abgetragene  Kapitalien.

Jahr

Rtlr.

g-Gr.


Hlr.

Schlesw.
Holst.
Kurant

Wiener
Währung

Wiener
Bankozettel

Wiener
Einlösungsscheine ­


rf

Sch.

Pf

Gulden

kr

Pf

Gulden

kr

pf

Gulden

kr  1  Pf.

1807

—

—

—

300

18

—

—

_

—

—

—

—

—  —

1808

—

1809

—

—

—

—

—

—

857

8

3

—

—

—

—

—  —

1810

1811

366

16

—

—

—

—

—

—

—

66500

—

—

33228

32  3'/-1812



31

20

3 5 /°

—

—

—

—

—

—

—

—

—

600

—

1813

58464

9

v/°

—

—

17000

—

—

—

—

—

,

1807—1813  58862

21

5 3 /°

300

18

—

17857

8

3

66500

—

—

33828  32;3 i /5

Außerordentlich  mit  Einschluß  des  Aufgeldes  von  verwechselten ­
  Geldsorten.

Jahr

Rtlr.

g-Gr.


Hlr.

Schlesw.
Holst.
Kurant

-

Wiener
Währung

Wiener
Bankozettel

Wiener
Einlösungsscheine ­


rf  ISch.jPf

Gulden

kr

Pf

Gulden

kr

pf

Gulden  |  kr

Pf.

1807

6772

28

1808

4965

—

—

15793

38

—

—

—

—

4132

i

—

—

—

1809

12958

4

—

—

—

—

3939

8

2

—

—

-

—

—

—

1810

583

10

—

—

—

—

3582

14

—

—

—

—

—

—

—

1811

329

18

IO 3 /-—



—

—

—

—

—

80005  16

—

340

—

—

1812

166

16

-

2436

45

2

1813

[2832
i  283

10  3”/,5
8  —

3147

11

—

—

—

—

—

—

1807—1813

22118

18

14 2 / 5

22566

18  —

10668  33  2

84137  17

Vs

2776

45

2
        <pb n="113" />
        105

Die  liquidierten  Rückstände  bei  der  Reservekasse  betrugen
Ende  1813  1858  Rtlr.  23  Gr.  7  Mir.  und  fl  90.16.2  Wiener
Währung.
Die  Einnahmen,  welche  der  Reservekasse  von  Buderus  zugingen, ­
  sind  hier  nicht  aufgeführt,  weil  sie  keine  Ergänzung  zu
den  in  Buderus’  Rechnung  vereinnahmten  Geldern  darstellen.  Sie
bilden  einen  Teil  der  von  Buderus  unter  der  Rubrik:  Ablieferungen
an  Se.  Kurfürstliche  Durchlaucht,  ausgeführten  Posten  und  sind
demgemäß  unten  bei  Buderus’  Ausgaben  S.  114  verzeichnet.
Ausgaben.
Die  regelmäßigen  Ausgaben  der  Exilzeit  erstreckten  sich
wesentlich  auf  die  Haus-  oder  Hofhaltung,  die  Besoldungen  oder
Pensionen  und  die  Deputatgelder.
Am  6.  Februar  1808  stellte  Knatz  zu  Itzehoe  einen  Etat  der
ständigen  und  unständigen  Monatsausgaben  auf.  Zu  den  unständigen
Ausgaben  rechneten:  Küche,  Mägdelohn,  Möbelmiete,  Unterhaltung
des  Gartens,  Arznei,  Wäsche,  Fourage  für  den  Marstall,  Holz-  und
Lichtbrand,  Wein  usw.  (zusammen  1050  Rtlr.);  ferner  Reisekosten,
Marstall,  neue  Sachen,  Garderobe,  Briefporto  und  Staffetten,
Livreen  und  Strumpfgeld,  Bücher,  Reparaturen  an  den  Gebäuden,
kleine  Ausgaben  usw.  Die  Gesamtsumme  dieser  Ausgaben  betrug ­
  in  schleswig-holsteinischem  Kurant  1517  Rtlr.  10  Sch.  Zu
den  ständigen  Ausgaben  rechneten  die  Gehälter  der  Offiziere,
Beamten,  Köche,  Lakaien  und  Reitknechte;  ferner  der  Gehalt
der  Reichsgräfin  von  Schlotheim  (400  Rtlr.),  des  Informators,  der
Gouvernante,  der  Kammerfrau  usw.  Die  Gesamtsumme  betrug  hier
1136  Rtlr.  18Vs  Sch.
Die  Hauptsumme  der  monatlichen  Ausgaben  betrug  also  bei
dieser  knappen  Aufstellung  2653  Rtlr.  28 1 /s  Sch.,  und  die  Jahresausgaben ­
  31  843  Rtlr.  4  Sch. 168 .  Die  Besoldungen  und  Pensionen
wurden  indes  ebenso  wie  die  Reise-  und  Zehrungskosten  nur  zum
Teil  aus  der  Reservekasse  bestritten.  Auch  Buderus  hatte  alljährlich ­
  erhebliche  Summen  für  diese  Zwecke  zu  verausgaben.
Einen  wesentlichen  Posten  bildeten  ferner  unter  den  laufenden
Ausgaben  die  Deputatgelder.  Sie  betrugen  in  den  letzten  Jahren
ca.  156  000  fl  im  Jahr.  Die  Kurfürstin  erhielt  jährlich  12  000  rf,
vom  Oktober  1807  ab  24  000  rf  oder  43  200  fl  24  ff.  Der  Kurprinz ­
  erhielt  ebenfalls  24  000  rf,  und  zwar  in  der  Währung  des
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        I

—  106  —
Landes,  worin  er  sich  aufhielt.  Vom  Monat  Juli  des  Jahres  1810
ab  erhielt  der  Kurprinz  eine  Zulage  von  jährlich  6000  rf  oder
10  800  fl  24  ff,  die  aber  vom  nächsten  Monat  ab  unter  dem  Titel
von  Nadelgeldern  direkt  an  die  Kurprinzessin  abgeführt  wurden.
Die  Landgrafen  Karl  und  Friedrich  empfingen  jährlich  jeder  9000  rf 16S&amp;gt;
oder  16  200  fl  24  ff  und  außerdem  6000  rf  in  niederhessischer
Währung.  Die  letzteren  wurden  erst  im  Juli  1808,  soweit  sie  noch
rückständig  waren,  nachgezahlt  und  dann  regelmäßig  jeden  Monat
weiterentrichtet.  Die  Reichsgräfin  von  Schlotheim  erhielt  anfangs
3000  Rtir.,  vom  September  1907  ab  jedoch  4800  Rtlr.  Ihr  Deputat
wurde  von  Knatz,  wie  unten  ersichtlich,  anfangs  unter  der  Rubrik
Besoldungen  und  Zulagen  und  erst  vom  Jahr  1911  ab  unter  der
richtigen  Bezeichnung  verrechnet.  Solange  Lawätz  als  Rechnungsführer ­
  beteiligt  war,  gingen  auch  durch  seine  Hand  Deputatgelder,
zum  letzten  Mal  für  den  Monat  Januar  1809.  Diese  Gelder  figurieren
aber  in  Buderus’  Rechnung  nicht  unter  der  Rubrik  Deputatgelder, ­
  sondern  wie  alles,  das  sonst  noch  durch  Lawätz  Hand
ging,  unter  der  Bezeichnung:  Ablieferungen  an  Se.  Kurfürstliche
Durchlaucht.
Zu  diesen  Ausgabeposten  gesellen  sich  bei  der  Reservekasse
noch  diejenigen  Gelder,  die  der  Kurfürst  zu  höchst  eigenen  Händen,
d.  h.  in  diesem  Fall  zur  Verausgabung  empfing,  sowie  die  Aufwendungen ­
  für  gnädigste  Geschenke  und  für  sonstige  außerordentliche ­
  Zwecke,  die  sowohl  durch  Knatz  wie  durch  Buderus  aufgebracht ­
  wurden.
Dazu  kamen  Geldaufwendungen  besonderer  Art,  die  in  ihrer
Gesamtsumme  ungefähr  ebenso  schwer  wiegen  wie  die  laufenden
persönlichen  und  sachlichen  Ausgaben.
ln  Itzehoe  hatte  der  Kurfürst  ein  Haus  für  16  000  Rtlr.  gekauft,
für  das  beim  Wegzug  aber  nicht  viel  mehr  als  die  Hälfte,  nämlich
7000  rf  schleswig-holsteinisch  Kurant  gelöst  wurden 1 ' 0 .  Erheblich
mehr  kosteten  die  Grundstücke  in  Böhmen.  Am  31.  Dezember  1813
erhielt  das  Haus  Rothschild  den  Auftrag,  diese  Grundstücke  wieder
zu  verkaufen,  und  Knatz  fertigte  ihm  eine  Aufstellung  aus  über
die  Anschaffungs-  und  Meliorationskosten.  Das  Palais  in  Prag
hatte  mit  Unkosten  48112  fl  gekostet,  der  Garten  bei  Bubenetz
17  706  fl  50  kr,  der  Meyerhof  Zatory  bei  Bubenetz  37  205  fl  30  kr,
alle  drei  Grundstücke  zusammen  ohne  die  Unterhaltungskosten
103  024  fl  20  kr 171 .
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        107

Zahlreiche  hessische  Offiziere,  die  sich  geweigert  hatten,  den
Franzosen  dienstbar  zu  sein,  und  die  man  dafür  in  Luxemburg
und  Metz  gefangen  hielt,  ebenso  die  Offiziere,  die  unversorgt  im
Lande  geblieben  waren,  und  die  105  Unteroffiziere,  gemeine  Soldaten
und  sonstigen  Untertanen,  die  sich  in  Besangon  in  Gefangenschaft
befanden,  erhielten  Unterstützungen  im  Gesamtbeträge  von  nahezu
88  000  fl.  Diese  Summe  wurde  teilweise  durch  den  Kriegszahlamtsagenten ­
  [Amschel]  Rothschild  in  Kassel  ausbezahlt.  Das  war  im
Jahr  1807. 172  In  dasselbe  Jahr  und  in  das  Jahr  1809  fallen  die
großen  Aufwendungen,  welche  die  Wiedererlangung  des  erreichbaren
Vermögens,  der  Archivalien  und  des  verlorenen  Landes  bezweckten.
Lagrange  erhielt  für  die  Freigabe  der  in  Wilhelmshöhe  versteckten
Kisten  260  000  Livres  und  seine  Frau  ein  Kollier  für  8500  rf.  Für
Freigabe  der  beim  österreichischen  Gesandten  von  Wessenberg
verwahrten  Sachen  erhielt  Lagrange  außerdem  48  000  Livres.  Die
Weiterbeförderung  der  Kisten  durch  den  Hauptmann  Mensing  kostete
500  rf.  Dann  folgte  die  zweite  Bestechungsaffäre  mit  Lagrange,
die  mit  700  000  Livres  oder  364  000  fl  38  kr  bestritten  wurde.
Die  Gesamtsumme  der  Bestechungsgelder  betrug  samt  Unkosten
535  585  fl  24  ff 173 .
Für  die  Wiedererlangung  des  verlorenen  Landes  wandte  der
Kurfürst  erhebliche  Summen  auf,  meist  ohne  Nutzen.  Unter  den
Beratern  des  Fürsten  befand  sich  kein  ausgesprochener  Politiker,
und  hatte  einer  einmal  einen  guten  Gedanken,  wie  z.  B.  Geylingen,
so  fehlte  es  ihm  doch  an  Stärke,  um  sich  bei  dem  wunderlichen
Herrn  durchzusetzen  oder  ihn  zu  energischem  Vorgehen  zu  zwingen.
Dem  Kurfürst  selbst  mangelte  erst  recht  politische  Einsicht  und
politische  Fähigkeit,  besonders  aber  Entschlossenheit  und  Menschenkenntnis. ­
  Die  ganze  Zeit  bis  zur  Errichtung  des  Königreichs
Westfalen  ist  ausgefüllt  von  planlosen  Unternehmungen.
Der  größte  Reinfall  war  der  mit  dem  französischen  Gesandten
Bourienne  in  Hamburg.  Am  28.  Dezember  1806  wurde  mit  ihm
durch  den  Fürsten  Wilhelm  von  Wittgenstein  eine  Negoziation  zur
Wiedererlangung  Kurhessens  abgeschlossen,  und  es  wurden  darauf
alsbald  200  000  rf  in  Laubtalern  zu  1  rf  13  g.Gr.  oder  fl  356756.45.1
24  ff  bezahlt.  Außerdem  erhielt  Bourienne  noch  eine  weit  größere
Summe  zugesichert,  deren  Bezahlung  nach  geschehener  Besitzergreifung ­
  stattfinden  sollte 174 .  Am  15.  April  1807  berichtete
Bourienne  an  Wittgenstein,  der  damals  sich  in  Altona  befand  und
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        mit  den  Franzosen  äußerlich  gute  Beziehungen  unterhielt,  daß
nunmehr  der  Zeitpunkt  gekommen  sei,  wo  er  es  wagen  dürfe,
sich  im  Interesse  des  Kurfürsten  direkt  bei  Napoleon  zu  verwenden,
und  daß  er  einen  entsprechenden  Antrag  von  jener  Seite  erwarte.
Diesen  Auftrag  unterschlug  aber  Wittgenstein  dem  Kurfürsten  und
hatte  auch  noch  die  Schamlosigkeit,  sich  bei  seinem  König  mit
diesem  Verhalten  zu  brüsten 175 .  Der  Erfolg  wäre  natürlich  auch
ohne  das  ausgeblieben,  aber  der  Kurfürst  war  damit  noch  lange
nicht  genügend  ernüchtert,  um  zu  einer  klaren  Beurteilung  seiner
Lage  durchzudringen.  Wie  er  im  Sommer  1806  durch  seine
schwankende  Unentschlossenheit  das  Schicksal  seines  Landes  verschuldet ­
  hatte,  so  blieb  er  auch  jetzt  töricht  genug,  um  bald  auf
französischer,  bald  auf  englischer  Seite  oder  sonstwo  Fühlung  und
Unterstützung  zu  suchen.  Einen  einzigen  Weg  betreten,  diesen
aber  mit  allen  Mitteln  und  mit  zäher  Ausdauer  verfolgen,  war  nicht
seine  Sache.
Jene  Aktion  mit  Bourienne  war  aussichtslos  und  hätte  nicht
unternommen  werden  sollen.  Sie  war  aber  auch  eigentlich  noch
gar  nicht  zu  Ende  geführt,  als  der  Kurfürst  zu  einem  kostspieligen
und  ebenfalls  aussichtslosen  Unternehmen  nach  anderer  Richtung
schritt  und  sich  dabei  wiederum  des  Höflings  Wittgenstein  bediente 176 .
In  seinem  Notizbuch  schreibt  er  über  diese  im  übrigen  nicht  ganz
aufgeklärte  Sache:  „Im  April  1807  wurde  Fürst  Wittgenstein  nach
London  gesandt  [um  für  die  Wiedererlangung  Kurhessens  zu
wirken],  und  da  er  im  April  zu  früh  herausgekommen,  durch  Versicherung ­
  des  ihm  vorher  abgeschlagenen  Plettenbergschen  Anlehens
ä  310  000  Tlr.  vermocht,  wieder  zu  retournieren  und  vorher  nach
Rußland  zu  reisen.  Sobald  er  die  310  000  Tlr.  gezogen  hatte,  zog
er  sich  heraus  und  hat  noch  keinen  Heller  Zinsen  gezahlt.“  Es
war  dies  eines  derjenigen  Geschäfte,  die  Lennep  übertragen  waren,
und  der  hatte  regelmäßig  Pech.  Wittgenstein  hatte  schon  früher
100  000  Tlr.  auf  jenes  Anlehen  erhalten,  und  erhielt  jetzt  einen
neuen  Vorschuß  von  210  000  Tlrn.  Es  geschah  dies  durch  Hergäbe ­
  von  Obligationen,  die  vorzugsweise  durch  Meyer  Amschel
Rothschilds  Hand,  zum  kleinen  Teil  auch  durch  Goldschmidts  und
Michel  Simons  Hand  gingen.  Wittgenstein  hatte  ausdrücklich
gewünscht,  daß  sein  Antrag  in  der  Plettenbergschen  Angelegenheit
nicht  Buderus,  sondern  Lennep  zur  Begutachtung  vorgelegt  werde,
denn  Buderus  durchschaute  den  Mann  schon  lange  und  wurde
        <pb n="117" />
        109

deshalb  von  ihm  gefürchtet.  Der  Kurfürst  aber  glaubte,  Wittgenstein
nicht  entbehren  zu  können,  und  ging  auf  seine  Vorschläge  ein
ungeachtet  der  Warnungen  und  Ratschläge,  die  Büderus  auch  bei
dieser  Gelegenheit  äußerte 177 .
Wir  haben  es  hier  nämlich  mit  jenem  Wittgenstein  zu  tun,
von  dem  der  Freiherr  vom  Stein  in  seinen  Lebenserinnerungen 178
eine  kurze,  aber  scharfe  Charakteristik  gibt:  „Fürst  Wittgenstein
besaß  alle  Eigenschaften,  um  ohne  Kenntnisse,  inneren  Gehalt  und
Tüchtigkeit  sich  eine  vorteilhafte  Stellung  im  Leben  zu  verschaffen;
schlau,  kalt,  berechnend,  beharrlich,  bis  zur  Kriecherei  biegsam.
Auf  ihn  paßte  die  Maxime:  qu’un  vrai  courtisan  doit  6tre  sans
honneur  et  sans  humeurs,  er  strebte  nach  Geld  und  nach  geheimem
Garderobeneinfluß.  Er  begann  seine  Laufbahn  am  Hofe  Karl
Theodors,  bei  den  Spielpartien  der  Antichambre,  dann  eine  Verbindung ­
  mit  der  Äbtissin  von  Lindau,  dessen  natürlicher  Tochter,
suchend,  bald  darauf  1792  nach  einem  Beschluß  der  zur  Wahl
Franz  II.  versammelten  kurfürstlichen  Gesandten  in  Ehrenbreitstein,
wegen  verdächtiger  Verbindung  mit  dem  französischen  Gesandten
in  Mainz  verhaftet,  entlassen,  Oberhofmeister  der  verstorbenen
Königin,  Gesellschafter  der  Madame  Rietz,  ihr  Begleiter  nach  Italien,
Gesandter  nach  Kassel,  Chef  eines  Bankierhauses,  zu  dem  er  sich
vom  Kurfürsten  die  Fonds  verschaffte  unter  Garantie  seines  älteren
Bruders,  Vertrauter  des  Grafen  Haugwitz  und  Herrn  von  Hardenberg,
dem  er  Geld  vorschoß,  Entrepreneur  des  Plettenbergischen  Konkurses,
den  er  noch  mehr  verwirrte.  Nach  der  Schlacht  von  Auerstädt
hielt  er  sich  bald  in  Hamburg  auf,  wo  er  eine  Verbindung  mit
Bernadette  anzuknüpfen  suchte,  bald  in  Königsberg,  wo  er  sich
mir  zu  nähern  suchte.  Durch  das  erwähnte  Anleiheprojekt  [Preußens
mit  Kurhessen  gegen  Verpfändung  oder  Verkauf  von  Domänen,
das  Fürst  Wittgenstein,  um  sich  geltend  zu  machen,  vorschlug],
das  der  Kurfürst  aber  nie  einzugehen  und  seine  in  England  sicher
stehenden  Fonds  auf  dem  festen  Land  im  Preußischen  anzulegen
gesonnen  war,  wie  ich  ‘in  der  Folge  in  Prag  von  seinen  Geschäftsleuten ­
  erfuhr.  Ich  sandte  den  Präsidenten  von  Vincke  mit  den
Domänenanschlägen  an  den  Kurfürsten  nach  Kiel,  Wittgenstein
bewog  ihn  aber  bei  der  Durchreise  durch  Hamburg,  ihm  alle
Papiere  abzugeben,  um  die  Erdichtung  zu  verbergen.“
Der  Freiherr  vom  Stein  hatte  ein  starkes  Vorurteil  gegen  alle
Personen,  die  eine  glatte  Außenseite  zur  Schau  trugen.  Im  wesent-
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        lichen  aber  wird  seine  Charakteristik  Wittgensteins  zutreffen.  Ihr
entspricht  ja  auch  das  Verhalten  dieses  Mannes  dem  Kurfürsten
gegenüber.  Denn  im  preußischen  Interesse  wünschte  Wittgenstein,
daß  der  Kurfürst  mit  Napoleon  nicht  ins  Einvernehmen  gelangte,
und  das  war  der  Grund,  weshalb  seine  Unterhandlung  mit  Bourienne
nicht  aufrichtig  gemeint  war.  Zur  Ablenkung  hatte  er  die  Sendung ­
  nach  London  angeregt,  die  er  noch  dazu  in  seinem  Geldinteresse ­
  mißbrauchte.  Der  Kurfürst  jedoch  war  durch  die  Mißerfolge
mit  diesem  Mann  nicht  klüger  geworden.  Er  fiel  noch  einem
Abenteurer  in  die  Hände,  um  sein  Heil  jetzt  wieder  mit  Frankreich
zu  versuchen  179 .
Daß  er  von  französischer  Seite  nichts  zu  erwarten  hatte,
mußte  ihm  eigentlich  klar  sein.  Napoleon  und  Lagrange  hatten
es  frühzeitig  und  deutlich  genug  ausgesprochen,  daß  das  hessische
Fürstenhaus  endgültig  abgesetzt  sei.  Und  als  der  hessische  Soldatenaufstand ­
  unterdrückt  und  bestraft  war,  erließ  Lagrange  am
18.  Februar  1807  an  die  Bewohner  und  Soldaten  von  Hessen  eine
warnende  Proklamation,  die  in  den  Worten  gipfelte:  „Rechnet  nicht
mehr  auf  Euern  Fürsten,  er  und  sein  Haus  haben  aufgehört  zu
regiren.  Dies  ist  eine  Wahrheit,  die  ich  Euch  schon  angekündigt
habe,  und  die  ich  heute  noch  einmal  bekräftige.“  Noch  dazu  hatte
der  treue  Diener  Buderus  aus  des  Kaisers  eigenem  Munde  die
Worte  vernehmen  müssen,  daß  der  Kurfürst  niemals  wieder  in  sein
Land  eingesetzt  werde.  Am  24.  Juli  1807  kam  nämlich  Napoleon
durch  Gelnhausen.  Buderus  hatte  zeitig  den  dortigen  Amtmann
Weil  und  mehrere  Schultheißen  und  Landschöffen  aus  nahegelegenen
Ortschaften  veranlaßt,  dem  Kaiser  bei  dieser  Gelegenheit  eine  Vorstellung ­
  zu  überreichen  und  um  Wiedereinsetzung  des  Kurfürsten
zu  bitten.  Napoleons  Antwort  lautete:  „Jamais,  Jamais!“  Als  er
später  vor  dem  Nürnberger  Tor  in  Hanau  ankam,  wurden  ihm  die
Schlüssel  zu  den  Stadttoren  auf  einem  Kissen  überreicht.  Er  nahm
sie  indessen  nicht  an,  sondern  antwortete:  „Gebt  sie  Euerem  neuen
Landesherrn,  welchen  ich  ehestens  bestimmen  werde.  Der  Kurfürst ­
  hat  sich  immer  feindlich  gegen  mich  betragen.  Er  hat  nichts
zu  erwarten.“  Am  folgenden  Tag  berichtete  Buderus  den  ganzen
Hergang  seinem  Fürsten.  Einen  Monat  später  begann  dieser  seine
neue  Aktion  mit  Frankreich 180 .
Ein  Industrieritter  namens  Baron  von  Wächter,  geheimer  Rat
und  Kammerherr,  trat  mit  neuen  Vorschlägen  an  den  Kurfürsten
        <pb n="119" />
        —  111  —
heran.  Dieser  sowohl  wie  sein  Bruder,  der  Landgraf  Karl,  ein
edelgesinnter,  intelligenter,  aber  leichtgläubiger  General,  fielen  auf
den  Schwindler  hinein.  Im  September  1807  kam  Wächter  von  Paris
nach  Itzehoe,  konferierte  mit  dem  Kurfürsten  und  später  auch  mit
dem  Landgrafen.  Nach  seinen  Angaben  interessierten  sich  Laetitia
Bonaparte,  Murat,  Großherzog  von  Berg,  und  der  Polizeiminister
Louche  in  Paris  für  das  Schicksal  des  Kurfürsten.  Dieser  erklärte
sich  bereit,  falls  Napoleon  ihm  sein  Land  zurückgehen  wolle,
vier  Millionen  Livres  zu  zahlen,  und  zwar  alle  drei  Monate  vom
Datum  der  Restitution  an  je  eine  Million.  Falls  Napoleon  gar  des
Kurfürsten  Staaten  vergrößern  und  ihn  zum  König  erheben  wolle,
so  werde  er  kein  Bedenken  tragen,  sein  Geldopfer  entsprechend
zu  erhöhen.  Habe  es  Wächter  durch  seine  Beziehungen  zu  ‘den
drei  genannten  Personen  dahin  gebracht,  daß  innerhalb  der  nächsten
vier  Wochen  jede  feindselige  Maßnahme  aufhöre  oder  zurückgenommen ­
  werde,  daß  ferner  der  Kurfürst  alsbald  durch  einen
kaiserlichen  Befehl  volle  Sicherheit  für  seine  Person  und  für  das
wenige  Gut,  das  ihm  verblieben  sei,  zugebilligt  erhalte,  und  daß
jede  vom  Kurfürsten  bevollmächtigte  Person  sich  in  Paris  aufhalten
dürfe,  so  wolle  der  Kurfürst  eine  Abschlagszahlung  von  100  000
franz.  Livres  Order  Wächter  in  Paris  leisten.  Auf  dieser  Grundlage ­
  wollte  Wächter  einen  Vertrag  in  die  Wege  leiten,  verlangte
aber  im  voraus  die  100  000  Livres.  Hierbei  hätte  der  Kurfürst
einsehen  müssen,  daß  die  Sache  faul  sei.  Er  kannte  ja  Wächter
schon  lange  und  hatte  bereits  üble  Erfahrungen  mit  ihm  gemacht.
Wächter  war  dänischer  Gesandter  in  Frankfurt  a.  M.  gewesen,  hatte
im  Jahre  1784  den  Hessischen  Hof  zu  einer  Anleihe  von  1  200000  Tlrn.
vermocht  und  war  schon  bei  dieser  Gelegenheit  mit  dem  in  Hanau
residierenden  Erbprinzen  in  Verbindung  getreten.  Die  Zinszahlungen
für  jene  Anleihe  hatte  der  Gesandte  anfangs  selbst  zu  vermitteln,
erhielt  auch  von  seiner  Behörde  jedes  Mal  rechtzeitig  die  nötigen
Rimessen,  zahlte  seinerseits  aber  unpünktlich.  Im  Jahre  1792  mißbrauchte ­
  er  den  Kredit  seiner  Regierung  in  dem  Maße,  daß  er  mit
32  000  Tlrn.  Zinsen  dauernd  im  Rückstand  blieb.  Als  im  folgenden
Jahre  zugleich  mit  den  neuen  Zinsen  eine  Kapitalrückzahlung  von
300  000  Tlrn.  fällig  wurde,  hatte  der  hessische  Landgraf  sich
bereits  an  den  Grafen  Bernstorff  gewandt,  und  beide  Zahlungen
wurden  infolgedessen  den  Gebrüdern  Bethmann  übertragen.  Die
rückständigen  32  000  Tlr.  aber  blieben  aus.  Sie  waren  auch  nicht
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        112

einzubringen,  als  das  Kasseler  Oberkriegszahlamt  unterm  19.  Juli  1793
an  das  Königliche  Bank-Comtoir  in  Copenhagen  ein  Pro  Memoria
gerichtet,  und  der  hessische  Landgraf  sich  von  neuem  an  Bernstorff
und  außerdem  an  den  dänischen  Kronprinzen  gewandt  hatte.
Wächter,  dessen  Wechsel  in  Frankfurt  protestiert  waren,  wurde
zwar  zufolge  Allerhöchster  Resolution  von  seiner  Behörde  ernstlich
angehalten,  den  Rückstand  zu  berichtigen,  er  tat  es  aber  nicht.
Nach  Ablauf  des  Jahres  1793  mußten  die  Bethmann  auch  diesen
Posten  ausgleichen,  weil  man  den  Landgrafen  nicht  noch  länger
hinhalten  wollte.
Ungeachtet  dieser  Vorkommnisse  bewilligte  der  Kurfürst  dem
Wächter  nicht  zwar,  wie  er  verlangte,  100  000,  wohl  aber  50  000  Livres,
die  er  unterwegs  bei  Buderus  in  Empfang  nehmen  sollte.  Noch
ehe  aber  diese  Summe  zur  Auszahlung  gelangte,  waren  dem
schwankenden  Fürsten  wieder  Zweifel  aufgestiegen.  Er  sandte  am
22.  September  durch  Staffelte  einen  Brief  an  Buderus  und  forderte
ihn  auf,  nicht  die  ganze  Summe  auszuzählen,  sondern  Geldmangel
vorzuschützen.  Was  er  dem  Kammerherrn  abziehe,  sei  gewonnen.
Nur  dürfe  man  ihn  nicht  vor  den  Kopf  stoßen,  weil  er  große
Namen  nenne.  Buderus,  ein  Meister  in  solchen  Dingen,  brachte
den  Baron  wirklich  auf  30  000  Livres  herab,  die  fl  14  229.45.—
kosteten,  und  behielt  des  Kurfürsten  Anweisung  über  50  000  Livres
zurück.  Buderus  kannte  seinen  Mann.  Er  benachrichtigte  noch
Lawätz  und  ersuchte  ihn,  falls  Tratten  vom  Baron  Wächter  für
Buderus’  Rechnung  vorkommen  sollten,  dieselben  nicht  zu  verehren.
Von  irgendeinem  Erfolg  Wächters  ist  natürlich  keine  Rede  mehr.
Zwar  stellte  sich  der  Baron  noch  ein  Mal  ganz  unerwartet  ein,
am  1.  Januar  1808,  und  suchte  den  Kurfürsten  zu  neuen  Aufwendungen ­
  zu  veranlassen.  Er  gab  an,  daß  er  zu  den  empfangenen
30  000  Livres  sich  noch  20  000  auf  seinen  Kredit  verschafft  habe,
und  diese  Summe  von  50000  Livres  habe  Laetitia  Bonaparte
empfangen.  Alle  drei  Personen  seien  böse,  weil  die  Testierenden
50  000  Livres  nicht  ausgezahlt  seien.  Doch  werde  sich  alles  noch
arrangieren  lassen.  Der  Kurfürst  war  jedoch  inzwischen  ein  wenig
klüger  geworden  und  ließ  sich  außer  einer  Bewilligung  von  200  Ldors
auf  keine  weiteren  Geldopfer  ein.  Kurz  bevor  er  mit  Wächter
verhandelte,  hatte  er  nämlich  den  Geheimen  Rat  von  Geylingen
nach  Paris  gesandt,  auch  diesen  mit  dem  Auftrag,  für  das  Interesse
seines  Landesherrn  daselbst  zu  wirken.  Geylingen  aber  hatte  den
        <pb n="121" />
        8

113

~~  -  -
V

Kurfürsten  dahin  aufgeklärt,  daß  Wächter  kein  Ansehen  und  kein
Vertrauen  genoß.
In  Paris  waren  um  jene  Zeit  auch  der  Legationssekretär
Karcher  (Gehalt  3000,  später  6000  L.  jährlich)  und  der  dänische
Gesandte  von  Dreyer  für  den  Kurfürsten  tätig.  Die  Sendung
Geylingens  gehörte  zwar  nicht  zu  den  kostspieligen  Unternehmungen, ­
  —  seine  Diäten  betrugen  nur  3  Carolin  pro  Tag  ,
sie  beweist  aber  im  Zusammenhang  mit  den  übrigen  Maßnahmen,
wie  schwer  der  Kurfürst  zu  nüchternem  Verständnis  seiner  Lage
zu  bringen  war.  Erst  das  Inkrafttreten  des  Königreichs  Westfalen
war  ihm  eine  Tatsache  von  genügender  Deutlichkeit,  um  seine
bisherige  unpolitische  Politik  wenigstens  allmählich  fallen  zu
lassen 181 .
Mehr  Sinn  und  Verstand  hatte  es,  daß  er  in  den  kommenden
Kriegsjahren  die  Gegner  Napoleons  mit  Truppen  oder  Geld  unterstützte. ­
  Als  der  Krieg  zwischen  Napoleon  und  Österreich  ausbrach,
stellte  er  im  April  1809  auf  eigene  Kosten  ein  Truppenkorps  auf.
Es  zählte  2438  Mann  und  333  Pferde  (nach  Varges  1333  Mann
und  406  Pferde.  Zs.  31,  S.  98)  und  kostete  622  895  fl  9 l le  kr  in  Wiener
Banknoten  (127773  rf  8  Gr.  Conv.  M.),  wovon  später  161  213  fl  35  kr
durch  kaiserlichen  Erlaß  ersetzt  wurden.  Die  Mauptsumme  der
Kosten  wurde  durch  Rothschild  vermittelt.  Am  24.  April  1809  mußte
er  dem  Kurfürsten  200  000  fl  W.  W.  (107  608  fl  42  kr  24  ff)  gegen
eine  Verzinsung  von  4°/o  vorschießen,  am  17.  Juli  fl  23  159.30  W.  W.
(11  076  fl  17  kr  24  ff),  am  14.  September  30  000  fl  W.  W.  (13  619  fl
52  kr  24  ff)  und  am  1.  November  80  000  fl  W.  W.  (34  640  fl  44  kr  24  ff).
Außerdem  hatte  Rothschild  von  den  im  Besitz  des  Kurfürsten  befindlichen ­
  k.  k.  österreichisch-Bethmännischen  und  Hofkammerobligationen ­
  je  100  000  fl  zu  verkaufen.  Erstere  brachten  ä  60°/o
60  000  fl,  letztere  ä  56°/o  56  000  fl  in  Wiener  Bankozetteln  ein.  Aus
der  Reserve-  bzw.  Schatullkasse  wurden  für  Kriegszwecke  25  Rtlr.
und  fl  26  663.36.3  W.  W.  entnommen.
AIs  im  Dezember  das  Korps  wieder  aufgelöst  werden  mußte,
verkaufte  man  die  noch  vorhandenen  Pferde  und  sonstigen  Überbleibsel. ­
  Es  war  aber  nicht  mehr  viel  da  zum  Verkaufen.  Nachlässigkeit, ­
  Treulosigkeit  und  Habsucht  bei  den  Offizieren,  Mangel
an  Manneszucht  bei  den  Truppen  hatten  es  verschuldet,  daß  der
Kurfürst  um  mehr  als  100  000  fl  bei  dieser  Gelegenheit  geschädigt
wurde  m .
        <pb n="122" />
        114

Als  im  Jahr  1813  die  Rüstungen  gegen  Napoleon  begannen,
übernahm  der  Kurfürst  die  Verpflichtung,  200  000  rf  zur  russischen
und  preußischen  Kriegsoperationskasse  zu  zahlen.  Der  Vorrat  der
Reservekasse  bestand  damals  fast  nur  aus  Gold,  und  dieses  sollte
für  unvorhergesehene  Fälle  reserviert  bleiben.  Infolgedessen  wurde
Buderus  beauftragt,  die  schuldige  Summe  bestens  aufzunehmen
und  nach  Prag  zu  übermachen.  Buderus  gelang  es,  ungeachtet
der  allgemeinen  Geldnot  durch  das  Haus  Rothschild  106  000  rf
preußisch  Kurant  größtenteils  in  Wechseln  dorthin  abzuliefern,
und  hiervon  erhielt  der  Major  Friedrich  v.  Petersdorff,  der  Genosse
Lützows,  am  24.  April  6000  rf  als  Beitrag  zur  Errichtung  eines
Freikorps.  Dem  Grafen  Hardenberg  wurden  am  24.  Mai  50  000  rf
nach  Goldberg  ausbezahlt,  dem  Fürsten  Wolkonsky  am  25.  Mai
50  000  rf  nach  Jauer.  Ferner  erhielt  der  russische  Staatsrat
von  Merlan  im  Oktober  20  000  Rtlr.  20  ff,  die  ebenfalls  für  die
Kriegsoperationskasse  bestimmt  waren.  Der  Rest  von  80  000  Tlrn.  —
denn  die  6000  für  Lützow  waren  als  Extrazuschuß  gedacht  —
wurde  nicht  mehr  im  Jahr  1813  berichtigt,  sondern  erst  nach
Jahren  bei  der  Abrechnung  über  die  französische  Kriegskontribution
ausgeglichen  183 .
Damit  sind  die  wesentlichen  Ausgaben  der  Exilzeit  namhaft
gemacht.  Eine  Übersicht  derselben  geben  die  folgenden  Tabellen:

Ausgaben  in  fl  ermittelt  aus  Buderus’  Rechnung.

Jahr

Ablieferungen
an  Seine  Kurfürstliche ­

Durchlaucht 184

Deputatgelder

Unterstützungen
an  Offiziere,
Unteroffiziere
und  gemeine
Soldaten

Besoldungen  u.
Pensionen
einschl.  Unterstützungen ­
  an
Personen  der
Zivildienerschaft

1807

230196.  4.1

54  470.16  —

87  891.2  2

19  447.44  3

1808

272  781.47.1

121  086.29.—

—

24  778.46.2

1809

103  868  45.1

136  605.24  —

—

12  567.52.3

1810

165  155.282

146  002.42.2

—

9  811.20.—

1811

65  496.32.'/a

151  102.42.—

—

12  787.08.3

1812

145  315.37  3

151102.42.—

—  -

12  538.27.3

Summen

982  814.15.’/a

760  370.15  2

87  891.2.2

91  931.20.2
        <pb n="123" />
        8*

115

Ausgaben  in  fl  ermittelt  aus  Buderus’  Rechnung.

Jahr

Zur  Wiedererlangung ­

des  verlorenen ­
  Landes

Gnädigste
Geschenke

Abgetragene
Kapitalien

Zinsen  von
aufgenommenen ­

Kapitalien

Reise-  und
Zehrungskosten ­


1807

908  125.54.1

4  031.21.—

2400.—.—

64.—.—

5  732  57.1

1808

—

12  339  29.1

—

—

3  907.33.—

1809

'

14  361.19  —

—

—

6  903.32.—

1810

—

578  33  2

—

•  ■

2  100.07.—

1811

—

576.—.—

—

—

499.01.—

1812

—

24.—.—

—

—

560.37.—

Summen

908  125.54.1

31  910.42.3

2400.—.—

64.—.—

19  703.47.1

Jahr

Für  Schreibmaterialien, ­


Für  Provisionen

Agio
von  einge-Außerordent

 ­

Ausgaben

Botenlohn

an  Bankiers

wechselten

und  Briefporto

Geldsorten

1807

7235.29.—

In  der  linksstehenden
Summe  mitenthalten

19  180.35.—

10  765.12.1

1808

604  4.2

—

13  633.29.—

17  112.45.1

1809

211.33.1

540.—.—

—

84  706.24.3

1810

600.44  —

565.17.2

—

66  212.56.1

1811

55.91.—

1025.26.—

—

134  962.38.2

1812

286.25  —

1062.12.—

—

30  896.33.—

Summen
1

8994.46.3

3192.55.2

32  814.  4.—

344  656.30.—

In  englischer  Währung  kommen  zwei  Posten  vor:
1812:  Außerordentliche  Ausgaben  .  27.7.6
1812:  Provisionen  an  Bankiers  .  .  .  ^  27.Z.8
Von  den  Einnahmen  des  Jahres  1807  wurden  kl  28  697.29.2,
da  sie  erst  später  eingingen,  zur  Berechnung  auf  das  Jahr  1808
übertragen  und  daher  in  der  Rechnung  pro  1807  wieder  in  Ausgabe ­
  gestellt.
        <pb n="124" />
        116

Ausgaben  ermittelt  aus  der  Reservekassenrechnung:

Zu  höchst  eigenen  Händen.

Jahr

Rtlr.

g
Gr.

Hlr.

Schles
10
Tlr.
(1=48sh)

w.-Holst.
rrant
Sch.  Tisch

Wiener
Währung
Gulden  1  kr  |  Pf

Wiener
Einlösungsscheine ­

Gulden  |  kr.  Pf.

1807

—

1663

10

—

—

—

—

—

—

—

1808

686

16

—

3698

30

—

—

—

—

—

—

—

1809

967

21

ö'/s

—

—

—

12  315

—

—

—

—

—

1810

1150

—

—

—

—

—

3000

—

—

—

—

—

1811

183

8

—

—

—

—

—

—

—

229

45

—

1812

2572

4234

36

—

1813

3874

—

—

—

—

2  140

—

—

—

Summen

9333

21

5*/s

5361

40

—

17  455

—

4464

21

—

Deputatgelder.

Jahr

Rtlr.

g.  Gr.

Hlr.

Schlesw.-Holst.
Kurant
Tlr.  |  Sch.  !  Tisch.

Wiener  Bankozettel
Gulden  |  kr  |  Pf.

1807

—

—

2500

—

—

—

—

—

1811

4  500

—

—

—

—

—

1350

—

—

1812

4800

—

—

—

—

—

—

—

—

1813

4  800

—

—

—

—

—

—

Summen

14  100
(Reichsgräfin
v.  Hessenstein)

—

—

2500
(Kurprinz;

1350
(Reichsgräfin
v.  Hessenstein)

Besoldungen  und  Zulagen.

Jahr

Rtlr.

g
Gr.

Hlr.

Schlesw.-Holst.
Kurant
Tlr.  Sch.lTlsch.

Wiener
Bankozettel ­

Gulden  kr  Pf

Wiener
Währung
Gulden  kr  |Pf.

Wiener
Einlösungsscheine ­

Gulden  |  kr  |Pf.

1807  ,

3  065

6

10

9  586

1

—

—

1808

2  496

21

14

9160

27

—

8  216

14

2

—

—

—

—

—

1809

5  698

15

14-/-—



—

—

—

—

—

25  749

39

—

—

—

—

1810

8  644

1

12

—

—

—

—

—

—

19  509

51

3

—

—

—

1811

7  489

17

13

—

—

—

2  917

3

2

—

—

—

500

40

—

1812

9  392

12

7

437

1813

11684

9

12

—

—

—

—

—

—

826

20

—

—

—

—

Summen

48  471

1  14

2-/-18

  746

28

—

11  133  18  -

46  085:  50

3

937

40

—
        <pb n="125" />
        Für  die  Haushaltung  (Hofhaltung).

Jahr

Rtlr.

g-Qr.


Hlr.

Schlesw.-Holst.

Kurant
Tlr.  |Sch.ITIsch.

Wiener
Bankozettel
Gulden  !  kr  |  Pf.

Wiener
Währung
Gulden  |  kr  |  Pf

Wiener
Einlösungsscheine ­

Gulden  !  kr  |  Pf.

1807

—

—

12485

18

1808

—

—

9463

34

—

18731

51

2

—

—

1809

—

—

—

—

—

—

—

—

68659

57

—

1810

269

14

9-/z

—

—

.

—

—

—

84202

55

2

1811

229

11

9

—

—

—

85719

ii

—

—

—

—

14813

26

3

1812

98

8

11

—

—

—

—

—

—

—

—

—

54194

32

1

1813

90

13

10-/--



—

—

—

—

46899

—

—

—

—

—

Summen  {

688

—

8&amp;gt;/s

21949

4

—

104451

2

2

199  761

52

2

69007

59

—

Reisekosten.

Jahr

Rtlr.

g
Gr.

Hlr.

Schlesw.-Holst.

Kurant
Tlr.  [Sch  [Tisch.

Wiener
Bankozettel
Gulden  kr  Pf.

Wiener
Währung
Gulden  |  kr  |  Pf

Wiener
Einlösungsscheine ­

Gulden  kr!  Pf.

1807

—

—

—

3689

3

1808

2823

ii

5

1115

11

—

939

34

3

1809

727

9

—

—

—

—

—

—

—

3877

16

1810

619

7

12

—

—

—

—

—

—

6383

45

1811

654

11

11

—

—

—

5936

48

—

—

697

25

1812

137

19

3

1268

29

1813

6711

19

6  i/s

—

—

—

—

-

—

6062

58

2

—

—

—

Summen

11674

6

ö'/°

4804

14

—

6876

22

3

16323

59

2

1965

54

—

Für  den  Marstall.

Jahr

Rtlr.

g-Gr.


Hlr.

Schlesw.-Holst.

Kurant
Tlr  |Sch.ITIsch.

Wiener
Bankozettel
Gulden  |  kr  [  Pf.

Wiener
Währung
Gulden  |  kr  |  Pf.

Wiener
Einlösungsscheine ­

Gulden  kr  1  Pf.

1807

—

—

—

2227

14

1808

100

—

—

320

31

—

2674

31

1809

—

—

—

—

—

—

—

—

—

10423

30

1810

—

—

—

—

—

—

—

—

—

2476

59

1811

616

16

—

—

—

—

4322

15

1129

4

1

1812

—

2779

2

1813

—

1905

Summen

716

16

2547

45

—

6996

46

—

14805

29

—

3908

6

1
        <pb n="126" />
        118

Für  neuangeschaffte  Sachen.

Wiener
Einlösungsscheine ­

Gulden  1  kr  |  Pf.

Schlesw.-Holst.

Kurant
Tlr.  ISch.jTlsch

Wiener
Währung
Gulden  kr  Pf.

Wiener
Bankozettel

Gulden!  kr  |  Pf.

4403  !  51

16136

3254  i  31

22  3

15893  20  -

20760|  271  —

1874  1

Summen

Für  die  Unterhaltung  des  Gartens.

Jahr

Rtlr.

g.  Gr.

Hlr.

Wiener
Bankozettel
Gulden  |  kr  |  Pf

Wiener
Währung
Gulden  kr  Pf.

Wiener
Einlösungsscheine ­

Gulden  kr  |  Pf.

1810

341

8

?'/-—



—

—

31  467

45  3

—

—

—

1811

63

1

27  217

56

2

—

—  1  —

1733

43

2

1812

140

2

—

—

—

—

—

—  I  —

6982

21

3

1813

25

16

—

—-—



—

3  940

19  I-—



—

Summen

570

3

7 1 /»

27  217

56

2

35  408

4  !  3

8716

5

1

Wegen  der  Kurfürstlichen  Meierei  Zatory.

Jahr

Rtlr.

g.  Gr.  Hlr.

Wiener  Währung
Gulden  kr  |  Pf.

Wiener
Einlösungsscheine
Gulden  kr  |  Pf.

1812
1813

213

8  —

11  238

10  1  1

53  184

39  !  —

Summen

213

8  !  —

11  238

10  1  1

j  53184

1
OS
CO
        <pb n="127" />
        119

Für  Livreen,  Strümpfegeld  etc.

Jahr

Rtlr.

g-Qr.


Mir

Schlesw.-Holst.

Kurant
Tlr.  Sch.(Tisch.

Wiener
Bankozettel
Gulden  !  kr  Pf

Wiener
Währung
Gulden  kr  (Pf

Wiener
Einlösungsscheine ­

Gulden  |  kr  |  Pf.

1807

—

—

—

639

20

—

—

—

1808

—

—

—

84

9

—

1262

2

3

—

—

—

—

1809

—

—

—

—

—

—

—

—

—

540

42

—

—

1810

—

—

—

—

—

—

—

—

—

2727

12

1

—

1811

34

12

—

—

—

—

2773

6

2

—

—

—

1097

36

1812

42

—

1750

39

2

1813

46

3

—

—

—

—

—

—

2348

23

2

—

—

—

Summen

122

15

—

723

29

4035

9

1

5616

17

3

2848

15

2

Garderobeausgaben.

Jahr

Rtlr

g-Gr


Hlr

Schlesw.-Holst.

Kurant
Tlr.  |Sch.Tisch

Wiener
Bankozettel
Quid,  kr  !  Pf

Wiener
Währung
Quid,  i  kr  |  Pf.

Wiener
Einlösungsscheine ­

Quid.  |  kr  |  Pf.

1807

—

—

'

356

16

1808

—

—

—

154

24

—

189

13

—

—

—

1809

—

—

—

—

—

—

—

—

—

1331

15

—

—

—

—

1810

1637

17

—

—

—

—

1811

16

—

—

—

—

—

1123

45

—

—

—

—

103

55

1812

66

6

773

0

2

1813

37

8

15

—

—

—

—

—

—

1251

21

2

—

—

—

Summen  |

119

14  15

510

40

—

1312  58

—

4219

53

2

877

—

2

Briefporto  und  für  Estaffettenkosten.

Jahr

Rtlr.  ^  s-Gr.


Hlr.

Schlesw.-Holst.

Kurant
Tlr.  ISch.irisch

Wiener
Bankozettel
Quid.  |  kr  |  Pf.

Wiener
Währung
Quid.  |  kr  I  Pf

Wiener
Einlösungsscheine ­

Quid.  |  kr  |  Pf.

1807

I

495

1808

9  9

—

265

20

—

213

57

—

.  —

—

—

—

—

1809

—  —

—

—

—

—

—-—



439

27

—

1810

—  -

—

—

—

—

—

—

—

617

50

—

1811

16  6

8

—

—

-r-1066



2

1

—

—

—

49

37

1812

15  21

—

—

—

—

—

233

43

2

1813

137  |  6

6 /a

—

404

40

2

—

—

—

Summen

178  118

9 2 /3

760

20

—

1279

59

1

1461  57

2

283

20

2
        <pb n="128" />
        120

Für  Bücher,  Karten  und  an  Buchbi  nderlohn.

Jahr

Rtlr.

g
Qr.

Hlr.

Schlesw.-Holst.

Kurant

Wiener
Bankozettel

Wiener
Währung

Wiener
Einlösungsscheine ­


Tlr.  Sch.  Tisch

Gulden

kr

Pf

Gulden  |  kr

pf.

Gulden  i  kr

Pf.

1807

_

—

94

38

—

—

—

—

—

—

—

—

—

—

1808

—

—

220

16

*/s

239

32

—

'  —

—

—

—

—

1809

_

—

—

—

—

—

—

—

—

517

3

—

—

—

—

1810

30

—

—

—

—

—

—

—

960

29

—

—

—

—

1811

175

16

9

—

—

—

368

56

—

—

—

—

73

28

—

1812

222

11

8

—

—

—

—

-

—

—

—

—

499

19

—

1813

1  26

19

10 2 / 3

—

—

—

—

—

—

491

23

—

—

—

Summen

1454

23

11'/-315



6

4 /5

608

28

—

1968

55

572

47

—

Für  Unterhaltung  des  Palais  in  Prag  und  andere
desfalsige  Ausgaben.

Jahr

Rtlr.

g.  Or.

Hlr.

Wiener  Währung
Gulden  kr  Pf

Wiener
Einlösungsscheine
Gulden  |  kr  |  Pf.

1811

4410

23  —

1812

2

—

—

—

1

2565

41  1

1813

—

—

—

1623

19  —

—

Summen

2

—

—

1623

19  |  -

6976

4  1

Gnädigste  Geschenke  und  andere  extraordinäre
Ausgaben.

Jahr

Rtlr.

g-Gr.


Hlr.

Schlesw.-Holst.

Kurant
Tlr.  iSch.  Tisch.

Wiener
Bankozettel ­

Gulden  lkr|Pf

Wiener
Währung
Gulden]  kr]  Pf.

Wiener
Einlösungsscheine ­

Gulden  kr  Pf.

1807

329

22

11

9518

7

—

—

—

—

—  1—I—

—

—

—

1808

443

3

11

8147

13

—

4615

1

I  1

1809

1416

11

4

—

—

■  —

—

—

10750  25  2

—

—

—

1810

232

4

—

—

—

—

—

-

15643  2  -

—

—

—

1811

456

111

—

—

—

21345

51

—

—  —  —

24079

18

4 /5

1812

695

9-—



—

—

—

—

—

—  |—|—

9990

52

—

1813

257125*)  2315 2 / 9

—

—

—

—

17800  39  3

—

—

Summen

[260699

113|l4 5 / 9

17665  20

25960jö2j—

44194  7  1

34070

io| 4 /5

*)  Darin  die  Zahlungen  zur  Russisch-Preußischen  Kriegsoperationskasse.
        <pb n="129" />
        121

Verlag  zur  Feldkriegskasse.

Jahr

Rtlr.

g-Qr.


Hlr.

Wiener  Währung

Gulden

kr

Pf.

1809

25

—

—

26663

36

3

Weggelassen  sind  als  unwesentlich  einige  kleine  vorschußweise
bezahlte  Posten,  zwei  Überzahlungen  (1811  und  1813)  vom  Vorjahr
und  die  liquidierten  Ausstände.
Überschüsse.
Die  Ausgaben  der  Exilzeit  waren  groß,  erreichten  aber  nicht
entfernt  das  Maß  der  Einnahmen.  Die  Überschüsse  wurden  nutzbar
angelegt,  aber  in  anderer  Weise  als  bisher.  Ursprünglich  hatte  der
Kurfürst  seine  verfügbaren  Kapitalien  vielfach  gegen  Nominalobligationen ­
  ausgeliehen.  Während  der  Jahre  1800  bis  1806  hatte
er  sich  mehr  und  mehr  dem  Ankauf  von  Staatspapieren  zugewandt.
Die  Verluste,  die  sich  bei  den  Nominalobligationen  während  der
französischen  Okkupation  ergaben,  waren  alsdann  entscheidend.
Das  Verleihen  an  Privatpersonen,  überhaupt  gegen  Nominalobligation,
kommt  jetzt  fast  gar  nicht  mehr  vor.  Wohl  griff  der  Kurfürst  dann
und  wann  einmal  einem  Verwandten,  nämlich  dem  Kurprinzen  oder
dem  illegitimen  Sohn  Julius  von  Haynau  mit  einer  kleineren  Leihsumme ­
  unter  die  Arme;  auch  dem  Landgrafen  Karl  zu  Hessen
wurde  der  Rest  einer  bereits  früher  zugestandenen  Leihsumme  mit
20  000  Rtlrn.  beglichen.  Im  übrigen  aber  wurden  keine  neuen  Verpflichtungen ­
  eingegangen  und  auch  ältere  nur  mit  Widerstreben
erfüllt.  So  war  z.  B.  dem  Minister  von  Hardenberg,  der  schon
in  den  Jahren  1805  und  1806  140  000  rf  geliehen  hatte,  ein  neues
Kapital  von  70  000  rf  in  Laubtalern  zu  1  Rtlr.  13  g.  Gr.  zugestanden
worden,  worauf  Lennep  und  Buderus  Zahlungen  machten,  letzterer
am  14.  Juni,  dem  Tag  der  Schlacht  bei  Friedland,  mit  einem  Betrag
von  15  000  rf 185 .
Die  schwerste  und  unheilvollste  Verpflichtung  dieser  Art  war
diejenige,  die  der  Kurfürst,  ohne  vorher  Buderus  zu  befragen,  gegen
den  Erblandmarschall  Grafen  Karl  von  Hahn  zu  Remplin  eingegangen
war  (s.  o.  S.  96).  Dieser  Verschwender,  der  wegen  seiner  Leidenschaft ­
  für  die  Bühne  unter  dem  Namen  des  Theatergrafen  bekannt
        <pb n="130" />
        122

ist,  hatte  sich  ausbedungen,  daß  der  Rest  seines  Leihkapitals  im
Betrag  von  400  000  Rtlrn.  zur  Hälfte  im  Antoni-  und  zur  Hälfte  im
Trinitatistermin  des  Jahres  1807  zu  berichtigen  sei.  Hiervon  wußte
Buderus  nichts,  da  jenes  Geschäft  einer  besonderen  Kommission
anvertraut  war.  Und  da  auch  das  Geheime  Ministerium  in  Kassel
ihm  keine  Aufklärung  geben  konnte,  er  auch  zu  jener  Zeit  nicht
genug  Geld  zur  Verfügung  hatte,  so  lehnte  er  zunächst  die  Forderungen ­
  des  Grafen  ab.  Dieser  hatte  jedoch  auf  jene  Zusicherung
bereits  Engagements  übernommen  und  wußte  sich  in  seiner  Hilflosigkeit ­
  keinen  anderen  Rat,  als  eine  Anweisung  auf  Buderus  im
Betrag  von  250  000  Rtlrn.  in  Ldor.  Diese  Anweisung  war  zugunsten
des  Oberhofagenten  Rothschild  ausgestellt,  und  Buderus  froh,  auf
diese  Weise  der  vielfachen  Beschwerden  und  Bedrohungen  des  Grafen
enthoben  zu  sein  und  den  inzwischen  vom  Kurfürsten  geäußerten
Wünschen  entsprechen  zu  können,  akzeptierte  die  Anweisung  zur
sukzessiven  Berichtigung.  Im  Juli  1807  wurden  80  000  rf  oder  144  000  fl
darauf  ausgezahlt,  im  Dezember  88  200  fl  und  während  der  Monate
Januar  bis  April  des  Jahres  1808  erfolgten  weitere  Abschlagszahlungen ­
  im  Betrag  von  108  360  fl.  Außerdem  wurden  zwei
Summen  auf  Zurechnung  Michel  Simons  entrichtet,  einmal  im
November  1807  44  000  rf  oder  79  200  fl  und  dann  im  Dezember  1807
der  Rest  von  dem  Kapital  der  200  000  rf,  das  Michel  Simon  in  derselben ­
  Sache  der  Oberrentkammer  vorgeschossen  hatte,  mit  8000  rf
oder  14  400  fl.  Es  blieben  nunmehr  am  letzten  April  1808  auf  die
Rothschildsche  Anweisung  noch  109440  fl  oder  12160  Ldor  ä  5  rf
und  auf  das  ganze  Anlehen  noch  300  240  fl  in  33  360  Ldor  ä  5  rf
zu  bezahlen.
Um  jene  Zeit  muß  es  gewesen  sein,  daß  der  Theatergraf  auf
Antrag  seiner  Familie  unter  Kuratel  gestellt  und  auf  eine  Jahresrente ­
  von  6000  Tlrn.  gesetzt  wurde.  Infolgedessen  mußten  die  an
ihn  verkauften  Güter,  auf  denen  auch  noch  eine  Schuld  von
20  000  Tlrn.  mit  Zinsen  lag,  zurückgenommen  werden.  Sie  wurden
einer  besonderen  Administration  unterstellt.  Da  aber  die  Getreidepreise ­
  infolge  der  Handelsperre  erheblich  sanken,  die  öffentlichen
Abgaben  dagegen  auf  das  Dreifache  erhöht  wurden,  auch  viele
fremde  Truppen  auf  den  Gütern  ernährt  werden  mußten,  so  reichten
die  Einnahmen  nicht  aus,  um  die  Ausgaben,  insbesondere  auch  die
Kosten  zur  Verbesserung  des  Inventars,  zu  decken,  und  jahrelang
arbeiteten  die  Güter  daher  mit  Defizit.
        <pb n="131" />
        123

Von  den  genannten  Zahlungen  auf  das  Kapital  der  600  000  Tlr.
lagen  zum  Zeitpunkt  der  Entmündigung  in  Hamburg  noch  57  060  fl
(6340  Ldor  ä  5  rf)  in  Bereitschaft,  die  zur  Verfügung  des  Grafen
gestellt,  aber  noch  nicht  von  ihm  abgehoben  waren.  Diese  Summe
wurde  im  Juni  1808  wieder  zurückgezogen.  Damit  verminderte
sich  die  zur  Auszahlung  gelangte  Kapitalsumme  auf  401  500  Tlr.
Von  dieser  Summe  wurden  durch  zurückdatierte  Scheinzession
200  000  Tlr.  auf  den  Namen  der  Gräfin  von  Hessenstein,  157  500
und  44  000  Tlr.  auf  Buderus’  Namen  gestellt,  und  in  diesem  Sinne
wurde  auch,  als  das  Konkursverfahren  über  das  Vermögen  des
Schuldners  eröffnet  war,  liquidiert.
Kurator  der  gräflich  Hahnschen  Masse  war  der  Landrat
von  Vieregg.  Er  war  darauf  bedacht,  den  Kurfürsten  vor  Nachteil
zu  bewahren,  doch  gelang  es  ihm  nicht,  die  Summe  der  200  000  Rtlr.,
die  aus  der  Oberrentkammerkasse  vorgeschossen  waren,  zu  retten.
Sie  mußte  durch  Vergleich  an  die  Franzosen  erstattet  werden.  Im
übrigen  kam  der  gräflich  Hahnsche  Prozeß  während  der  Exilzeit
nicht  mehr  zum  Austrag 186 .
Nur  mit  einer  Person,  soweit  ich  sehe,  machte  der  Kurfürst
eine  Ausnahme  bei  der  Verleihung  an  Private,  nämlich  mit  Rothschild,
ln  früheren  Jahren  hätte  er  diesem  ebensowenig  wie  anderen  Bankiers
ein  Leihkapital  zugestanden,  ohne  durch  ein  Unterpfand  gedeckt
zu  sein.  Jetzt  war  es  anders  geworden.  Im  Sommer  1808  erhielt
Rothschild  auf  16  Wechsel  die  Summe  von  223  800  fl  zum  Zinsfuß
von  4°/o  geliehen.  Je  größer  die  Summe  eines  Wechsels,  um  so
länger  wurde  in  der  Regel  die  Aufkündigungsfrist  bemessen.  Sie
schwankte  zwischen  zwei  und  sechs  Wochen.  Rothschild  hatte
das  Anlehen  nicht  etwa  verlangt,  es  wurde  vielmehr  durch  Buderus
veranlaßt,  der  seine  Kassenvorräte  auf  diese  Weise  los  werden
wollte.  Und  doch  ließ  sich  der  Kurfürst  nicht  leichten  Herzens
herbei,  seinem  Oberhofagenten  eine  solche  Summe  ohne  Sicherheit
zu  überlassen.  Das  Vertrauen  zu  Rothschild  war  noch  kein  unbedingtes, ­
  es  war  jedoch  seit  der  denkwürdigen  Auseinandersetzung,
die  der  Kurfürst  mit  Buderus  in  Itzehoe  gehabt  hatte,  erheblich
gestiegen.  Später  richtete  es  Buderus  so  ein,  daß  der  Kassenvorrat
seiner  Monatsrechnüng,  wenn  er  erheblich  war,  regelmäßig  durch
Rothschilds  Debet  in  dessen  Kontokorrent  wenigstens  annähernd
erreicht  wurde,  so  daß  ihm  die  Aufbewahrung  dieser  Gelder  de  facto
durch  Rothschild  abgenommen  wurde.  Nur  noch  ein  Mal  wieder-
        <pb n="132" />
        -«_"  V..  &amp;lt;  „

—  124  —
holte  sich  drei  Jahre  später  der  Vorgang  vom  Jahre  1808,  und
zwar  bei  der  Reservekasse.  Am  15.  April  1811  lieh  nämlich
Rothschild  gegen  Wechsel  100  000  fl  in  Wiener  Bankozetteln
zu  4 1 /2°/o,  und  am  folgenden  Tag  66142  fl  44  kr  zu  4°/o.  Beide
Summen  zahlte  er  zurück  in  Wiener  Einlösungsscheinen,  die
erstere  am  1.  Dezember  mit  20  000  fl,  die  letztere  am  1.  Oktober
mit  12228  fl  32  kr  Z'/s  Pf 187 .
ln  demselben  Maße  wie  an  Privatleute  war  dem  Kurfürsten
natürlich  auch  das  Verleihen  an  Souveräne  verleidet.  Denn  alle
derartigen  Leihkapitalien  konnten  gegebenenfalls  durch  eine  feindliche ­
  Macht  beschlagnahmt  werden.  Eine  ganz  andere  Sicherheit
boten  in  dieser  Beziehung  die  Inhaberpapiere.  Und  deshalb  war
der  Kurfürst  darauf  bedacht,  seine  Überschüsse  entweder  direkt  in
Staatspapieren  anzulegen  oder  sich  wenigstens  sein  Leihkapital
durch  ein  Unterpfand  von  Staatspapieren  sichern  zu  lassen.  Wenn
er  auch  ein  Geizhals  war,  so  war  er  doch  kein  Mann  von  so
gefühlloser  Hartherzigkeit,  daß  er  nicht,  wie  für  seine  treuen
Soldaten,  auch  für  seine  treugesinnten  Untertanen  ein  weniges
übrig  gehabt  hätte.  Das  Fürstentum  Hanau  hatte  im  Jahre  1807
seine  französische  Kriegskontribution  abzutragen  und  war  genötigt
360000  fl  in  Anleihe  aufzunehmen.  Der  Kurfürst  erleichterte  ihm
diese  Auflage  in  etwas,  indem  er  sich  dazu  verstand,  der  Hanauer
Landkasse  gegen  ein  Unterpfand  von  Obligationen  und  um  den
geringen  Zins  von  4°/o  ein  Kapital  von  100  000  fl  zu  leihen,  ln
sieben  Terminen  vom  1.  Juni  bis  10.  September  wurde  von  Meyer
Amschel  Rothschild  das  Geld  ausgezahlt,  und  zwar  auf  Anweisungen
Order  Blum 188 .  Der  Rest  wurde  durch  eine  Zwangsanleihe  aufgebracht. ­

Auch  die  kurhessischen  Landstände  hatten  ein  Anlehen  aufgenommen, ­
  und  zwar  mit  Zustimmung  des  vertriebenen  Landesherrn. ­
  Am  3.  August  1807  trug  dieser  dem  Kriegsrat  Lennep  auf,
20  000  Rtlr.  von  den  durch  fällige  Kupons  oder  sonst  eingehenden
Geldern  in  Obligationen  jener  Anleihe  anzulegen.  Als  Lennep  6000  Rtlr.
dementsprechend  aufgewandt  hatte,  mußten  diese  Papiere  zur  Vermeidung ­
  der  angedrohten  Annulierung  gegen  sog.  Westfälische
Amortisations-Kassen-Obligationen  umgetauscht  werden.  Letztere
fielen  beständig  und  waren  im  Juli  1811  unter  45°/o  gesunken 189 .
Diese  kleinen  Summen,  die  dem  notleidenden  Lande  zu  Hilfe
kommen  sollten,  fallen  indes  gegenüber  den  großen  Überschüssen
        <pb n="133" />
        125

des  Kurfürsten  nicht  stark  ins  Gewicht.  Letztere  betrugen  mit
Einschluß  der  abgetragenen  Kapitalien  nur  in  dem  Kriegsjahr  1813
weniger  als  eine  halbe  Million  Gulden,  im  Durchschnitt  jährlich
etwa  740  000  fl.  Diese  Summen  gut  und  sicher  anzulegen,  war
für  den  Kurfürsten  von  Anfang  an  eine  ernste  Sorge.  Natürlich
durften  sie,  abgesehen  von  den  bereits  erwähnten  Ausnahmen,  nur
in  Staatspapieren  angelegt  werden.  Und  da  war  es  naheliegend,
an  die  Geschäftsbeziehungen  mit  Dänemark  wieder  anzuknüpfen.
Diesem  Staat  hatte  der  Kurfürst  durch  Lawätz’  und  Rothschilds  Vermittlung ­
  innerhalb  weniger  Jahre  sieben  Kapitalien  geliehen,  und
schon  damals  scheint  die  Tendenz  gewesen  zu  sein,  die  Hauptsumme
der  Ersparnisse  in  Obligationen  anzulegen.  Zwar  kannte  die  dänische
Regierung  den  Geldgeber  jener  Anleihen.  Die  Form  derselben  aber
war  die  der  Inhaberpapiere,  und  das  war  auch  in  diesem  Fall
Sicherheit  genug.  Ganz  kurze  Zeit  nach  der  Flucht  des  Kurfürsten
mußte  Lawätz  neue  Unterhandlungen  in  dieser  Sache  mit  dem
dänischen  Finanzkollegium  anknüpfen.  Der  Kurfürst  hatte  eine
Anleihe  von  300  000  bis  400  000  Rtlrn.  in  Aussicht  genommen,  und
diese  Summe  wird  begreiflich,  wenn  man  die  große  Masse  geretteter
Kupons  in  Betracht  zieht,  die  demnächst  eingelöst  werden  sollten.
Der  dänische  Finanzminister  wollte  anfangs  auf  das  Anerbieten
eingehen.  Das  Darlehen  sollte  zu  denselben  Bedingungen  wie  das
im  Februar  (soll  heißen:  Januar)  desselben  Jahres  angenommen
werden,  so  daß  in  den  ersten  vierzehn  Jahren  nur  die  Zinsen  und
dann  in  zwanzig  aufeinander  folgenden  Jahren  je  ein  Zwanzigstel
des  Kapitals  bezahlt  werden  sollte.  Es  wurde  aber  die  besondere
Bedingung  gestellt,  daß  man  über  mindestens  300  000  Rtlr.  als  die
geringste  angebotene  Summe  bereits  im  Dezember  1806  oder  im
Januar  1807  disponieren  könne.  Letztere  Bedingung  konnte  der
Kurfürst  nicht  annehmen.  Gerade  im  Dezember  und  Januar
schwebten  die  Verhandlungen  mit  Lagrange,  die  zu  einer  zweiten
Bestechung  im  Betrage  von  700  000  Livres  oder  364  000  fl  führten.
Und  als  man  später  eine  bestimmte  Zusicherung  verlangte,  wie  viel  von
der  vorgeschlagenen  Summe  wenigstens  bis  zum  Ende  des  Jahres  1807
entrichtet  werden  solle,  konnte  der  Kurfürst  sich  auch  hierzu  nicht
herbeilassen.  Infolgedessen  lehnte  der  dänische  Finanzminister  in
der  zweiten  Hälfte  des  Monats  Januar  die  Anleihe  endgültig  ab.
Trotzdem  bemühte  sich  der  Kurfürst  immer  wieder  von  neuem
um  Dänemark,  da  es  ihm  sehr  darauf  ankam,  sein  Geld  sicher
        <pb n="134" />
        126

anzubringen.  Lawätz  wurde  von  Buderus  fortgesetzt  zu  neuen
Verhandlungen  angeregt,  und  besonders  Meyer  Amschel  Rothschild
war  eifrig  bemüht,  das  Zustandekommen  einer  dänischen  Anleihe
herbeizuführen.  Er  war  voreilig  gewesen  und  hatte  vor  der  Entscheidung ­
  dänische  Obligationen  versprochen  oder  gar  verkauft.
Jetzt  war  es  ihm  sehr  darum  zu  tun,  daß  sein  Verfahren  gerechtfertigt ­
  wurde.  Von  Lawätz  empfing  er  verschiedene  Vorschläge
und  benahm  sich  auch  persönlich  mit  ihm,  als  er  Ende  März  vom
Besuch  des  Kurfürsten  in  Rendsburg  zurückkehrte.  Lawätz  berichtet
darüber  an  Buderus  am  1.  April  1807:  „Der  gute  Rothschild  glaubt
noch  immer,  wenn  nur  erst  durch  Ihre  Güte  eine  schriftliche
Anzeige  gemacht  werden  könnte,  1)  auf  eine  wie  große  Summe
überhaupt  die  Anleihe  vorläufig  festzusetzen  sei,  etwa  270  bis
350/m  rf,  2)  wieviel  davon  baar  und  wieviel  in  ultimo  1807  fälligen
dänischen  Obligationen  entrichtet  werden  könne,  3)  zu  welcher
Zeit  der  in  baarem  Gelde  zu  entrichtende  Teil  geliefert  werden
könne  —  daß  alsdann  die  Sache  noch  wohl  gelingen  mögte.
Vielleicht  wäre  dies  auch  möglich  und  des  guten  Rothschilds  wegen
auch  sehr  zu  wünschen.  Von  meiner  Seite  will  ich  es  gewiß  an
der  möglichsten  Verwendung  nicht  fehlen  lassen.  Nur  ist  mirs
ohne  eine  solche  bestimmte  Anzeige  nicht  möglich.  Und  diese
bitte  mir  demnach  je  eher  je  lieber  zu  senden.  Besonders  bitte
ich  aber  auch  sodann  4)  mir  bestimmt  aufzutragen,  auf  wie  viele
Stillstands-  und  Rückzahlungsjahre  ich  schließen  darf.  Der  Finanz
Minister  will  diese  Termine  durchaus  kurz  haben,  und  ich  glaube
kaum  ihn  zu  12  Stillstands-  und  16  Rückzahlungsjahren  überreden
zu  können.“
Lange  Stillstands-  und  Rückzahlungsjahre  waren  aber  für
den  Kurfürsten  von  großem  Belang,  denn  er  wünschte  die  sicheren
Zinsen  möglichst  lange  zu  genießen.  Was  des  Kurfürsten  Vorteil
war,  war  Rothschilds  Nachteil.  Denn  je  häufiger  Anleihen  gemacht
wurden,  um  so  größer  war  Rothschilds  Verdienst.  Er  meinte  es
aber  ehrlich  mit  dem  Kurfürsten,  ja  er  vertrat  dessen  Vorteil  so
zähe,  daß  zuletzt  die  ganze  Angelegenheit  an  dem  Differenzpunkt
der  Stillstands-  und  Rückzahlungsjahre  scheiterte.  Der  dänische
Finanzminister  wollte  sich  ursprünglich  nur  auf  3  bis  4  Stillstandsund ­
  5  bis  6  Rückzahlungsjahre  einlassen.  Und  wenn  er  auch  in
letzter  Hinsicht  sich  zu  gewissen  Zugeständnissen  herbeiließ,  so
kamen  die  Verhandlungen,  die  bis  zum  Ende  des  Jahres  1807
        <pb n="135" />
        dauerten,  doch  zu  keinem  Resultat.  Die  Überschüsse  des  laufenden
Jahres  waren  bereits  zu  anderen  Anleihen  nahezu  aufgebraucht,
als  man  immer  noch  verhandelte.  Das  läßt  darauf  schließen,  daß  der
Kurfürst  und  sein  Bankier  Rothschild  den  Plan  hatten,  das  frühere
Verfahren  fortzusetzen  und  die  Hauptsumme  der  künftigen  Überschüsse ­
  dauernd  an  Dänemark  auszuleihen,  dessen  Finanzen  nach
Lawätz’  Urteil  auf  eine  durchaus  sichere  Grundlage  gestellt  waren.
Als  dieser  Plan  endgültig  gescheitert  war,  dauerte  es  länger  als
ein  Jahr,  bis  Buderus  und  Rothschild  dem  Kurfürsten  ein  neues
Projekt  von  noch  größerer  Sicherheit  mit  Erfolg  vorlegen  konnten 190 .
Bereits  in  den  achtziger  und  neunziger  Jahren  hatte  der  Kurfürst,
wie  oben  erzählt,  englische  Stocks  gekauft  und  bei  der  Bank  von
England  deponiert.  Sie  waren  während  der  napoleonischen  Kriege
ungefährdet  geblieben.  Die  Zinsen  wurden  nach  wie  vor  durch
die  van  Hotten  vereinnahmt  und  seit  Ende  1806  meist  durch  Kreditbriefe ­
  zugunsten  Rothschilds  nach  Frankfurt  Übermacht.  Es  lag
für  Rothschild  um  so  näher,  dem  Kurfürsten  nach  Fehlschlagen
der  Versuche  mit  Dänemark  eine  dauernde  Kapitalanlage  in  England
zu  empfehlen,  als  seit  dem  Jahre  1804  das  Rothschildsche  Bankhaus ­
  durch  den  begabtesten  von  Meyer  Amschels  Söhnen  auch
in  London  vertreten  war.  Schon  im  Jahre  1807  hatte  dieser  sich
dem  Londoner  Ministerresidenten  Lorentz  zu  nähern  versucht,
was  damals  noch  eine  schroffe  Mißbilligung  seitens  des  Kurfürsten
erfuhr 191 .  Vielleicht  hatte  Nathan  Meyer  schon  zu  jenem  Zeitpunkt
die  Stocksanlage  ins  Auge  gefaßt.  Jedenfalls  muß  man  annehmen,
daß  der  Vorschlag  hierzu  von  den  Rothschild  ausging.
Im  Anfang  des  Jahres  1809  wurde  die  Angelegenheit  dringlich,
weil  sich  erhebliche  Überschüsse  einstellten.  Buderus  berichtete
im  Januar  nach  Prag  und  empfahl  dem  Kurfürsten  den  Ankauf
von  100  000  £  3  °/oiger  englischer  Stocks.  Er  verband  damit  den
Antrag,  dieses  Geschäft  Meyer  Amschel  Rothschild  zu  übertragen.
Er  sollte  die  Obligationen  unter  Verzicht  auf  eine  Ankaufsprovision
zum  Preise  von  7Z 1 /z  °/o  liefern  und  höchstens  eine  Maklergebühr
von  Vs  °/o  der  Nominalsummen  erhalten.  Das  £  sollte  er  jedes  Mal
mit  11  fl  24  ff  berechnen.  Der  Kurfürst  genehmigte  diesen  Antrag
am  5.  Februar  1809,  und  zwar  mit  der  Maßgabe,  daß  das  anzuschaffende ­
  Kapital  nicht  100  000,  sondern  150  000  £  betragen  solle.
Im  März  erfolgte  die  erste  Berichtigung  auf  dieses  Annuitätenkapital
mit  290  600  fl.  ln  den  folgenden  Monaten  wurde  mit  den  Abzahlungen
        <pb n="136" />
        128

fortgefahren.  Der  Kurfürst  fand  Geschmack  an  der  Sache,  und
noch  lange,  bevor  überhaupt  das  erste  Kapital  abgetragen  war,
bewilligte  er  auf  Rothschilds  Antrag  und  unter  im  übrigen  gleichen
Bedingungen  am  18.  Dezember  1809  ein  zweites  3 0 /oiges  Kapital
im  Betrage  von  ebenfalls  150  000  £,  am  13.  September  1810  ein
drittes  in  derselben  Höhe  zum  Preise  von  73 3 /4°/o.  Unterm
6.  Dezember  1810  192  verfügte  er,  wiederum  auf  Rothschilds  Antrag,
daß  das  dritte  Kapital  auf  250  000  £  erhöht  werde,  so  daß  bis
dahin  also  bereits  drei  Kapitalien  im  Gesamtbeträge  von  550  000  £
verfügt  waren,  obgleich  das  zuerst  bewilligte  noch  gar  nicht  aufgefüllt ­
  war.  Dieses  Vorgehen  erklärt  sich  folgendermaßen.  Sobald
die  Anschaffung  eines  bestimmten  Stockskapitals  kontraktlich  abgeschlossen ­
  war,  bewirkten  die  Rothschild  alsbald  den  Ankauf
desselben  in  der  ganzen  Summe.  Da  sie  zu  dem  übereingekommenen
Preis  liefern  mußten,  so  hätte  bei  sukzessiver  Anschaffung  ein
Fallen  oder  Steigen  der  Stocks  ihnen  je  nach  dem  großen  Gewinn,
aber  auch  großen  Schaden  bringen  können.  Ihr  Grundsatz  aber
war,  dem  sicheren  Geschäft  den  Vorzug  zu  geben  und  nicht  nach
übermäßigem  Gewinn  zu  streben.  Um  nun  in  der  angegebenen
Weise  verfahren  zu  können,  hatten  sie  bedeutende  Vorschüsse  von
ihren  Handelsfreunden  in  Frankfurt,  Hamburg,  Amsterdam  und
London  zu  nehmen.  Die  von  der  kurfürstlichen  Kasse  noch  nicht
bezahlten  Teile  der  Stocks  wurden  zur  einstweiligen  Deckung  der
Handelsfreunde  bei  diesen  hinterlegt,  wodurch  wiederum  viele
Nebenspesen  entstanden.  Über  das  ganze  Geschäft  wurde  natürlich ­
  ein  Geheimbuch  geführt.  Auf  dieses  berufen  sich  die  Rothschild
in  einem  Schreiben  an  Buderus.  Sie  hatten  danach  für  das  erste
Stockskapital  im  Durchschnitt  71‘/a,  für  das  zweite  71 5 / 8 ,  für  das
dritte  72 1 /2°/o  bezahlt.  Demnach  mußten  sie  innerhalb  eines  Zeitraums ­
  von  weniger  als  zwei  Jahren  ein  Kapital  im  Nominalwert
von  550  000  £  realisieren  und  dafür  rund  4  353  000  fl  24  ff  zahlen.
Die  Abzahlungen  des  Kurfürsten  aber  betrugen  innerhalb  jenes
Zeitraums  nur  1  791  950  fl.  Da  das  Frankfurter  Geschäftsvermögen
damals  mit  Einschluß  aller  Waren  etwa  800  000  fl  betrug,  so  ersieht
man  hieraus,  welchen  Kredit  die  Rothschild  genossen.  Vermöge
ihres  Kredits  waren  sie  damals  schon  eine  Macht.
Als  sie  jenen  Brief  an  Buderus  schrieben 193 ,  waren  die  Stocks
unerwartet  auf  62 1 /g  gesunken,  und  der  Kurfürst  hatte  unterm
28.  August  1811  befohlen,  daß  die  Kassenvorräte  vorerst  nicht  zu
        <pb n="137" />
        129

weiteren  Kapitalanlagen  zu  verwenden  seien.  Tatsächlich  kommen
während  der  Monate  September  1811  bis  April  1812  keine
Berichtigungen  vor,  während  sie  vorher  fast  jeden  Monat  stattfanden. ­
  Die  Rothschild  klagten  in  jenem  Schreiben  über  diesen
unverschuldeten  Ausfall  und  baten  Buderus,  es  beim  Kurfürsten
dahin  einzuleiten,  daß  die  Zahlungen  wieder  kontraktmäßig  wie
bisher  geleistet  würden  und  weiterer  Nachteil  von  ihnen  abgewendet
werde.  Erst  nach  Verlauf  von  Monaten  wurde  dem  Gesuch  stattgegeben. ­
  Am  10.  Mai  1812  resolvierte  der  Kurfürst,  daß  aller
Kassenvorrat  an  Rothschild  auf  die  zu  liefernden  Annuitätenkapitalien
abgegeben  und  hiermit  bis  zur  Berichtigung  der  Kapitalien  fortgefahren ­
  werden  solle.  Da  inzwischen  die  Ersparnisse  sich  gehäuft
hatten,  so  erfolgte  zunächst  eine  größere  Abzahlung  im  Betrage
von  424  000  fl,  im  Juli  eine  solche  von  105  000  fl.  Dann  folgen
kleinere  Summen,  im  März  1813  wieder  eine  größere.  Das  erste
Annuitätenkapital  war  im  Februar  1811,  das  zweite  im  Dezember  1812
vollständig  berichtigt.  Auf  das  dritte  waren  im  März  1813  noch
1  360  375  fl  zu  bezahlen  m .
Außer  den  drei  großen  Kapitalien  hatten  die  Rothschild  noch
mehrere  kleine  zu  realisieren.  Unterm  20.  Mai  1811  bestimmte
der  Kurfürst,  daß  die  von  den  Annuitätenkapitalien  in  London
eingehenden  Zinsen  zum  Ankäufe  weiterer  Stocks  zu  3°/o  in  der
Weise  verwendet  werden  sollten,  daß  Rothschild  dieselben  nach
dem  zuletzt  ausgemachten  Preise  von  73 s /4°/o  zu  liefern  hatte.
Demgemäß  hatte  Rothschild  im  Juli  1811  für  £  16888.15  ein
Kapital  von  22  900  £  anzuschaffen,  dessen  Zinsen  vom  5.  Juli  1811
an  liefen.  Die  Zinsen,  die  bei  den  van  Notten  eingingen,  wurden
durch  Kreditbriefe  auf  die  van  Notten  zugunsten  der  Rothschild
in  Frankfurt  a.  M.  bezogen.  Die  Zinsen  derjenigen  Kapitalien,  die
von  den  Rothschild  selbst  realisiert  waren,  wurden  natürlich  auch
von  ihnen  selbst  bei  der  Bank  von  England  erhoben.  Die  Provision
für  die  Zinsenerhebung  betrug  1 / 2 0 /o,  wie  bei  den  van  Notten.
Im  Juni  1812  wurden  auf  diese  Weise  wieder  £  12  279.7.6
verfügbar,  und  die  Rothschild  hatten  dafür  wiederum  ein  Kapital
zum  Preise  von  73 3 /4  im  Betrage  von  16  650  £  einzuliefern,  wovon
die  Verzinsung  mit  3°/o  am  5.  Januar  1812  begann.  Im  folgenden
Monat  waren  Zinsen  im  Betrage  von  £  19  067.1.2  verfügbar.  Davon
wurden  14  560  £  für  ein  3  °/oiges  Annuitätenkapital  zum  Preise
von  70  im  Betrage  von  20  800  £  verwendet,  dessen  Verzinsung
9
        <pb n="138" />
        130

am  5.  Juli  begann;  ferner  £  4452.10.—  für  ein  3°/oiges  Annuitätenkapital ­
  von  6500  £  im  Preise  von  68 1 /2.
Im  Januar  und  März  1813  wurden  wiederum  die  englischen
Zinsen  und  Rückzahlungen  zusammengestellt  und  dafür  zwei  neue
Annuitätenkapitalien  im  Preise  von  70°/o  und  im  Betrag  von  22  000  £
und  26  000  £  angeschafft,  deren  Verzinsung  vom  5.  Januar  ab
begann 195 .  Im  Verlauf  der  Jahre  1809  bis  März  1813  hatten  die
Rothschild  also  Kapitalien  im  Gesamtnominalwert  von  664  850  £
(—  550  000  +  22  900  +  16  650  +  20  800  +  6500  +  22  000  +  26  000)
für  den  Kurfürsten  angeschafft,  wofür  aber  noch  1  360  375  fl  von
ihm  aufzufüllen  waren.
Es  hatte  seine  guten  Gründe,  wenn  Buderus  beim  Kurfürsten
darauf  drang,  daß  wenigstens  vom  Jahre  1811  an  die  Londoner
Zinseingänge  nicht  zur  Auffüllung  der  größeren  Kapitalien,  sondern
zur  Anlage  besonderer  Kapitalien  verwendet  wurden.  Die  größeren
Kapitalien  wurden  nach  vereinbarten  Bedingungen  nach  und  nach
in  Frankfurter  Währung  gekauft.  Wollte  man  hierbei  die  Londoner
Zinsen  verwerten,  so  mußten  diese  erst  in  Frankfurter  Geld  verkauft ­
  werden,  wobei  man  etwaige  Chancen  des  Kurses  und  auf
alle  Fälle  neue  Provisionsausgaben  verlor.  Dagegen  konnte  dem
Kurfürsten  die  Verzögerung  bei  den  großen  Stockskapitalien  keinen
Heller  Verlust  bringen.
Nur  diejenigen  Stocks  nämlich,  für  die  der  Anschaffungswert
vom  Kurfürsten  ausgeglichen  war,  wurden  als  ihm  bereits  zugehörig
betrachtet  und  bei  der  Bank  von  England  deponiert.  Und  sobald
die  Rothschild  eine  Abschlagszahlung  erhalten  hatten,  verzinsten
sie  dieselbe  vom  Datum  des  Empfangs  ab,  anfangs  mit  4°/o,
vom  April  1810  ab  mit  3 1 /2°/o 196 .  Diese  Zinsen  wurden  bis  zu
dem  Termin  gezahlt,  von  dem  ab  nach  Niederlegung  der  Stocks
bei  der  Bank  von  England  die  gewöhnliche  Verzinsung  in  London
stattfand.
Über  jede  derartige  Niederlegung  wurde  ein  Zertifikat  ausgefertigt. ­
  Diese  Zertifikate  einzuholen  hatte  große  Schwierigkeiten.
Es  kam  vor,  daß  ein  solches  vom  Schiffskapitän  im  Augenblick  der
Gefahr  über  Bord  geworfen  wurde,  worauf  dann  eine  zweite  Ausfertigung ­
  zu  bewirken  war.  Am  20.  Mai  1812  quittierte  der  Kurfürst ­
  in  Prag  über  fünf  solcher  Zertifikate,  die  sich  auf  189  550  ^
als  ein  neu  angelegtes  Stockskapital  bezogen.  Mit  dieser  Summe
waren  berichtigt
        <pb n="139" />
        131

das  erste  Stockskapital  .  .  von  150  000  £
die  Kapitalien  „  22900  „
und  .  „  16650  „
Sa.  189  550  £
Je  30  000  £  lauteten  auf  den  Geheimrat  von  Geylingen,  den
Obersten  von  Thümmel,  den  Regierungsrat  von  Schmerfeld  und  den
Kriegsrat  von  Schmincke;  69  550  £  auf  den  Geheimen  Kriegsrat
Buderus  von  Carlshausen.  Die  Zertifikate  waren  ausgefertigt  auf
Antrag  Nathan  Mayer  Rothschilds  im  Februar  1812  durch  den  Notar
Thomas  Bonnet.  Vielleicht  war  dies  die  zweite  Ausfertigung,  nachdem ­
  die  erste  auf  der  See  vernichtet  war.
Mit  der  Besorgung  dieser  Urkunden  waren  Rothschilds  jüngste
Söhne  betraut,  der  noch  nicht  20jährige  James  Mayer  und  sein
nahezu  24jähriger  Bruder  Karl  Mayer.  James  hatte  die  Dokumente
in  London  abzuholen  und  Karl  erwartete  ihn  an  der  Küste.  Beide
hatten  große  Gefahren  zu  bestehen.  Es  war  ein  Unternehmen,  das
Unerschrockenheit,  Mut  und  Klugheit  erforderte.  Die  Beförderung
der  Papiere  über  den  Kanal  hatte  große  Schwierigkeiten,  und  in
Frankreich  wurden  beide  Brüder  von  der  Polizei  beargwohnt  und
aufs  strengste  überwacht.  Es  dauerte  Monate,  ehe  die  Überführung
der  Dokumente  bewirkt  werden  konnte.  Karl  hatte  zuerst  ein
holländisches  Dorf  zu  seinem  Aufenthaltsort  gewählt.  Als  er  sich
dort  nicht  mehr  sicher  fühlte,  begab  er  sich  nach  Dünkirchen,  wo
er  sich  angeblich  dem  von  Napoleon  autorisierten  Schmuggelhandel
widmete  und  täglich  der  Polizei  seinen  Aufenthalt  rechtfertigen
mußte.  Zwischendurch  hielten  sich  beide  Brüder  mehrfach  in  Paris
auf.  Am  28.  März  ließ  James  dort  seine  Aufenthaltserlaubnis  verlängern, ­
  Karl  seinen  Paß  durch  den  Minister  nach  Frankfurt  visieren.
Unterm  18.  April  gingen  die  von  Karl  überbrachten  Urkunden
nach  Prag.
Am  15.  Februar  1813  quittierte  der  Kurfürst  über  ein  weiteres
Zertifikat  der  Bank  von  London,  das  auf  250  000  £  lautete,  die
auf  dieselben  Namen  wie  das  vorhergehende  Kapital  eingetragen
waren.
Dieses  Zertifikat  war  von  Rothschilds  Sohn  Salomon  Mayer,
der  damals  bereits  38  Jahre  zählte,  in  London  abgeholt  worden.
Nach  fünfmonatiger  Abwesenheit  und  nach  unbeschreiblich  vielen
Beschwerden  war  er  im  Dezember  1812  von  seiner  Expedition  zurückgekehrt. ­
  Sein  Paß  lautete  auf  Paris,  wo  er  unterm  24.  Juli  1812  in
9*

TT  V"
GEBROOfK  eUSATKGtS.  M.  I
i’URGSTAU.,  N.-D.
        <pb n="140" />
        132

t

der  polizeilichen  Fremdenliste  erscheint  und  mehrfach  um  längere
Aufenthaltserlaubnis  nachsucht.  Am  26.  September  ließ  er  dort
zum  ersten  Mal  und  am  1.  Dezember  zum  zweiten  Mal  seinen  Paß
nach  Frankfurt  visieren.  Seine  Beharrlichkeit,  Klugheit  und  Vorsicht
wird  von  Buderus  gerühmt.  Mit  den  250  000  £  waren  abgetragen
das  zweite  Stockskapital  mit  .  .  .  150  000  £
die  Kapitalien  von  20  800  „
und  von  6  500  ,,
Zur  neuen  Berechnung  wurden  notiert
(22000  +  26  000  +  24  700  —)  .  •  72  700  „
Sa.  250  000  £
Von  den  vorzutragenden  72  700  £  wurden  im  Januar  1813
22  000  ^  ä  70  abgeschrieben,  für  die  der  Betrag  damals  an  Rothschild ­
  abgetragen  war,  vorzugsweise  durch  Zinsüberführung  seitens
der  van  blotter,  an  Nathan  Mayer  Rothschild  in  London.  Kurz
darauf  wurden,  wie  es  scheint,  weitere  26  000  £  abgeschrieben 197 .
Die'Kassenvorräte,  welche  bei  Buderus’  Monatsrechnungen  verblieben, ­
  wurden  vom  September  1808  an  wesentlich  bei  Rothschild
aufbewahrt.  Betrug  der  Kassenvorrat  bei  Buderus’  Rechnung  mehr
als  20  000  fl,  so  war  regelmäßig  auch  der  Vorrat  in  Rothschilds
Kontokorrent  von  ähnlicher  Größe,  so  im  September  1808,  Januar
1809,  Februar  1809,  Juli  1809  bei  Buderus:  fl  24  860.59.3,  116294.52,
107654.47,  26113.59,  bei  Rothschild:  fl  24  995.50.2,  114938.4.1,
106  643.24.1,  25418.15.3.
Während  der  Monate  September  1811  bis  April  1812,  wo  die
Abzahlungen  auf  die  Annuitätenkapitalien  aussetzten,  stieg  der
Vorrat  bei  Buderus  von  fl  29107.20.3  (September)  auf  fl  360  368.54.1
(April),  bei  Rothschild  von  fl  28  846.32.1  (September)  auf  fl  359  437.20.3
(April).  Einen  Zins  zahlte  Rothschild  für  diese  Vorräte  nicht,  ebensowenig ­
  die  van  Notten  oder  andere  Bankiers.  Das  war  damals  nicht
Sitte  und  wurde  höchstens  in  Ausnahmefällen  verlangt.  Dagegen
wurde  scharf  mit  Rothschild  gerechnet,  wo  sich  Gelegenheit  dazu
bot.  Im  Mai,  Juli  und  August  des  Jahres  1810  waren  Kreditbriefe
zugunsten  Rothschilds  an  die  van  Notten  gegangen.  Sie  erscheinen
erst  im  Oktober  in  Buderus’  Rechnung  und  Kontokorrent.  Alle  drei
Summen  wurden  zum  Ankauf  von  Stockskapitalien  verwendet.
Rothschilds  Verzinsung  aber  trat  jedesmal  bereits  mit  dem  Tage  in
Kraft,  an  dem  der  betreffende  Kreditbrief  London  erreicht  hatte.
        <pb n="141" />
        133

165  000  fl  waren  daher  vom  25.  Mai  ab,  154  000  vom  23.  Juli  ab,
88  000  vom  28.  August  ab  zu  verzinsen.
Es  kam  auch  vor,  daß  die  Rothschild  überzahlten,  d.  h.  Vorschüsse ­
  gaben.  Ende  Dezember  1813  belief  sich  ein  solcher  Betrag
sogar  auf  fl  88  596.46.2.  Damit  sind  die  Akten  über  diesen  Gegenstand ­
  erschöpft.  Einen  Überblick  über  die  ausgeliehenen  Kapitalien
gibt  die  Tabelle  auf  Seite  134  f.
Dazu  kommen  noch  in  englischer  Währung:
1811  Juli  .  .  £  16  888.15.—  Annuitätenkapital
1812  Juni  .  .  „  12  279.  7.  6
1812  Juli  .  .  „  19012.10.—
Summe  £  48180.12.  6
Die  an  Rothschild  geliehenen  fl  166  142.44  Wiener  Bankozettel
vom  April  1811  (S.  o.  S.  124)  figurieren  in  der  Reservekassenrechnung-Sonstige
  Posten  von  ausgeliehenen  Kapitalien  kommen  in  dieser
Rechnung  nicht  vor.
Nachforschungen  der  Franzosen  nach  dem
Vermögen  des  Kurfürsten.
Die  Stellung,  die  Buderus  als  Finanzbeamter'  des  Kurfürsten
einnahm,  konnte  den  Franzosen  nicht  lange  verborgen  bleiben.  So
kam  es,  daß  man  bald  auf  ihn  fahndete.  Um  die  Bestechungsgelder ­
  für  Lagrange  anzuschaffen,  sollte  er  Obligationen  von  Gottorf
mitnehmen  und  sie  in  Kassel  in  bares  Geld  verwandeln.  Etwa
am  20.  Dezember  1806  verließ  er  Gottorf,  wurde  aber  in  Altona
gewarnt,  nicht  nach  Kassel  zu  gehen,  bevor  ihm  sicheres  Geleit
zugebilligt  sei.  Am  4.  Januar  bat  das  Geheime  Ministerium  um
die  schriftliche  Zusicherung  eines  unangefochtenen  Aufenthalts  für
Buderus.  Kurz  darauf  muß  dies  vom  Generalgouverneur  gewährt
worden  sein.  Denn  im  nächsten  Monat  finden  wir  Buderus  in  der
hessischen  Hauptstadt  als  Mittelsperson  zwischen  dem  Geheimen
Ministerium  und  Jordis.  Am  17.  Januar  ersucht  er  daselbst  das
Geheime  Ministerium  um  schriftliche  Autorisation,  nunmehr  für
den  Legationsrat  Jordis  die  schon  bezahlten  100  000  Livres  und
noch  weitere  300  000  Livres  anzuschaffen ,  und  am  28.  Januar
unterschreibt  er  die  Quittung  über  den  Empfang  des  Kabinettskassen-
        <pb n="142" />
        134

Ausgeliehene  Kapitalien  in  fl

1807

1808

1809

Januar

27  316.48
Landgraf  Carl
zu  Hessen

16  740
Graf  v.  Hahn

—

Februar

Undatiert:
16  000
Darmstädter  Obli-42120


Graf  v.  Hahn

15  434.23
Aktien  der  Grambower
  Glasfabrik 203

März

gationen
10  048.22.3

27  000
Graf  v.  Hahn

290  600
Annuitätenkapital

83  150
Annuitätenkapital

April

Graf  v.  Schlitz
gen.  v.  Goertz
zu  Karstorf 199

22  500  Graf  v.  Hahn
18  000  v.  Moltke 200

Mai

46  800
v.  Moltke 200

45  000
Annuitätenkapital

Juni

26  756.45.2  Minister
v.  Hardenberg
20  000
Hanauer  Landkasse

113  300
Rothschild
9000
v.  Moltke 2C0

230000
Annuitätenkapital

Juli

144  000
Graf  v.  Hahn
32  000
Hanauer  Landkasse

80  500
Rothschild

70  000
Annuitätenkapital

August

2700  v.  Cornberg  199
8683.12  Landgraf
Carl  zu  Hessen
40  000
Hanauer  Landkasse

30  000
Rothschild

26  000
Annuitätenkapital

September

8000
Hanauer  Landkasse

24  885
Fürst  zu  Leiningen 20

22  500  K.K.Österr.-Bethmännische

Obligationen
10  665  Fürst
zu  Leiningen 201

Oktober

—

32  600  Obligationen
aus  einem  Unterpfand ­
  Rothschilds
bei  der  Kabinettskasse ­
  in  Zahlung
angenommen

—

November

79  200
Graf  v.  Hahn

—

31  600
Annuitätenkapital

Dezember

102  600
Graf  v.  Hahn

36  000  Plettenbergsches
  Anlehen 20

60  200
2  Annuitätenkapital

Summen

517  305.8.1

499  445

885  149.23

135

ermittelt  aus  Buderus’  Rechnung.

1810

1811

1812

1813  198

125  K.  K.  Österr.-Bethmännische

Obligationen
76  200
Annuitätenkapital

103  900
Annuitätenkapital  i

24  852  fl  2  kr  20  ff
Annuitätenkapital

179  600
Annuitätenkapital

28  700
Annuitätenkapital

1580  Napoleonsdor
zu  9  fl  50  kr  u.  2708
neue  Ldor  zu  11  fl
37  kr,  beide  im  24  ff
Annuitätenkapital

26  400
Annuitätenkapital

217  000  _
Annuitätenkapital

33  600  £
Annuitätenkapital

—

20  500
Annuitätenkapital

—

—

24  700  1  424  000
Annuitätenkapital  Annuitätenkapital

—

4600
Annuitätenkapital

365  400  Dänische
Obligationen  im
Umtausch
9200
Annuitätenkapital

10  220.7
Jul.  v.  Haynau,
Prag

—

36  000
Kurprinz
128  400
Annuitätenkapital

140  000
Annuitätenkapital

43265.42  zedierte
Aktivkapitalien  der
HanauerLandkasse
105  000
Annuitätenkapital

—

12  000
Annuitätenkapital

9000  4500
Annuitätenkapital  Annuitätenkapital

—

18  000
;  Annuitätenkapital

—

—

—

433  400
Annuitätenkapital

—

18  500
Annuitätenkapital

—

14  200
Annuitätenkapital

—

60150
Annuitätenkapital

—

62  600
Annuitätenkapital

—

7900
Annuitätenkapital

991625  |  918  400  |  673  535.49
        <pb n="143" />
        136

etats 804 .  Solange  Lagrange  Generalgouverneur  war,  blieben  von
jetzt  ab  nicht  nur  Buderus,  sondern  auch  alle  übrigen  Helfer  beim
Rettungswerk  unbehelligt.  Ja  man  darf  annehmen,  daß  Buderus
damals  sich  sehr  sicher  fühlte,  und  daß  er  auch  aus  diesem  Grunde
dem  Wunsche  des  Kurfürsten,  nach  Eisenach  zu  gehen,  hartnäckigen
Widerstand  entgegensetzte.  Der  Kurfürst  hatte  ihm,  als  er  sich
noch  in  Hamburg  befand,  vielleicht  sogar  schon  in  Gottorf,  befohlen,
er  solle  sich  nach  Eisenach  begeben  und  die  Geschäfte  seines
früheren  Landesherrn  von  dort  aus  besorgen.  „Das  Sejour  zu
Hamburg  ist  gar  nach  meinem  Willen  nicht“,  schreibt  er  am
8.  Januar  1807  von  Schleswig  aus  und  fordert  ihn  von  neuem  zur
Befolgung  seines  Befehles  auf.  Er  glaubte,  daß  Buderus  von  Eisenach
aus  mit  den  Ministern  in  Kassel  und  auch  mit  anderen  Stellen
besser  Verbindung  halten  könne 208 .  Vermutlich  hatte  er  auch
damals  noch  die  Absicht,  die  acht  Kisten,  die  in  Münden  lagerten
und  im  Februar  erst  nach  Aliendorf,  dann  nach  Eisenach  befördert
wurden,  dauernd  an  diesem  Orte  zu  lassen.  Man  hätte  alsdann
die  große  Masse  Kupons,  die  in  fünf  Kisten  jenes  Transports  enthalten ­
  waren,  von  Ort  und  Stelle  aus  verwerten  können.  Buderus
aber  weigerte  sich,  nach  Eisenach  zu  gehen,  weil  er  einen  Aufenthalt ­
  in  der  Nähe  von  Frankfurt,  dem  Mittelpunkte  der  kurfürstlichen
Geldgeschäfte,  vorzog.  So  trat  allmählich  eine  ernste  Verstimmung
ein.  Am  26.  Januar  1807  schrieb  Buderus  den  letzten  Brief  an
den  Kurfürsten.  Schon  am  25ten  hatte  er  ihm  mitgeteilt,  daß  er
nicht  nach  Eisenach  gegangen  sei.  Auch  hatte  er  den  Wunsch
ausgesprochen,  für  die  Zukunft  von  besonderen  Geschäften  verschont
zu  bleiben.  Dieses  Entlassungsgesuch  lehnte  der  Kurfürst  ab,
bestand  aber  in  seinem  Eigensinn  weiter  auf  Eisenach.  Buderus
hüllte  sich  in  Schweigen.  Der  Kurfürst,  aufs  tiefste  bekümmert,
wandte  sich  zuletzt  an  seinen  Freund  Lawätz,  und  dieser  ließ  sich
auf  sein  dringendes  Anhalten  herbei,  Buderus  Vorstellungen  zu
machen.  Das  hatte  Erfolg.  Ende  März  war  das  Gleichgewicht
wieder  hergestellt.  Im  April  und  September  besuchte  Buderus  den
Kurfürsten  in  Rendsburg  und  in  Itzehoe,  und  jedes  Mal  auf  der
Rückreise  auch  den  Lawätz.  Unangefochten  konnte  er  seine
Vermögensverwaltung  weiterführen,  solange  das  Regiment  in  Kassel
das  gleiche  blieb.  Als  jedoch  J6röme  die  Herrschaft  über  das
neugebildete  Königreich  Westfalen  antrat  und  am  10.  Dezember
seinen  Einzug  in  seiner  Residenz  gehalten  hatte,  trat  ein  Umschwung
        <pb n="144" />
        137

1470
ein.  Zwar  wurde  Lagrange  zum  Kriegsminister  ernannt,  doch
dauerte  seine  Amtsperiode  nur  wenige  Wochen.  Seine  unlautere
Handlungsweise  bei  der  Rettungsaffäre  wurde  bald  entdeckt,  und
Anfang  Januar  1808  entfernte  er  sich  von  Kassel  unter  Zurücklassung ­
  seines  Portefeuilles.  Natürlich  blieb  man  nicht  dabei  stehen,
die  mitschuldigen  Beamten  zu  Ersatzleistungen  heranzuziehen  oder
in  Strafe  zu  nehmen,  sondern  man  setzte  die  Recherchen,  für  die
ja  nunmehr  deutlich  die  Wege  gewiesen  waren,  nach  allen  Seiten
fort.  Zuerst  wandte  man  sich  gegen  die  bei  der  Affäre  beteiligten
Bankhäuser.  Die  Bücher  des  Legationsrats  Jordis-Brentano  in
Kassel  wurden  mehrfach  gewaltsam  untersucht,  und  bei  den  Hauptdepositären ­
  Freye  &amp;amp;  Jordis  in  Frankfurt  wurden  „ängstliche  Haussuchungen“ ­
  abgehalten,  über  deren  Verlauf  und  Ergebnis  wir  aber
nichts  Genaueres  erfahren.  Jedenfalls  blieben  die  deponierten  Kisten
unberührt 206 .  Im  Jahre  1807  oder  1808  wurde  auch  bei  Meyer
Amschel  Rothschild  Haussuchung  gehalten.  Man  vermutete  bei
ihm  Depots  des  Kurfürsten  und  wollte  sich  derselben  bemächtigen.
I  atsächlich  hatte  Rothschild  damals  sein  Depot  noch  im  eigenen
Gewahrsam,  es  gelang  ihm  jedoch  unter  Preisgabe  eigenen  Besitzes
die  anvertrauten  Akten  in  Sicherheit  zu  bringen.
Bei  dieser  Gelegenheit  waren  Darmstädter  Kupons  in  die
Kisten  gelangt.  Die  Kisten  waren  demnach  geöffnet  worden,  was
bei  der  Rücklieferung  nach  Kassel  im  Frühjahr  1814  Aufsehen
erregte.  Weshalb  waren  sie  geöffnet  worden?  Ich  erkläre  mir
den  Vorgang  folgendermaßen.  Das  ihm  anvertraute  Depot  hatte
Rothschild  aus  Gewissenhaftigkeit  nicht  in  seinem  Warenmagazin
auf  dem  Trierischen  Hofplatz,  auch  nicht  in  seinem  Geschäftslokal
in  der  Schnurgasse  verwahrt,  sondern  im  Keller  seines  Wohnhauses
in  der  Judengasse.  Darauf  deutet  auch  die  Ausdrucksweise  des
einzigen  Dokuments  über  diese  Sache,  des  Briefes  an  Buderus  vom
12.  Mai  1814  (s.  Aktenstücke).  Als  die  Haussuchung  bevorstand,
handelte  es  sich  darum,  das  anvertraute  Material  so  rasch  wie
möglich  zu  retten.  Es  lagerte  im  Hauskeller.  Von  dort  sollte  es
in  den  Hofkeller  verbracht  werden  (s.  Anm.  1).  Der  Gang  aber,
der  in  diesen  Geheimkeller  führte,  war  zu  schmal,  um  die  Kisten
hindurchzubringen.  Man  mußte  sich  daher  entschließen,  die
Akten  herauszunehmen,  ln  dem  Geheimkeller  aber  lagerten  die
Kupons  von  unverkauften  Darmstädter  Obligationen.  Man  hatte
sie  dorthin  gebracht,  um  jeden  Versuch  eines  Mißbrauchs  unmöglich
        <pb n="145" />
        138

zu  machen.  Als  man  später  die  Akten  wieder  verpackte,  um  sie
nach  Darmstadt  zu  bringen,  wurden  diese  Kupons  mitgefaßt.
Nach  Darmstadt  sandte  Rothschild  das  kurfürstliche  Depot,  weil
er  weitere  Haussuchungen  seitens  der  Franzosen  befürchtete.  Die
vier  Kisten  gingen  an  Aaron  Pfungst  daselbst  und  wurden  einem
Abraham  Mayer  anvertraut,  der  sie  bis  zur  Rücklieferung  nach
Kassel  gewissenhaft  aufbewahrte  207 .
Die  Franzosen  hatten  es  bei  ihrem  Vorgehen,  wie  bemerkt,
auf  das  kurfürstliche  Vermögen  abgesehen  und  wandten  sich,
nachdem  ihre  Bemühungen  bei  den  Bankiers  ohne  Ergebnis
geblieben  waren,  gegen  die  bei  dem  Rettungswerk  und  der  Vermögensverwaltung ­
  beteiligten  Beamten.
Schon  im  Laufe  des  Jahres  1807  war  ein  Verhaftbefehl  gegen
Buderus  ergangen,  allerdings  aus  einem  anderen  Grunde.  Der  Oberstleutnant ­
  von  Buttler  hatte  in  Luxemburg  die  Verteilung  der  Gelder
an  die  hessischen  Offiziere  übernommen  (s.  o.  S.  107).  Mehrere  von
diesen  hatten  den  Wunsch  geäußert,  daß  von  der  ihnen  zugedachten
Summe  Zahlungen  an  ihre  Frauen  und  andere  Personen  geleistet
würden.  Dem  war  entsprochen  worden,  und  damit  verringerte  sich
die  nach  Luxemburg  abzuführende  Gesamtsumme.  Buttler  hatte
aber  bei  seiner  Verteilung  auf  diese  Verhältnisse  keine  Rücksicht
genommen,  und  so  fehlten  ihm  zuletzt  250  rf  für  den  Oberstleutnant
Ernst  und  fl  112.9.2  für  den  Major  von  Donop.  Die  Reklamationen
dieser  Herren  wurden  von  Buderus  natürlich  an  Buttler  verwiesen,
und  als  dieser  deswegen  in  einen  weitläufigen  Briefwechsel  mit  dem
Finanzbeamten  eingetreten  war,  erwirkte  der  Oberstleutnant  Ernst
einen  Verhaftbefehl  gegen  Buderus  bei  dem  Marschall  Kellermann
in  Mainz.  Buderus  entging  jedoch  dies  Mal  der  Haft,  indem  er  dem
Oberstleutnant  Ernst  einen  Vorschuß  von  200  fl  zukommen  ließ 208 .
Die  ganze  Sache  würde  gar  keine  Erwähnung  verdienen,  wenn
sie  nicht  dazu  gedient  hätte,  die  Aufmerksamkeit  der  Behörden  von
neuem  auf  Buderus  und  dessen  Verhältnis  zum  Kurfürsten  zu  lenken.
Um  aber  in  wirksamer  Weise  gegen  ihn  vorgehen  zu.  können,  bedurfte ­
  es  der  Aufklärung  über  sein  Verhältnis  zu  den  Bankiers,  und
so  kam  es,  daß  man  sich  zuvor  wiederum  mit  diesen  beschäftigte.
Buderus’  Beziehungen  zu  Lawätz,  zu  dem  Rothschildschen  Bankhaus ­
  und  zu  den  Bansa  &amp;amp;  Sohn  in  Frankfurt,  denen  er  auf  Lawätz
Antrag  im  Frühjahr  1807  vorübergehend  die  Lombardobligationen
der  Hanauer  Kammerkasse  hatte  zedieren  lassen  209 ,  müssen  zur
        <pb n="146" />
        139

Kenntnis  der  Behörden  gelangt  sein.  Der  kaiserliche  Kommissar
Dumeniel  beantragte  daher,  die  Repräsentanten  der  beiden  Frankfurter ­
  Bankhäuser  protokollarisch  zu  vernehmen.  Die  Bansa  &amp;amp;  Sohn 210
waren  durch  Johann  Philipp  Eßlinger  vertreten,  das  Rothschildsche
Bankhaus  wegen  Krankheit  Meyer  Amschels  durch  dessen  Sohn
Salomon  Mayer.  Man  hegte  den  begründeten  Verdacht,  daß  Buderus
nach  wie  vor  die  Geldgeschäfte  des  Kurfürsten  besorge  und  daß
ein  geheimer  Briefwechsel  zwischen  beiden  bestehe,  der  auf  der
einen  Seite  durch  Rothschild  und  Bansa,  auf  der  anderen  durch
Lawätz  und  durch  Geschäftsfreunde  im  Österreichischen  oder  in
Karlsbad  vermittelt  werde.  Das  Verhör  Eßlingers  und  Salomon
Mayer  Rothschilds  fand  am  30.  August  1808  auf  der  Kanzlei  des
Stadt-  und  Landgerichts  Frankfurt  a.  M.  statt.  Es  war  unergiebig.
Man  entließ  die  Komparenten  mit  der  Weisung,  alle  künftig  mit
Buderus’  Adresse  an  ihre  Handlung  gelangenden  Briefe  unverzüglich
an  die  Kanzlei  des  Stadt-  und  Landgerichts  abzuliefern.
Wenn  auch  das  Verhör  der  Bankiers  keine  Beweise  gegen
Buderus  erbracht  hatte,  so  wurde  natürlich  die  Verfolgung  dieses
Beamten  deshalb  nicht  aufgegeben.  Auch  das  Verhalten  Lenneps
muß  den  Verdacht  der  französischen  Machthaber  geweckt  haben,
denn  im  September  des  Jahres  1808 211  wurden  beide,  Buderus  und
Lennep,  verhaftet  und  nach  Mainz  geführt.  Dort  wurde  Buderus
über  sein  Verhältnis  zum  Kurfürsten  vernommen.  Das  Protokoll
darüber  fehlt  auf  Carlshausen,  doch  erfahren  wir  aus  den  dortigen
Akten,  daß  ihm  damals  gestattet  wurde,  seine  Beziehungen  zum
Kurfürsten  fortzusetzen,  vorausgesetzt,  daß  er  die  betreffende
Korrespondenz  auf  Verlangen  vorlege.  Bei  diesem  Zugeständnis
scheint  man  lediglich  an  seine  Pensionszahlungen  gedacht  zu  haben.
Damit  würden  die  französischen  Nachforschungen  vermutlich
ihren  Abschluß  gefunden  haben,  wenn  nicht  im  folgenden  Jahre
der  Aufstand  des  Obersten  von  Dörnberg  Veranlassung  zu  neuem
und  schärferem  Vorgehen  gegeben  hätte.  Am  schlimmsten  verfuhr
man  mit  Lennep.  Bei  seiner  Verhaftung  im  Jahre  1808  hatte  man
ihn  in  Mainz  zuletzt  freisprechen  müssen.  Jetzt  wurde  er  zum
zweiten  Male  in  Haft  genommen,  dann  ins  Gefängnis  gesetzt  und
später  wieder  nach  Mainz  transportiert,  wo  er  angeblich  die  unwürdigste ­
  Behandlung,  einem  Verbrecher  gleich,  zu  erdulden  hatte.
Im  Herbst  wurde  er  aus  der  Mainzer  Zitadelle  entlassen  mit  der
Weisung,  das  Königreich  Westfalen  nie  mehr  zu  betreten 212 .  Nach
        <pb n="147" />
        140

mehreren  Jahren,  am  5.  Juli  1811,  schreibt  er  dem  Kurfürsten  von
Frankfurt  aus,  daß  er  jetzt  noch  seine  Vaterstadt  Kassel  mit  seinen
dortigen  Besitzungen  meiden  müsse,  daß  die  Kasseler  Polizei  seine
Schritte  mit  größter  Aufmerksamkeit  verfolge,  daß  er  von  seinem
wenigen  Vermögen  durch  Verkauf  eines  Hauses,  mehrerer  Gärten
und  anderer  Grundstücke  über  6000  Tlr.  zugesetzt  habe.
Nicht  ganz  so  schlimm  erging  es  Buderus.  Er  hatte  sich  seit
der  französischen  Okkupation  sehr  vorsichtig  benommen,  so  daß  man
seiner  Person  schwer  etwas  anhaben  konnte.  Da  er  aber  aus
kleinen  Anfängen  sich  zu  ansehnlichem  Wohlstand  und  zu  einer
.  angesehenen  Amtsstellung  emporgearbeitet  hatte,  wobei  er  sich  dem
Kurfürsten  besonders  durch  scharfsichtige  Finanzkunde,  Sparsamkeit
und  außerordentliche  Leistungsfähigkeit  empfohlen  haben  muß,  so
wurde  er  bei  vielen  Beamten  und  ebenso  in  der  öffentlichen  Meinung
stark  verdächtigt  und  angefeindet,  ln  Kassel  war  ihm  der  Schwiegersohn ­
  Michel  Simons  namens  Levi,  der  dem  Bankgeschäft  jener
Firma  vorstand,  besonders  aufsässig  und  zugleich  auf  Rothschild
eifersüchtig.  Dieser  Levi  steckte  sich  hinter  den  niederträchtigen
Savagner,  den  Spezialkommissar  der  Oberpolizei  des  Königreichs
Westfalen,  von  dem  man  wußte,  daß  ihm  jede  Gelegenheit  zur
Intrigue  und  zur  Erpressung  willkommen  war.  Damals  war  der
Marschall  Kellermann,  Herzog  von  Valmy,  Befehlshaber  des  Beobachtungskorps ­
  der  Elbe  und  befand  sich  im  Hauptquartier  zu
Hanau.  Das  Auftreten  Schills  hatte  nämlich  Napoleon  veranlaßt,
ein  solches  Truppenkorps  zu  errichten.  Von  dem  Marschall
Kellermann  erwirkte  nun  Savagner  einen  Verhaftungsbefehl  gegen
Buderus  und  betraute  den  Polizeiagenten  Sußmann  aus  Kassel  mit
der  Ausführung.  Dieser  begab  sich  am  9.  Mai  1809  mit  französischen
Soldaten  zur  Buderusschen  Wohnung  in  Hanau.  Dort  traf  er
dessen  Schwester  Dorothea.  Obgleich  diese  versicherte,  daß  ihr
Bruder  nicht  anwesend,  sondern  auf  seinem  Gut  Carlshausen  bei
Altenhaßlau  sei,  setzte  Sußmann  ihr  eine  Pistole  vor  den  Kopf
und  verlangte,  sie  solle  angeben,  wo  sie  ihren  Bruder  versteckt
halte.  Nicht  ohne  Mißhandlung  wurde  sie  dann  die  Treppe
hinaufgeführt,  die  verschlossene  Wohnung  erbrochen  und  die  vorhandenen ­
  Papiere  durchsucht.  Das  alles  geschah,  ohne  daß  die
Hanauer  Behörden  vorher  in  Kenntnis  gesetzt  waren.  Alsdann
begab  sich  Sußmann  mit  seinen  Soldaten  auf  das  Gut  Carlshausen, ­
  versiegelte  die  dort  vorgefundenen  Schriftstücke  und  führte
        <pb n="148" />
        Buderus  als  Gefangenen  nach  Hanau.  Nachdem  er  dort  zwei  Tage
lang  wie  ein  Verbrecher  behandelt  worden  war,  ließ  ihn  der
Spezialkommissar  gegen  Kaution  wieder  frei  und  begab  sich
zunächst  nach  Frankfurt.  Hier  hatte  der  Gesandte  von  Bacher
im  Namen  des  Königs  von  Westfalen  auf  Arretierung  Meyer  Amschel
Rothschilds  und  seiner  Söhne  Salomon  Mayer  und  James  Mayer
angetragen.  Es  sollten  ihre  Korrespondenz  und  ihre  Bücher  eingesehen ­
  und  sie  selbst  über  diejenigen  Fragen  vernommen  werden,
die  Savagner  einreichen  werde 213 .  Da  die  Polizei  längst  wußte,
daß  Rothschild  nach  wie  vor  die  Geldgeschäfte  des  Kurfürsten
besorgte,  da  man  vermutete,  daß  Rothschild  auch  Fonds  des
Kurfürsten  in  Händen  habe,  so  lag  der  Verdacht  nahe,  daß  er
bei  der  westfälischen  Revolte  der  Geldvermittler  gewesen  sei.  Doch
nur  mit  Widerstreben  hatte  der  König  von  Westfalen  sich  überreden ­
  lassen,  gegen  Rothschild  vorzugehen.  Savagner  selbst  aber
wußte  im  voraus,  daß  Rothschild  unschuldig  sei.  Seine  Betriebsamkeit ­
  hatte  lediglich  den  Zweck,  Geld  zu  erpressen.  Am  10.  Mai
begab  er  sich  mit  dem  fürstlich  primatischen  Polizeikommissar
Dallaeus  in  das  Rothschildsche  Kontor,  ließ  sämtliche  Schränke,  in
denen  sich  Korrespondenzen  oder  Geschäftsbücher  befanden,  versiegeln, ­
  den  Rothschild  Vater  in  seiner  Behausung  und  die  beiden
genannten  Söhne  —  die  anderen  Söhne  waren  abwesend  —  im
Kontor  von  Polizeidienern  bewachen.  Die  Vernehmung  Meyer
Amschels  betraf  zunächst  seine  Beziehungen  zum  Kurfürsten  im
Jahre  1807  von  Hamburg  aus.  Vor  Ausbruch  des  Krieges  mit
Österreich  sollte  er  mit  kurfürstlichem  Geld  österreichische  Papiere
zu  hohen  Preisen  angekauft  haben,  um  den  Kurs  dieser  Papiere
zu  steigern.  Auch  sollte  er  beträchtliche  Summen  in  englischen
Wechseln  aus  Norddeutschland  bezogen  haben.  Den  Kardinalpunkt
aber  bildete  die  Frage,  ob  er  während  der  Exilzeit  des  Kurfürsten
in  dessen  Auftrag  an  Lennep,  Buderus,  den  Obersten  Engelhard,
den  Regierungsrat  Schmerfeld  und  den  Archivarius  Galland  [Schreibfehler: ­
  Gallon]  Gelder  ausgezahlt  habe,  die  ihm  vom  Kurfürsten
zurückerstattet  seien.  Diese  Fragen  konnte  Rothschild  mit  gutem
Gewissen  verneinen.  Wohl  aber  hatte  er  von  Buderus  ein  Kapital
von  20  000  fl  zu  5  °lo  geliehen  und  von  diesem  Geld,  ohne  ein
Buch  darüber  zu  führen,  Zahlungen  an  verschiedene  Personen
gemacht,  deren  Namen  er  sich  nicht  mehr  entsinnen  konnte.  Die
gemachten  Zahlungen  habe  Buderus  jedoch  stets  zurückerstattet,
        <pb n="149" />
        142

so  daß  derselbe  bis  dato  noch  20  000  fl  an  ihn  zu  fordern  habe.
Über  diesen  und  andere  Punkte  wurden  auch  die  beiden  Söhne
Meyer  Amschels,  dessen  Gattin,  die  jüngste  Tochter  und  zwei
Schwiegertöchter  vernommen.  Dann  wurden  die  Korrespondenz
und  die  Geschäftsbücher  geprüft,  und  in  der  Wohnung  Salomon
Mayers,  der  damals  nicht  in  der  Gasse,  sondern  in  der  Stadt
wohnte,  Haussuchung  gehalten.  Da  jedoch  nirgends  etwas  wirklich
Verdächtiges  zutage  trat,  so  entließ  man  Meyer  Amschel  mit  der
Weisung,  jene  20  000  fl  nicht  eher  auszuzahlen,  als  bis  die  Untersuchung ­
  auch  gegen  Buderus  beendet  sei.  Um  vor  künftigen
Schikanen  verschont  zu  bleiben,  mußte  er  sich  herbeilassen,  dem
Savagner  300  Karolin  auszuhändigen,  worauf  dieser  sich  am  16.  Mai
wieder  nach  Hanau  begab,  um  das  Spiel  gegen  Buderus  fortzusetzen.
Da  letzterer  keinerlei  Anstalten  machte,  um  sich,  wie  Savagner
jedenfalls  erwartet  hatte,  mit  Geld  loszukaufen,  so  wurde  er  gegen
den  Inhalt  des  Kautionsinstruments  am  17.  Mai  wieder  nach  Hanau
geholt.  Die  Polizeiorgane  hatten  die  grundlosesten  und  niedrigsten
Verleumdungen  aufgegriffen ,  um  Buderus,  der  gar  keine  Kasse
geführt  hatte,  als  einen  Spitzbuben  zu  verdächtigen.  Er  sollte  den
Kurfürsten  und  dessen  Handwerker  durch  Unterschlagungen  betrogen
haben.  Im  übrigen  betraf  das  nun  folgende  Verhör  sein  Verhältnis
zu  seinem  früheren  Landesherrn,  sein  Verhältnis  zum  ehemaligen
Regierungsrat  und  Geheimen  Referendarius  Georg  von  Schmerfeld
in  Kassel  und  zum  ehemaligen  Kriegsrat  Lennep.  Auch  über  die
Personen,  denen  er  Pensionen  auszahlte,  was,  wie  bemerkt,  mit
Genehmigung  der  französischen  Autoritäten  in  Hanau  geschah,  und
worüber  die  Akten  vorlagen,  wurde  er  ausgeforscht.  Man  fragte
ihn  auch,  ob  er  damals,  als  er  dem  Kurfürsten  nach  Gottorf  folgte,
am  Tage  seiner  Abreise  und  am  vorhergehenden  Tage  Dokumente
und  sonstige  Papiere  von  Wert  aus  dem  Geheimen  Kabinettsarchiv
in  der  Bellevue  gemeinschaftlich  mit  dem  Archivarius  Gottsched
wegtransportiert  habe.  Buderus  versicherte,  er  könne  mit  dem
feierlichsten  Eide  beteuern,  daß  er  bei  seinem  Abgang  von  Kassel
gar  nichts,  auch  nichts  von  dem  Werte  eines  Hellers  mitgenommen
habe.  Auch  sonst  ergab  sich  an  keiner  Stelle  des  ganzen  Verhörs
etwas  Belastendes  gegen  den  Konstituten.  Einstweilen  jedoch  ließ
Savagner  sein  Opfer  noch  nicht  aus  den  Händen,  ln  Anbetracht
einer  geringfügigen  und  zur  Sache  belanglosen  Abweichung  in  den
Aussagen  Lenneps  und  Buderus’  äußerte  er  die  Absicht,  letzteren
        <pb n="150" />
        143

nach  Mainz  zu  führen,  um  ihn  mit  Lennep  zu  konfrontieren,  vorausgesetzt ­
  natürlich,  daß  Kellermann  die  Genehmigung  erteile.  Diesem
gesetzwidrigen  Ansinnen  Folge  zu  leisten  weigerte  sich  Buderus
und  rief  den  Schutz  der  Hanauer  Landesregierung  an.  Zugleich
erklärte  er,  daß  er  von  jetzt  ab  dem  Savagner  Exceptio  suspect!
Commissarii  entgegensetze,  dagegen  jeder  Zeit  unter  Verbürgung
seines  Vermögens  der  vorgesetzten  Landesregierung  über  alles,
was  man  von  ihm  begehre,  die  überzeugendsten  Nachweisungen
erteilen  werde.  Der  Oberst  Le  Court  de  Villiere  und  der  Kriegskommissar ­
  Roch  (?)  traten  auf  seine  Seite  und  erklärten  auf  dem
Regierungssessionszimmer,  daß  durch  das  bisherige  Verfahren
Savagners  die  Formen  und  Gerechtsame  verletzt  seien,  die  bei
Arrestationen  auf  Requisition  fremder  Behörden  eintreten,  und  daß
ohne  ihre  Zustimmung  Buderus  nicht  weggeführt  werden  dürfe.
Dieser  konnte  am  18.  Mai  wieder  auf  sein  Gut  bei  Altenhaßlau
zurückkehren,  doch  wurde  ihm  einstweilen  ein  Unteroffizier  der
Bürgergarde  als  Wache  beigegeben.  Erst  am  27.  Mai  verfügte  Kellermann ­
  auf  Antrag  der  Hanauer  Regierung,  daß  Buderus  unter  Zurückhaltung ­
  der  von  ihm  geleisteten  Kaution  auf  freien  Fuß  zu  setzen  und
vom  Stadtschultheiß  Weil  in  Gelnhausen  zu  beaufsichtigen  sei.
Ein  Jahr  später,  am  16.  Mai  1810,  fand  die  Übergabe  des
Fürstentums  Hanau  an  den  Großherzog  von  Frankfurt  statt.  Dieser
war  dem  Kurfürsten  wohlgesinnt.  Auch  stand  Meyer  Amschel  bei
ihm  in  großer  Gunst  und  mag  ihm  auch  für  Buderus  Wertschätzung
und  Wohlwollen  eingeflößt  haben.  Der  Großherzog  ernannte  diesen
im  September  des  Jahres  zum  Mitglied  der  Wahlversammlung  des
Departements  Hanau.  Buderus  wurde  in  die  Ständeversammlung
des  Großherzogtums  Frankfurt  gewählt  und  vom  Großherzog  zum
Direktor  der  Finanzkommission  dieser  Versammlung  ernannt 214 .
Die  Ständeversammlung  tagte  allerdings  nur  ein  Mal,  nämlich  im
Oktober  1810,  und  zwar  in  Hanau.
Schon  früher  hatte  man  Buderus  nahegelegt,  eine  Dienstanstellung ­
  im  Großherzogtum  Frankfurt  zu  übernehmen,  und  bei
Gelegenheit  der  Ständeversammlung  wiederholten  sich  diese  Anträge.
Buderus  ging  nicht  darauf  ein.  Hatte  er  doch  schon  im  Jahre  1807
drei  ehrenvolle  und  nach  seiner  Angabe  äußerst  vorteilhafte
Berufungen  in  auswärtige  Dienste  abgelehnt.  Wohl  war  er  auf
Erwerb  bedacht.  Er  wollte  seinen  Kindern  neben  dem  Adel  auch
völlige  materielle  Unabhängigkeit  sichern.  Zugleich  aber  war  er
        <pb n="151" />
        144

ein  treuer  Diener  des  angestammten  Fürstenhauses  und  schlug
deshalb  jede  Stelle  aus,  die  ihm  in  dieser  Hinsicht  Schwierigkeiten
machen  konnte.  Auch  war  er  weit  davon  entfernt,  die  Lage  des
Kurfürsten  zu  seinem  Vorteil  auszunutzen,  er  tat  eher  das  Gegenteil. ­
  Von  Verfolgungen  blieb  er  sowohl  wie  Rothschild  von  jetzt
ab  verschont 215 .

Die  Rothschild-Legende.
Die  Frankfurter  sind  sehr  neugierig  und  fabelhaft,  sagt  der
Magister  Laukhard.  Jedenfalls  ist  Frankfurt  ein  guter  Boden  für
Legendenbildung.  Rothschild-Legenden  gibt  es  in  großer  Zahl  und
noch  mehr  Anekdoten.  Sie  haben  aber  nichts  zu  schaffen  in  einem
Buch,  das  auf  wissenschaftlichem  Wege  in  die  Geschichte  des
Hauses  Rothschild  Wahrheit  und  Klarheit  zu  bringen  sucht.  Nur
die  Hauptlegende  von  der  Rettung  des  kurfürstlichen  Vermögens
darf  und  muß  uns  hier  beschäftigen,  weil  sie  bisher  überall,  auch
in  der  Wissenschaft,  als  historische  Wahrheit  hingenommen  wurde.
Wie  die  Legende  entstehen  konnte,  ist  nach  den  oben  dargelegten ­
  Tatsachen  leicht  erklärlich  und  wird  noch  dadurch  in
helleres  Licht  gerückt,  daß  in  Altenhaßlau  sich  eine  gleichartige
Legende  an  den  Namen  des  Geheimen  Kriegsrats  Buderus  von  Carlshausen ­
  knüpfte  und  bis  auf  den  heutigen  Tag  lebendig  blieb.
Meyer  Amschel  Rothschild  und  Buderus  von  Carlshausen  genossen
beide  das  Vertrauen  des  Kurfürsten  bei  dessen  Finanzangelegenheiten, ­
  beide  waren  während  der  Exilzeit  bei  dessen  Vermögens-Verwaltung
  und  Geldgeschäften  wesentlich  beteiligt  und  standen
in  brieflichem  und  persönlichem  Verkehr  mit  ihrem  Patron.  Und
beide  hatten  zwar  kein  Vermögen,  wohl  aber  sonstige  wichtige
Objekte  vom  Kurfürsten  in  Händen  und  waren  darauf  bedacht,  sie
aufs  sorgfältigste  zu  bewahren  und  verborgen  zu  halten.  Nichts
ist  daher  begreiflicher,  als  daß  an  beiden  Orten  das  Gerücht  entstand, ­
  der  vertraute  Bankier  oder  der  vertraute  Finanzbeamte  des
Kurfürsten  halte  sein  Vermögen  verborgen.  In  Altenhaßlau  soll
der  Schatz  nach  der  einen  Version  im  östlich  gelegenen,  vom  Park
des  Herrenhauses  durch  die  Straße  getrennten  Garten,  nach  der
andern  in  dem  westlich  vom  Herrenhaus  hinter  der  Wohnung  des
Pächters  gelegenen  sog.  Badhause  verborgen  gewesen  sein,  und
zwar  unter  der  Treppe 216 .  Daß  aber  in  Wirklichkeit  von  einer
        <pb n="152" />
        Bergung  von  Schätzen  hier  gar  keine  Rede  sein  kann,  geht  deutlich
aus  Buderus’  Briefwechsel  mit  dem  Kurfürsten  hervor.  Er  hatte
weder  Obligationen  noch  jemals  eine  erhebliche  Summe  baren
Geldes  zur  Verfügung,  und  als  sein  Kassenvorrat,  den  er  aber  von
Rothschild  aufbewahren  ließ,  einst  die  Summe  von  301  960  fl  erreicht
hatte,  bat  er  am  24.  Februar  1812  den  Kurfürsten  dringend,  ihn
möglichst  bald  von  dieser  Bürde  zu  befreien.  Er  hatte  ohne  das
Angst  und  Pein  genug  auszustehen,  da  er  jedes  Stück  Papier,  das
auf  seinen  Finanzverkehr  mit  dem  Kurfürsten  deutete,  versteckt
halten  mußte 217 .  Und  zu  diesem  Zweck  mögen  ihm  allerdings
sowohl  der  Garten  wie  das  Badhaus  auf  Carlshausen  geeignete
Stellen  geboten  haben.
Begreiflicherweise  fand  das  Altenhaßlauer  Gerücht  nicht  die
Verbreitung  wie  das  Frankfurter.  Auch  trat  in  Frankfurt  noch  ein
Ereignis  auf,  das  zur  Befestigung  und  Weiterbildung  der  dortigen
Legende  wesentlich  beitragen  mußte,  die  Haussuchung  bei  Rothschild.
Man  wollte  bei  diesem  Vorgehen  sich  des  Eigentums  des  Kurfürsten
bemächtigen.  Was  lag  da  für  den  Uneingeweihten  näher  als  die
Annahme,  daß  bei  Rothschild  tatsächlich  das  kurfürstliche  Vermögen
oder  ein  Teil  desselben  verborgen  sei.  So  kam  es,  daß  in  Frankfurt
auch  ernste  und  gelehrte  Männer  sich  irreführen  ließen.  Der
Historiker  Fr.  Chr.  Schlosser,  der  von  1800  bis  Ostern  1808  und  von
Ende  1810  bis  1817  in  Frankfurt  lebte,  berichtet  1848  in  seiner
Geschichte  des  18.  und  19.  Jahrhunderts 218  vom  Kurfürsten  von
Hessen:  „Wir  alle,  die  wir  damals  (Oktober  1806)  in  Frankfurt  auf
Preußen  hofften  und  das  Manifest  derselben  [so!]  vortrefflich  fanden,
freuten  uns,  als  ihn  (den  Kurfürsten)  schon  nach  14  Tagen  die
Nemesis  ereilte,  und  bedauerten  nichts  mehr,  als  daß  uns  ein
Pflichtgefühl  verbot,  den  Franzosen  zu  sagen,  daß  sein  übel
erworbenes  Geld  in  Weinfässern  zu  Frankfurt  in  Amschel  Rothschilds ­
  Keller  liege.“  Da  Schlosser  im  Jahre  1817  die  Stadt
Frankfurt  auf  immer  verließ,  so  wird  man  schon  aus  diesem  Grunde
annehmen  dürfen,  daß  die  Legende  vor  jenem  Zeitpunkt  entstanden
war.  Daß  Schlosser  behauptet,  das  Vermögen  sei  in  Weinfässern
verborgen  gewesen,  könnte  der  Vermutung  Raum  geben,  daß  die
Legende  in  dieser  Form  nicht  über  das  Jahr  1809  zurückreicht,
wo  der  Kurfürst  seinem  Oberhofagenten  14  Stück  Wein,  die  aus  dem
Hanauer  Schloßkeller  stammten,  zur  Aufbewahrung  anvertraute 219 .
Sein  Aktendepot  empfing  Rothschild  bereits  in  der  Herbstmesse
10
        <pb n="153" />
        des  Jahres  1807,  und  die  Haussuchung  der  Franzosen  fand  später
statt,  entweder  noch  im  Jahre  1807  oder  im  Jahre  1808.  Demnach
darf  die  Entstehung  der  ursprünglichen  Legende  vermutlich  nicht
vor  der  Herbstmesse  1807  und  jedenfalls  nicht  nach  dem  Jahre  1808
angesetzt  werden.  Die  Abweichungen  in  Schlossers  Angaben,
wonach  die  Legende  bereits  im  Oktober  1806  bestanden  haben
könnte,  muß  demnach  auf  begreiflichem  Gedächtnisfehler  und  die
Verbindung  mit  der  Flucht  des  Kurfürsten  und  den  Weinfässern
auf  nachträglicher  Kombination  beruhen.
Wenn  Cohen,  der  sich  bei  Abfassung  seines  Nekrologs  offenbar
mit  der  Rothschildschen  Familie  besprochen  hatte,  die  Legende
nicht  erwähnt,  sogar  bemerkt,  daß  Meyer  Amschel  dem  Hessischen
Hofe  nur  bis  zum  Jahre  1806  diente,  wo  sein  Dienst  mit  der
Existenz  dieses  Hofes  aufgehört  habe,  so  beweist  das  nur,  daß
man  zu  jenem  Zeitpunkt  noch  bestrebt  war,  das  wahre  Verhältnis
Meyer  Amschels  zum  Kurfürsten  zu  verschleiern.  Es  scheint  jedoch
längere  Zeit  gedauert  zu  haben,  bis  die  Legende  über  das  Weichbild ­
  der  Stadt  Frankfurt  vordrang.  Noch  in  den  Biographischen
Nachrichten  über  das  Haus  Rothschild,  die  Fr.  von  Gentz  im
Jahre  1826  niederschrieb  220 ,  wird  die  Rettung  des  kurfürstlichen
Vermögens  nicht  erwähnt.  Erst  im  Jahre  1827  begegnen  wir  einer
gedruckten  Mitteilung  darüber.  Das  Brockhaussche  Konversationslexikon ­
  nämlich  brachte  in  seiner  7.  Auflage  einen  Artikel  über
das  Haus  Rothschild 221 ,  und  zwar  in  Form  eines  Auszugs  aus  den
Biographischen  Nachrichten  von  Gentz.  Dort  wird  in  einer  Fußnote
bemerkt,  daß  das  große  Privatvermögen  des  Kurfürsten,  als  er  im
Jahre  1806  aus  seinem  Lande  fliehen  mußte,  beinahe  eine  Beute
Napoleons  geworden  sei.  Meyer  Amschel  habe  einen  beträchtlichen
Teil  desselben  durch  Mut  und  Klugheit,  obgleich  nicht  ohne  eigene
Gefahr,  gerettet  und  es  gewissenhaft  verwaltet.  Mit  diesem  Zusatz,
der  bezeichnenderweise  von  einem  Frankfurter  222  herrührte,  war
die  Legende  mit  einem  Schlag  in  der  ganzen  Welt  verbreitet  und
bildete  von  jetzt  ab  nicht  nur  eine  ständige  Rubrik  bei  der  großen
Zahl  der  Rothschild-Skribenten,  sondern  wurde  auch  von  den  ernsten
Forschern  als  Wahrheit  hingenommen.  Gutzkow,  der  im  Jahre  1835
eine  Schilderung  Rothschilds  gab,  spricht  von  der  Geschichte  als
von  etwas  allgemein  Bekanntem  und  hält  es  nicht  für  nötig,  sie
nachzuerzählen  223 .  Weiter  ausgeführt  und  gehörig  ausgeschmückt
tritt  die  Legende  in  der  8.  Auflage  des  Brockhausschen  Konversations-
        <pb n="154" />
        lexikons  auf,  die  im  Jahre  1836,  vier  Jahre  nach  Gentz’  Tode,
herauskam.  Dort  lesen  wir  im  9.  Band  Seite  432  und  433  folgendes:
„Als  der  Kurfürst  1806,  da  seine  Staaten  durch  die  Franzosen
besetzt  wurden,  sich  zur  Flucht  genötigt  sah,  überließ  er  R.  die
Sorge  für  die  Rettung  seines  Privatvermögens,  welches  in  mehreren
Millionen  Gulden  bestand.  Nur  durch  die  Aufopferung  seines  ganzen
eigenen  Vermögens  und  nicht  ohne  persönliche  Gefahr  vermochte  R.
das  ihm  anvertraute  Gut  zu  retten.  Die  bekannte  Thatsache,  daß  R’s
sämmtliches  Vermögen  ein  Raub  der  Franzosen  geworden,  ließ  den
vertriebenen  Kurfürsten  nicht  zweifeln,  daß  auch  sein  Vermögen
verloren  sei,  ja  er  scheint  es  nicht  einmal  der  Mühe  werth  geachtet
zu  haben,  sich  näher  darnach  zu  erkundigen.  Als  die  Verhältnisse
sich  wieder  geordnet,  fing  R.  sofort  an,  mit  den  geretteten  Schätzen
neue  Geschäfte  zu  machen  .  .  .  als  im  J.  1813  der  Kurfürst  in  seine
Staaten  heimkehrte,  war  das  Haus  Rothschild  nicht  nur  erbötig,
die  ihm  anvertrauten  Capitalien  sofort  zurückzuzahlen,  sondern
versprach  auch,  vom  Tage  des  Empfanges  an  die  üblichen  Procente
zu  bezahlen.  Der  Kurfürst,  durch  einen  Beweis  der  Redlichkeit
und  Rechtlichkeit,  wie  er  hier  vorlag,  wahrhaft  in  Erstaunen  versetzt,
ließ  das  ganze  Capital  noch  auf  mehrere  Jahre  in  dem  Geschäfte,
verzichtete  auf  alle  früheren  Interessen,  nahm  nur  erst  von  der
Zeit  seiner  Rückkehr  an  einen  geringen  Zins  und  hat  gewiß  nicht
wenig  durch  seine  Empfehlungen,  zumal  auf  dem  Wiener  Congresse,
die  Verbindungen  des  Hauses  Rothschild  gefördert.“
Wer  unsere  obige  Darstellung  verfolgt  hat,  dem  wird  die
Sicherheit,  mit  der  hier  die  Legendenbildung  auftritt,  ein  wenig  in
Erstaunen  setzen.  Und  nun  erschien  obendrein  noch  eine  Veröffentlichung, ­
  die  geeignet  war,  selbst  den  vorsichtigen  wissenschaftlichen ­
  Fachmann  gefangen  zu  nehmen.  Im  Jahre  1848  kam  ein
englisches  Buch  heraus,  das  wertvolle  Mitteilungen  zur  Geschichte
des  Hauses  Rothschild  brachte  und  dabei  auch  über  den  eigentlichen
Hergang  bei  der  Rettung  des  kurfürstlichen  Vermögens  authentischen
Aufschluß  zu  geben  schien.  Es  waren  dies  die  Memoiren  von
Thomas  Powell  Buxton  224 .  Sie  brachten  eine  Unterredung  mit
Nathan  Mayer  Rothschild  (+  1836),  aus  der  wir  bereits  oben  (S.  14f.)
einen  Auszug  zitiert  haben.  Am  Schlüsse  jener  Unterredung  heißt
es:  „Ich  (Buxton)  vergaß  zu  erwähnen:  daß  bald  nachdem  M.  Rothschild ­
  nach  England  kam,  Bonaparte  in  Deutschland  einfiel ;  „Der
Fürst  von  Hessen-Cassel“,  sagte  [Nathan  Mayer]  Rothschild,  „gab
10*
        <pb n="155" />
        148

meinem  Vater  sein  Geld;  es  war  keine  Zeit  zu  verlieren;  er  sandte
es  an  mich.  Ich  erhielt  unerwartet  600  000  £  mit  der  Post,  und
legte  es  so  gut  an,  daß  der  Fürst  mir  all  seinen  Wein  und  all  sein
Leinen  zum  Geschenk  machte.“  Diese  Notiz  hat  zwar  die  deutschen
Rothschild-Skribenten  nicht  weiter  berührt,  dagegen  hat  sie  ebenso
wie  die  Brockhaussche  Erzählung  bei  den  Gelehrten  Beachtung
und  Glauben  gefunden.
Die  zitierten  Sätze  Nathan  Mayers  können  aber  nicht  ernst
gemeint  sein.  Betrachten  wir  zunächst  den  Schlußsatz.  Daß  der
Kurfürst  ihm  seine  sämtlichen  Vorräte  an  Wein  und  Leinen  schenkt,
entbehrt  schon  der  inneren  Wahrscheinlichkeit.  Auch  würden  die
Tatsachen  dagegen  sprechen.  Glücklicherweise  sind  wir  nämlich
über  die  Weinverhältnisse  des  Kurfürsten  zum  fraglichen  Zeitpunkt
genügend  unterrichtet.  Als  der  Marschall  Kellermann,  der  Befehlshaber ­
  der  Elbearmee,  sich  1809  im  Hauptquartier  bei  Hanau  aufhielt, ­
  ließ  er  die  Weine  des  Hanauer  Schloßkellers  wegführen.
Ein  Handelsmann  namens  Hildebrand  aus  Frankfurt  bot  die  Weine
später  dem  Kurfürsten  zum  Kauf  an,  und  das  Haus  Rothschild,
das  die  Proben  davon  nach  Prag  gesandt  hatte,  erhielt  den  Auftrag,
die  Weine  anzukaufen  und  aufzubewahren,  bis  darüber  disponiert
werde  225 .  Als  der  Kurfürst  in  sein  Land  zurückgekehrt  war,  wurde
angeordnet,  daß  sowohl  die  in  Frankfurt  befindlichen  wie  die  in
Prag  aufbewahrten  Weine  als  Grundlage  eines  neuen  Hofkellers
dienen  sollten,  und  das  Rothschildsche  Bankhaus  sandte  im
Jahre  1814  sein  Depot  nach  Kassel.  Da  aber  der  Rothschildsche
Kellermeister  damals  schwer  erkrankt  und  der  Chef  des  Hauses,
wie  es  den  Anschein  hat,  abwesend  war,  so  geschah  es,  daß  statt
14  Stück  19  Stück  gesandt  wurden,  darunter  9  unzutreffende
Nummern  226 .  Hierüber  und  weil  die  Qualität  der  Weine  zum  Teil
dem  Kaufpreis  nicht  entsprechen  sollte  —  die  14  Stück  hatten
zusammen  18  640  rf  gekostet  —,  führte  das  Oberhofmarschallamt
einen  Briefwechsel  mit  der  Kabinettskassendirektion  und  verlangte
trotz  dortseitiger  Aufklärung,  daß  ein  Mitglied  des  Hauses  Rothschild ­
  nach  Kassel  komme,  um  die  „Differenzen  auszugleichen“.
Diesem  Ansinnen  wurde  von  seiten  des  Rothschildschen  Bankhauses
nicht  entsprochen,  und  die  Briefe  des  Oberhofmarschallamtes  blieben
zuletzt  unbeantwortet.  Da  sandte  letzteres  auf  Grund  einer  allerhöchsten ­
  Resolution  ein  Ultimatum  an  das  Bankhaus,  und  nun
reichte  dieses  unterm  17.  Juli  1815  eine  Immediateingabe  an  den
        <pb n="156" />
        149

Kurfürsten  ein.  Wir  zitieren  daraus  folgenden  Passus:  „Schon
früher  haben  wir  allerunterthänigst  angezeigt,  daß  wir  bei  diesem
Geschäft  bloß  die  allerhöchste  Zufriedenheit  von  Euer  Königlichen ­
  Hoheit  erlangen  wollten  und  uns  gar  keine  andere  Absicht
leitete:  Die  Weine  wurden  uns  so  übergeben,  wie  sie  der
verstorbene  Herr  Kammer-Rath  von  Winzingerode  ausgesucht
hatte;  Wir  haben  sie  getreulich  aufbewahrt  und  gehörig  auffüllen ­
  lassen;  von  uns  hatte  die  Abwendung  höherer  Gewalt
durch  Einbruch  fremder  Truppen  in  unseren  Keller,  entstandene
Feuersbrunst  und  dadurch  erfolgtes  Eindringen  vielerley  Leute  in
den  nemlichen  Keller  nicht  abgehangen  .  .  .  Wir  können  ganz
unmöglich  wissen,  was  in  dem  Zeitraum  der  angeführten  Unglücksfälle ­
  mit  den  Weinen  vorgegangen  ist;  wir  wollen  dennoch,  ob  wir
gleich  rechtlich  nicht  dazu  genöthigt  werden  können,  den  Schaden
in  dem  Maaße  übernehmen,  daß  wir  unsererseits  auf  die  Vergütung
aller  bezahlten  Auffüllkosten  und  der  noch  guthabenden  sehr  beträchtlichen ­
  Reisekosten  nach  Prag,  auch  unsere  gleichfalls  bedeutende ­
  Auslagen  für  Staffetten-Gebühren  und  Briefporti  Verzicht
leisten,  wenn  dagegen  Allerhöchstdieselben  die  Wein-Angelegenheit
als  beendigt  zu  resolviren  und  uns  die  zu  viel  abgelieferten  Stücke
zurückgeben  zu  lassen  allergnädigst  geruhen  wollen.“  Hierauf
wurde  das  Oberhofmarschallamt  beauftragt,  die  Angelegenheit  einstweilen ­
  in  statu  quo  zu  lassen,  und  gleichzeitig  dem  Kriegsrat  Knatz
aufgetragen,  aus  den  Akten  und  Rechnungen  zu  ermitteln,  bis  zu
welchem  Zeitpunkt  dem  Hause  Rothschild  die  Reisekosten,  Staffettenund
  Briefportoauslagen  vergütet  seien  227 .  Damit  brechen  diese  Akten
ab,  und  wir  wissen  nicht,  welchen  Ausgang  die  Affäre  nahm.
Immerhin  geht  aus  den  mitgeteilten  Tatsachen  das  eine  hervor,  daß
der  Kurfürst  weit  entfernt  war,  Nathan  Mayer  seine  Weinvorräte  zum
Geschenk  zu  machen.  Auch  wäre  es  mit  seinem  übermäßig  sparsamen
Sinn  schwer  zu  vereinbaren,  wenn  er  den  Rothschild  überhaupt  eine
Belohnung  in  irgendeiner  Form  hätte  zuteil  werden  lassen.  Daß  dies
nicht  geschehen,  geht  schon  aus  dem  ganzen  Ton  der  oben  geschilderten ­
  Verhandlungen  hervor.  Nicht  der  Kurfürst  war  generös
aufgetreten,  sondern  die  Rothschild.  Statt  eine  Belohnung  für  ihre
treuen  Dienste  zu  erhalten,  hatten  diese  noch  ein  und  ein  halbes
Jahr  nach  Ablauf  der  Exilzeit  den  Ersatz  barer  Auslagen  zu  fordern.
Damit  glauben  wir  die  Angabe  Nathan  Mayers  von  der
Schenkung  des  Kurfürsten  als  unhaltbar  erwiesen  zu  haben.  Und
        <pb n="157" />
        ebensowenig  läßt  sich  der  angebliche  Grund  dieser  Belohnung,  die
Übernahme  des  Kapitals  von  600000  aufrecht  erhalten.
Nathan  Mayer,  obgleich  der  hervorragendste  von  Meyer  Amschels
Söhnen,  war  zu  dem  Zeitpunkt  der  französischen  Okkupation  noch
lange  nicht  der  Mann,  auf  den  der  Kurfürst  besondere  Stücke
hielt.  Wie  hätte  der  mißtrauische  Fürst  gestatten  können,  daß  ein
wesentlicher  Teil  seines  Vermögens  einem  Manne  überlassen  wurde,
den  er  persönlich  kaum  kennen  konnte,  da  er  seit  1798  sich  außer
Landes  befand,  und  der  seine  Geschäfte  zunächst  so  selbständig
und  unabhängig  vom  Frankfurter  Mutterhaus  betrieb,  daß  er  an
dem  Gesellschaftsvertrag  von  1810  unbeteiligt  blieb,  und  sein  Vater
nur  ungenügend  über  sein  Tun  und  Lassen  unterrichtet  war.  Im
Juli  des  Jahres  1807,  also  etwa  8  Monate  nachdem  die  Rettung
jener  Summe  stattgefunden  haben  müßte,  hatte  der  Kurfürst,  der
doch  mit  mehreren  Brüdern  Nathan  Mayers  in  fortgesetztem  und
intimstem  persönlichen  Verkehr  stand,  gerade  gegen  den  letzteren
eine  solche  vorgefaßte  Antipathie,  daß  er  seinem  Londoner  Geschäftsträger, ­
  dem  Kriegsrat  Lorentz,  aufträgt,  ihn  ohne  Umstände  abzuweisen, ­
  wenn  er  es  wagen  sollte,  nochmals  nach  des  Kurfürsten
Geldangelegenheiten  zu  fragen,  da  letzteres  ganz  gegen  dessen
Intention  sei  (s.  o.  S.  127).  ln  dieser  Weise  hätte  er  nicht  von  einem
Manne  sprechen  können,  der  für  ihn  die  bedeutende  Summe  von
600  000  ^  zu  verwalten  hatte.  Anders  allerdings  war  das  Verhältnis ­
  des  Kurfürsten  zum  alten  Rothschild.  Dieser  besaß  bereits
im  Jahre  1806  sein  Vertrauen,  aber  doch  auch  nicht  in  dem  Maße,
daß  er  ihm  ohne  weiteres  ein  so  bedeutendes  Stück  seines  Eigentums ­
  zur  unumschränkten  Verwaltung  überlassen  hätte.  Noch  im
Juli  1807  hegt  der  Kurfürst  Bedenken,  ihm  den  Wert  von  nur
200  000  fl  ohne  entsprechende  Sicherheit  in  Händen  zu  lassen,  und
bringt  dies  im  Briefwechsel  mit  Buderus  unverhohlen  zum  Ausdruck ­
 228 .  Ein  Jahr  später,  im  Sommer  1808,  kann  er  sich  nur
mit  schwerem  Herzen  dazu  entschließen,  seinem  Rechnungsführer
Buderus  zu  gefallen  die  Summe  von  223  800  fl  auf  16  Wechsel  an
Meyer  Amschel  zu  leihen,  wonach  dieser  übrigens  gar  nicht  verlangte. ­
  ln  beiden  Fällen  wäre  das  Gebahren  des  Kurfürsten  mehr
als  lächerlich  gewesen,  wenn  Rothschild  bereits  seit  dem  Jahre  1806
im  Besitze  der  kurfürstlichen  Millionen  war.
Als  Meyer  Amschel  so  viel  Vertrauen  gewonnen  hatte,  daß
ihm  die  Realisierung  der  englischen  Konsuls  übertragen  wurde,
        <pb n="158" />
        151

mußte  über  jede  bewirkte  Anschaffung  ein  Instrument  ausgefertigt
und  dem  Kurfürsten  eingehändigt  werden.  Und  zwar  drängte
dieser  besonders  in  der  ersten  Zeit  stark,  wenn  ein  solches
Dokument  infolge  der  Beschwerlichkeit  der  Hin-  und  Rückreise
nur  langsam  von  London  herbeigeschafft  werden  konnte  229 .  Über
diese  und  viele  andere  Vorsichtsmaßregeln  geben  die  Akten  reichlich ­
  Auskunft.  Über  die  wichtigste  Angelegenheit  aber,  die  Bergung
der  Millionen,  würde  sich  im  Rothschild-Archiv,  in  den  Archiven
zu  Marburg  und  auf  Carlshausen  nicht  ein  einziges  Dokument
gefunden  haben,  und  diese  Sache,  die  den  Mittelpunkt  des  ganzen
Finanzgebahrens  hätte  bilden  müssen,  würde  in  der  reichhaltigen
Korrespondenz  zwischen  Buderus  und  dem  Kurfürsten  niemals  mit
einer  Silbe  erwähnt  sein.
Nehmen  wir  aber  ein  Mal  an,  der  alte  Rothschild  habe
wirklich  die  Summe  von  600  000  £  oder  6  bis  7  Millionen  Gulden
zur  Aufbewahrung  erhalten,  so  mußte  dieselbe  entweder  in  Metall,
oder  in  Noten,  oder  in  Obligationen  und  Kupons,  oder  in  mehreren
dieser  Wertsorten  zugleich  bestanden  haben.  Daß  der  Kurfürst
eine  solche  Summe  in  Metall  oder  Noten,  d.  h.  brach  liegen  hatte,
wird  niemand  zugeben,  der  da  weiß,  daß  er  mit  seinen  Kapitalien
beinahe  wie  ein  kundiger  Bankier  in  lukrativer  Weise  zu  wirtschaften ­
  gewohnt  war.  Wir  erfahren  aber  auch  aus  Buderus’
Korrespondenz,  daß  zu  dem  Zeitpunkt,  wo  der  Kurfürst  außer
Landes  ging,  die  herrschaftlichen  Kassen  so  gut  wie  geleert  waren,
indem  kurz  zuvor  große  Zahlungen  geleistet  werden  mußten
(s.  o.  S.  96f).  Und  aus  Buderus’  Rechnungsbüchern  erfahren  wir
ferner,  daß  nur  zwei  kleine  Posten  aus  dem  Barbestand  der  Kassen
bei  Meyer  Amschel  deponiert  wurden,  nämlich  806  rf  10  Alb.  5  HL
aus  der  Kabinettskasse  und  8000  Kronentaler  aus  der  Kriegskasse.
Beide  Posten  wurden  noch  im  Laufe  des  Jahres  1807  von  Buderus
wieder  eingezogen  230 .  Es  würde  sich  also  bei  jener  Summe  nach
allem,  was  wir  wissen,  im  wesentlichen  um  Obligationen  und
Kupons  gehandelt  haben.  Gerade  die  Papiere  dieser  Gattung  aber
hatte  der  Kurfürst  in  solchem  Umfang  an  sich  gezogen,  daß  ein
derartiges  Depot  bei  Rothschild  ganz  unverständlich  erscheinen  muß.
Wir  haben  oben  gesehen,  daß  der  Kurfürst  3  Kisten  mit  Zinskupons ­
  und  6  Koffer  mit  Partialobligationen  gerettet  hatte.  Unter
den  14  Koffern  und  Kisten,-  die  Delbrück  von  Prag  nach  Olmütz
transportierte,  befanden  sich  die  6  Koffer  mit  Partial-  und  1  Koffer
        <pb n="159" />
        152

mit  Nominalobligationen,  sowie  1  Kasten  mit  Zinskupons.  Delbrück
hatte  mehrere  Wagen.  Der  Bagagewagen  wurde  von  6  Pferden
gezogen,  bei  Steigungen  und  im  Morast  sogar  von  8  bis  10  Pferden.
Die  Last,  die  er  führte,  und  die  doch  nach  der  Stückzahl  und  dem
Inhalt  zu  schließen  zum  größeren  Teil  auf  Obligationen  und  Kupons
entfiel,  läßt  sich  hiernach  bemessen.  Man  darf  pro  Pferd  durchschnittlich ­
  8  Zentner  rechnen.  Wenn  nun  im  Frankfurter  Bankhaus  noch
außerdem  eine  verhältnismäßig  große  Zahl  von  Obigationen  und
Kupons  —  in  der  Regel  handelte  es  sich  bei  den  Partialobligationen
um  Stücke  ä  1000  fl  —  aufbewahrt  waren,  so  fragt  man  mit  Recht,
wo  denn  diese  Effekten  hergekommen  sein  sollen,  und  aus  welchem
Grunde  der  peinlich  besorgte  geizige  und  mißtrauische  Kurfürst
einen  so  großen  Teil  seiner  Wertpapiere  bei  Rothschild  ließ,  während
es  ihm  doch  gar  nicht  an  Gelegenheit  fehlte,  alles  an  sich  zu
ziehen.  Meyer  Amschel  hatte,  wie  wir  oben  sahen,  einen  Teil  der
Effekten  von  Hamburg  nach  Prag  geschafft.  Sein  Sohn  verkehrte
regelmäßig  mit  dem  Kurfürsten  und  bediente  sich  dabei  eines
Wagens,  der  ein  Geheimfach  enthielt.  Es  wäre  völlig  unverständlich,
daß  der  Kurfürst  nicht  wie  in  allen  anderen  Fällen  (s.  o.  S.  74—76)
die  bei  Rothschild  befindlichen  Obligationen  wenigstens  nach  und
nach  in  sein  Refugium  hätte  bringen  lassen.  Ich  behaupte  demnach
mit  guten  Gründen:  Der  Kurfürst  hat  bei  seiner  Flucht
Meyer  Amschel  Rothschild  nicht  sein  Vermögen,  auch
nicht  einen  Teil  desselben,  zur  Aufbewahrung  übergeben, ­
  und  das  Haus  Rothschild  verdankt  nicht  einem
derartigen  Zufall,  wie  alle  Welt  bisher  angenommen
hat,  seinen  Reichtum  und  seine  Macht,  vielmehr  ist
dessen  Wachstum  wie  auch  seine  Vertrauensstellung
beim  hessischen  Fürstenhaus  nur  langsam  und  durch
zähe  Ausdauer  gefördert  worden.  Nicht  vor,  sondern
während  der  Exilzeit  haben  die  Rothschild  durch  ihre  Treue,
Anhänglichkeit  und  Leistungsfähigkeit  dasjenige  Maß  von  Vertrauen ­
  beim  hessischen  Fürstenhaus  erworben,  das  auch  die
Legende  ihnen  zuschreibt 231 .
Es  fragt  sich  noch:  wie  erklären  sich  die  zunächst  auffallend
erscheinenden  Bemerkungen  Nathan  Mayers?  Uns  will  es  scheinen,
daß  der  betreffende  Passus  ironisch  aufzufassen  ist.  Die  tatsächliche
Grundlage  der  Erzählung  bildet  der  oben  geschilderte  allmähliche
Ankauf  von  englischen  Konsols  für  den  Kurfürsten,  und  wenn  die
        <pb n="160" />
        153

nach  London  gesandte  und  dort  angelegte  Summe  auf  600  000  £
beziffert  wird,  so  hat  das  insofern  ein  tatsächliches  Analogon,  als
der  Nominalwert  der  in  der  Exilzeit  verfügten,  nicht  aber  in  vollem
Umfang  vom  Kurfürsten  gedeckten  Ankäufe  sich  tatsächlich  auf
mehr  als  600  000  £  belief.  Der  Hergang  der  Sache  aber  ist  in  jeder
Beziehung  der  entgegengesetzte  gewesen.  Nicht  durch  die  Post  hat
Nathan  Mayer  jene  Summe  erhalten,  denn  das  wäre  bei  den  damaligen
Verkehrsverhältnissen  undenkbar  gewesen,  auch  nicht  auf  ein  Mal,
sondern  nach  und  nach  im  Verlauf  von  fünf  Jahren.  Nicht  Dank
und  Lohn  ernteten  die  Rothschild  für  diese  und  andere  Dienste,
sondern  von  gewisser  Seite  des  kurfürstlichen  Hofes  sogar  Undank
und  Unannehmlichkeiten.  Dieser  Widerspruch  der  Tatsachen  mit
der  naiven  und  falschen  Auffassung  der  Rothschild-Legende,  die
damals  (Februar  1834)  schon  weit  verbreitet  und  auch  Nathan  Mayer
bekannt  gewesen  sein  muß,  veranlaßte  ihn,  die  ganze  Sache  ironisch
vorzutragen  und  seine  Zuhörer  zum  Besten  zu  halten.  Denn  daß
er  ein  Schalk  war,  geht  schon  aus  der  Geschichte  von  dem  Bettler
und  der  Guinea  hervor.  Er  gab  nämlich  zuweilen,  um  sich  zu
belustigen,  einem  Bettler  eine  Guinea.  Der  denkt,  es  sei  aus  Versehen ­
  geschehen,  und  aus  Furcht,  daß  der  Spender  seinen  Fehler
entdeckt,  läuft  er  davon  so  rasch  er  kann.  „Ich  rate  Ihnen,  einem
Bettler  zuweilen  eine  Guinea  zu  geben,  es  ist  sehr  belustigend.“
Diese  und  andere  heitere  Geschichten  erzählt  Nathan  Mayer
in  derselben  Gesellschaft,  von  der  Buxton  berichtet.  Er  war  also
an  jenem  Tage  launig  aufgelegt.  Vielleicht  waren  auch  eingeweihte
Zuhörer  zugegen,  bei  denen  er  auf  ein  ausreichendes  Verständnis
seiner  Anspielungen  rechnen  durfte.  Buxton  gehörte  jedenfalls  nicht
zu  den  Eingeweihten,  und  so  hat  dessen  Bericht  einen  ernsten
Anstrich  erhalten.  Und  wenn  wir  auch  die  Art  und  Weise,  wie
Nathan  Mayer  von  dem  Leinenvorrat  des  Kurfürsten  spricht,  aus
den  Akten  nicht  aufzuklären  vermögen,  so  müssen  wir  doch  annehmen, ­
  daß  die  zugrunde  liegenden  tatsächlichen  Verhältnisse  hier
ähnlich  lagen  und  ähnlich  ironisiert  wurden  wie  bei  dem  Weinvorrat.
Um  zuletzt  noch  ein  Wort  über  die  beiden  Brockhausschen
Artikel  zu  sagen,  so  war  der  erste  vom  Jahre  1827  von  einem  in
Frankfurt  lebenden  Publizisten,  Freiherrn  von  Meseritz,  verfaßt  232 .
Dieser  verfuhr  wie  ein  praktischer  Journalist,  indem  er  den  Gentzschen
Artikel  wörtlich  auszog  und  die  Frankfurter  Legende,  die  ihm  als
Bewohner  dieser  Stadt  geläufig  sein  mußte,  in  einer  Fußnote
        <pb n="161" />
        154

beifügte.  Ober  den  zweiten  Artikel  vom  Jahre  1836  gibt  mir
F.  A.  Brockhaus  in  Leipzig  folgende  Auskunft:  „Es  scheint,  daß
der  Artikel  hier  von  keinem  Spezialmitarbeiter  bearbeitet  worden
ist.  Die  Redaktion  hat  sich  vielmehr  begnügt,  den  Artikel  der
7.  Ausl,  an  Herrn  Baron  Karl  v.  Rothschild  in  Neapel  zur  Berichtigung ­
  und  Ergänzung  zu  senden,  und  dann  hat  sie  etwas  später
den  Artikel  zur  Durchsicht  an  einen  Herrn  Dr.  Schlemmer  gesandt,
der  damals  mit  einem  jüngeren  Baron  Rothschild  in  Leipzig  weilte.
Irgendwelche  weitere  Korrespondenzen  mit  diesen  Herren  finden  sich
nicht  vor,  ebenso  auch  keine  Manuskripte.  Mit  Dr.  Schlemmer  ist
zweifellos  auch  mündlich  verhandelt  worden.  Die  wesentlichsten
Eingriffe  in  den  Artikel  nach  den  erhaltenen  Materialien  hat  wahrscheinlich ­
  die  Redaktion  selbst  gemacht,  insbesondere  ist  als  sicher
anzunehmen,  daß  sie  selbst  die  Anmerkung  in  der  7.  Auflage  durch
Einarbeiten  des  Inhalts  in  den  laufenden  Text  beseitigt  hat,  da  im  Konversations-Lexikon ­
  überhaupt  Anmerkungen  nicht  gebräuchlich  sind.“
Freiherr  Karl  von  Rothschild  in  Neapel  war  derjenige  Sohn
Meyer  Amschel  Rothschilds,  der  während  der  Exilzeit  fortgesetzt
für  den  Kurfürsten  auf  Reisen  war.  Seine  Berichtigungen  und  Ergänzungen, ­
  falls  er  wirklich  solche  zu  dem  Artikel  der  7.  Auflage
geliefert  hat,  müssen  die  Redaktion  des  Konversationslexikons  wenig
befriedigt  haben,  sonst  hätte  man  sich  nicht  noch  an  den  Rothschildschen
  Hofmeister  gewandt.  Und  wie  konnte  dieser  etwas
Tatsächliches  zu  einer  Sache  beitragen,  über  die  eingeweihte
Familienglieder  keine  Auskunft  gaben  und  die  man  im  übrigen  nur
aus  den  Akten  hätte  ermitteln  können.
Tatsache  ist,  daß  Meyer  Amschel  Rothschild  Kisten  mit  Akten
aus  dem  kurfürstlichen  Archiv  eine  Zeitlang  in  seinem  Hause  aufbewahrte, ­
  daß  man  im  Jahre  1807  oder  1808  sein  Haus  mit  Gewalt
durchsuchte,  um  sich  des  kurfürstlichen  Eigentums  zu  bemächtigen,
daß  es  aber  Rothschild  gelang,  unter  Preisgabe  eigenen  Besitzes
jene  Kisten  in  Sicherheit  zu  bringen.  Die  Akten  des  kurfürstlichen ­
  Archivs  wurden  in  der  Legende  zum  kurfürstlichen  Vermögen,
ein  gewisser  Verlust  des  Hauses  Rothschild  wurde  zum  Verlust
des  ganzen  Rothschildschen  Besitzes.  Das  Haus  Rothschild  aber
existierte  noch  und  war  groß  geworden.  Womit  hatte  es  also  weiter
gearbeitet?  Natürlich  mit  den  geretteten  kurfürstlichen  Schätzen,  was
aber  ohne  Wissen  des  Besitzers  eine  Untreue  gewesen  wäre.  Auch
hierbei  mag  aber  ein  Stück  Wahrheit  ins  Publikum  durchgesickert
        <pb n="162" />
        und  entstellt  worden  sein,  nämlich  die  Tatsache,  daß  Rothschild
vor  und  während  der  französischen  Okkupation  die  meisten  Überschüsse ­
  des  Kurfürsten  anzulegen  hatte,  sei  es  durch  selbständige
Anleihen,  sei  es  durch  Ankauf  von  Obligationen.  Soweit  kann
man  also  die  einzelnen  Züge  der  Legende  durch  Entstellung  tatsächlicher ­
  Grundlagen  erklären.  Die  Großmut  des  Kurfürsten  aber,
die  so  sehr  seinem  Charakter  und  den  Tatsachen  widerspricht,
gehört  durchaus  der  freien  Erfindung  an  und  war  gefordert  durch
das  natürliche  Bedürfnis,  daß  die  Treue  belohnt  werden  muß.
Rothschilds  Beziehungen  zu  anderen  Fürsten.
Die  Anleihen  der  Jahre  1801  bis  1806  betrafen  verschiedene
deutsche  und  außerdeutsche  Staaten  und  Fürsten.  Im  Mittelpunkt
aber  stand  der  Landgraf  und  spätere  Kurfürst  von  Hessen-Kassel,
mit  dessen  Gelde  die  Anleihen  jener  Jahre  fast  ausschließlich  bestritten ­
  wurden.  Auch  während  der  Exilzeit  kamen  noch  einige
Anleihen  derselben  Art  vor.  Sie  wurden  aber  nicht  mehr  vom
Kurfürsten  übernommen,  sondern  der  Geschäftsfreund  Buderus  und
sein  Schwiegersohn,  der  Kriegsrat  von  Zipf,  übernahmen  die  Beschaffung ­
  der  Gelder.  Beide  beteiligten  sich  mit  ihrem  eigenen
Vermögen  und  warben  außerdem  bei  ihren  Freunden.  Auf  diese
Weise  kam  eine  Anleihe  des  Fürsten  Karl  zu  Leiningen  vom  15.  April
1810  zustande  im  Betrage  von  250  000  fl  24  ff  zu  5  °/o  und  eine
des  Fürsten  von  Löwenstein-Wertheim  vom  1.  Dezember  1812  im
Betrage  von  50  000  fl  24  ff  zu  6  °/o 23S .
Damit  dürften  sämtliche  Anleihen  dieser  Art  erschöpft  sein.
Was  aber  die  sonstigen  größeren  Geldgeschäfte  M.  A.  Rothschilds
betrifft,  so  wäre  sicher  noch  dies  oder  jenes  nachzutragen,  wenn
die  bezüglichen  Archive  ergiebiger  oder  besser  benutzbar  wären.
Jedenfalls  hatte  Rothschild  und  auch  sein  ältester  Sohn  noch  mit
anderen  Fürsten  Beziehungen  angeknüpft  und  sich  Verdienste  bei
ihnen  erworben.  Besonders  war  Rothschild  darauf  bedacht,  daß
seinem  Sohn  Amschel  Mayer  ehrenvolle  Titel  zuteil  wurden,  denn
das  war  damals  überall  die  allerbeste  Empfehlung.  Außerdem
sollte  der  älteste  Sohn  nach  dem  Tode  des  Vaters  der  bevorzugte
Repräsentant  sein,  so  wollte  es  die  patriarchalische  Gepflogenheit.
Schon  lange  vor  dem  Jahre  1800  muß  Rothschild  mit  dem
kaiserlichen  Hof  in  Wien  in  Beziehung  getreten  sein.  Auch  führte
        <pb n="163" />
        156

er  zu  jener  Zeit  bereits  den  Titel  eines  kaiserlichen  Hoffaktors.  Ums
Jahr  1800  aber  tat  er  Schritte,  um  sein  Haus  mit  dem  kaiserlichen
Hof  in  noch  engere  und  dauernde  Verbindung  zu  bringen.  Die  Art
und  Weise,  wie  er  dabei  verfuhr,  geht  aus  einem  Patent  des  Kaisers
Franz  II.  vom  29.  Januar  1800  hervor.  Rothschild  hatte  ihm  ganz
offen  und  mit  glaubwürdigen  Zeugnissen  dargetan,  daß  er  einen
aufrechten  und  allgemeinen  Handel  im  Reich  besitze  und  sich  den
Ruf  eines  redliche»  Geschäftsmannes  erworben  habe.  Er  hatte  auch
darauf  hingewiesen,  daß  er  während  des  damaligen  Krieges  mit
Frankreich  sich  eifrigst  bestrebt  habe,  durch  bedeutende  Dienstleistungen ­
  in  Geld-  und  Lieferungsgeschäften  seine  patriotischen
Gesinnungen  für  das  deutsche  Vaterland  und  seine  Ergebenheit  für
den  kaiserlichen  und  des  Reiches  Dienst  werktätig  an  den  Tag  zu
legen.  Außerdem  wurde  in  dem  Erlaß  insbesondere  anerkannt,
daß  Rothschild  seit  vielen  Jahren  die  Geldgeschäfte,  die  beim
Kaiserlichen  Reichs-Oberpostamt  zu  Frankfurt  und  bei  der  Fürstlich
Thurn  und  Taxisschen  Generalkasse  vorkamen,  stets  mit  gründlicher ­
  Sachkenntnis,  Sorgfalt  und  wahrer  Redlichkeit  besorgt  habe.
Auf  Grund  dieser  Verdienste  hatte  Rothschild  sich  die  Gnade
erbeten,  daß  nebst  ihm  auch  sein  von  gleicher  Gesinnung  und
gleichem  Diensteifer  durchdrungener  Sohn  Amschel  Mayer  zum
kaiserlichen  Hoffaktor  ernannt  werden  möge.  Dieser  Wunsch  wurde
ihm  erfüllt,  und  zugleich  wurde  die  mit  dem  Hoffaktortitel  verbundene
Vergünstigung  ausgesprochen,  daß  der  Inhaber  sich  bei  seinen  Reisen
und  Verrichtungen  nicht  nur  eines  Gewehres,  als  Degen  und  Pistolen
bedienen  dürfe,  sondern  auch  bei  Vorzeigung  seines  Hoffaktorpatentes ­
  von  allem  Leibzoll,  Mauth  und  Aufschlag  oder  anderen
seinen  Glaubensgenossen  abgefordert  werdenden  Gebühren  befreit
sein  solle  und  mit  seiner  Familie  und  seinen  Bedienten  überall  im
Heiligen  Römischen  Reich,  zu  Wasser  und  zu  Lande,  sicher  und
unaufgehalten  passieren  möge.  Auch  solle  man  ihm  die  Wohnung
allenthalben  da,  wo  er  solche  am  sichersten  zu  sein  erachte,  gegen
billige  Bezahlung  verstatten  und  ihn  sonsten  allen  Schutz  genießen ­
  lassen.
Die  geschäftlichen  Beziehungen,  die  in  diesem  Reskript  erwähnt ­
  sind,  wurden  jedenfalls  weiter  gepflegt,  doch  hat  sich  in
den  Archiven  nichts  Genaueres  darüber  ermitteln  lassen.  Ebensowenig ­
  über  das  Verhältnis  zum  Fürsten  Karl  Friedrich  Ludwig
Moritz  zu  Ysenburg,  Graf  zu  Büdingen.  Dieser  ernannte  am
        <pb n="164" />
        157

15.  Juli  1803  den  Amschel  Mayer  Rothschild  in  Betracht  der
ihm  bei  verschiedenen  Gelegenheiten  gut  und  treu  geleisteten
Dienste  zu  seinem  Wirklichen  Hoffaktor,  und  mit  dieser  Charge
waren  ebenfalls  Freiheiten  und  Privilegien  verbunden.  Auch  bestimmte ­
  derselbe  Fürst  am  29.  August  1803,  daß  seinem  Hoffaktor
zur  Belohnung  seiner  bisher  treu  geleisteten  und  zur  Aneiferung
weiterer  ersprießlichen  Dienste  ein  Stoß  gemischten  Holzes  aus
den  herrschaftlichen  Forsten  unentgeltlich  in  seine  Behausung  geführt ­
  werde.  Am  19.  Dezember  1803  ernannte  auch  der  Johannitermeister ­
  Fürst  Ignaz  den  Amschel  Mayer  Rothschild  zu  seinem
Hoffaktor  und  bezog  sich  dabei  auf  die  Verdienste,  die  der  alte
Rothschild  dem  deutschen  Johanniter-Meistertum  geleistet  habe.
Es  ist  anzunehmen,  daß  diese  Verdienste  nicht  lediglich  in  der
Bemühung  um  die  oben  erwähnte  Anleihe  des  Johanniterordensbestanden ­
  haben  (s.  S.  47  f.).  Die  Geldgeschäfte  bei  der  Thurn  und
Taxisschen  Generalkasse  hatten  zur  Folge,  daß  am  4.  Januar  1804
Fürst  Karl  Anselm  von  Thurn  und  Taxis,  Erb-  und  Postmeister  im
Heiligen  Römischen  Reich,  den  Amschel  Mayer  ebenfalls  zu  seinem
Hoffaktor  ernannte,  nachdem  der  Vater  darum  nachgesucht  hatte.
Diese  vielfachen  Ernennungen  wurden  natürlich  weniger  aus
ehrgeizigen  als  aus  geschäftlichen  Rücksichten  erworben.  Sie  sollten
als  Empfehlungen  dienen.  Es  gab  damals  ebenso  wie  heute  reelle
und  unreelle  Geschäftsleute.  Der  Besitz  eines  Hoftitels  aber  bot  eine
gewisse  Gewähr,  daß  der  Inhaber  seine  Tüchtigkeit  und  Redlichkeit
bereits  erwiesen  hatte.  Er  konnte  sich  bei  vorkommenden  neuen
Gelegenheiten  auf  seinen  Titel  berufen,  wie  Rothschild  das  in  seinen
früheren  Jahren  gegenüber  dem  Landgrafen  von  Hessen  tat.  Auch
waren  die  materiellen  Erleichterungen,  die  ein  solches  Patent  dem
Inhaber  unter  Umständen  gewähren  konnte,  wertvoll  genug,  um
solche  Bemühungen  zu  rechtfertigen.
Unterm  27.  September  1810  wurde  der  schon  mehrfach  erwähnte ­
  Gesellschaftsvertrag  zwischen  Rothschild  und  seinen  Söhnen
Amschel  Mayer,  Salomon  Mayer  und  Callmann  Mayer  abgeschlossen,
und  die  Firma  unter  der  Bezeichnung  Mayer  Amschel  Rothschild
und  Söhne  weitergeführt,  ln  demselben  Jahre  trat  das  Haus  Rothschild ­
  auch  in  rege  Geschäftsverbindung  mit  der  Regierung  des
Großherzogtums  Frankfurt.  Meyer  Amschel  stand  mit  dem  Fürsten
Primas  Karl  von  Dalberg  schon  im  Jahre  1806  auf  bestem  Fuß  und
erfreute  sich  seiner  besonderen  Gnade.  Seiner  Anregung  und  fort-
        <pb n="165" />
        158

gesetzten  Fürbitte  verdankten  es  die  Frankfurter  Juden,  daß  sie
am  28.  Dezember  1811  nach  Erstattung  des  zwanzigfachen  Betrags
des  Schutzgeldes  (440  000  fl)  nicht  zwar  Staatsbürger,  denn  solche
gab  es  nicht  im  Großherzogtum  Frankfurt,  aber  Bürger  der  Stadt
Frankfurt  wurden.  Auch  schoß  Rothschild  bei  dieser  Gelegenheit
seinen  Glaubensgenossen  die  Summe  von  100  200  fl  vor.  Mit  jenem
Akt  aber  gelangten  die  Juden  zugleich  in  den  Besitz  derselben
politischen  Rechte  wie  die  Christen,  und  Rothschild  selbst  wurde  mit
dem  Freiherrn  von  Wiesenhütten,  Moritz  von  Bethmann,  Friedrich
Metzler  und  Ludwig  Jassoy  zusammen  zum  Mitglied  des  Wahlkollegs
des  Departements  Frankfurt  ernannt.  Im  Dezember  1812  wurde  den
Mayer  Amschel  Rothschild  und  Söhnen  auch  der  Titel  Großherzoglich
Frankfurtischer  Hofbankiers  beigelegt.
Als  der  Großherzog  im  Jahre  1811  zur  Taufe  des  Königs
von  Rom  nach  Paris  reisen  wollte,  und  ihm  die  Frankfurter  Kaufleute ­
  eine  Anleihe  von  80  000  fl  verweigerten,  lieh  ihm  Rothschild
diese  Summe  gegen  einen  Zinsfuß  von  5  °/o.  Infolgedessen  wuchs
das  Vertrauen  des  Großherzogs  und  Rothschilds  Einfluß.  Im  übrigen
wurden  die  geschäftlichen  Beziehungen  besonders  durch  den  Finanzminister ­
  Grafen  Christian  von  Benzel-Sternau  gepflegt.  Das  Haus
Rothschild  diskontierte  die  Wechsel,  die  eine  Departementskasse
des  Großherzogtums  auf  die  andere  zog.  Um  den  Kurs  der  Fulder
Kassenscheine  zu  halten,  5°/oiger  Staatsobligationen,  die  den  Gläubigern
zwangsweise  aufoktroyiert  wurden,  hatte  es  dieselben  vertragsmäßig
gegen  4  °/o  Provision  zu  dem  vom  Fulder  Eskompteamt  bestimmten
Kurse  einzulösen.  Im  Frühjahr  1813  schoß  es  55  000  fl  für  Pferde
vor,  die  der  Großherzog  für  die  französische  Armee  stellte,  und
im  September  desselben  Jahres  gewährte  es  einen  weiteren  Vorschuß ­
  von  200  000  fl.  Als  diese  beiden  Darlehen  stattfanden,  war
Meyer  Amschel  schon  nicht  mehr  unter  den  Lebenden  234 .

Persönliches  und  Allgemeines.
Rothschilds  persönliche  Eigenschaften  sind  schon  im  Verlauf
unserer  Darstellung  zutage  getreten.  Einige  Züge  müssen  jedoch
hinzugefügt  werden,  um  das  Bild  zu  vervollständigen.
Rothschild  war  eine  durchaus  religiöse  Natur,  strenggläubig,
aber  duldsam  gegen  Andersdenkende.  Die  Religion,  die  er  bekannte,
wollte  er  auch  wissenschaftlich  ergründen.  Schon  den  Knaben  führte
        <pb n="166" />
        159

dieser  Drang  zur  Talmudhochschule.  Zwar  wurde  diese  Studienanstalt ­
  bald  wieder  verlassen,  die  Beschäftigung  mit  dem  rabbinischen
Schrifttum  aber  wurde  deshalb  nicht  aufgegeben.  Während  seines
ganzen  Lebens  war  ihm  die  Erörterung  religiöser  Fragen  und  der
Umgang  mit  Thorakundigen  ein  Bedürfnis.  Und  die  wohltätige  Muße,
die  ihm  die  Sabbat-  und  Feiertagsruhe  gewährte,  verbrachte  er
vorzugsweise  im  geselligen  Verkehr  mit  gelehrten  Männern.  Er
führte  sie  in  sein  gastfreies  Haus  ein  und  bewirtete  sie  gut.  Auch
war  seine  Frömmigkeit  nicht  etwa  von  der  Art,  daß  sie  ihn  zum
Kopfhänger  gemacht  hätte.  Gerade  seine  Heiterkeit  wird  im  Memorbuch
  gerühmt.  Auch  besaß  er  geselliges  Talent  und  verstand  es
als  Gastgeber  die  Schüchternen  zu  ermutigen,  so  daß  keiner  seiner
Gäste  sich  zurückgesetzt  fühlte.
Daß  Rothschild  ein  rechtschaffener  Mann  war,  zeigt  unsere
Darstellung  mehrfach.  Von  besonderem  Wert  aber  ist  das  Zeugnis
Lawätz’  über  ihn,  weil  hier  ein  wahrheitsliebender  Geschäftsmann
über  den  Geschäftsmann  urteilt.  Anfangs  war  Lawätz  nicht  etwa
mißtrauisch,  wohl  aber  vorsichtig  gegenüber  Rothschild.  Das  ist
jeder  Bankier  bei  großen  Geldgeschäften.  Als  Lawätz  aber  Rothschild
vollends  kennen  gelernt  hatte,  da  schrieb  er  am  15.  August  1807
an  Buderus:  „Seine  ganze  Gemütsart  verdient  wirklich  Vertrauen
und  Achtung“,  und  damit  ist  alles  gesagt.
Ich  habe  schon  oben  bemerkt,  daß  Treue  im  heutigen  Sinn
bei  den  Beamten  des  18.  Jahrhunderts  weder  vorausgesetzt  noch
geübt  wurde.  In  dieser  Beziehung  war  es  damals  in  ganz  Europa
schlimm  bestellt  und  in  Hessen-Kassel  immer  noch  weniger  schlimm
als  anderwärts.  Heute  gilt  es  als  ehrlos,  wenn  ein  Beamter  dienstliche ­
  Verhältnisse  zu  seinem  persönlichen  Vorteil  ausnutzt.  Im
18.  Jahrhundert  war  das  anders.  Die  Beamten  des  Kurfürsten
nahmen  für  ihre  Amtshandlungen  Geschenke  an,  und  der  Kurfürst
wußte  es.  War  ein  Beamter  besonders  feinfühlend,  wie  der  Kriegsrat
Knatz,  so  machte  er  dem  Kurfürsten  von  jedem  Einzelfall  besondere
Mitteilung.  Erst  im  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  bildet  sich,  und
zwar  im  Schoße  der  Beamten  selbst,  der  Standpunkt  heraus,  daß
man  für  dienstliche  Leistungen  keine  Geschenke  annehmen  darf.
Und  Buderus,  der  Mann  der  alten  Schule,  kam  als  Präsident  der
Rentkammer  in  Hanau  im  Jahre  1817  mit  den  vorgeschrittenen
Ansichten  seines  Kollegiums  sogar  in  Konflikt.  Wenn  Rothschild
also  die  Beamten  des  Kurfürsten  in  sein  Interesse  zog,  so  tat  er
        <pb n="167" />
        —  160  —
nur,  was  zu  damaliger  Zeit  etwas  selbstverständliches  war,  indem
man  ohne  das  mit  dem  Kurfürsten  überhaupt  keine  Geschäfte
machen  konnte.
Nicht  unerwähnt  wollen  wir  lassen,  daß  Rothschild  vor  allem
den  Wucherzins  in  jeder  Form  gründlich  verabscheute.  Es  ist  schon
mehrfach  darauf  hingewiesen,  welche  Geldnot  im  Anfang  des  vorigen
Jahrhunderts  herrschte.  Es  gab  Zeiten,  wo  jeder  Bankier  mit  seinem
Gelde  leicht  10°/o  machen  konnte.  In  solch  einem  Zeitpunkt
wandte  sich  auch  der  geldverlegene  Kurprinz  an  Rothschild  und
bot  ihm  einen  Zinsfuß  von  8  und  mehr  Prozent  für  Gewährung
eines  Leihkapitals  an.  Rothschild  fühlte  sich  tief  in  seinem  Ehrgefühl
verletzt.  Er  setzte  dem  Kurprinzen,  der  ihn  noch  nicht  genügend
kannte,  seine  Grundsätze  auseinander  und  begnügte  sich  mit  einem
Zinsfuß  von  5°/o.
Rothschild  war  ein  Menschenfreund.  Das  zeigt  schon  seine
Neigung  für  Kinder,  die  er  auch  gern  durch  Geschenke  erfreute.  Auf
seinen  Reisen  durchs  Hessische  traf  er  gegen  Ende  des  Jahres  1803
in  Marburg  einen  dreizehnjährigen  jüdischen  Knaben  aus  Galizien,
der  sein  Brot  durch  Absingen  hebräischer  Lieder  verdiente.  Aus
Mitleid  nahm  er  ihn  mit  nach  Frankfurt  und  vertraute  ihn  seinem
Buchführer  Geisenheimer  an.  Geisenheimer  sammelte  für  den  Knaben,
um  ihm  Erziehung  und  Unterricht  angedeihen  zu  lassen.  Bald  hatte
er  mehr  Geld  zusammen,  als  für  einen  Knaben  nötig  war.  Jetzt
verband  er  sich  mit  gleichgesinnten  Männern  und  gründete  mit
ihnen  das  Philanthropin,  die  noch  heute  bestehende  Realschule  der
Israelitischen  Gemeinde.  Ursprünglich  war  diese  Schule  für  arme
Judenkinder  gedacht.  Denn  den  Kindern  bemittelter  Juden  fehlte
es  damals  schon  nicht  mehr  an  Gelegenheit  zu  gutem  Unterricht.
Das  Gymnasium  und  die  Musterschule  standen  ihnen  offen.  Auch
hielten  sich  die  wohlhabenden  Juden  nicht  selten  Hauslehrer.  Im
Hause  Rothschilds  z.  B.  war  Dr.  Michael  Heß  als  Erzieher  angestellt,
der  später  Oberlehrer,  d.  h.  Leiter  des  Philanthropin  wurde  235 .
Im  übrigen  war  Rothschilds  Menschenfreundlichkeit  mehr  dem
Privatleben  als  der  Öffentlichkeit  gewidmet.  Seine  Wohltätigkeit  und
Hilfsbereitschaft  wird  von  allen  Seiten  gepriesen.  „Der  alte  Rothschild“, ­
  sagt  Börne,  „war  ein  braver  Mann,  die  Frömmigkeit  und
Gutherzigkeit  selbst  .  .  .  Beständig  umgab  ihn,  wie  ein  Hofstaat,
ein  Haufen  armer  Leute,  denen  er  Almosen  erteilte  oder  mit  gutem
Rat  zusprach ;  wenn  man  auf  der  Straße  eine  Reihe  von  Bettlern
        <pb n="168" />
        11

161

antraf  mit  getrösteten  und  vergnügten  Mienen,  so  wußte  man,  daß
hier  eben  der  alte  Rothschild  seinen  Durchzug  gehalten.  Als  ich
noch  ein  kleines  Bübchen  war  und  eines  Freitags  abends  mit  meinem
Vater  durch  die  Judengasse  ging,  begegneten  wir  dem  alten  Rothschild, ­
  welcher  eben  aus  der  Synagoge  kam;  ich  erinnere  mich,
daß  er,  nachdem  er  mit  meinem  Vater  gesprochen,  auch  mir  einige
liebreiche  Worte  sagte,  und  daß  er  endlich  die  Hand  auf  meinen
Kopf  legte,  um  mich  zu  segnen.  Ich  bin  fest  überzeugt,  diesem
Rothschildschen  Segen  verdanke  ich  es,  daß  späterhin,  obgleich  ich
ein  deutscher  Schriftsteller  wurde,  doch  niemals  das  bare  Geld  in
meiner  Tasche  ganz  ausging“ 11315 .
Wo  es  galt,  seinen  Mitmenschen  zu  helfen,  da  kannte  Rothschild
keinen  Unterschied  zwischen  Juden  und  Christen,  zwischen  strengreligiösen ­
  und  freireligiösen  Juden.  Ja,  es  kam  vor,  daß  er  schüchternen ­
  freireligiösen  Juden  ganz  besonders  hilfreich  entgegenkam.
Seine  Beziehungen  zu  den  Machthabern  gewährten  ihm  die  Möglichkeit, ­
  auch  durch  Fürsprache  zu  nützen.  Und  wie  er  als
Geschäftsmann  die  größte  Zähigkeit  und  Ausdauer  betätigte,  so
auch  als  Fürsprecher.  Ablehnungen  verdrossen  und  entmutigten
ihn  nicht.  Wenn  eine  Sache  Unterstützung  verdiente,  dann  brachte
er  sie  immer  wieder  von  neuem  vor,  bis  man  seinem  Anliegen
nachgab.
Sein  persönliches  Auftreten  war  bescheiden  und  gewinnend,
auch  noch  im  Alter.  Aber  freimütig  und  nicht  ohne  berechtigtes
Selbstbewußtsein  tritt  er  uns  in  seinen  Briefen  entgegen.  Er  wußte,
daß  er  andere  an  Zuverlässigkeit  und  Leistungsfähigkeit  übertraf,
daß  sein  Kredit  zur  Zeit  der  größten  Geldnot  höher  stand  als  der
aller  übrigen  Frankfurter  Bankiers.  Auch  darf  man  sich  diesen
Kredit  nicht  so  vorstellen,  daß  er  sich  lediglich  auf  die  kurfürstlichen ­
  Kapitalien  stützte.  Dieser  Kredit  hatte  vielmehr  eine  ganz
breite  Grundlage,  wie  das  schon  aus  dem  Verfahren  beim  Annuitätenkauf ­
  deutlich  hervorgeht.  Damals  hätte  Rothschild,  trotz  der  großen
Geldknappheit,  dem  Kurfürsten  vielleicht  ähnliche  Summen  leihen
können,  als  er  von  ihm  zum  Anlegen  erhielt.  Als  der  Kurprinz  ihn
im  Oktober  1809  um  2000  Ldor  anborgte,  bittet  er  um  Einsendung
eines  entsprechenden  Wechsels,  um  prüfen  zu  können,  ob  derselbe
in  der  richtigen  Form  ausgestellt  sei.  ln  diesem  Fall  sollten  umkehrend ­
  die  2000  Ldor  an  einen  Berliner  Korrespondenten  zur
Auszahlung  gesandt  werden.  Wenn  der  Kurprinz  sich  nach  seinem
        <pb n="169" />
        Ruf  erkundigen  wolle,  so  werde  er  bald  erfahren,  daß  man  ihm
einen  solchen  Wechsel  anvertrauen  könne,  selbst  wenn  es  sich  um
eine  Million  handle,  und  umkehrend  werde  die  Bezahlung  eingesandt ­
  237 .
Seine  Erfolge  betrachtete  der  fromme  Mann  als  eine  Fügung
Gottes.  Sie  machten  ihn  demütig.  Aber  er  wußte  bestimmt  und
wollte  fest,  daß  sein  Haus  nach  seinem  Tode  noch  größer  und
ganz  groß  werden  sollte.  Gegen  Ende  des  Jahres  1803  war  sein
Sohn  Nathan  Mayer  von  Manchester  nach  London  übergesiedelt
und  hatte  im  Jahre  1804  das  dortige  Bankhaus  errichtet.  Noch  im
Todesjahr  Rothschilds  gründete  sein  jüngster  Sohn  Jakob  Mayer
in  Paris  das  zweite  große  Zweiggeschäft  unter  der  Firma  James
Rothschild,  die  1817  in  de  Rothschild  freres  geändert  wurde.  Es
ist  anzunehmen,  daß  auch  bei  dieser  Gründung  die  Zustimmung
und  der  Rat  des  alten  Rothschild  noch  wirksam  waren.  Die  Rothschildschen
  Häuser  in  Wien  und  Neapel  wurden  erst  später  gegründet,
jenes  angeblich  im  Jahre  1816,  dieses  im  Jahre  1821.  Rothschild
aber  hatte  auch  in  dieser  Beziehung  seinen  Söhnen  die  Wege  geebnet, ­
  indem  er  schon  frühzeitig  ein  gutes  Verhältnis  mit  dem
Wiener  Hof  und  dem  Kaiser  Franz  II.  anbahnte,  von  dem  später
seine  Söhne  auch  in  den  Adelsstand  erhoben  wurden.  Die  Art  und
Weise,  wie  er  mit  diesem  und  anderen  Fürsten  Verbindungen  anknüpfte, ­
  ist  der  beste  Beweis  dafür,  daß  er  die  Verhältnisse  richtig
beurteilte,  daß  er  bei  aller  persönlichen  Bescheidenheit  und  geschäftlichen ­
  Vorsicht  ein  weitblickender  und  weltkundiger  Mann  war.
Um  aber  die  künftige  Entwicklung  seines  Hauses  wirklich
zu  sichern,  gab  es  für  Rothschild  noch  ein  Mittel,  ohne  das  alle
sonstigen  Bestrebungen  hinfällig  geworden  wären.  Er  mußte  das
Geschäftsvermögen  nach  Möglichkeit  zusammenhalten  und  durfte
es  nicht  nach  der  Kopfzahl  seiner  Kinder  zersplittern.  Zwar  bedachte ­
  er  seine  Witwe  und  seine  Töchter  reichlich,  besser  als
das  jüdische  Gewohnheitsrecht  es  verlangte,  aber  keineswegs  so,
daß  das  Geschäftsvermögen  dabei  verkümmern  konnte.  Nichts  ist
unverständiger  als  zu  glauben,  daß  lediglich  der  Erwerbsinn  die
Triebfeder  des  bedeutenden  Kaufmanns  sei.  Redlich  erworbenes
Gut  verleiht  allerdings  Ansehen  und  Macht.  Dem  höher  veranlagten ­
  Menschen  aber  ist  beides  nicht  Selbstzweck,  sondern  Mittel
zum  Zweck.  Was  ihn  nicht  ruhen  läßt,  das  ist  der  in  der  menschlichen ­
  Natur  begründete  unbedingte  Tätigkeitstrieb.  Je  größer  die
        <pb n="170" />
        163

Begabung,  um  so  leidenschaftlicher  dieser  Trieb,  um  so  größer  die
Freude  und  die  Befriedigung  an  großen  und  belangreichen  Unternehmungen. ­
  Dazu  gehört  aber  beim  Geschäftsmann  das  Zusammenhalten ­
  der  Mittel.  Und  da  Bestand  und  Wachstum  der  von  Rothschild
gegründeten  Macht  nur  durch  Einigkeit  erhalten  und  gefördert
werden  konnte,  so  richtete  er  den  Sinn  seiner  Kinder  aufs  entschiedenste ­
  in  diese  Bahn.
Nach  dem  Gesellschaftsvertrag  vom  27.  September  1810  betrug
das  Geschäftsvermögen  800  000  fl  24  ff.  Daran  war  der  Vater  mit
370  000  beteiligt,  die  Söhne  Amschel  und  Salomon  mit  je  185  000,
Callmann  und  Jakob  mit  je  30  000.  Am  Gewinn  und  Verlust  sollte
der  Vater  mit  24  Fünfzigstel,  Amschel  und  Salomon  mit  je  12,
Callmann  und  Jakob  mit  je  1  Fünfzigstel  beteiligt  sein.  Jakobs
selbstverdiente  Summe  sollte  unverzinslich  in  der  Handlung  ruhen,
und  sein  Gewinnanteil  sollte  an  Stelle  eines  Gehaltes  dienen,  bis
nach  erlangter  Volljährigkeit  auch  er  mit  1  Fünfzigstel  Gewinnanteil
als  Teilhaber  aufgenommen  werde.  Als  aber  Rothschild  zwei  Jahre
später  sein  endgültiges  Testament  machte,  hatten  sich  diese  Verhältnisse ­
  bereits  geändert.  Die  Söhne  waren  alle  Teilhaber,  und
der  Vater  verkaufte  ihnen  seinen  persönlichen  Anteil  um  die  Summe
von  190  000  fl.  Daraus  geht  hervor,  daß  Rothschild  den  Geschäftsanteil ­
  seiner  beiden  jüngsten  Söhne  inzwischen  vermehrt  hatte.
Schon  im  Gesellschaftsvertrag  war  dem  Vater  das  Recht  eingeräumt
worden,  jedem  der  beiden  jüngsten  Söhne  bei  seiner  Verheiratung
den  Gewinn-  und  Verlustanteil  auf  6  Fünfzigstel  zu  erhöhen,  so
daß  alsdann  dem  Vater  nur  19,  den  beiden  ältesten  Söhnen  nur
je  9 1 /z  Fünfzigstel  verbleiben  sollten.  Obgleich  nun  die  beiden
jüngsten  Söhne  noch  nicht  verheiratet  waren,  hatte  der  alte  Rothschild, ­
  vielleicht  in  Erwartung  des  nahen  Todes,  von  dieser  Befugnis
bereits  Gebrauch  gemacht,  allerdings  in  etwas  veränderter  Weise,
aber  natürlich  im  Einverständnis  mit  den  Söhnen.  Damit  war  der
Fortbestand  und  das  weitere  Gedeihen  des  Geschäfts  reichlich  gesichert. ­
  Das  hinterlassene  Vermögen  von  190  000  fl  sollte  folgendermaßen ­
  verteilt  werden:  Die  Witwe  Gutle  Rothschild  erhielt  70  000  fl,
die  noch  ledige  Tochter  Jettchen  sollte  bei  ihrer  Verheiratung  33  000  fl,
die  beiden  ledigen  Söhrte  Callmann  und  Jakob  bei  ihrer  Verheiratung
jeder  20  000  fl  erhalten.  Diese  Mitgiften  sollten  einstweilen  in  der
Handlung  bleiben.  Der  Rest  von  47  000  fl  sollte  an  die  vier  bereits
verheirateten  Töchter  oder  deren  Kinder  fallen.  Das  der  Witwe
11*
        <pb n="171" />
        164

zugedachte  Kapital  war  nur  zum  lebenslänglichen  Nießbrauch  und
Nutzgenuß  bestimmt.  Es  sollte  gegen  5  °/o  Zinsen  in  der  Handlung
bleiben,  jedoch  ohne  Kaution  und  nur  solange  die  Söhne  es  behalten ­
  wollten.  Nach  dem  Tod  der  Witwe  sollte  das  Kapital  unter
sämtliche  Kinder  gleichmäßig  verteilt  werden.
Die  Handlung  sollte  ausschließlich  den  Söhnen  gehören,  Töchter
und  Schwiegersöhne  sollten  keinen  Anteil  daran  haben  noch  weniger
eine  Forderung  machen  dürfen,  auch  keinen  Einblick  in  dieselbe
verlangen.  Dagegen  sollten  alle  Kinder  sich  mit  steter  wechselseitiger ­
  Liebe  und  Freundschaft  begegnen  und  den  Anordnungen
des  wohlgemeinten  und  gewissenhaften  Testaments  sich  mit  kindlichem ­
  Gehorsam  fügen.  „Würde  sich  wider  Verhoffen  ein  oder
das  andere  meiner  Kinder  beigehen  lassen,  dieser  meiner  väterlichen
Willensmeinung  nicht  nachzukommen,  oder  meine  Söhne  in  deren
Handlung  zu  stören,  so  soll  dieses  pflichtvergessene  Kind  nur  in
dem  Pflichtteil,  wohin  alles  dasjenige  aufzurechnen  ist,  was  dasselbe
bereits  bei  meinen  Lebzeiten  an  Ausstattung  und  sonst  erhalten,
eingesetzt  sein,  und  der  Überrest  meinen  übrigen  Kindern  zufallen,
wobei  ich  ausdrücklich  bemerke,  daß  der  nach  dem  Napoleonischen
Gesetzbuch 238  zu  berechnende  Pflichtteil  durch  mein  gegenwärtiges
Vermögen  von  190  000  Gulden,  mit  Zurechnung  dessen,  was  ein
jedes  meiner  Kinder  bereits  bei  meinem  Leben  erhalten,  sowie  in
dem  Wert  des  dem  Nutzgenuß  meiner  Ehegattin  verbleibenden
Mobiliare  sich  ergibt.“
*  *
*
Ein  Bildnis  von  Rothschild  gibt  es  nicht.  Er  fürchtete,  daß
sein  Bild  später  geringschätzig  behandelt  werden  könne,  und  soll
es  deshalb  gemieden  haben,  sich  porträtieren  zu  lassen.  Eine
Frankfurter  Weltdame,  Frau  Belli  geb.  Gontard,  die  Sinn  für  die
äußere  Erscheinung  der  Menschen  hatte  und  Rothschild  aus  seinen
letzten  Lebensjahren  kannte,  schildert  ihn  folgendermaßen:  „Rothschild ­
  war  ein  ziemlich  großer  Mann,  er  trug  eine  runde,  eingepuderte ­
  Perrücke  und  einen  kleinen  Kinnbart,  den  1  ypus  der  Juden
besaß  er  vollständig.  In  seinen  Augen  spiegelte  sich  Verstand  und
Gutmütigkeit,  er  besaß  beide  Eigenschaften.“  289  Ähnlich  äußert
sich  Ludwig  Börne :  „Ein  mildtätiges  Gesicht  mit  einem  spitzigen
Bärtchen,  auf  dem  Kopf  ein  dreieckig  gehörnter  Hut  und  die  Kleidung
mehr  als  bescheiden,  fast  ärmlich.“ 240
        <pb n="172" />
        165

Rothschilds  körperliche  Zähigkeit  und  Ausdauer  hielt  bis  ins
Alter  der  geistigen  die  Wage.  Das  zeigt  schon  die  Art  seines  Geschäftsbetriebs. ­
  Bis  zu  seinem  63.  Jahre  war  er  nachweislich  häufig
auf  Reisen,  und  solche  waren  damals  beschwerlicher  als  heute.
Im  Jahre  1808  erkrankte  er  heftig,  so  daß  er  sich  veranlaßt  sah,
am  30.  Juli  sein  Testament  zu  machen.  Zwar  operierte  ihn  der
Professor  Leydig  aus  Mainz  mit  Erfolg.  Doch  blieb  er  für  den  Rest
seines  Lebens  leidend,  und  sein  Gedächtnis  wurde  schwach 241 .  Im
Jahre  1811  hatte  er  wieder  ein  schweres  Krankenlager  zu  bestehen.
Anfang  November  war  er  gesund.  Später  wurde  seine  Krankheit
von  neuem  akut.  Am  16.  September  1812,  dem  Versöhnungstag,
hatte  er  nach  Cohen  vierundzwanzig  Stunden  gefastet  und  den
ganzen  Tag  stehend  in  der  Synagoge  zugebracht.  Tags  darauf
traten  heftige  Schmerzen  an  seiner  Wunde  auf.  In  Erwartung  des
nahen  Todes  machte  er  am  17.  September  vor  dem  Notar  Wüstefeld
und  sechs  Zeugen  ein  neues  Testament.  Beim  Minister  von  Eberstein
ließ  er  es  verwahren.  Zwei  Tage  später,  am  19.  September,  abends
achteinviertel  Uhr  verschied  er  und  wurde  am  20.  September  um
ein  Uhr  auf  dem  alten  Israelitischen  Friedhof  beigesetzt  242 .  Dort
ruhen  auch  seine  Vorfahren,  aber  keiner  seiner  Nachkommen.
        <pb n="173" />
        -4Ä?-

—  166  —

Anmerkungen.
Abkürzungen.
Carlshausen  —  Archiv  der  Familie  von  Carlshausen  auf  Carlshausen  bei
Altenhaßlau,  Kreis  Gelnhausen.
Fftm.  =  Stadtarchiv  zu  Frankfurt  a.  M.
Marbg.  —  Staatsarchiv  zu  Marburg  i.  H.

Der  Name  Rothschild  und  das  sogenannte  Rothschildsche
Stammhaus.
1.  Eine  Vorstellung  von  der  Anlage  und  dem  damaligen  Zustand  des
Hauses  geben  uns  das  Inventar  der  Stadtkämmerei  vom  10.  August  1882,
die  Grundrisse  und  Schilderungen  Franz  von  Hovens  und  gleichzeitige  Photographien. ­
  Das  Haus  war  mehrfach  gesprießt.  Von  der  Straße  aus  durch
die  Eingangstür  betrat  man  zunächst  einen  geplätteten  Vorplatz.  Dort
befand  sich  eine  Pumpe  in  Holzgestell,  ein  zugehöriger  Wasserstein,  ein
Wandschrank  und  die  Eingänge  zu  den  Kellern.  Nach  hinten  schloß  sich
eine  Stube  mit  zwei  Fenstern  an.  Darin  stand  ein  Wandschrank  und  ein
Ofen.  Die  Hintertür  daneben  führte  in  einen  kleinen  Hof.  Dort  befand  sich
ein  Hinterbau  von  zwei  Geschossen,  der  unten  eine  Lauberhütte,  oben
ebenfalls  eine  Lauberhütte  und  außerdem  das  Klosett  umfaßte.  Die  drei
Obergeschosse  des  Hauptgebäudes,  von  denen  das  dritte  nach  vorn  in  das
Zwerchhaus  fiel,  hatten  nach  der  Straße  je  eine  mit  Ofen  und  Wandschrank
ausgestattete,  durch  drei  Fenster  belichtete  Stube;  nach  hinten  befand  sich
jedesmal  noch  eine  Stube;  im  ersten  Obergeschoß  mit  nur  zwei  Fenstern,
weil  auch  hier  natürlich  eine  Hintertür  zur  Lauberhütte  führte,  im  zweiten
und  dritten  Obergeschoß  mit  drei  und  vier  Fenstern.  Der  Boden  war  in
zwei  Kammern  geteilt,  und  die  Dachspitze  bildete  einen  leeren  Raum.  Die
Treppe  war  durchweg  mit  Eisengeländer  versehen.  Herde  und  Schornsteine  —
worunter  wohl  die  sogenannten  Schornsteinbusen  oder  Rauchfänge  zu  verstehn ­
  sind  —  waren  ausgebrochen,  und  über  die  entstandenen  Höhlungen
waren  die  ausgehobenen  Stubentüren  gelegt.
        <pb n="174" />
        167

Das  Merkwürdigste  am  ganzen  Gebäude  waren  und  sind  heute  noch
die  Keller.  Ein  für  beide  Häuser  gemeinsamer  Keller  nahm  den  ganzen
Raum  unter  den  beiden  Höfen  ein.  Außerdem  hatte  jedes  Haus  seinen
eigenen  Hauskeller,  der  je  die  Hälfte  der  bebauten  Fläche  einnahm.  Im
Flur  des  Rothschildschen  Hauses  befindet  sich  gleich  hinter  der  Haustüre
eine  große  Falltüre,  die  zum  Rothschildschen  Hauskeller  führt.  Hinter  dieser
Falltüre  ist  der  Treppenaufgang  und  unter  diesem  befindet  sich  eine  Öffnung,
durch  die  man  einen  überwölbten  schmalen  Gang  betritt.  Dieser  Gang
führt  im  Gewölbewinkel  des  Hauskellers  dicht  an  der  Mauer  entlang  zum
Hofkeller,  der  auch  vom  Nachbarhaus  durch  einen  gleichartigen  geheimen
Gang  erreichbar  ist.  Man  konnte  also,  ohne  die  Straße  zu  passieren  und
ohne  die  Hofmauer  zu  übersteigen,  von  einem  Haus  in  das  andere  gelangen.
Auch  konnten  bei  einer  Haussuchung  die  etwa  im  Hofkeller  verborgenen
Sachen  nicht  ohne  weiteres  entdeckt  werden,  denn  die  Eingänge  zu  den
geheimen  Gängen  waren  leicht  durch  einen  Schrank  oder  sonstiges  Gerät
zu  verbergen,  und  eine  Verbindung  zwischen  Hofkeller  und  den  beiden
Hauskellern  gab  es  nicht.  War  aber  Gefahr  vorhanden,  so  konnte  alles,
was  sich  im  Hofkeller  befand,  ins  Nachbarhaus  und  weiter  befördert  werden.
2.  Daß  nicht  nur  das  Haus  Nr.  148  zum  grünen  Schild,  sondern  auch
das  Haus  Nr.  147  zur  goldenen  Arche  zwecks  Restaurierung  angekauft  wurde,
erklärt  sich  daraus,  daß  die  Zwerchhäuser  beider  Gebäude  von  einem
Giebel  überdacht  waren  und  somit  zusammen  wieder  hergestellt  werden
mußten,  wenn  man  das  häßliche  Aussehen  eines  halben  Giebels  vermeiden
wollte.  Die  Grundfläche  der  beiden  anliegenden  Gebäude  146  zur  Sichel
und  149  zum  roten  Hirsch  wurde  miterworben,  weil  die  beiden  umzubauenden ­
  Häuser  seitlich  durch  neue  Brandmauern  geschützt  werden  sollten,  die
naturgemäß  auf  den  Nebengrundstücken  zu  errichten  waren.  Daß  außer  146
auch  noch  145  zum  roten  Löwen  auf  Abbruch  gekauft  wurde,  geschah  deshalb,
weil  diese  beiden  Häuser  sich  nicht  nur  äußerlich  wie  ein  einziges  darstellten, ­
  sondern  auch  in  die  Trennungswand  Türen  gebrochen  waren,  um
die  Innenräume  miteinander  in  Verbindung  zu  bringen.
3.  Gumpertz  Zuntz  war  im  Jahr  1856,  als  die  Stiftung  ins  Leben  trat,
Stiftungsbeamter  geworden,  und  die  Almosen  Verteilung  fand  ursprünglich
in  seiner  Wohnung  statt,  die  dem  Stammhaus  gegenüber  lag.
Rothschilds  Vorfahren.
4.  Von  Isak  Elchanan  (f  1585)  heißt  es  in  seiner  Grabschrift  nach
Freimanns  Übersetzung:  „Während  seines  ganzen  Lebens  wandelte  er  in
Unschuld,  in  Recht  und  Redlichkeit  waren  seine  Worte,  bekannt  in  Israel
war  R.  Isak  ...  in  der  Ehre  seines  Namens.“  Sein  Enkel  Naftali  H  i  rz  (f  1685)
„war  ein  tadelloser  Mann,  der  in  Handel  und  Wandel  Treue  bekundete,  er
gehörte  zu  denen,  die  Almosen  unter  Armen  und  Dürftigen  verteilen“  (Memorbuch).
  Moses  Kaimann  Rothschild  (f  1735)  „war  tadellos  in  seinem  Schaffen
und  Wirken,  des  morgens  und  abends  betete  er  zu  Gott  dem  Hochthronenden.
Jahre  hindurch  lag  er  auf  dem  Siechbette  und  hat  in  Liebe  und  Vertrauen
alle  Prüfungen  von  dem  Erhabensten  der  Erhabenen  ertragen“  (Memorbuch).
        <pb n="175" />
        168

Seine  Gattin  Vogel  (f  1713)  „war  eine  würdige  Frau,  die  ihre  Hand  den
Armen  und  Dürftigen  zu  jeder  Zeit  darbot.  Sie  hatte  ein  offenes  Haus  für
die  Durchreisenden,  um  sie  zu  beköstigen  und  zu  beherbergen,  und  immerdar
übte  sie  Mildtätigkeit  gegen  jedermann“  (Memorbuch).  Amschel  Moses
(j-  1755),  der  Vater  Meyer  Amschels,  „war  ein  Mann,  der  Gerechtigkeit  und
Mildtätigkeit  geübt,  in  seinem  Wirken  und  Streben  Treue  bekundete  und
die  festgesetzte  Zeit  für  die  Beschäftigung  mit  der  Thora  innehielt.  Sein
Gebet  verrichtete  er  in  Andacht,  und  sein  gastfreies  Haus  stand  jedermann
weit  geöffnet“  (Grabschrift).  Seine  Gattin  Schönche  (f  1756)  „war  eine
biedere  und  würdige  Frau,  die  ihr  Gebet  in  Andacht  verrichtete,  Milde  und
Wohltätigkeit  zu  jeder  Zeit  übte,  ihr  Lob  ist  nicht  auszuzählen"  (Grabschrift). ­
  Ähnliche  Mitteilungen  finden  sich  über  die  nicht  stammhaltenden
Familienglieder.
5.  Quellen  zu  den  beiden  ersten  Kapiteln:  Dietz,  A.,  Die  Vorfahren
der  Freiherren  von  Rothschild  =  Kleine  Presse,  Frankfurt  a.  M.  1901,  Nr.  167;
Kracauer,  J,  Geschichte  der  Judengasse  in  Frankfurt  a.  M.  —  Festschrift
zur  Jahrhundertfeier  der  Realschule  der  israelitischen  Gemeinde,  Frankfurt ­
  a.  M.  1904  (S.  303—464),  S.  310,  311,  329,  376  f.;  Freimann,  A.,  Stammtafeln ­
  der  Freiherrlichen  Familie  von  Rothschild  (gedruckt  in  25  Exemplaren,
ein  Exemplar  auf  der  Freiherrlich  Carl  von  Rothschildschen  Bibliothek),
Frankfurt  a.  M.  1906,  Blatt  Iff.,  30ff.  u.  ö.;  Dietz,  A.,  Stammbuch  der  Frankfurter ­
  Juden,  Frankfurt  a.  M.  1907,  S.  24,  138f.,  244ff.,  darin  auch  Nachbildung ­
  von  D.  Merlans  Grundplan  der  Judengasse;  Mitteilungen  des
Bibliothekars  Professor  Dr.  Freimann  und  des  Baurats  Franz  von  Hoven;
Zeitungsausschnitte,  Ansichten  und  Grundrisse  des  Hauses  zum  grünen
Schild  sowie  Stiftungsbrief  der  Freiherrlich  M.  A.  von  Rothschildschen
Stiftung  für  die  armen  Israeliten  der  Stadt  Frankfurt  a.  M.  auf  der  Freiherrlich
Carl  von  Rothschildschen  Bibliothek;  Fftm.:  Akten  der  Stadtkämmerei
Abt.  II,  Fase.  A  II,  15a  Nr.  97  (1882  Judenquartier  Nr.  148,  Verwendung),
15c  Nr.  29  (1863  Judenquartier,  Generalia),  15c  Nr.  52,  I  (1882  Judenquartier,
Verkauf  von  Bauterrain  etc).  Letztere  Akte  befindet  sich  noch  bei  der
Stadtkämmerei,  ebendaselbst  eine  solche  über  die  Niederlegung  der  Judengasse. ­
  Die  Baudenkmäler  in  Frankfurt  a.  M.  bearbeitet  von  R.  Jung  und
J.  Hülsen,  Lief.  5,1902,  S.  252  ff.;  Horovitz,  M.,  Inschriften  des  alten  Friedhofs
der  israelitischen  Gemeinde  zu  Frankfurt  a.  M.  1901.  Die  auf  die  Rothschildsche
  Familie  bezüglichen  Inschriften  sind  mit  Auszügen  aus  dem
Memorbuch  bei  Freimann  ins  Deutsche  übertragen.
Rothschilds  Münz-  und  Antiquitätenhandel.
6.  Cohen,  S.  J.:  Musterhaftes  Leben  des  verewigten  Herrn  Bankiers
M.  A.  Rothschild.  Frankfurt  1813.  Erschien  nicht  im  Buchhandel.  Zwei
Exemplare  auf  der  Freiherrlich  Carl  von  Rothschildschen  Bibliothek;
S.  13:  „Er  strebte  keineswegs  nach  einer  Rabbinerwürde  ...,  sondern  studierte
seine  Religion,  um  ...  ein  guter  Jude  zu  sein.“  Die  rabbinische  Hochschule
in  Fürth  bestand  von  etwa  1607  bis  1830.  Akten  über  den  Aufenthalt
Meyer  Amschels  an  derselben  oder  über  die  Hochschule  im  allgemeinen  sind
        <pb n="176" />
        169

in  Fürth  nicht  vorhanden  (Mitteilung  des  Realschuldirektors  Dr.  Feilchenfeld
in  Fürth  auf  Grund  einer  Information  seitens  des  Rabbiners  Dr.  Neubürger ­
  daselbst).
7.  Gartenlaube  1865,  S.  584.
8.  Allg.  Deutsche  Biogr.  7,  S.  526;  43,  S.  65.  Denkw.  d.  Landgr.  Karl
v.  Hessen-Cassel  m.  Einl.  v.  K  Bernhard!,  1866,  S.  V.
9.  Marbg.:  Personalien,  Rothschild.  MStS  1711.
10.  Marbg.:  Wilhelm  I.  Exil,  Bündel  2  (OW  S  93).
11.  „So  kann  es  auch  Selbst  Ewr.  Hochfürstliche  Durchlaucht  nicht
unbekannt  seyn,  wie  thätig  und  billig  ich  mich  seit  vielen  Jahren  her  in
Lieferung  der  Medaillen  für  das  Hochfürstliche  Münz  Cabinet  bewiesen  habe“
(Marbg.:  Kriegsministerium  8173).
12.  L.  Geiger  im  Feuilleton  der  Frankfurter  Zeitung  vom  23.  Dez.  1903.
13.  Bei  der  älteren  Gruppe  der  Kataloge  lautet  der  Kopftitel:  „Verzeichniß ­
  von  raren  Thalern  nach  des  Herrn  von  Madai  vollständigem  Thaler-Cabinet
  numeriret  und  um  beygesetzte  Preise  zu  haben  bey  M.  A.  Rothschild.
Diese  sechs  sind  ohne  Erscheinungsjahr.  Die  jüngsten  datierten  Münzen
gehen  auf  die  Jahre  1766  (2  Mal),  1768,  1769,  1771  und  1772  herab;  der
Umfang  beträgt  8  (2  Mal),  9,  8,10  und  11  Seiten.  Nur  bei  dem  Katalog  von
11  Seiten  Umfang  ist  die  3.  Fortsetzung  des  Madaischen  Talerkabinetts  benutzt,
die  1774  herauskam.  Und  zwar  wird  darin  mehrfach  auf  Nummern  dieser
3.  Fortsetzung  Bezug  genommen.  In  den  fünf  andern  Katalogen  ist  nur  die
zweite  Fortsetzung  jenes  Talerkabinetts  berücksichtigt,  die  1769  erschien.
Man  muß  demnach  annehmen,  daß  die  Drucklegung  von  vier  Katalogen
durch  die  Jahresreihe  1769  bis  1774  begrenzt  wird,  daß  die  Drucklegung
des  fünften  Katalogs  von  10  Seiten  Umfang  in  die  Jahresreihe  1771  bis  1774
fällt,  und  daß  der  sechste  Katalog  von  11  Seiten  Umfang  nicht  vor  dem
Jahre  1774  gedruckt  sein  kann.
Bei  den  vier  jüngeren  Verzeichnissen  zeigt  schon  der  Kopftitel  an,  daß
ihr  Inhalt  mannigfaltiger  ist,  als  derjenige  der  sechs  älteren  Kataloge.  Er
lautet:  Verzeichniß  einer  Anzahl  rarer  Cabinetsthaler,  nach  des  Herrn  von
Maday  vollständigen  Thaler-Cabinet  numerirt,  wie  auch  eine  Anzahl  sehr
rarer  Gold-  und  Silber-Münzen  und  Medaillen,  Gold-  und  Silberne  Römische,
Griechische,  Antique  und  Heydnische  Münzen;  welche  vor  beystehende
Preiße  zu  haben  sind.  Der  Name  des  Verkäufers  samt  seinem  Hoftitel  ist
am  Ende  der  Verzeichnisse  angegeben:  Adresse  Meyer  Amschel  Rothschild,
Hochfürstl.  Hessen  -  Hanauischer  (oder  Hessen  -  Casselischer)  Hof-Factor,
wohnhaft  in  Frankfurt  am  Mayn.  An  derselben  Stelle  findet  sich  bei  drei
Katalogen  ein  Erscheinungsjahr:  Der  eine  erschien  im  Jahre  1783,  sein
Umfang  beträgt  16  Seiten  und  die  Summe  der  Angebote  über  5074  fl.  Dieselbe
Jahreszahl,  aber  handschriftlich  in  1784  umgeändert,  trägt  ein  Katalog  von
12  Seiten  Umfang  mit  einem  Angebot  von  über  3739  fl.  Der  dritte  von
11  Seiten  Umfang  datiert  vom  Jahre  1786,  bietet  Stücke  im  Gesamtbeträge
von  2691  fl  50  kr  und  außerdem  fünf  silberne  Medaillen  ohne  Preisangabe.
Der  Umfang  des  undatierten  Katalogs  beträgt  ebenfalls  11  Seiten,  die  Summe
der  Angebote  2579  fl,  und  die  jüngste  Münze  trägt  die  Jahreszahl  1775
(S.  4:  Ohnrecensirte  Thalerklippe.)  Dieser  Katalog  befindet  sich  in  gold-
        <pb n="177" />
        170

gepreßtem  Lederband  mit  eingeklebtem  Exlibris  Karl  Theodors  von  der
Pfalz.  Da  Rothschild  sich  darin  noch  als  Hessen  -  Hanauischer  Hoffaktor
bezeichnet,  so  muß  die  Drucklegung  in  die  Jahresreihe  1775  bis  1785  fallen.
Ich  setze  ihn  in  die  achtziger  Jahre.  Die  Summen  der  angebotenen  Stücke
konnten  nicht  bei  allen  Katalogen  ganz  genau  festgestellt  werden,  weil
mehrere  so  stark  beschnitten  sind,  daß  die  Kreuzerrubrik  beim  Vorderschnitt
und  einzelne  Zeilen  beim  Unterschnitt  beschädigt  wurden.  Daß  in  einem
undatierten  Katalog  von  10  Seiten  Umfang  auf  Seite  7  eine  Münze  vom
Jahre  1797  aufgeführt  ist,  beruht  auf  einem  Druckfehler.  Es  muß  heißen:  1697.
14.  Schröckh,  Samuel  Jacob,  Allgemeine  Kaufmännische  Bibliothek,
Bd.  1:  Handlungs-Schema  von  Frankfurt  am  Main.  Frankfurt  1778.  S.  37.
Erst  im  Jahr  1811  erscheint  Rothschild  zum  zweiten  Mal  in  einem  Handlungsadreßbuch. ­

15.  Fftm.:  Criminalia  de  1804  Nr.  59.
16.  Diese  Medaillenlieferungen  figurieren  in  der  Kabinettskassenrechnung. ­
  Sie  betrugen:

1791:  27  Rtlr.  6  Alb.  IP'/ies  Hlr.
1792:  17  „  18  „  8 64 /i 6 5  „
1793:  241  „  30  „  8 / 15
Die  Kabinettskassenrechnung  vom  Jahre  1794  fehlt  in  Marburg.  Im
folgenden  Jahre  betrug  die  Verkaufssumme  der  Medaillen  68  fl  16 7 / 8  kr  24  ff.
Und  zwar  wurde  dieser  Betrag  zum  größten  Teil  mit  Dubletten  berichtigt.
Die  späteren  Bezüge  bis  zur  Exilzeit  betrugen:

1796:  86  Rtlr.  2  Alb.  11  Hlr.
1797:38  ,.  2  „  1  „
1798:  42  „  30  „  9  „
1799:  7  „  15  „  11  „
1800:  9  „  19  ..  3  ..

1801:  183  Rtlr.  10  Alb.
1802:  113  „  10  „
1804:  23  „  13  „
1805:  251  „  30  „
1806:  12  ..  3  „

5  Hlr.
6  ..

(Marbg.:  Kabinettskassenrechnung  1791  S.  79  f.;  1792  S.  73;  1793  S.  77,  80,  81
1795  S.  73;  1796  S.  77,  80,  81;  1797  S.  81;  1798  S.  92;  1799  S.  98;  1800  S.  97
1801  S.  115—120,  122;  1802  S.  113,  114,  116,  118;  1803  S.  99,102;  1804  S.  98
1805  S.  91—93;  1806  S.  105.)
17.  Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1807  S.  125,  1808  Apr.  S.  20,  1809
Jan.  S.  20;  ferner  Carlshausen:  Buderus’  Kontokorrent.  Schreiben  und
Quittung  des  Kurfürsten  im  Besitze  der  Freiherrlich  Carl  v.  Rothschild’schen
Bibliothek.  In  jenem  Medaillenkabinett  waren  sowohl  die  Denkmünzen
vereinigt,  die  Wilhelm  I.  noch  als  Erbprinz  in  Hanau  gesammelt  hatte,  als
auch  die,  die  bis  zu  seinem  Regierungsantritt  im  Kasseler  Museum  aufbewahrt ­
  waren.  In  einem  Katalog  von  16  Folianten,  den  Wilhelm  selbst
als  Erbprinz  begonnen  hatte,  waren  sämtliche  Denkmünzen  ausführlich
beschrieben.  Über  den  gesamten  Münzbestand  des  Museums,  wie  er  beim
Regierungsantritt  Wilhelms  im  Jahre  1785  beschaffen  war,  gab  ein  lateinisches ­
  Verzeichnis  Auskunft.  Die  Kurrentmünzen  verblieben  damals  dem
Museum,  während  die  Denkmünzen  mit  dem  Hanauer  Kabinett  in  das  Schloß
Bellevue  in  Kassel  gelangten.  (Brief  Voelkels  an  einen  Hochedelgeborenen,
äußere  Adresse  an  Meyer  Amschel  Rothschild,  vom  26.  April  1808,  in  der
Ständischen  Landesbibliothek  zu  Kassel,  aus  Landaus  Nachlaß  stammend.)
        <pb n="178" />
        171

Nach  Alb.  Duncker  (Zur  Geschichte  der  Kasseler  Kunstschätze,  Deutsche
Rundschau  34,  1883,  S.  222  u.  224,  vgl.  a.  ZHG.  N.  F.  Bd.  9,  1882,  S.  262)  bestand ­
  das  Medaillenkabinett  aus  548  Stück  goldenen  und  4328  Stück  silbernen
Medaillen,  wozu  noch  122  Stück  rare  Taler  kamen,  und  wurde  in  Paris  eingeschmolzen. ­
  Dem  widerspricht  unsere  obige  aktenmäßige  Darstellung.
Jedenfalls  kann  nur  ein  Teil  der  Medaillen  eingeschmolzen  sein.
18.  Im  Jahre  1795  kauft  Rothschild  von  einem  Offizier  zwei  Ringe
mit  Rosetten,  deren  Preis  350  Tlr.  betrug  (Fftm.:  Ugb.  D  85  Nr.  107).  Im
Jahre  1808  verkauft  der  Kurfürst  von  Hessen  an  Rothschild  lackierte  und
Porzellanvasen  nebst  sieben  Paar  Schnallen  für  396  Rtlr.  16  g.  Gr.;  im  Jahre
1809  zwei  Zahnstocheretuis  von  Porzellan,  eine  Dose,  zwei  Stockknöpfe
und  ein  Siegel  für  70  Rtlr.  20  g.  Gr.;  in  demselben  Jahre  einige  goldene  Dosen,
zwei  Paternoster  und  zwei  Flacons  für  1345  Rtlr.  20  g.  Gr.,  eine  Dose  von
Achat  und  drei  Stöcke  für  283  Rtlr.  8  g.  Gr.,  ein  antikes  Kästchen  von
Schildpatt  mit  silbernem  und  vergoldetem  Beschlag,  einen  silbernen  und
vergoldeten  kleinen  Korb  und  einen  mit  Golddraht  überspannten  lapis
bezoardicus  für  56  Rtlr.  16  g.  Gr.,  altes  Silber  von  ausgebrochenen  Diamanten
für  5  Rtlr.  16  g.  Gr.,  endlich  ein  Lavoir  von  Porzellan  und  eine  Tasse
mit  Unterschale,  stark  mit  Gold  eingefaßt,  für  566  Rtlr.  16  g.  Gr.  Am
2.  Januar  1811  erhielt  Rothschild  vom  Kurfürsten  alte  Pretiosen  im  Betrage
von  170  Rtlr.  Der  Ring,  den  der  Kurfürst  im  Jahre  1813  kaufte,  kostete
750  Rtlr.  20  g.  Gr.  (Marbg.:  Reservekassenrechnung  1808  S.  9,  1809  S.  15  f,
1811  S.  22,  1813  S.  31.)
Im  Jahre  1792  fand  in  Frankfurt  die  letzte  Kaiserkrönung  statt.  Bei
dieser  Gelegenheit  schenkte  Franz  II.  dem  Reichserbmarschall  Grafen  von
Pappenheim  eine  goldene  mit  Brillanten  besetzte  Dose,  deren  Wert  auf
20000  fl  geschätzt  wurde.  Dieses  Stück  wurde  angeblich  später  an  Rothschild ­
  verkauft.  Es  ist  aber  fraglich,  ob  die  Geschichte  wahr  ist.  Denn  der
Verfasser  des  Werkes,  in  dem  sie  mitgeteilt  wird,  Vierzig  Jahre  aus  dem
Leben  eines  Toten,  Tübingen  1848  (Bd.  1,  S.  22  f  ),  ein  Literat  namens  Friederich,
ist  nicht  frei  von  Irrtümern.  Er  erzählt  S.  31  noch  eine  völlig  unglaubhafte
Rothschildgeschichte  und  behauptet  dabei,  Meyer  Amschels  Mutter  noch
gesehen  zu  haben,  die  bereits  36  Jahre  tot  war,  als  Friederich  geboren  wurde.
Rothschilds  sonstiger  Warenhandel.
19.  Fftm.:  Ugb.  D  93  Nr.  85.
20.  Ehrenberg,  Große  Vermögen,  Jena  1902,  S.  57  f.  Buxton,  Memoirs,
(zuerst  London  1848)  Ausg.  1898,  S.  160.
21.  Demachy,  Les  Rothschild,  Serie  2,1,  Paris  1896  S.  52.
22.  Es  erstreckte  sich  dieses  Dekret  auf  Frankreich,  Holland,  Berg,
die  Hansestädte,  überhaupt  auf  das  Gebiet  vom  Main  bis  an  das  Meer,
ferner  auf  Italien,  die  Illyrischen  Provinzen,  Neapel,  die  von  französischen
Truppen  besetzten  spanischen  Provinzen  und  alle  Städte  und  nahe  gelegenen
Ortschaften,  wo  sich  sonst  kaiserliche  Truppen  befanden.  Die  Schweiz,
Österreich,  Preußen,  Schweden,  Dänemark  und  Rußland  wurden  aufgefordert,
das  Dekret  ebenfalls  zu  befolgen.
        <pb n="179" />
        23.  Darmstädter,  R,  Großherzogtum  Frankfurt,  1901,  S.  306  ff.;  Der
Rheinische  Bund,  herausgeg.  von  P.  A.  Winkopp,  Bd.  17,  Frankfurt  1810,
S.  142ff.  (Dekr.  vom  21.  Nov.  1806),  S.  136ff.  (Dekr.  vom  14.  Okt.  1810),
S.  185  ff.  (Dekr.  vom  19.  Okt.  1810);  Hitzigrath,  H.,  Hamburg  und  die  Kontinentalsperre, ­
  1900,  S.  1,  22  ff.;  Schmitter,  A.,  Die  Wirkungen  der  Kontinentalsperre ­
  auf  Frankfurt  a.  M.  1810  (Diss.).  Von  den  Schriftstellern,  die  außerdem ­
  über  die  Kontinentalsperre  geschrieben  haben,  erwähne  ich  nur  noch
Zeyß,  R.,  Die  Entstehung  der  Handelskammern  und  die  Industrie  am  Niederrhein. ­
  Leipzig  1907.  Auf  S.  92  bis  158  gibt  der  Verfasser  einen  Überblick
über  das  französische  Zollsystem.  Dort  wird  auch  der  deutliche  Nachweis
geführt,  daß  es  sich  bei  der  Kontinentalsperre  nicht  nur  um  eine  kriegspolitische, ­
  sondern  zugleich  um  eine  wirtschaftspolitische  Maßregel  handelte.
24.  Dietz,  A.,  Frankfurter  Bürgerbuch,  1897,  S.  167,  169;  Moriz-Eichborn,
  K  &amp;gt;  Das  Soll  und  Haben  der  Firma  Eichborn  &amp;amp;  Co.,  1903,  S.  86.
Rothschilds  Geschäftslokalitäten.
25.  Freimann,  A ,  Stammtafeln  1906,  Bl.  64  ff.
26.  Fftm.:  Ugb.  D  33  Nr.  106  Judenschaft  Tom.  I  (praes.  15.  Aug.  1803),
Stadtkämmerei-Archiv  71  XIV  Trierischer  Hof  Fase.  I  (Stadtk.-A.  II  8a  Nr.  7).
27.  Kracauer,  J.,  Gesch.  d.  Judeng.,  1804,  S.  444;  Fftm.:  Protocollum
Notarial e  der  Judenschaft  T.  I,  S.  141  ff.,  T.  II  S.  50  ff.  Die  im  Jahre  1808
gesteigerten  Brandplätze  der  Judengasse  wurden  gemäß  Anordnung  der
Fürstl.  Primatischen  Generalkommission  vom  23.  Dezember  1808  wahres
und  völliges  Eigentum  der  Steigerer,  indem  aus  dem  Erlös  sowohl  das  der
Stadt  Frankfurt  zustehende  Grundeigentum  und  der  ihr  dafür  zukommende
Grundzins  als  auch  das  superfiziarische  Recht  (jus  superficiarium)  der
vorigen  Besitzer,  d.  h.  der  Inhaber  der  auf  den  Bauplätzen  früher  gestandenen
Häuser  abgelöst  wurde.  Vgl.  Fftm.:  Ugb.  D  33  Nr.  106  Judenschaft  Tom.  II.
Rothschilds  Geldhandel  bis  1800.
28.  Vorbemerkung  in  dem  s.  Z.  beim  Frankfurter  Bankhaus  geführten
Stammbaum.  Die  gleiche  Angabe  bei  Döring,  Neue  Chronik,  Bd.  1,  1834,
S.  94;  auch  bei  H.  v.  Poschinger,  Bankwesen  in  Preußen,  Bd.  1,  1878,  S.  195,
Anm.  2.  Abschrift  vom  Stammbaum  in  der  Freiherrlich  Carl  von  Rothschildschen
  Bibliothek.
29.  Marbg.:  Kriegsministerium  8173.
Rothschilds  Vermögensstand  um  1800.
30.  Wenn  Amschel  Moses,  der  Vater  Meyer  Amschels,  im  Jahre  1749
mit  einem  Vermögen  von  nur  1375  fl  in  der  Schatzung  stand  (Archiv  der
Israel.  Gemeinde),  so  beweist  das  natürlich  nichts  für  seinen  wirklichen
Vermögensstand.
31.  J.  A.  Moritz,  Staatsverf.  d.  Reichsst.  Frankfurt,  T.  2,  1786,  S.  395.
32.  Archiv  der  Israel.  Gemeinde  zu  Frankfurt  a.  M.
33.  Fftm.:  Juden-Schatzungsregister  1750—1793,  fol.  199;  1794—1811,
fol.  92.
        <pb n="180" />
        173

3-t.  Nach  israelitischem  Recht  hatten  die  Töchter  kein  Erbrecht  mit
den  Söhnen  auf  die  elterliche  Verlassenschaft.
35.  Im  Jahre  1808  hatte  Geisenheimer  sich  ein  Vermögen  von  6000  fl
gespart  und  richtete  ein  Gesuch  an  den  Fürsten  Primas  um  Erlaubnis  zur
Vollziehung  seiner  vor  Erlaß  der  neuen  Stättigkeit  kontrahierten  Ehe  und
um  die  Qualität  eines  Stättigkeitsverwandten.  Bei  dieser  Gelegenheit  schreibt
der  Fürst  Primas  eigenhändig  an  den  Rand  der  Akte:  „Einverstanden,  und
wird  auf  jeden  Fall  der  Schutz  ertheilt  in  Rücksicht  seiner  vorzüglich  guten
Eigenschaften.“  Fftm.:  Uglb.  D  62,  Nr.  17,  T.  VII  fase.  13b;  Uglb.  A  26,  Nr.  17
(über  Hauser).
36.  Wenn  Meyer  Amschel  im  Jahre  1809  im  Polizeiverhör  aussagt,,
daß  er  allein  der  Inhaber  seiner  Handlung  sei,  daß  seine  Söhne  lediglich
als  Gehülfen  in  seinem  Geschäft  fungierten  und  ihm  seine  Warenhandlung
versähen,  so  beweist  das  nichts  gegen  unsere  obigen  Darlegungen,  sondern
zeigt  nur,  daß  der  Chef  der  Handlung  auch  damals  noch  das  Verhältnis
patriarchalisch  auffaßte.  Selbst  der  Gesellschaftsvertrag  vom  Jahre  1810
gewährt  dem  Familienhaupt  gewisse  geschäftliche  Vorrechte,  die  ganz  in  jenem
Anschauungskreis  liegen.  Die  entscheidende  Stimme  bei  allen  Geschäften  und
bei  Irrungen  betreffs  Auslegung  des  Gesellschaftsvertrags,  die  Anstellung
und  Entlassung  des  Personals  war  in  des  Vaters  Hand  gegeben.  Ja  er
hatte  sogar  ausschließlich  das  Recht,  auch  außer  dem  jährlichen  Gewinn
und  Haushaltungsbedarf  nach  Belieben  Gelder  aus  dem  Handlungsfonds
zu  entnehmen.
37.  Das  Gesamtvermögen  betrug  beim  Vertragsabschluß  vom  Jahre  1810
800000  fl.  Die  60000  fl,  die  im  Vertrag  den  beiden  jüngsten  Söhnen  vorbehalten ­
  bleiben,  wurden  oben  außer  Acht  gelassen,  sind  aber  natürlich  auch
ohne  Einfluß  auf  die  ermittelten  Verhältnisziffern,  da  ihre  Abtrennung  selbstverständlich ­
  nach  dem  Verhältnis  der  bisherigen  Geschäftsanteile  stattfand.
38.  Sämtliche  Töchter  erhielten  später  erheblich  höhere  Abfindungen
als  der  ältesten  Tochter  bei  ihrer  Verheiratung  zugesichert  waren.  Daß  im
Jahre  1795  bereits  5000  fl  Mitgift  an  die  älteste  Tochter  abgegangen  waren,
darf  schon  in  Rücksicht  auf  die  jährliche  Vermehrung  des  Geschäftsvermögens
außer  Betracht  bleiben.
39.  A  century  of  Finance  1804  to  1904,  The  London  House  of  Rothschild,
London  1905,  S.  13.  Ein  Exemplar  dieses  Privatdrucks  auf  der  Freiherrlich.
Carl  von  Rothschildschen  Bibliothek.
Rothschilds  Geldhandel  von  1801  bis  1806.
40.  Marbg.:  Akta  den  Ankauf  dänischer  Partialobligationen  von  dem
Handelshause  Rüppell  &amp;amp;  Harnier  in  Frankfurt  betreffend  1801  (77  500  Rtlr.)  ■„
Das  der  Krone  Dänemark  zugestandene  Anlehen  1784—1806  etc.
41.  Marbg.:  Das  dem  Oberhofagenten  M.  A.  Rothschild  in  Frankfurt
gegen  ein  Unterpfand  von  Staatspapieren  hergeliehene  Kapital  von  160000  Rtlrn.
1801—1806;  Das  dem  Hofagenten  M.  A.  Rothschild  und  dessen  beiden  Söhnen
Kriegszahlamtsagenten  Amschel  und  Salomon  Rothschild  zu  Frankfurt  aus.
der  Kriegskasse  vorgeschossene  Kapital  von  200000  fl  1802—1805.
        <pb n="181" />
        42.  Marbg.:  Ankauf  einer  Anzahl  Partialobligationen  von  dem  bei
den  Gebr.  Bethmann  in  Frankfurt  eröffneten  Kgl.  Dänischen  Anlehen  1801
(180000  fl.  24  ff.).
43.  Marbg.:  Ankauf  Kgl.  Dänischer  und  Stadt-Frankfurter  Partialobligationen ­
  1802—1804.  Rothschild  hatte  sich  in  seinem  Gesuch  erboten,
noch  ein  besonderes  Douceur  in  die  Löbliche  Kabinettskasse  zu  geben.
Über  diesen  Punkt  hatten,  wie  auch  in  anderen  Fällen,  Lennep  und  Buderus
auf  gnädigsten  Befehl  Sonderunterhandlungen  zu  pflegen,  über  deren  Resultat
aber  nichts  weiter  verlautet.
44.  Marbg.:  Der  durch  den  Hofagenten  Rothschild  in  Frankfurt  angebotene ­
  und  genehmigte  Ankauf  von  100  Stück  Kgl.  Dänischen  Obligationen
zu  1200  fl.  und  der  gleichzeitig  abgelehnte  Ankauf  von  SO  Stück  pfälzischen
Obligationen  1802;  Ankauf  von  100  Stück  Kgl.  Dänischen  Partialobligationen
und  die  dem  Hofagenten  M.  A.  Rothschild  zu  Frankfurt  dafür  gezahlte  Summe
von  120000  fl.  24  ff,  1802,  1803.
45.  Marbg.:  Ankauf  Kgl.  Dänischer  Staatspapiere  1803—1806.
46.  Marbg.:  Personalia  Rothschild.  Meyers  Konversationslexika  sagen
fälschlich,  daß  Meyer  Amschel  im  Jahre  1801  zum  Hofagenten  ernannt  sei.
Dies  ist  überhaupt  niemals  geschehen,  doch  wurde  der  Hoffaktor  Rothschild
in  späterer  Zeit  von  amtlicher  Stelle  aus  als  Hofagent  angeredet.  Die  Notiz
der  Konversationslexika  geht  auf  Gentz  (Schriften  5,  1840,  S.  116)  und
zuletzt  auf  Cohen  (S.  18)  zurück.
47.  Marbg.:  Ankauf  Kgl.  Dänischer  Staatspapiere  1803—1806.
48.  Carlshausen :  Lawätz  an  Buderus,  19.  März  1806.
49.  Marbg.:  Das  der  Krone  Dänemark  zugestandene  Anlehen  1784
bis  1806  etc.;  Ankauf  Kgl.  Dänischer  Staatspapiere  1803—1806.
50.  Brief  auf  Carlshausen.
51.  Ehrenberg,  Große  Vermögen,  1902,  S.  51.
52.  Marbg.:  Die  Abnahme  von  400000  fl  Landgräflich  Darmstädtischen
Partialobligationen  gemäß  dem  Angebot  des  M.  A.  Rothschild  zu  Frankfurt  a.  M.
1804.  Der  durch  den  Oberhofagenten  M.  A.  Rothschild  zu  Frankfurt  a.  M.
bewirkte  Ankauf  von  400  000  fl  hessen-darmstädtischen  Partialobligationen
1804,  1837.
53.  Marbg.:  Umtausch  von  Landgräflich  Hessen-Darmstädter  gegen
Landständisch  Hessen-Darmstädter  Partialobligationen  1804—1806.
54.  Marbg.:  Kasseler  Kabinettsakten  betr.  die  Übernahme  der  in  kurhessischem ­
  Besitz  befindlichen  kurpfälzischen  Schuldverschreibungen  durch
Kurbaden  1804;  Kasseler  Rentkammerakten  betr.  die  kurbadensche  Anleihe
bei  Kurhessen  1804,  beides  aus:  Baden-Durlach  1778—1824;  Das  kurbadensche ­
  Anlehen  von  1400000  fl  1804;  Das  dem  Kurfürsten  von  Baden  bewilligte
Anlehen  von  1400000  kl  1804,  1805,  1807.  Karlsruhe,  General-Landesarchiv:
Das  vom  Kurhaus  Hessen  durch  M.  A.  Rothschild  in  Frankfurt  negoziierte
Geldanlehen  von  1400000  fl  1804—1830.
55.  Karlsruhe,  General-Landesarchiv:  Akten  des  hinterlegten  Freih.
Rinck  von  Baldensteinischen  Familienarchivs  Nr.  122  und  125.  Martens,
Supplement  T.  3,  1807,  S.  283;  T.  4,  1808,  S.  216  (Art.  13),  S.  318  (Art.  19),
S.  323  (Art.  33).
        <pb n="182" />
        175

Das  Rothschildsche  Zweiggeschäft  in  Kassel.
56.  Marbg.:  Oberrentkammerprotokoll,  1802,  Quartal  3,  Nr.  13329.
57.  In  einem  Verzeichnis  der  in  Kassel  befindlichen  Glieder  der  jüdischen ­
  Gemeinde  vom  1.  Mai  1808  findet  sich  unter  Nr.  69  der  Eintrag:
„Amschel  Mayer  Rothschild  nl|  wohnt  zu  Frankfurt  a/M,  verheurathet.
Stehet  in  der  Vermögens  Anlage  mit  Rthlr.  1600.“  Nach  demselben  Verzeichnis ­
  stehen  höher  in  der  Vermögensanlage:  Michael  Simon  Meylert
(letzteres  sein  später  angenommener  Beiname),  Bankier,  mit  2500  Rtlrn.;
Moses  Joseph  Büding  (offenbar  der  in  Marburger  Akten  erwähnte  Oberhofagent ­
  Moses  Joseph,  da  Büding  ein  später  angenommener  Beiname  ist),
Bankier  mit  1800  Rtlrn.;  Samson  R.  Goldschmidt  (letzteres  Familienname),
Bankier  und  Warengeschäft,  und  Levy  Feidel  (letzteres  Familienname),
Bankier,  beide  mit  1700  Rtlrn.  Das  Verzeichnis  umfaßt  139  Nummern,
wobei  auch  die  Witwen  der  Gemeindemitglieder  aufgeführt  sind.  AIs  wohnhaft ­
  in  Frankfurt  a.  M.  wird  unter  Nr.  17  noch  David  Feidel,  Bankier,  ohne
Vermögensanlage  erwähnt.  Vgl.  Stadtarchiv  zu  Kassel  Ad  Nr.  30.  Generalsachen ­
  (E.  360).
58.  26.  Juli  1823.  Akte  der  Isr.  Gern,  zu  Kassel.
59.  Marbg.:  Akten  des  Ministeriums  des  Innern.  Meyer  Amschel
Rothschild  aus  Frankfurt  Rezeption  in  d.  Schutz  d.  Residenz;  Rothschild
contra  Vorsteher  der  Isr.  Gemeinde  zu  Kassel  1828;  Rothschild  contra  Vorsteher ­
  der  Isr.  Korporation  in  Kurhessen  1821;  Kassel:  Archiv  der  Isr.  Gemeinde. ­
  62.  Akte  von  Rothschild  in  Frankfurt  a.  M.  1822—1829.
Die  Rettung  des  kurfürstlichen  Archivs  und  des  kurfürstlichen
Vermögens  in  den  Jahren  1806  und  1807.
60.  Ich  schließe  das  nicht  nur  aus  den  öfters  zitierten  Äußerungen
von  Zeitgenossen  (vgl.  Kapp,  Fr.,  Der  Soldatenhandel  deutscher  Fürsten
nach  Amerika,  1874,  S.  177ff.;  Lowell,  E.  J.,  Die  Hessen  im  Kriege  gegen
Amerika,  Braunschweig  1901,  S.  18—22),  sondern  auch  aus  den  Eindrücken,
die  der  Magister  Laukhard  im  Herbst  1776  auf  seiner  Fußreise  nach  Jena
im  Gebiet  von  Hessen-Kassel  empfing  (Leben  und  Schicksale,  T.  1,  1792,
S.  187—189).
61.  Marbg.:  Bestechung  des  Lagrange  1806—1807,  Bl.  19.  Mit  zwei
sechsspännigen  Karossen  und  einem  Kurier-  oder  Reitpferd  reiste  der  Kurfürst ­
  über  Arolsen,  Pyrmont,  Hameln,  Neustadt,  Soltau,  Harburg,  Altona,
Pinneberg,  Elmshorn,  Izehoe  und  Rendsburg.  Am  7.  November  kam  er  mit
fünf  Lakaien  in  Schleswig  an.  Vor  Altona  und  vor  Itzehoe  war  jedes  Mal
eine  Achse  gebrochen  (Marbg.:  Rechnungen).
62.  Brunner,  General  Lagrange  als  Gouverneur  von  Hessen-Kassel,
1897,  S.  1  ff,  52.
63.  Zwei  Grafen  und  zwei  Gräfinnen  von  Hessenstein,  Kinder  des
Kurfürsten  und  der  Freiin  Caroline  von  Schlotheim.  Natürlicher  Sohn  des
Kurfürsten  von  Heimrodt,  geadelt  um  1775  (Siebmacher).  Fünf  Freiherren
und  zwei  Freiinnen  von  Haynau,  Kinder  des  Kurfürsten  und  der  Rosalie
Dorothea  Ritter  aus  Biel  in  der  Schweiz,  die  durch  kaiserliches  Diplom  vom
        <pb n="183" />
        17.  März  1783  mit  dem  Prädikat  von  Lindenthal  in  den  Adelstand  erhoben
war  und  später  den  Rentmeister  Georg  Kleinhaus  zu  Babenhausen  geheiratet
hatte  (Freih.  Taschenb.,  1880,  S.  302  f.).
64.  Marbg.:  Buderus  Rechnung  vom  Dezember  1809,  S.  17,  vom  Jahre
1807  S.  28  f.  Mündliche  Mitteilungen  des  Oberstleutnants  und  Kammerherrn
Lothar  von  Carlshausen.
65.  Marbg.:  Mensing  1806,  S.  27  f.  Vgl.  die  Aktenstücke.
66.  Schmedes  in  ZHG  ,  N.  F.  1,  1867,  S.  253.
67.  Belege  zu  der  Inhaltsangabe  der  vier  Verstecke  s.  bei  den  Aktenstücken. ­
  Nach  Alb.  Duncker  befanden  sich  in  Sababurg  auch  Medaillen  aus
dem  Museum  (ZHG.,  N.F.  9,  1882,  S.  262).
68.  Marbg  :  Bestechung  des  Lagrange  1806—1807,  Bl.  52.
69.  Es  muß  sich  in  den  konfiszierten  Kisten  auch  das  kurfürstliche
Medaillenkabinett  befunden  haben,  denn  es  ist  in  dem  Briefe  des  Burgvogts
Steitz  von  verborgenen  Geldstücken  die  Rede.
70.  Brunner,  General  Lagrange,  S.  9  ff.
71.  Marbg.:  Mensing  1806,  S.  40  f.,  S  95  f,  S.  26  Nr.  5.
72.  In  seinem  Bericht  an  den  Kurfürsten  vom  12.  Nov.  1807  bezeichnet
Mensing  diesen  Transport  irrtümlich  als  vierten,  den  folgenden  als  dritten.
Ihm  folgt  Brunner.  Marbg.:  Mensing  1806,  S.  96.
73.  Nicht  durch  v.  d.  Malsburg,  wie  Brunner  S.  23  angibt.  Letzteres
war  beabsichtigt,  kam  aber  nicht  zur  Ausführung.  Vgl.  Marbg.:  Geh.  Ministerium, ­
  Briefwechsel  mit  dem  Kurfürsten  1806—1807,  Bl.  19.
74  Marbg.:  Geh.  Ministerium,  Briefwechsel  mit  dem  Kurfürsten
1806—1807,  Bl.  10,  13.
75.  Marbg.:  Schmerfeld,  Bl.  19,  21.
76  Mensing  gibt  irrtümlich  an:  Schnurgasse.  Er  verwechselt  hier
die  Lokalitäten  der  Freye  &amp;amp;  Jordis  mit  denen  Meyer  Amschel  Rothschilds.
Mit  letzterem  war  Mensing  ebenfalls  bekannt.
77.  Am  10.  August  1772  zeigte  des  Carl  'Jordis  Wittib,  Maria  Anna
Elisabeth,  geb.  Freye,  auf  dem  Frankfurter  Wechselprotestkontor  an,  daß
die  unter  dem  Raggionsnamen  Freye  &amp;amp;  Jordis  geführte  Handlung  nunmehr
ihr  selbst  und  den  Kindern  Jacoba  Magdalena  und  Johann  Henrich  Jordis
zugefallen  sei,  daß  an  Stelle  der  Tochter  deren  Ehegatte  Paul  Christian  Fuchs
in  die  Handlung  eintrete,  und  daß  ebenso  Johann  Friedrich  Scharst,  der  fast
zwanzig  Jahre  in  ihrem  Hause  mit  Ruhm  gearbeitet  habe,  als  Teilhaber  angenommen ­
  sei.  Im  Jahre  1778  trat  Fuchs  wieder  aus.  Am  30.  Oktober  1780
wurde  Johann  Heinrich  Jordis  volljährig  und  erhielt  neben  den  beiden  anderen
Teilhabern  die  Firma.  Im  Jahre  1788  trat  die  Wittib  aus,  und  die  Handlung
wurde  von  den  beiden  übrigen  Teilhabern  weitergeführt.  1799  starb  Johann
Friedrich  Scharst,  und  sein  Sohn  Friedrich  Scharst  wurde  von  Johann  Heinrich
Jordis  als  Teilhaber  aufgenommen.  1803  starb  auch  J.  H.  Jordis,  und  seine
Witwe  Antoinette  Rahei  geb.  Firnhaber  von  Eberstein,  führte  mit  ihrem
Teilhaber  Friedrich  Scharst  die  Handlung  unverändert  weiter.  Ihr  Sohn
Karl  Jordis  war  damals  erst  23  Jahre  alt  und  sollte  nach  dem  Willen  des
Vaters  erst  mit  25  Jahren  als  Teilhaber  eintreten,  was  am  1.  Juli  1805  geschah. ­
  Dieser  Karl  Jordis  war  1806  in  Kassel  (Fftm.:  Börsenanschläge  Bd.  1—4).
        <pb n="184" />
        12

177

78.  Marbg.:  Mensing  1806,  S.  100  f.  Briefe  von  Schmerfeld  1806—1807,
Bl.  25.
79.  Den  Nachweis  über  den  Inhalt  der  fünf  Transporte  s.  u.  bei  den
Aktenstücken.
80.  Die  Kabinettskassenrechnungen  sind  nicht  vollzählig  in  Marburg
vorhanden.  Sie  beginnen  mit  dem  Jahre  1761.
81.  Akten  auf  Carlshausen.
82.  Marbg.:  Kriegskasse  1806  (Kriegsministerium  8174).
83.  Ein  Teil  der  inländischen  Außenstände  war  ohne  das  jeder  Zeit
aus  den  Hypothekenbüchern  zu  entnehmen,  die  selbstredend  nicht  entfernt
werden  konnten.  (Marbg.:  Bestechung  des  Lagrange  1806—1807,  Bl.  12).
84.  Brunner,  S.  30.
85.  Marbg.:  Bestechung  des  Lagrange  1806—1807,  Bl.  2.
86.  Wie  Jordis  mitteilt,  schrieb  Lagrange  damals  an  Napoleon:  Ich
habe  bereits  einen  Status  von  cca.  44  Millionen  Livres  —  dieser  Status  ist
nämlich  der  von  11  Millionen  und  einigen  hunderttausend  Talern,  den  ihm
das  kurfürstliche  Ministerium  tags  nach  der  mit  ihm  gehabten  Konferenz
selbst  zugestellt  hatte  —  ausgefunden,  in  dem  sich  vorzüglich  folgende
Posten  befinden,  aus  denen,  da  sie  unter  der  Hand  liegen,  die  Contribution
wohl  am  leichtesten  zu  beziehen  ist,  nehmlich
Rf  2116158.—  auf  Hypothequen  in  dem  Lande
„  544  473.—  pr6s  des  Etats  de  Hollande  et  de  Westfriese
„  112  121.—  pr6s  du  Duc  de  Nassau-Usingen
„  392  424.—  pres  du  Grand-Duc  de  Bade
„  84  090.—  pres  du  Prince  de  Hohenzollern-Hechingen
„  1  167  969.—  präs  des  Princes  de  Waldeck
„  30  916.—  pres  du  Prince  George  de  Waldeck
Rf  4  448  151.—  (Marbg.:  Bestechung  des  Lagrange  1806—1807,  Bl.  2).
87.  Die  Hanauer  Rentkammer  war  dem  Kasseler  Gouvernement  nicht
unterstellt  (Marbg.:  Bestechung  des  Lagrange,  Bl.  38).
88.  Marbg.:  Bestechung  des  Lagrange,  Bl.  30  u.  51.
89.  Brunner  a.  a.  0.,  S.  31,  38  ff.
90.  Marbg.:  Geh.  Minister.  Briefw.  m.  d.  Kurf.  1806—1807,  Bl.  13.
91.  Marbg.:  Geh.  Minister.  Briefw.  m.  d.  Kurf.,  Bl.  33.
92.  Schreiben  von  M.  A.  Rothschild  &amp;amp;  Söhne  an  Buderus  vom  12.  Mai
1814,  s.  u.  Aktenstücke.
93.  Marbg.:  Briefe  von  Schmerfeld  1806—1807,  Bl.  24.
94.  Marbg.:  Vermischte  Administrationsausgaben  1815,  Bl.  9.  S.  u.
Aktenstücke:  Verzeichnis  der  von  Lagrange  abgelieferten  Kassenliteralien.
Die  Vermögensverwaltung  des  Kurfürsten  während  der  Exilzeit.
Allgemeines.
95.  Allg.  Deutsch.  Biogr.  15,  S.  296.  Denkw.  d.  Landgr.  Karl  v.  Hessen-Cassel,
  m.  Einl.  von  K.  Bernhard!,  Cassel  1866,  S.  Vll  f.,  XVII,  1.  Goth.  Kofkal.
98  So  wird  er  damals  schon  genannt,  obgleich  seine  Erhebung  in
den  erblichen  Adelstand  erst  unterm  1.  Januar  1814  erfolgte.
        <pb n="185" />
        97.  Carlshausen:  Waltz  an  die  von  Carlshausensche  Vermögensadministration, ­
  15.  Jan.  1834;  Buderus  an  den  Kurfürsten  unterm  l.Aug.  1807,
Z.5;  Briefe  von  Lawätz  an  Buderus;  Hitzigrath,  H.,  Hamburg  u.  d.  Kontinentalsperre, ­
  Hamburg  1900  (Progr.),  S.  24.
98.  ln  der  Akte  Schreibfehler:  Coldingen.
99.  Marbg.:  Mensing  1806,  S.  29f.
100.  Carlshausen:  Lawätz’  Brief  an  Buderus  vom  13.  Febr.  1808.
101.  Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten,  24.  Febr.  1812,  S.  16.
Die  Freih.  Carl  von  Rothschildsche  Bibliothek  besitzt  noch  die  Karte  und
das  zugehörige  topographische  Handbuch,  deren  sich  Carl  Mayer  auf  seinen
Reisen  in  Holstein  bediente.  Beide  sind  mit  seiner  Namensaufschrift  versehen ­
  und  befanden  sich  in  seiner  etwa  5000  Bände  zählenden  Bibliothek:
Karte  vom  Herzogthum  Holstein,  den  Gebiethen  der  Reichs:  Staedte  Hamburg
und  Lübek  und  des  Bisthums  Lübek.  2.  Ausl.  Schleswig  (J.  G.  Röhß)  1801;
Topographie  von  Holstein  in  alphabetischer  Ordnung.  Ein  Repertorium  zu
der  Karte  vom  Herzogthum  Holstein,  den  Gebieten  der  Reichsstädte  Hamburg
und  Lübek  und  des  Bisthums  Lübek.  Schleswig  und  Flensburg  (Röhß,
Christian!  u.  Körte)  1807.
102.  Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten  26.  April  1808,  S.  3;
7.  Juli  1808,  S.  3.
103.  Marbg.:  Reservekassenrechnung  1807,  S.  60:  Für  Vorspann  und
Reitpferde  von  Roest  nach  Schleswig  im  November  1806,  14  Rf,  12  sg
Schlesw.  Hollst.  Courant.
104.  Marbg.:  Schmerfeld,  Bl.  27.
105.  S.  u.  Aktenstücke  5.  Transport.  Auch  im  März  1808  begab  sich
Galland  nach  Hanau  und  Frankfurt,  um  Kautionen  abzuholen.  Doch  erfahren
wir  nichts  Genaueres  darüber  (Marbg.:  Buderus’  Rechnung,  März  1809,  S.  17).
106.  Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten,  26.  Sept.  1807.  Unterm
1.  Dezember  1807  verrechnet  Buderus  im  Konto  M.  A.  Rothschilds  die  Diäten
und  Reisekosten  der  beiden  Leutnants  mit  117  rf  durch  den  Etatsrat  Lawätz
(Carlshausen).  Nach  Buderus’  Rechnung  vom  Jahre  1807,  S.  75  (Marburg),
brachten  die  beiden  Leutnants  nur  7  Kisten  nach  Itzehoe.  An  derselben
Stelle  wird  das  Porto  für  ein  Kistchen  vom  Geheimrat  Kunckell  von  Löwenstern ­
  verrechnet.  Das  muß  die  achte  Kiste  gewesen  sein.
107.  Carlshausen:  Der  Kurfürst  an  Buderus,  15.  Nov.  1807,  Buderus
an  den  Kurfürsten,  15.  Aug.  1808;  s.  Aktenstücke  1.  Transport  (Ende).  Sämtliche ­
  für  die  Gräfl.  Hessensteinschen  Kinder  ausgeliehenen  Kapitalien  betrugen
492  410  fl  24  ff  mit  Einschluß  von  88000  rf  Annuitätenkapital  in  London.
Rechnungsführer  über  dieses  Vermögen  war  der  Archivarius  Galland  (Carlshausen ­
  :  Buderus  an  den  Kurfürsten,  9.  April  1810,  S.  3  f.).
108.  Marbg.:  Delbrück-Olmütz  1809;  Hessenland,  1887,  S.  250  (Rogge-Ludwig).

109.  Kasten  3  bis  5  des  Buderusschen  Verzeichnisses  mit  Obligationen,
Kasten  2,  7—9,  C.  C.  lit.  F.,  C.  C.  Nr.  57  und  ein  Kasten  aus  der  Reihe  22-29
des  Buderusschen  Verzeichnisses  mit  Kupons;  s.  Aktenstücke.
110.  Als  der  Kurfürst  geflohen  war,  standen  in  Kassel  noch  vier
Kisten  bereit,  die  der  Bankier  Lawätz  fortschaffen  sollte.  Sie  wurden  durch
        <pb n="186" />
        12*

179

den  Kriegsrat  Oschwind  nach  Altona  befördert  (Marbg.:  Buderus’  Rechnung
1807,  S.  118).  Was  in  den  Kisten  enthalten  war,  wird  nirgends  angegeben.
Vermutlich  aber  gelangten  dieselben  gar  nicht  nach  Gottorf,  sondern  sind
identisch  mit  denjenigen  vier  Kisten,  die  nach  England  geschafft  werden
sollten  und  unterwegs  zugrunde  gingen.  Sie  waren  dem  Kaufmannsschiff
Leith  Packet  anvertraut,  und  das  Schicksal  dieses  Schiffes  ist  bezeichnend
für  die  damaligen  Zustände  auf  See.  Das  Leither  Paketboot  wurde  nämlich
gekapert,  dann  aber  von  einem  englischen  Kutter  dem  Feinde  wieder  abgejagt, ­
  wobei  es  in  der  Nähe  von  der  südlichen  Einfahrt  in  den  Texel  auf
den  Strand  fuhr.  Da  es  schwer  hielt,  das  Schiff  wieder  flott  zu  machen,
so  beschloß  der  Kommandant  des  englischen  Kutters,  es  in  Brand  zu  setzen,
was  denn  auch,  da  es  mit  Hanf  beladen  war,  den  besten  Erfolg  hatte.
Die  Passagiere,  acht  an  der  Zahl,  waren  gerettet.  Einer  von  diesen  hatte
ein  Schreiben  an  den  Staatssekretär  der  auswärtigen  Angelegenheiten  bei
sich,  auf  dessen  Rückseite  die  vier  Kisten  verzeichnet  waren,  ln  der  allgemeinen ­
  Bestürzung  aber,  die  sich  der  Passagiere  bemächtigt  hatte,  vergaß
der  Mann,  den  Schiffskommandanten  von  der  Sache  in  Kenntnis  zu  setzen,
er  übergab  das  Schreiben  erst,  als  das  Schiff  samt  Kisten  bereits  verbrannt
war.  Indes  kann  der  Inhalt  jener  Kisten  nicht  sehr  wertvoll  gewesen  sein,
denn  am  27.  Januar  1807  schreibt  der  Kurfürst  an  Lorentz  in  London,  daß
seines  Wissens  die  vier  Kisten  noch  in  Tönning  lagerten.  Sollten  sie  aber
wirklich  verbrannt  sein,  so  sei  der  Verlust  nicht  groß  (Carlshausen:  Lorentz
an  Buderus,  13.  Febr.  1807;  Marbg.:  Lorentzsche  Akten  1803—1815).
111.  Carlshausen:  Der  Kurfürst  an  Buderus,  27.  Januar  1807;  Lawätz
an  Buderus,  25.  April  1807.
112.  Marbg.:  Reservekassenrechnung  1807  und  1808.
113.  Marbg.:  Wilhelm  1.  Exil,  Bündel  2.
114  Er  hatte  auch  am  20.  September  1807  und  öfter  sich  außer  Stande
erklärt,  ein  Verwendungsschreiben  zugunsten  des  Kurfürsten  an  Napoleon
zu  richten,  worauf  Geylingen  damals  alles  Gewicht  legte.  Allerdings  wußte
er,  daß  Napoleon  den  Kurfürsten  haßte.  Noch  im  Dezember  1807  weigerte
er  sich  ebenso,  ein  solches  Schreiben  an  den  russischen  Kaiser  zu  senden.
(Marbg.:  Wilhelm  I.  Exil,  Bündel  1.)
115.  Marbg.:  Wilhelm  1.  Exil,  Bündel  2.
116.  Marbg.:  Wilhelm  I.  Exil,  Bündel  1  (Brief  Hänleins  vom  17.  Juli
1807)  und  Bündel  2.
117.  Kassel:  Knatzsche  Familienchronik.
118.  Marbg.:  Wilhelm  I.  Exil,  Bündel  2.
119.  Marbg.:  Meyer  Amschel  Rothschild  an  den  Kurfürsten,  15.  Dezember ­
  1806.
120.  Polizeiverhör  1809.
121.  Im  September,  Oktober  und  November  1807,  ebenso  im  Februar
1808  schreibt  Lennep  an  Meyer  Amschel  Rothschild  in  Hamburg.  Am
15.  Juli  1808  bescheinigt  Meyer  Amschel  in  Itzehoe,  vom  Kurfürsten  einen
Koffer  mit  Nr.  4  bezeichnet,  worin  Frankfurter,  Mecklenburger  und  Kaiserlich
Österreichische  Obligationen  enthalten  waren,  zum  Transportieren  empfangen
zu  haben.  Auf  demselben  Schein  bezeugt  Schmincke  am  30.  Dezember  in
        <pb n="187" />
        180

Prag,  daß  die  in  dem  Koffer  befindlichen  Staats-  und  anderen  Papiere  am
26  Dezember  1808  richtig  an  den  Kurfürsten  abgeliefert  seien.  Im  Januar
1809  berechnet  Buderus  beim  Guthaben  Meyer  Amschels:  Kosten  einer  Reise
nach  Hamburg  und  von  da  nach  Prag,  um  die  in  Hamburg  noch  gewesenen
Effekten  an  den  letzteren  Ort  zu  bringen,  720  fl.
122  Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten,  6.  November  1308;
Marbg.:  Buderus’  Rechnung  Dezember  1808,  S.  17.
123.  Carlshausen:  Der  Kurfürst  an  Buderus,5.  März  1810,28.  August  1811.
124  Kassel:  Knatzsche  Familienchronik.  Marbg.:  Reservekassenrechnung ­
  1812,  S.  46ff.  (Zatory).
125.  Marbg.:  Wilhelm  I.  Exil,  Bündel  2.
126.  Marbg.:  Die  dem  Secretarius  Delbrück  im  Mai  1809  übertragene
Transportierung  eines  Teiles  der  kurfürstlichen  Effekten  nach  Olmütz.
127.  Marbg.:  Wilhelm  1.  Exil,  Bündel  2.  Vgl.  auch  Kleinschmidt,  A.,
Ges.  d.  Königr.  Wests.,  1893,  S.  342.
128  Marbg.:  Reservekassenrechnuug  1809,  S.  26  f.,  41;  Hessenland,
1887,  S.  250  (W.  Rogge-Ludwig).
129.  Marbg.:  Abrechnung  mit  Jordis-Brentano  1814—1826.  Vgl.  Aktenstücke: ­
  Brief  an  Buderus.
Bankherren.
130.  Fftm.:  Börsenanschläge,  Bd.  3,  Fol.  409.
131.  Geneal.  Handb.  bürgerl.  Familien,  Bd.  8,  1901,  S.  334;  Bd.  18,
1910,  S.  188.
132.  Marbg.:  Gesuch  der  Hofbankiers  Rüppell  &amp;amp;  Harmer,  sodann  des
Hofagenten  M.  A.  Rothschild  um  Überlassung  von  1000000  fl  in  Königlich
Preußischen  Obligationen  gegen  kurbadensche  und  kurhannoversche  Staatspapiere. ­
  1803.  .
133.  Rothschild  hatte  diese  Obligationen  nicht  in  fertigem  Zustand
vorrätig,  sondern  mußte  sie  erst  nach  Kopenhagen  zur  Siegelung  und  Unterschrift ­
  senden.
134  Marbg.:  Der  durch  die  Kammerkasse  zu  Hanau  bewirkte  Ankauf
von  100000  fl  in  Partialobligationen  von  dem  für  die  Krone  Dänemark  in
Frankfurt  a.  M.  negoziierten  Anlehen  1801—1806.
135.  Carlshausen:  Briefe  vonLawätz  an  Buderus,  18.  und  21.  März  1807.
136.  Carlshausen:  Schreiben  Lenneps  an  den  Kurfürsten  vom  o.  Juli
1811;  Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1807,  S.  28.
137.  Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten,  5.  April  1807.  Schon
unterm  18.  März  d.  J.  beklagt  Buderus  sich  bitter  über  eine  Unterstellung
des  Finanzrates  Harnier,  der  dem  Staatsminister  von  Baumbach  gesagt  hatte,
Buderus’  Dazwischentreten  habe  eine  Zins-  und  Stückzahlung  seitens  Öttingen-Wallerstein
  im  Betrage  von  40  000  fl,  die  Harnier  angeblich  bereits  dem
Kurfürsten  gerettet  hatte,  vereitelt.  Buderus  berichtigt  den  Sachverhalt
eingehend  und  schließt  mit  den  Worten:  „Wenn  Ew.  K.  D.  noch  einige
Gnade  für  mich  haben,  so  geruhen  Höchstdieselben  mir  einen  Eid  über  die
Wahrheit  des  Vorgetragenen  abnehmen  zu  lassen,  um  nur  Höchstsich  zu
überzeugen,  zu  welchen  Verirrungen  nie  zu  befriedigen  gewesene  Habsucht
einen  Menschen  führen  kann.“
        <pb n="188" />
        —  181  —
138.  Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten,  5.  April  1807;  der
Kurfürst  an  Buderus,  28.  April  1807.
139.  Carlshausen:  Schreiben  Lenneps  vom  5.  Juli  1811  an  den  Kurfürsten. ­
  Dabei  Finalabrechnung  mit  den  Rüppell  &amp;amp;  Harnier.  Buderus  an  den
Kurfürsten,  15.  September  1810.  Um  die  8  Prozent  Zugabe  zu  den  vom  Kurfürsten ­
  übernommenen  Unterpfändern  ihrer  Lombardanleihe  im  Betrage  von
fl  67476.45.2  von  den  Rüppell  &amp;amp;  Harnier  zu  erlangen,  waren  verschiedene
Schwierigkeiten  zu  überwinden.  Erst  im  Oktober  1811  figuriert  diese  Summe
in  Buderus’  Rechnung.  Die  Rüppell  &amp;amp;  Harnier  scheuten  sich  aber  nicht,
trotz  dieser  Schuld  bei  Buderus  einen  Betrag  von  fl  6479.40.—  zu  reklamieren,
der  ihnen  an  anderer  Stelle  zugute  kam  (Marbg  :  Buderus’  Rechnung  1807,
S.  61—64;  Jan.  1808,  S.  8;  Okt  1811,  S.  9  u.  19;  Carlshausen:  Buderus  an  den
Kurfürsten,  19.  Aug.  1808,  S.  1  f,  3.  Febr.  1811).
140.  Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten,  1.Aug.  und  11.  Sept.  1807.
141.  Carlshausen:  Der  Kurfürst  an  Buderus,  4.,  17.  und  21.  Aug.  1807.
142.  Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten,  11.  Sept.  1807,  S.  3.
143.  Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten,  13.  Sept.  1807.
144  Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten,  1.  Aug.  1807,  S.  1.  Die
Abrechnung  mit  den  vier  Firmen  über  die  erhaltenen  Kupons  behielt  sich
Buderus  selber  vor.
145.  Marbg.:  Die  von  M.  A.  Rothschild  &amp;amp;  Söhne  in  Fft.  in  Verwahrung
gehabten  Weine.

Einnahmen.
146.  Am  27.  April  1815  verzichtete  der  Kurfürst  auf  diese  dem  Lande
aus  der  Kriegskasse  geliehenen  Vorschüsse.  Es  befanden  sich  darunter
1,44  Mill,  zur  Bestreitung  von  Unkosten  aus  dem  Siebenjährigen  Krieg.
147.  Marbg.:  Verzeichnis  der  im  Jahr  1806  bei  der  Oberrentkammer
vorhanden  gewesenen  Staatspapiere  1806.;  Verzeichnisse  der  Kapitalien  bei
der  Kuifürstl.  Kabinettskasse  und  der  von  der  Rentkammer  zu  Hanau  ausgeliehenen ­
  Kapitalien  1806.
148.  Marbg.:  Bestechung  Lagranges  1806—7  BI.  50,  54;  Geh.  Ministerium, ­
  Briefw.  m.  d.  Kurf.  1806—7  Bl.  13.
149.  Am  30.  März  1809  wurde  in  Kassel  eine  Gesamtliste  der  aus
der  Kriegskasse  und  der  Oberrentkammerkasse  ausgeliehenen  Kapitalien
aufgestellt,  die  Napoleon  für  sich  in  Anspruch  nahm,  weil  ihre  Schuldner
keine  westfälischen  Untertanen  waren.  Die  Summe  belief  sich  auf
6  851441  Taler,  die  jährlichen  Zinsen  betrugen  246  710  Taler.  Es  figurieren
in  der  Liste  auch  der  Prinz  von  Wallis  und  der  Herzog  von  York.  Zinsen
waren  bis  dahin  von  keinem  der  verzeichneten  Kapitalien  bezogen  worden,
weder  durch  Jeröme  noch  durch  Napoleon.
150.  Martens,  Supplement  T.  4,  1808,  S.  494;  T.  5,  1817,  S.  34  ff.
Kleinschmidt  S.  360 ff,  320  Anm.  3,  496.  Marbg.:  Akten  des  Directeurs  general
des  domaines  imperiaux  1808—1811.  Kuhring,  Das  Schicks,  d.  wests.  Domänenkäufer ­
  in  Kurhessen,  Kass.  1913,  S.  3.
151.  Carlshausen:  Buderus’  Kontokorrent  vom  Jahr  1812;  Buderus
an  den  Kurfürsten,  21.  April  1812,  2.  Mai  1813.
        <pb n="189" />
        —  182  —
152.  Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1807,  S.  24.
153  Martens  T.  6,  1800,  S.  548  ff.
154.  Marbg.:  Lorentz’sche  Akten  1803-1815;  Carlshausen:  Berichte
von  Motz  und  Buderus  über  Baurmeister  etc.  vom  27.  Juni  und  14.  August  1803;
Buderus  an  den  Kurfürsten,  5.  Aug.  1807,  30.  April  1810.  Der  Kurfürst  an
Buderus,  4.  April  1810  mit  Ausz.  aus  Lorentz’  Bericht  vom  24.  Jan.  1810.
155.  Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten  unterm  22.  Mai  1808,
Schreiben  der  Gräflich  Hessensteinschen  etc.  Vormundschaft  unterm  l.Mai  1800
und  andere  Akten.  Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1807,  S.  110  f.  (Hahn)  u.
S.  4  (Einsammlung  aus  den  Kassen).  _
156.  Marbg.:  Reservekassenrechnung  1806  (Kabinettskasse  Nr.  138^
u.  138a.
157.  Marbg.:  Reservekassenrechnung  1809,  S.  17.  Die  Partikuherkassenrechnung
  fehlt  in  Marburg.
158.  „Wenn  Ew.  Kurfürst!.  Durchlaucht  gnädigst  zu  erwägen  geruhen,
wie  viele  Geschäfte  ich  zu  besorgen  habe,  so  müssen  Sich  Höchstdieselben
überzeugen,  daß  ich  ohnmöglich  daran  denken  kann,  meine  Rechnung
vom  vorigen  Jahre  aufzustellen.  Ich  muß  alles  selbst  schreiben,  alle  Ausrechnungen
  selbst  vornehmen,  meine  Geschäfte  sämtlich  verborgen  u.  auf
Schleichwegen  verrichten,  zu  vielen  Besorgungen,  welche  auf  geradem  Wege
nur  einige  Zeilen  erfordern,  Dutzende  von  Briefen  schreiben,  diese  auf  die
mühsamste  Art  befördern,  und  häufige  Reisen  deswegen  vornehmen  oft
sogar  die  Rolle  des  Müßiggängers  übernehmen,  um  die  Aufmerksamkeit  der
Menge  irre  zu  leiten.  Nie  gewohnt  mit  meinen  Verrichtungen  zu  prahlen,
unterhalte  ich  Ew.  Kurfürst!.  Durchlaucht  nur  höchst  selten  und  nur  theilweise
  hiervon,  ein  einziger  Blick  auf  die  Umstände  muß  aber  schon  auf
deren  Daseyn  leiten  und  meinen  Angaben  den  Stempel  der  Wahrheit  au  -
drücken.  Außerdem  ist  ja  gnädigst  bekannt,  daß  ich  meine  Papiere  weggebracht ­
  habe  und  also  gar  nicht  einmal  an  meiner  Rechnung  arbeiten  kann.
Ich  hoffe  meine  Papiere  nächstens  wieder  holen  zu  können  und  werde  mit
dem  Zusatze  der  Nächte  bemüht  seyn,  Ew.  K.  D.  sehr  bald  aus  der  großen
Verlegenheit  hierüber  zu  ziehen  u.  zu  beweisen,  daß  ich  nicht  einen  Heller
von  Höchstihrem  Gelde  in  Händen  habe.“  So  schrieb  Buderus  an  den
Kurfürsten  am  19.  Aug.  1808.  Dieser  aber  verweigerte  ihm  die  De  charge  von
seinen  bisherigen  Monatsrechnungen,  bevor  die  Jahresrechnung  pro  180  &amp;lt;
eingereicht  sei.  Als  diese  im  Oktober  1810  unter  den  durchdachtesten  Vorsichtsmaßregeln ­
  an  zwei  verschiedenen  auswärtigen  Orten  fertiggestellt  war,
auch  über  alle  vom  Kurfürsten'  ausgestellten  und  zur  Erhebung  an  Buderus
gesandten  Quittungen  die  genauesten  Nachweisungen  überreicht  waren,
wurde  die  Decharge  weiter  verweigert.  Erst  müsse  Buderus  nach  Prag
kommen,  dort  die  nötigen  Erläuterungen  geben  und  auch  dem  Kriegskommissar ­
  Knatz  die  Rechnung  revidieren,  was  von  niemand  anderem  geschehen ­
  könne.  Da  drohte  Buderus  am  24.  Juni  1811,  keine  Feder  mehr  zu
weiterer  Geschäftsführung  anzusetzen,  wenn  der  Überbringer  seines  Schreibens
ohne  sämtliche  in  bündiger  Form  ausgestellte  Dechargen  zurückkehren  sollte.
Er  ließ  sich  auch  vom  Kurfürsten,  als  derselbe  seine  Verdienste  aufs  neue
anerkannte,  ihn  des  uneingeschränktesten  Vertrauens  versicherte  und  ihm
        <pb n="190" />
        183

gütlich  zuredete  (28.  Aug.  1811),  nicht  beschwichtigen,  sondern  wiederholte
seine  Forderung  aufs  neue.  Nur  das  eine  Zugeständnis  machte  er,  sich
persönlich  nach  Prag  zu  begeben,  sobald  die  politischen  Verhältnisse  das
gestatten  würden  (2t.  Sept.  1911,  S.  1  f.).  Ein  halbes  Jahr]  später  waren  die
Dechargen  aber  immer  noch  nicht  erteilt,  und  der  Kurfürst  beschwichtigte
seinen  Rechnungsführer  jetzt  durch  die  Erklärung,  daß  er  von  der  Richtigkeit ­
  seiner  Rechnung  vollkommen  überzeugt  sei,  daß  aber  bei  der  Decharge
doch  eine  gewisse  Form  gewahrt  werden  .müsse,  die  darin  bestehen  solle,
daß  in  Gegenwart  des  Regierungsrats  von  Schmerfeld,  der  damals  von  Prag
abwesend  war,  sämtliche  Rechnungen  durchgegangen  werden  sollten.  Er
konnte  es  aber  nicht  unterlassen,  auch  in  diesem  Schreiben  darzulegen,  daß
ein  Besuch  in  Prag  völlig  unbedenklich  sei  und  von  seiner  Seite  in  jeder
Weise  erleichtert  werden  solle.  (Kurfürst  an  Buderus,  24.  Mai  1812,  S.  9).
Buderus  stellte  denn  auch  seinen  Besuch  für  den  Spätherbst  1812  oder  Frühjahr ­
  1813  in  Aussicht  (Buderus  an  Knatz,  31.  Juli  1812).  Er  kam  aber  nicht
zur  Ausführung,  und  der  Kurfürst  mußte  sich  bequemen,  wenigstens  einen
kleinen  Schritt  entgegen  zu  kommen.  Unterm  3.  März  1813  erteilte  er  die
Decharge  dergestalt,  daß  für  alle  in  Hinsicht  der  bisherigen  Zeitverhältnisse
etwa  noch  entdeckt  werden  könnenden  Anstände  die  Verantwortung  vorbehalten ­
  blieb.  Erst  als  die  Exilzeit  um  war  und  beide,  der  Kurfürst  und
Buderus,  sich  wieder  in  Kassel  befanden,  wurde  die  endgültige  Decharge
vollzogen,  und  zwar  am  25.  Aug.  1814  für  die  Jahre  1807  bis  1809,  am
7.  November  für  die  Jahre  1810  und  1811,  am  2.  Januar  1815  für  die  Jahre  1812
und  1813  (Akte  auf  Carlshausen).
159.  Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1807,  S.  61—65;  Carlshausen:  Beilage ­
  zum  Schreiben  Lenneps  an  den  Kurfürsten  vom  5.  Juli  1811.
160.  Marbg.:  Mensing  1806,  S.  25.
161.  Carlshausen:  Schreiben  Lenneps  an  den  Kurfürsten  vom 5.Juli  1811.
162.  Erwähnt  Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1807,  S.  21.  Die  Lombardanleihe ­
  der  Rüppell  &amp;amp;  Harnier  ist  ebendaselbst  S.  23  erwähnt,  aber  in  der
obigen  Aufstellung  nicht  mitgerechnet.  Sonst  finde  ich  in  diesem  Rechnungsbuch ­
  unter  der  Rubrik:  „Zinsen  von  ausgeliehenen  Kapitalien“  keine  der
übrigen  Lombardanleihen  aufgeführt.  Die  8  Prozent  wurden  von  den  Rüppell  &amp;amp;
Harnier  durch  Lennep  einkassiert  (Buderus’  Rechnung  Oktober  1811,  S.  9  u.  19),
von  den  übrigen  Schuldnern  durch  Buderus  (Buderus’  Rechnung  1807,  S.  60—65).
Jener  Rückstand  der  Rüppell  &amp;amp;  Harnier  im  Betrag  von  fl  67  476.45.2  wurde
bis  zum  September  1811  unter  den  liquidierten  Ausständen  geführt.
163.  Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten,  6.  Juni  1807,  S.  2;
der  Kurfürst  an  Buderus,  23.  Juni  1807,  S.  1;  Buderus  an  den  Kurfürsten,
7.  Juli  1807,  S.  1.  Marbg.:  Etat  von  allen  kurfürstl.  Kapitalien,  wovon  vor
dem  Jahre  1807  die  Zinsen  von  der  ORK-Kasse  etc.  erhoben  und  berechnet
worden  sind,  1813.
164.  Schon  bald  nach  der  Besetzung  Kurhessens  hatte  Napoleon  den
Schuldnern  des  Kurfürsten  bei  beschleunigter  Rückzahlung  einen  Nachlaß
ihrer  Schuld  angeboten.  Durch  Dekret  aus  St.  Cloud  vom  4.  Aug.  1807  bestimmte ­
  er,  daß  u.  a.  in  den  Ländern,  aus  denen  das  Königreich  Westfalen
zusammengesetzt  war,  alles  landesherrliche  oder  staatliche  Eigentum  in
        <pb n="191" />
        184

seinem  Namen  in  Besitz  genommen  werde.  Am  30  Januar  1809  dekretierte
er,  daß  in  den  jenseits  des  Rheins  eroberten  Ländern  alle  Kapital-  und
Schuldforderungen,  die  kraft  des  Dekrets  vom  4.  Aug.  1807  oder  aus  irgendeinem ­
  anderen  Grunde  dem  Kaiser  der  Franzosen  gehörten,  samt  den  verfallenen ­
  und  noch  nicht  bezahlten  Zinsen  vor  dem  1.  April  1809  abzutragen
seien.  Dieser  Termin  wurde  später  auf  den  1.  Juli  1809,  dann  auf  den
1.  Sept.  1810  verschoben.  Dabei  wurden  Prämien  von  10  bis  15  Prozent  des
Schuldbetrags,  auch  kleinere  oder  größere  Zinserlasse  gewährt,  je  nachdem
die  Summen  von  Haus  aus  früher  oder  später  fällig  waren.  Wer  der
Domänenverwaltung  einen  unbekannten  Schuldner  nachwies,  sollte  eine
Belohnung  von  15  Prozent  des  zurückgezahlten  Kapitals  und  den  vierten
Teil  der  eingezogenen  Zinsen  erhalten,  dagegen  sollte  der  auf  diese  Weise
entdeckte  Schuldner  keines  Nachlasses  teilhaftig  werden.  Das  äußerste  Zugeständnis ­
  geschah  durch  die  Verordnung  vom  30.  Okt.  1810,  wodurch  der
Generalintendant  ermächtigt  wurde,  mit  allen  Schuldnern  des  Kurfürsten  von
Hessen  in  Unterhandlung  zu  treten,  die  bereit  waren,  an  Stelle  eines  Gulden
zum  mindesten  einen  Franken  zu  zahlen.  (Marbg.:  Kabinett  Ill.  51;  Acta
generalia  betr.  Verhandl.  d.  franz  Domänendirektors  Gentil  mit  kurhess.
Schuldnern  1807—1811.  Beglaubigte  Abschriften  fast  aller  Dekrete  hatte
Jakob  Grimm  in  Paris  erwirkt.)  Noch  unterm  3.  Okt.  1811  erließ  auch  Jeröme
eine  Dezision,  wonach  er  denjenigen  Schuldnern,  welche  die  ihm  kraft  des
Berliner  Traktats  vom  22.  April  1808  zugehörigen  Kapitalien  vor  dem  1.  Januar ­
  1812  abtragen  würden,  einen  Nachlaß  von  25  Prozent  bewilligte.  (Marbg  :
Der  Nachlaß  von  25  Prozent  an  den  der  Krone  geschuldeten  ehemals  hessischen ­
  Kapitalien  bei  sofortiger  Rückzahlung,  1811.)  Literatur  über  diesen
Gegenstand  von  1814  ff.  auf  der  LB.  zu  Kassel.
165.  Ein  großer  Schuldposten  in  jener  Liste  betrifft  die  Staaten  von
Holland  und  beträgt  1  175  238  fl.  Mit  diesem  Schuldner  aber  kam  gar  kein
Vergleich  zustande,  und  ähnlich  verhält  es  sich  in  vier  anderen  Fällen  im
Gesamtbetrag  von  etwa  306  000  fl.  Der  größte  Schuldposten  betrifft  den
Fürsten  von  Waldeck  und  beträgt  1171513  Tlr.  Diese  Summe  wurde  auf
1600000  fr  reduziert,  wovon  aber  nur  300  000  fr  an  die  Franzosen  abgetragen
wurden.  Es  befindet  sich  auf  dieser  Liste  auch  Fürst  Wittgenstein,  der  dem
Kurfürsten  auch  sonst  Schaden  brachte.  Er  steht  in  der  Liste  mit  einer
Schuld  von  120  791  fl  32  kr,  und  diese  Summe  wurde  auf  129250  fr  ermäßigt.
Die  Liste  ist  aufgestellt  in  Paris  am  9.  November  1815.  Auch  ein  Teil  der
Originalverträge,  die  der  französische  General-Domänendirektor  Gentil  mit
den  Schuldnern  abschloß,  sind  in  Marburg  noch  vorhanden.  Sie  befinden
sich  in  der  Akte:  Kabinett  111.  52:  Acta  specialia  Gentils  betr.  die  Verhandl.
mit  kurhess.  Schuldnern,  1809—1813,  Vgl.  noch:  Kabinett:  Akte  der  kurfürstlichen ­
  Beamten  (Buderus,  Grimm  etc.),  welche  nach  Frankreich  gesandt
wurden,  1815—1816.
166.  Carlshausen :  Buderus  an  den  Kurfürsten  7.  Juli  1808,  9.  u.  10.  April
1810,  24.  Juni  1811  u.  ö.;  Buderus’  Kontokorrente.
167.  Folgende  Tabelle,  mit  Hilfe  der  auf  Carlshausen  befindlichen
Kontokorrente  zusammengestellt,  zeigt  gesondert  die  sämtlichen  englischen
Einnahmen  des  Kurfürsten  während  der  Jahre  1807  bis  1813.
        <pb n="192" />
        185

Einnahmen  der  van  Notten  in  London
(in  Buderus’  Rechnung  mitenthalten).

Jahr

Zinsen  Zinsen
von  von
499000  £  136  400  £
Ann.-  Ann.-Kap.
  Kap.

Auf  die
Extraord.-




Vom
Herzog
v.  York
Kapitalabschl.

u.Zinsen

Vom
Prinzreg.
von
England
Kapitalabschl.


Vom
Prinzreg.
von
England
Zinsen

Kassen-Vorrat

vom
Jahre
1806

Summen

1807

14970

5456

55000

766.13.4

76192  13.  4

1808

14970

5456

—

754.  3.4

—

—

—

21180.  3.  4

1809

14970

5456

—

—

—

—

20426.—.—

1810

14970

5456  .

39000

1470.16.8

—

—

—

60896.16.  8

1811

14970

5456

—

—

—

—

—

20426—.—

1812

14970

5156

6150.3.3*)

1420  16.8

12394  11.11

2966.17  —

379.19.1

43738.  7.11

1813

14970

5456

—

—

4266.17  —

5820.—.10

—

30512.17.10

1807]
bis
1813|

—

—

—

—

—

—

273372.19.  1

Ausgaben.
168.  Marbg.:  Wilhelm  I.  Exil,  Bündel  2.
169.  Marbg.:  Buderus’Rechnung  1807,  S.  78  ff.  Landgraf  Wilhelm  VIII
hatte  in  seinem  Testament  vom  21.  Dezember  1754  die  Apanagialgelder  der
hessischen  Prinzen  auf  8000  Rtl.  festgesetzt  Später  wurden  diese  Gelder
vermehrt,  und  am  6.  Juni  1786  wurde  zwischen  dem  Landgrafen  Wilhelm  IX.
und  seinen  beiden  Brüdern  eine  Vereinbarung  getroffen,  wonach  dem  Landgrafen ­
  Karl  insgesamt  27  200  Rtl.  einschließlich  600  Stück  Frdor,  dem  Landgrafen ­
  Friedrich  24  760  Rtl.  einschließlich  600  Frdor  jährlich  zukamen.  Diese
Summen  wurden  von  den  kurfürstlichen  Kassen  in  Kassel  und  Hanau  ausbezahlt. ­
  Das  hörte  jedoch  auf  mit  der  französischen  Okkupation.  Und  diejenigen ­
  Deputat-  und  Supplementgelder,  die  auf  die  Domänen  radiziert  waren,
ruhten  seitdem.  Im  Jahr  1813  wurde  zwischen  den  drei  Brüdern  ein  Vergleich ­
  abgeschlossen,  wonach  außer  den  15  000  Rtlrn.  dem  Landgrafen  Karl
noch  4200  Rtl.  und  dem  Landgrafen  Friedrich  noch  1760  Rtl.  jährlich  aus-,
gezahlt  werden  sollten,  und  zwar  beide  Summen  vom  Jahr  1806  ab  (Carlshausen: ­
  Der  Kurfürst  an  Buderus,  16.  Juni  1808,  Vergleich  zwischen  den  drei
Brüdern  vom  Jahr  1813)
170.  Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1810,  Juni,  S.  7.
171.  Marbg.:  Wilhelm  I.  Exil,  Bündel  2.
172.  Marbg.:  Buderus’Rechnung  1807,S.82—96; Carlshausen :  Buderus
an  den  Kurfürsten,  6.  Juni  1807,  S.  3  u.  ö.

*)  Vom  Jahre  1810,  aber  wegen  verspäteter  Meldung  bei  Buderus  erst
1812  und  nur  im  Kontokorrent  verrechnet.  Im  Hauptbuch  (Buderus’  Rechnung)
fehlt  dieser  Posten,  weil  er  noch  nicht  gezogen  war.
        <pb n="193" />
        186

173.  Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1807,  S.  103—105;  Hessenland  1887,
S.  251.
174.  Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1807,  S.  102.
175.  Berlin:  Geh.  Staatsarchiv,  Berichte  des  Fürsten  Wittgenstein  aus
Hamburg,  Altona  und  London  1807,  1808  Bl.  25.
176.  Marbg.:  Wilhelm  I  Exil,  Bündel  1.
177.  Hessenland  1887,  S.  251  (W.  Rogge-Ludwig).  Carlshausen:
Buderus  an  den  Kurfürsten,  25.  Sept.  1811,  S.  1,  21.  Sept.  1811,  S.  11  u.  ö.
Lennep  und  die  drei  Bankiers  müssen  zusammen  beim  Kurfürsten  gewesen ­
  sein,  um  jenes  Geschäft  zu  übernehmen.  Ruben  Hesse  Goldschmidt
empfing  zu  jenem  Behuf  von  Lennep  51  Pfalz-Neuburger  Obligationen,  die
Firma  Michel  Simon  (vertreten  durch  Salomon  Levi)  21  Baierische,  Rothschild
67  Baierische  und  36  Darmstädter  und  außerdem  von  Knatz  200  Frankfurter.
Alle  drei  übernahmen  die  Verpflichtung  weder  dem  Kurfürsten  noch  Wittgenstein ­
  irgendeinen  Verlust  an  den  statt  baren  Geldes  übergebenen  Staatspapieren ­
  zu  berechnen.  Sie  sollten  sich  schadlos  halten  an  dem  ihnen
gleichzeitig  übertragenen  sog  Holländischen  Geschäft.  (Carlshausen;  Brief
Lenneps  vom  5.  Juli  1811.)  Meyer  Amschel  Rothschild  hatte  nämlich  den
Vorschlag  gemacht,  ihm  die  Obligationen  von  500  000  fl  Banko  bei  der
Holländisch-Ostindischen  Kompanie  auszuhändigen,  um  sie  auf  diese  Weise
zu  retten.  Buderus  und  Lennep  befürworteten  diesen  Vorschlag  „mit  gewierigem
  Antrag“,  und  der  Kurfürst  genehmigte  ihn  laut  Geheimem  Kabinettsprotokoll ­
  am  6.  November  1807  in  Itzehoe.  Später,  vielleicht  im  Dezember  1807,
wurde  unter  Zurückdatierung  auf  den  20.  Oktober  1806  den  drei  Bankiers
die  Originalobligation  vom  10.  Oktober  1788  über  eine  Million  Gulden  Holl.
Kur.  von  den  Staaten  von  Holland  und  Westfriesland  zediert,  vermutlich
auch,  um  sie  zu  retten.  (Carlshausen:  Der  Kurfürst  an  Buderus,  7.  Dez.  1807.)
Dieses  Geschäft  verlief  jedenfalls  unter  Schwierigkeiten.  Die  Braunsberg  u.  Ko.
in  Amsterdam,  bei  denen  die  Obligation  aufbewahrt  wurde,  vermißten  noch
im  Juni  des  Jahres  1811  eine  gerichtliche  Bestätigung  der  vom  Kurfürsten
erteilten  Zession  über  die  Million  Gulden  und  bessere  Beweise  seitens  der
Zessionarien.  (Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten,  Juli  1911).  Anstatt
die  ganze  Sache  mit  einem  einzigen  Bankhaus  abzumachen,  hatte  Lennep
noch  die  beiden  unzuverlässigen  Kasseler  Häuser  in  die  Affäre  hineingezogen, ­
  was  sich  als  sehr  unglücklich  erwies.  (Carlshausen :  Der  Kurfürst
an  Buderus,  28.  Aug.  1811,  S.  4).  Unterm  9.  Januar  1815  wurde  denn  auch
die  Zession  der  Million  Gulden  ihrem  ganzen  Umfang  nach  auf  das  Rothschildsche
  Bankhaus  allein  übertragen,  und  am  18.  März  1816  beschloß  die
Kabinettskassendirektion  den  M.  A.  Rothschild  &amp;amp;  Söhnen  die  zedierte  Obligation ­
  über  eine  Million  fl  und  die  erhaltenen  500  Obligationen  ä  1000  fl
als  ihr  Eigentum  zu  überlassen,  da  alle  Bedingungen  erfüllt  waren,  die  man
ihnen  für  diesen  Fall  auferlegt  hatte.  Die  Schuldforderung  war  nämlich
annulliert  worden  und  wurde  dann  auf  ein  Drittel  reduziert.  M.  A.  Rothschild ­
  &amp;amp;  Söhne  hatten  für  dieses  Drittel  645  Stück  österreichische  sog.  Silberobligationen ­
  d.  d.  Wien  1.  Aug.  1815  ä  1000  fl  20  ff  zu  2'/-°/«  mit  Zinskupons
vom  1.  Febr.  an  abzuliefern.  Sie  hatten  ferner  die  Forderungen  der  holländischen ­
  Bankherren  für  Bemühung  und  Auslagen  bei  der  versuchten
        <pb n="194" />
        187

Rettung  der  annulliert  gewesenen  Schuld  zu  befriedigen  und  außerdem
38  199  fl  holl,  zu  zahlen,  da  diese  Summe  bei  der  Inskription  des  reduzierten
Dritteils  planmäßig  zugeschossen  war.
178.  Hagen  i.  W.  1901,  S.  30  f.
179.  Über  Wittgenstein  in  London  vgl.  Lionnet,  Alb.  Die  Erhebungspläne ­
  preußischer  Patrioten  Ende  1806  und  Frühjahr  1807.  1914  —  Hist.  Stud,
veröff.  von  E.  Ebering,  Heft  120.  Er  verhandelte  mit  dem  Kurfürsten  im
Sinne  einer  Vereinigung  englischer  Landungstruppen  mit  hessischen  Truppen.
Der  Kurfürst  wollte  angeblich  15  000  Mann  in  Subsidien  geben  und  8000  Mann
auf  eigene  Kosten  zur  Verteidigung  des  Landes  stellen  und  unterhalten
(S.  173  f.  a.  a.  0  ).  Wie  Wittgenstein  inzwischen  mit  dem  Kurfürsten  verfahren ­
  war,  läßt  uns  ein  Passus  aus  einem  Schreiben  erkennen,  das  er  am
13.  Juni  1807  in  London  an  den  russischen  Gesandten  von  Alopeus  richtete:
„Les  lettres,  que  l’Electeur  a  ecrites  ä  Napoleon,  ont  ete  ou  interruptees,  ou
accompagnees  de  rapportes  de  Mi  de  Bourienne,  dans  lesquels  les  dispositions ­
  de  ce  Prince  vis-ä-vis  de  la  France  et  ses  sentiments  personnels
etoient  representes  dans  un  jour  peu  favorable  ä  ses  desseins.  Un  ecrit,
que  j’avois  compose  et  qui  lui  fut  communique  par  Mi  de  Bourienne,  comme
Extrait  d’une  Depäche,  que  ce  Ministre  venoit  de  recevoir  du  Quartier  General
frangais,  etoit  rädige  de  mani6re  ä  ne  laisser  ä  l’Electeur  aucune  esperance
de  pouvoir  s’arranger  avec  le  Gouvernement  frangais  —  et  seulement  aprfes
l’avoir  forc6  ainsi  d’abandonner  ses  projets  de  reconciliation,  j’ai  pu  dans  la
suite  l’engager  ä  expedier  les  ordres,  adresses  au  Ministöre  et  au  Gouvernement ­
  militaire  de  la  Hesse,  en  vertu  des  quels  les  Troupes  Hessoises  se
joindront  incessament  au  Corps  Anglois  debarque“  (Berlin,  Geh.  Staats-Archiv:
Berichte  des  Fürsten  von  Wittgenstein  aus  Hamburg,  Altona  und  London
1807,  1808  Bl.  59).
180.  Hessenland  1888,  S.  202  f.
181.  Marbg.:  Wilhelm  I.  Exil,  Bündel  1  (insbesondere  auch  Geylingens
erster  Bericht  aus  Paris  Anfang  September  1807).  Das  der  Krone  Dänemark
zugestandene  Anlehen  1784—1806;  Buderus’  Rechnung  1807,  S.  106.  Carlshausen: ­
  Der  Kurfürst  an  Buderus,  22.  Sept.  1807,  Buderus  an  den  Kurfürsten,
30.  Sept.  1807,  Lawätz  an  Buderus,  31.  Okt.  1807,  Buderus  an  den  Kurfürsten,
6.  März  1808.
182.  Marbg.:  Kriegskassenrechnung  1809,  Bl.  3  u.  49—59;  Buderus’
Manualakten  (aus  X.  79);  Buderus’  Rechnung  August  1809,  S.  11  (Ablieferungen ­
  an  S.  Kurf.  Durch!.),  Mai  1810  S.  11,  April  1810  S.  11;  Wilhelm  I.  Exil,
Bündel  2.
183.  Marbg.:  Reservekassen-Rechnung  1813,  S.  42f.  Carlshausen:
Lottum  an  Lorentz,  23.  Juni  1817.  Der  Geschäftsträger  des  Kurfürsten  in
Wien,  Georg  Ferdinand  von  Lepel,  behauptet  irrig,  es  seien  überhaupt  nur
100000  Tlr.  bezahlt  worden  (Hessenland  1887,  S.  96).
184.  Die  Ablieferungen  an  Seine  Kurfürstliche  Durchlautht  setzen  sich
zusammen  aus  den  zu  Höchsteigenen  Händen  abgelieferten  Summen,  aus
den  Ablieferungen  an  den  Kriegskommissar  Knatz  zur  Reservekasse  und
aus  den  Ablieferungen  an  den  Etatsrat  Lawätz  in  Altona  zur  Höchsten  Disposition ­
  seiner  Kurfürstlichen  Durchlaucht  oder  zum  Behuf  der  Reservekasse.
        <pb n="195" />
        188

In  den  Ablieferungen  an  Knatz  stecken  regelmäßig  auch  Gehälter,  Pensionen,
Reisekosten,  die  Buderus  für  den  Rechnungsführer  der  Reservekasse  direkt
an  die  Empfänger  entrichtete.  Selbstverständlich  sind  diese  Gelder  bei  Knatz
in  Einnahme  und  Ausgabe  verrechnet.  Es  kommen  aber  im  übrigen  zeitliche ­
  Verschiebungen  vor,  so  daß  z  B.  ein  Posten,  der  bereits  im  September
von  Buderus  eingegangen  war,  erst  im  folgenden  Jahre  bei  Knatz  als  Einnahme ­
  gebucht  wird;  daß  ein  Posten,  der  erst  im  Februar  einging,  noch
auf  das  vorhergehende  Jahr  übertragen  wird.
Die  Ablieferungen  an  den  Kurfürsten  und  an  Knatz,  ebenso  die  von
der  Reservekasse  bei  Lawätz  gemachten  Erhebungen  figurieren  in  der
Reservekassenrechnung  alle  drei  unter  der  Rubrik:  Zahlungen  vom  Herrn
von  Carlshausen.  Sie  werden  durch  folgende  Tabelle  dargestellt:

Zahlungen  vom  Herrn  von  Carlshausen  zur  Reservekasse
mit  Einschluß  der  Zahlungen  zu  Höchsteigenen  Händen.

Jahr

Rtlr

Schlesw-Holst.


Wiener
Banko-Wiener



Wiener
Einlösungs-Or.

  H ' r

Kurant
Tlr  Sch.  Tisch.

zettel
Gulden  kr  Pf

Währung
Gulden  kr  Pf

scheine
Gulden  kr

Pf.

1807

3586

1  1

59432  29

—

—  i

—

— s —

—

—

—

1808

41051

13  6

43523  32

—

112000

—

—  1  —

—

—

—

1809

4174

11  —

—  —I-1810



6307

15  l 1 /«

—

—

—  —j—

84531

40-—



—

—

1811

15015

1  5

:

—

23219  4  —

—

6885

13

l ii

1812

40601

15  6

f

—  —  —

62769

52

—

1813

121899

IlöVs

—

29412|39  -

—

1807-1813  232635

208-/-102956

  13

135219|  4  -

113944  19  -

69655

5|'/i

Lawätz  empfing  auch  Gelder  direkt  von  den  Schuldnern  des  Kurfürsten,
z.  B.  vom  Herzog  v.  Mecklenburg-Strelitz,  vom  Grafen  Platen  zu  Hallermund,
vom  Grafen  Voß  zu  Großgievitz.  Auch  kassierte  er  preußische  Zinskupons
ein  Er  bestritt  von  seinem  Vorrat  noch  andere  Ausgaben,  zeitweise  z.  B.
Deputatgelder  für  die  Kurfürstin  (monatlich  1000  Taler,  vom  Oktober  1807
ab  2000  Taler),  den  Kurprinzen  (monatlich  2000  Taler),  den  Landgrafen  Karl;
ferner  Botenlohn,  Reisekosten,  Zahlungen  an  Mensing,  Jordis  und  anderes.
Er  führte  eine  eigene  Rechnung,  die  er  von  Zeit  zu  Zeit  an  Buderus  sandte.
Buderus  verarbeitete  sie  in  seine  eigene  Rechnung,  und  gab  unter  der  Rubrik:
Ablieferungen  an  Seine  Kurfürstliche  Durchlaucht,  jedesmal  eine  Übersicht
der  Einnahmen  und  Ausgaben  des  Etatrats  in  besonderer  Aufstellung.
Gelder,  die  Lawätz  direkt  von  den  Schuldnern  des  Kurfürsten  empfing,
werden  von  Buderus  bei  den  Einnahmen  und  folgerichtig  auch  bei  den
Ausgaben  verrechnet,  bei  den  Ausgaben  natürlich  jedesmal  unter  der  Rubrik:
Ablieferungen  an  Seine  Kurfürstliche  Durchlaucht.  In  letzterer  Rubrik  stecken
also  auch  die  Deputatgelder,  die  Lawätz  auszahlte.  Im  August  1809  rechnete
Buderus  zum  letzten  Mal  im  eigentlichen  Sinne  mit  Lawätz  ab  und  zog
        <pb n="196" />
        189

den  Rest  seines  Vorrats  im  Betrag  von  fl  7552.41.—  wieder  ein.  Den
direkten  Verkehr  mit  Prag  lehnte  Lawätz  von  jetzt  an  ab  Vermutlich  war
derselbe  zu  gefahrbringend.
Im  Jahr  1810  wurde  das  Haus  in  Itzehoe  samt  Einrichtung  für  7000  Rf
Schlesw.  Holst.  Crt.  wieder  verkauft,  und  der  Prokurator  Scheel  daselbst
lieferte  5500  Rf  von  jener  Summe  an  Lawätz  ab.  Diese  werden  bei  Buderus
in  der  Junirechnung  mit  fl  11  820.58.—  gebucht.  Um  Provisionen  zu  sparen,
wurden  hiervon  fl  8164.3.1  einstweilen  in  Lawätz’  Depot  gelassen  und
im  Oktober  des  Jahres  teilweise  bei  Zahlungen  an  den  Hofrat  Trotsche
in  Güstrow  zur  Mecklenburger  Güterkasse,  teilweise  zu  anderen  Zwecken
verwendet  (Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1807,  S.  r  1  ff.  j  1808  März  S.  11  f.,
April  S  11,  3  u.  6;  1809  März  S.  11  f.  u.  ö.;  1809  August  S.  2  u.  12;  1810
Juni  S.  7  u.  22;  1810  Oktober  S.  16—20.  Carlshausen :  Der  Kurfürst  an
Buderus,  11.  Dezbr.  1809).
Überschüsse.
185.  Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1807,  S.  113.  Carlshausen:  Buderus
an  den  Kurfürsten  unterm  1.  Aug.  1807,  S.  2.  Lennep  an  den  Kurfürsten,
5.  Juli  1811  (Final-Abrechnung).  Am  19.  Juni  1807  machte  Hardenberg
inmitten  der  Kriegswirren  zum  dritten  Male  Hochzeit.  Die  140  000  Rtl.  aus
den  Jahren  1805  und  1806  wurden  von  den  französischen  Machthabern
eingezogen.
186.  Marbg  :  Buderus’  Rechnung  1807,  S.  111—113;  1808  Jan.  S.  15,
Febr.  S.  15,  März  S  16,  April  S.  15,  Juni  S.  5;  1809  Okt.  S.  20;  1810  Febr.
S.  20  (Tilgung  der  20000  Taler).  Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten,
28.  Juni  1807,  19.  Juni  1808,  21.  Aug.  1810,  21.  Sept.  1811,  S.  6  ff.  u.  S.  10;
Hofrat  Trotsche  in  Güstrow,  der  Vertreter  des  Kurfürsten,  an  C.  M.  Rothschild, ­
  11.  Aug.  1809,  Abschrift  eines  Schreibens  der  kurf.  Kabinettskassendirektion ­
  an  den  Hofgerichtsdirektor  von  Motz  in  Hanau  vom  30.  April  1820.
Damals,  im  Jahr  1820,  hatte  man  einen  Vergleich  auf  die  Summe  von
150  000  »Talern  einzuleiten  gesucht.  Es  war  nämlich  im  Jahr  1815  ein
Prioritätsurteil  seitens  des  Hof-  und  Landgerichts  zu  Güstrow  in  der  Hahnschen
Sache  ergangen,  wonach  das  Kapital  der  200  000  Rtl.  cum  usuris  von  der
Debitmasse  abgewiesen,  die  157  500  Rtl.  inter  chyrographarios  lociert  und
die  44  000  Rtl.  als  illiquid  gestrichen  waren.  Vgl.  noch  Allg.  Deut.  Biogr.  10,
S.  370;  Meyer,  F.  A.  Charakterzüge  aus  dem  Leben  des  Grafen  Carl  von  Hahn-Neuhaus,
  Hamb.  1858,  S.  7.
Die  Hahnsche  Sache  brachte  Verdruß  für  Buderus  und  Verluste  für
Rothschild.  Der  Kurfürst  hatte  in  seiner  Verstandes-  und  Charakterbildung
bedeutende  Mängel.  Es  fehlte  ihm  an  Abstraktionsvermögen.  Wie  er  in
Ärger  und  Zorn  geraten  konnte,  wenn  ein  Beamter  ohne  sein  Verschulden
vorübergehend  krank  und  dienstunfähig  wurde,  wobei  allerdings  auch  Mißtrauen ­
  mitspielte,  so  machte  ihn  auch  ein  unverschuldeter  geschäftlicher
Mißerfolg  ungerecht  gegen  den  ausführenden  Beamten.  Und  die  Möglichkeit ­
  gar,  daß  ihn  selbst  ein  Verschulden  treffen  könne,  lag  gänzlich  außerhalb ­
  seines  Gedankenkreises.
Die  Hahnsche  Aktion  war  von  ihm  mit  den  Oberkammerräten  von
Meyer,  Ihringk  und  von  Kunckell  vorgenommen  worden,  ohne  Buderus
        <pb n="197" />
        190

zuzuziehen.  Dieser  würde  von  dem  Unternehmen  abgeraten  haben.  Als
nun  der  Graf  drohte,  den  ganzen  Sachverhalt  den  Franzosen  mitteilen  zu
müssen,  wurde  Buderus  wiederholt  aufgefordert,  den  Schuldner  durch  weitere
Abzahlungen  bei  guter  Laune  zu  halten.  Als  aber  der  Theatergraf  ent~
mündigt  war,  und  der  Kurfürst  naturgemäß  Reue  über  die  ganze  Angelegenheit ­
  empfand,  kehrte  sich  sein  Unwille  gegen  Buderus:  „Höchst  unangenehm
ist  die  Nachricht  wegen  der  Gräflich  Hahn’schen  Sache,  und  es  ist  mir  leid,
daß  auf  dieses  nur  unter  der  Bedingung  der  zu  leistenden  vollständigsten
Sicherheit  bewilligte  Anlehen  schon  so  beträchtliche  Summen  bezahlt  sind.
Ich  rechne  fest  darauf,  daß  seit  dem  Eingang  jener  Nachricht  keine  weitere
Zahlung  auf  dieses  Anlehen  geleistet  worden,  dergleichen  überhaupt  auch
bei  wirklich  bewilligten  Anleihen,  künftig  nur  auf  von  mir  eigenhändig  vollzogene ­
  Rescripte  zu  leisten  sind.“  Buderus  rechtfertigte  sich:  „Bei  der
gräfl.  Hahnschen  Anlehensache  habe  ich  alles,  was  geschehen  ist  angezeigt
und  zu  allem  die  höchste  Genehmigung  erhalten.  Unbeschreiblich  traurig
ist  es,  wenn  nach  dem  Erfolg  allein  die  Größe  des  Werths  oder  Unwerths
einer  Handlung  bestimmt  wird.  Hätte  ich  dem  Legationsrathe  Hansen  bis
nach  strenger  Berichtigung  jeder  Geschäftsform  Zahlungen  verweigert  und
er  hätte  den  Franzosen  Kenntnis  von  der  Kapitals-  und  Güterangelegenheit
gegeben,  so  würde  mir  der  unvermeidlich  gewesene  Verlust  sicher  zur  Last
gelegt  worden  sein,  jetzt  aber  sind  Ew.  Kurfürstl.  Durchlaucht  unzufrieden
über  die  geleisteten  Zahlungen,  da  ich  doch  an  der  Treulosigkeit  des  Hansen
völlig  unschuldig  bin.
Es  ist  gar  keinem  Zweifel  unterworfen,  daß  ich  den  Rest  der  Anweisung ­
  über  250/m  Rth,  wenn  meine  gewiß  mit  dem  regsten  Eifer  angewendet ­
  werdende  Bemühung  zur  Verweigerung  weiterer  Zahlung  ohne
Erfolg  bleibt,  berichtigen  muß,  weil  ich  sie,  wie  gnädigst  bekannt  sein  muß,
acceptiret  habe.  Der  Gutheit  des  Oberhofagenten  Rothschild  verdanke  ich
es  allein,  daß  er,  gewiß  zu  seinem  Nachtheile,  die  Zahlungen  an  den  Grafen
Hahn  sistiret  hat.  Die  Valuta  ist  ihm  in  der  abschriftlich  angelegten  Anweisung ­
  bescheiniget,  und  ich  könnte  ihm  im  Gefolge  meiner  Acceptation
derselben  eigentlich  die  völlige  Auszahlung  nicht  verweigern.
Eine  von  einem  christlichen  Banquier  gar  nicht  zu  erwarten  gewesene
Gefälligkeit  des  genannten  Oberhofagenten  ist  es  gleichfalls,  daß  er  nicht
Anstand  genommen  hat,  sämtliche  zu  Gräfl.  Hahnschen  Zahlungen  im  vergangenen ­
  Trinitatistermine  bestimmt  gewesenen  Gelder  meinem  Begehren
nach  anzugeben  und  an  mich  zurück  zu  liefern.  Sie  betragen  57  060  fl  in
6340  Ldor  und  sind  in  meiner  Rechnung  vom  Monate  Juny  wieder  in  Einnahme ­
  berechnet  worden.“  (Carlshausen:  Kurfürst  an  Buderus,  16.  Juni  1808,
Buderus  an  den  Kurfürsten,  7.  Juli  1808,  S.  1.)
187.  Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1808,  Juni  S.  15,  Juli  S.  15,  Aug.
S.  15;  Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten  7.  Juli  1808,  S.  2;  Der  Kurfürst ­
  an  Buderus,  3.  Sept.  1808,  S.  1.  Marbg.:  Reservekassenrechnung  1811,
S.  18,  19,  51.
188.  Marbg.:  Buderus’Rechnung  1807,  S.  114.  Carlshausen :  Buderus
Kontokorrent  mit  Rothschild.
189.  Carlshausen:  Lennep  an  den  Kurfürsten  unterm  5.  Juli  1811.
        <pb n="198" />
        191

190.  Carlshausen:  Lawätz’  Briefe  an  Buderus.
191.  Marbg.:  Lorentz’sche  Akten  1803—1815.
192.  Carlshausen:  Buderus’  Rechnung  1811,  März  S.  15.
193.  Buderus  sandte  das  Schreiben  der  Rothschild  alsbald  an  den
Kurfürsten  (Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten,  21.  Sept.  1811,  S.  3).
191  Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1809  ff.  Carlshausen:  Buderus’  Kontokorrent ­
  mit  Rothschild;  der  Kurfürst  an  Buderus,  5.  Febr.  1809;  Buderus  an
den  Kurfürsten,  18  Aug.  1810;  der  Kurfürst  an  Buderus,  13.  Sept.  1810,  S.  If.
195.  Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1811  Juli  S.  15;  1812  Juni  S.  16;
1812  Juli  S.  20.  Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten,  20.  Juni  1813,
24.  Febr.  1812,  S.  2.
196.  Über  diese  Herabsetzung  des  Zinsfußes  wurde  lange  hin-  und
hergestritten.  Rothschild,  dem  zu  jener  Zeit  auch  die  Zinsen  eines  Kapitals
von  110  000  fl  WW.,  das  er  dem  Kurfürsten  geliehen  hatte,  verweigert
wurden,  erklärte  nur  noch  3°/o  auf  die  zum  Stocksankauf  erhaltenen  Gelder
zahlen  zu  können.  Er  begründete  das  u.  a.  damit,  daß  er  ja  selbst  nicht
mehr  als  3 0 / 0  vom  Stockskapital  beziehe,  und  daß  er  unmöglich  an  dem
Tage,  wo  er  eine  Abschlagszahlung  erhalte,  diese  auch  schon  in  London
zu  seiner  Disposition  haben  könne,  sondern  bei  den  obwaltenden  Schwierigkeiten ­
  im  Verkehr  mit  England  Monate  lang  über  das  Schicksal  seiner  Rimessen ­
  im  Ungewissen  und  in  Bekümmernis  sei.  Trotz  dieser  begründeten
Einreden  wurde  ihm  ein  halbes  Prozent  mehr  abgerungen.  (Carlshausen:
Buderus  an  den  Kurfürsten,  9.  April  1810,  S.  3;  9.  Aug.  1810,  S.  If.)
197.  Marbg.:  Kabinett  1812—1822  (ungültige  Zertifikate  über  englische
Stocks).  Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten,  24.  Febr.  1812,  S.  3;
18.  April  1812,  S.  4;  18.  Dzbr.  1812,  S.  1;  30.  Jan.  1813.  Demachy,  Les  Rothschild, ­
  Serie  2,  I,  S.  103  ff.,  13  ff,  eine  Schmähschrift  niedriger  Art,  die  aber
im  2ten  Teil  Auszüge  aus  den  Archives  Nationales  bringt.  Am  21.  Januar  1819
betrug  das  Stockskapital  852150  £.  Davon  waren  70  000  £  im  Jahre  1818
angelegt.  (Hanauer  Geschichtsverein :  Kabinettskassenrechnungen  von  Buderus’
Hand  f.  d.  J.  1819,  Kontokorrent  Rothschild.)
198.  Jg.  1813  nach  Buderus’  Schreiben  an  den  Kurfürsten  vom
20.  Juni  d.  J.  (Carlshausen).
199.  Zinsen,  die  aus  Vorsicht  nicht  bezahlt,  sondern  zum  Kapital
geschlagen  wurden  (Carlshausen:  Der  Kurfürst  an  Buderus,  28.  April  1807,  S.  1).
200.  Auf  früher  bewilligte  Leihkapitalien.
201.  Domänenkammer-Wechsel  statt  Bezahlung  auf  fällige  Kupons
(Carlshausen:  Buderus  an  den  Kurfürsten,  19.  Aug.  1808,  S.  2).
202.  S.  o.  S.  108  f..  Die  210000  Rtlr.,  die  im  Jahre  1807  (Schuldverschreibung ­
  vom  3.  Okt.  1807  über  310000  Rtlr.)  auf  das  Plettenbergische
Anlehen  bezahlt  wurden,  figurieren  nicht  in  den  Rechnungsbüchern,  weil
sie  durch  Hergäbe  von  Obligationen  seitens  Lenneps  bestritten  wurden.
Die  hier  verrechneten  36000  fl  betreffen  eine  Nachforderung  des  Fürsten
Wittgenstein.
203.  Die  Glashütte  kam  nicht  zustande,  und  das  Geld  wurde  vom
Kaufmann  Holzschue  in  Hamburg  verzinst  (Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1810
Juni,  S.  3).
        <pb n="199" />
        192

Nachforschungen  der  Franzosen  nach  dem  Vermögen
des  Kurfürsten.
204.  Marbg.:  Bestechung  des  Lagrange  1806—7,  Briefw.  d.  Geh.  Minist. ­
  m.  d.  Kurfürsten  1806—7.
205.  Carlshausen:  Der  Kurfürst  an  Buderus,  9.  und  22.  Febr.  und
15.  März  1807.
206.  Marbg.:  Jordis-Brentano  Bl.  46,  S.  2;  Bl.  22.
207.  Marbg.:  Die  dem  Abraham  Mayer  in  Darmstadt  für  Aufbewahrung
kurfürstlicher  Effekten  bewilligten  Gratifikationen  1820—22.
208.  Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1807,  S.  83f.
209.  Carlshausen :  Brief  von  Buderus  an  den  Kurfürsten,  18.  März  1807;
Briefe  des  Kurfürsten,  27.  und  30.  März  1807,  28.  April  1807;  Briefe  von  Buderus
an  den  Kurfürsten,  6.  Juni  1807,  S.  3;  23.  Juni  1807,  S.  1.
210.  Am  29.  Dezember  1790  zeigten  Johann  Konrad  Bansa  Sen.,  des
löblichen  Bürgerausschusses  der  51 er  Senior,  und  dessen  Sohn  Johann
Matthias  Bansa  an,  daß  ihre  bisherige  Firma  Bansa,  Reus  &amp;amp;  Sohn  durch
das  Ableben  des  Dietrich  Reus  Sen.  sich  abgeändert  und  sie  vom  1.  Januar  1791
diese  ihre  Handlung  unter  ihrer  beiderseitigen  Verbindlichkeit  und  unter  der
Firma  Bansa  &amp;amp;  Sohn  fortsetzen  würden.  Im  Jahre  1800  starb  Johann  Konrad
Bansa,  sein  Sohn  wurde  alleiniger  Inhaber  der  Wechsel-,  Kommissions-  und
Speditionshandlung  und  führte  sie  unter  der  bisherigen  Firma  weiter.  Im
Jahre  1802  starb  auch  Johann  Matthias  Bansa,  aber  seine  Witwe  Sophia
geb.  Streiber  führte  die  Handlung  unverändert  fort.  (Fftm.:  Börsenanschläge,
Bd.  2,  Fol.  185;  Bd.  3,  Fol.  423,  435.)
211.  Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1808,  Sept.,  S.  20.
212.  Kleinschmidt,  S.  255.
213.  Levi  hatte  Savagner  angegeben,  auf  welche  Punkte  es  bei
Buderus  und  Rothschilds  Vernehmung  besonders  ankomme,  und  hatte  ihm
die  vorzulegenden  Fragen  selbst  formuliert  (Carlshausen:  Buderus  an  den
Kurfürsten,  Juli  1811).
214.  Marbg.:  Buderus  von  Carlshausen  1810.
215.  Carlshausen:  Akten  zu  Buderus’Verhaftung;  Buderus  an  den
Kurfürsten,  8.  Juni  1807;  12.  Okt.  1810,  S.  1;  2.  Nov  1810,  S.  4  f.  Von  den
protokollarischen  Vernehmungen  der  Rothschild  lag  mir  eine  Abschrift  vor.
Buderus’  Gesinnung  als  vertrauten  Finanzbeamten  eines  wunderlichen
Herrn  geht  am  besten  aus  einem  Schreiben  hervor,  das  er  am  13.  Sept.  1807
in  Gottorf  an  den  Kurfürsten  richtete  Er  hatte  für  die  Vermögensverwaltung
am  Domizil  des  Kurfürsten  eine  verbesserte  Organisation  vorgeschlagen,
und  fährt  fort:
„Ich  wage  es  zugleich,  die  vollkommene  Zufriedenstellung  aller
für’’den  höchsten  Dienst  beibehalten  werdenden  Personen  durch
Besoldungserhöhungen  für  die  dermalige  und  Pensionsaussetzungen
für  die  künftige  Zeit  ehrfurchsvoll  zu  erbitten.
Ohne  dieses  werden  E.  K.  D.  niemals  eine  Umgebung  haben,
welche  sich  Höchstihnen  gänzlich  u.  mit  der  treuesten  Anhänglichkeit ­
  widmet.
        <pb n="200" />
        13

193

Die  in  Kassel  von  ausgeliehenen  Kapitalien  genommenen  Sporteln ­
  könnten  füglich  auch  ferner  erhoben  und  unter  die  damit
beschäftigten  Personen,  mit  billiger  Einschließung  des  Kriegsraths
Schmincke,  vertheilet  werden.
Geruhen  E.  K.  D.,  ich  bitte  aufs  dringendste,  gnädigst  überzeugt  zu
seyn,  daß  bei  diesem  unterthänigsten  Vorschlage  irgend  eine  Rücksicht ­
  auf  mich  nicht  stattgefunden  hat.  In  Kassel  bezog  ich  jährlich
als  Kriegsrath  mit  200  rf  Zulage  800  rf
als  Director  der  Cabinetscasse  210  „
Sporteln,  doppelte  Portionen  u.  im  Durchschnitt  von
allen  Departements  900  „
überhaupt  1910  rf
Vom  1.  Nov.  v.  J.  an  haben  mir  E.  K.  D.  doppelten  Gehalt  gnädigst
zugestanden,  welchen  ich  indessen  unter  den  eingetretenen  traur.
Verhältnissen  nicht  angenommen  habe  und  niemals  annehmen
werde.  Nur  die  ersten  2  Posten  habe  ich  mit  1010  rf  für  das  Jahr
seither  bezogen  und  ich  will  mit  nichts  mehr  zur  Last  fallen,  da
ich  den  größten  Theil  vom  Jahre  auf  dem  Lande  wohne,  noch
eine  Besoldung  von  des  H.  Landgrafen  Carl  H  D.  beziehe  und  meine
Bedürfnisse  sehr  einzuschränken  gewohnt  bin.
Ich  lasse  mir  jede  Abänderung  gerne  gefallen  und  bin  auch  ganz
zufrieden  damit,  wenn  E.  K.  D.  meinen  Antheil  von  den  Geschäften
einem  andern  übertragen  und  mich  mit  einer  Retraitepension  begnadigen ­
  wollen.  Nur  darum  bitte  ich  aufs  inständigste:  Halten
es  E.  K.  D.  für  völlig  gewiß,  daß  es  noch  ehrliche  Leute  in  der
Welt  gibt.  Höchstsie  müssen  am  besten  davon  überzeugt  sein,
was  ich  für  den  höchsten  Dienst  seit  31  Jahren  gethan  habe.
Niemand  im  Staate  hat  so  wie  ich  mit  eisernem  Fleiße  jeden  Tag
im  Jahre  von  4  Uhr  des  Morgens  bis  um  10  Uhr  des  Abends  gearbeitet; ­
  niemand  ausser  mir  hat  sich  im  vorigen  Jahre  in  die  durch
Rettungsanstalten  für  das  K.  Vermögen  entstandenen  qualvollsten  Lagen ­
  versetzt  gesehen;  u.  niemand  hat  sich  seitdem  l.Nov.  v.J.  Höchstihren
  Geschäften  unter  beständiger  Besorgnis,  Freiheit  u.  Leben  zu
verlieren,  mit  grösserer  Anstrengung  unterzogen,  als  ich.  Gerne  habe
ich  E.  K.  D.  jedes  Opfer  gebracht  u.  aus  unbegränzter  Ergebenheit  u.
verjährtem  Attachement  an  Höchstdieselben  noch  kürzlich  äußerst
vortheilhafte  Vocationen,  welche  mir  die  größten  Annehmlichkeiten
u.  meinen  Kindern  anständigeVersorgungen  sicherten,  ausgeschlagen.
Tödtend  sind  dem  ehrlichen  Manne  die  vielfältigen  Beweise  von
Mistrauen  u.  Gefühle  von  größter  Wehmuth  müßen  ihn  tief  beugen,
wenn  keine  Anstrengung  u.  keinerlei  Befriedigung  sie  gänzlich  zu
entfernen  vermag.“
Unterm  17.  Sept.  1807  bestimmte  ihm  der  Kurfürst  einen  Gehalt  von
jährlich  1200  rf.  Das  war  dieselbe  Summe,  die  auch  Lennep  damals  bezog.
(Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1807,  S.  97.)
Daß  auch  der  Rechnungsführer  Lawätz  Gefahren  zu  bestehen  hatte,
geht  aus  einem  Schreiben  hervor,  das  er  am  11.  Mai  1814  an  Buderus  richtete
        <pb n="201" />
        194

und  in  dem  auch  seine  Gesinnung  gegenüber  dem  Kurfürsten  am  besten
zutage  tritt:  „Eine  Bitte  habe  ich  noch.  Ich  wünschte  gerne  ein  Andenken
von  Ihrem  verehrungswürdigen  Kurfürsten  zu  haben.  Es  müßte  aber  keinen
großen  Geldes  VC^erth,  sondern  in  der  Sache  selbst  seinen  Wert  haben.
Kann  der  heßische  Löwenorden  einem  dänischen  Conferenz  Rath  —
der  nach  dem  Range  in  der  zweiten  Classe  rangiret  —  erteilet  werden:  so
würde  ich  darum,  zum  lebenslänglichen  Andenken  der  Gnade,  und  der  Treue
und  Anhänglichkeit  bitten.  Nie  habe  ich  Orden  ambitionirt  Seitdem  aber
mein  König  mir  vor  2 1 /«  Jahren  den  Dannebrog  Orden  höchst  unerwartet
verliehen:  so  habe  ich  ihn  doch  —  obschon  er  leider  oft  gemisbraucht
worden  —  dennoch,  als  Beweis  der  Treue  gegen  meinen  König,  mit  Vergnügen ­
  getragen.  Und  ich  leugne  nicht,  gegen  Ihren  edlen  Kurfürsten  hege
ich  edle  Gesinnungen  der  Treue  und  Verehrung.
Wäre  dies  aber  nicht  thunlich:  so  mögte  ich  eine  andere  Bitte  wagen;
und  diese  wäre,  um  3  oder  4  hübsche  seltene  Bäume,  die  ich  zum  Andenken
des  Kurfürsten,  in  meinem  Garten,  —  sei  es  nun  daß  ich  meinen  jetzigen
behalte,  oder  ehestens  einen  andern  erhalte  —  pflanzen  könnte.  Ich  würde
mich  sodann  noch  oft  dabei  aller  glücklich  überstandenen  Gefahren,  aller
erlebten  schönen  Beweise  von  Fürstentreue  sowohl  als  Untertanen  Liebe,
mit  Dank  für  die  Vorsehung  erinnern.  Geht  beides  nicht  an:  So  verzeihen
Sie  dennoch,  als  Freund,  die  Dreistigkeit  dem  Freunde,  der  es  wenigstens
herzlich  und  gut  meinet.“
Die  Rothschild-Legende.
216.  Mitteilung  des  Oberstleutnants  z.  D.  und  Kammerherrn  Lothar
von  Carlshausen  in  Stuttgart.
217.  Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1807,  S.  128.
218.  Zuerst  Bd.  7,  Abt.  1.  1848.  S.  207  f.
219  S.  S.  148.
220.  Schriften.  T.  5.  1840.  S  113—122.
221.  Allgemeine  deutsche  Real-Encyklopädie  für  die  gebildeten  Stände
(Conversations-Lexikon).  7.  Ausl.  Bd.  9.  Leipzig.  Brockhaus,  1827.  S.  432.
222.  S.  S.  153  f.
223.  Öffentliche  Charaktere.  T.  1.  1835.  S.  286.
224.  Memoirs  of  Sir  Thomas  Powell  Buxton.  London  1848.  S.  345.
Die  Mitteilung  über  die  Rettung  des  kurfürstlichen  Vermögens  ist  in  einem
Briefe  enthalten,  der  bereits  am  Tage  nach  der  Unterredung  mit  Nathan
Mayer  Rothschild,  am  14.  Febr.  1834,  abgefaßt  wurde.
225.  Der  Auftrag  zum  Ankauf  wurde  vom  Kurfürsten  dem  bei  ihm
anwesenden  Mitglied  der  Roth  sc  hi  Id  sehen  Handlung  mündlich  erteilt.  Der
Preis  wurde  nach  Buderus’  Rechnung  und  Kontokorrent  mit  Rothschild  im
April,  September  und  Oktober  des  Jahres  1809  von  Meyer  Amschel  an
Hildebrand  ausgezahlt.  Vgl.  Buderus’  Rechnung  1809:  April,  S.  20;  Sept.,  S.  20,
Okt.,  S.  20;  1810:  Febr,  S.  7.
226.  Auch  aus  den  obigen  Tatsachen  geht  hervor,  daß  Meyer  Amschel
mit  dem  sonstigen  Warenhandel  nicht  das  Weingeschäft  aufgegeben  hatte.
        <pb n="202" />
        13*

195

Noch  im  Jahr  1854  unterhielt  das  Rothschildsche  Bankhaus  in  Frankfurt
nachweislich  ein  Weinlager.
227.  Marbg.:  Die  von  den  Hof-Banquiers  M.  A.  Rothschild  und  Söhne
zu  Frankfurt  a.  M.  für  Sft  Kurfürst!.  Durch),  erkauften  und  in  Verwahrung
gehabten  Weine.  1814,  1815.
228.  Carlshausen:  Der  Kurfürst  an  Buderus,  23.  Juli  1807.  Es  handelte ­
  sich  um  200  kais.  österr.-holl.  Obligationen,  die  zumeist  gegen  kais.
österr.  Bethmännische  Obligationen  einzutauschen  waren  und  die  Rothschild
zu  diesem  Zweck  aus  dem  Depot  des  Kurfürsten  mitgebracht  hatte.  Buderus
hat  sie  dann  tatsächlich  nicht  in  Rothschilds  Händen  gelassen,  sondern  im
eigenen  Gewahrsam  geborgen.  Die  einzelnen  Stücke  wurden  jedes  Mal  erst
dann  an  Rothschild  abgegeben,  wann  er  entsprechende  Tauschstücke  dagegen ­
  liefern  konnte  (Buderus  an  den  Kurfürsten,  14.  Sept.  1807).
229.  Carlshausen:  Der  Kurfürst  an  Buderus,  12.  Juni  1810,  13.  Sept.
1810  u.  ö.  Buderus  an  den  Kurfürsten,  9.  Aug.  1810.
230.  Marbg.:  Buderus’  Rechnung  1807,  S.  2  f.  Die  8000  Kronentaler
wurden  Meyer  Amschel  am  30.  Oktober  1806  anvertraut.
231.  Zu  einem  viel  späteren  Zeitpunkt  hat  das  Rothschildsche  Bankhaus ­
  de  facto  ein  Mal  kurfürstliche  Millionen  zur  Aufbewahrung  erhalten.
Im  Jahr  1829  sandte  die  Kurfürstliche  Schatullkasse  an  M.  A.  v.  Rothschild
und  Söhne  in  Frankfurt  per  Postwagen  eine  versiegelte  Kiste  in  Leinwand
mit  2  Millionen  Gulden  in  Staatspapieren,  eine  ebensolche  mit  600000  fl  in
Obligationen  etc.  Am  4.  Dezember  1832  bescheinigt  Kurfürst  Wilhelm  II.  mit
einer  von  zwei  Beamten  beglaubigten  Unterschrift  die  Rückgabe  aller  dem  Hause
Rothschild  zur  Aufbewahrung  übergebenen  Obligationen,  Dokumente  usw.
232.  Mitteilung  von  F.  A.  Brockhaus  in  Leipzig.  Meseritz  war  geboren
1781  und  starb  am  25.  Nov.  1856  in  Frankfurt  a.  M.  Er  war  Korrespondent
der  Augsburger  Allgemeinen  Zeitung  und  vieler  anderen  Blätter.  (Franks.  Nachrichten ­
  Jg.  1856  Nr.  140.)
Rothschilds  Beziehungen  zu  anderen  Fürsten.
233.  Die  Anleihe  des  Fürsten  von  Leiningen  wurde  von  einem  seiner
Räte,  dem  Geheimen  und  Kabinettsrat  Schmitz,  vermittelt,  der  mit  Buderus
befreundet  war.  Buderus  und  Zipf  eröffneten  am  4.  April  1809  eine  Subskription,
die  mehr  als  die  Hälfte  des  Leihkapitals  zusammenbrachte.  Die  Rückzahlung
des  Kapitals  sollte  durch  Verlosung  vom  15.  April  1821  bis  zum  15.  April  1833
stattfinden.  Sie  wurde  jedoch  bereits  am  15.  April  1829  durch  Restzahlung  getilgt.
20  Partialobligationen  lauteten  auf  3000  fl,  20  auf  2000  fl  und  150  auf  1000  fl.
Folgende  Geldgeber  teilten  sich  in  die  Leihsumme:

Landgraf  Friedrich  30000  fl
Fürstin  zu  Nassau-Usingen  und  der  Herr  Alt  (?)  17  000  „
Buderus  112000  „
„  (bei  der  Hessenstein  geliehen)  ...  13  000  „
Kriegsrat  Zipf  59000  „
M.  A.  Rothschild  &amp;amp;  Söhne  19000  „
Sa  .  .  250000  fl
        <pb n="203" />
        196

Die  Auszahlungen  an  den  Schuldner  dauerten  vom  31.  Juli  1809  bis
zum  20.  Mai  1811.  Es  scheint,  daß  die  hohen  Beiträge  von  Buderus  und
Zipf  durch  den  Beitritt  ihrer  Freunde  zustande  kamen.  Rothschilds  Anteil
war,  wie  man  sieht,  gering.  Er  hatte  aber  die  Zinsen  auszuzahlen  und  die
Stückzahlungen  zu  vermitteln,  und  deshalb  erscheint  diese  Anleihe  in  seinen
Tilgungsbüchern.  Auch  bemühte  er  sich  um  eine  Subskription.  Sämtliche
Originaldokumente  hielten  die  Hauptgläubiger  Buderus  und  Zipf  in  Verwahrung ­
  Der  Großherzog  Karl  Friedrich  von  Baden  als  Landesherr  und
ebenso  die  Agnaten  des  Fürsten  zu  Leiningen  mußten  zur  Aufnahme  des
Anlehens  ihren  Konsens  erteilen  (Marbg  :  Briefw.  Buderus’  betr.  Anleihe  des
Fürsten  zu  Leiningen  von  250000  fl,  1808—1818;  Carlshausensche  Akten).
Die  Rückzahlung  der  Löwensteinschen  Anleihe  fand  planmäßig  durch
Verlosung  vom  Jahre  1819  bis  zum  Jahre  1824  statt.
Daß  die  politischen  Veränderungen  der  Exilzeit  für  Rothschild  auch
Verluste  brachten,  zeigt  das  Verhalten  des  Rheinbundmitglieds  Fürst  Karl
von  Ysenburg-Birstein.  Er  hatte  von  Rothschild  56000  fl  geliehen,  kam  aber
seinen  Verpflichtungen  in  keiner  Weise  nach.  Am  21.  Dezember  1809  war
er  mit  den  Zinsen  von  drei  Jahren  im  Rückstand.  Die  Aufkündigung  des
Kapitals  nahm  er  in  Anbetracht  der  Kriegszeiten  nicht  an  und  verkaufte
sogar  die  als  Pfand  verschriebenen  Einkünfte  anderweitig  (Autograph  in  der
Sammlung  Dr.  Albert  Figdor  in  Wien).
234  Cohen,  Meyer  Amschel  Rothschild,  1813,  S.  23-25;  Demachy,
Les  Rothschilds,  2,1,1896,  S.  54;  Darmstädter,  Grh.  Fft,  1901,  S.  183,194,260f.
Persönliches  und  Allgemeines.
235.  Festschrift  zur  Jahrhundertfeier  der  Realschule  der  Israelitischen
Gemeinde  (Philanthropin)  zu  Frankfurt  a.  M.,  1804,  S.  6  ff.
236  Heine  in  der  Schrift  über  Ludwig  Börne,  Ges.  Werke,  hrg.  von
Karpeles,  Bd.  7,  Berlin  1887,  S.  256.
237.  Der  Kurprinz  verkehrte  während  der  Exilzeit  von  Berlin  aus
vielfach  brieflich  mit  Rothschild  und  erhielt  viele  Vorschüsse.  Ende  1815
wurden  seine  Schulden  durch  eine  besonders  zu  dem  Zweck  eingesetzte
Kommission  getilgt,  wobei  dem  Haus  Rothschild  an  Kapital  und  Zinsen
noch  fl  160  702.44  zu  vergüten  waren  Marbg.:  Akten  aus  der  Privatkanzlei
des  Kurprinzen  Wilhelm  betreffend  die  bei  M.  A.  Rothschild  in  Frankfurt
und  Gumpert  Moses  in  Hamburg  gemachten  Schulden,  1807—1812.  Die
Schuldforderung  der  Bankiers  M.  A.  Rothschild  &amp;amp;  Söhne,  1815—1816.
238.  Eingeführt  im  Großherzogtum  Frankfurt  mit  dem  1.  Januar  1811.
239.  Belli-Gontard,  M.,  Lebenserinnerungen,  1872,  S.  138.
240.  Heine,  Ges.  Werke,  hrg.  von  Karpeles,  Bd.  7,  1887,  S.  256.
241  Protokollarische  Vernehmung  im  Mai  1809.
242.  Fftm.:  Sterbeurkunden,  1812,  Nr.  891.
Über  Rothschilds  Gattin  Gutle  gibt  es  nur  wenig  Nachrichten.  Als
sie  im  Polizeiverhör  vom  Jahr  1809  nach  den  Geschäften  ihres  Mannes
befragt  wurde,  gab  sie  zur  Antwort:  Sie  wisse  von  gar  nichts,  sie  habe
nur  mit  ihrer  Haushaltung  zu  tun,  sei  das  ganze  Jahr  zu  Hause  und  kümmere
        <pb n="204" />
        197

sich  um  keine  Geschäfte.  Einige  weitere  zuverlässige  Mitteilungen  bieten
die  Bücher  der  Belli-Gontard.  Nachdem  diese  Schriftstellerin  den  Tod  ihrer
Mutter  erzählt  hat,  fährt  sie  folgendermaßen  fort:  „Ich  hatte  den  Garten
geerbt.  Kurz  nachdem  ward  ich  durch  einen  Makler  beinahe  täglich  gepeinigt, ­
  den  Garten  an  Amschel  Rothschild  zu  verkaufen,  dessen  Nachbarn
wir  geworden  waren.  Der  Mann  sagte  mir  sogar,  wenn  Rothschild  seinen
Wunsch  nicht  erfüllt  bekäme,  wäre  er  im  Stande,  in  Geschäften  unserer
Handlung  zu  schaden.  Darauf  ging  ich  sogleich  zu  der  Mutter  Rothschilds,
ich  bat  sie,  mit  ihrem  Sohne  zu  sprechen.  Die  alte  Dame  tadelte  das  Betragen ­
  Rothschilds  und  versprach,  Alles  zu  ordnen;  sie  hielt  redlich  Wort.
Von  da  an  besuchte  ich  sie,  nach  ihrem  Wunsche,  beinahe  jede  Woche,
sie  war  eine  gute,  gescheidte  Frau  und  blieb  ganz  klar  bis  in  ihr  hohes
Alter.  Doctor  Stiebei  war  ihr  Arzt,  sie  hielt  viel  von  ihm.  Einst  klagte  sie
ihm  körperliche  Schwäche,  und  er  antwortete:  Ja,  übe  Frau  Baronin,  jünger
kann  ich  Sie  nicht  machen.  Ach,  antwortete  sie  schnell,  jünger  will  ich  ja
auch  nicht  werden,  aber  älter,  älter  sollen  Sie  mich  machen.“  „Die  alte
Baronin  von  Rothschild  aß  niemals  außer  Hause,  auch  bei  keinem  ihrer
Söhne;  gab  Baron  Amschel  kein  diplomatisches  Mittagessen,  so  erschien
sie  nach  Tische  einige  Zeit  im  Garten,  sie  liebte  dort  spazieren  zu  gehen-Einmal
  tat  sie  es,  von  mir  geführt,  sie  klagte  über  ihre  Gesundheit,  sie
sagte:  Wissen  Sie,  ich  habe  zu  viele  Kinder  gehabt;  schöpft  man  doch  den
tiefsten  Brunnen  aus.  —  Sie  hatte  die  Eigenheit,  ihre  Rechnungen  auf  das
Comptoir  zu  senden,  die  Söhne  mußten  Alles  bezahlen.  Mit  ihrem  Gelde
mochten  diese  aber  auch  speculieren,  sie  gab  nichts  aus;  sie  sparte  stets;
von  den  Söhnen  begehrte  sie  Geschenke,  diese  ließen  ihr  Schmuck  und
Hauben  von  Paris  kommen  von  kostbaren  Spitzen,  und  mit  blaßrothen
Rosen  verziert.  Anders  trug  sie  sie  nicht.  Den  Schmuck  hob  sie  auf,  ohne
etwas  davon  zu  benutzen.“  „Rothschilds  Gattin  starb  am  7.  Mai  1849  beinahe ­
  96  Jahre  alt.  Sie  hatte  ihren  Mann  37  Jahre  überlebt.  Trotz  allem
Glanz  und  Reichtum,  die  sie  umgaben,  blieb  sie  bis  an  ihr  Ende  in  der
Judengasse  wohnen;  sie  war  sehr  wohltätig,  viele  Tränen  geleiteten  sie
zum  Grabe.“  (Belli-Gontard,  Maria.  Lebenserinnerungen,  1872,  S.  238,  283;
Dies.  Leben  in  Frankfurt  a.  M.,  Bd.  10,  1851,  S.  10.)
        <pb n="205" />
        Aktenstücke.

1.  Aktenstücke  zur  Rettung  des  kurfürstlichen  Vermögens ­
  und  des  kurfürstlichen  Archivs  im  Jahre  1806
und  1807.  Siehe  oben  S.  58  ff.
Der  Entwurf  des  Kurfürsten  über  die  Verteilung  der  Effekten
auf  die  verschiedenen  Verstecke,  das  Spezialverzeichnis,  welches
Buderus  über  die  im  nördlichen  Flügel  des  Wilhelmshöher  Schlosses
und  auf  der  Löwenburg  untergebrachten  Sachen  anfertigte,  die  sog.
Designation  Mensings  über  die  42  von  ihm  geretteten  Kisten  und
die  Verzeichnisse  des  zweiten  und  dritten  Transportes,  von  denen
jener  an  Lennep  in  Kassel  und  dieser  auf  den  Messinghammer
gingen,  entstammen  der  Akte  des  Marburger  Staatsarchivs:  Acta
die  nomine  Ministen!  an  den  General  Lagrange  geschehene  Anzeige
der  zu  Sababurg,  Wilhelmshöhe  und  Löwenburg  verborgenen
Effecten,  und  die  Rettung  derselben  an  den  beyden  letzteren  Orten
durch  den  Capt:  Mensing,  de  1806.  Diese  Akte  enthält  auch  das
Verzeichnis  des  ersten  Transportes,  der  in  Lenneps  Wohnung  ging.
Doch  haben  wir  es  vorgezogen,  statt  dessen  eine  Abschrift  bei  den
Carlshausenschen  Akten  zum  Abdruck  zu  bringen.  Aus  dieser
Abschrift  ist  nämlich  zu  erkennen,  welche  der  dort  verzeichneten
Kupons  bereits  vor  dem  13.  November  1807  beim  Kurfürsten  waren.
Das  Verzeichnis  des  vierten  Transportes,  der  nach  Witzenhausen-Eisenach
  ging,  entstammt  der  Akte  des  Marburger  Staatsarchives :
Geh.  Ministerium.  Briefe  von  Schmerfeld  betr.  die  Rettung  des
Kurfürstlichen  Vermögens  nach  Frankfurt  a.  M.  1806—1807.  Das
wichtige  Verzeichnis  des  fünften  Transportes  ist  aus  Carlshausenschen
Akten  entnommen.  Das  Verzeichnis  der  von  Lagrange  ausgelieferten
Kassenliteralien  befindet  sich  in  der  Akte  des  Marburger  Staatsarchives: ­
  Geh.  Ministerium.  Briefwechsel  mit  dem  flüchtigen  Kurfürsten. ­
  November  1806  bis  April  1807.
        <pb n="206" />
        199

Nur  das  letztere  Verzeichnis  ist  bereits  früher  veröffentlicht
worden  (Brunner,  General  Lagrange,  S.  54  f.).  Es  wird  hier  aber
nochmals  abgedruckt,  weil  nur  die  Vergleichung  sämtlicher  Verzeichnisse ­
  genügende  Aufklärung  gewährt.  Die  Inkonsequenzen
in  Schreibung  und  Rechtschreibung  entsprechen  den  Vorlagen.
Meine  Zusätze  und  Erläuterungen  sind  überall  in  eckige  Klammern
gesetzt.

[Eigenhändiger  Entwurf  des  KurfürstenWilhelm  1.  über
die  Verteilung  seiner  Wertsachen  und  Vermögensausweise ­
  auf  die  verschiedenen  Verstecke.  Ergänzt  von
Bud  erus.]
In  Wilhelmshöhe  unter  der  Treppe  Ite  Schiflügel
[=  des  „linken“  oder  nördlichen  Schloßflügels,  in  24  Kisten]
1.  Die  Kr.  [==  Kriegs-]  Gassen  Etats  von  1786—1805
2—  Cammer  -  „  „  „
[Beide  Posten  wurden  von  Mensing  gerettet,  denn  sonst  müßten  sie  sich
bei  den  von  Lagrange  ausgelieferten  Nachweisungen  befunden  haben.  Sie
sind  identisch  mit  Kasten  1  und  6  bei  Buderus  und  gingen  unter  Nummer  2
und  4  im  fünften  Transport  nach  Frankfurt.]
3.  Die  unbedeutendsten  Dosen  und  Pretiosen  aus  Bvue  [dem  Bellevue-Schloß]
aus  der  grossen  Comode  im  Cabinet  in  zwey  Geld  Kasten  gepakt.  [Kasten
15  und  16  bei  Buderus.  Gingen  im  4.  Transport  und  wurden  im  März  1807
durch  Lennep  dem  Kurfürsten  überbracht.]
4.  Cammer  u.  Kr.  [Kriegs-]  Gassen  Rechnungen  [Kasten  9  (mit  noch  sonstigem ­
  Inhalt),  10,  11,  12,  13  (mit  noch  sonstigem  Inhalt)  und  14  bei  Buderus.
Alle  diese  Kästen  fielen  in  die  Hände  Lagranges  mit  Ausnahme  von  Kasten  9,
der  im  4.  Transport  nach  Witzenhausen  ging.  Nur  Kriegskassenrechnungen,
keine  Kammerkassenrechnungen  waren  darin.  Die  letzteren  kamen  de  facto
in  die  Löwenburg.]
5.  Coupons.  [Kasten  2  (mit  noch  sonstigem  Inhalt),  7,  8,  9  (mit  noch  sonstigem ­
  Inhalt,  s.  Position  4),  C.  C.  lit.  F.,  C.  C.  Nr.  57  und  ein  Kasten  (mit  noch
sonstigem  Inhalt)  aus  der  Reihe  22—29  bei  Buderus.  Fünf  von  diesen  sieben
Kisten  gingen  im  4.  Transport  nach  Witzenhausen.  Der  Inhalt  von  Kasten  7
ging  im  1.  Transport  an  den  Geh.  Kr.-R.  Lennep  in  Kassel.  Der  leere  Kasten
Nr.  7  wurde  auf  Stölzingen  verbrannt.  Der  Kasten  aus  der  Reihe  22—29  ging
im  5.  Transport  nach  Frankfurt  und  dann  zurück  an  Lennep  ]
6.  befinden  sich  in  Nl°  3  die  doppelte  Schlüssel,  zu  allen  meinen  Comoden
7.  Theetisch  von  Silber  mit  Thee  Maschine  p  p  mir  zugehörig  v  Bvue  [Aus
der  Lichtkammer  des  Bellevue-Schlosses.  Kiste  Nr.  21  bei  Buderus,  die  im
        <pb n="207" />
        200

4.  Transport  nach  Witzenhausen  ging.  Außerdem  kam  an  denselben  Ort
Kiste  C.  S.  (=  Caroline  v.  Schlotheim)  1778  mit  einem  silbernen  Kampagne-Service
  von  (Schloß)  Wilhelmshöhe.  Letztere  Kiste  fiel  in  die  Hände  Lagranges.]
8.  Kleider  der  Fr.  Gräfinn  v.  Schloth[eim.  Kasten  resp.  Koffer  17—20  bei
Buderus.  Gingen  im  3.  Transport  zum  Messinghammer.]
9)  Unterpfand  vom  Oberhofagenten  Rothschild  [Kasten  4  bei  Buderus.  Der
Inhalt  des  Kastens  ging  im  1.  Transport  an  den  Geh.  Kr.  R.  Lennep  in  Kassel.
Der  leere  Kasten  wurde  auf  Stölzingen  verbrannt].
10)  Unterpfand  von  den  Finanzräthen  Rüppell  und  Harnier  [Kasten  3  bei
Buderus.  Ging  unter  Nr.  3  im  5.  Transport  nach  Frankfurt].
11)  Unterpfand  vom  Oberkriegszahlamtsagenten  Michel  Simon  [Befand  sich
im  Kasten  5  bei  Buderus  und  ging  im  1.  Transport  an  den  Geh.  Kr.  R.  Lennep
in  Kassel].
12)  Unterpfand  vom  Kriegszahlamtsagenten  Herz  Meyer  [Befand  sich  ebenfalls ­
  im  Kasten  5  bei  Buderus  (s.  Position  11)  und  ging  im  2.  Transport  an
den  Geh.  Kr.  R.  Lennep  in  Kassel.  Der  leere  Kasten  wurde  auf  Stölzingen
verbrannt].
Zu  Whshöhe  im  Fronton.  [ca.  24  Kisten].
Catalogen  der  Bibi,  daselbst  pretieuse  Bücher.  Voyages  Moresques  Piranese
Journaux  Militaires  Geh.  Acta  v  Geh  Cab.  Archiv  v  Bvue  [Diese  Akten  sind
zum  größten  Teil  in  der  Position  1,  2  bei  Lagrange  verzeichnet.  Eine  Kiste
dieser  Kategorie  ging  im  4.  Transport  nach  Witzenhausen,  dort  bezeichnet.
Nr.  39  ein  Kistchen  gezeichnet  G  C  A  (=  Geheimes  Cabinets-Archiv)  N°  8.
Da  außer  dem  Depot  in  Sababurg  noch  ca.  30  Kisten  in  die  Hände  Lagranges
fielen,  42  von  Mensing  gerettet  wurden,  im  nördlichen  Schloßflügel  und  auf
der  Löwenburg  insgesamt  48  Kisten  nachgewiesen  werden  können,  so  müssen
im  Fronton  ca.  24  Kisten  untergebracht  worden  sein.]
Zur  Löwenburg  im  Keller  [24  Kisten],
1)  Laufende  Jahrl.  Besold.  Etats  aller  Gassen.  Capital.  Bücher  [=  Kapitalienbücher ­
  der  Kriegs-  und  Kammerkasse]  pro  1806.  [Wurden  später  beim
Kurfürsten  sowohl  wie  bei  Lagrange  vermißt.  S.  Brunner,  S.  46.]
2)  Fr  Gräfinn  [v.  Schlotheim]  1  ^aatspapiere
3)  Fr  v.  Thümel  [so!]  J
[Position  2  befand  sich  in  Kiste  Nr.  38  bei  Buderus  und  ging  im  2.  Transport
an  den  Geh.  Kr.  R.  Lennep  in  Kassel.  Position  3  bildete  den  Koffer  Nr.  44
bei  Buderus,  der  im  3.  Transport  auf  den  Messinghammer  ging.]
4)  Mehrere  Kisten  mit  Silber  etc  von  der  Frau  Reichsgräfin.  [Wurde  später
geändert.  Die  Kiste  mit  dem  Silber  der  Reichsgräfin  kam  in  den  nördlichen
Schloßflügel  (s.  oben  unter  Nr.  7).  Wohl  aber  kamen  5  Verschlüge  mit
Porzellan,  Tafelleinen  und  Kleidungsstücken  der  Reichsgräfin  zur  Löwenburg,
nämlich  Verschlag  Nr.  39  bis  43  bei  Buderus,  die  im  3.  Transport  zum
Messinghammer  gingen  ]
        <pb n="208" />
        —  201  —
5)  Zinscoupons  von  der  Oberrenth-Kammer.  [Später  geändert.  Diese  Kupons
wurden  de  facto  im  nördlichen  Schloßflügel  versteckt  —  Kiste  C.  C.  lit.  F.
und  C.  C  Nr.  57  bei  Buderus,  die  im  4.  Transport  nach  Witzenhausen
gingen.  S.  oben  unter  Position  5.]
6)  Lautionen.
[ln  der  Hauptsache  2  Kisten  aus  der  Reihe  22  bis  29  bei  Buderus  —  Nr.  7
und  8  im  5.  Transport,  der  nach  Frankfurt  ging  ]
7)  Kriegs-  und  Kammercassenrechnungen.
[Die  6  übrigen  Kisten  aus  der  Reihe  22  bis  29  bei  Buderus,  die  unter  Nr.  5,
6,  9,  10,  11  und  19  (letztere  zum  Teil  Kupons  enthaltend)  im  5.  Transport
nach  Frankfurt  gingen,  und  Kiste  37  bei  Buderus,  die  im  4.  Transport  nach
Witzenhausen  ging.  Nur  die  letztere  enthielt  Kriegskassenakten,  alle  anderen
bloß  Kammerkassenakten.]
8)  Urkunden  aus  dem  Hofarchive.  [Kiste  30  bis  36  bei  Buderus  ---  1,  12
bis  17  des  5.  Transports,  der  nach  Frankfurt  ging.]
9)  [2  Päcke]  Militairwittwencassenobligationen.
10)  [2  Päcke]  Civilwittwencassenobligationen.
11)  [1  Päckchen  mit  Kautions-JObligationen  von  dem
Steuer-Collegio  [bezeichnet  a],  [1  Päckchen  desgl.  von]
dem  Hofgerichte  [—  dem  Hofgerichtsdeposito]  und
[1  Pack  dergl.  von]  dem  Hofhospitale.
12)  Obligationen  von  der  Renthkammer  zu  Hanau.
[Außer  der  Isenburg-Wächtersbachschen  Obligation  über  320,000  fl  in  Kiste
Nr.  2  bei  Buderus,  die  im  nördlichen  Schloßflügel  versteckt  wurde,  finden
sich  jene  Obligationen  jedenfalls  nicht  unter  derselben  Bezeichnung  in  den
folgenden  Verzeichnissen.  Vielleicht  ging  der  Rest  derselben  im  5.  Transport
nach  Frankfurt  und  ist  identisch  mit  den  unter  Nr.  3  a)  bis  g)  verzeichneten
zurückgeholten  Obligationen.  Siehe  unten  beim  5.  Transport.]
13)  Poeale  etc  von  der  Loewenburg.
[In  Kiste  Nr.  45  bei  Buderus,  die  in  die  Hände  Lagranges  fiel.]
14)  Vollmachten  zur  Übertragung  der  Stocks  auf  andere  Namen.
[In  Kiste  Nr.  38  bei  Buderus,  die  als  Nr.  18  im  5.  Transport  nach  Frankfurt
ging,  nachdem  jene  Vollmachten  vorher  herausgenommen  und  im  zweiten
Transport  in  Lenneps  Wohnung  gebracht  waren.]
Zu  Sababurg.  47  Kisten
[verladen  auf  zwei  mit  je  vier  Maultieren  bespannten  Wagen.  Vgl.  Schmedes
in  Zs.  d.  Ver.  f.  hess.  Os.  N.  F.  1,  1867,  S.  253].
a  Silber  aus  der  Lichtkammer.
[Eine  Kiste  mit  Silber  aus  der  Lichtkammer  kam  in  den  nördlichen
Flügel  des  Wilhelmshöher  Schlosses.  Siehe  oben  unter  Nr.  7.]

[Position  9  bis  11  befanden ­
  sich  in  Kiste
Nr.  38  bei  Buderus,
die  als  Kiste  Nr.  18
im  5.  Transport  nach
Frankfurt  ging.]
        <pb n="209" />
        202

b  Toilette  aus  meinem  Cabinet  im  Schloss,
c  Pretiosen  aus  dem  Museo,
d.  Portraits  aus  der  Bilder  Gallerie
Z.  N.  [Zur  Notiz]  Diese  Gemählde  sind  nachher  ins  Kurfürst!.  Schloss
gebracht  worden.
e)  Pretiosen  von  der  Frau  Kurfürstin,
f.  Silber  vom  Kurprinzen.
g)  eine  Toilette  von  der  Kurprinzessin.
h)  Verschlüge  mit  Leinen,  Porcellan  etc  von  der  Frau  Reichsgräfin.
[Wurde  später  geändert.  Die  fünf  Verschlüge  mit  diesen  Sachen  —  Nr.  39
bis  43  bei  Buderus  —  kamen  zur  Löwenburg,  s.  oben  Pos.  4.]
i)  Papiere  vom  Marstalle.

[Konzept  des  Buderus  von  Carlshausen
—  nicht  durchweg  eigenhändig  geschrieben  —  über  die  im  nördlichen ­
  Flügel  des  Schlosses  Wilhelmshöhe  und  auf  der  Löwenburg
versteckten  Sachen.  Unsere  Abschrift  gibt  die  nummerierten  Kisten
in  der  Nummernfolge,  was  beim  Original  nicht  der  Fall  ist.  Was  im
Original  durchstrichen  ist,  wurde  weggelassen.  Ein  Teil  des  Konzeptes
ist  auch  in  Abschrift  vorhanden,  und  diese  Abschrift  ist  hier  mitbenutzt, ­
  soweit  ihre  Angaben  präziser  waren  als  die  des  Konzeptes.]
[Nördlicher  Schloßflügel.]
Kasten  Num  1.  Etats  aus  dem  Archive  für  Se.  Kurf.  Durch!.  [Kasten  2  oder  4
im  5.  Transport,  der  nach  Frankfurt  ging.  Vgl.  Kasten  Num.  6.]
Kasten  Num.  2.  5  Päcke  von  Hessenstein  Heimrod  und  Haynau  [Gingen  im
1.  Transport  an  den  Geh.  Kr.-R.  Lennep  in  Kassel,  dann  an  die  vormundschaftliche ­
  Administration.  Vgl.  Carlshausen :  Buderus  an  den  Kurfürsten,
29.  Nov.  1807.]
Manual  von  1787  bis  mit  1792.
Isenburg  Wächtersbachsche  Obligation  über  320/m  fl:  von  der  Renthkammer
in  Hanau  |:  d.  H:  R:  R:  Schmerfeld  eine  Bescheinigung  darüber  gegeben:  |
[Ging  im  2.  Transport  an  den  Geh.  Kr.-R  Lennep  in  Kassel.]
13  Pfälzische  Obligationen  zur  Kriegscasse.
[Vgl.  Position  8  im  1.  Transport.]
Obligation  von  Versöhner
1.  Pack  Obligationen  von  den  Colonisten  im  Lande.
Zinscoupons  von  Löwenstein  Wertheim  1  Packen.
1.  Paquet  dergln  von  Leiningen.
1.  „  „  Landschaft!:  Baiersche.
1.  „  „  Wiener  Stadtb??  Lotterie.
[Was  aus  Kasten  2  nicht  im  1.  oder  2.  Transport  gegangen  war,  ging  im
4.  Transport  nach  Witzenhausen.]
        <pb n="210" />
        203

Kasten  Num  3.  Unterpfand  von  Rüppel  und  Harnier  [Ging  unter  derselben
Nummer  im  5.  Transport  nach  Frankfurt,  die  Obligationen  gingen  später
zurück  an  Lennep,  der  sie  jedenfalls  dem  Kurfürsten  übermittelte  ]
Kasten  Num.  4.  Unterpfand  des  Oberhofagenten  Rothschild.
[Das  Unterpfand  ging  im  1.  Transport  an  den  Geh.  Kr.-R.  Lennep  in  Kassel.
Der  leere  Kasten  wurde  auf  Stölzingen  verbrannt.]
Kasten  Num.  5.  Unterpfand  von  Michel  Simon  und  Herz  Meyer.
[Das  erste  ging  im  1.,  das  zweite  im  2.  Transport  an  den  Geh.  Kr.-R.  Lennep
in  Kassel.  Der  leere  Kasten  wurde  auf  Stölzingen  verbrannt].
Kasten  Num.  6.  Etats  aus  dem  Archiv  für  Se  Kurfürst!.:  Dchl^  [=  Kasten  2
oder  4  im  5.  Transport,  der  nach  Frankfurt  ging.  Vgl.  Kasten  Num.  1].
Kasten  Num.  7.  Darinnen:
6.  Päcke  Dänische  Zinscoupons.
1.  „  Fürstenberger  d°
11.  „  Frankfurter  d°
6.  „  Landständisch  Baiersche  d°
10.  „  Darmstädter  d°
1.  „  Nassau  Usinger  d°
2.  „  Darmstädter  d°
4.  „  mit  Kaisers:  d”
1.  „  mit  Johanniterordens  d°
1.  „  mit  Kaisers.  d°
1.  „  mit  Pfalz  Neuburger  d°
1.  „  mit  Kaiserlichen  d°
[Der  Inhalt  ging  im  1.  Transport  an  den  Geh.  Kr.-R.  Lennep  in  Kassel.  Der
leere  Kasten  wurde  auf  Stölzingen  verbrannt.]
Kasten  Num.  8.  Darinnen:
9  Päcke  unrevidierte  Dänische  Zinscoupons  und  eine  einzelne  Obligation.
13.  Päcke  Dänische  Zinscoupons.
1.  „  dergl"  d£
2.  it  t
[Ging  im  4.  Transport  nach  Witzenhausen.]
Kasten  Num.  9.  Darinnen:
Kriegszahlamtsrechnung  1789.  1792.  1801.  1787.  1791.  1799.  1800.
1790.  1798.
2  Pack  Darmstädter  Zinscoupons.
1.  „  Kaiser!:  König!:  „
1.  „  Oberrheinische  „
5.  „  Pfalzbaiersche  „
1.  „  Leininger  „
        <pb n="211" />
        204

1.  Pack  Usinger  Zinscoupons.
1.  „  Baiersche  „
Kriegszahlamts  Controle  1803.
[Ging  im  4.  Transport  nach  Witzenhausen.  Im  Verzeichnis  der  von  Lagrange
ausgelieferten  Kassenliteralien  fehlen  demgemäß  die  Kriegszahlamtsrechnungen ­
  dieses  Kastens  Daß  daselbst  die  Kriegszahlamtskontrolle  vom
Jahre  1803  erwähnt  wird,  muß  auf  einem  Irrtum  beruhen.]
Kasten  Num.  10.  [Von  Lagrange  beschlagnahmt  und  nachweislich  zum
größten  Teil  wieder  ausgeliefert.]  Darinnen:
Kriegszahlamtsrechnung  de  1797.  1788.  1795.  1794.  1793.  1796.  1786.
1802.  [In  Position  II,  1  bei  Lagrange  enthalten.]
[Kriegszahlamt-Manual  von  1788.  1790.  1787.  [In  Position  II,  2  bei
Lagrange  enthalten.]
Capitalien  Controle  de  1789  [=  Position  II,  9  bei  Lagrange],
Journal  de  1781.
Capitalzinsenverzeichnis  de  1792.
Summarischer  Extract  der  KZA:Rechnung  de  1789
K.  Z.  A :  Controle  de  1799  Tom.  3.  [In  Position  II,  4  bei  Lagrange  enthalten.] ­

Kasten  Num.  11  [von  Lagrange  beschlagnahmt  und  nachweislich  zum  größten
Teil  wieder  ausgeliefert].  Darinnen:
[Kriegs-Zahlamts-]Controle  de  1786.  1787.  1788.  1789.  1790.  1791.  1792.
1793.  1794.  1795.  1796.  1799  Tom  I  u.  II  [Mit  Ausnahme  von  1787  in
Position  II,  4  bei  Lagrange  enthalten].
Berechnungsbuch  pro  1799.
[Soll  wohl  heißen:  Zinsen-  und  Kapitalien-Rechnung  zur  Kriegskasse
=  Position  II,  8  bei  Lagrange.  Der  Jg.  1799  der  „Berechnungsbücher“
befand  sich  in  Kasten  Nr.  14.]
Repertorium  über  die  Carlshaver  Lazareth  Kapitalien  [1782—1800
=  Position  11,  10  bei  Lagrange].  .
Mehrere  summarische  Extracte  aus  den  Kriegszahlamtsrechn:  [1802  bis
1806]
[Kriegs-Zahlamts-]Journal  de  1789  [in  Position  11,  3  bei  Lagrange  enthalten], ­

Kasten  Num.  12  [von  Lagrange  beschlagnahmt  und  später  wieder  ausgeliefert].
Darinnen:
[Kriegs-Zahlamts-]Manual  de  1796.  1797.  1798.  1799.  (:  3  Theile  :)
[in  Position  II,  2  bei  Lagrange  enthalten],
Register  über  sämmtll  Kriegscassen  Kapitalien  [=  Position  II,  7  bei
Lagrange].
[Kriegs-  Zahlamts-]Manual  1800.  (:  3  Theile  :)  1801.  (:  3  Theile  :)
1802  (:  3  Theile  :)  [in  Position  11,  2  bei  Lagrange  enthalten],
Kriegscassencapitalienverzeichnisse  [im  Konzept:  Kriegscassencapitalienregister]
  de  1782  [=  Position  11,  6  bei  Lagrange],
        <pb n="212" />
        205

Kasten  Num.  13  [von  Lagrange  beschlagnahmt,  der  die  Pretiosen  behielt
und  die  Akten  später  auslieferte].  Darinnen:
1.  versiegeltes  [im  Konzept:  viereckigtes]  Paquet  in  blauem  Papier
lit:  a.
1.  Paquet  von  der  Länge  eines  Stockes  in  dergln  lit:  b.  [Enthielt
vermutlich  den  kostbaren  Prachtdegen,  den  Landgraf  Moritz  von
Heinrich  IV.  von  Frankreich  im  Jahre  1602  als  Geschenk  erhielt.
Vgl.  Duncker,  Deutsche  Rundschau  34,  S  222,  235  f  ]
Diese  beiden  Paquets  enthalten  Pretiosen  von  S:  Krfrstl"  Dchl^
Kriegszahlamts  Contröle  von  1797.  1798  [in  Position  II,  4  bei  Lagrange
enthalten],
[Kriegs-Zahlamts-]Manual  von  1789.  1803  (:  in  3  Bänden.  [In  Position  II,  2  bei
Lagrange  enthalten.]
Kasten  Num.  14  [von  Lagrange  beschlagnahmt  und  nachweislich  zum
größten  Teil  wieder  ausgeliefert].  Darinnen:
Berechnungsbuch  [zur  Kriegskasse]  von  1796  bis  inclx|  1803  [in
Position  II,  5  bei  Lagrange  enthalten],
[Kriegs-Zah!amts-]Journal  von  1796  bis  incly|  1803  [in  Position  II,  3  bei
Lagrange  enthalten],
[Kriegs-Zahlamts-]Contröle  de  1800.  2  Bände.  1801.  2  Bände.  1802.
2  Bände  [in  Position  II,  4  bei  Lagrange  enthalten].
2  Aktenhefte  mit  summarischen  Berechnungen  [zur  Kriegskasse].
Kasten  Num.  15.  S  K.  D  z.H.Pret:  mit  Eisen  beschlagen.  Auf  dem  Deckel
No  11  bezeichnet,  mit  Pretiosen  und  Papieren  von  Si;  Kurfürstl"  DchlL
[Ging  im  4.  Transport  und  wurde  im  März  1807  durch  Lennep  dem  Kurfürsten
überbracht.]
Kasten  num  16.  auf  dem  Deckel  W.  K.  bezeichnet,  signirt:  S.  K.  D.  z.  H.
PRET.  Von  Seiner  Kurf  D  Pretiosen  u.  Papiere  enthaltend.
[Ging  im  4.  Transport  und  wurde  im  März  1807  durch  Lennep  dem  Kurfürsten
überbracht.]
Kasten  num.  17.  Ein  Verschlag  sig:  C.  v.  Sch.  Von  der  Frau  Reichsgräfin
[Caroline]  von  Schlotheim.
[Ging  im  3.  Transport  zum  Messinghammer.]
Kasten  num.  18.  Ein  Verschlag  J.  S.  S.  Cassel  bezeichnet.  Von  derselben.
[Ging  im  3.  Transport  zum  Messinghammer.]
Koffer  num.  19.  u  20.  Von  der  Frau  R.  Gräfinn  von  Schlotheim.
[Gingen  im  3.  Transport  zum  Messinghammer.]
Kiste  Nro.  21  signirt:  Oben  mit  Silber  aus  der  Belle-vue
[Ging  im  4.  Transport  nach  Witzenhausen  ]
Kiste  C.  C.  [Cammer-Casse]  lit  F:  Zinscoupons  von  Kurfürst!.  Oberrenthkammer.

[Ging  im  4.  Transport  nach  Witzenhausen.]

beide
signirt
S:  K:
D:  z:
H.
        <pb n="213" />
        Kiste  C.  C.  [Cammer-Casse]  Nro.  57  dergleichen  von  derselben
[Wurde  auf  Stölzingen  aufgefeilt,  aber  nur  teilweise  entleert,  weshalb  die
Kiste  nicht  verbrannt  wurde.  Ging  im  4.  Transport  nach  Witzenhausen.]
Kiste  C.  S.  [Caroline  v.  Schlotheim]  1778,  W.  L.  N.  1  bezeichnet  mit  Silber
|;  ein  Campagne  Service  :  |  von  Wilhelmshöhe.
[Wurde  von  Lagrange  beschlagnahmt  und  behalten.]
Vom  Kasten  Nro.  1.  an  Bis  hierhin  am  11.  October  1806  in  Wilhelmsh.  im
Schlosse  im  linken  Flügelgebäude  in  Verwahrung  gebracht
I;  Üb.  die  Kiste  Nro.  21  der  Lichtkämmerei  unterm  25.  Octob.  1806  eine
Bescheinigung  ertheilet :  |  [Beide  Anmerkungen  von  Buderus’  Hand.]

[Löwenburg.]

Nro.  22.  Kiste  C.  C  Lit.  A.
23.  B.
-  24.  C.
25  D.
26  E.
27  —  bezeich.  Cammercasse  Nro.  68.
28  89.
29  41.

Von  der  Oberrenth  Kammer
gegen  Qtg.  [Genauereinhaltsangabe ­
  s.  bei  Kiste  Nr.  5  bis  11
und  19  des  5.  Transports,  der
nach  Frankfurt  ging]

Nro.  30

Kiste  Nro.  1

-  31

II

—  32

III

-  33

-  IV

—  34

-  V

-  35

VI

36

VII

Urkunden  aus  dem  Hofarchive ­
  [—  Geh.  Cabinets-Archiv],gegenQtg

empfangen.

[Kiste  30  bis  36  sind  identisch  mit  Nr.  1,  12  bis  17  des  5.  Transports,  der
nach  Frankfurt  ging.]

Nro.  37  Manualien  vom  Kriegszahlamte  nach  dem  beiliegenden  Verzeichnisse
[Vgl.  die  Manualien  in  Nr.  10  bis  14  des  gegenwärtigen  Verzeichnisses  und
die  Manualien  im  Verzeichnis  der  von  Lagrange  ausgelieferten  Kassenliteralien. ­
  Danach  ist  anzunehmen,  daß  Kiste  37  gerettet  wurde  und  im
4.  Transport  als  Nro.  42,  welches  die  einzige  sonst  nicht  identifizierbare
Kiste  der  Transporte  3  bis  5  ist,  nach  Witzenhausen  ging.  Da  man  bei
Rettung  der  Akten  regelmäßig  darauf  Bedacht  nahm,  die  Nachweisungen
der  letzten  20  Jahre  in  Sicherheit  zu  bringen,  auch  bei  den  Kriegs-Zahlamts-Rechnungen,
  Journalen  und  Kontrollen  dieses  Prinzip  erkennbar  ist,  so  steht
zu  vermuten,  daß  bei  den  Manualien  ebenso  verfahren  wurde  und  demnach
dieser  Kasten  die  Jahrgänge  1786,  1791  bis  1795  enthielt,  die  in  Position  II,  2
bei  Lagrange  fehlen.]
        <pb n="214" />
        207

[Gingen  im
5.  Transport
nach  Frankfurt
(Kiste  18  daselbst) ­
  und  wurden ­
  am  28.  Juni
1807  von  Ludern ­
  s  und  Galland
zurückgeholt.
S.  u.l

Gegen  Bescheinigung ­
  [des
Geh.  Kr.-Rats
Buderus
v.  Carlshausen].

Nro.  38  Kiste  mit  2  Päcken  Obligationen  von  der  Militairwittwencasse.

2  Päcke  dergleichen  von  der
Civilwittwencasse
1  Pack  dergleichen  vom  Hofhospitale ­
  u.
1  Päckchen  dergl.  vom  Hofgegerichts-Deposito

1  Pack  mit  Ordensobligationen,  gegen  Bescheinigung ­
  vom  15.  Octob.  1806.
1  Pack  mit  [Staats-]Papieren  von  der  Frau  Reichsgräf.  v.  Schlotheim  [Ging
im  2.  Transport  an  den  Geh.  Kr.-R.  Lennep  in  Kassel.]
9  Kriegscassenkapitalienhandbücher.
4  Cabinetsc.kapitalienhandbücher.
3  Päcke  bezeichnet  C.  C.  R.  [—  Cabinets  Cassen-Rechnungen]
  mit  Rechnungsduplicaten  von  der
Cabinetscasse  von  1788  bis  1803.
1  Concept  z.  Kriegsetat  p.  1798
1  Päckchen  von  Smo:  versiegelt  mit  Vollmachten  zur  Übertragung  der  in
London  angelegten  Annuitätenkapitalien  [Ging  im  2.  Transport  an  den  Geh.
Kr.-R.  Lennep  in  Kassel.]
1  Päckchen  mit  [Kautions-]Obligationen  vom  Steuer-Collegio  bezeichnet  «
[Ging  im  5.  Transport  nach  Frankfurt  und  wurde  am  28.  Juni  1807  von  Galland
aus  Kiste  Nr.  18  dieses  Transportes  zurückgeholt.]

Porcellan,  Tafelleinen
und  Kleidungsstücke
von  der  F.  Reichsgräfin
v.  Schlotheim.

44  Coffre  F.  v.  T.  mit  Eisen  beschlagen  von  der  Frau  Majorin  von  Thümmel  [der
Schwester  der  Reichsgräfin  v.  Schlotheim.  Enthielt  Staatspapiere  —  s.  oben
Entwurf  des  Kurfürsten  —  und  ging  im  3.  Transport  zum  Messinghammer].

[Gingen  im  5.  Transport ­
  nach  Frankfurt.
Identisch  mit  dem  Rest
der  Kiste  Nr.  18  daselbst.] ­


39  Verschlag

G.  v.  H.  N.  1.

40

G.  v.  H.  N.  2.

41  -

G.  v.  H.  N.  3.

42  -

G.  v.  H.  N.  4.

43  -

G.  v.  H.  N.  5.  ,

[39  bis  43  gingen  im  3.  Trans

45  [von  Lagrange  beschlagnahmt.  Die  Wertsachen  wurden  nicht  wieder  ausgeliefert]. ­
  Verschlag  worin  5  Bücher  aus  der  Ritterbibliothek  auf  der  Loewenburg,
1  Päckchen  aus  dem  geh.  Gabinetsarchive.
2  goldene  Becher  mit  Deckeln  u.  3  goldene  Schaalen  von  der  Loewenburg.
1  goldener  Abendmahlskelch  daher.
3  Holzschnitte  daher,
1  Inventarium  von  den  in  den  Buffets  des  Rittersaals  das.  befindlichen  Sachen.

Die  Kisten  von  Nro.  22  bis  45  incl.  sind  am  16.  Octob.  1806  auf  der  Loewenburg ­
  in  Wilhelmshöhe  in  Verwahrung  gebracht  worden.  |:  der  Frau  Reichsgräfin ­
  v.  Schlotheim  unterm  27.  Oct.  1806  eine  Bescheinigung  über  ihre  Sachen
ertheilet  :  |
[Beide  Anmerkungen  von  Buderus’  Hand.]
        <pb n="215" />
        —  208  —

[Mensings  Designation.]
Designation
Von  denen  mir  Vom  Ministerio  gnädigst  anvertrauten  effecten  als.

1  1  Kasten  mit  4.  Schlösser  N°

1.  [Buderus  1]

2.  1

d°

d”

„  do

2.  [Buderus  2.]

3.  1

it  it  if

3.  [Buderus  3  ]

4.  1

it  it  if

4.  [Buderus  4  ]

5.  1

it  it  »

5.  [Buderus  5.]

6.  1

a  a  a

6.  [Buderus  6]

7.  1

it  a  a

7.  [Buderus  7.]

8.  1

ti  it  &amp;gt;'

8.  [Buderus  8.]

9.  1

a  a  a

9.  [Buderus  9  ]

10.  1

tt  a  :  A  „

26.  [Buderus  22.]

11.  1

„  „  Lit:  B.  „

27.  [Buderus  23  ]

12.  1

»  »  Lit:  C.  „

28.  [Buderus  24.]

13.  1

„  »  Lit:  D.  „

29.  [Buderus  25.]

14.  1

„  Lit:  E.  „

30.  [Buderus  26  ]

15.  1

„C.C  „  Lit:  F.  „

31.  [Buderus  C.  C

16.  1  Kästchen

C.  C.  89

18  [Buderus  28]

17.  1

d°

C.C.  HP  68

17.  [Buderus  27.]

18.  1

dp.

G.C.A.  Np  1  #  „

32.  [Buderus  30.]

19.  1

do

G  C.A.  „  2#  „

33.  [Buderus  31]

20.  1

d°

G.  C.  A.  „  3  #  „

34.  [Buderus  32.]

21.  1

do

G.C.A.  „  4#  „

35.  [Buderus  33.]

22.  1

d°

G.C.A.  „  5#  „

36.  [Buderus  34  ]

23.  1

d°

G.  C.  A.  „  6#  „

37.  [Buderus  35.]

24.  1

do

7#  „

38.  [Buderus  36  ]

25.  1

do

Medailienn  Cabinet  #  „

39.  [Der  einzige

der  aus

dem

1  1  Ul  1  LU  11  g,  VI  VLLt-l  w  v*i  &amp;gt;-*  v,  tv.  -  O
bezeichnet.  (Siehe  oben  Entwurf  des  Kurfürsten.)  Enthielt  Akten  aus
dem  Geheimen  Cabinets-Archiv  und  ist  im  Verzeichnis  des  4.  Transportes, ­
  der  nach  Witzenhausen  ging,  richtig  mit  G  C  A  (=  Geheimes
Cabinets-Archiv)  N°  8  bezeichnet.  Das  Medaillenkabinett  war  in  die
Hände  der  Franzosen  gefallen.  Dieser  Kasten  muß  in  Foliobänden  die
Urkunden  und  Belege  zu  den  Rechnungen  der  Kabinettskasse  vom
Jahr  1786,  1787  und  1805  enthalten  haben,  die  in  Position  I,  2  bei
Lagrange  fehlen.]
,,  40.  [Buderus  29.]
„  19.  [Buderus  38  ]
„  20.  [Buderus  39.]
:  H:  N°  1  bemerkt;  so  wie  die  Folgenden  N°
H  N°  II  N°  21.  [Buderus  40.]
H  N°  111  22.  [Buderus  41.]
H  N°  IV  N°  23.  [Buderus  42.]
H  Ntt  V  N«  24.  [Buderus  43.]

26.

1

do  C.C.  „  41

27.

1

do  1  Kasten  ohne  Schloss

28.

1

dp  d°  d°

Dieser  Kasten  ist  noch  mit  G:  v

29.

1  Kasten  ohne  Schloss  G:v:

30.

1

do  „  „  G:v:

31.

1

dP  »  „  O:  v:

32.

1

dP  „  „  0:  v:
        <pb n="216" />
        14

209

33.
34.
35.
36.
37.
38.
39.
40.

1  Kästchen  S:  K:  D:  Z:  H  M  ,  rr&amp;gt;  ,
do  S  K-D  Z  H  I Pret :N°  10u.  11.[Buderus  16(=  10)und  15(=  11)]

1  ein  Rauher  Coffer  F:  v:  T:
1  ein  Kästchen  bloss  gezeichnet  mit  2.
1  d°  Coffer  in  Braunen  Leder
1  ein  rauher  neuer  Coffree
1  ein  Kästchen  C:  C:  N»  57
1  d»  dg.
41.  1  do  do  C:  de  Sch:
42.  1  Grosser  □  Kasten

N°  25.  [Buderus  44.]
No  42.  [Buderus  37  ]
No  14.  [Buderus  19.]
N°  15.  [Buderus  20.]
No  41.  [Buderus  C.  C.  Nr.  57.
No  13.  [Buderus  18.]
N°  12.  [Buderus  17  ]
No  16.  [Buderus  21.]

(gez.)  Wilhelm  Mensing

Abschrift  Erster  Transport  am  3Leu  Decbr:  1806.

N°
1.

200

Banqr:  Rothschild

2.

160

do

d°

3.

160

d«

do

4.

200

do

do

5.

160

do

do

6.

m

ohne  Bemerkung.

[Aus  Kasten  4  bei  Buderus.]

7.  Zinscoupons  ebenfalls  ohne  Bemerkung
8.  Pfalzbaiersche  Obligationen  [S.  Kasten  2  bei  Buderus.]
9.  Frankfurther  Zinscoupons.]  rl  .  n  ,
r  ^  [Aus  Kasten  7  bei  Buderus.]

in  den  blauen  Säcken  C.  L.  N“  6  [11—15
aus  Kasten  5  bei  Buderus],
Unterpfand  von  8000  Lbthlr:  und  5000  rf:
200/m:  rf:

10.

d«

do

11.

35  Banqr:  Michel

Simon

12.

200  d°  d°

do

13.

200  d°  d»

d°

14.

do  do

d“

15.

in  weis  Papier

,  marquirt

16.

50.  Bogen  Darmst.

Zinscoupon

17.

50.  „  do

do

18.

50.  „  d£

do

N

19.

50.  „  d°

d»

20.

50.  „  do

do

21.

50.1  do

do

22.

22  j  „  do

Landständ :

23.

100.  „  do

do

N

151
201
251
401
451

200.
250.
300.
450.
500.

1  Apr:  u:  1.  Octbr.
d°  ä  25  fl:
Zinsterm:  1.  Apr:  u.  1.  Octbr.

[Aus  Kasten  7  bei  Buderus  ]
        <pb n="217" />
        210

24.
N
25
N
26.
N
27.
M
28.
\1
29.
M
30.
31.
32.

33.
34.
35.

36.

101.

64.  I
50.
84.

Bogen  Darmst:  partialobligat:  ä  1000  fl:  im  24  fl:  Bus
zu  4°/o.  Zinsterm:  1  Apr.  u  1  Octb.
Zinscoupons  von  75000.  H:  Darmst:  part:  Obligat:
Zinsterm:  31.  März  u.  30  Sept
„  Landgräfl:  Darmst:  Zinscoupons  ä  22 , /z  fl:
Zinsterm:  30  Juny  u:  31.  Dec :
„  Hessen  Darmst:  Coupons

150.  „  Fürst!:  Fürstenberger  d°,  Zinsterm:  1.  Febr:  1.  Aug:
76  St:  [=  Stück]  Pfalz  Neuburger  Zinscoupons,  Zinsterm:  1.  Febr:
1.  Aug:
200  St:  Kaiser!:  König!:  Holländische  Obligat:,  Zinsterm:  1.  July.
—  Kaiser!:  König!:  holländ:  Coupons.
100.  Bogen  König!:  Dänische  Zinscoupons  zahlbar  des  Jahres
10  Febr:  10  Aug:
93.  König!:  Dänische  Zinscoupons  fällig  am  5.  May  u:  5.  Nov:
97.  Bogen  König!:  Dänische  Zinscoupons  fällig  am  5.  May  u:  5.  Nov:
124.  König!:  d°  d°  „  d°  fällig  am  1.  Apr:  u:
1.  Octbr:
55.  d°  d°  da  „  d°  „  „  20.  Juny  „
20.  Dec :

37.
38.
39.

40.
41.
42.
43.
M
44.
45.
46.

44.  Bogen  König!.  Dänische  part:  Obligat:  jede  über  600  fl:  im
24  fl:  Fus  Zinsterm:  25.  Jan:  25.  July.
80.  Nassau  Saarbrück:  Zinscoupons  fällig  am  15.  May  15.  Nov.
100.  St:  Lanständ:  Bayersche  Coupons  littra  B.  von  1802  bis  1813
et  resp:  1816.

110.  Bogen  d°  d°

Zinscoupons  ä  25  fl:  im  24  fl:  Fus  Zinsterm ­
  :  1.  März,  1.  Septbr

-Landständ:  d»

da  da

100.  St:  do  da

Obligat:  lit:  A.

100.  „  da  da

Zinscoupons  lit :  E.

100.  „  do  do

vollständige  Coup:  lit:  C.

150.  Kaiser!:  König!:  Zinscoupons  a  27  fl:  im  24  fl:  Fus,
Zinsterm:  1.  Juny  1.  Dec :

F.  F.  Fritzlar  A.  B.  C

et  D.

N
47.
48.
49.
50.
51.

-Contra  N°  1.
„  2.
„  ..  3.
..  4.
..  ..  5.

Hessenstein,  Heimrodt  &amp;amp;  Heynau
[Aus  Kasten  2  bei  Buderus  ]

W.  Mensing
Hauptmann
Richtig  abgeliefert
C.  W.  Lennep
Daß  diese  Abschrift  mit  dem  Original  in  allem  gleichlautend
wird  von  mir  bescheinigt.  Itzehoe  den  13.  November  1807
L.  S.  (gez.)  F  Schminke

sey

[Aus  Kasten  7  bei  Buderus.]
        <pb n="218" />
        211

[Die  mit  \|  markierten  Zinskupons  waren  schon  vor  dem  15.  November ­
  1807  in  den  Händen  des  Kurfürsten.  Letzterer  schickte  damals  den
Kr.-R.  Schminke  nach  Kassel,  um  sich  sämtliche  nach  dem  Verzeichnis  noch
fehlende  Kupons  zum  Transport  nach  Itzehoe  überliefern  zu  lassen.  Das
gräflich  Hessensteinsche  Vermögen  wurde  bei  dem  von  Geylingenschen
Archiv  in  Babenhausen  hinterlegt.]

2tr  Transport  [am  6.  Dez.  1806  in  Lenneps  Wohnung.  S.  62],
1.  Pq.  mit  [Staats-]Pappier[en]  von  der  Fr.  R.  Gräfinn  v.  Schlotheim  [aus
Kasten  38  bei  Buderus]

1.  —von  S™&amp;gt;  versiegelt  mit  Vollmachten  pp.  [zur  Übertragung  der  in  London
angelegten  Annuitätenkapitalien.  Aus  Kasten  38  bei  Buderus],
Die  Isenburg  Wächtersbacher  Obligation  von  den  Herrn  R.  R.  Schmerfeld
überschrieb,  aus  dem  Kasten  4  Schl.  N»  II  [bei  Buderus]

1.  Packet  von  Herz  Meyer  aus  Kasten  N°  II  [Das  Unterpfand  von  Herz  Meyer
füllte  mit  dem  Michel  Simons  den  Kasten  Nr.  5  des  Buderusschen  Verzeichnisses. ­
  Da  das  Unterpfand  des  Michel  Simon  im  1.  Transport  ging,
so  wurde  dasjenige  Herz  Meyers  vermutlich  einstweilen  in  den  Kasten  Nr.  2
gelegt,  aus  dem  ebenfalls  mehrere  Päcke  im  1.  Transport  gegangen  waren.]

(gez.)  W.  Mensing
Stolzingen  am  6t.  Decbr  1806.
Richtig  abgeliefert
(gez.)  C.  W.  Lennep

3 ter  Transport  [auf  den  Messinghammer.  S.  62]
von  denen  mir  vom  Ministerio  gnädigst  anvertraueten  effecten:  [Von
Mensing  in  seinem  Bericht  an  den  Kurfürsten  vom  12.  Nov.  1807
irrtümlich  als  4ter  Transport  bezeichnet].
No

1.

1.

Kästchen  C.  de  Sch.

XVII

2.

do  J.  S.  S.  XVIII

3.

1

Golfree  in  braun  Leder

XIX

4.

1.

rauher  neuer  Golfree

XX

5.

1.

Kasten  ohne  Schloss  G.  v.

H.  No

1

XXXIX

6.

1.

Kasten  ohne  Schloss  G.  v.

H.  N2.

2

XL

7.

1.

do  do  do

3

XLI

8.

1

do  do  d®.

4

XL11

9.

1.

d°  d°  do

5

XLIII

10.

1.

rauher  Coffree  F.  v.  T.

XL1V

Vorstehende  10.  Kisten  sind  an  uns  zur  weitern  Spedition  richtig  abgeliefert
worden.  Messinghof  den  Sept:  1806.  (gez.)  A.  H.Wilhelm!  (gez.)  Boettner
Stolzingen  am  8t.  Decbr.  1806.  (gez.)  W.  Mensing
Hauptmann

14*
        <pb n="219" />
        212

[Die  neun  ersten  Kisten  und  Koffer  enthielten  Sachen  der  Reichsgräfin  Karoline ­
  von  Schlotheim,  der  lOte  Koffer  solche  der  Frau  Majorin  v.  Thümmel.
Die  römischen  Ziffern  rechts  sind  identisch  mit  den  Nummern  des  Buderusschen
  Verzeichnisses.]

[Vierter  Transport]
[nach  Witzenhausen-Münden-Eisenach,  von  Mensing  in  seinem
Bericht  an  den  Kurfürsten  vom  12.  Nov.  1807  (Marbg.:  Mensing
S.  96)  irrtümlich  als  3tter  Transport  bezeichnet.  S.  62  f.]
Nach  Wietzenhausen  sollen  gehen,  nach  der  dort  [in  Kassel]  in  Händen
habenden  Designation
N°  2.  der  Designation  gezeichnet  »  »

..  8  ..

„  „

,,

„  VIII

9

„  „

„

„  IX

„  to  „

1  die  werden  oder  sind

„  XV

..  11  &amp;gt;,

|  die  pretiosa  S  K  D  Z  H

„  XVI

„  16  der

grosse  Kasten

»  »

xxi

„  31  ein

Kasten  mit  4  Schlösser  d°  „  C.  C.  [=  Cammer  Gasse]  Ltr.  F

39  ein  Kistchen  gezeichnet  G.  C.  A.  [---  Geheimes  Cabinets  Archiv]  N»  8.
41  ein  d?  d°  C.  C.  [=  Cammer  Gasse]  N°  57
42  ein  d?  blos  gezeichnet  mit  2.  dies  ist  der  offene  [Buderus  37]
[Folgt  Bleistiftnotiz  :]  41  ist  der  welcher  in  gegenwart  des  H.  GKRL:
[=  Lennep]  aufgefeilt  wurde,  Es  ist  also  dies  zu  bemerken,  daß  der  noch  hier
ist,  und  57  mitgeschickt  ist.  Machen  Sie  sich  noch  ein  solches,  und  dan
Quittiren.  Mg  [Mensing.]
[Die  rechts  stehenden  römischen  Ziffern  und  sonstigen  Bezeichnungen
sind  identisch  mit  den  Nummern  und  sonstigen  Bezeichnungen  des  Buderus,
nur  sind  die  Nummern  XV  und  XVI  verwechselt.  Die  links  stehenden
arabischen  Ziffern  sind  identisch  mit  den  rechts  stehenden  Ziffern  der
Mensingschen  Designation.]

[Fünfter  Transport]
Nachweisung  über  den  Inhalt  derjenigen  Kisten,  welche  sich
dermalen  noch  in  Frankfurt  bey  dem  Legations  Rathe  Jordis  in
Verwahrung  befinden:
Die  Kisten  enthalten:
N»  1.)  Wochen  Consumtions  und  Cabinets  Gassen  Rechnungen  [von  der
Löwenburg,  eine  der  Kisten  30—36  bei  Buderus]
        <pb n="220" />
        213

N=  2.)  Kriegs-  und  andere  Etats;  auch  summarische  Extracte  aus  dem
geh.  Cabinets  Archive.
N°  4.)  Etats  aus  dem  Cabinets  Archive
Einen  Theil  vom  Cabinetsarchivsrepertorio.
[Kiste  2  und  4  wohl  identisch  mit  1  und  6  (nördl.  Schloßflügel)  bei
Buderus  =  Position  1  und  2  im  Verzeichnis  des  Kurfürsten.  Kiste  3
siehe  im  folgenden  Verzeichnis  Position  5.]
No  5.)  Manualien  und  Sumarische  Extracte  von  der  Ober  Rent
Camer  Gasse.
No  6.)  Rechnungen  und  sumarische  Extracte  von  der  Ober  Rent  Carrier.
No  7.)  Sieben  Päcke  mit  Cautioner,  von  derselben.
Bemerkung:  Die  Päcke  sub  E.  u.  Q.  mit  dergleichen  sind
abgenomen,  und  in  den  Verschlag  sub  n£.  18  gelegt  worden.
No  8.)  Cautions  Instrumente  von  der  Ober  Rent  Carrier  im  Packet
sub  J  und  wahrscheinlich  dergl.  in  den  ohneröfneten  Packets
sub  A.  L.  P.  Q.  R.  S.  T.  U.  V.  W.  X.  Y.  sodann  Beylage  ad  G.
No  9.)  Vier  Päcke  mit  Obligationen  und  andern  Urkunden  vom
Stifte  Fritzlar;  auch  Cautionen  von  den  Ämtern  Zierenberg
&amp;amp;  Ziegenhayn.
No  10.)  |  Journale  von  der  OR  Carrier  Gasse,  und  Zwey  Päckchen  mit
u.  Urkunden  von  dem  Stifte  Fritzlar;  sodann  Capitalien  Etats
No  11.  J  von  1801  bis  inch  1805.
No  12.)  Diverse  Geh.  Cabinets  Archivs  Sachen,
No  13.)  Acten  aus  dem  Geh.  Cabinets  Archive,  unter  andern  Vermählungs
  Acten  und  Journale,  sodann  Einen  Zweyten  Band  vom
Geh.  Cabinets  Archivs  Repertorio.
No  14.)  Acht  Kapseln  mit  einzelnen  Acten  und  Journalen,  aus  dem
Geh.  Cabinets  Archive,  Seelen-Listen  v.  den  Jahren  1803.
1804.  &amp;amp;  1805.  sodann  4  Päcke  mit  Menschen-  und  Viehstands
Listen.
No  15.)  Seelen  Listen,  Quartals  Extracte  Etats  u.  s.  w.  aus  dem  Geh.
Cabinets  Archive.
No  16.)  Acten  aus  dem  Geh.  Cabinets  Archive.
No  17.)  Etats  und  Correspondenzen  daher.
No  18.)  Die  Päcke  sub  E.  und  G.  aus  der  Kiste  sub  7.)  sodann
drey  Päcke  mit  Cabinets  Gassen  Rechnungen,  [9]  Kriegs  I  [Von  der
und  [4]  Cabinets  Gassen  [Kapitalien-]Handbüchern,
auch  ältere  Concepte  zum  Kriegs  Etat  j  t, e f  Buderus  ]
[No  19)  s.  S.  215.]
Carlshausen  d.  28.  Juni  1807

&amp;lt;
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C/3  PO
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(gez.)  Buderus  von  Carlshausen
(gez.)  Galland
        <pb n="221" />
        Verzeichnis  der  aus  den  beym  Legations  Rath  Jordis  in  Frankfurth ­
  aufbewahrten  Kisten,  von  den  Unterzeichneten,  gemeinschaftl.
abgenommenen  Sachen:
Bemerkungen
1.  )  Die  Caution  für  den  in  Cassel  verstorbenen  Ober  Rentmeister
Capitaine  Haussmann  mit  sämtl.  Anlagen.
2.  )  Neun  Kaiser!  Östreich.  Bethmannsche  Obligationen  mit  den
Zins  Coupons  über  1000  fl  im  20  fl  füs  jede;  dem  Stifte  Fritzlar
gehörig.
3.  )  für  die  Camer  Sportel  Gasse:
a.  )  Sechs  Landschaft!.  Bayersche  Obligationen  jede  über  500  fl.
ohne  Zins  Coupons,  welche  sämtl.  den  Iten  Septbr  1807  fällig  sind.
b.  )  Eine  König!.  Dänische  Bethmannsche  Oblig.  vom  löten  Juny
1802.  über  1/m  fl  im  20  fl  füs  mit  Zins  Coupons
c.  )  Sieben  dergl.  vom  2»  Aug.  1802.  jede  über  1/m  fl.  im  20  fl.
Füs,  mit  Zins  Coupons.
d.  )  Sieben  dergl.  vom  1.  May  1806.  jede  über  2  fl.  im  20  fl.  füs
mit  den  Zins  Coupons.
e.  )  fünf  dergl.  vom  IW  May  1806.  jede  über  500  fl.  im  20  fl  füs
mit  Zins  Coupons.
f.  )  drey  Herzog!.  Mecklenburgsche  Obligationen  vom  U  Aug.  1804.
jede  über  1/m  rf  in  Ld’or  mit  den  Zins  Coupons,
g)  drey  dergl  vom  11  Sept.  1804.  jede  über  1/m  rf  in  Louisd’or
mit  den  Zins  Coupons. 1 )
4)  Zwey  Päcke  mit  Mili-  \  Diese  hat  der  Geh.  Kriegsrath  Buderus  v.  Carlstair
  Wittwen  Gassen  |  hausen  zur  Bewürkung  der  oft  erforderlichen
Obligationen  [aus  Kiste  Umtauschungen  bey  den  Unterpfändern  ab  und
Nr.  18]  I  zu  sich  in  Verwahrung  genommen.

072
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3  2.
SS
o

O.  =;  XJ
2  P  2
F  3  Z.

5.)  Die  Kiste  mit  N°  3  bezeichnet, ­
  in  welcher  sich,  zu  den
Unterpfändern  der  Finanz
Räthe  Ruppe»  et  Harnier
noch  gehörige  Obligationen
befanden  [Weiteres  enthielt
diese  Kiste  nicht.]

Diese  Oblig.  sind  dem  Arch.  Galland  zur
Ablieferung  an  den  Geh.  Kriegs  Rath
Lennep  zur  Vollendung  des  ihm  gdgst
übertragenen  Geschäfts  [betreffend  die
Unterpfänder  von  4  Bankhäusern]  in
Sechs  Päcken  ausgehändigt  worden.

r)  Die  Nominalsumme  der  Obligationen  von  der  Oberrentkammcr-Sportelkasse
  belief  sich  auf  34  800  fl.  Buderus  fragte  unterm  28.  Juni  1807
bei  der  Oberrentkammer  an,  ob  diese  Obligationen  zur  Erhebung  der  Zinsen
für  den  Kurfürsten  überlassen  werden  könnten.  Unterm  23.  November  1807
brachte  er  die  Sache  in  Erinnerung,  erhielt  aber  keine  Antwort,  weil  man  in
Kassel,  wie  es  scheint,  die  Kammersportelkasse  als  ein  Privatinstitut  ansah.
S.  Buderus’  Rechnung  1807  S.  43  f.
        <pb n="222" />
        V;

215

6.)  Der  Haupt  Kriegs_Etat  vom  Jahr  1806.
Der  Ober  Rent  Gamer  Etat  vom  Jahr  1806.
Der  Hanauer  Gamer  Etat  vom  Jahr  1806  u
Der  Aemter  Etat  vom  Jahr  1806.
[Aus  Kiste  2  ?]]

N"  7.

Bemerkungen
Diese  Etats  hat  der  Geh.
Kriegsrath  Buderus  v.  Carlshausen ­
  zur  Ablieferung  an
Se  Kurfürstl.  Dchl.  zu  sich
genomen.

No

Ein  Capitalien  Etat  von  der
Rent  Gamer  in  Hanau  de  1806.  [  allenfalls  nöthigen  Gebrauch  zu
[Aus  Kiste  2?]  j  rückbehalten.
8.)  Zwey  Päcke  mit  Staats  Papieren  zum  Civil
Wittwen  Institut  gehörig,  worüber  der  geh.
Kriegs  Rath  Buderus  v.  Carlshausen  vorhin
eine  Bescheinigung  gegeben  hat
N8  9.)  Einen  dergl.  mit  Hofhospitals  Obligationen.
N“  10.)  Einen  dergl.  mit  Obligationen  vom  Hofgerichts
Deposito.
No  11.)  Einen  dergl.  mit  Ordens  Obligationen.
NB  Über  die  Päcke  sub  8.  9  et  10.  [soll  wohl
heißen:  9.  10  et  11]  hat  der  vorbemelte  Geh.
Kriegsrath  ebenfalls  Bescheinigungen  ertheilt.
Ein  Päckchen  mit  Cautions  \  Ist  vom  Kriegs  Rath  Gschwind  zurück-Obligationen
  vom  Steuer  j  verlangt  u.  dem  Arch.  Galland  zur  Aus-Collegio,
  bezeichnet  «.  [aus  j  händigung  an  denselben  mitgegeben
Kiste  Nr.  18J  I  worden.

12.)

Diesen  Etat  hat  derselbe  zum

[Kam  alles  aus  Kiste
Nr.  18.]
Sind  sämtl.  vom
Geheimen  Referendario
  Regs  Rath
Schmerfeld  zurückverlangt ­
  u.  dem
Archiv.  Galland  zur
Abgabe  an  denselben ­
  ausgehändigt
worden.

Die  Richtigkeit  dieses  Verzeichnisses  und  der  darnach  an  mich  abgegebenen ­
  Sachen  bescheinige  ich.  Carlshausen  d.  28l  Juny  1807
(gez.)  Buderus  von  Carlshausen.
Die  Richtigkeit  dieses  Verzeichnisses  und  der  hiernach  an  mich  abgegebenen ­
  Sachen,  bescheinige  ich.  Carlshausen  d.  28^  Juny  1807.
(gez.)  Galland.
[Es  waren  also  damals  noch  18  Kisten  bei  Jordis,  von  denen  eine
(Nr.  3)  abgeführt  wurde.  Die  Kiste  Nr.  19  war  bereits  früher  nach  Kassel
zurückgegangen :]
Einen  von  Frankfurt  wieder  anhero  geschickten  verschlossenen  coffre
[Nr.  19  des  Transportes,  aus  Reihe  22—29  bei  Buderus]  mit  coupons  und
Rechnungen  etc  wozu  ich  den  Schlüssel  habe,  zur  weiteren  Besorgung  [an
den  Kurfürsten]  zugestellt  erhalten  zu  haben:  bescheinigt  hierdurch.
Cassel  d.  261  Apr.  1807.
(gez.)  C  W  Lennep  [Marburg  Schmerfeld  Bl.  27].
[Somit  verblieben  bei  Jordis  noch  17  Kisten.  Bei  der  Revision  am
28.  Juni  1807  hatte  man  offenbar  neben  anderem  auch  die  Absicht,  alle  beiläufig ­
  in  die  Jordisschen  Kisten  gelangten  Staatspapiere  und  Kupons  herauszunehmen ­
  und  an  die  geeignete  Stelle  zu  bringen  ]
        <pb n="223" />
        216

Verzeichnis  der  [von  Lagrange]  abgelieferten  Cassen-Literalien.
[Alles,  was  aus  diesem  Verzeichnis  nicht  bei  Buderus  nachweisbar
ist,  muß  vorbehaltlich  etwaiger  Ungenauigkeiten  oder  Irrtümer  in
den  Akten  selbst  dem  Fronton  des  Wilhelmshöher  Schlosses  entnommen ­
  worden  sein,  so  vor  allem  die  sämtlichen  Kabinetts-Kassen-Akten.]

I.  Von  der  Cabinets-Casse:
1)  der  Cassen-Etat  de  1806  in  8vo  in  rothen  Saffian  gebunden,  welcher
auf  Verlangen  des  Geh:  Kriegsraths  Buderus  von  Carlshausen  an  diesen
besage  der  originaliter  anliegenden  Bescheinigung  abgegeben  worden.
2)  67  folio  Bände  Urkunden  und  Rechnungs-Belege  zu  den  Rechnungen
de  1788,  1789,  1790,  1791,  1792,  1793,  1794,  1795,  1796,  1797,  1798,  1799,
1800,  1801,  1802,  1803  &amp;amp;  1804.
[Stammten  aus  dem  Fronton  des  Wilhelmshöher  Schlosses.  Mensing
rettete  nur  einen  Kasten  aus  dem  Fronton,  Nr.  25  seiner  Designation,
und  in  diesem  müssen  sich  die  Jahrgänge  1786,  1787  und  1805  befunden
haben.]
3)  3.  Convolute  Urkunden  und  Belege  zu  der  Rechnung  de  1806.  [Wurden
im  April  1807  durch  den  Archivarius  Galland  dem  Kurfürsten  überbracht.]
4)  1.  ConvolutRechnungs-Extracte,  erläuterte  Notamina  und  sonstigePapiere.

II,  von  der  Kriegs-Casse.
1)  Kriegszahlamts-Rechnungen  de  1786,  1788,  1793,  1794,  1795,  1796,  1797,
1802  u.  1804.  [Mit  Ausnahme  von  1804  stammen  diese  Rechnungen
aus  Kasten  Nr.  10  bei  Buderus  ]
2)  Kriegs-Zahlamts-Manualien  de  1787,  1788  [beide  aus  Kasten  Nr.  10  bei
Buderus],  1789  [aus  Kasten  Nr.  13  bei  Buderus],  1790  [aus  Kasten
Nr.  10  bei  Buderus],  1796,  1797,  1798,  1799,  1800,  1801,  1802  [alle  sieben
aus  Kasten  Nr.  12  bei  Buderus],  1803  [aus  Kasten  Nr.  13  bei  Buderus],
u.  1804  [nicht  nachweisbar  bei  Buderus].
3)  Kriegs-Zahlamts-Journale  de  1786,  1789,  1794,  1795,  1796,  1797,  1798,
1799,  1800,  1801,  1802,  1803,  u.  1804  [1789  aus  Kasten  Nr.  11,  1796  bis
1803  aus  Kasten  Nr.  14  bei  Buderus.  1786,  1794,  1795  und  1804  bei
Buderus  nicht  nachweisbar].
4)  Kriegs-Zahlamts-Controllen  de  1786,  1788,  1789,  1790,  1791,  1792,  1793,
1794,  1795,  1796  [alle  zehn  aus  Kasten  Nr.  11  bei  Buderus],  1797,  1798
[beide  aus  Kasten  Nr.  13  bei  Buderus],  1799  [Tom.  1.  2  aus  Kasten
Nr.  11,  Tom.  3  aus  Kasten  Nr.  10  bei  Buderus],  1800,  1801,  1802  [alle
drei  mit  je  2  Bänden  aus  Kasten  Nr.  14  bei  Buderus],  1803  [Irrtum,  siehe
Kasten  Nr.  9  bei  Buderus]  u.  1804  [nicht  nachweisbar  bei  Buderus].
        <pb n="224" />
        217

5)  Berechnungs-Bücher  de  1781  [nicht  nachweisbar  bei  Buderus],  1796,
1797,  1798,  1799,  1800,  1801,  1802,  u.  1803  [alle  acht  aus  Kasten  Nr.  14
bei  Buderus].
6)  ein  Register  in  toi.  über  sämtliche  für  Rechnung  der  Kriegs-Casse  ausgeliehenen ­
  zinsbaren  Capitalien,  auch  Vorschüsse  de  1782  [aus  Kasten
Nr.  12  bei  Buderus].
7)  ein  dergleichen  neueres  ohne  Jahreszahl,  bis  incl.  1802.  gehend  [ebenfalls ­
  aus  Kasten  Nr.  12  bei  Buderus.  Wurde  im  April  1807  durch  den
Archivarius  Galland  dem  Kurfürsten  überbracht].
8)  Kriegs-Gassen  Zinsen-  und  Capitalien  Rechnung  de  1799  [vermutlich
aus  Kasten  Nr.  11  bei  Buderus],
9)  Controlle  über  den  Vorrath  u.  Capitalien-Rechnung  bey  der  Kriegs-Casse
  de  1789  [aus  Kasten  Nr.  10  bei  Buderus],
10)  Repertorium  über  die  aus  der  Carlshafer  Lazareth-Casse  ausgeliehene
Capitalien  de  1782.  bis  1800  gehend  [aus  Kasten  Nr.  11  bei  Buderus],
11)  Acta  über  die  sumarischen  Berechnungen  der  monathlichen  Einnahme
u.  Ausgabe  bey  der  Kriegs-Casse  de  1802,  1803,  1804,  1805,  &amp;amp;  1806
[aus  Kasten  Nr.  11  bei  Buderus],
12)  ein  Convolut  monathliche  Cassen-Abschlüsse  de  1799  bis  incl.  Aug:  1806.
13)  ein  dergleichen  Ab-  und  Zugans-Extracte,  auch  summarische  monathliche
Rechnungs-Extracte  der  Kriegscasse  de  1796  bis  incl:  Septbr:  1806.

III  Die  Camercasse  btr:
Sumarischer  Extract  der  Einnahme  und  Ausgabe  bey  der  Cammercasse
  de  1804  &amp;amp;  seq:
[Im  April  1807  durch  den  Archivarius  Galland  dem  Kurfürsten  überbracht.]

IV.  Generalia.
General-Gassen  Rapporte  de  1806  [Im  April  1807  durch  den  Archivarius
Galland  dem  Kurfürsten  überbracht].
        <pb n="225" />
        218

[2.  Schreiben  der  M.  A.  Rothschild  &amp;amp;  Söhne  vom
12.  Mai  1814,  Carlshausensches  Archiv.]
Hochwohlgebohrner
gnädiger  Herr  Geheime  Rath!
Hochdieselben  haben  die  Gnade  gehabt,  uns  die  Anzeige  zu  machen,
dass  in  den  nach  Cassel  beförderten  Kisten  mit  Akten  sich  Darmstättische
  Zins  Coupons  vorgefunden  hätten,  und  tragen  uns  auf,
Ew.  Hochwohigeborne  das  Näheren  zu  unterrichten,  wie  diese  Coupons ­
  in  die  Kisten  hin  ein  gekommen  wären.
Wir  müssen  Ew.  Hochwohigeborne  an  den  Vorfall  erinnern,
der  Hochdenenselben  noch  nicht  aus  den  Gedächtnis  gekommen
seyn  wird,  als  vor  etwa  sechs  bis  sieben  Jahren  unser  Haus  mit
Gewalt  durchsucht  wurde,  und  man  sich  das  darinn  befindliche
Eigenthums  Seiner  Kurfürstlichen  Durchlaucht  bemächtigen  wollte.
Als  wir  nun  in  der  Verwirrung  die  ein  solches  Ereignis  zur
Folge  haben  musste  auf  nichts  anderes  bedacht  hatten  als  wie  nur
das  uns  gnädigst  anvertraute  Gut  mit  der  größten  Schnelligkeit
in  Sicherheit  gebracht  werden  konnte,  als  wir  deshalb  ohne  Bedenken ­
  unser  ganzes  Haus  Preis  gaben  und  eigenen  Verlust  gering
achteten,  wenn  es  uns  nur  gelänge,  das  Kurfürstliche  höchste
Eigenthum  zu  retten,  da  geschahe  es  daß  diese  Coupons  mit  in
die  Kisten  kamen  und  mit  denselben  auf  die  Seite  geschafft  wurden.
Ew.  Hochwohlgebohrnen  wissen  daß  wir  in  frühern  Zeiten
für  den  Darmstättischen  Hof  ein  Anlehen  negocirt  haben,  wir
brachten  nicht  alle  Obligationen  an  Mann,  und  sandten  also  selbe
zurük  indem  wir  jedoch  die  Coupons  dieser  nicht  begebenen  Obligationen ­
  bei  uns  behielten  damit  von  den  Papieren  kein  Gebrauch
gemacht  werden  könne.
Diese  Coupons  sind  die  Nähmliche  welche  sich  in  den  Actenstüken
  nun  mehr  gefunden  haben,  und  welche  Ew.  Hwohlgebornen
gelegentlich  an  uns  retourniren  zu  lassen  die  Gnade  haben  wollen.
Wir  bitten  Hochdieselben  um  Vergebung  der  Mühe  die  wir
dadurch  verursachen,  und  haben  die  Ehre  mit  ausgezeichneter
Hochachtung  zu  verharren
Ew.  Hochwohlgebornen
gehorsamste  Diener
Ffurt  den  12.  Mai  1814.  .  :  Mayer  Amschel  Rothschild  &amp;amp;  Söhne
[Äußere  Adresse:]  Sl  Hochwohlgebohren
Dem  Kurfürstl.  Hessischen  Herrn  Geh.  Rath  Freyherrn
von  Carlshausen

Hessen-Cassel
        <pb n="226" />
        219

[3.  Gesellschaftsvertrag  zwischen  Meyer  Amschel  Rothschild, ­
  Amschel  Mayer  Rothschild,  Salomon  Mayer
Rothschild  und  Carl  Mayer  Rothschild.  27.  September ­
  1810.  Stadtarchiv  Frankfurt  a.  M.:  Protocollum  Notariate  der
Judenschaft  T.  2,  S.  42,  Nr.  235.]
Erschienen  vor  uns  Gemeindeschreiber  Dr  Wüstefeld  und  den
beiden  Zeugen  Herrn  Jacob  Ritter,  und  Heinrich  Ludwig  Wolfarth
der  hiesig  jüdische  Hofagent,  und  Banquier  Herr  Meyer  Amschel
Rothschild,  und  von  dessen  Söhnen  Herr  Amschel  Meyer,  ferner
Herr  Salomon  Meyer,  und  Herr  Callmann  Meyer  Rothschild,  mit
der  Erklärung  von  Seiten  des  H.  Meyer  Amschel  Rothschild,  und
seiner  beyden  gegenwärtigen  älteren  Söhnen,  daß  sie  die  unter  Ihnen
schon  früher  hier  bestandene  Societaet  1)  nunmehro  auch  auf  ihren
respect.  Sohn  und  Bruder  Callman  ausgedehnt  hätten;  die  Comparenten
  producirten  einen  unter  sich  Abgeschlossenen,  aber  noch
nicht  unterschriebenen  Vertrag  mit  der  Bitte  denselben  dem  Gemeindeschreibereiprotocoll
  einzuverleiben  und  die  fünffachen  Ausfertigungen ­
  jenes  Contracts  zu  beglaubigen,  nachdem  sie  Comparenten
  solche,  so  wie  gegenwärtiges  protocol!,  unterzeichnet  hätten.

Tenor  des  Contracts.
Kund  und  zu  wissen  sey  hiermit  Allen  denen,  welche  es  zu
Wissen  nöthig,  und  nützlich  ist,  daß  nach  dem  bisher  zwar  zwischen
den  hiesigen  Jüdischen  Banquiers  Herrn  Meyer  Amschel  Rothschild,
und  dessen  beyden  längst  verheuratheten  Söhnen,  nemlich  Herrn
Amschel  Rothschild,  und  Herrn  Salomon  Rothschild  eine  Handlungs
Societaet  wirklich  bestanden  nunmehro  aber  in  derselben  mehrere
Veraenderungen  vorgenommen  werden  müssen,  unter  nachbenannten
gegenwärtigen  Associejs]  dieser  Handlung  für  sich  und  ihre  Erben
folgender  aufrichtiger,  wohlüberlegter  neuer  Gesellschaftsvertrag
unwiederruflich  verabredet  und  geschlossen  worden  seye.
Es  Erklären  und  bekennen  demnach  sämmtliche  nunmehrige
Gesellschafter  dieser  neuen  Handlungs  Ragion,  welche  nächstens
unter  der  Firma  Meyer  Amschel  Rothschild  und  Söhne  an  hiesiger
Handlungs  Börse  nach  gewöhnlicher  Ordnung  bekannt  gemacht
werden  soll;  nemlich
        <pb n="227" />
        220

a)  der  Herr  Meyer  Amschel  Rothschild
b)  der  Herr  Amschel  Rothschild
c)  Salomon  Rothschild
d)  Callomon  Rothschild  hiermit,  daß
I  ihre  gegenwärtige  Handlungs  Gesellschaft  von  dem  heutigen  Page
an  zehn  nach  einander  folgende  Jahre  unaufkündbahr  dauern,  und
II  der  gegenwärtige  Handlungsfond,  er  bestehe  in  was  er  wolle,
in  Waaren,  Ausständen,  Hypotheecken,  Wechseln  Obligationen,
oder  baarem  Gelde,  nichts  davon  ausgenommen,  den  benannten
Gesellschaftern  und  einem  jeden  derselben  nach  dem  unten  bestimmt
festzusetzenden  Verhältnis  seiner  in  der  Handlung  besitzenden
Capitals  und  Gewinnstantheils  als  alleiniges  Eigenthum  ausschließlich ­
  zugehöre,  und  daran  von  Niemand  anders  irgend  ein  Anspruch
gemacht  werden  könne.  Sämmtliche  Associes  erkennen  nicht  weniger
III  gegenseitig,  daß  nemlich
1)  Herr  Meyer  Amschel  Rothschild  die  Summe  von  dreimal  hundert
Siebenzig  tausend  Gulden  des  24  Fußes  schreibe  370  000  f  als
besonderes  Handlungs  Capital
2)  Herr  Amschel  Rothschild  die  Summe  von  Einmal  hundert  Achzig
fünf  tausend  Gulden  des  24  f.  Fußes  schreibe  185  000  f  als  besonderes ­
  Handlungs  Capital
3.  Herr  Salomon  Rothschild  die  Summe  von  Einmahl  hundert
Achzig  fünf  tausend  Gulden  des  24  f.  Fußes  schreibe  185  000  fl  als
besonderes  Handlungs  Capital
4.  Herr  Callmann  Rothschild  aber  die  Summe  von  dreißig  tausend
Gulden  schreibe  30  000  f  desselben  Fußes  als  Handlungs  Capital
-  welches  sich  erstere  drei  Herrn  Associe  als  Gesellschafter  der
vorigen  Raggion  erworben  und  letzterer  Herr  Associe  nemlich
Herr  Callmann  durch  besondere  Geschäfte  verdient  hat  : 1  in  dem
Handlungsfond  der  Societaet  eigenthümlich  besitzen.
Von  diesem  Handlungs  Capital  Selbsten  verbinden  sich
IV  sämtliche  Herrn  Gesellschafter  den  Herrn  Meyer  Amschel  Rothschild ­
  allein  ausgenommen,  welcher  sich  die  Freyheit  nach  Wohl-
        <pb n="228" />
        221

gefallen  herraus  zunehmen  ausdrücklich  vorbehällt,  während  der
Dauer  der  Societaet,  außer  dem  jährlichen  Gewinste  und  Haushaltungs
  Gebrauch,  nichts  aus  der  Handlung  zu  nehmen.
V  Da  sich  nun  sämmtliche  Herrn  Gesellschafter  nach  Abzug  der
Handlungs  Unkosten  über  die  Gewinstantheile  verstanden,  und
diese  nach  billigen  Verhältnissen  getheilt  haben  so  renonciren  dieselbe ­
  auf  jede  Verzinsung  ihrer  besondern  Handlungs  Capitalien,
und  wollen  sich  Gegenseitig  mit  den  ihnen  zugestandenen  Gewinstantheilen ­
  begnügen.
VI  Sie  erkennen,  und  Versprechen  nicht  weniger  Gegenseitig  daß
die  weilen  ihr  respec  Sohn,  und  Bruder  Jacob  Rothschild  durch
gewissenhafte  Erfüllung  der  ihm  von  der  Ehemaligen  Societaet
anvertraut  gewesenen  und  auch  durch  eigne  Geschäfte  bereits  ein
besonderes  Capital  von  dreißig  tausend  Gulden  erworben  habe,
welches  Capital  von  30  000  f  in  Ihrer  Handlung  ruhen,  demselben
bis  zu  seiner  erlangten  Großjährigkeit,  jedoch  unverzinslich  aufgehoben, ­
  und  daß  nicht  weniger  er  Selbsten,  nemlich  der  Herr
Jacob  Rothschild  nach  erlangter  Majorennitaet  mit  dem  unten  zu
bestimmenden  Gewinst  Antheil  ebenfalls  in  die  Handlung  als  Associe
aufgenommen  werden  solle.
VII  Die  Gewinstantheile  sämmtlicher  Associe  sind  mit  Gemeinschaftlicher ­
  Uebereinstimmung  und  zu  Gegenseitiger  Zufriedenheit
dahin  regulirt  worden,  daß  man  das  Ganze  aus  50  Theilen  bestehend, ­
  ansehen  soll,  und  von  diesen  50  Theilen  des  Gewinstes,
oder  Verlustes
a)  Herr  Meyer  Amschel  Rothschild  vier  und  zwanzig  Theile
b)  Herr  Amschel  Rothschild  zwölf  Theile
c)  Herr  Salomon  Rothschild  zwölf  Theile
d)  Herr  Callmann  Rothschild  Einen  Theil  am  Gewinn,  und  Verlust
erhalten,  und  respective  leiden,  auch
e)  der  dereinstige  Associe  Herr  Jacob  Rothschild  statt  eines  Salairs
für  seine  beschwerliche  Reisen  in  Handlungs  Angelegenheiten  ebenfalls ­
  einen  Theil  der  sämmtlichen  50  Gewinn,  und  Verlust  Antheilen ­
  erhalten,  und  respective  Erleiden,  nach  seiner  Majorennitaet
aber  diesen  nemlichen  Antheil  als  Associe  bekommen  soll.
        <pb n="229" />
        *  **&amp;lt;i  *  **

'x.  '&amp;gt;  &amp;gt;  fir-  &amp;gt;•&amp;gt;.

—  222  —
VIII  Die  Handlungsfirma  erhalten  sämtliche  Herrn  Associes,  wobey
es  sich  jedoch  übrigens  von  Selbsten  versteht,  daß  keiner  derselben ­
  irgend  ein  Geschäft  ohne  Vorwissen  der  andern  Unternehmen,
Ausführen,  oder  Geld  Aus  der  Gasse  nehmen  könne.
IX  Inventarien,  und  Bilanzen  der  neuen  Handlung  sind  an  keine
Zeit  gebunden  sollen  jedoch  immer,  sobald  es  die  Geschäften
erlauben,  gefertiget  werden.
X  Gleichwie  nun  Aber  der  Herr  Meyer  Amschel  Rothschild  mit
Hülfe  des  Höchsten  durch  seinen  von  Jugend  auf  bewiesenen
Fleiß,  Handlungs  Einsichten,  und  bis  in  das  hohe  Alter  fortgesetzte
rastlose  Tätigkeit  Allein  den  Grund  zum  Flor  der  gegenwärtigen
Handlung  gelegt,  und  dadurch  das  Zeitliche  Glück  seiner  Kinder
geschaffen  hat,  so  ist  es  gewiß  von  der  höchsten  Billigkeit,  daß  sich
derselbe  als  eigentlicher  Chef  und  nunmehriger  Associe  der  Handlung
conservirt,  ins  besondere  aber  bey  allen  Geschäften  die  entscheidende
Stimme  vorbehällt,  und  auch  hiermit  noch  ferner  das  Recht  vorbehalten ­
  haben  will,  nemlich
1)  Ausschließlich,  und  nach  eigenem  Wohlgefallen,  wenn  es  ihm
belieben  wird,  Auch  während  dem  Laufe  der  Zeit  des  Kontrakts
aus  der  Handlung  zu  tretten.
2)  Alle,  und  Jede  zum  personale  der  Handlung  gehörige  Individuen
nach  eignem  Gefallen,  anzunehmen,  und  abzudancken
3)  Nach  mit  dessen  Einwilligung  geschehener  Verheirathung  seiner
beyden  Söhnen  Herrn  Galmann,  und  Herrn  Jacob  Rothschild  zu
Gunsten  eines  Jeden  derselben  über  sechs  fünfzig  Theile  verfügen
zu  können,  sodaß  wenn  sich  Herr  Galmann  Rothschild  verheirathet,
noch  vierzig  drei  fünfzig  Theile  restiren,  wovon  dem  Herrn  Meyer
Amschel  Rothschild  zwanzig  Ein  und  Ein  halb  fünfzig  Theil  dem
Herrn  Amschel  Rothschild  zehn,  und  drei  quart,  und  dem  Herrn
Salomon  Rothschild  ebenfalls  zehn,  und  drei  quart  fünfzig  Theile
zuhören,  und  wenn  sich  Herr  Jacob  Rothschild  ebenfalls  Verheirathet
noch  dreißig  acht  fünfzig  Theile  für  die  drei  Associes  nemlich  dem
H.  Meyer  Amschel,  Herrn  Amschel,  und  H.  Salomon  Rothschild
übrig  bleiben,  wovon  Meyer  Amschel  Rothschild  Neun-Zehn,  Herrn
Amschel  Rothschild  neun  und  ein  halb,  und  Herrn  Salomon  Rothschild ­
  neun  und  ein  halb  fünfzig  Theil  eigenthümlich  gehören  werden.
        <pb n="230" />
        223

4)  Er  behällt  sich  nicht  weniger  vor,  nach  seinem  Austritt  aus  der
Handlung  oder  /:  welches  Gott  noch  lange  Abwenden  wolle:  /  seeligen
Absterbens  über  seinen  Handels  Antheil  zu  Disponiren,  und  zu
Gunsten  seiner  Söhne  nach  Willkühr  zu  verfügen.
XI  Es  haben  auch  Herr  Callmann,  und  Herr  Jacob  Rothschild  ihr
von  derselben  Herrn  Vater  dereinstig  zu  erhaltendes  Heuraths  Gut
ebenfalls  unverzinslich  in  die  Handlung  zu  geben.
XII  Auf  den  Fall,  dass  einer  der  Herrn  Associes  während  der  Dauer
des  Contracts  versterben  sollte,  so  verbinden  sich  dieselben  zur
Aufrechthaltung  der  Handlung,  und  Credits  gegenseitig  auf  das
feierlichste,  und  an  körperlichen  Eides  statt,  daß,  da  sie  allerseits
durch  vielfache  Proben  von  ihrer  Rechtschaffenheit  überzeugt  sind,
weder  ihre  Gattinnen,  Erben,  oder  die  allenfallsigen  Vormünder
ihrer  Kinder  unter  welchem  Vorwände  es  immer  sey,  die  Einsicht
der  Handlungsbücher,  und  Correspondenz  verlangen,  Obsignation,
Inventarisation,  oder  Manifestations  Eid  begehren,  noch  die  Handlung ­
  auf  irgend  eine  Art  mit  mit  [so!]  processen  molestiren,  sondern
sich  mit  der  ihnen,  von  den  übrigen  associes  vorzulegenden  letzten
Billanz  begnügen,  und  deren  Product  als  ihren  Alleinigen  wahren
Vermögens-  und  Handlungs  Antheil  ansehen,  sollen,  und  Wollen,
und  willigen  nicht  weniger  ein,  daß,  wenn  irgend  einer  derselben
sich  diesem  wohlerwogenen  §pho  zuwiderlaufende  Anmaßungen
beygeben  lassen  sollte,  derselbe  schon  bey  dem  ersten  Gerichtlichen ­
  Schritt,  ohne  weiteres  einer  binnen  24  Stunden  zu  bezahlenden ­
  Conventionalstrafe  von  zwanzig  tausend  Thalern  des  24  f.  Fußes
halb  zum  besten  des  hiesigen  neuen  Zuchthauses,  und  halb  zum
besten  des  Jüdischen  Hospitals  unterworfen  seyn,  und  vor  deren
wirklichen  Berichtigung  von  keinem  Richter  auch  nur  angehört
werden  soll.
XIII  Da  das  Vermögen  der  Handlung  theils  in  Waaren,  theils  in
Ausständen,  Hypotheecken  Obligationen,  Wechseln,  besteht,  wovon
leider!  vieles  bereits  unflüssig  und  schlecht  geworden  ist,  und  noch
mehrere  andere  bedeutende  Posten  es  noch  werden  können,  so
versteht  es  sich  von  Selbsten,  daß  bey  einer  dereinstigen  Theilung,
oder  dem  Absterben  des  einen  der  Herrn  Associes,  er  Selbsten,
dessen  Erben,  oder  die  Vormünder  seiner  Kinder  sein,  oder  ihr
WEmCSBOCHEREi
GEBRÜDER  BUSATB  GES.  M.  B.  H.
PURGSTALL  N.-D.
        <pb n="231" />
        224

Handlungs  Vermögen  nicht  etwa  in  baarem  Gelde,  sondern  nur
allein  in  den  fraglichen  Handlungs  Effecten  erhalten  können,  und
sich  jeder  Associe,  oder  deren  Erben,  und  Kinder  Vormünder  pro
rata  seines  handlungsmäßigen  Guthabens  ebenfalls  mit  den  illiquiden,
unflüssigen,  schlechten,  und  verlohrenen  Handlungs  Effecten  Ausständen, ­
  Wechseln,  Hypotheeken,  und  Obligationen  befriedigen
lassen  müssen.
XIV  Sollten  sich  wider  Verholten  während  der  Dauer  des  Gegenwärtigen ­
  Gesellschafts  Vertrags  über  die  Auslegung  desselben
Irrungen  ereignen  so  unterwerfen  sich  wir  Herrn  Associes  als
dankbahre  Söhne  im  Vorraus  dem  Väterlichen  Ausspruch  des
H.  M.  A.  Rothschild,  und  wenn  /:  welches  Gott  verhüten  wolle:/
H.  M.  A.  Rothschild  vor  Ablauf  des  Contracts  versterben  sollte:  so
verpflichten  sich  dieselben  hiermit  alle  Differenzen  von  Zwei  durch
diePartheien  erwählten  unpartheiischen  Schiedsrichtern,  und  nöthigen
Falls  von  diesen  zu  erkiesenden  Obmanne,  ohne  Appellation  entscheiden ­
  zu  lassen,  und  diesem  schiedsrichterlichen  Ausspruche
überall  getreulich  nachzuleben.
XV  Endlich  entsagen  sämtliche  Contrahirende  Theile  für  sich,  und
ihre  Erben  allen,  und  Jeden  gegen  diesen  aufrichtigen  und  wohlerwogenen ­
  Gesellschaftsvertrag  denkbaren  Einreden,  Aushülfen,
Behelfen,  und  Rechtswohlthaten,  sie  mögen  Namen  haben,  wie  sie
wollen,  überhaupt,  ins  besondere  Aber  der  Einrede  des  Betrugs,
List,  Ueberredung,  Schein  Contracts,  Irrthums,  daß  anders  verabredet, ­
  als  niedergeschrieben  worden,  allgemeiner  Verzicht  nicht
binde,  wenn  kein  besonderer  vorhergegangen,  Jeder  Wieder  Einsetzung ­
  in  den  vorigen  Stand  aus  welchem  Rechtsgrunde  es  immer
seye.  im  allgemeinen,  insbesondere  aber  der  wegen  der  Verletzung
über  oder  unter  der  Hälfte,  und  wie  diese  Ausflüchten,  Behelfe,
und  Rechtswohlthaten,  nur  immer  von  Menschenwitz  ersonnen
werden  können,  auf  das  feierlichste,  und  an  körperlichen  Eides
statt  dergestalten,  dass  keinen  unter  ihnen,  oder  dessen  Erben
gegen  die  gewissenhafte  Erfüllung  aller  in  vorstehendem  Contract
enthaltenen  Verbindlichkeiten  oder  Renunciationen  irgend  ein  geistliches, ­
  weltliches  oder  Statutarisches  Recht  schützen  soll,  und  ist
gegenwärtiger  Vertrag  fünffach  ausgefertiget  von  allen  Associes
unterzeichnet,  und  besiegelt,  jedem  derselben  ein  Exemplar  und
        <pb n="232" />
        225

nicht  weniger  auch  dem  H.  Jacob  Rothschild  ein  Exemplar  eingehändiget ­
  worden.  Alles  getreulich,  und  sonder  Gefährte.  So
geschehen  Frankfurt  am  Main  den  27ten  September  1810.  Verlesen ­
  und  genehmiget.
        <pb n="233" />
        [4.  Testament  des  Meyer  Amschel  Rothschild.
Stadtarchiv  Frankfurt  a.  M.]
Im  Namen  Gottes.
Ich  Meyer  Amschel  Rothschild  verordne  Kraft  dieser  meiner  gewissenhaftesten ­
  väterlichen  Disposition,  wie  es  nach  meinem  in  Gottes
Handen  stehenden  Ableben  mit  meiner  Nachlassenschaft  unter  meinen
Kindern  gehalten  werden  soll.
Art.  I.  Vordersamst  gebe  ich  meinen  Kindern  auf  meine  väterliche
Pflichten  und  Gewissen  zu  vernehmen,  daß  nach  einer  genauen
und  gewissenhaften  mit  meinen  Handlungs  verassocirten  Söhnen
gepflogenen  Berechnung,  und  respe’e  meinen  sämmtlichen  Kindern
zum  wahren  Besten  und  Vortheil  gereichenden  Uibereinkunft  diese
meine  Söhne  mein  in  Staatspapieren,  Wechseln,  Obligationen,  Wein,
baar  Geld,  liquiden  und  illiquiden  Acktiven  besitzendes  respe’e
Vermögen  und  Handlungsantheil,  jedoch  mit  Ausschluß  des  in
meinem  Wohnhause  in  der  Judenstraße  sich  befindlichen  sämmtlichen ­
  Mobiliare,  um  die  Summe  von  Einmal  Hundert  und  Neunzig
Tausend  Gulden  in  baarem  Gelde  mit  meiner  vollkommensten
Zufriedenheit  an-  und  übernommen  haben,  dergestalten,  daß  sonach ­
  mein  gegenwärtiges  ganzes  Vermögen,  mit  Ausschluß  des
besagten  Mobiliare  in  der  baaren  Summe  von  Einmal  Hundert  und
Neunzig  Tausend  Gulden  besteht;  ich  verordne  und  will  daher,
daß  meine  Töchter  und  Töchtermänner  und  deren  Erben  an  der
unter  der  Firma  „Meyer  Amschel  Rothschild  und  Söhne“  bestehenden ­
  Handlung  keinen  Antheil  haben,  und  noch  weniger  eine  Forderung ­
  aus  was  immer  für  einem  Grunde  machen  können  und
dürfen,  sondern  vielmehr  gedachte  Handlung  meinen  Söhnen  ausschließlich ­
  zusteht  und  gehört;  Keine  meiner  Töchter,  Tochtermänner ­
  und  deren  Erben  ist  daher  befugt,  Einsicht  der  Handlung,
deren  Bücher  und  Scripturen  zu  verlangen,  Caution,  Obsignation,
Inventur  pp  zu  fordern;  indem  keine  meiner  Töchter  und  deren
Erben  einiges  Recht  noch  Anspruch  auf  erwähnte  Handlung  zu
machen  befugt  ist,  und  ich  würde  es  nie  einem  meiner  Kinder
vergeben  können,  wenn  dasselbe  gegen  diesen  meinen  väterlichen
Willen  sich  beigehen  lassen  würde,  meine  Söhne  in  dem  ruhigen
Besitz  ihrer  Handlung  zu  stören.
        <pb n="234" />
        227

-  1470
Art.  II.  Meine  geliebte  Ehegattin  Gutle  gebohrne  Schnapper  soll
von  meinem  besagten  dermaligen  haaren  Vermögen  von  Einmal
Hundert  und  Neunzig  Tausend  Gulden  die  Summe  von  Siebenzig
Tausend  Gulden  zum  lebenslänglichen  Nießbrauch  und  Nutzgenuß
erhalten.  Das  Capital  Selbsten  soll  in  der  Handlung  meiner  Söhne
gegen  Verzinsung  von  fünf  Procent;  jedoch  ohne  Caution,  und  nach
ihrer  Willkühr,  wie  lange  sie  das  fragliche  Capital  in  der  Handlung
behalten  wollen,  verbleiben;  nicht  minder  soll  meine  geliebte  Ehefrau ­
  Gutle  den  lebenslänglichen  ohngestörten  Besitz  und  Genuß
meines  Hauses  in  der  Judenstrasse,  sammt  allem  sich  darin  befindlichen ­
  Mobiliare,  bestehend  in  Silber,  Weißzeug,  Möbel  pp  so
wie  es  sich  bei  meinem  Ableben  vorfindet,  verbleiben.
Art.  III.  Meine  noch  ledige  Tochter  Jettchen  soll  bei  deren  Verehelichung ­
  die  Summe  von  Drei  und  Dreißig  Tausend  Gulden  als
Heurathsgut  bekommen,  bis  wohin  diese  Summe  in  der  Handlung
meiner  Söhne  ohne  Cautionsleistung  verbleibt.
Uibrigens  will  und  befehle  ich  meiner  Tochter  Jettchen  auf  das
Nachdrücklichste,  daß  dieselbe  nur  mit  Einwilligung  meiner  Ehefrau, ­
  und  meiner  beiden  Söhnen  Amschel  und  Salomon,  welche
ich  meiner  Tochter  als  besondere  Beistände  und  Beivormünder
nebst  der  natürlichen  Vormundschaft  ihrer  Mutter  anordne,  zu
einer  ehelichen  Verbindung  sich  entschließen,  und  solche  eingehen ­
  dürfe.
Art.  IV.  Meine  noch  beide  ledige  Söhne  Calomon  und  Jacob  sollen
gleichfalls  bei  ihrer  Verehelichung  ein  jeder  von  ihnen  die  Summe
von  Zwanzig  Tausend  Gulden  zur  Ausstattung  erhalten;  das  Capital
verbleibt  ebenfals  in  der  Handlung.
Art.  V.  Die  sonach  von  meinem  Vermögen  von  Einmal  Hundert
und  Neunzig  Tausend  Gulden  übrig  bleibende  Summe  von  Sieben
und  Vierzig  Tausend  Gulden  soll  nachstehendermaßen  unter  meine
Kinder  vertheilt  werden:
1)  Bekömmt  meine  Tochter  Gotten,  vereheligte  Meyer  Beyfus  die
laut  deren  Ehepackten  annoch  zu  erhaltende  Zehen  Tausend  Gulden.
2)  Soll  meine  Tochter  Breunle,  vereheligte  Seligmann  Beyfus,  welche
nur  Eilf  Tausend  Gulden  zur  Mitgift  erhalten,  zur  Gleichstellung
15*
        <pb n="235" />
        228

ihrer  Schwester  Gotten  annoch  Siebenzehen  Tausend  und  Zwei
Hundert  Gulden  bekommen;  sowie
3)  Meine  Frau  Tochter  Betty  Sichel,  welche  ebenfals  nur  Eilt  Tausend
Gulden  erhalten,  auch  die  Summe  von  Siebenzehen  Tausend  und
Zwei  Hundert  Gulden  annoch  haben  soll.
Art.  VI.  Die  hiernächst  verbleibende  zwei  Tausend  Sechs  Hundert
Gulden  sollen  die  Kinder  meiner  abgemehrten  Frau  Tochter  Schoengen
Worms  als  ein  Legat  erhalten;  das  Capital  verbleibt  ohne  Caution
bis  zu  deren  Verehelichung  in  der  Handlung  meiner  Söhne,  welche
dasselbe  mit  fünf  Procent  an  meine  Tochter  und  Tochtermann  Worms
verzinsen  sollen.
Art.  VII.  Meine  Söhne  Amschel  und  Salomon  Rothschild,  welche
durch  die  Uibernahme  meines  Handlungs  Antheils  laut  gepflogener
Berechnung  und  Uibereinkunft  gegen  die  Eingangs  bemerkte  mein
Vermögen  ausmachende  Summe  von  Einmal  Hundert  und  Neunzig
Tausend  Gulden  für  deren  Heurathsgüter  und  respe’e  dermalige
Erbschafts  Ausgleichung  befriediget  sind,  haben  demnach  dermalen
hierunter  keine  Forderung  und  Ansprüche  gegen  ihre  Geschwister,
jedoch  ohnbeschadet  der  Bestimmung  der  nachfolgenden  Verordnung
in  Art.  VIII.  (8.)
Art.  VIII.  Die  zum  lebenslänglichen  Nutzgenuß  meiner  Ehegattin
Gütle  ausgesetzte  und  verbleibende  Siebenzig  Tausend  Gulden  sollen
nach  deren  Ableben  unter  meine  sämmtliche  Kinder  zu  gleichen
Theilen  vertheilt  werden.
Art.  IX.  Den  drei  löblichen  milden  christlichen  Stiftungen  vermache
ich  ein  Legat  von  Hundert  Gulden.
Art.  X.  Indem  ich  mir  ausdrücklich  vorbehalte  jederzeit  diesen
meinen  letzten  Willen  zu  mehren  zu  mindern  und  gänzlich  wiederum
aufzuheben,  erkläre  ich  auch  alle  meine  frühere  Testamente  für
aufgehoben  und  zurückgenommen.  Schliesslich.
Art.  XI.  Empfehle  ich  meinen  sämmtlichen  lieben  Kindern,  sich
mit  steter  wechselseitiger  Liebe  und  Freundschaft  einander  zu  begegnen, ­
  sowie  gegen  die  Anordnungen  dieser  meiner  wohlgemeinten
und  gewissenhaften  väterlichen  Disposition  mit  kindlichem  Gehorsam
        <pb n="236" />
        sich  zu  betragen.  Würde  sich  wider  Verhütten  ein  oder  das  andere
meiner  Kinder  beigehen  lassen,  dieser  meiner  väterlichen  Willensmeinung ­
  nicht  nachzukommen,  oder  meine  Söhne  in  deren  Handlung ­
  zu  stören,  so  soll  dieses  pflichtvergessene  Kind  nur  in  den
Pflichttheil,  wohin  alles  dasjenige  aufzurechnen  ist,  was  dasselbe
bereits  bei  meinen  Lebzeiten  an  Ausstattung  und  sonst  erhalten,
eingesetzt  seyn,  und  der  Uiberrest  meinen  übrigen  Kindern  zufallen;
wobei  ich  ausdrücklich  bemerke,  daß  der  nach  dem  Napoleonischen
Gesetzbuch  zu  berechnende  Pflichttheil  durch  mein  gegenwärtiges
Vermögen  von  Einmal  Hundert  und  Neunzig  Tausend  Gulden  mit
Zurechnung  dessen,  was  einjedes  meiner  Kinder  bereits  bei  meinem
Leben  erhalten,  so  wie  dem  Werth  des  in  dem  Nutzgenuß  meiner
Ehegattin  verbleibenden  Mobiliare  sich  ergiebt.
Nachdem  ich  dieses  mein  wohlgemeintes  und  gewissenhaftes  Testament ­
  reiflich  und  mehrmalen  erwogen  und  überlesen  habe,  so  habe
ich  solches  eigenhändig  unterschrieben  und  besiegelt.  So  geschehen
Frankfurt  den  Siebenzehenten  Septembr  Ein  Tausend  Acht  Hundert
und  Zwölf.
Nachträglich  verordne  ich  auf  die  kurze  annoch  dauernde  Minderjährigkeit ­
  meines  Sohns  Jacob,  meine  beide  Söhne  Amschel  und
Salomon  zu  Beiständen  und  respee  Beivormünder  nebst  der  natürlichen ­
  Vormundschaft  meiner  Ehefrau.  Geschehen  wie  oben.

L.  S.

Mayer  Amschel  Rothschild.

Ich  verordne  ferner  nachträglich,  daß  das  von  mir  noch  nicht  vergebene ­
  Ein  Quart  meines  Hauses  NIL  148  in  der  Judenstraße  mein
Sohn  Amschel  als  der  älteste  meiner  Söhne  zu  seinem  bereits  bei
seiner  Heurath  schon  erhaltene  Ein  Quart  als  ein  Prälegat  bekommen ­
  soll,  jedoch  ohnbeschadet  der  meiner  Ehefrau  gebührenden ­
  Oberhand.
Mayer  Amschel  Rothschild.

eröfnet  den  23.  Septembris  1812.

J.  W.  Metzler.
Director.
        <pb n="237" />
        Einregistrirt  zu  Frankfurt  den  2*js  October  1812.
Vo&amp;gt;:  IV  fol&amp;gt;  44.  R°  C.  8  usque  V°  C.  7.

Empfangen  pro  testamento  .

„  pro  legato
Mit  Zwey  Gulden

1  f  30  kr.
-  "  30  kr.
Ti  ” —

Botwitt.

[Auf  dem  Umschlag  folgender  Schriftsatz:]

Heute  den  Siebenzehnten  September  des  Jahres  Eintausend  acht
hundert  und  Zwölf  Abends  Zehn  Uhr  erschiene  vor  mir  Dr.  Wüstefeld
öffentlichen  Notar  zu  Frankfurt  a.  M.,  und  den  nachbenannten  Sechs
Zeugen,  als  Herrn  Feist  Ennoch  Hanau,  Herrn  Loeb  Israel  Schwarzschild, ­
  Herrn  Michael  Lazarus  Geiger,  Herrn  Loeb  Laimann  Falck
sämtliche  hiesige  Bürger,  und  vormalige  Beglaubte  bey  der  Israelitischen ­
  Gemeinde,  ferner  Herrn  Heinrich  Ludwig  Wohlfarth  Senior,
und  Junior,  beyde  letztere  gleichfalls  hiesige  Bürger,  und  Buchbindermeister, ­
  Herr  Mayer  Amschel  Rothschild  hiesiger  Bürger,  und
Banquier,  und  Großherzoglich  Frankfurterischer  Hofagent,  welcher
mir  Notar  und  den  genannten  Sechs  Zeugen  gegenwärtiges  verschlossene, ­
  und  versiegelte  Packet  mit  der  Erklärung  überreichte,
daß  dieses  verschlossene,  und  Zweimal  mit  seinem  des  Testators
Siegel  versehene  Packet  seinen  letzten  Willen,  und  Geheimes
Testament  enthalte,  welches  zwar  von  einer  andern  Hand  geschrieben, ­
  aber  von  ihm  Testator  eigenhändig  unterschrieben,  und
mit  seinem  Siegel  versehen  seye.  —  Dieses  Testament,  indem  er
Testator  solches  seinem  ganzen  Inhalte  nach  bestättige,  und  nach
seinem  dereinstigen  Ableben  in  Vollzug  gesetzet  wissen  wolle,  solle
von  seinen  Erben  genau  befolgt  werden,  auch  wolle  er  alle,  und
jede  Art  Obsignation,  und  Inventur  strengstens  untersagt  wissen.
In  Gefolge  dieser  Erklärung  habe  ich  Notar  sofort  gegenwärtigen ­
  Aufschriftsackt  gefertiget,  welchen  der  Herr  Testator  [und]
die  Eingangs  genannten  Herrn  Zeugen,  welche  hierzu  besonders
ersucht  worden,  und  alle  dahier  wohnhaft  sind,  mit  dem  Notar
unterzeichnet  haben.  So  geschehen,  vorgegangen,  verlesen,  und
genehmiget  zu  Frankfurt  am  Main  in  der  Wohnung  des  Herrn
Testators  in  dem  Hause  Nro  148  der  Judenstraße  am  Tag,  Monath,
        <pb n="238" />
        —  231

und  Jahr,  wie  oben;  und  zwar  mit  der  ausdrücklichen  Bemerkung,
dass  dieser  ganze  Ackt  durch  keine  Zwischenhandlung  gestöhrt
worden  ist.  Worüber  A.  M.
Mayer  Amschel  Rothschild
Feist  Flenoch  Hanau  als  Zeuge
Löb  Israel  Schwarzschild  als  Zeuge
Michael  Latzarus  Geiger  als  Zeuge
Lob  Caiman  Falck  als  Zeuge
Henrich  Ludwig  Wohlfarth  Senior  als  Zeuge
Heinrich  Ludwig  Wohlfarth  J.  als  Zeuge

^  g  öffentlicher  Notar
zu  Frankfurt  a.M.
Einregistrirt  zu  Francfurt  den  23.  Sept.  1812.
Vol:  IV  fol:  34  R°  C.  1.  Empf  Dreyßig  Krzr.
Botwitt.
[Die  ältere  Schreibweise  von  Rothschilds  Rufnamen  war  Meyer,
seine  Söhne  schrieben  regelmäßig  Mayer.]

L.  S.  L.  S.

Dr.  Wüstefeld
        <pb n="239" />
        232

Anhang.  Anlehen  des  Frankfurter  Hauses  in  dem
Zeitraum  von  1815  bis  1865.
Die  nachfolgende  Aufstellung  macht  keinen  Anspruch  auf  Vollständigkeit. ­
  Die  meisten  Angaben  sind  aus  den  im  Freiherrlich
von  Rothschildschen  Archiv  befindlichen  Tilgungsbüchern  ermittelt.
Und  da  es  mir  wesentlich  auf  die  Angaben  dieser  Tilgungsbücher
ankam,  so  habe  ich  darauf  verzichtet,  Ergänzungen  aus  abgeleiteten
Quellen  vorzunehmen.

Preußen  —  1817.

5  000  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Berlin  den  1.  Februar  1817
zu  5°/o.
Getilgt  planmäßig  durch  Verloosung  1827  bis  1836.
Im  März  1817  hat  uns  das  Finanzministerium  überlassen:
St.  1945,  U  A  ä  fl  1000  «  1  945  000
v.  Nr.  1  ä  1945  inkl.
St.  200  U  B  ä  fl  500  „  100  000
von  Nr.  1  ä  200  inkl.
f.  2  045  000

Dezember  1817.  Ferner  überlassen:
St.  700  U  A  ä  fl  1000  fl  700  000
von  Nr.  1946  ä  2645
St.  245  U  B  ä  fl  500  122  500

von  Nr.  201  ä  445
f.
März  1819  Demselben  auf  sein  Verlangen  den
Rest  zurückgesendet  St.  355  Li  A  ä  fl  1000  fl
von  Nr.  2646  ä  3000
St.  3555,  Li  B  ä  fl  500
von  Nr.  446  ä  4000

822  500
355  000
1  777  500

fl  2  132  500
        <pb n="240" />
        233

Dementsprechend  waren  als  Empfänger  der  Obligationen  ursprünglich ­
  angegeben:  M.  A.  Rothschild  &amp;amp;  Söhne  bei  den  Nummern
Li  A  1—2645  und  Li  B  1—445,  König!.  Finanzministerium  bei  den
Nummern  Li  A  2646—3000,  Li  B  446—4000.  Bei  den  vom  Hause
Rothschild  empfangenen  Nummern  sind  die  späteren  Empfänger
vielfach  daneben  geschrieben,  auch  ist  öfters  die  Rothschildsche
Firma  wegradiert,  und  sind  neue  Empfänger  an  deren  Stelle  gesetzt,
z.  B.  die  Kurfürstlich  Hessische  Kabinetts-Kasse.  Doch  würde  man
aus  dem  Tilgungsbuch  nicht  schließen  können,  daß  diese  Kasse
einen  erheblichen  Teil  der  ganzen  Anleihe  übernommen  habe.  Bei
den  vom  Ministerium  übernommenen  Nummern  sind  die  Rasuren  und
die  Beischriften  der  späteren  Empfänger  weniger  häufig,  sie  fehlen
ganz  bei  L|  B  Nr.  446—3900.  Bei  diesen  Nummern  sind  als  Einsender ­
  der  verloosten  Obligationen,  ebenso  als  Empfänger  der  nachgelieferten ­
  Kupons,  soweit  diese  Rubrik  überhaupt  ausgefüllt  ist,
überall  die  Kgl.  Regierung  oder  das  Finanzministerium  bezeichnet.
Es  handelt  sich  hier  'also  offenbar  um  Obligationen,  die  bis  zu
ihrer  Verloosung  im  Besitz  des  Finanzministeriums  blieben.  Bei
allen  übrigen  Nummern,  also  auch  bei  den  Reihen  Ll  A  2646—3000
und  Li  B  3901—4000,  sind  die  verschiedensten  Empfänger  nachgelieferter ­
  Kupons  und  die  verschiedensten  Einsender  der  verloosten
Obligationen  angegeben.

Schaumburg  —  1817.
150000  fl  24  ff.  Von  der  Erzherzogin  Hermine  ausgestellt
Schaumburg  den  1.  Juli  1817  zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  30.  Juni  1828  bis  30.  Juni  1835.
Tilgung:  Per  1.  Januar  1824  wurden  sämtliche  Obligationen  gekündigt ­
  und  eingelöst.
fl  70  000  übernahm  der  Kurfürst  von  Hessen.

Hessen,  Kurprinz  —  1818.
Rf.  200  000  Nieder-Hess.  Währung.  Ausgestellt  Kassel  den
1.  Januar  1818  zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Rückzahlung  mit  Rf.  25  000  jährlich  1.  Januar
1824  bis  1.  Januar  1831.  Der  Rest  wurde  gekündigt  per  1.  April  1830.
Ueber  100  000  Rf.  empfing  Finanzrat  Deines.
        <pb n="241" />
        234

Hessen,  Kurprinz  —  1818.
Rf.  300  000  in  Nieder-Hess.  Währung.  Ausgestellt  Kassel  den
10.  Oktober  1818  zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Rückzahlung  mit  Rf.  25000  jährlich  vom  10.  Oktober ­
  1824  bis  10.  Oktober  1835.  Der  Rest  der  Rückzahlungsraten
wurde  auf  den  10.  April  1830  gekündigt.
Ueber  110  000  Rf.  empfing  der  Geheime  Finanzrat  Deines,
100  000  Rf.  die  Kurfürstliche  Kabinettskasse.

Hessen,  Kurprinz  —  1819.
Rf.  400  000  in  Nieder-Hess.  Währung.  Ausgestellt  Kassel  den
1.  April  1819  zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Rückzahlung  mit  25  000  Rf.  jährlich  vom  1.  April
1825  bis  1.  April  1840.  Der  Rest  wurde  gekündigt  auf  den  1.  April  1830.

Homburg  —  1819.
250  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Homburg  den  15.  Juli  1819  zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  15.  Juli  1822  bis  15.  Juli  1841.
Getilgt  1829.
Die  große  Mehrzahl  der  Partialobligationen  empfingen  der
Kurfürst  von  Hessen  und  die  Landgräfliche  Regierung  in  Homburg.

Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein  —  1820.
75  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Bartenstein  den  1.  Mai  1820  zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Mai  1825  bis  1.  Mai  1839.
Per  1.  Mai  1830  wurden  sämtliche  Obligationen  eingelöst  und  an
Max  Pfeiffer  verkauft.  Am  18.  Apr.  1836  wurden  sämtliche  Partialobligationen ­
  durch  Dr.  Reinganum  an  das  Frankfurter  Appellationsgericht ­
  abgeliefert.
Oettingen-Spielberg  —  1821.
120  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  den  2.  April  1821  zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  15.  April  1829  bis  15.  April  1848.
Tilgung:  Kündigung  und  Rückzahlung  der  ganzen  Anleihe  per
1.  November  1826.
        <pb n="242" />
        235

Freiherr  von  Weiler  —  1821.
70  000  fl  20  ff.  Ausgestellt  Weiler  den  15.  Juli  1821  zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  15.  Juli  1827  bis  15.  Juli  1842.
Getilgt  Januar  1828  bis  1.  Mai  1829.
Hessen,  Kurfürst  —  1821.
1  800  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Kassel  den  1.  Oktober  1821
zu  4°/o.
Die  Rückzahlung  fand  planmäßig  vom  1.  April  1825  bis
1.  April  1835  nach  der  Litera-  und  Nummernfolge  in  Raten  statt,
die  von  45  000  auf  126  000  fl.  stiegen.
Die  größte  Summe  empfingen  Gebrüder  Pfeiffer.  Ober-Finanzrat ­
  Deines  empfing  340  000  fl.  entweder  ganz  oder  teilweise  für
die  Gräfin  R[eichenbach],  M.  A.  von  Rothschild  &amp;lt;L  Söhne  285  000  fl,
die  Kurfürstlich  Hessische  Kabinettskasse  114  000  fl.
Freiherr  von  Aretin  —  1821.
120  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Heidenburg  den  20.  November  1821
zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  31.  Dezember  1825  bis  1848.
Getilgt  durch  Verloosung  von  1825  bis  1835.
Darmstadt,  Landstände  —  1822.
540  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Darmstadt  den  1.  Mai  1822  zu  5°/o.
Das  Haus  Rothschild  übernahm  von  dieser  Anleihe  tatsächlich  nur
fl  432  000.  Die  Rückzahlung  fand  planmäßig  durch  Verloosung  vom
1.  Mai  1828  bis  1.  Mai  1832  statt.
Stolberg-Stolberg  —  1822.
300  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Stolberg  den  5.  Mai  1822  zu  5 0 / 0 .
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  31.  Januar  1823  bis  31.  Januar
1842.  Der  Rest  wurde  aufgekündigt  und  rückzahlbar  am  1.  Juni  1829.
Darmstadt,  Großprinz  —  1822.
450  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Darmstadt  den  22.  Juni  1822
zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Juli  1828  bis  1.  Juli  1836.
Getilgt  durch  Kündigung  des  derzeitigen  Restes  per  1.  Januar  1835.
        <pb n="243" />
        236

Erbach-Fürstenau  —  1822.
340  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Krehenberg  den  9.  September
1822  zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Oktober  1835  bis  1.  Oktober ­
  1857.  Getilgt  August  1826  bis  10.  Oktober  1827.

Fürst  von  Metternich  —  1822.
900  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Wien  den  23.  September  1822
zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  30.  Dezbr.  1831  bis  30.  Dezbr.
1834.  Per  1.  Juni  1827  wurden  sämtliche  Obligationen  eingelöst.
Als  Empfänger  der  Obligationen  und  Einsender  der  verloosten
Obligationen  ist  durchweg  die  Kurfürstlich  Hessische  Kabinetts-Kasse
angegeben.

Greiffenclau  —  1823.
130000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Würzburg  den  10.  März  1823
zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  31.  Dezember  1824  bis  1851.

Schaumburg  —  1823.
575  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Offen  den  1.  Juli  1823  zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Juli  1824  bis  1.  Juli  1856.
Getilgt  durch  Verloosung  und  Kündigung  vom  1.  Juli  1824  bis
zum  1.  Juli  1834.
Die  meisten  Partialobligationen  empfing  die  Schaumburgsche
Rentkammer.  Ein  gutes  Teil  besaß  die  Kurfürstlich  Hessische
Kabinetts-Kasse.

Anhalt-Coethen  —  1823.
132  500  Rtlr  20  ff.  Ausgestellt  Coethen  den  15.  September  1823
zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  von  1833  bis  1850.  Tilgung:  Verloosung ­
  vom  18.  Juni  1833  bis  15.  Juni  1843  und  Aufkündigung
des  Restes  von  56  500  Rtlrn.  per  15.  Septbr.  1844.
        <pb n="244" />
        237

Hessen,  Kurfürst  —  1823.
2  500  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Kassel  den  1.  Oktober  1823
zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Rückzahlung  vom  1.  April  1834  bis  1.  Oktober
1843  mit  je  fl  125  000  im  Halbjahr.  Am  1.  April  1835  waren  566  000  fl
getilgt.  Den  Rest  von  1  934  000  fl  hat  der  Kurfürstliche  Hausschatz
selbst  angekauft  und  successive  eingelöst.
Etwa  1  850  000  fl.  empfing  die  Kurfürstlich  Hessische  Kabinetts-Kasse,
  cca  350  000  fl.  der  Geheime  Finanzrat  Deines.
Leiningen  —  1823.
400  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Kensington  Palace  den  29.  Dezember ­
  1823  zu  5"/».
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Februar  1834  bis  1.  Februar
1851.  Es  fand  aber  keine  Verloosung  statt,  sondern  per  1.  August
1829  wurde  das  ganze  Anlehen  aufgekündigt.  Obligationen  im
Nominalwert  von  125  000  fl.  empfing  die  Leininger  General-Kasse.
Nassau-Usingen  —  1824.
500  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Biebrich  den  9.  Februar  1824
zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Januar  1830  bis  1.  Januar
1839.  Getilgt  durch  Aufkündigung  des  Restes  auf  den  1.  Dezember ­
  1837.
Isenburg-Birstein  —  1824.
580  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Birstein  den  15.  Juni  1824  zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  von  1829  bis  1879.  Getilgt  durch
Verloosung  1828  und  1829  und  Kündigung  des  Restes  von  fl  570  000
per  1.  Januar  1831.
Mehr  als  300  000  fl  übernahm  die  Kurfürstlich  Hessische
Kabinetts-Kasse.  Den  weitaus  größten  Teil  des  Restes  empfing
Isenburg  selbst.
Darmstadt,  Großprinz  —  1824.
550  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Darmstadt  den  12.  Oktober  1824
zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Juli  1837  bis  1.  Juli  1847.
Getilgt  Oktober  1834  bis  1.  Februar  1835.
Die  Kurfürstlich  Hessische  Kabinetts-Kasse  übernahm  fl  50  000.
        <pb n="245" />
        238

Darmstadt,  Prinz  Emil  —  1824.
70  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Darmstadt  den  10.  Dezember  1824
zu  5°/o.
Getilgt  planmässig  durch  Verloosung  vom  Dezember  1825  bis
zum  Dezember  1835.
20  000  fl  übernahm  Prinz  Emil  von  Hessen  selbst.
Sachsen-Weimar  —  1825.
500000  fl  20  ff.  Ausgestellt  Weimar  den  15.  März  1825  zu  4°/o.
Tilgungsplan  :  Verloosung  vom  15.  April  1834  bis  15.  April  1853.
Die  ganze  Anleihe  wurde  auf  ein  Mal  am  1.  Oktober  1830  zurückgezahlt. ­

Über  300  000  fl  empfing  die  Kurfürstliche  Kabinetts-Kasse
en  depot,  etwa  120  000  fl  das  Haus  Rothschild  selbst.
Anhalt-Coethen  —  1825.
540  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Coethen  den  8.  Dezember  1825
zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  von  1835  bis  1851.  Getilgt  1835
bis  1862.
Oettingen-Spielberg  —  1826.
150  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Oettingen  den  1.  November  1826
zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  November  1829  bis  1.  November ­
  1865  mit  Vorbehalt  größerer  Abzahlungen,  selbst  der
Gesamtsumme  auf  ein  Mal.  Tilgung:  Einlösung  sämtlicher  Obligationen ­
  am  1.  November  1829.
Graf  Hardenberg-Reventlow  —  1826.
137  500  fl  24  ff.  Ausgestellt  Satjewitz  den  20.  Dezember  1826
zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Rückzahlung  (ohne  Angabe  der  Art  und  Weise
der  Einlösung  der  Obligationen)  vom  1.  Februar  1831  bis  1.  Februar ­
  1850.  Am  9.  Februar  1830  wurde  das  ganze  Anlehen  an
den  Syndicus  Dr.  Buchholz  zediert,  der  auch  unter  demselben  Datum
als  Empfänger  sämtlicher  Partialobligationen  aufgeführt  wird.
        <pb n="246" />
        239

Nassau-Usingen  —  1826.
500  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Biebrich  den  20.  Dezember  1826
zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  1.  Januar  1830  bis  1.  Januar  1839.
Getilgt  1829  bis  1837.
Erbach-Fürstenau  —  1827.
300  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Fürstenau  15.  März  1827  zu  4 1 /2°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  April  1839  bis  1.  April  1860.
Das  ganze  Anlehen  wurde  auf  ein  Mal  auf  den  15.  Juli  1834
zurückgezahlt.
Isenburg-Meerholz  —  1827.
84  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Meerholz  den  31.  März  1827  zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Januar  1864  bis  1.  Januar
1871.  Getilgt  60  000  fl  1.  Juli  1840  und  der  Rest  31.  Dezember  1842.
Empfänger  sämtlicher  Partialobligationen  war  Dr.  Wachs.
Isenburg-Meerholz  —  1827.
174  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Meerholz  den  31.  März  1827  zu
TVs 0 /«;  vom  1.  Juli  1830  an  emittiert  ä  4°/o  Zinsen.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Januar  1831  bis  1.  Januar
1864.  Getilgt  31.  Dezember  1839.
Empfänger  fast  aller  Partialobligationen  war  Dr.  Wachs.
Darmstadt,  Großprinz  —  1827.
600  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Darmstadt  den  31.  Mai  1827  zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Januar  1840  bis  1.  Januar
1851.  Infolge  einer  neuen  Lotterie-Anleihe  in  fl  25-Loosen  wurde
die  Anleihe  auf  den  1.  März  1835  aufgekündigt  und  sonach  auf
ein  Mal  zur  Rückzahlung  bestimmt.
Fürst  Klemens  Wenzel  Lothar  von  Metternich-Winneburg
  —  1827.
500  000  fl  20  ff.  Ausgestellt  Wien  den  1.  Juni  1827  zu  4 0 /o-Tilgungsplan:
  Verloosung  vom  30.  Dezember  1846  bis  30.  Dezember ­
  1858,  grössere  Rückzahlungen  und  in  dem  einen  oder
andern  Jahr  frühere  Kapitalsabschlagszahlungen  vorbehalten.  Am
        <pb n="247" />
        240

28.  März  1844  wurde  der  Tilgungsplan,  dem  Wunsche  des  Schuldners
entsprechend  und  mit  Genehmigung  des  Direktors  des  Kurf.  Hausund ­
  des  Kurf.  Hessischen  Staatsschatzes  als  zur  Zeit  alleiniger  Besitzer ­
  der  Partialobligationen,  geändert  und  eine  Rückzahlung  vom
1.  Januar  1852  bis  1.  Januar  1879  planmäßig  aufgestellt.
Die  sämtlichen  Partialobligationen  empfing  die  Kurf.  Hessische
Kabinetts-Kasse.
Löwenstein-Wertheim  —  1827.
300  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Haid  in  Böhmen  den  15.  Dezember ­
  1827  zu  4 1 /2°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  15.  Juni  1832  bis  15.  Dezember
1856.  Rest  per  15.  Dzbr.  1835  zur  Rückzahlung  gekündigt.
Homburg  —  1829.
675  000  fl  24  ff.  /:  auf  Meisenheim  :  /.  Ausgestellt  Homburg  v.  d.  H.
den  1.  Februar  1829  zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  15.  August  1830  bis  15.  August
1871.  Getilgt  1870.
200  000  fl  empfing  die  Homburger  Regierung.
Homburg  —  1829.
500  000  fl  24  ff.  auf  die  Darmstädter  Paragialrente.  Ausgestellt
Homburg  v.  d.  H.  den  1.  Februar  1829  zu  4 0 / 0 .  Reduziert  den  30.  Oktober ­
  1837  auf  3 1 /2°/o-Tilgungsplan:
  Verloosung  vom  15.  August  1830  bis  15.  August
1870.  Bei  der  Konversion  des  Zinsfußes  erschien  zugleich  eine
neue  Skala  der  Kapitalsablagedaten,  gültig  nach  einem  Stillstand
von  3  Jahren.  Getilgt  15.  August  1870.
Etwa  185  000  fl  empfing  J.  J.  v.  Hirsch.
Darmstadt,  Großprinz  —  1829.
600  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Darmstadt  den  13.  Februar  1829
zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Januar  1842  bis  1.  Januar
1853.  Tilgung:  Am  13.  Februar  1835  wurden  fl  300  000  per  15.  April
und  am  3.  April  1835  ebenso  fl  300  000  per  15.  Juni  zur  Rückzahlung ­
  bestimmt.
        <pb n="248" />
        241

Isenburg-Wächtersbach  —  1829.
116  000  fl  24  ff  auf  Darmstadt.  Ausgestellt  Wächtersbach  den
1.  Juli  1829  zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  Juli  1840  bis  zum  Juli  1874.
Wurde  gänzlich  aufgekündigt  auf  den  1.  September  1836.
Isenburg-Wächtersbach  —  1829.
210  000  fl  24  ff  auf  Hanau.  Ausgestellt  Wächtersbach  den
1.  Juli  1829  zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  Juli  1840  bis  zum  Juli  1874.
Das  ganze  Anlehen  wurde  auf  den  1.  September  1836  zur  Rückzahlung ­
  aufgekündigt  und  dafür  ein  3 1 /2°/otiges  emittiert.
Hohenzollern-Hechingen  —  1829.
260  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Hechingen  den  2.  November  1829
zu  4°/o.
Die  Tilgung  fand  planmäßig  durch  Verloosung  vom  1.  Januar
1841  bis  1.  Januar  1875  statt.
Nassau-Usingen  —  1829.
1  000  000  fl  und  zwar  in  2  Mal  fl  500  000  eingeteilt.  Ausgestellt ­
  Biebrich  den  1.  Dezember  1829  zu  4°/o.
Tilgungsplan  :  Verloosung  vom  31.  Dzb.  1851  bis  31.  Dzb.  I860.
Tilgung:  Verloosung  vom  26.  Juni  1837  an  und  Kündigung  des
Restes  auf  den  1.  Februar  1838.  Über  450  000  fl  übernahm  die
Nassauische  Staatskasse.
Nassau-Usingen  —  1829.
1  000  000  fl  24  ff  und  zwar  in  2  Mal  fl  500  000  eingeteilt.
Ausgestellt  Biebrich  den  21/26  Dezember  1829  zu  4°  n.
Tilgungsplan:  Verloosung  von  Ende  1840  bis  Ende  1849.
Getilgt  vom  26.  Juni  1837  ab  mit  Kündigung  des  Restes  auf  den
1.  Februar  1838.

Isenburg-Birstein  —  1830.
700  000  fl  24  ff  auf  die  im  Großherzogtum  Hessen  bestehenden ­
  Einkünfte.  Ausgestellt  Birstein  den  1.  Juni  1830  zu  4%.
Getilgt  durch  Verloosung  vom  Jahr  1840  an.  Laut  Bekanntmachung ­
  vom  15.  März  1844  in  der  OPAZ  wurden  die  Zinsen  des
16
        <pb n="249" />
        242

Restkapitals  im  Betrag  von  fl  626  000  von  4  auf  Z'/s"/&amp;lt;&amp;gt;  reduziert.
Der  Restbetrag  von  520  500  fl.  wurde  auf  den  16.  August  1865
gekündigt.
Isenburg-Birstein  —  1830.
400  000  fl  24  ff.  auf  die  im  Kurfürstentum  Hessen  bestehenden ­
  Einkünfte.  Ausgestellt  Birstein  den  1.  Juni  1830  zu  4 0 / 0 .
Getilgt  durch  Verloosung  vom  Jahr  1840  an.  Laut  Bekanntmachung ­
  vom  15.  März  1844  in  der  OPAZ  wurden  die  Zinsen  des
Restkapitals  im  Betrag  von  fl  250  000  von  4°/o  auf  3 l l2°la  reduziert.
Der  Restbetrag  von  fl  114  500  wurde  auf  den  1.  Juli  1881  zur
Rückzahlung  gekündigt.
Hohenzollern-Hechingen’sche  Landessteuer-Kasse  —  1830.
200  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Hechingen  1.  Juli  1830  zu  4°/«.
Getilgt  durch  Verloosung  von  1831  ab.  Restkündigung  per
1.  Juli  1874.
Sachsen-Weimar  —  1830.
2  880  000  Rtlr.  20  ff.  Ausgestellt  Weimar  den  1.  Oktober  1830
zu  4°/o.
Von  dieser  Anleihe  übernahmen  M.  A.  von  Rothschild  &amp;amp;  Söhne
die  Partialobligationen  Serie  III.  Stück  833  ä  200  Rthlr  —  Rthlr  166  600
in  Kommission.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  April  1831  ab  41  Jahre  lang.
Die  von  dem  Haus  Rothschild  übernommene  III.  Serie  dieser  Anleihe
wurde  jedoch  zur  gänzlichen  Rückzahlung  auf  den  1.  Oktober  1836
aufgekündigt.

Waldburg-Zeil-Wurzach  —  1830.
172  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Wurzach  am  15.  Oktober  1830
zu  4°/o.
Getilgt  durch  Verloosung  von  1836  an.  Der  Rest  von  fl  96  000
wurde  zur  Heimzahlung  auf  den  3.  Juni  1856  gekündigt.
Kurhessischer  Staatsschatz  —  1831.
Rtlr  350  000  NH.Wgä  105  kr.  Ausgestellt  Kassel  den  1.August
1831  zu  4°/o.
Tilgungsplan  :  Verloosung  von  halbjährlich  mindestens  25  000
Rtlrn  vom  1.  August  1834  ab.  Von  dieser  Anleihe  übernahmen
        <pb n="250" />
        243

M.  A.  von  Rothschild  &amp;amp;  Söhne  Partialobligationen  im  Nominalwert
von  Rtlr  182  000  zum  Kommissionsverkauf.  Die  Verloosung  bzw.
Einlösung  der  Partialen  geschahen  ausschliesslich  in  Kassel.
Als  Empfänger  sind  meist  die  Gebrüder  Pfeiffer  angegeben.
Oldenburg  (Großherzog  Paul  Friedrich  August)  —  1831.
Ldor  Rtlr  50  000  in  Gold  oder  100  000  fl  24  ff.  zu  4 0 / 0 .  Ausgestellt ­
  Oldenburg  den  28.  September  1831.
Die  Tilgung  fand  planmäßig  durch  Rückzahlung  auf  den
24.  September  1832  statt.
Empfänger  und  Einsender  der  Partialobligationen  war  das
Rothschildsche  Bankhaus  selbst.
Kurprinz  von  Hessen  —  1831.
650  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Kassel  den  1.  November  1831  zu  4 0 / 0 .
Die  Tilgung  fand  planmäßig  durch  Rückzahlung  vom  1.  November ­
  1838  bis  1.  November  1850  statt.
Partialobligationen  im  Nominalwert  von  etwa  350  000  fl  empfing
1833  die  Kurprinzliche  Schuldentilgungs-Kommission.
Deutsch-Preußische  Certifikate  —  1833.
Anleihen  von  und  auf  Grund  der  am  17.  März  1830  stattgehabten ­
  Englisch-Preußischen  von  £  3,809,400  bei  N.  M.  Rothschild
in  London,  zu  4°/o.  Ausgestellt  Berlin  den  13.  April,  24.  Dezember
und  31.  Dezember  1833,  9.  März  1834.  Die  Partialobligationen  ä^lOO
waren  in  Berlin  deponirt.  M.  A.  von  Rothschild  &amp;amp;  Söhne  übernahmen
550  Certifikate  ä  fl  1200  24  ff  —  fl  660  000.
Tilgungsplan:  Zur  Rückzahlung  des  Kapitals  sollte  alljährlich
vom  1.  Oktober  1830  ab,  und  zwar  in  den  halbjährigen  Zinsterminen,
außer  den  Zinsen,  bis  zur  gänzlichen  Tilgung  dieser  Anleihe,  ein
Prozent  dieses  Kapitals,  zum  Behuf  der  Amortisation,  aus  dem  in
der  Verordnung  vom  17.  Januar  1820,  wegen  Behandlung  des  gesamten ­
  Staatsschuldenwesens  (Gesetz-Sammlung  577)  angewiesenen
Staatsschulden-Tilgungs-Fonds  entnommen  und  in  den  ersten
5  Jahren,  folglich  bis  zum  1.  Oktober  1835,  zum  Aufkauf  von  Partialobligationen ­
  nach  dem  Tageskurs,  in  den  zunächst  folgenden  10  Jahren
aber  zu  deren  Aufkauf  nur  dann,  wenn  dies  unter  oder  selbst  zu
16*
        <pb n="251" />
        244

dem  Nennwert  derselben  geschehen  könne,  verwendet,  entgegengesetzten ­
  Falls  aber  von  der  Hauptverwaltung  der  Staatsschulden
aufgesammelt  werden.  Nach  Ablauf  dieser  15  Jahre,  folglich  vom
1.  Oktober  1845  ab,  behielt  sich  die  Regierung  die  Wahl  vor,  entweder
den  bis  dahin  etwa  aufgesammelten  Tilgungsfonds  und  das  jährliche
eine  Tilgungsprozent  in  einem  gleichen  Betrage  von  aufzukaufenden
Partialobligationen  herbeischaffen  oder  baar  an  den  Unternehmer
in  London  einliefern  zu  lassen,  fl  300  000  wurden  auf  den  1.  Oktober ­
  1836,  fl  360  000  auf  den  1.  Juli  1837  seitens  der  Hauptverwaltung ­
  der  Staatsschulden  gekündigt.
C  e  r  t  i  f  i  k  a  t.
No  .  .  .  1200  Gulden  Conv.  Münze  im  24  f  Fuß.
Der  Inhaber  des  gegenwärtigen  Certifikats,  welches  mit  den
angehängten  vom  1.  April  1833  ab  laufenden  Zinskoupons  an  die
Stelle  der  vorgedruckten  bei  uns  niedergelegten  Partialobligation
der  Kgl.  Preuß.  Anleihe  von  1830  und  deren  Zinskoupons  tritt,
genießt  zu  dem  Betrage  von  fl  1200  Conv.  Münze  im  24  ffß  und
4  Prozent  jährlicher  Zinsen  alle  Rechte  und  Vorteile,  welche  dem
Inhaber  der  Partialobligation  selbst  in  der  letzteren  zugesichert
sind,  mit  dem  alleinigen  Unterschiede,  daß  die  Zinsen  halbjährlich
im  24  ff  mit  24  Gulden  und  als  Kapital  dereinst  fl  1200  in  Conv.
Münze  im  24  ffß  zu  Frankfurt  a.  M.  durch  das  Bankierhaus  M.  A.
v.  Rothschild  &amp;amp;  Söhne  daselbst  bezahlt  werden,  und  daß  uns
hinsichtlich  dieses  Certifikats  zu  jeder  Zeit  eine  dreimonatliche,
durch  eine  Berliner  und  eine  Frankfurter  Zeitung  öffentlich  bekannt
zu  machende  Kündigung  freisteht,  mit  deren  Ablaufszeit  die  fernere
Verzinsung  des  Kapitals  für  den  säumigen  Abnehmer  des  letzteren
aufhört.
Wir  verpflichten  uns,  die  gegen  Ausreichung  dieses  Certifikats
bei  uns  niedergelegte  Partialobligation  de  1830  nicht  eher  wieder
in  Umlauf  zu  setzen,  als  bis  dieses  Certifikat  von  dem  Hause
M.  A.  von  Rothschild  &amp;amp;  Söhne  wieder  bei  uns  eingeliefert  ist,  und
werden,  falls  künftig,  bevor  dies  geschehen,  fernere  Zinskoupons
zu  derselben  ausgefertigt  werden  sollten,  solche  für  den  übereinstimmenden ­
  Zeitraum  auch  zu  diesem  (Zertifikate  ausreichen
lassen.
Berlin  den  1.  April  1833
Königliche  Hauptverwaltung  der  Staatsschulden.
        <pb n="252" />
        245

Leiningen-Westerburg  (Graf  Friedrich)  —  1833.
fl  80  000  24  ff  zu  4°/o.  Ausgestellt  Frankfurt  a.  M.  den  30.  Mai
1833,  1.  August  1834.
Die  Tilgung  fand  planmäßig  durch  Verloosung  vom  1.  Juni
1837  bis  1.  Juni  1871  statt.
Diese  Anleihe  bestand  aus  einer  Zessionsschuld  über  fl  60  000,
welche  den  M.  A.  von  Rothschild  &amp;amp;  Söhnen  von  dem  Freiherrn
von  Fürstenberg  zu  Adolfsburg  unterm  11.  November  1832  zediert
wurde,  und  dann  aus  einer  Mehraufnahme  hierzu  von  fl  20  000.
Über  die  erstere  Summe  wurden  einstweilen  Certifikate  (60  ä  1000  fl)
ausgestellt,  die  im  August  1834  gegen  die  emittierten  Partialobligationen ­
  ausgetauscht  und  kassiert  wurden.
Erbach-Fürstenau  —  1834.
fl  450  000  24  ff.  Ausgestellt  Fürstenau  den  1.  Mai  1834  zu  4 0 / 0 .
Tilgungsplan:  Verloosung  von  1850  bis  1889.  Das  ganze  Anlehen ­
  wurde  jedoch  zur  Rückzahlung  pro  1.  März  1843  aufgekündigt.
„Da  dieses  Anlehen  von  uns  auf  Herrn  Ph.  Nie.  Schmidt  absehen ­
  des  Herrn  Grafen  von  Erbach-Fürstenau  übertragen  und  ein
neues  Anlehen  bei  dieser  Handlung  negociiert  wurde,  so  ergab  es
sich,  dass  die  meisten  Partialobligationen  durch  P.  N.  Schmidt  eingelöst ­
  wurden  —  und  mithin  bei  uns  nur  diejenigen  eingelöst,
welche  hier  auf  ihren  speziellen  Nummern  bezeichnet  stehen.  Selbst
diese  wurden  sogleich  an  die  Kasse  bei  Ph.  Nie.  Schmidt  zum
incasso  gesendet.“
Sayn-Wittgenstein-Berleburg  —  1834.
fl  300  000  24  ff.  Ausgestellt  Berleburg  den  15.  Mai  1834  zu  4 0 / 0 .
Tilgung  planmäßig  durch  Verloosung  von  1845  bis  1885.
Fürst  von  Hohenzollern-Hechingen  (Friedrich  Hermann ­
  Otto)  —  1834  und  1836.
fl  82  000  24  ff.  Ausgestellt  Hechingen  den  1.  Juli  1834  und
1.  März  1836  zu  3 1 /4°/o.
Die  Rückzahlung  fand  planmäßig  statt  durch  Verloosung  vom
1.  Juli  1854  bis  1.  Juli  1879.
Empfänger  sämtlicher  Obligationen  war  die  K.  Württembergische ­
  Hofbank.
        <pb n="253" />
        246

Deutsch  Preuß.  Certifikate  —  1834.
Anleihe  auf  Grund  der  am  17.  März  1830  negoziierten  Preuß.-Engl.
  Anleihe  von  £  3  809  400  bei  N.  M.  Rothschild  in  London
zu  4°/o.  Ausgestellt  Berlin  im  Juli  1834.
100  Certifikate  ä  1200  fl  24  ff  =  120  000  fl  24  ff.
Wieder  eingelöst  und  zurückbezahlt  am  1.  Juli  1837.  Im
übrigen  s.  die  Bemerkungen  zu  den  1833  herausgegebenen  (Zertifikaten.
Fürstlich  Fürstenbergische  Anleihe  —  1835.
2  000  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Konstanz  den  8.  Mai  1835  zu  3^/zO/p.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  März  1840  bis  1.  September ­
  1920,  bzw.  Ankauf  der  Partialobligationen,  wenn  sie  unter
dem  Nennwert  im  Kurse  sind.  Die  Hälfte  des  Anlehens  sowie  der
Partialobligationen  bekamen  die  Herren  S.  von  Haber  und  Söhne
in  Karlsruhe  zum  Debit.
Partialobligationen  im  Nominalwerte  von  etwa  575  000  fl  empfing
Jakob  Kusel  in  Karlsruhe.
Fürst  zu  Wied,  Johann  August  Karl  —  1835.
R  700  000  in  effektiv  Preuß.  Courant.  Ausgestellt  Neuwied
den  31.  März  1835  zu  3 1 /2°/o.
Die  Summe  von  40  000  R  übernahm  laut  Vertrag  die  Fürstl.
Rentkammer  für  ihre  Rechnung.
Die  Rückzahlung  fand  planmäßig  statt  durch  Verloosung  vom
1.  Mai  1836  bis  zum  1.  Mai  1895.
Fürst  Bentheim-Tecklenburg  zu  Rheda  (Emil  Friedrich)
1835.
R  450  000  Preuß.  Courant.  Ausgestellt  11.  Mai  1835  auf
Schloß  Hohen-Limburg  zu  4 0 /o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Dezember  1840  bis  zum
1.  Dezember  1896.  Den  3.  Januar  1842  wurde  aber  im  Auftrag  des
Fürsten  von  Bentheim-Tecklenburg  der  Rest  des  ganzen  Anlehens
auf  den  1.  April  1842  zur  Rückzahlung  aufgekündigt.
Prinz  Viktor  zu  Isenburg  —  1835.
fl  140  000  24  ff.  Ausgestellt  Birstein  den  15.  Mai  1835  zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  15.  Mai  1836  bis  15.  Mai  1886.
Auf  den  15.  Mai  1856  wurde  aber  der  damalige  Rest  gekündigt.
        <pb n="254" />
        247

Kurprinz  und  Mitregent  von  Hessen  —  1835.
600  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Kassel  den  21.  Mai  1835  zu  4 0 / 0 .
„Bei  uns  kommen  von  diesem  Anlehen  nur  vor  A  1—65  B  1—65
C  1—10,  zusammen  fl  100  000."
Die  Rückzahlung  fand  planmäßig  durch  Verloosung  vom
15.  Dezember  1842  bis  zum  15.  Dezember  1859  statt.
Als  Empfänger  fast  sämtlicher  Obligationen  wird  eine  vom
Kurprinzen  ernannte  Kommission  bezeichnet,  die  auch  die  Verlosungen ­
  in  Kassel  vornahm.
Fürst  Salm-Reifferscheid-Krautheim  (Konstantin)  —  1835.
335000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Mannheim  den  9.  Oktober  1835
zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verlosung  vom  1.  August  1843  bis  zum  1.  August ­
  1882.  Es  fand  aber  keine  Verlosung  statt,  sondern  das  ganze
Anlehen  wurde  am  22.  September  1839  auf  den  1.  Januar  1840
gekündigt.
Das  Frankfurter  Haus  zedierte  dieses  ganze  Anlehen  an
Jakob  Kusel  in  Karlsruhe.  Jakob  Kusel  ist  denn  auch  als  Empfänger
der  Obligationen  bei  jeder  einzelnen  Nummer  angegeben,  was  auch
für  ähnliche  Fälle  zu  beachten  ist.
Waldeck-Pyrmont  (Fürst  Georg  Heinrich)  —  1835.
700  000  R  20  ff.  Ausgestellt  Arolsen  den  19.  Oktober  1835  zu  4°/o.
Die  Rückzahlung  sollte  durch  Verlosung  vom  Jahr  1851  an
stattfinden.  Tatsächlich  getilgt  durch  Verlosung  vom  15.  August  1846
bis  zum  31.  Dezember  1882.
Als  Empfänger  der  Obligationen  oder  der  Kupons  bis  31.  Dezember ­
  1845  ist  fast  durchweg  die  Fürstl.  Waldeckische  Regierung,
als  Empfänger  der  Kupons  bis  31.  Dezember  1855  und  bis  31.  Dezember ­
  1865  der  Kurfürstlich  Hessische  Staatsschatz  oder  Hausschatz ­
  bezeichnet.
Fürst  Ludwig  v.  Öttingen-Wallerstein  —  1835.
100  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  München  den  2.  Dezember  1835
zu  3°/o.
Tilgungsplan:  Verlosung  vom  1.  Januar  1837  an.  Getilgt
13.  Dezember  1844.
        <pb n="255" />
        248

Löwenstein-Wertheim-Rosenberg  —  1835.
800  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Haid  in  Böhmen  15.  Dezember
1835  zu  4°/o,  31.  Juli  1837  reduziert  auf  3 1 /2°/o.
Die  Tilgung  fand  planmäßig  statt  durch  Verloosung  vom
15.  Dezember  1840  bis  zum  15.  Juni  1890.
Empfänger  der  Partialobligationen  waren  zum  allergrößten
Teil  die  Fürstlich  Löwenstein  -  Wertheim’sche  Hauptkasse  und
J.  J.  v.  Hirsch  in  Würzburg.
Freiherr  Karl  von  Welden-Großlaupheim  —  1836.
50  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Laupheim  den  27.  Januar  1836
zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  31.  Januar  1841  bis  31.  Januar
1846.  Am  27.  Januar  1841  ganz  aufgekündigt  per  31.  Juli  1841.
Fürst  zu  Solms  zu  Lieh  (Ludwig)  —  1836.
300  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Lieh  den  28  März  1836  zu  3 1 /2°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  April  1847  bis  1.  April  1906.
Löwenstein-Wertheim-Rosenberg  —  1836.
350  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Heubach  den  15.  April  1836  zu
3 1 /2°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  15.  April  1841  bis  zum  15.  Oktober ­
  1890.  Wurde  per  15.  Juli  1889  gekündigt
Herzoglich  Anhalt-Cöthen’sche  Anleihe  (Heinrich)
1836.
Taler  325  000  Preuß.  Courant  21  ff.  Ausgestellt  Göthen  den
15.  Mai  1836  zu  3 1 /2°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  15.  Mai  1846  bis  15.  Mai  1866.
Isenburg-Wächtersbach  (Graf  Adolf,  später  in  den
Fürstenstand  erhoben)  —  1836.
200  000  und  94  000  fl  24  ff,  jene  auf  die  Revenüen  im  Kurfürstentum ­
  Hessen,  diese  auf  die  Revenüen  im  Großherzogtum
Hessen.  Ausgestellt  Wächtersbach  den  1.  Juli  1836  zu  3 l /2°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  von  1846  bis  1894.  Auf  den
1.  Sept.  T884  wurde  der  damalige  Rest  gekündigt.
        <pb n="256" />
        249

Herzog  Karl  Ludwig  Bourbon  von  Lucca  —  1836.
1  050  000  fl  24  ff  oder  im  20  ff  875  000  Conv.  Mze.  Ausgestellt
Wien  den  4.  Oktober  1836  zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Januar  1840  bis  zum  1.  Januar ­
  1892.  Getilgt  1892.
Finanzrat  Deines  in  Hanau  empfing  über  eine  halbe  Million  fl
in  Partialobligationen,  Gräfin  von  Alzey  in  Darmstadt  100  000  fl.
Fürst  Löwenstein-Werthe im-Rosenberg  —  1836.
450  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Mannheim  den  10.  Oktober  1836
zu  3'/s°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  15.  April  1841  bis  1891.  Gekündigt ­
  per  15.  Juli  1889.
Weitaus  die  Mehrzahl  der  Obligationen  empfing  Jakob  Kusel
in  Karlsruhe.

Herzog  von  Nassau  —  1837.
2  400  000  fl  24  ff  für  Rechnung  der  Herzoglichen  Landes-Steuer-Kasse.
  Ausgestellt  Biebrich  den  23.  März  1837  zu  3°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  31.  Dezember  1837  ab.  Getilgt ­
  31.  Dezember  1862.
Sachsen-Coburg-Gotha  (Ferdinand)  —  1837.
fl  1  000  000  in  Conv.  Münze  des  20  Guldenfußes.  Ausgestellt
zu  Wien  den  1.  Juli  1837  zu  4°/o.
Rückzahlung  durch  Verloosung  vom  1.  Januar  1838  bis  zum
1.  Juli  1885.

Herzoglich  Nassauisches  Domanial-Kassa-Anlehen
1837.
fl  1  500  000  in  Preuß.  Courant  ä  105  kr.  pr.  Tlr.  und
3  000  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Biebrich  den  21.  Juli  1837  zu  3 1 /2°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Februar  1838  bis  zum
1.  Februar  1887.
Die  fl  1  500  000  in  Preuß  Courant  wurden  durch  die  Schulden-Tilgungs-Kommission
  in  Wiesbaden  emittiert.
        <pb n="257" />
        —  250  —
Sachsen-Coburg-Gotha  —  1838.
1  000  000  fl  20  ff.  Ausgestellt  Wien  den  18.  Mai  1838  zu  4°/o.
Tilgung  durch  Verloosung  vom  1.  Januar  1839  bis  zum  1.  Januar ­
  1885.
Großherzog  von  Hessen-Darmstadt  —  1840.
700  000  fl  im  dermalen  gangbaren  Münzfüße,  den  Gulden
zu  60  Kreuzer  und  den  Kronentaler  zu  2  Gulden  42  kr.  gerechnet.
Ausgestellt  Darmstadt  den  1.  Januar  1840  zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Januar  1851  bis  zum
1.  Januar  1870.  Getilgt  1866.
Erbach-Fürstenau  (Graf  Albert  August  Ludwig)  —  1840.
100  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Fürstenau  15.  April  1840  zu  4°/o.
Die  Tilgung  fand  planmäßig  ohne  Verloosung  durch  Rückzahlung ­
  auf  den  15.  Oktober  1842  auf  ein  Mal  statt.
Herzoglich  Nassauisches  Landeskreditkasse-A
  n  1  e  h  e  n  —  1840.
1  500  000  fl  24  ff  in  dem  dermalen  gangbaren  Münzfüße.  Ausgestellt ­
  Biebrich  den  22.  Juni  1840  zu  3 ! /2°/o.  300  000  fl  waren
nicht  emittiert  und  wurden  im  Dez.  1841  von  M.  A.  von  Rothschild  &amp;amp;
Söhnen  übernommen.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  31.  Dezember  1841  bis  31.  Dezember ­
  1884.  Getilgt  1884.
Karl  Fürst  und  Herr  zu  Löwenstein-Wertheim-Rosenberg
  —  1840.
100  000  fl  in  dermalen  gangbarem  Münzfüße.  Ausgestellt
Heubach  den  15.  Dezember  1840  zu  3°/o.
Tilgungsplan  :  Verloosung  1841—90.  Getilgt  15.  Juli  1889.
Sachsen-Coburg-Gotha  (Ferdinand)  —  1841.
1  000  000  fl  20  ff  Conv.  Münze.  Ausgestellt  Wien  den  4.  Juni
1841  zu  4°/o.
Tilgung  durch  Verloosung  vom  1.  Januar  1842  bis  1.  Januar  1885.
        <pb n="258" />
        251

Herzoglich  Nassauisches  Landeskreditkasse-Anlehen
  —  1842.
1  500000  fl  im  24 1 /2  ffß  Vereinsmünze  (Serie  IV—VI  als  Forts,
von  Serie  I— III  vom  22  Juni  1840).  Ausgestellt  Biebrich  den  22.  September ­
  1842  zu  3 1 ls°lo.
Rückzahlung  fand  statt  durch  Verloosung  1843—86.
Einen  großen  Teil  der  Partialobligationen  empfing  die  General-Domänen-Direktion
  in  Wiesbaden.
Sachsen-Coburg-Gotha  (Ferdinand)  —  1842.
500  000  fl  20  ff.  Ausgestellt  Wien  den  12.  September  1842
zu  4°/ci.
Rückzahlung  durch  Verloosung  vom  1.  Juli  1843  bis  zum
1.  Januar  1885.
Graf  Moritz  Sandor  von  Szlavnicza  —  1843.
670  000  fl  20  ff  Conv.  Münze.  Ausgestellt  Wien  15.  Januar  1843
zu  4 0 /o.  In  Gemeinschaft  der  Herren  M.  A.  von  Rothschild  &amp;amp;  Söhne
in  Frankfurt  a.  M.,  Simon  G.  Sina  und  Arnstein  &amp;amp;  Eskeles  in  Wien.
Karl,  Adolph  und  Hedrich  Grafen  Viczay  von  Vicza
und  H6d6rvär  —  1843.
700  000  fl  20  ff  Conv.  Münze.  Ausgestellt  Wien  den  3.  März  1843
zu  4°/o.  In  Gemeinschaft  der  Herren  M.  A.  von  Rothschild  &amp;amp;  Söhne
in  Frankfurt  a.  M.,  Simon  G.  Sina  und  Arnstein  &amp;amp;  Eskeles  in  Wien.
Rückzahlung  durch  Verloosung  von  1843  bis  1887.
Joseph  und  Anton  von  Szäpäry  —  1843.
300  000  fl  20  ff  Conv.  Münze.  Ausgestellt  Wien  den  16.  Juni
1843  zu  4°/o.  In  Gemeinschaft  der  Wechselhäuser  M.  A.  von  Rothschild ­
  &amp;amp;  Söhne  in  Frankfurt  a.  M.,  Simon  G.  Sina  und  Arnstein  &amp;amp;
Eskeles  in  Wien.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  November  1846  bis  Mai  1887.
Matthias  Friedrich  Ritter  von  Riese  —  1843.
250  000  fl  20  ff  Conv.  Münze.  Ausgestellt  den  18.  Dezember
1843  zu  4°/o.
Tilgungsplan  :  Verloosung  vom  1.  Februar  1850  bis  1.  Februar ­
  1876.
        <pb n="259" />
        252

Karl  Ludwig  v.  Bourbon,  regierender  Herzog  von  Lucca
1843.
1  120  000  fl  20  ff  Conv.  Münze.  Ausgestellt  Wien  am  20.  Dezember ­
  1843  zu  4°/().  ln  Gemeinschaft  mit  den  Herren  Arnstein  &amp;amp;
Eskeles  und  Simon  G.  Sina  in  Wien  kontrahiert.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Juli  1844  bis  1.  Januar  1872.
Getilgt  1872.
Fürstlich  Esterhazy’sches  Anlehen  (Fürst  Paul  Esterhazy ­
  von  Galantha)  —  1844.
6  400  000  fl  20  ff  Conv.  Münze.  Ausgestellt  Wien  den  11.  Januar
1844  zu  4°/o.  ln  Gemeinschaft  der  Wechselhäuser  M.  A.  von  Rothschild ­
  &amp;amp;  Söhne  in  Frankfurt  a.  M.  und  Simon  G.  Sina  in  Wien.
Die  Tilgung  fand  planmäßig  durch  Verloosung  vom  31.  Dezember ­
  1844  bis  31.  Dezember  1899  statt.
Der  Kurf.  Hausschatz  in  Kassel  empfing  cca  250  000  fl,  der
Kurhess.  Staatsschatz  cca  200  000  fl,  der  geheime  Finanzrat  Deines
cca  1  200  000  fl.
Karl  Ludwig  Erzherzog  von  Oesterreich  —  1844.
1  600  000  fl  20  ff  Conv.  Münze.  Ausgestellt  Wien  den  23.  Februar
1844  zu  4°/o.  In  Gemeinschaft  der  Bankhäuser  Simon  G.  Sina,
Arnstein  &amp;amp;  Eskeles  in  Wien  und  M.  A.  von  Rothschild  &amp;lt;6  Söhne  in
Frankfurt  a.  M.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  31.  Dezember  1854  ab.
Heinrich  Herzog  zu  Anhalt-Cöthen  —  1844.
Preuß.  R.  2  000  000  im  21  ff.  in  4  Serien  ä  R  500  000.  Ausgestellt ­
  Coethen  den  15.  April  1844  zu  3°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  15.  April  1845  ab.  Getilgt  1862.
Christoph,  Emanuel  und  Ludwig
Grafen  von  Niczky  —  1844.
340  000  fl  20  ff  in  Conv.  Münze.  Ausgestellt  Wien  den  27.  April
1844  zu  4°/o.  In  Gemeinschaft  der  Häuser  Simon  G.  Sina,  Arnstein ­
  &amp;amp;  Eskeles  in  Wien  und  M.  A.  von  Rothschild  &amp;amp;  Söhne  in
Frankfurt  a.  M.
Rückzahlung  fand  planmäßig  durch  Verloosung  1844  bis
1888  statt.
        <pb n="260" />
        253

Joseph  Graf  von  Hunyady  —  1844.
500  000  fl  20  ff  Conv.  Münze.  Ausgestellt  Wien  den  25.  Mai  1844
zu  4 0 /o.  In  Gemeinschaft  der  Wechselhäuser  Arnstein  &amp;amp;  Eskeles,
Simon  G.  Lina  und  M.  A.  von  Rothschild  &amp;amp;  Söhne.
Rückzahlung  planmäßig  durch  Verloosung  1844  bis  1888.
Die  meisten  Partialobligationen  empfing  der  Kurhess.  Staatsschatz ­
  und  der  Kurf.  Hausschatz.
Prinz  Emil  zu  Hessen  und  bei  Rhein  —  1844.
60  000  fl  20  ff  im  dermaligen  Conventions -Münzfüße.  Ausgestellt ­
  Darmstadt  den  1.  Juli  1844  zu  4 H /o.
Rückzahlungsplan:  Verloosung  vom  1.  Juli  1845  bis  1.  Januar ­
  1860.  Bleistiftnotiz:  Vom  Juli  56  an  nichts  mehr  bezahlt
worden  (eingeklagt).
Die  Partialobligationen  wurden  nicht  durch  das  R’sche  Bankhaus ­
  ausgegeben,  sondern  durch  den  Prinzen  selbst  verkauft.
Kurfürstlich  Hessisches  Lotterie-Anlehen  —  1845
in  168  125  Stück  Prämien-Scheinen  ä  40  Preuss.  Taler.  Pr.  R.  6725000.
Buch  über  den  Ausgang  der  Loose  vorhanden.  Der  Tilgungsplan ­
  erstreckte  sich  auf  50  Jahre.
Großherzoglich  Badische  Anleihe  —  1845
in  400  000  Loosen  ä  fl  35  =  fl  14  000  000.
Kein  Tilgungsbuch  vorhanden  gewesen.  Die  Kontrolle  wurde
wohl  von  der  Regierung  selbst  besorgt.
Graf  Ludwig  von  Szechönyi  —  1845.
1  800  000  fl  20  ff  in  Conv.  Münze.  Ausgestellt  Wien  den
14.  August  1845  zu  4°/o.  In  Gemeinschaft  mit  den  Wechselhäusern
Simon  G.  Sina  und  Arnstein  &amp;lt;6  Eskeles  in  Wien.
Rückzahlung  planmäßig  durch  Verloosung  vom  1.  April  1846
bis  zum  1.  Oktober  1890.
Empfänger  der  Partialobligationen  waren  hauptsächlich  Geh.
Finanzrat  Deines,  das  Sachsen-Coburger  Privat-Bureau,  der  Kurprinz ­
  [v.  Hessen],  der  Kurf.  Hausschatz  und  der  Kurhess.  Staatsschatz.
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        254

Ernst  Heinrich  Fidel  Graf  von  Froberg  und  Weyhers
1845.
100  000  fl  24  ff.  Ausgestellt  Gersfeld  den  31.  Dezember  1845
und  Frankfurt  a.  M.  den  18.  Mai  1847  zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Juni  1851  bis  1.  Juni  1889.
Hugo  Graf  Henkel  von  Donnersmarck  —  1846.
1  125000  fl  20  ff  Conv.  Münze.  Ausgestellt  Wien  den  28.  Mai
1846  zu  4°/o.  In  Gemeinschaft  der  Wechselhäuser  M.  A.  von  Rothschild ­
  &amp;amp;  Söhne  zu  Frankfurt  a.  M  ,  Simon  G.  Sina  und  Arnstein  &amp;amp;
Eskeles  in  Wien.
Tilgungsplan:  Verloosung  von  1847  bis  1892.
Empfänger  der  Partialobligationen  waren  hauptsächlich  der
Kurprinz  von  Hessen,  das  Kurfürst!.  Depot  in  Wien,  der  Kurhess.
Staatsschatz.
Adolf  Graf  zu  Isenburg  und  Büdingen  —  1847.
66  000  fl  24  ff  in  süddeutscher  Vereinswährung.  Ausgestellt
Wächtersbach  den  4.  März  1847  zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  März  1853  bis  1.  März  1890.
Laut  Brief  vom  10.  Sept.  1860  wurde  der  Restbetrag  von  fl  58  000
auf  den  1.  Januar  1861  gekündigt.
Herzoglich  Nassauisches  Staats-Anlehen  —  1849.
1  200  000  fl  24'/z  ff.  Ausgestellt  Wiesbaden  den  24.  Januar  1849
zu  5°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  von  1855  bis  1874.  Getilgt  1854
bis  1856.
Herzoglich  Nassauisches  Staats-Anlehen  —  1851.
1  000  000  fl  24‘/2  ff.  Ausgestellt  Wiesbaden  den  1.  Oktober
1851  zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  30.  Juni  1852  bis  30.  Juni  1893.
Getilgt  durch  Restkündigung  per  31.  Juli  1888.
Herzoglich  Nassauisches  Staats-Anlehen  —  1853.
1  200  000  fl  24 1 /2  ff.  Ausgestellt  Wiesbaden  den  26.  Oktober
1853  zu  4°/o.
Tilgungsplan:  Verloosung  1854  bis  1895.  Getilgt  1889.
Nahezu  die  sämtlichen  Partialobligationen  empfing  die  Herzog!.
Nassauische  Staatskasse.
        <pb n="262" />
        255

Herzoglich  Nassauisches  Staats-Anlehen  —  1858.
4  000000  fl  zu  4°/o.
Tilgungsplan:  30.  Juni  1864  bis  31.  Dezember  1913.  Gekündigt ­
  per  31.  Oktober  1890.
Herzoglich  Nassauisches  Staats-Anlehen  —  1859.
2  000  000  fl  24 1 /2  ff  ä  5°/o,  d.  d.  12.  Juli  1859.  Am  1.  Januar
1866  auf  4°/o  reduziert.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Januar  1865  bis  1.  Juli  1904.
Getilgt  1888.
Herzoglich  Nassauisches  Staats-Anlehen  —  1860.
6  000  000  fl  ä  4 1 /2°/o,  d.  d.  28.  April  1860.
Herzoglich  Nassauisches  Staats-Anlehen  —  1861.
4  000  000  fl  d.  d.  17.  Juni  1861.
Fürstlich  Isenburg-Birstein’sches  Anlehen  —  1865
von  1  000  000  fl  d.  d.  27.  März  1865  zu  4°/o  (südd.  Währung  52 1 / 2  ff).
Stadt  Wiesbaden  —  1865.
500  000  fl  süddeutscher  Währung  zu  4 1 /2°/o.  Ausgestellt  Wiesbaden ­
  den  2.  August  1865.
Tilgungsplan:  Verloosung  vom  1.  Februar  1871  bis  1.  Februar ­
  1910.
Isenburg-Büdingen  —  1865.
350  000  fl  d.  d.  Büdingen  18.  August  1865  zu  4°/o.
Wurde  vom  1.  Januar  1871  ab  durch  Verloosung  getilgt.
Isenburg-Wächtersbach  —  1865.
300  000  fl  16.  September  1865  zu  4°/o.
Wurde  seit  dem  1.  Januar  1871  durch  Verloosung  getilgt  und
sollte  1911  völlig  getilgt  sein.
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        ..  -

ä'-—

  256  —
Meyer  Amschel  Rothschilds  Nachkommen  in  der
ersten  Generation.
Amschel  Mayer  Freiherr  von  Rothschild  in  Frankfurt  a.  M.,  geboren
den  12.  Juni  1773,  vermählt  mit  Eva  Hanau  am  16.  November
1796,  gestorben  den  6.  Dezember  1855.
Salomon  Mayer  Freiherr  von  Rothschild  in  Wien,  geboren  den
9.  September  1774,  vermählt  mit  Karoline  Stern  am  26.  November ­
  1800,  gestorben  den  27.  Juli  1855.
Nathan  Mayer  Freiherr  von  Rothschild  in  London,  geboren  den
16.  September  1777,  vermählt  mit  Hanna  Cohen,  gestorben
den  28.  Juli  1836.
Karl  Mayer  Freiherr  von  Rothschild  in  Neapel,  geboren  den
24.  April  1788,  vermählt  mit  Adelheid  Herz  am  16.  September
1818,  gestorben  den  10.  März  1855.
Jakob  genannt  James  Mayer  Freiherr  von  Rothschild  in  Paris,
geboren  den  15.  Mai  1792,  vermählt  mit  Betty  Freiin  von  Rothschild ­
  am  11.  Juli  1824,  gestorben  den  15.  November  1868.
Schönche  genannt  Jeannette  Rothschild,  geboren  den  20.  August
1771,  vermählt  mit  Benedikt  Moses  Worms  am  28.  Oktober ­
  1795,  gestorben  den  15.  Februar  1859.
Belche  genannt  Isabella  Rothschild,  geboren  den  2.  Juli  1781,
vermählt  mit  Bernhard  Juda  Sichel  am  17.  Januar  1802,
gestorben  den  28.  September  1861.
Breinliche  genannt  Babette  (Breunle)  Rothschild,  geboren  den
29.  August  1784,  vermählt  mit  Siegmund  (Seligmann)  Leopold
Bey fus  am  9.  März  1808,  gestorben  den  16.  März  1869.
Julie  (Gotton)  Rothschild,  geboren  1789,  vermählt  mit  Meyer  Levin
Beyfus  am  22.  August  1811,  gestorben  den  28.  Juni  1815.
Henriette  (Jettchen)  Rothschild,  geboren  1791,  vermählt  mit
Abraham  Montefiore,  gestorben  den  19.  Februar  1866.
        <pb n="264" />
        f'*MA
GEf^  •&amp;lt;  .^n$  GtlMAE
f:  C)  TAU»  N.O,

Register.

Adami,  Jakob  20.
Adler,  Johannes  (fingierter  Name)  73.
Alexander  I.  von  Rußland  77.  179
(Anm.  114).
Allendorf  63.  136.
Alopeus,  von,  russischer  Gesandter
187  (Anm.  179).
Alt  195  (Anm.  233).
Altenburg  79.
Altenhaßlau  73.  140.  143—145.
Altona  71.  73.  77.  93.  107.  133.  175
(Anm.  61).  179  (Anm.  110).  187
(Anm.  184).
Alzey,  Gräfin  von  249.
Amsterdam  15  f.  20.  23.  128.  186
(Anm.  177).
Anhalt-Göthen  236.  238.  248.  252.
Anhalt-Zerbst  24.
Anspach-Bayreuth  24.
Apanagialgelder  s.  Deputatgelder.
Aretin,  Freiherr  von  235.
Arnold!  (fingierter  Name)  73.
Arnstein  &amp;amp;  Eskeles  251—254.
Arolsen  56.  175  (Anm.  61).  247.
Arstenius,  Wilhelm,  Postmeister  83.
Artlenburg  71.
Auerstädt  109.
Auguste,  Gemahlin  des  Kurprinzen
Wilhelm  von  Hessen  59.  106.  202.
Babenhausen  76.  176  (Anm.  63).  211.
Bacher,  von,  Gesandter  141.

Baden  46  f.  48-50.  253.
Baiern  48.  65  f.
Bank  von  England  129—131.
Bansa,  Johann  Konrad  192(Anm.  210).
Bansa,  Johann  Matthias  192  (Anm.
210).
Bansa,  Sophia  geb.  Streiber  192
(Anm.  210).
Bansa  &amp;amp;  Sohn  138  f.  192  (Anm.  210).
Bansa,  Reus  &amp;amp;  Sohn  192  (Anm.  210).
Barckhaus,  von,  Staatsminister  43.
Bartenstein  234.
Basel  47.  95.
Baumbach,  von,  Staatsminister  59.
68.  180  (Anm.  137).
Baurmeister,  von,  Generalmajor  95.
Beermann  62.
Belli,  geb.  Gontard,  Maria  164.  197.
Bentheim-Tecklenburg  zu  Rheda
246.
Benzel-Sternau,  Graf  Christian  von,
Finanzminister  158.
Berg  171  (Anm.  22).
Berleburg  245.
Berlin  17.  20.  70.  71.  82.  184  (Anm.
164).  243.  244.  246.
Bernadotte  109.
Bernard  5.
Bernstorff,  Graf  111  f.
Bertuch,  Friedrich  Justin  10.
Besangon  107.
Bethmann,  Moritz  von  158.
17
        <pb n="265" />
        258

Bethmann,  Gebrüder.  Übernahmen
1748  das  Bankhaus  Jakob  Adami
20.  Verkauften  englische  Wechsel
für  den  Landgrafen  von  Hessen  26.
Übermittelten  dänische  Zins-  und
Stückzahlung  an  den  Landgrafen
von  Hessen  34.  37.  42.  111.  Eröffneten ­
  1801  eine  dänische  Anleihe ­
  von  1  Mill,  fl  36.  Verbindung
mit  Rothschild  37.  41.  Bewarben
sich  1806  um  eine  dänische  Anleihe
im  Betrage  von  '/-  Mill,  fl  42  f.
Standen  in  Wertschätzung  beim
Kurfürsten  von  Hessen  83.  Ausgeschaltet ­
  durch  Buderus  89—91.
Beyfus,  Meyer  Levin  227.  256.
Beyfus,  Seligmann  Leopold  227.  256.
Biebrich  237.  239.  241.  249.  250.  251.
Biel  175  (Anm.  63).
Birstein  237.  241.  242.  246.
Blum  124.
Böger,  Burgvogt  61.
Bohlen,  Graf  von  60.
Böhmen  77.  92.  106.
Boitzenburg  79.
Bonaparte,  Laetitia  111.  112.
Bonnet,  Thomas,  Notar  131.
Börne,  Ludwig  160  f.  164.
Böttner  211.
Botwitt  230.  231.
Bourienne  107  f.  110.  187  (Anm.  179).
Bradforth  13.
Braunsberg  &amp;amp;  Ko.  in  Amsterdam  186
(Anm.  177).
Braunschweig  24.
Breisgau  47.
Brentano  5.
Brest  17.
Brockhaus,  F.  A.  154.195  (Anm.  232).
Brüssel  15.
Bubenetsch  81.  106.
Buchholz,  Dr.,  Syndikus  238.
Buderus  von  Carlshausen,  Dorothea ­
  140.
Buderus  von  Carlshausen,  Karl
Friedrich.  Landkassen-Obereinnehmer
  in  Hanau  25.  Oberkriegskommissar ­

  in  Kassel  25.  Wurde
befördert  bis  zum  Geheimen
Kriegsrat  33.  Hatte  mit  Lennep
zusammen  bei  Geldgeschäften  des
Kurfürsten  über  die  Provisionen
zu  verhandeln  41.  174  (Anm.  43).
Verbarg  die  kurfürstlichenEffekten
57—60.  Schaffte  die  Bestechungsgelder ­
  für  Lagrange  an  133.
Empfing  von  Schmerfeld  die  Bescheinigung ­
  über  die  Ablieferung
von  neunzehn  geretteten  Kisten
an  die  Bankfirma  Preye  &amp;amp;  Jordis
in  Frankfurt  a.  M.  64.  Erhielt  alle
noch  in  den  Händen  Lagranges
befindlichen  Schriftstücke  ausgehändigt ­
  68  f.  Folgte  dem  Kurfürsten ­
  nach  Gottorf  71.  Stellte
ihm  seine  weiteren  Dienste  zur
Verfügung  73.  Stand  in  geschäftlichem ­
  und  freundschaftlichem
Briefwechsel  mit  Lawätz  42  f.  71.
73  f.  126.  193  f.  War  während  der
Exilzeit  Chef  der  Vermögensverwaltung ­
  und  Hauptrechnungsführer ­
  des  Kurfürsten.  Allgemeines
73.  75.  87.  93.  150  f.  183  (Anm.  162).
Verkehr  mit  Prag  81.  Medaillenkabinett ­
  12.  80.  Obligationen  an
Lawätz  72.  Hardenberg  121.  Graf
Hahn  121—123.  189  f.  (Anm.  186).
Englische  Stocks  127—132.  191
(Anm.  193).  Kupons  181  (Anm.  144).
S.  g.  Holländisches  Geschäft  186
(Anm.  177).  Berechnung  mit  Knatz
und  Lawätz  188  f.  (Anm.  184).  Organisation ­
  192  f.  (Anm.  215).  Begab
sich  dann  und  wann  zum  Kurfürsten ­
  nach  Schleswig  74.  Sortierte ­
  mit  Galland  das  Depot  der
Preye  &amp;amp;  Jordis  in  Frankfurt  a.  M.
und  übermittelte  dem  Kurfürsten
wichtige  Akten  75.  Stand  auf  seiten
Rothschilds  gegen  die  Rüppell  &amp;amp;
Harnier  und  gegen  Lennep  86—88.
180  (Anm.  137).  Auch  gegen  die
Gebr.  Bethmann  89—91.  Formierte
        <pb n="266" />
        17*

259

die  Extraordinarien-Rechnung  für
England  96.  Rettete  Kassenbestände ­
  zur  Zeit  der  französischen
Okkupation  97.  Hauptrechnungsbuch ­
  97  f.  Nachlaßakten  101.  Verwaltung ­
  der  Partialobligationen
102.  Tabellen  auf  Grund  seiner
Rechnungsbücher  102  f.  114s.  134f.
18ö  (Anm.  167).  Abliefer,  an  den
Kurfürsten  105.  114.  187  f.  Gegen
Wittgenstein  108  f.  Bemühte  sich
um  die  Wiedereinsetzung  des
Kurfürsten  110.  Kürzte  die  Bestechungssumme ­
  des  Barons
von  Wächter  112.  Verstimmungen
zwischen  ihm  und  dem  Kurfürsten
136.  182f.  (Anm.  158).  190  (Anm.
185).  Verfolgungen  seitens  der
Franzosen  133.  138—143.  192
(Anm.  213).  Hatte  an  Rothschild
ein  Kapital  von  20000  fl  geliehen
141  f.  Verhältnis  zum  Großherzog
von  Frankfurt  und  Gesinnung
gegenüber  dem  Kurfürsten  von
Hessen  143  f.  192  f.  (Anm.  215).
Die  Legende  von  der  Verbergung
des  kurfürstlichen  Vermögens  auf
seinem  Gute  Carlshausen  144  f.
Brachte  mit  seinem  Schwiegersohn, ­
  dem  Kriegsrat  von  Zipf,
eine  Anleihe  des  Fürsten  zu
Leiningen  und  eine  solche  des
Fürsten  von  Löwenstein-Wertheim ­
  zustande  155.  195  f.  (Anm.
233).  Konflikt  mit  seinem  Beamten-KolIegium
  159.  Erhebung
in  den  Adelsstand  177  (Anm.  96).
Sendung  nach  Frankreich  184
(Anm.  165).  Aktenstücke  198  bis
202.  206—218.
Büding,  Moses  Joseph,  Oberhofagent
37.  42.  53.  175  (Anm.  57).
Büdingen  25.  255.
Buttler,  von,  Oberstleutnant  138.
Buxbaum,  Wolf  6.
Buxton,  Sir  Thomas  Fowell  14.
147.  153.

Carlshausen  (Gut)  73.  74.  81.  94.
140.  161.  213.  215.
Carlshausen,  Buderus  von.  S.:  Buderus.

Carlshausen,  Lothar  von,  Oberstleutnant ­
  und  Kammerherr  176
(Anm.  64).  194  (Anm.  216).
Clarence,  Herzog  von.  S.:  Wilhelm
Heinrich.
Cohen,  Hanna  256.
Cohen,  Salomon  Jakob  7.  146.
Colloredo,  Fürst  82.
Cornberg,  von  134.
Göthen  236.  238.  248.  252.
Dalberg,  Karl  von,  Fürst-Primas  des
Rheinbundes,  Großherzog  von
Frankfurt  79  f.  143.  157  f.  173
(Anm.  35).
Dallaeus,  Polizeikommissar  141.
Dänemark  1.  34—43.  49—51.  57.  70.
77.  78.  84.  85  f.  98.  125—127.  171
(Anm.  22).
Darmstadt  50.  138.  235.  237—240.
249.  250.  253.
David  Feidel.  S.:  Feidel.
Deines,  Geheimer  Finanzrat  233.  234.
235.  237.  249.  252.  253.
Delbrück,  Sekretarius  72.  81f.  97.
151f.
Deputatgelder  105  f.  114.  116.  185
(Anm.  169).
Dessau  79.
Deutscher  Befreiungskrieg  114.
Donop,  von,  Major  138.
Dörnberg,  von,  Oberst  139.
Dreyer,  von,  dänischer  Gesandter
113.
Dumeniel,  Kaiserlicher  Kommissar
139.
Dünkirchen  15.  131.
Eberstein,  von,  Minister  165.
Echenique  &amp;amp;  Co.  16.
Eden-Vertrag  17.
Ehrenbreitstein  109.
Eisenach  63.  75.  136.  198.  212.
        <pb n="267" />
        260

Elbe  17.  71.  140.
Elchanan  1.  5.
Elmshorn  175  (Anm.  61).
Elsaß  47.
Engelhard,  Oberst  141.
England  14.  17.  18.  19.  23.  24.  33.
55.  56.  60.  77.  109.  127.  179
(Anm.  110).  191  (Anm.  196).
Erbach-Fürstenau  236.  239.  245.  250.
Ernst,  Oberstleutnant  138.
Eßlinger,  Johann  Philipp  139.
Esterhazy  252.
Esther  1.  5.
Falck,  Löb  Laimann  230.  231.
Feidel,  David  23.  25.  175  (Anm.  57).
Feidel,  Levy  175  (Anm.  57).
Feilchenfeld,  Realschuldirektor  169
(Anm.  6).
Fontainebleau  18.  19.
Fouche,  Polizeiminister  111.
Frankfurt  a.  M.  Einwanderung  der
Rothschild  1.  Judengasse  [Allgemeines ­
  1—4.  Haus  zum  grünen
Schild  1—4.  6.  20  f.  28.  137.  166  f.
197.  Zum  roten  Hirsch  167  (Anm.  2).
Zum  roten  Löwen  167  (Anm.  2).
Zum  roten  Schild  1.  4.  Zur
goldenen  Arche  2.3.167  (Anm.  2).
Zur  Hinterpfann  1.  4.  6.  20  f.
Zur  Sichel  167  (Anm.  2).  Versteigerung ­
  der  Brandplätze  im
Jahre  1808  21  f.  172  (Anm.  27)].
Börnestraße  3.  Rothschildsches
Bankgebäude  4.  21  f.  Wohnort
der  Rothschild  und  anderer  Kaufleute ­
  9.  14—16.  24-26.  36.  37.
43.  44.  46  f.  81.  99.  102.  127.  128.
131.  132.  136.  148.  150.  158.  175
(Anm.  57).  178  (Anm.  105).  256.
Freiherr!.  Carl  von  Rothschildsche
öffentl.  Bibliothek  10.  168  (Anm.
5.  6).  170  (Anm.  17).  172  (Anm.
28).  173  (Anm.  39).  178  (Anm.  101).
Dekret  aus  Fontainebleau  und
Impost  von  Trianon  18  f.  Administrationsamt21.
  Kurtrierischer

Hofplatz  21.  137.  Schnurgasse
21  f.  137.  176  (Anm.  76).  Handlungs-Adreßkalender ­
  22.  Bornheimerstraße22.
  Messe  23.Warenund
  Wechselgeschäft  26f.  Gehälter
der  Ratsherren  28.  Kommende  des
Johanniterordens  48.  Mensings
Transport  nach  Frankfurt  63.  Saalgasse ­
  63.  Verbringung  sonstiger
Akten  nach  Frankfurt  68  f.  Geplante ­
  Verbringung  sämtlicher
Frankfurter  Depots  nach  Eisenach ­
  75.  Ankunft  der  Kaiserin
Josephine  80.  Unterbringung  des
kurfürstl.  Medaillenkabinetts  80.
Anleihe  im  Jahre  1802  von  4  Mill,  fl
84.  Baron  von  Wächter  in  Frankfurt ­
  Ulf.  Stadt-  und  Landgericht
139.  Wohnort  Lenneps  140.  Savagner
  in  Frankfurt  141  f.  Rothschildlegende ­
  144  —  146.  153.
Bürgerrecht  der  Juden  158.  Philanthropin ­
  160.  Reichsoberpostamt
156.  Wechselprotestkontor  176
(Anm.  77).  Aktenstücke  199  bis
203.  206.  207.  212.  214.  215.  223.
226.  227.  229—231.  Appellationsgericht ­
  234.  Anleihen  der  M.  A.
Rothschild  &amp;amp;  Söhne  244.  245.  254.
Frankfurt,  Großherzogtum  18.  143.
157f.
Frankreich  17.  18.  56.  77.  78.  81.
95.  110.  131.  171  (Anm.  22).
Franz  11.,  Kaiser  79.  109.  156.  162.
171  (Anm.  18).
Franzensbad  81  (Drucks.:  Franzenbrunn).

Freiburg  i.  B.  49.
Freimann,  Bibliothekar  Prof.  Dr.  168
(Anm.  5).
Friederich  171  (Anm.  18).
Friedland  121.
Friedrich,  Kronprinz  und  Mitregent
von  Dänemark  71.  78.  112.  179
(Anm.  114).
Friedrich,Landgraf  zu  Hessen-Kassel
70.106.185(Anm.l69).195(Anm.233).
        <pb n="268" />
        261

Friedrich,  Herzog  von  York  94  f.  181
(Anm.  149).  185  (Anm.  167).
Friedrich  II.,  Landgraf  von  Hessen-Kassel
  8.  24.  55  f.  70.
Friedrich  V.  von  Dänemark  70.
Friedrich  Wilhelm  Ill.  von  Preußen
35.  70.  82.  108.
Fritzlar  210.  213.  214.
Froberg  und  Weyhers,  ErnstHeinrich
Fidel  Graf  von  254.
Frohn,  von,  Generalfeldmarschall-Leutnant
  82.
Fuchs,  Paul  Christian  176  (Anm.  77).
Fürstenau  239.  245.  250.
Fürstenberg  246.
Fürstenberg  zu  Adolfsburg,  Freiherr
von  245.
Fürth  7.  168  f.
Galizien  160.
Galland,  Archivarius  68.  75.  81.
141.  178  (Anm.  105  u.  107).  207.
213—218.
Geiger,  Michael  Lazarus  230.  231.
Geisenheimer,  Seligmann  30  f.  160.
173  (Anm.  35).
Gelnhausen  73.  110.  143.
Genthin  79.
Gentil,  General  -  Domänendirektor
184  (Anm.  165).
Gentz,  Fr.  von  146.  147.  153.
Georg,  Prinz  von  Wallis,  seit  1811
Prinzregent  94  f.  181  (Anm.  149).
185  (Anm.  167).
Georg  II.  von  Großbritannien  70.
Gerlach  49.
Oersdorfs,  Graf  von  10.
Gersfeld  254.
Geylingen,  von,  Geheimer  Rat  76.
107.  112  f.  131.179  (Anm.  114).  211.
Ghesel,  van,  &amp;amp;  Söhne  23.
Gl  atz  82.
Glückstadt  77.
Goldberg  114.
Goldschmidt,  Samson  R.  175  (Anm.
57).
Goldschmidt  seel.  Sohn,  Ruben

Hesse,  Hof-  und  Kriegsagenten
91.  92.  108.  186  (Anm.  177).
Goldstein,  von  (fingierter  Name)  73.
Gontard,JakobFriedrich,&amp;amp;Söhne26.
Gosch  &amp;amp;  Lotes  15.
Gotha  49.  70.
Göttingen  70.
Gottorf  60.  71—73.  77.  78.  80.  133.
136.  142.  179  (Anm.  110).  192
(Anm.  215).
Gottsched,  Steuerrat  60.  75.  142.
Grambower  Glasfabrik  134.
Greiffenclau  236.
Grimm,  Jakob  101.  184  (Anm.  164
und  165).
Grimmeisen  5.
Großbritannien  70.
Grunelius,  Andr.  20.
Gschwind,  Kriegsrat  75.  179  (Anm.
110).  215.
Günderrode,  von,  Geheimrat  90.
Güstrow  189  (Anm.  184  u.  186).
Gutlin  6.
Gutzkow  146.
Haber  &amp;amp;  Söhne,  von  246.
Hahn  zu  Remplin,  Graf  Karl  von,
Erblandmarschall  96.  121—123.
134.  189  f.  (Anm.  186).
Haid  in  Böhmen  240.  248.
Hamburg  14.  20.  71.  80.  107.  109.
128.  136.  141.  152.  180  (Anm.  121).
Hameln  175  (Anm.  61).
Hanau  8—10.  23—26.  61.  66.  73.  75.
85.  93.  98.  100.  110.  111.  124.
134  f.  138.  140.  142.  143.  148.  159.
170  (Anm.  17).  177  (Anm.  87).  178
(Anm.  105).  185  (Anm.  169).  201  f.
215.  241.  249.
Hanau,  Eva  29.  256.
Hanau,  Feist  Henoch  230.  231.
Hanau-Münzenberg  8.
Hanna  6.
Hannover  7.  71.
Hannover  (Land)  48.
Hansen,  Legationsrat  190  (Anm.  186).
Hansestädte  171  (Anm.  22).
        <pb n="269" />
        262

Harburg  175  (Anm.  61).
Hardenberg,  Graf  109.  114.  121.  134.
189  (Anm.  185).
Hardenberg-Reventlow,  Graf  238.
Harnier,  Kaspar,  Kriegsrat  83.
Harnier,  Louis  83.  87.  180  (Anm.
137).
Haugwitz,  Graf  109.
Hauser,  Buchhalter  bei  Rothschild
31.  173  (Anm.  35).
Haußmann,  Oberrentmeister  214.
Hayn  au,  von  57.  58.  62.  96.  121.
135.  175  (Anm.  63).  202.  210.
Hechingen  241.  242.  245.
Hedemünden  62.
Heidelberg  46.
Heidenburg  235.
Heimrodt  57.  58.  62.  96.  175  (Anm.
63).  202.  210.
Heinrich  IV.  von  Frankreich  205.
Heitersheim  48.  50.
Henckel  von  Donnersmarck,  Hugo
Graf  254.
Herpell,  Obereinnehmer  in  Sankt
Goarshausen  80.
Hertz,  Loeb  15.
Herz,  Adelheid  256.
Heß,  Michael,  Oberlehrer  160.
Hessen-Darmstadt  43—46.  48.  50  f.
235.  237.  238.  239.  240.  241.  248.
250.  253.
Hessen-Kassel.  Beamtenverhältnisse
35.  159  f.  Besetzung  durch  die
Franzosen  37.  53.  Judenschaftliche
  Korporation  53  f.  Finanzverwaltung ­
  64—66.  92  f.  Kriegskontribution ­
  von  6  Mill.  Livres
67.177  (Anm.  86).  Soldatenaufstand
110.  Anleihe  der  Landstände  124.
Anleihen  bei  M.  A.  Rothschild  &amp;amp;
Söhnen  233.  234.  235.  237.  242
243.  247.  253.  Beteiligung  bei
Anleihen  der  M.  A.  Rothschild  &amp;amp;
Söhne  233.  234.  236.  237.  238.
240.  247.  252.  253.  254.  Einkünfte
von  Isenburg-Birstein  242.  Von
Isenburg-Wächtersbach  248.  Geschäftsverbindung ­

  mit  Meyer
Amschel  Rothschild.  S.:  Wilhelm  I.
Kurfürst  von  Hessen.
Hessen-Kassel,  Friedrich  Landgraf
zu.  S.:  Friedrich.
Hessen-Kassel,  Karl  Landgraf  zu.
S.:  Karl.
Hessen-Kassel,  Wilhelm  Kurprinz
von.  S.:  Wilhelm.
Hessenstein  57.  58.  62.  76.  96.  175
(Anm.  63).  178  (Anm.  107).  202.
210.  211.  S.  a.:  Schlotheim.
Heubach  248.  250.
Heyder  26.
Hildebrand,  Handelsmann  148.  194
(Anm.  225).
Hirsch,  J.  J.  von  240.  248.
Höchst  6.
Hohen-Limburg  246.
Hohenlohe-Ingelfingen  65.
Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein
234.
Hohenzollern-Hechingen  241.  242.
245.
Holland  18.  23.  25.  38.  55.  171
(Anm.  22).  184  (Anm.  165).  186
(Anm.  177).
Holländisch  Ostindische  Kompanie
186  (Anm.  177).
Hollweg,  J.  J.  20.
Holstein  70-74.  77.  78.
Holzschue,  Kaufmann  191  (Anm.203).
Homburg  234.  240.
Homburg  v.  d.  H.  234.  240.
Hoven,  Franz  von  3.  166.  168
(Anm.  5).
Hunyady,  Joseph  Graf  von  253.
Ignaz,  Fürst,  Johannitermeister  157.
Ihringk,  Oberkammerrat  189  (Anm.
186).
Illyrische  Provinzen  171  (Anm.  22).
Isak  Elchanan  zum  roten  Schild
1.  4.  5.  167  (Anm.  4).
Isenburg  101.
Isenburg-Birstein  196  (Anm.  233).
237.  241.  242.  246.  255.
        <pb n="270" />
        263

Isenburg-Büdingen  166  f.  254.  265.
Isenburg-Meerholz  239.
Isenburg-Wächtersbach  61.  201.  202.
211.  211.  248.  255.
Italien  109.  171  (Anm.  22)
Itzehoe  12.  72.  75—78.  80.  89.  90.
106.  111.  136.  175  (Anm  61).  178
(Anm.  106).  179  (Anm.  121).  186
(Anm.  177).  189  (Anm.  184)  211.
Jacobs,  Kapitän  14.
Jaion  15.
Jassoy,  Ludwig  158.
Jauer  114.
Jena  175  (Anm.  60).
J6rdme,  König  von  Westfalen  93  f.
100  f.  136.  141.  181  (Anm.  149)
184  (Anm.  164).
Johanniterorden  47—50.
Jordis,  Antoinette  Rahei,  geb.  Firnhaber ­
  von  Eberstein  176  (Anm.  77).
Jordis,  Jakoba  Magdalena  176
(Anm.  77).
Jordis,  Johann  Heinrich,  Geheimer
Legationsrat  26.  176  (Anm.  77).
Jordis,  Karl  176  (Anm.  77).
Jordis,  Karl,  Legationsrat  in  Frankfurt ­
  und  Kassel  63.  68.  89—91.
133.  137.  176  (Anm.  77).  177  (Anm.
86).  188.  212.  214.  215.
Jordis,  Maria  Anna  Elisabeth,  geb.
Freye  176  (Anm.  77).
Joseph  aus  Höchst  6.
Josephine,  Gemahlin  Napoleons  1.80.
Juda  Salomon  Abraham  99.
Jussow,  Oberbaurat  60.
Kahn,  Amschell  9.
Kalonymos  Kaz  6.
Kappeln  57.
Karcher,  von,  Legationssekretär  113.
Karl,  Landgraf  zu  Hessen-Kassel
55.  70s.  106.  111.  121.  134.  185
(Anm.  169).  188.  193.
KarlAugustvonSachsen-WeimarlO.
Karl  Friedrich  von  Baden  196
(Anm.  233).

Karl  Theodor  von  der  Pfalz  109.170
(Anm.  13).
Karlsaue  55.
Karlsbad  79.  81.  139.
Karlshafen  93.  100.  204.  217.
Karlsruhe  46.  246.  247.  249.
Kassel  23.  24.  26.  36—40.  44.  49.
51—54.  55.  56.  58  u.  59  (Bellevueschloß, ­
  Bildergalerie,  Marstall,
Museum  und  Schloß).  62  (Schloß
u.  Bellevueschloß).  64.  66  u.  68
(Bellevueschloß).  71.  74.  75.  76
(Bellevueschloß).  78.  81.  83.  84.
86.  96.  99.  109.  112.  122.  133.  136.
137.  138.  140.  142  (Bellevue).  148.
170  (Bellevue).  175  (Anm.  57).
183  (Anm.  158).  184  (Anm.  164).
185  (Anm.  169).  193.  198.  199  f.
(Bellevueschloß).  202  (Bildergalerie, ­
  Marstall,  Museum,  Schloß).
203.  205  (Bellevueschloß).  207.  211.
212.  214.  215.  218.  233.  234.  235.
237.  242.  243.  247.
Kauka  81.
Kellermann,  Leutnant  75.  178  (Anm.
106).
Kellermann,  Marschall  138.  140.
143.  148.
Kiel  109.
Kleinhaus,  Georg,  Rentmeister  176
(Anm.  63).
Knatz,  Kriegskommissarius,  später
Kriegsrat  72  f.  79.  81  f.  97.  103  bis
105  (Tabellen  auf  Grund  seiner
Reservekassenrechnung,  ebenso
116—121).  105.  106.  149.  159.  182
(Anm.  158).  186  (Anm.  177).  187  f.
(Anm.  184).
Knopf,  Konrad  13.
Kolding,  72.
Königsberg  109.
Konstanz  246.
Kontinentalsperre  18.
Kopenhagen  40.  49—51.  70.  74.  77.
84.  86.  112.  180  (Anm.  133).
Kopp,  Geheimer  Kabinettsrat  46.
Krehenberg  236.

s.

W
        <pb n="271" />
        264

1470

Kremsier  82.
Kunckel!  vonLöwenstern,Geheimrat
75.  178  (Anm.  106).  189  (Anm.  186).
Kusel,  Jakob  246.  247.  249.
Lachmann  &amp;amp;  Co.  15.
Lagrange,  Generalgouverneur  von
Hessen-Kassel  56.  Erste  Bestechungsaffäre ­
  61.  Zweite  Bestechungsaffäre ­
  64.66—68.93.125.
Kriegskontribution  für  Hessen-Kassel
  und  Tableau  von  11  Mill.
Rtlrn.  67  f.  80.  93.  99  f.  101.  177.
Beschaffung  und  Summe  der
Bestechungsgelder  91.  107.  133.
Proklamation  vom  18.  Febr.  1807
110.  Kriegsminister  unter  Jeröme
136  f.  Aktenstücke  198—201.  204
bis  208.  216.
Landau  170  (Anm.  17).
Laukhard,  Friedrich  Christian  144.
175  (Anm.  60).
Laupheim  248.
Lawätz,  J.  D.  Vermittelte  zwischen
Rothschild  und  der  dänischen
Regierung  39—43.  Überrfiittelte
Kriegsnachrichten  für  Buderus
nach  Gottorf  71.  Empfing  von
Buderus  Kabinettskassenobligationen ­
  zur  Aufbewahrung  72.  74.
Lieferte  sie  zurück  76.  Stand  in
geschäftlichem  und  freundschaftlichem ­
  Briefwechsel  mit  Buderus
71.  73  f.  126.  War  beteiligt  bei
der  Rettung  der  kurfürstlichen
Effekten  178  f.  (Anm.  110)  und
bei  der  Vermögensverwaltung  des
Kurfürsten  während  der  Exilzeit
73.  92.  93.  97.  106.  112.  125—127
(Dänemark).  138  f.  178  (Anm.  106).
187—189  (Anm.  184).  Kaufte  heimlich ­
  in  Itzehoe  ein  Haus  für
den  Kurfürsten  77.  Vermittelte
zwischen  dem  Kurfürsten  und
Buderus  136.  Gesamturteil  über
Rothschild  159.  Gesinnung  gegenüber ­
  dem  Kurfürsten  193  f.

Lechnich,  Meier  6.
Le  Court  de  Villiere,  Oberst  143.
Leeds  13.
Leiningen  65.  83.  134.  155.  195  f.
(Anm.  233).  237.  245.
Leipzig  79.  154.  195.
Leith  Packet,  Handelsschiff  179
(Anm.  110).
Lennep,  C.  W.,  Geheimer  Kriegsrat.
Hatte  mit  Buderus  zusammen  bei
Geldgeschäften  des  Kurfürsten
überdie  Provisionen  zu  verhandeln
41.  174  (Anm.  43).  Sortierte  das
Depot  auf  Stölzingen  61  f.  Nahm
Obligationen  und  Kupons  in  Verwahrung ­
  62.  Lieferte  die  Kupons
wieder  ab  76.  88.  91.  Hatte  Verluste ­
  dabei  87.  Überbrachte  dem
Kurfürsten  persönlich  zwei  Kisten
mit  Pretiosen  62.  74.  Besorgte
eine  Kiste  mit  Kupons  aus  dem
Depot  der  Freye  &amp;amp;  Jordis  in
Frankfurt  a  M.  an  den  Kurfürsten
74  f.  Ebenso  die  Unterpfänder
der  Rüppell  &amp;amp;  Harnier  75.  Stand
auf  Seiten  der  Rüppell  &amp;amp;  Harnier
gegen  Buderus  und  gegen  Rothschilds-88. ­
  Hatte  den  Umtausch
der  Lombardobligationen  etc.  von
vier  Bankiers  auszuführen  87.
98  f.  183  (Anm.  162).  War  auch
sonst  bei  der  Vermögensverwaltung ­
  des  Kurfürsten  während  der
Exilzeit  beteiligt  72  f.  121.  124.
179  (Anm.  121).  191  (Anm.  202).
Lieferte  alle  in  seinem  Besitze
befindlichen  Staatspapiere  an  den
Kurfürsten  ab  88  f  Begünstigte  den
Fürsten  von  Wittgenstein  88.  108.
186  (Anm.  177  s.  g.  Holländisches
Geschäft).  Verfolgungen  139—142.
Gehaltl  93.  Aktenstücke  198—203.
205.  207.  209—212.  214.  215.
Lepel,  Georg  Ferdinand  von  187
(Anm.  183).
Levi,  Salomon,  Vorsteher  der  Bankfirma ­
  Michel  Simon  in  Kassel
        <pb n="272" />
        265

140.  186  (Anm.  177).  192  (Anm.
213).
Leydig,  Professor  in  Mainz  165.
Lieh  248.
Liebmann,  Hirsch,  Knecht  bei  Rothschild ­
  11.
Lindau,  Äbtissin  von  109.
Lindenkampf  &amp;amp;  Olfers  47  f.
Lindenthal,  von  176  (Anm.  63).
Lippe-Detmold  65.
London  14.  16.  20.  23.  25.  26.  59.
65.  74.  79.  81.  90.  94.  95.  108.  110.
127—132.  151.  153.  162.  178  (Anm.
107).  185  (Anm.  167).  187  (Anm.
179).  191  (Anm.  196).  207.  211.
237  (Kensington  Palace).  243.  244.
246.  256.
Lorentz,  Kriegsrat  81.  95  f.  127.  150.
179  (Anm.  110).
Löwenburg  58f.  61.  62.  63.  67.  198
bis  202.  206.  207.  212.  213.
Löwenstein-Wertheim  65.  83.  101.
155.  196  (Anm.  233).  240.
Löwenstein  -Wertheim  -  Rosenberg
248.  249.  250.
Lucca  249.  252.
Ludwig,  König  von  Holland  56.
Ludwig  X.,  Landgraf  von  Hessen-Darmstadt
  44.
Luise,  Gemahlin  des  Königs  Friedrich ­
  V.  von  Dänemark  70.
Luise,  Gemahlin  des  Landgrafen
Karl  zu  Hessen-Kassel  70.
Luisenlund  71.  77.
Lüneburg  71.
Lüttich  47.
Lützow  114.
Luxemburg  107.  138.
Lyon  15.
Mainz  15.  60.  109.  138.  139.  165.
Malsburg,  von  der  68.  176  (Anm.  73).
Manchester  14.  162.
Mannheim  46.  84.  247.  249.
Marburg  151.  160.
Maria,  Gattin  des  Landgrafen  Friedrich ­
  II.  von  Hessen-Kassel  8.  70.

Marie  Sophie  Friederike,  Gemahlin
des  Kronprinzen  und  Mitregenten
Friedrich  von  Dänemark  71.
Marius,  Jakob  15.
Marteillere,  Generalintendant  66.  68.
Mayer,  Abraham  138.
Mecklenburg  93.  96.
Mecklenburg-Strelitz  65.  101.  188.
Meerholz  239.
Meisenheim  240.
Mensing,  Wilhelm,  Hauptmann.
Rettete  die  von  Lagrange  freigegebenen ­
  Kisten  nach  Stölzingen
61.  67.107.  Brachte  die  von  Lennep
auf  Stölzingen  ausgesonderten
Obligationen,  Kupons  etc.  in
Lenneps  Wohnung  in  Kassel  62.
Brachte  neunzehn  gerettete  Kisten
an  das  Bank-  und  Speditionshaus
Prey e  &amp;amp;  Jordis  in  Frankfurt  a  M.  63.
Wurde  in  Wüster  stationiert  72.
Mußte  diese  Station  wieder  verlassen ­
  78.  Irrte  bei  der  Numerierung ­
  seiner  Transporte  176
(Anm.  72)  und  bei  der  Angabe
der  Lokalitäten  von  Freye  &amp;amp;  Jordis
176  (Anm.  76).  Erhielt  Zahlungen
von  Lawätz  188.  Aktenstücke
198—200.  208-212.  216.
Mercurius,  Handelsschiff  14.
Merian,  von,  russ.  Staatsrat  114.
Merian,  Daniel  4.  168  (Anm.  5).
Meseritz,  Freiherr  von,  Publizist  153.
195  (Anm.  232).
Messinghammer  62.  198.  200.  205.
207.  211.
Metternich,  Fürst  von  236.
Metternich-Winneburg,  Fürst  Klemens ­
  Wenzel  Lothar  von  239.
Metz  107.
Metzler  5.  20.  26.
Metzler,  Friedrich  158.
Metzler,  J.  W.  229.
Metzler,  P.  H.  20.
Meyer,  Oberkammerrat  189  (Anm.
186).
Meyer,  von,  Staatsminister  88.
        <pb n="273" />
        266

Meyer,  Herz  58.  62.  99.  200.  203.  211.
Meylert  s.  Michel  Simon.
Michel  Simon  (später:  Michel  Simon
Meylert),  Oberkriegszahlamtsagent ­
  36.  58.  62.  74.  84.  87.  89.
90.  91.  92.  96.  98  f.  108.  122.  140.
175  (Anm.  57).  186  (Anm.  177).
200.  203.  209.  211.
Moltke,  von,  Oberjägermeister  66.
134.
Montefiore,  Abraham  256.
Moritz,  Landgraf  von  Hessen-Kassel
  205.
Mortier,  Marschall  56.  71.
Moses  5.
Moses  zum  roten  Schild  6.
Moses  Joseph  s.  Büding.
München  46.  247.
Münden  60.  62.  136.  212.
Münster  i.W.  47.
Murat,  Großherzog  von  Berg  111.
Naftali  6.
Naftali  Hirz  zum  roten  Schild  1.  6.
167  (Anm.  4).
Napoleon  1.  von  Frankreich.  Kontinentalsperre ­
  17  f.  Edikt  von
Trianon  18f.  Dekret  aus  Fontainebleau ­
  18f.  171  (Anm.22).  Indirekter
Kampf  gegen  England  und  Verhältnis ­
  zu  Kurhessen  und  dem  Kurfürsten ­
  55  f.  67.  80.  108.  110.  111.
113.  114.  177  (Anm.  86).  179  (Anm.
114).  187  (Anm.  179).  Verhältnis
zu  Dänemark  77.  Teilung  der
Domänen  zwischen  ihm  und
Jeröme  93  f.  Verhalten  gegenüber
den  Schuldnern  des  Kurfürsten
von  Hessen  93.  100  f.  181  (Anm.
149).  183  f.  (Anm.  164).  Beobachtungskorps ­
  der  Elbe  140.
Rothschildlegende  146.
Napoleonisches  Gesetzbuch  164.229.
Nassau  48.  49.  249.  250.  251.  254.  255.
Nassau-Usingen  101.  237.  239.  241.
Nassau-Usingen,  Fürstin  zu  195
(Anm.  233).

Nathan  Simon  Michel  99.
Neapel  154.  162.  171  (Anm.  22).  256.
Neubürger,  Rabbiner  169  (Anm.  6).
Neumühlen  73.
Neustadt  175  (Anm.  61).
Neuwied  246.
Niczky,  Christoph,  Emanuel  und
Ludwig  Grafen  von  252.
Niebuhr,  Barthold  Georg  84  f.
Nordamerikanischer  Freiheitskrieg
24.  55.
Norwegen  71.
Notten  &amp;amp;  Ko.,  P.  &amp;amp;  C.  van  23.  25.
74.  83.  89—92.  94.  96.  103.  127.
129.  132.  185  (Anm.  167).
Nürnberg  7.  13.
Offen  236.
Oldenburg  243.
Olmütz  81  f.  151.
Oppenheim,  Ruben  2.
Oppenheimsches  Bankhaus  in
Hannover  7.
Orville,  d’  5.  26.
Österreich  48.  78.  79.  81  f.  113.  139.
141.  171  (Anm.  22).  252.
Öttingen  238.
Öttingen-Spielberg  234.  238.
Öttingen-Wallerstein  65.  180  (Anm.
137).  247.
Pappenheim,  Graf,  Reichserbmarschall ­
  171  (Anm.  18).
Paris  19.  82.  111.  131.  158.  162.
171  (Anm.  17).  184  (Anm.  165).
197.  256.
Perleberg  79.
Petersdorff,  Friedrich  von,  Major  114.
Pfeiffer,  Gebrüder  49.  235.  243.
Pfeiffer,  Max  234.
Pfungst,  Aaron  138.
Pinneberg  175  (Anm.  61).
Pitt,  Premierminister  17.
Platen-Hallermünde  65.  188.
Plettenberg  108.109.  134.  191  (Anm.
202).
Posen  71.
        <pb n="274" />
        267

Prag  12.  14.  73.  74.  79.  80—82.  106.
109.  114.  120.  127.  130.  131.  148.
149.  151.  152.  180  (Anm.  121)
182  f.  (Anm.  158).  189  (Anm.  184)
Preßburg  48.
Preußen  18.  48.  56.  70.  82.  93.  109
171  (Anm.  22).  232  f.  243  f.  246.
Freye  &amp;amp;  Jordis  63.  74  f.  83.  91  f.
137.  176  (Anm.  76  u.  77).
Primatialstaat  18.
Pyrmont  175  (Anm.  61).
Rathenow  79.
Ratzeburg  79.
Reichenbach,  Gräfin  235.
Reinganum,  Dr.  234.
Reinhardswald  59.
Reiz,  Oberkriegskommissar  26.
Religionsassekurationsakte  8.  70.
Rendsburg  11.  68.  70.  77.  78.  87.
93.  126.  136.  175  (Anm.  61).
Reus,  Dietrich  192  (Anm.  210).
Rheinbundakte  48.
Rheinbundstaaten  18.  101.
Rheinpfalz  46.
Riese,  Matthias  Friedrich  Ritter
von  251.
Rietz,  Madame  109.
Ritter,  Jakob  219.  225.
Ritter,  Rosalie  Dorothea  175(Anm.63).
Rösing,  Rechtsanwalt  54.
Roskilde  1.
Roest,  Gutsbezirk  in  Schleswig  57.
74.  178  (Anm.  103).
Rothschild,  Name  1.
Familie  1.  4—6.  256.
—  fröres,  de  162.
—  Amschel  Mayer,  Besitzer  des
Hauses  zum  grünen  Schild  2.
Stiftungen  3f.  168  (Anm.  5).  Mitbesitzer ­
  des  Bankgebäudes  22.
Heirat  29.  31.  Handlungsozietät
mit  dem  Vater  s.  Rothschild,
Meyer  Amschel.  Lombardanleihe
beim  Landgrafen  von  Hessen  35.
Ernennungzum  hessischenKriegszahlamtsagenten
  35.  Realisierung

der  kurbadenschen  Anleihe  46  f.
Zweiggeschäft  in  Kassel  53f.  175
(Anm.  57).  Zahlungen  an  hessische
Soldaten  107.  Verschiedene  Hoffaktor-Titel ­
  155—157.  Garten  der
Frau  Belli-Gontard  197.  Diplomatische ­
  Mittagessen  197.  Aktenstücke ­
  219—222.  225.  227—229.
Genealogie  256.
Rothschild,  Amschel  Moses  6.  168
(Anm.  4).  172  (Anm.  30).
Belche  gen.  Isabella  30.  256.
—  Betty,  Freiin  von  256.
—  Breunle  (Breinliche)  227.  256.
Charlotte  (Schönche)  29.  256.
Eva  142  (M.  A.  Rothschilds
Schwiegertochter).
Feist  20.
Gitle  6.
—  Gotton  (Julie)  227.  228.  256.
—  Gutle,  Gattin  Meyer  Amschel
Rothschilds  2.  6.  28.  142.  163  f.
196  f.  (Anm.  242).  227.  228.  229.
—  Jakob  (James)  Mayer,  ln  Amsterdam ­
  15.  Besaß  ein  Viertel  vom
Bankgebäude  22.  Gehilfe  bei
seinem  Vater  30.  Beförderung
englischer  Zertifikate  131.  Arretierung ­
  und  Polizeiverhör  141  f.  In
Paris  162.  Gesellschaftsvertrag
mit  dem  Vater  s.  Rothschild,
Meyer  Amschel.  Aktenstücke
221—223.  225.  227.  229.  Genealogie ­
  256.
—  Jettchen  (Henriette)  30.  142.  163.
227.  256.
Kaimann ,  Bruder  von  Meyer
Amschel  20.  27  f.
Kaimann,  gen.  Bauer  4.  6.
—  Karl  Mayer.  In  Dünkirchen  15.
131.  Mitbesitzer  des  Bankgebäudes ­
  22.  In  Kassel  bei  der  Rettung
des  kurfürstlichen  Archivs  69.
Persönlicher  Verkehr  mit  dem
Kurfürsten  von  Hessen  und  Reisen
für  ihn  während  der  Exilzeit  74.
154.178  (Anm.  101).  Beförderung
        <pb n="275" />
        —  268  —

englischer  Zertifikate  131.  Gesellschaftsvertrag ­
  mit  dem  Vater
s.  Rothschild,  Meyer  Amschel.
Aktenstücke  219—223.  225.  227.
Genealogie  256.
Rothschild,  Karoline  142  (M.  A.  Rothschilds ­
  Schwiegertochter).
Mayer  Amschel  &amp;amp;  Söhne.  Besitzer
des  Hauses  zum  grünen  Schild  2f.
Bankgebäude  4.  21  f.  Anleihe  des
Johanniterordens  49.  Ablieferung
ihres  und  des  Freye  &amp;amp;  Jordisschen
Depots  nach  Kassel  83.  Verkauf
der  Grundstücke  in  Böhmen  106.
Geldoperation  für  den  Kurfürsten
(1813)  im  Krieg  gegen  Napoleon
114.  Kauften  englische  Stocks
für  den  Kurfürsten  130.  191  (Anm.
197).  Im  Vorschuß  beim  Kurfürsten
133.  Anleihe  des  Fürsten  von
Löwenstein  -Wertheim  155.  196
(Anm.  233).  Hatten  Weine  für
den  Kurfürsten  aufzubewahren
148  f.  Weinhandel  19.  195  (Anm.
226).  Gesellschaftsvertrag  vom
Jahre  1810  19.  31  f.  157.  163.
173  (Anm.  36  u.  37).  Verhältnis
zu  Karl  von  Dalberg  158.  S.  g.
Holländisches  Geschäft  186  f.
(Anm.  177).  Aufbewahrung  kurfürstlicher ­
  Millionen  195  (Anm.
231).  Forderungen  an  den  Kurprinzen ­
  von  Hessen  196  (Anm.237).
Aktenstücke  218.  219.  226.  Ansehen ­
  232—255.
—  Meyer  Amschel.  Besitzer  des
Hauses  zum  grünen  Schild  1.
Vorfahren  4—6.  Stammreihe  5f.
Münz-  und  Antiquitätenhandel
7—13.  169  (Anm.  11  u.  13).  170
(Anm.  13  u.  16).  171  (Anm.  18).
Aufenthalt  in  Fürth  und  Hannover
7.  168  f.  (Anm.  6).  Ernennung
zum  Hessen-Hanauischen  Hoffaktor ­
  8.  Sonstiger  Warenhandel
13ff.  Ankauf  baumwollenerWaren
in  Hamburg  14.  80.  Geschäftsverbindung ­

  mit  Prager  Häusern  14.
Handel  mit  englischen  Waren  14  ff.
Einschränkung  des  Warenhandels
19.  Weinhandel  19.  194  f.  (Anm.
226).  Geschäftslokalitäten  20  ff.
176  (Anm.  76).  Warenmagazin  21.
Im  Handlungsadreßbuch  11.  22.
170  (Anm.  14).  Patriarchalischer
Geschäftsbetrieb  3().  173  (Anm.  36).
Geldhandel  22ff.  (englische  Wechsel) ­
  33—51  (Dänemark  und  Hessen-Kassel,
  Hessen-Darmstadt,  Kurbaden, ­
  Johanniterorden  etc.).  84
bis  86.  180  Anm.  133  (mit  den
und  gegen  die  Rüppell  &amp;amp;  Harnier)
155—157.  195  f.  Anm.  233  (Leiningen, ­
  Löwenstein-Wertheim,
Kaiserlicher  Hof  in  Wien,  Reichsoberpostamt ­
  zu  Frankfurt  a.  M.,
Fürstlich  Thurn  und  Taxissche
Generalkasse,  Fürst  Ysenburg,
Johannitermeister  Fürst  Ignaz).
Vermögen  27  ff.  Ernnennung  zum
Oberhofagenten  37.  174  (Anm.  46).
Zahlte  Provisionen  bei  Geldgeschäften ­
  mit  dem  Kurfürsten
40—42.  84.174  (Anm.  43).  Empfing
Provisionen  als  Geldverleiher
an  Hessen-Darmstadt  und  den
Johanniterorden  44.  47.  Zweiggeschäft ­
  in  Kassel  51  ff.  Unterpfänder ­
  beim  Kurfürsten  57.  58.
62.99.  Beteiligung  bei  der  Rettung
des  kurfürstlichen  Archivs  68—70.
154.  Persönlicher  Verkehr  mit
dem  Kurfürsten  während  der  Exilzeit ­
  74.  Aufbewahrung  einer  Kiste
mit  Obligationen  des  Kurfürsten
in  Hamburg  79.  80.  Treue  und
Anhänglichkeit  für  den  Kurfürsten
79  f.  Wechselkontor  in  Hamburg
80.  179  (Anm.  121).  Verbringung
kurfürstlicher  Effekten  nach  Prag
80.179  (Anm.  121).  Geschäftsverbindung ­
  mit  den  Rüppell  &amp;amp;  Harnier
83—85.  Konkurrenz  mit  den
Rüppell  &amp;amp;  Harnier  47.  85  f.  An-
        <pb n="276" />
        269

feindung  und  Drohungen  seitens
Lenneps  87  f.  Konkurrenz  mit
den  Gebr.  Bethmann  89—91.
Konkurrenz  mit  anderen  Bankiers
91  f.  Urteile  des  Buderus  über
ihn  90.  92.  Kreditbriefe  auf  die
van  Notten  103.  127.  129.  132.
Plettenbergsches  Anlehen  108.
S.  g.  Holländisches  Geschäft  186  f.
(Anm.  177).  Geldoperationen  für
den  Kurfürsten  im  Kriege  Napoleons ­
  gegen  Österreich  113.  Wurde
in  die  Angelegenheit  des  Grafen
Hahn  verwickelt  122.189  f.  (Anm.
186).  Umtausch  kurfürstlicher
Obligationen  195  (Anm.  228).
Übernahme  von  Kassenvorräten
bei  Buderus  und  bei  der  Reservekasse ­
  123  f.  132.  134.  145.  Anleihe
der  Hanauer  Landkasse  124.  Bemühung ­
  um  eine  dänische  Anleihe
in  der  Exilzeit  126f.  Kaufte  englische ­
  Stocks  für  den  Kurfürsten
127—135.  191  (Anm.  193).  Kredit
128.  161  f.  Haussuchung  seitens
der  Franzosen  137.145.  154.  Arretierung ­
  und  Polizeiverhör  141  f.
192  (Anm.  213).  Die  Legende  von
seiner  Rettung  des  kurfürstlichen
Vermögens  144—155.  Hatte  Weine
für  den  Kurfürsten  aufzubewahren
148.  194  (Anm.  225).  Hatte  kleine
Posten  aus  dem  Barbestand  der
kurfürstlichen  Kassen  vorübergehend ­
  im  Depot  151.  195  (Anm.
230).  Gesellschaftsvertrag  mit
seinen  Söhnen  vom  Jahre  1796
31.  Vom  Jahre  1810  19.  31  f.
157.  163.  173  (Anm.  36  u.  37).
Verhältnis  zu  Karl  von  Dalberg
79  f.  143.  157  f.  (Bürgerrecht  der
Juden).  Persönliche  Eigenschaften
158—165.  Verhältnis  zum  Kurprinzen ­
  und  späteren  Kurfürsten
Wilhelm  11.  von  Hessen  s.  Wilhelm.
Testament  163  f.  Krankheiten
und  Tod  74.  80.  165.  Aktenstücke

200.  203.  209.  219—222.  224—226.
229—231.  Nachkommen  256.
Rothschild,  Moses  20  f.
Moses  Kaimann  4f.  6.167  (Anm.  4).
Nathan  Mayer,  ln  Manchesters  ff.
32  f.  ln  London  127.  131.  162.
Zinsübertragung  seitens  der  van
Notten  132.  Seine  Erzählung  von
der  Rettung  des  kurfürstlichen
Vermögens  und  wie  sie  zu  beurteilen ­
  ist  147—150.152s.  194(Anm.
224).  Preußische  Anleihe  243.  246.
Ritschele  20.
Salomon  Mayer.  Mitbesitzer  des
Bankgebäudes  22.  Handlungssozietät ­
  mit  dem  Vater  s.  Rothschild, ­
  Meyer  Amschel.  Lombardanleihe ­
  beim  Landgrafen  von
Hessen  35.  Ernennung  zum  hessischenKriegszahlamtsagenten35.

Abholung  englischer  Zertifikate
131  f.  Verhör  auf  dem  Frankfurter
Stadt-  und  Landgericht  139.  Arretierung ­
  und  Polizeiverhör  141  f.
Aktenstücke  219-222.225.227  bis
229.  Genealogie  256.
Schönche  (f  1733)  6.
Schönche  (f  1756)  6  168  (Anm.  4).
S.  a.  Charlotte.
Vogel  6.  168  (Anm.  4).
Rothschildsches  Archiv  151.  232.
Rüppell,  Simon,  Kurhessischer  Oberpostmeister ­
  und  Hofbankier  23.
24.  26.  83.  84.  85.  87.
Rüppell  &amp;amp;  Harnier.  Debitierten  1800
eine  dänische  Anleihe  34.  84.  85.
Sonstige  Anleihen  83  f.  Übermittelten ­
  dänische  Stückzahlungen  an
den  Landgrafen  von  Hessen  37.42.
Machten  Geschäfte  mit  Rothschild
zusammen  83—85.  Konkurrierten
mit  Rothschild  47.  85f.  Wurden
in  der  Exilzeit  fallen  gelassen  88.
Hatten  Unterpfänder  beim  Kurfürsten ­
  von  Hessen  58.  63.  75.  99.
181  (Anm.  139).  183  (Anm.  162).
Urteile  des  Buderus  über  sie  88.
        <pb n="277" />
        270

180  (Anm.  137).  Aktenstücke  200.
203.  214.
Rußland  38.  50.  108.  171  (Anm.  22).
Ryberg  &amp;amp;  Ko.  74.
Sababurg  59—61.  200.  201.
Sachsen  -  Coburg  -  Gotha  249.  250.
251.  253.
Sachsen-Weimar  238.  242.
Salm-Reifferscheid-Krautheim  247.
Sankt  Goarshausen  80.
Satjewitz  238.
Savagner,  Spezialkommissar  der
Oberpolizei  des  Königreichs  Westfalen ­
  140—143.  192  (Anm.  213).
Sayn-Wittgenstein  -  Berleburg  245.
Schaffer,  Pedell  72.  81  f.
Scharff,  Friedrich  63.  176  (Anm.  77).
Scharff,JohannFriedrichl76(Anm.77).
Schaub,  Bergrat  63.
Schaumburg  233.  236.
Scheel,  Prokurator  189  (Anm.  184).
Schiff,  Mei'r  20.
Schiff,  Tebele  20.
Schilden,  von  77.
Schill  140.
Schimmelmann,  Finanzminister  85.
Schlei  57.
Schlemmer,  Dr.,  Hofmeister  154.
Schleswig  56.  73.  74.  77.  136.  175
(Anm.  61).  178  (Anm.  103).
Schleswig,  Herzogtum  70.  73.  74.  77.
Schlitz,  Graf  von,  gen.  von  Goertz
zu  Karstorf  134.
Schloßer,  Fr.Chr.,  Historiker  145.146.
Schlotheim,  Karoline  Freiin  und
Gräfin  von,  Gräfin  von  Hessenstein
57—59.  62.  64.  67.  81.  89.  105.  106.
123.175  (Anm.  63).  195  (Anm.  233).
200.  202.  205—209.  211.  212.
Schmerfeld,  Georg  von,  Regierungsrat ­
  61.  64.  66.  75.  81.  131.  141.
142.  183  (Anm.  158).  202.  211.  215.
Schmidt,  Ph.  Nie.  245.
Schminke,  F.  v.,  Kriegsrat  72  f.  76.
81  f.  88.  89.  131.  179  (Anm.  121).
193.  210.  211.

Schmitz,  Geheimerund  Kabinettsrat
195  (Anm.  233).
Schnapper,  Wolf  Salomon  6.  27.
Schneeberg  79.
Schönche  6.
Schwarzenberg,  Leutnant  75.  178
(Anm.  106).
Schwarzschild,  Lob  Israel  230.  231.
Schweden  71.  77.  171  (Anm.  22).
Schweizl8.171(Anm.22).17ö(Anm.63).
Sichel,  Bernhard  Juda  256.
Sichel,  Betty  228.
Sichel  &amp;amp;  Hildesheimer  15.
Simon,  Michel  s.  Michel  Simon.
Sina,  Simon  G.  251—254.
Sisson  Wood  &amp;amp;  Co.  13.
Soden  62.
Soldatenhandel  24.55  f.  175(Anm.60).
Den  s.  g.  Soldatenhandel  soll  Bernhard ­
  von  Galen,  Bischof  von
Münster,  1665  eingeführt  haben
Solms  zu  Lieh  248.
Solomons  &amp;amp;  Co.  in  London  16.
Soltau  175  (Anm.  61).
Spangenberg  61.
Spanien  171  (Anm.  22).
Spanier,  David  22.
Spanier,  Mayer  Moses  22.
Spanischer  Erbfolgekrieg  55.
St.  Cloud  183  (Anm.  164).
Staedel  20.
Starkloff  75.
Starman  &amp;amp;  Co.  14.
Stein,  Freiherr  vom  109  f.
Steitz  20.
Steitz,  Burggraf  61.  176  (Anm.  69)
Stern,  Karoline  256.
Stiebet,  Arzt  197.
Stolberg  235.
Stolberg-Stolberg  235.
Stölzingen  61.  63.  199.  200.  203.
206.  211.
Sund  77.
Süß-Oppenheimer,  Josef  5.
Sußmann,  Polizeiagent  140.
Szäpäry,  Josef  und  Anton  von  251.
Szechänyi,  Graf  Ludwig  von  253.
        <pb n="278" />
        x  -  ^  h*.  .

■  ■

—  271  —

Szlavnicza,  Graf  Moritz  Sandor  von
251.
Texel  179  (Anm.  110).
Thiard  18.
Thorbecke  62.
Thümmel,  von,  Majorin  57.  59.  62.
200.  207.  209.  211.  212.
Thümmel,  von,  Oberst  131.
Thurn,  Graf  von  47.
Thum  und  Taxis,  Fürst  Karl  Anselm
von  157.
Tönning  179  (Anm.  110).
Trautwein,  Lederhändler  21.
Trianon  18.  19.
Trotsche  189  (Anm.  184).
Uri  5.
Versöhner  202.
Viczay  von  Vicza  und  Hedervar,
Karl,  Adolf  und  Hedrich  Grafen  251.
Vieregg,  von,  Landrat  123
Vincke,  von,  Präsident  109.
Voß  zu  Großgievitz,  Graf  188.
Waag,  Elchanan  6.
Wachs,  Dr.  239.
Wächter,  Baron  von,  Geheimer  Rat
und  Kammerherr  110—113.
Wächtersbach  241.  248.  254.
Wagram  82.
Waitz,  Diener  des  Buderus  von
Carlshausen  57.  71.
Waitz,  von,  Staatsminister  59.  68.  75.
Waldburg-Zeil-Wurzach  242.
Waldeck24.45.101.184(Anm.l65).247.
Waldschmidt,  Baron  von  (fingierter
Name)  73.
Weber,  Joh.  (fingierter  Name)  73.
Webern,  von,  Generalmajor  59.
Weil,Amtmanni.Gelnhausenll0.143,
Weiler  235.
Weiler,  Freiherr  von  235.
Weimar  238.  242.
Weiden  -  Großlaupheim,  Freiherr
Karl  von  248.
Weser  60.
Wessenberg,  von,  österreichischer
Gesandter  107.

Westfalen,  Königreich  93.  107.  113.
136.  139.  183  (Anm.  164).
Wied  246.
Wien  81  f.  90.  147.  162.  236.  239.
249—254.  256.
Wiesbaden  249.  251.  254.  255.
Wiesenhüter  20.
Wiesenhütten,  Freiherr  von  158.
Wilhelm,  Kurprinz  von  Hessen.  Als
Kurfürst  Wilhelm  II.  13.  59.  70.
105  f.  121.  135.  160.  161.  188.  195
(Anm.  231).  196  (Anm.  237).  202.
Wilhelm  I.,  Kurfürst  von  Hessen.
Als  Prinz  in  Göttingen  und  Kopenhagen ­
  70.  Dann  in  Hanau  8  f.
Medaillenkabinett,  Medaillen-  und
Antiquitätengeschäfte  mit  Meyer
Amschel  Rothschild  etc.  9.  11  f.
80.  169  (Anm.  11).  170  (Anm.  16
u.  17).  171  (Anm.  18).  176  (Anm.
67  u.  69).  Kapitalien  in  England
und  Holland  23.  Kauft  von  Rothschild ­
  Juwelen  23.  Subsidientraktat
  mit  England  24.  Ursprüngliches ­
  Verhältnis  zu  Rothschild  25.
Wechselgeschäfte  mit  ihm  23  ff.
Anleihe-  und  sonstige  Geschäfte
33—47.  49—51.  Mißtrauen  und
Geiz  35.  Mangel  an  Abstraktionsvermögen ­
  189  (Anm.  186).  Empfing
Provisionen  bei  Geldgeschäften  40
bis  42.  84.  99.  174  (Anm.  43).
Prozeß  Amschel  Mayer  Rothschild ­
  54.  Verhältnis  zu  Napoleon
s.  Napoleon.  Schwankende  Politik
im  Jahre  1806  56.  Rettung  seines
Archivs  und  seines  Vermögens
57—70.  178  f.  (Anm.  110).  198  f.
(Aktenstücke).  FluchtnachSchleswig
  56.  175  (Anm.  61).  Verhalten
bei  der  zweiten  Bestechungsaffäre
mit  Lagrange  68.  Vermögens-Verwaltung
  während  der  Exilzeit
70  ff.  Beziehungen  zum  dänischen
Hof  70s.  Furcht  vor  den  Franzosen ­
  71  f.  78.  Depots  in  Itzehoe
und  auf  Gottorf  76.  78.  Wohnung
        <pb n="279" />
        272

in  Rendsburg  und  Itzehoe  77.
Übersiedlung  nach  Österreich  78f.
Verhalten  im  Kriege  zwischen
Frankreich  und  Österreich  81.
Versuch  seinen  Aufenthalt  von
Prag  nach  Olmütz  zu  verlegen
81  f.  Bankherren  während  derExilzeit
  83—92.  Einnahmen  während
der  Exilzeit  92—105.  184  f.  (Anm.
167).  Buchführung97f.  187f.  (Anm.
184).  Verhalten  Napoleons  gegenüber ­
  seinen  Schuldnern  s.  Napoleon. ­
  Vermögensverluste  96f.  100
bis  102.  Ausgaben  105—121.  Verhältnis ­
  zum  Fürsten  Wilhelm  von
Wittgenstein  107—110.  AnleiheprojektPreußensl09.186(Anm.l77).

187  (Anm.  179).  S.  g.  Holländisches
Geschäft  186  f.  (Anm.  177).  Verhältnis ­
  zum  Baron  von  Wächter
110—113.  Unterstützung  Österreichs ­
  im  Kriege  gegen  Napoleon
113.  Beisteuer  zur  russischen
und  preußischenKriegsoperationskasse
  114.  Überschüsse  121  ff.  Verleihen ­
  an  Privatpersonen  während
der  Exilzeit  z.  B.  an  den  Grafen
Hahn  121—124.  189  f.  (Anm.  186).
AnSouveräne  undLandesbehörden
124—127.  Englische  Annuitätenkapitalien ­
  94.  127—135.  191  (Anm.
197).  Verstimmungen  zwischen
ihm  und  Buderus  136.  182  f.  (Anm.
158).  190  (Anm.  186).  Nachforschungen ­
  nach  seinem  Vermögen ­
  133.136—144.  Die  Legende
von  der  Rettung  seinesVermögens
144—155).  Sein  Hofkeller  148  f.
194  (Anm.  225).  Verhältnis  zu
Nathan  Mayer  Rothschild  150.  Zu
Meyer  Amschel  Rothschild  150  f.
Verzicht  auf  Vorschüsse  an  das
Land  181  (Anm.  146).  Vereinbarungen ­
  mit  seinen  Brüdern,  die
Deputatgelderbetreffendl85(Anm.
169).  Aktenstücke  198-200.  202.

203.  205.  207.  208  (Medaillenkab.).
209.  211—218.
Wilhelm  VIII.,  Landgraf  von  Hessen-Kassel
  8.  185  (Anm.  169).
Wilhelm  Heinrich,  Herzog  von
Clarence  94  f.
Wilhelm!,  A.  H.  211.
Wilhelmine  Karoline,  Gemahlin  des
Kurfürsten  Wilhelm  I.  von  Hessen-Kassel
  49.  59.  70.  90.  105.188.  202.
Wilhelmshöhe  55.  58.  59.  61.  62.  63.
67.  199—202.  206.  207.  216.
Wüster  72.
Winzingerode,  von,  Kammerrat  149.
Wittgenstein,  von,  Fürst  Wilhelm
107—110.184  (Anm.  165).  186(Anm.
177).  187  (Anm.  179).  191  (Anm.  202).
Witzenhausen  62.198-206.  208.212.
Witzleben,  von,  Oberjägermeister  59.
Wohlfarth,  Heinrich  Ludwig  219.
225.  230.  231.
Wolff,  Rechtsanwalt  54.
Wolkonsky,  Fürst  114.
Worms,  Benedikt  Moses  29.  69.
228.  256.
Worms,  Fogele  5.
Worms,  Schöngen  228.
Württemberg  48.
Württembergische  Hofbank  245.
Wurzach  242.
Würzburg  236.  248.
Wüstefeld,Notar  165.219.225.230.231.
York,  Herzog  von.  S.:  Friedrich.
Yorkshire  13.
Ysenburg  s.  Isenburg.
Zatory  81.  106.  118.
Zerbst  79.
Zemitz  79.
Zeyß,  R.  172  (Anm.  23).
Ziegenhain  213.
Zierenberg  213.
Zipf,  von,  Kriegsrat  155.  195  f.
(Anm.  233).
Zuntz,  Gumpertz  4.  167  (Anm.  3).
Zwickau  79.

Druck  von  Gebrüder  Knauer  in  Frank;

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18H

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»4  unterhielt  das  Rothschildsche  Bankhaus  in  Frankfurt
iVeinlager.
r.:  Die  von  den  Hof-Banquiers  M.  A.  Rothschild  und  Söhne
.  für  Se  Kurfürstl.  Durch!,  erkauften  und  in  Verwahrung
_  1814,  1815.
lausen:  Der  Kurfürst  an  Buderus,  23.  Juli  1807.  Es  han-0
  kais.  österr.-holl.  Obligationen,  die  zumeist  gegen  kais.
iche  Obligationen  einzutauschen  waren  und  die  Rothschild
aus  dem  Depot  des  Kurfürsten  mitgebracht  hatte.  Buderus
schlich  nicht  in  Rothschilds  Händen  gelassen,  sondern  im
m  geborgen.  Die  einzelnen  Stücke  wurden  jedes  Mal  erst
J-,ld  abgegeben,  wann  er  entsprechende  Tauschstücke  harte ­
  (Buderus  an  den  Kurfürsten,  14.  Sept.  1807).
rausen:  Der  Kurfürst  an  Buderus,  12.  Juni  1810,  13.  Sept.
s£  is  an  den  Kurfürsten,  9.  Aug.  1810.
;  :  Buderus’  Rechnung  1807,  S.  2  f.  Die  8000  Kronentaler
ischel  am  30.  Oktober  1806  anvertraut,
lern  viel  späteren  Zeitpunkt  hat  das  Rothschildsche  Bank-^
  Mal  kurfürstliche  Millionen  zur  Aufbewahrung  erhalten.
Ite  die  Kurfürstliche  Schatullkasse  an  M.  A.  v.  Rothschild
nkfurt  per  Postwagen  eine  versiegelte  Kiste  in  Leinwand
j:  ulden  in  Staatspapieren,  eine  ebensolche  mit  600000  fl  in
Am  4.  Dezember  1832  bescheinigt  Kurfürst  Wilhelm  II.  mit
nten  beglaubigten  Unterschrift  die  Rückgabe  aller  dem  Hause
fbewahrung  übergebenen  Obligationen,  Dokumente  usw.
^lung  von  F.  A.  Brockhaus  in  Leipzig.  Meseritz  war  geboren
i  25.  Nov.  1856  in  Frankfurt  a.  M.  Er  war  Korrespondent
jemeinen  Zeitung  und  vieler  anderen  Blätter.  (Franks.  Nachr.
  140.)

S:~

hilds  Beziehungen  zu  anderen  Fürsten.
nleihe  des  Fürsten  von  Leiningen  wurde  von  einem  seiner
ien  und  Kabinettsrat  Schmitz,  vermittelt,  der  mit  Buderus
derus  und  Zipf  eröffneten  am  4.  April  1809  eine  Subskription,
älfte  des  Leihkapitals  zusammenbrachte.  Die  Rückzahlung
durch  Verlosung  vom  15.  April  1821  bis  zum  15.  April  1833
'de  jedoch  bereits  am  15.  April  1829  durch  Restzahlung  getilgt,
en  lauteten  auf  3000  fl,  20  auf  2000  fl  und  150  auf  1000  fl.
tldgeber  teilten  sich  in  die  Leihsumme:
Friedrich
a  Nassau-Usingen  und  der  Herr  Alt  (?)
(bei  der  Hessenstein  geliehen)  .  .  .
Zipf
»;hschild  &amp;amp;  Söhne

30000  fl
17000  „
112000  „
13  000  „
59000  „
19000  „

Sa

250000  s!

m
CO

13*
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