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        <title>Brauerei F. A. Ulrich, Leipzig</title>
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        ﻿
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        ﻿i	cniv

fing- 1 4. JUNI }§g§ *

Waren, und Firmen-

1857 F 487

feigfcorigeh-
bio^apfeiäebe Blätter

•• •

Kultur, Industrie,Handel und (jeWerbe;
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        ﻿
        <pb n="4" />
        ﻿Totalansicht der Brauerei F. A. Ulrich, Leipzig, Windmühlenstraße 32. (Nach einem Aquarell.)

F. A. (Ulrich, Leipzig.

Soviel die Deutschen sich sonst durch die Mode beeinflussen lassen: in einem sind sie durch die Jahr-
| tausende fest geblieben, in der Erkenntnis der edlen Beschaffenheit des Bieres als Nalirungs- und

s,

1 j Genußmittel.
Die Germanen
haben dem Biere die Zu-
neigung bewahrt, die sie
ihm seit Tacitus’ Zeiten
entgegenbrachten, und
man hat aus dieser Treue
sogar schließen wollen,
daß die Bierbrauerei eine
deutsche Erfindung ge-
wesen sei. Diese An-
nahme ist aber nicht er-
wiesen, denn wer zuerst
gelehrt hat, aus Gerste
Bier zu brauen, ist un-
bekannt geblieben, und
nur das steht fest, daß
der sagenhafte Gambrinus
nicht der Erfinder der
Brauerei gewesen ist.

Die ersten Nach-
richten über einen aus
Gerste bereiteten, gegore-
nen Trank, der — da
Hopfen noch unbekannt
war — mit bitteren Eich-

tenknospen gewürzt wurde,
finden sich im Papyrus An-
astasi IV, im ägyptischen
Totenbuch und in anderen
Schriften des Pyramiden-
reiches. Bestätigt wird
die Kenntnis der Bier-
brauerei bei den Ägyptern
durch Stellen im Talmud
und bei Herodot. „Die
den Gerstensaft genießen,
werden so fröhlich, daß
sie singen und tanzen“,
schreibt ein Schriftsteller
des Altertums, und in
Alexandria spielte die
Bierbrauerei bereits eine
so wichtige Rolle, daß
sich die Bevölkerung, wie
Chrysostomos berichtet,
zu Tumulten hinreißen
ließ, wenn die Brauer
den Bierpreis erhöhten,
ganz wie seinerzeit in
Bayern, wo es bekannt-
lich auch wegen der
        <pb n="5" />
        ﻿Bierpreissteigerung zu schweren Exzessen gekommen ist. Alexandria und Pelusium waren die ägyptischen
Brauplätze, daher der Name pelusisches Getränk für den Gerstensaft, der auch schon bei den Studenten
Alexandrias in Ansehen stand. Es dürfte sicher sein, daß die Ägypter, die dem Osiris die Erfindung
des Bierbrauens zuschrieben, diese Kunst gründlich verstanden und ausübten.

Aber auf Ägypten blieb die Kenntnis nicht lange beschränkt. Schon in früher Zeit galten die
Rusitanier und Iberer als Biertrinker. Bei den Thraziern und Phrygiern kannte man Gerstenbier nach
Arcliilochus schon vor mehr als 2500 Jahren, die Griechen kannten es zur Zeit des Aristoteles, und bei
den Römern und Kelten war mindestens eine Art Bier bekannt, die aber wahrscheinlich aus Weizen
bereitet wurde. Über das „Surrogat“ aus Gerste oder Weizen, welches die Kelten statt des Weines

trinken mußten, schreibt
u. a. der römische Kaiser
Julian ziemlich verächt-
lich. Nicht ausgeschlossen
ist daher, daß die Kennt-
nis der eigentlichen Bier-
brauerei erst in der Völker-
wanderung vom Osten
bzw. von Germanien aus
zu den Römern gelangt ist,
ein Weg, der dem heutigen
des Bieres insofern ent-
sprechen würde, als die
deutsche Bierbrauerei noch
jetzt den Süden Europas
versorgt, da die dortigen
Brauereien erst in letzter
Zeit anfangen, ein brauch-
bares Gebräu herzustellen.

In Deutschland ist
jedenfalls die Bierbrauerei
zuerst wieder zu einer
Kunst erhoben worden,
und die Sage vom Gam-
brinus hat wenigstens
einen geschichtlichen Kern.

Dr. Ulrich

Johann I. von Flandern,
dessen Name Jan primus
in Gambrinus entstellt
worden ist, hat die Bier-
brauerei in seinem Rande
so entschieden gefördert,
daß ihn die Brabanter
Brauergilde zum Ehren-
mitglied ernannte und
die Brauerzunft ihn noch
heute als Schutzpatron
verehrt. Überhaupt sind
die deutschen Fürsten in
früherer Zeit eifrige Be-
schützer der Bierbrauerei
gewesen. Pipin soll die
ersten Hopfengärten an-
gelegt und damit die Be-
nutzung des Hopfens zur
Brauerei angeregt haben,
die Randesherren von
Bayern und die Stifts-
herren von Magdeburg
waren die ersten, die den
Hopfenbau begünstigten,
und allgemein suchten die

Fürsten durch Androhung von Strafen der Bierverfälschung vorzubeugen. Indessen erfuhr die Bierbrauerei
ihre beste Förderung durch die Brauprivilegien, die an die Klöster verliehen wurden, und noch jetzt er-
innern die Namen von Bieren und Bierbrauereien, sowie manch andere Ausdrücke (Bierkonvent z. B.) an
die Zeit, da fleißige Mönche den Anbau der Gerste und des Hopfens pflegten und den Trank bereiteten,
der trotz aller Anfeindungen und Moden die Welt erobert hat.

Seit dem 12. Jahrhundert wurde das Braugewerbe auch den Städten zugestanden; hier haftete die Brau-
gerechtigkeit meist an den Bürgerhäusern, denn in der ersten Zeit braute fast jedes Haus seinen Bierbedarf
selbst und erst allmählich bildeten sich gewerbsmäßige Brauer heraus, die ihr Erzeugnis auch gleich an Ort und
Stelle zum Ausschank brachten. Aus dieser Entwicklung als Hausbrauerei erklären sich die zahllosen Unterschiede
in den Biersorten, die nicht nur in den einzelnen Orten, sondern fast in jedem Brauhause nach eigenen Rezepten
hergestellt wurden, abgesehen von den Verschiedenheiten, die schon durch die Eigenarten der Rohstoffe hervor-
gerufen werden. Viele Biere der älteren Zeit sind über ihre Heimat hinaus berühmt geworden, so die
Braunschweiger Mumme, das Einbecker Bier, die Reipziger Gose, der Hannoversche Broylian, der dem Berliner
Weißbier als Vorbild gedient hat, das Bernauer Bier u. a. Abgesehen von den Verschiedenheiten der Herstellung

4
        <pb n="6" />
        ﻿Brauereihof

beschränkte sich aber die Brautechnik der älteren Zeit auf das Brauen sogenannter obergäriger Biere. Erst in
der zweiten Hälfte des Mittelalters wurde in Bayern die Kunst, untergärige Biere herzustellen, erfunden, und
erst im 19. Jahrhundert ist diese Bierart zunächst unter dem Namen des bayerischen Bieres in Mittel- und
Norddeutschland heimischer geworden, derart, daß heute das obergärige Bier bis auf wenige Spezialitäten vom
untergärigen fast völlig verdrängt worden ist. Die fortschreitende Technik und die Entwicklung der Nahrungs-
mittelchemie haben auch die Bierbrauerei beeinflußt, und die Einrichtungen der Brauereien, die teilweise auf ein

Ammoniak-Kondensatoren

5
        <pb n="7" />
        ﻿hohes Alter zurückblicken können, sind allmählich verbessert worden, je mehr die Brauerei von den empirischen
Anfängen zum wissenschaftlichen Betrieb übergegangen ist. Mit diesen Fortschritten ist aber auch der
Geschmack und der Anspruch der Biertrinker gewachsen, der heute wieder, wie ehemals, durch strenge Gesetze
geschützt wird. Das Deutsche Brausteuergesetz von 1906 schreibt vor, daß zur Herstellung von untergärigem
Bier nur Gerstenmalz und Hopfen unter Zusatz von Hefe neben dem Wasser verwendet werden dürfen, während
zu obergärigem Bier außerdem noch technisch reiner Zucker genommen werden darf. Dadurch hat der Bier-

Schrotereianlage (Seckmühle)

Teilansicht des Sudhauses

6
        <pb n="8" />
        ﻿trinker heute in Deutschland die Gewißheit, daß ihm ein reiner, unverfälschter Trank vorgesetzt wird, der
mehr als ein vorübergehendes Genußmittel ist.

Die wissenschaftliche Erkenntnis, daß ein mit derartigen Stoffen hergestelltes Getränk mit Maß
genossen nicht nur vollkommen unschädlich, sondern sogar nährkräftig ist, erweist sich auch als wirk-
samster Schutz gegen die Übertreibungen der Abstinenzbewegung, die, soweit sie sich gegen den Bier-
genuß wendet, durchaus unberechtigt ist, weil das Bier von allen alkoholischen Getränken das alkohol-
ärmste ist. Beider besteht auch in Deutschland in den letzten Jahren eine fanatische Abstinenzbewegung.
Die Anhänger derselben sind vielfach solche Personen, die durch übermäßigen Genuß ihrer Gesundheit

geschadet haben oder
von Natur aus kränklich
veranlagt sind. Weil für
sie nun eine entsagende
Bebensweise nötig ist,
fordern sie auch von ge-
sunden Menschen das
gleiche. Ist das richtig?
Manche der Führer, unter
denen es übrigens auch
solche gibt, die die Ab-
stinenz als Mittel zum
Zweck benutzen, um sich
einen Namen zu machen,
geben zu, daß sie die
Abstinenz fordern, um
die Mäßigkeit zu er-
reichen. Wer viel fordert,
erzielt in der Regel doch
etwas. Sie setzen dabei
voraus, daß die meisten
Menschen zu wenig
Energie besitzen, Maß
zu halten. Daß der
mäßige Biergenuß nicht
nur harmlos,sondern auch
nährkräftig ist und die
Verdauung befördert, ist
von wissenschaftlichen
Autoritäten des öfteren
ausgesprochen worden.
Von 89 deutschen me-
dizinischen Universitäts-

Teilansicht eines Bagerkellers mit emaillierten Stahltanks von
je zirka 200 hl Inhalt

Professoren waren 88 der
Ansicht, daß völlige Ent-
haltsamkeit für den nor-
malen Menschen nicht
notwendig sei. Dr. med.
et phil. B- Kaufmann,
Halle a. d. Saale, sagt:
,,Völlige Enthaltsamkeit,
sowie Alkoholmißbrauch
sind Extreme, der goldene
Mittelweg ist mäßiger Ge-
nuß.“ Hofrat Professor
Dr. Vierordt, Heidelberg,
Geh. Rat Professor Dr.
Eöffler, Greifswald, Ober-
Medizinal-Rat Professor
Dr. Bollinger, München,
sind der Ansicht, daß ein
großer Teil der Bevölke-
rung des Alkohols bedarf
als Zusatz zu ihrem groben
und einförmigen Essen
ihres Magens wegen. Er
wirkt appetitanregend
wie die Gewürze. Ferner
sagt auch Hofrat Pro-
fessorDr. Vierordt,Heidel-
berg: „Mäßiger Alkohol-
genuß schafft dem Geist
und Gemüt Erholung.“
Professor Dr. Hauser,
Erlangen, spricht sich da-
hin aus, daß die moderne

Alkoholfurcht, die jeden Alkoholgenuß verbietet, eine ganz unverständliche Übertreibung sei.

Niemand wird bestreiten, daß übermäßiger Alkoholgenuß schädlich wirken kann und daß, namentlich
die arbeitenden Klassen, vor den Folgen des übermäßigen Genusses von stark alkoholhaltigen Getränken
bewahrt werden müssen, aber niemals darf sich der Kampf gegen den mäßigen Genuß des Bieres richten,
der schon infolge der heutigen Braugesetze und der vollendeten Brautechnik die Unschädlichkeit verbürgt.
Nicht Enthaltsamkeit ist das richtige, sondern Mäßigkeit, aber nicht nur im Biertrinken, sondern auch im

Essen, wie überhaupt in allen Dingen.

Die Wandlungen der Brautechnik hat auch die jetzt unter der Firma F. A. Ulrich in Ueipzig betriebene

7
        <pb n="9" />
        ﻿Brauerei, der diese Blätter gewidmet sind, durch gern acht. Wenn auch nähere Angaben über die frühere Geschichte
dieser Brauerei fehlen, so steht doch fest, daß sie die älteste Braustätte Leipzigs ist und bereits vor dem Jahre
1828, in welchem sie zuerst erwähnt wird, vorhanden war. Einen Hinweis auf die weitere Entwicklung der Brauerei
bietet die beim Erweiterungsbau über dem Eingang zum Sudhaus angebrachte Marmortafel mit der Inschrift:

Dem Herrn sei diese Brauerei anvertraut,

Nur da ist Glück und Segen, wo seine Hand den Acker baut.

Erbauet 1843 von E. Wölbling.

Sonstige Nachrichten über diesen Besitzer, der demnach das Sudhaus neuerbaut hat, wie über die Brauerei

selbst, sind ebenfalls nicht
vorhanden; bekannt ist
nur, daß die Brauerei
nach dem Tode des Herrn
Wölbling pachtweise an
die Herren Gebrüder
Setzer übergegangen ist,
deren N achf olger am 1 .De-
zember 1873 die Herren
Friedrich August Ulrich
und Max Meitzer wurden.
Die von den Genann-
ten ebenfalls pachtweise
übernommene Brauerei
führte die Firma Ul-
rich &amp; Meitzer. Infolge
andauernder Krankheit
schied Herr Max Meitzer
im Jahre 1875 aus der
Firma aus; Herr F. A.
Ulrich führte die Brauerei
unter seinem Namen
allein weiter und erwarb
sie 1882 mit dem Anwesen
für eigene Rechnung.

Am 1. Oktober 1903
nahm Ulrich seinen Sohn,
Dr. phil. Arthur Ulrich,
der die Brauerei von
Grund auf erlernte, u. a.
auch in den renom-
miertesten Brauereien

Teilansicht aus dem Lagerkeller

Münchens, Pilsens, Wiens
usw. praktisch arbeitete
und erst in den späteren
Jahren noch die not-
wendigen naturwissen-
schaftlichen Fächer stu-
dierte, als Teilhaber auf.
Nachdem Herr F. A. Ul-
rich am 26. April 1911
verstorben war, trat auch
dessen Tochter, Frau
Gertrud Reinhardt geb.
Ulrich, in die Firma ein,
die in bisheriger Weise
fortgeführt, jedoch nur
von Dr. Ulrich geleitet
und vertreten wird.

Bis zum Jahre 1879
hatte die Brauerei nur
den primitiven Handbe-
trieb, den früher alle Bier-
brauereien besaßen. Die
Produktion beschränkte
sich auf obergäriges Bier,
sog. Braun- und Weißbier.
Nach dem alten Ver-
fahren war das ganze
Brauverfahren in 14 bis
16 Stunden beendet. Ge-
wöhnlich wurde morgens
um 6 Uhr die Braupfanne
voll kochenden Wassers

gehalten und dieses mittels Handschöpfer über eine Füllrinne nach dem Maischbottich geleitet. Durch Zusatz
von kaltem WTasser stellte man eine lauwarme Temperatur her und schüttete dann in den Bottich die zum
Verbrauen bestimmte Menge Malz, die mittels Maischhölzern durchgearbeitet wurde, bis ein gleichmäßiger
Teig entstand. Während des weiteren Durchrührens wurde abermals kochendes Wasser aus der Braupfanne
herübergeleitet, und zwar in Abständen von 5 zu 5 Minuten, gleichzeitig aber der Hopfen, in einer Menge von
etwa Pfund auf den Scheffel Malz berechnet, aufgekocht, und schließlich die Maische absatzweise in die in
der Braupfanne kochende Hopfenmasse übergefüllt. Nach mehrmaligem Hin- und Herfüllen der Maische
wurde diese in einen mit Stroh umschlossenen Bottich geleitet, in dem das Absetzen vor sich ging;
die abgesetzte und nunmehr klare Würze wurde auf das Kühlschiff gegeben, dort mit Hefe versetzt und
        <pb n="10" />
        ﻿gewöhnlich am Morgen nach dem Brauen auf Tonnen abgefüllt. Dieses Brauverfahren, das von dem
heutigen in vielen Beziehungen verschieden ist, kannte also noch keine maschinellen Vorrichtungen und stellte
die Qualitätsunterschiede meist nur dadurch her, daß ein mehrmaliger Aufguß auf die Würze erfolgte, so daß
die einzelnen Partien immer leichter wurden. Auch das Kochen des Wassers und der Maische erfolgte noch
auf offenem Feuer, ein ziemlich umständliches Verfahren, da leicht Überkochen oder Verbrühen des Braugutes
erfolgen konnte, wenn die Pleizer nicht besonders sorgsam verfuhren.

Gleichwohl erhielt sich dieser primitive Betrieb, der, abgesehen von den Wandlungen der Geräte, schon
bei den alten Klosterpatres üblich gewesen sein mag, noch längere Zeit. Im Jahre 1879 stellte die Brauerei
Ulrich die erste Dampfmaschine ein, und in den folgenden Jahren brachte die Rührigkeit des Besitzers, der den
Frzeugnissen der Brauerei einen guten Ruf zu sichern wußte, in Anpassung an die Fortschritte der Technik
eine völlige Umwandlung des Brauverfahrens wie der veralteten Braueinrichtungen, zumal auch der Geschmack

Teilansicht des Gärkellers

des Publikums die untergärigen Biere zu bevorzugen begann, so daß die obergärigen Biere in den Hintergrund
treten mußten

Unter der Rettung des Herrn Friedrich August Ulrich nahm die Brauerei eine erfreuliche Entwicklung,
so daß sie allmählich ihre Räume vergrößern mußte. Bereits 1900 wurde die Brauerei von C. F. Riebscher in
Großzschocher dazu erworben, um dort die Flaschenbierabteilung und eine Filiale des Reipziger Unternehmens
einzurichten. Umfangreiche Umbauten und die Ausstattung mit modernsten Maschinen und Apparaten haben
diese Abteilung auf eine Reistungsfähigkeit von zirka 12000000 Flaschen jährlich gebracht, und in derselben
Zeit ist auch die Reipziger Brauerei, die in der allerersten Zeit jährlich kaum 3000 Zentner Malz verbraute,
in ihrer Produktion von Jahr zu Jahr gesteigert worden, so daß das Unternehmen jetzt an dritter Stelle unter
den Reipziger Brauereien rangiert und die größte Brauerei Reipzigs bzw. Sachsens in Privatbesitz ist. Die
ungeheure Verteuerung der Produktion durch die Steuergesetze von 1906 und 1909 und die damit verbundene
Erhöhung der Bierpreise haben zwar auch hier, wie bei allen deutschen Brauereien, einen Stillstand in der
Entwicklung hervorgerufen, aber rastloser Fleiß und unablässige Bemühungen zur Verbesserung der Reistungs-
fähigkeit und Qualität haben verursacht, daß sich Produktion und Absatz der Brauerei wieder in steigender

9
        <pb n="11" />
        ﻿Richtung bewegen. Zu diesem Ergebnis hat im wesentlichen beigetragen, daß die Biere der Firma, die
allgemein als die „echten F. A. Ulrich-Biere“ bekannt und begehrt sind, infolge der Verwendung nur bester
Rohstoffe sowie einer vollendeten Brautechnik und wissenschaftlicher Betriebskontrolle eine Qualität auf-
weisen, die den böhmischen und anderen Bieren untergäriger Art durchaus ebenbürtig, vielfach sogar
überlegen sind.

Mit der Brauerei verbunden ist eine eigene Mälzerei, die einen Teil des erforderlichen Malzes selbst
erzeugt. Außerdem ist, um dem zunehmenden Verbrauch alkoholfreier Getränke Rechnung zu tragen, der
Flaschenbierabteilung eine Abteilung angegliedert worden, die sich mit der Herstellung solcher Getränke
befaßt. Auch dieser Betrieb hat sich, dank der Einrichtung mit den modernsten Apparaten, zur Zufrieden-
heit entwickelt. Die für den Brauereibetrieb und die Abnehmer benötigte Eismenge wird zum Teil künst-
lich hergestellt, zum Teil auf natürlichem Wege gewonnen. Die Firma besitzt für diesen Zweck in Eeipzig-

Malztenne

Eindenau ein großes Grundstück mit Teichanlage und Eishallen, in welchen jährlich 100000 Zentner Natureis
für den Sommerverbrauch eingelagert werden.

Die andauernde Steigerung der Produktion hat im Taufe der Jahre, wie erwähnt, mehrfach Er-
weiterungen und Umbauten der Anlagen veranlaßt, namentlich sind die Kellereien und maschinellen An-
lagen wesentlich vergrößert und verbessert worden, z. B. im letzten Jahre ist durch Erbauung eines neuen
Kesselhauses Raum für den neu aufgestellten dritten Dampfkessel geschaffen. Der für die Anbauten
erforderliche Raum ist nach und nach durch Erwerb von Nachbargrundstücken an der Windmühlen-, Emilien-
straße und dem Peterssteinweg beschafft worden. Nach diesen Erweiterungen umfaßt die Brauerei
mit den unmittelbar angrenzenden eigenen Grundstücken eine Fläche von über 13000 qm an den oben-
genannten drei Straßen. Das Grundstück der p'laschenbierabteilung an der Hauptstraße des südwestlichen
Vorortes Großzschocher umfaßt 15000 qm, das Grundstück mit der Teichanlage in Teipzig-Tindenau
55000 qm an der Wasserstraße.

Die Hauptfront des Brauereigrundstücks in Teipzig liegt an der Windmühlenstraße inmitten der Stadt.
Durch die Toreinfahrt des Grundstückes Windmühlenstraße 32 gelangt man in den ausgedehnten Brauereihof.

10
        <pb n="12" />
        ﻿Im linken Seitenflügel der den Hof umgebenden Gebäude sind die Mälzerei, das Betriebslaboratorium und daran
anschließend die Bureaus untergebracht, im rechten Flügel die Werkstätten, Materiallagerräume, Faß-
waschhalle und Personalwohnungen. Am Ende des Hofes liegt das Sudhaus. Oberhalb des Sudhauses sind die
Malzputzerei und die Schroterei eingerichtet. Rechts vom Sudhaus liegen die ausgedehnten Gärkeller, darunter
die ebenfalls sehr geräumigen Lagerkeller. Durch das Sudhaus gelangt man in einen zweiten Hof, der das
Maschinenhaus und die Dampfkesselanlage, die Böttcherei, Picherei, Wagenhalle, den Aufenthaltsraum für das
Fahrpersonal und die Brunnenanlage enthält. Ein Neubau des Sudhauses wird vorbereitet. In dem angrenzenden
Grundstück Emilienstraße 13 befindet sich die Privatwohnung des Chefs. Das gleichfalls zur Brauerei gehörige,

mit ihr zusammenhän-
gende Grundstück Peters-
steinweg 19 enthält den
großen Brauereiaus-
schank „Bierpalast“, eine
der schönsten Lokalitäten
Leipzigs, in welchem die
Erzeugnisse der Brauerei
F. A. Ulrich unmittelbar
zum Ausschank gelangen.

Die Betriebskraft für
die gesamte Anlage liefern
drei Dampfkessel mit
500 qm Heizfläche und
zwei Dampfmaschinen.
Sie treiben die Eis-
maschinen und liefern, in
Verbindung mit zwei
Dynamos, die elektrische
Energie für die Beleuch-
tung und die zahlreichen
im Betriebe arbeitenden
Motoren. Eine Tag und
Nacht arbeitende Pum-
penanlage fördert mit
etwa 500 cbm Tageslei-
stung die Wassermengen,
die in der Brauerei er-
forderlich sind.

Der Betrieb der
Firma umfaßt Brauerei

Teilansicht der Dampfmascliinenanlage

werden untergärige Biere,
hell und dunkel, Spe-
zialbiere nach Pilsener,
Münchener und Kulm-
bacher Art und ein fast
alkoholfreies pasteurisier-
tes Karamelbier erzeugt.
Der Versand der Produk-
tion erfolgt unter Ver-
wendung patentamtlich
geschützter Etiketts und
mehrerer eingetragener
Wortzeichen. Zur Ver-
wendung gelangen fein-
stes Malz bzw. Gerste,
Saazer und bayerischer
Hopfen. Von den Spezial-
bieren werden nament-
lich die nach Pilsener
und Münchener Art ein-
gebrauten Sorten als
ganz hervorragende, den
sogenannten echten voll-
kommen ebenbürtige
Qualitätsbiere geschätzt
und bevorzugt.

Es ist selbstver-
ständlich, daß dieser
Ruf der F. A.Ulrichschen
Biere durch die zur
V erwendung gelangenden
Rohstoffe und die vor-

und Mälzerei, und zwar

zügliche, unter ständiger wissenschaftlicher Kontrolle stehende Brauart veranlaßt und gefestigt worden
ist. Ein eigenes Betriebslaboratorium prüft und analysiert die zur Verwendung gelangenden Rohmaterialien
auf ihre Beschaffenheit und Ergiebigkeit und sorgt durch unausgesetzte Überwachung des gesamten
technischen Betriebes dafür, daß in jedem Teile des Brauverfahrens nach den bewährten Vorschriften
gearbeitet und jahraus jahrein ein gleichmäßiges, nach jeder Richtung hin befriedigendes, einwand-
freies Produkt zum Ausstoß gelangt. Schon dadurch ist Gewähr geleistet, daß die Biere der Brauerei
F. A. Ulrich stets in höchster Reinheit und Bekömmlichkeit dem Publikum zugeführt werden. Durch
die technische Vervollkommnung der Brauerei ist eine weitere Sicherheit für die Leistungsfähigkeit der
Braumethoden gegeben.

11
        <pb n="13" />
        ﻿msaasa

ÄS5S

s

Bin großer Teil des erforderlichen Malzes wird, um die Qualitäten besser überwachen zu können, in der eige-
nen Mälzerei hergestellt. Die zu vermälzende Gerste, auf Grund langjähriger Krfahrung aus den besten Quellen
bezogen, wird von der Bahnstation durch Geschirr der Brauerei zugeführt, passiert hier eine moderne Gersten-
reiuigungs- und Sortieranlage und wird, so vorbereitet, bis zur Verarbeitung auf dem Gerstenlagerboden
aufbewahrt. Kommt die Gerste zur Vermälzung, so wird sie zunächst in eisernen, sogenannten Weich-
stöcken gewaschen und gelüftet und dann etwa drei Tage hindurch durch Wasser geweicht. Dabei nimmt

Automatische Transportfaß-Reinigungsanlage

Faß-Abfüllhalle

12
        <pb n="14" />
        ﻿9

die Gerste ein für das spätere Keimen wichtiges Quantum Wasser auf und gibt gewisse, bittere Extrakt -
Stoffe ab. Das fertige Weichgut wird auf geräumigen, sauberen Malztennen ausgebreitet und hier bei
bestimmter Temperatur (etwa 9 bis 15 Grad Celsius) und wiederholtem Umwenden der Malzhaufen dem
Keimen überlassen. In etwa 8 bis 9 Tagen, während welcher Zeit die Gerste auf der Tenne verbleibt,
macht sie einen eigentümlichen Prozeß durch, bei welchem sich das Stärkemehl verändert und ein Enzym,
die Diastase, gebildet wird. Das nach beendeter Keimzeit — die Sachkunde des Mälzers muß die richtige
Zeit bestimmen, die für die Gewinnung qualitätsreichen Malzes nötig ist — „Grünmalz" genannte Produkt
wandert auf die Darre, um hier den Trocken- und Röstprozeß durchzumachen.

Die Dauer des Darrprozesses, der die weitere Keimung des Malzes verhindern soll, richtet sich nach
der Art des zu erzeugenden Bieres. Für lichte Biere wird das Malz heller gehalten und dazu bei niedriger
Temperatur schnell gedarrt, während für schwere, dunkle Biere ein dunkleres Malz durch langsameres Trocknen

Picherei und Böttcherei

bei höherer Temperatur erzielt wird. Durch den Darrprozeß erlangt das Malz auch den spezifischen,
aromatischen Charakter, der je nach der Art und Dauer der Darre verschieden stark auftritt. Das fertig-
gedarrte Malz wird sofort nach der Darre mittels Putz- und Entstaubungsanlage staubfrei gemacht und von
den anhaftenden Keimen befreit, da diese bei der Eagerung, infolge ihrer hygroskopischen Neigung, dem
Malz Wasser zuführen würden. Nach der Reinigung wird das Malz, da frisches Malz sich schlecht verbrauen
läßt, für etwa 6 bis 10 Wochen in Silos, die vor feuchter Duft geschützt sind, eingelagert, ehe es zum Ver-
brauen gelangt.

Der eigentliche Brauprozeß beginnt damit, daß das bestimmte Quantum Malz nochmals durch eine Putz-
mascliine geleitet und auf einer automatischen, unter steueramtlicher Kontrolle stehenden Wage verwogön wird,
worauf es auf einer sinnreich konstruierten Malzschrotmühle angebrochen, d. h. geschroten wird. Mit Wasser
vermengt entsteht die sog. Maische, die im Sudhause in großen eisernen und kupfernen Behältern bis zu 250 hl
Fassung mittels Dampf gekocht wird. Das Maischekochen, das unter ständigem Rühren mittels der in den
Maischbottichen vorhandenen Rührwerke vor sich geht, führt wiederum bestimmte chemische und physikalische
Veränderungen im Malz herbei, namentlich die Umbildung der Stärke in Zucker (Maltose) und Dextrin, und

13
        <pb n="15" />
        ﻿bewirkt durch die Gegenwart der Diastase die Lösung der im Malz enthaltenen Eiweißstoffe, Salze, Säuren,
Fette usw. Die Bereitung der Maische, die Dauer des Kochprozesses, die Temperaturen usw. unterliegen
genauen, durch die Erfahrung bestimmten Grundsätzen; sie bilden einen sehr wichtigen Teil des gesamten
Brauverfahrens, da der Gehalt der Biere an Extrakt und Alkohol durch die Qualität der Maische bestimmt
wird, das Mischungs- und Kochverhältnis daher nach der Art der zu brauenden Biere eingestellt
werden muß.

Die fertiggekochte Maische bleibt in Ruhe, bis sich die Kornhülsen (Treber) abgesetzt haben und dadurch
ein natürliches Filter bilden. Das Filtrat ist die Würze, aus den löslichen Bestandteilen des Malzschrotes, den

V erzuckerungsprodukten
des Stärkemehls usw.
bestehend. Sie wird
mittels besonderer Ap-
parate auf ihren Gehalt
geprüft und von den
Trebern, die eins der
wertvollsten Viehfutter
sind, abgezogen, um nun-
mehr mit Hopfen ver-
kocht zu werden. Dieses
abermalige Kochen, wel-
ches aus der Würze die
eigentliche B ierf lüssigkeit
herstellt, bewirkt eine
stärkere Konzentration
des Stoffes durch Ver-
dampfen von Wasser,
ferner die Extraktion
der wirksamen Bestand-
teile des Hopfens und
gewisse chemische Um-
bildungen, die für den
Charakter des Bieres
maßgebend sind. Der Zu-
satz an Hopfen wird eben-
falls nach bestimmten
Erfahrungen bemessen,
ebenso die Dauer des
Würzekochens, das wie-
derum mit Dampf erfolgt
und dessen Beendigung

Flaschenbier-Kellerei

an dem sog. Bruch, dem
Auftreten flockenartiger
Ausscheidungen in der
Masse, erkannt wird.

Um die Würze halt-
bar zu machen, muß sie
nach dem Kochen sehr
schnell abgekühlt werden.
Sie wird daher mittels
Pumpen auf die Kühl-
schiffe gebracht, große,
flache Gefäße aus Eisen-
oder Kupferblech, auf
denen durch besondere
Kühleinrichtungen die
Temperatur in kurzer Zeit
fällt. Eine weitere Ab-
kühlung bis auf zirka
5 Grad Celsius erfolgt da-
durch, daß die Würze aus
dem Kühlschiff über Ap-
parate, deren Rohre mit
starkgekühltem Wasser
gefüllt werden, nach den
Gärbottichen geleitet
wird.

Die Gärung ward
durch Zusatz der Hefe be-
wirkt, einer bestimmten
Reinkultur von Spalt-
pilzen (Saccharomyces
cerevisiae), deren Her-

stellung das Betriebslaboratorium mit besonderer Sorgfalt überwacht, da der Gärungsprozeß von der
Qualität und Rasse der Hefe abhängt. Ein genau abgemessenes Quantum Hefe wird der auf die Gär-
bottiche verteilten Würze zugesetzt; der Brauer nennt die Hefe „Zeug“, die Einleitung der Gärung „Zeug
geben" oder „Anstellen". Bei einer Temperatur von etwa 5 bis 8 Grad Celsius, die im Gärkeller herrschen
muß, und nach innigem Vermengen der Hefe mit der Würze beginnt die Würze nunmehr zu gären, was
sich zunächst durch Ansetzen von Schaum auf der Oberfläche der Flüssigkeit bemerkbar macht. Während der
Gärzeit im Bottich (Hauptgärung genannt) unterliegt das Bier wiederum andauernder Beobachtung. Nach einiger
Zeit beginnt die Hefe sich zu setzen, der Schaum, welcher sich gekräuselt hatte, wird dichter und fester, die
Flüssigkeit klarer, bis sie nach 10 bis 14 Tagen zum Abfüllen reif ist. Der größte Teil des Zuckers (der Maltose)

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        ﻿hat sich durch die Hefe auf vollkommen natürlichem Wege in Alkohol und Kohlensäure verwandelt. Das Bier
wird nunmehr vom Gärbottich abgezogen und in den Lagerkellern in Riesenbehälter aus emailliertem Stahl gefüllt,
in denen es eine ruhige Nachgärung durchmacht. Während der 2 bis 4 Monate, in denen das Bier hier, bei sehr
niedriger Temperatur, etwa 2 Grad Celsius, verbleibt, setzt sich die Hefe vollständig zu Boden, das Bier klärt
sich und wird zum Konsum reif, wobei die Kohlensäure, die sich bei der Nachgärung langsam entwickelt und

Betriebs-Laboratorium

Teilansiclit des Hauptkontors

15
        <pb n="17" />
        ﻿Totalansicht der Flaschenbierabteilung mit Brauerei-Gasthof in GroI3zscliocher

(Nach einem Aquarell)

infolge der niedrigen Temperatur flüssig wird, im Bier verbleibt. Hieraus erklärt sich für den Biertrinker
auch die Forderung, Ausschankbiere stets kühl zu halten, weil die im Biere gebundene, den angenehm
prickelnden Geschmack hervorrufende Kohlensäure sonst gasförmig wird, entweicht und das Bier „schal“,
ungenießbar macht.

Nachdem die Bagergefäße einige Zeit geschlossen waren, um durch den entstehenden Druck noch mehr
Kohlensäure zu binden, ist das Bier kellerreif und wird nun mit Hilfe einer isobarometrischen Faßabfüllanlage

Flaschen-Reinigungs- rmd -Abfüllanlage

16
        <pb n="18" />
        ﻿Fuhrpark der Flaschenbierabteilung in Großzschocher

auf die Transportfässer gefüllt, die zum großen Teil in der eigenen Böttcherei hergestellt und sorgfältig aus-
gepicht sind. Die im Gebrauch gewesenen Fässer werden mittels Waschmaschinen gründlich gereinigt und nach-
gepicht. In den Transportfässern wird das nunmehr trinkfähige Bier versandt, um zum Ausschank gebracht
zu werden.

Ein Teil des erzeugten Bieres gelangt in Flaschen zum Verkauf. Die Brauerei F. A.Ulrich hat die Flaschen-
bierabteilung, wie schon erwähnt, in ihrer Filiale in Großzschocher eingerichtet und im letzten Jahre mit den

Biswerke in Bindenau. (Nach einem Aquarell)

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        <pb n="19" />
        ﻿neuesten Maschinen und
Apparaten neu ausgestattet.
Das Abfüllen des Bieres
auf die Flaschen geschieht
mittels eines sinnreichen
Apparates, ebenso die Rei-
nigung der in heißem Wasser
geweichten Flaschen auf
einer Maschine, die mit
einem System von rotieren-
den Bürsten und starken
Wasserstrahlen die Flaschen
innen und außen gründlich
bürstet und wiederholt aus-
spült. Das Karamelbier,
eine besondere Spezialität

erfolgt auf besonderen Ap-
paraten.

Der Versand des Bieres
erfolgt mittels der eigenen
Wagen der Brauerei. Die
Firma unterhält einen Fuhr-
park von etwa 60 Wagen
und etwa 50 Pferden. Das
Absatzgebiet beschränkt
sich, von geringen Aus-
nahmen abgesehen, auf
Beipzig und Umgebung.

Das Unternehmen, das
sich aus kleinen Anfängen
in steigender Entwicklung
zu seiner jetzigen Bedeutung
emporgearbeitet hat, be-
schäftigt gegenwärtig eine
große Zahl kaufmännische
und technische Beamte und
Arbeiter.

In der Brauerei sind
ausreichende Speise-, An-
kleide-, Wasch- und Bade-

der Brauerei F. A. Ulrich,
wird pasteurisiert, um es
unbegrenzt haltbar zu
machen. Die verschlossenen
Flaschen werden hierbei
bestimmte Zeit einer Tem-
peratur von etwa 70 Grad
Celsius ausgesetzt, um
die Hefe zu töten und da-
durch jede weitere Nach-
gärung zu verhindern.
Auch das Pasteurisieren

räume vorhanden, eine Maß-
nahme, die in einem Unter-
nehmen der Genußmittel-
branche schon durch die

Eierpalast Beipzig

Forderung unbedingter Sauberkeit geboten ist. Dampfheizung versorgt sämtliche Betriebs- und Bureauräume
der Brauerei; außer Wasserleitung der städtischen Werke sind zwei große Brunnenanlagen vorhanden.

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        <pb n="20" />
        ﻿Eine besondere Pumpenanlage fördert täglich etwa 500 cbm Wasser, das in hochgelegene Reservoirs geleitet
und von dort aus nach Bedarf den verschiedenen Betriebsabteilungen zugeführt wird. Infolge der peinlichen
Sauberkeit, die in allen Teilen einer Brauerei herrschen muß,’ spielt eine reichliche Wasserversorgung aus nie
versiegender Quelle für das Unternehmen eine wichtige Rolle. Der Wert der vortrefflichen Brunnenanlage

Ansichten des Grundstückes Lindenau

zeigte sich besonders vor mehreren Jahren, als infolge der Trockenheit im Sommer vielfach Wassermangel
eintrat, die Brunnen sich jedoch als so unerschöpflich erwiesen, daß der Stadt noch Wasser abgegeben
werden konnte. Auch die Qualität des Wassers ist eine ganz vorzügliche; das Wasser hat diejenigen
Eigenschaften, die man bei einem guten Brau- und Trinkwasser fordern muß, und die vorzügliche Qualität
der Biere aus der Brauerei F. A. Ulrich ist nicht zum kleinsten Teile durch das gute Wasser bedingt.

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        <pb n="21" />
        ﻿Die treffliche Organisation, die den technischen Betrieb der Brauerei auszeichnet und die in allen
Teilen ein regelmäßiges Arbeiten ermöglicht, zeigt sich auch in den kaufmännischen und technischen Bureaus.
Alle Fortschritte des Verkehrs und der Bureauwissenschaft sind hier gebührend berücksichtigt worden. Die
Brauerei ist durch Fernsprecher in vier Hauptanschlüssen an das Postnetz angeschlossen.

In allen Teilen des Unternehmens erkennen wir die Energie, durch die der Begründer der Firma
F. A. Ulrich die Brauerei in die Höhe gebracht hat und in welchem Sinne weiter zu arbeiten auch das
Bestreben der gegenwärtigen Ueitung ist. Die Erzeugnisse der Firma, die auf der Sächsisch-Thüringischen
Industrieausstellung Ueipzig 1897 mit der Goldenen Medaille der Stadt Ueipzig bedacht worden sind, verdanken
ihren wohlbegründeten Ruf der außerordentlichen Sorgfalt, die das Herstellungsverfahren von der Auswahl der
Rohstoffe an bis zum Ausstoß des trinkfertigen Produkts begleitet. Die Biertrinker wissen aus langjähriger
Erfahrung, daß sie unter den Marken der Brauerei F. A. Ulrich ein in jeder Beziehung bekömmliches,
aus den besten Stoffen eingebrautes Produkt vorgesetzt bekommen, und sie haben nicht ohne Grund diesen
Bieren durch Jahrzehnte die Treue bewahrt, so daß die Brauerei zuversichtlich in die Zukunft blicken darf.

vv

V
        <pb n="22" />
        ﻿the scale towards document

mm

die Gerste ein für das spätere Keimen wichtiges Quantum Wasser auf und gibt gewisse, bittere Extrakt -
stoffe ab. Das fertige Weichgut wird auf geräumigen, sauberen Malztennen ausgebreitet und hier bei
bestimmter Temperatur (etwa 9 bis 15 Grad Celsius) und wiederholtem Umwenden der Malzhaufen dem
^berlassen. In etwa 8 bis 9 Tagen, während welcher Zeit die Gerste auf der Tenne verbleibt,
einen eigentümlichen Prozeß durch, bei welchem sich das Stärkemehl verändert und ein Enzym,
ise, gebildet wird. Das nach beendeter Keimzeit — die Sachkunde des Mälzers muß die richtige
nmen, die für die Gewinnung qualitätsreichen Malzes nötig ist — „Grünmalz" genannte Produkt
j ||uf die Darre, um hier den Trocken- und Röstprozeß durchzumachen.

Dauer des Darrprozesses, der die weitere Keimung des Malzes verhindern soll, richtet sich nach
:s zu erzeugenden Bieres. Für lichte Biere wird das Malz heller gehalten und dazu bei niedriger
■iir schnell gedarrt, während für schwere, dunkle Biere ein dunkleres Malz durch langsameres Trocknen

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Picherei und Böttcherei



:r Temperatur erzielt wird. Durch den Darrprozeß erlangt das Malz auch den spezifischen,
en Charakter, der je nach der Art und Dauer der Darre verschieden stark auftritt. Das fertig-
[alz wird sofort nach der Darre mittels Putz- und Entstaubungsanlage staubfrei gemacht und von
tenden Keimen befreit, da diese bei der Tagerung, infolge ihrer hygroskopischen Neigung, dem
per zuführen würden. Nach der Reinigung wird das Malz, da frisches Malz sich schlecht verbraueu
bwa 6 bis 10 Wochen in Silos, die vor feuchter Ruft geschützt sind, eingelagert, ehe es zum Ver-
angt.

* igentliche Brauprozeß beginnt damit, daß das bestimmte Quantum Malz nochmals durch eine Putz-
■ Geleitet und auf einer automatischen, unter steueramtlicher Kontrolle stehenden Wage verwogen wird,
worauf es auf einer sinnreich konstruierten Malzschrotmühle angebrochen, d. h. geschroten wird. Mit Wasser
vermengt entsteht die sog. Maische, die im Sudhause in großen eisernen und kupfernen Behältern bis zu 250 hl
Fassung mittels Dampf gekocht wird. Das Maischekochen, das unter ständigem Rühren mittels der in den
Maischbottichen vorhandenen Rührwerke vor sich geht, führt wiederum bestimmte chemische und physikalische
Veränderungen im Malz herbei, namentlich die Umbildung der Stärke in Zucker (Maltose) und Dextrin, und



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