VI. Abschnitt. Die Kriegsaniehen. 635 rückständig waren. Die wichtigste Maßregel war aber die Schaffung , eines neuen Typus der Staatsschuld, die Bons der nationalen Ver teidigung, die der Finanzminister B-ibot einführte. Wie sich diese verschiedenen Schuldtitel zu einander verhielten, zeigen folgende Daten für die Kriegsmonate des Jahres 1914: Depots der öffentlichen Kassen Gewöhnliche Schatzscheine Bons der nationalen Verteidigung Das 3*/z prozentige Anlehen Bank von Frankreich Gesamtsumme Wir sehen aus diesen Ziffern, daß von der Gesamtsumme ein Viertel auf die Bons der nationalen Verteidigung, mehr als die Hälfte auf die Notenbank entfällt. Was speziell die Bons der nationalen Verteidigung betrifft, so wurde alles getan um deren Absatz zu befördern. Alle öffentlichen Kassen, Postschalter, Eisen bahnschalter usw. wurden mit dem Absatz betraut. Besonders günstige Bedingungen wurden gewährt, so namentlich: 1. ein Zins fuß von 5 Prozent, was bei dieser Darlehnsform, wo die Zinsen im vorherein in Abzug kamen etwas mehr beträgt; 2. Befreiung von der Steuer und Ausgabe von Appoints von 3, 6 und 12 Monaten; 3. Vorzugsrecht bei späteren Anlehen mit günstigeren Bedingungen; 4. Zusicherung der Lombardierung von seiten der Bank von Frank reich. Namentlich das kleine Kapital beteiligte sich bei der Sub skription; „aus den Strümpfen, aus den kleinen Börsen, aus den Hütten kam das Geld“, sagte Bibot. Das große Kapital zeigte sich zurückhaltender, es reservierte sich für günstigere Gelegen heiten. Und während auf dem Lande namentlich die langfristigen Appoints gesucht wurden, also die Absicht der Kapitalsanlage zum Ausdruck kam, war in den Städten, in dichtbevölkerten Departe ments, wie dem Seine-Departement, das kurzfristige beliebter. In der zweiten Hälfte des Jahres 1915 schritt dann auch Frankreich zur Ausgabe einer konsolidierten Bentenschuld von 10 Milliarden Franks zum Zinsfuß von 6 Prozent — seit der Zeit Napoleons und mit Ausnahme der nicht bedeutenden Morgan’schen Anlehe im deutsch-französischen Kriege — eine unbekannte Erscheinung. Jeze ^ weist darauf hin, daß die französische Begierung mit Ausbruch des Krieges das Parlament vertagte und infolgedessen nicht in der Lage war, neue Steuern einzuführen, oder die be- 405,3 Mill. Franks 119,1 „ 1697,2 „ 219,7 „ 3725,0 „ 6364,6 „ „ ') Lea finances de guerre de la France, 8. 212.