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        <title>Brauerei F. A. Ulrich, Leipzig</title>
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        i  cniv
fing-  1  4.  JUNI  }§g§  *
Waren,  und  Firmen-1857

  F  487

feigfcorigehbio^apfeiäebe
  Blätter

••  •

Kultur,  Industrie,Handel  und  (jeWerbe;
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        Totalansicht  der  Brauerei  F.  A.  Ulrich,  Leipzig,  Windmühlenstraße  32.  (Nach  einem  Aquarell.)
F.  A.  (Ulrich,  Leipzig.

Soviel  die  Deutschen  sich  sonst  durch  die  Mode  beeinflussen  lassen:  in  einem  sind  sie  durch  die  Jahr-|
  tausende  fest  geblieben,  in  der  Erkenntnis  der  edlen  Beschaffenheit  des  Bieres  als  Nalirungs-  und

s,
1  j  Genußmittel.
Die  Germanen
haben  dem  Biere  die  Zuneigung ­
  bewahrt,  die  sie
ihm  seit  Tacitus’  Zeiten
entgegenbrachten,  und
man  hat  aus  dieser  Treue
sogar  schließen  wollen,
daß  die  Bierbrauerei  eine
deutsche  Erfindung  gewesen ­
  sei.  Diese  Annahme ­
  ist  aber  nicht  erwiesen, ­
  denn  wer  zuerst
gelehrt  hat,  aus  Gerste
Bier  zu  brauen,  ist  unbekannt ­
  geblieben,  und
nur  das  steht  fest,  daß
der  sagenhafte  Gambrinus
nicht  der  Erfinder  der
Brauerei  gewesen  ist.
Die  ersten  Nachrichten ­
  über  einen  aus
Gerste  bereiteten,  gegorenen ­
  Trank,  der  —  da
Hopfen  noch  unbekannt
war  —  mit  bitteren  Eichtenknospen

  gewürzt  wurde,
finden  sich  im  Papyrus  Anastasi
  IV,  im  ägyptischen
Totenbuch  und  in  anderen
Schriften  des  Pyramidenreiches. ­
  Bestätigt  wird
die  Kenntnis  der  Bierbrauerei ­
  bei  den  Ägyptern
durch  Stellen  im  Talmud
und  bei  Herodot.  „Die
den  Gerstensaft  genießen,
werden  so  fröhlich,  daß
sie  singen  und  tanzen“,
schreibt  ein  Schriftsteller
des  Altertums,  und  in
Alexandria  spielte  die
Bierbrauerei  bereits  eine
so  wichtige  Rolle,  daß
sich  die  Bevölkerung,  wie
Chrysostomos  berichtet,
zu  Tumulten  hinreißen
ließ,  wenn  die  Brauer
den  Bierpreis  erhöhten,
ganz  wie  seinerzeit  in
Bayern,  wo  es  bekanntlich ­
  auch  wegen  der
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        4

Bierpreissteigerung  zu  schweren  Exzessen  gekommen  ist.  Alexandria  und  Pelusium  waren  die  ägyptischen
Brauplätze,  daher  der  Name  pelusisches  Getränk  für  den  Gerstensaft,  der  auch  schon  bei  den  Studenten
Alexandrias  in  Ansehen  stand.  Es  dürfte  sicher  sein,  daß  die  Ägypter,  die  dem  Osiris  die  Erfindung
des  Bierbrauens  zuschrieben,  diese  Kunst  gründlich  verstanden  und  ausübten.
Aber  auf  Ägypten  blieb  die  Kenntnis  nicht  lange  beschränkt.  Schon  in  früher  Zeit  galten  die
Rusitanier  und  Iberer  als  Biertrinker.  Bei  den  Thraziern  und  Phrygiern  kannte  man  Gerstenbier  nach
Arcliilochus  schon  vor  mehr  als  2500  Jahren,  die  Griechen  kannten  es  zur  Zeit  des  Aristoteles,  und  bei
den  Römern  und  Kelten  war  mindestens  eine  Art  Bier  bekannt,  die  aber  wahrscheinlich  aus  Weizen
bereitet  wurde.  Über  das  „Surrogat“  aus  Gerste  oder  Weizen,  welches  die  Kelten  statt  des  Weines

trinken  mußten,  schreibt
u.  a.  der  römische  Kaiser
Julian  ziemlich  verächtlich. ­
  Nicht  ausgeschlossen
ist  daher,  daß  die  Kenntnis ­
  der  eigentlichen  Bierbrauerei ­
  erst  in  der  Völkerwanderung ­
  vom  Osten
bzw.  von  Germanien  aus
zu  den  Römern  gelangt  ist,
ein  Weg,  der  dem  heutigen
des  Bieres  insofern  entsprechen ­
  würde,  als  die
deutsche  Bierbrauerei  noch
jetzt  den  Süden  Europas
versorgt,  da  die  dortigen
Brauereien  erst  in  letzter
Zeit  anfangen,  ein  brauchbares ­
  Gebräu  herzustellen.
In  Deutschland  ist
jedenfalls  die  Bierbrauerei
zuerst  wieder  zu  einer
Kunst  erhoben  worden,
und  die  Sage  vom  Gambrinus
  hat  wenigstens
einen  geschichtlichen  Kern.

Dr.  Ulrich

Johann  I.  von  Flandern,
dessen  Name  Jan  primus
in  Gambrinus  entstellt
worden  ist,  hat  die  Bierbrauerei ­
  in  seinem  Rande
so  entschieden  gefördert,
daß  ihn  die  Brabanter
Brauergilde  zum  Ehrenmitglied ­
  ernannte  und
die  Brauerzunft  ihn  noch
heute  als  Schutzpatron
verehrt.  Überhaupt  sind
die  deutschen  Fürsten  in
früherer  Zeit  eifrige  Beschützer ­
  der  Bierbrauerei
gewesen.  Pipin  soll  die
ersten  Hopfengärten  angelegt ­
  und  damit  die  Benutzung ­
  des  Hopfens  zur
Brauerei  angeregt  haben,
die  Randesherren  von
Bayern  und  die  Stiftsherren ­
  von  Magdeburg
waren  die  ersten,  die  den
Hopfenbau  begünstigten,
und  allgemein  suchten  die

Fürsten  durch  Androhung  von  Strafen  der  Bierverfälschung  vorzubeugen.  Indessen  erfuhr  die  Bierbrauerei
ihre  beste  Förderung  durch  die  Brauprivilegien,  die  an  die  Klöster  verliehen  wurden,  und  noch  jetzt  erinnern ­
  die  Namen  von  Bieren  und  Bierbrauereien,  sowie  manch  andere  Ausdrücke  (Bierkonvent  z.  B.)  an
die  Zeit,  da  fleißige  Mönche  den  Anbau  der  Gerste  und  des  Hopfens  pflegten  und  den  Trank  bereiteten,
der  trotz  aller  Anfeindungen  und  Moden  die  Welt  erobert  hat.
Seit  dem  12.  Jahrhundert  wurde  das  Braugewerbe  auch  den  Städten  zugestanden;  hier  haftete  die  Braugerechtigkeit ­
  meist  an  den  Bürgerhäusern,  denn  in  der  ersten  Zeit  braute  fast  jedes  Haus  seinen  Bierbedarf
selbst  und  erst  allmählich  bildeten  sich  gewerbsmäßige  Brauer  heraus,  die  ihr  Erzeugnis  auch  gleich  an  Ort  und
Stelle  zum  Ausschank  brachten.  Aus  dieser  Entwicklung  als  Hausbrauerei  erklären  sich  die  zahllosen  Unterschiede
in  den  Biersorten,  die  nicht  nur  in  den  einzelnen  Orten,  sondern  fast  in  jedem  Brauhause  nach  eigenen  Rezepten
hergestellt  wurden,  abgesehen  von  den  Verschiedenheiten,  die  schon  durch  die  Eigenarten  der  Rohstoffe  hervorgerufen ­
  werden.  Viele  Biere  der  älteren  Zeit  sind  über  ihre  Heimat  hinaus  berühmt  geworden,  so  die
Braunschweiger  Mumme,  das  Einbecker  Bier,  die  Reipziger  Gose,  der  Hannoversche  Broylian,  der  dem  Berliner
Weißbier  als  Vorbild  gedient  hat,  das  Bernauer  Bier  u.  a.  Abgesehen  von  den  Verschiedenheiten  der  Herstellung
        <pb n="4" />
        5

Brauereihof

beschränkte  sich  aber  die  Brautechnik  der  älteren  Zeit  auf  das  Brauen  sogenannter  obergäriger  Biere.  Erst  in
der  zweiten  Hälfte  des  Mittelalters  wurde  in  Bayern  die  Kunst,  untergärige  Biere  herzustellen,  erfunden,  und
erst  im  19.  Jahrhundert  ist  diese  Bierart  zunächst  unter  dem  Namen  des  bayerischen  Bieres  in  Mittel-  und
Norddeutschland  heimischer  geworden,  derart,  daß  heute  das  obergärige  Bier  bis  auf  wenige  Spezialitäten  vom
untergärigen  fast  völlig  verdrängt  worden  ist.  Die  fortschreitende  Technik  und  die  Entwicklung  der  Nahrungsmittelchemie ­
  haben  auch  die  Bierbrauerei  beeinflußt,  und  die  Einrichtungen  der  Brauereien,  die  teilweise  auf  ein

Ammoniak-Kondensatoren
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        6

hohes  Alter  zurückblicken  können,  sind  allmählich  verbessert  worden,  je  mehr  die  Brauerei  von  den  empirischen
Anfängen  zum  wissenschaftlichen  Betrieb  übergegangen  ist.  Mit  diesen  Fortschritten  ist  aber  auch  der
Geschmack  und  der  Anspruch  der  Biertrinker  gewachsen,  der  heute  wieder,  wie  ehemals,  durch  strenge  Gesetze
geschützt  wird.  Das  Deutsche  Brausteuergesetz  von  1906  schreibt  vor,  daß  zur  Herstellung  von  untergärigem
Bier  nur  Gerstenmalz  und  Hopfen  unter  Zusatz  von  Hefe  neben  dem  Wasser  verwendet  werden  dürfen,  während
zu  obergärigem  Bier  außerdem  noch  technisch  reiner  Zucker  genommen  werden  darf.  Dadurch  hat  der  Bier-Schrotereianlage

  (Seckmühle)

Teilansicht  des  Sudhauses
        <pb n="6" />
        7

trinker  heute  in  Deutschland  die  Gewißheit,  daß  ihm  ein  reiner,  unverfälschter  Trank  vorgesetzt  wird,  der
mehr  als  ein  vorübergehendes  Genußmittel  ist.
Die  wissenschaftliche  Erkenntnis,  daß  ein  mit  derartigen  Stoffen  hergestelltes  Getränk  mit  Maß
genossen  nicht  nur  vollkommen  unschädlich,  sondern  sogar  nährkräftig  ist,  erweist  sich  auch  als  wirksamster ­
  Schutz  gegen  die  Übertreibungen  der  Abstinenzbewegung,  die,  soweit  sie  sich  gegen  den  Biergenuß ­
  wendet,  durchaus  unberechtigt  ist,  weil  das  Bier  von  allen  alkoholischen  Getränken  das  alkoholärmste ­
  ist.  Beider  besteht  auch  in  Deutschland  in  den  letzten  Jahren  eine  fanatische  Abstinenzbewegung.
Die  Anhänger  derselben  sind  vielfach  solche  Personen,  die  durch  übermäßigen  Genuß  ihrer  Gesundheit

geschadet  haben  oder
von  Natur  aus  kränklich
veranlagt  sind.  Weil  für
sie  nun  eine  entsagende
Bebensweise  nötig  ist,
fordern  sie  auch  von  gesunden ­
  Menschen  das
gleiche.  Ist  das  richtig?
Manche  der  Führer,  unter
denen  es  übrigens  auch
solche  gibt,  die  die  Abstinenz ­
  als  Mittel  zum
Zweck  benutzen,  um  sich
einen  Namen  zu  machen,
geben  zu,  daß  sie  die
Abstinenz  fordern,  um
die  Mäßigkeit  zu  erreichen. ­
  Wer  viel  fordert,
erzielt  in  der  Regel  doch
etwas.  Sie  setzen  dabei
voraus,  daß  die  meisten
Menschen  zu  wenig
Energie  besitzen,  Maß
zu  halten.  Daß  der
mäßige  Biergenuß  nicht
nur  harmlos,sondern  auch
nährkräftig  ist  und  die
Verdauung  befördert,  ist
von  wissenschaftlichen
Autoritäten  des  öfteren
ausgesprochen  worden.
Von  89  deutschen  medizinischen ­
  Universitäts-Teilansicht

  eines  Bagerkellers  mit  emaillierten  Stahltanks  von
je  zirka  200  hl  Inhalt

Professoren  waren  88  der
Ansicht,  daß  völlige  Enthaltsamkeit ­
  für  den  normalen ­
  Menschen  nicht
notwendig  sei.  Dr.  med.
et  phil.  B-  Kaufmann,
Halle  a.  d.  Saale,  sagt:
,,Völlige  Enthaltsamkeit,
sowie  Alkoholmißbrauch
sind  Extreme,  der  goldene
Mittelweg  ist  mäßiger  Genuß.“ ­
  Hofrat  Professor
Dr.  Vierordt,  Heidelberg,
Geh.  Rat  Professor  Dr.
Eöffler,  Greifswald,  Ober-Medizinal-Rat
  Professor
Dr.  Bollinger,  München,
sind  der  Ansicht,  daß  ein
großer  Teil  der  Bevölkerung ­
  des  Alkohols  bedarf
als  Zusatz  zu  ihrem  groben
und  einförmigen  Essen
ihres  Magens  wegen.  Er
wirkt  appetitanregend
wie  die  Gewürze.  Ferner
sagt  auch  Hofrat  ProfessorDr.
  Vierordt,Heidelberg: ­
  „Mäßiger  Alkoholgenuß ­
  schafft  dem  Geist
und  Gemüt  Erholung.“
Professor  Dr.  Hauser,
Erlangen,  spricht  sich  dahin ­
  aus,  daß  die  moderne

Alkoholfurcht,  die  jeden  Alkoholgenuß  verbietet,  eine  ganz  unverständliche  Übertreibung  sei.
Niemand  wird  bestreiten,  daß  übermäßiger  Alkoholgenuß  schädlich  wirken  kann  und  daß,  namentlich
die  arbeitenden  Klassen,  vor  den  Folgen  des  übermäßigen  Genusses  von  stark  alkoholhaltigen  Getränken
bewahrt  werden  müssen,  aber  niemals  darf  sich  der  Kampf  gegen  den  mäßigen  Genuß  des  Bieres  richten,
der  schon  infolge  der  heutigen  Braugesetze  und  der  vollendeten  Brautechnik  die  Unschädlichkeit  verbürgt.
Nicht  Enthaltsamkeit  ist  das  richtige,  sondern  Mäßigkeit,  aber  nicht  nur  im  Biertrinken,  sondern  auch  im

Essen,  wie  überhaupt  in  allen  Dingen.
Die  Wandlungen  der  Brautechnik  hat  auch  die  jetzt  unter  der  Firma  F.  A.  Ulrich  in  Ueipzig  betriebene
        <pb n="7" />
        Brauerei,  der  diese  Blätter  gewidmet  sind,  durch  gern  acht.  Wenn  auch  nähere  Angaben  über  die  frühere  Geschichte
dieser  Brauerei  fehlen,  so  steht  doch  fest,  daß  sie  die  älteste  Braustätte  Leipzigs  ist  und  bereits  vor  dem  Jahre
1828,  in  welchem  sie  zuerst  erwähnt  wird,  vorhanden  war.  Einen  Hinweis  auf  die  weitere  Entwicklung  der  Brauerei
bietet  die  beim  Erweiterungsbau  über  dem  Eingang  zum  Sudhaus  angebrachte  Marmortafel  mit  der  Inschrift:
Dem  Herrn  sei  diese  Brauerei  anvertraut,
Nur  da  ist  Glück  und  Segen,  wo  seine  Hand  den  Acker  baut.
Erbauet  1843  von  E.  Wölbling.
Sonstige  Nachrichten  über  diesen  Besitzer,  der  demnach  das  Sudhaus  neuerbaut  hat,  wie  über  die  Brauerei

selbst,  sind  ebenfalls  nicht
vorhanden;  bekannt  ist
nur,  daß  die  Brauerei
nach  dem  Tode  des  Herrn
Wölbling  pachtweise  an
die  Herren  Gebrüder
Setzer  übergegangen  ist,
deren  N  achf  olger  am  1  .Dezember ­
  1873  die  Herren
Friedrich  August  Ulrich
und  Max  Meitzer  wurden.
Die  von  den  Genannten ­
  ebenfalls  pachtweise
übernommene  Brauerei
führte  die  Firma  Ulrich ­
  &amp;amp;  Meitzer.  Infolge
andauernder  Krankheit
schied  Herr  Max  Meitzer
im  Jahre  1875  aus  der
Firma  aus;  Herr  F.  A.
Ulrich  führte  die  Brauerei
unter  seinem  Namen
allein  weiter  und  erwarb
sie  1882  mit  dem  Anwesen
für  eigene  Rechnung.
Am  1.  Oktober  1903
nahm  Ulrich  seinen  Sohn,
Dr.  phil.  Arthur  Ulrich,
der  die  Brauerei  von
Grund  auf  erlernte,  u.  a.
auch  in  den  renommiertesten ­
  Brauereien

Teilansicht  aus  dem  Lagerkeller

Münchens,  Pilsens,  Wiens
usw.  praktisch  arbeitete
und  erst  in  den  späteren
Jahren  noch  die  notwendigen ­
  naturwissenschaftlichen ­
  Fächer  studierte, ­
  als  Teilhaber  auf.
Nachdem  Herr  F.  A.  Ulrich ­
  am  26.  April  1911
verstorben  war,  trat  auch
dessen  Tochter,  Frau
Gertrud  Reinhardt  geb.
Ulrich,  in  die  Firma  ein,
die  in  bisheriger  Weise
fortgeführt,  jedoch  nur
von  Dr.  Ulrich  geleitet
und  vertreten  wird.
Bis  zum  Jahre  1879
hatte  die  Brauerei  nur
den  primitiven  Handbetrieb, ­
  den  früher  alle  Bierbrauereien ­
  besaßen.  Die
Produktion  beschränkte
sich  auf  obergäriges  Bier,
sog.  Braun-  und  Weißbier.
Nach  dem  alten  Verfahren ­
  war  das  ganze
Brauverfahren  in  14  bis
16  Stunden  beendet.  Gewöhnlich ­
  wurde  morgens
um  6  Uhr  die  Braupfanne
voll  kochenden  Wassers

gehalten  und  dieses  mittels  Handschöpfer  über  eine  Füllrinne  nach  dem  Maischbottich  geleitet.  Durch  Zusatz
von  kaltem  W T asser  stellte  man  eine  lauwarme  Temperatur  her  und  schüttete  dann  in  den  Bottich  die  zum
Verbrauen  bestimmte  Menge  Malz,  die  mittels  Maischhölzern  durchgearbeitet  wurde,  bis  ein  gleichmäßiger
Teig  entstand.  Während  des  weiteren  Durchrührens  wurde  abermals  kochendes  Wasser  aus  der  Braupfanne
herübergeleitet,  und  zwar  in  Abständen  von  5  zu  5  Minuten,  gleichzeitig  aber  der  Hopfen,  in  einer  Menge  von
etwa  Pfund  auf  den  Scheffel  Malz  berechnet,  aufgekocht,  und  schließlich  die  Maische  absatzweise  in  die  in
der  Braupfanne  kochende  Hopfenmasse  übergefüllt.  Nach  mehrmaligem  Hin-  und  Herfüllen  der  Maische
wurde  diese  in  einen  mit  Stroh  umschlossenen  Bottich  geleitet,  in  dem  das  Absetzen  vor  sich  ging;
die  abgesetzte  und  nunmehr  klare  Würze  wurde  auf  das  Kühlschiff  gegeben,  dort  mit  Hefe  versetzt  und
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        gewöhnlich  am  Morgen  nach  dem  Brauen  auf  Tonnen  abgefüllt.  Dieses  Brauverfahren,  das  von  dem
heutigen  in  vielen  Beziehungen  verschieden  ist,  kannte  also  noch  keine  maschinellen  Vorrichtungen  und  stellte
die  Qualitätsunterschiede  meist  nur  dadurch  her,  daß  ein  mehrmaliger  Aufguß  auf  die  Würze  erfolgte,  so  daß
die  einzelnen  Partien  immer  leichter  wurden.  Auch  das  Kochen  des  Wassers  und  der  Maische  erfolgte  noch
auf  offenem  Feuer,  ein  ziemlich  umständliches  Verfahren,  da  leicht  Überkochen  oder  Verbrühen  des  Braugutes
erfolgen  konnte,  wenn  die  Pleizer  nicht  besonders  sorgsam  verfuhren.
Gleichwohl  erhielt  sich  dieser  primitive  Betrieb,  der,  abgesehen  von  den  Wandlungen  der  Geräte,  schon
bei  den  alten  Klosterpatres  üblich  gewesen  sein  mag,  noch  längere  Zeit.  Im  Jahre  1879  stellte  die  Brauerei
Ulrich  die  erste  Dampfmaschine  ein,  und  in  den  folgenden  Jahren  brachte  die  Rührigkeit  des  Besitzers,  der  den
Frzeugnissen  der  Brauerei  einen  guten  Ruf  zu  sichern  wußte,  in  Anpassung  an  die  Fortschritte  der  Technik
eine  völlige  Umwandlung  des  Brauverfahrens  wie  der  veralteten  Braueinrichtungen,  zumal  auch  der  Geschmack

Teilansicht  des  Gärkellers

des  Publikums  die  untergärigen  Biere  zu  bevorzugen  begann,  so  daß  die  obergärigen  Biere  in  den  Hintergrund
treten  mußten
Unter  der  Rettung  des  Herrn  Friedrich  August  Ulrich  nahm  die  Brauerei  eine  erfreuliche  Entwicklung,
so  daß  sie  allmählich  ihre  Räume  vergrößern  mußte.  Bereits  1900  wurde  die  Brauerei  von  C.  F.  Riebscher  in
Großzschocher  dazu  erworben,  um  dort  die  Flaschenbierabteilung  und  eine  Filiale  des  Reipziger  Unternehmens
einzurichten.  Umfangreiche  Umbauten  und  die  Ausstattung  mit  modernsten  Maschinen  und  Apparaten  haben
diese  Abteilung  auf  eine  Reistungsfähigkeit  von  zirka  12000000  Flaschen  jährlich  gebracht,  und  in  derselben
Zeit  ist  auch  die  Reipziger  Brauerei,  die  in  der  allerersten  Zeit  jährlich  kaum  3000  Zentner  Malz  verbraute,
in  ihrer  Produktion  von  Jahr  zu  Jahr  gesteigert  worden,  so  daß  das  Unternehmen  jetzt  an  dritter  Stelle  unter
den  Reipziger  Brauereien  rangiert  und  die  größte  Brauerei  Reipzigs  bzw.  Sachsens  in  Privatbesitz  ist.  Die
ungeheure  Verteuerung  der  Produktion  durch  die  Steuergesetze  von  1906  und  1909  und  die  damit  verbundene
Erhöhung  der  Bierpreise  haben  zwar  auch  hier,  wie  bei  allen  deutschen  Brauereien,  einen  Stillstand  in  der
Entwicklung  hervorgerufen,  aber  rastloser  Fleiß  und  unablässige  Bemühungen  zur  Verbesserung  der  Reistungsfähigkeit ­
  und  Qualität  haben  verursacht,  daß  sich  Produktion  und  Absatz  der  Brauerei  wieder  in  steigender

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        10

Richtung  bewegen.  Zu  diesem  Ergebnis  hat  im  wesentlichen  beigetragen,  daß  die  Biere  der  Firma,  die
allgemein  als  die  „echten  F.  A.  Ulrich-Biere“  bekannt  und  begehrt  sind,  infolge  der  Verwendung  nur  bester
Rohstoffe  sowie  einer  vollendeten  Brautechnik  und  wissenschaftlicher  Betriebskontrolle  eine  Qualität  aufweisen, ­
  die  den  böhmischen  und  anderen  Bieren  untergäriger  Art  durchaus  ebenbürtig,  vielfach  sogar
überlegen  sind.
Mit  der  Brauerei  verbunden  ist  eine  eigene  Mälzerei,  die  einen  Teil  des  erforderlichen  Malzes  selbst
erzeugt.  Außerdem  ist,  um  dem  zunehmenden  Verbrauch  alkoholfreier  Getränke  Rechnung  zu  tragen,  der
Flaschenbierabteilung  eine  Abteilung  angegliedert  worden,  die  sich  mit  der  Herstellung  solcher  Getränke
befaßt.  Auch  dieser  Betrieb  hat  sich,  dank  der  Einrichtung  mit  den  modernsten  Apparaten,  zur  Zufriedenheit ­
  entwickelt.  Die  für  den  Brauereibetrieb  und  die  Abnehmer  benötigte  Eismenge  wird  zum  Teil  künstlich ­
  hergestellt,  zum  Teil  auf  natürlichem  Wege  gewonnen.  Die  Firma  besitzt  für  diesen  Zweck  in  Eeipzig-Malztenne



Eindenau  ein  großes  Grundstück  mit  Teichanlage  und  Eishallen,  in  welchen  jährlich  100000  Zentner  Natureis
für  den  Sommerverbrauch  eingelagert  werden.
Die  andauernde  Steigerung  der  Produktion  hat  im  Taufe  der  Jahre,  wie  erwähnt,  mehrfach  Erweiterungen ­
  und  Umbauten  der  Anlagen  veranlaßt,  namentlich  sind  die  Kellereien  und  maschinellen  Anlagen ­
  wesentlich  vergrößert  und  verbessert  worden,  z.  B.  im  letzten  Jahre  ist  durch  Erbauung  eines  neuen
Kesselhauses  Raum  für  den  neu  aufgestellten  dritten  Dampfkessel  geschaffen.  Der  für  die  Anbauten
erforderliche  Raum  ist  nach  und  nach  durch  Erwerb  von  Nachbargrundstücken  an  der  Windmühlen-,  Emilienstraße ­
  und  dem  Peterssteinweg  beschafft  worden.  Nach  diesen  Erweiterungen  umfaßt  die  Brauerei
mit  den  unmittelbar  angrenzenden  eigenen  Grundstücken  eine  Fläche  von  über  13000  qm  an  den  obengenannten ­
  drei  Straßen.  Das  Grundstück  der  p'laschenbierabteilung  an  der  Hauptstraße  des  südwestlichen
Vorortes  Großzschocher  umfaßt  15000  qm,  das  Grundstück  mit  der  Teichanlage  in  Teipzig-Tindenau
55000  qm  an  der  Wasserstraße.
Die  Hauptfront  des  Brauereigrundstücks  in  Teipzig  liegt  an  der  Windmühlenstraße  inmitten  der  Stadt.
Durch  die  Toreinfahrt  des  Grundstückes  Windmühlenstraße  32  gelangt  man  in  den  ausgedehnten  Brauereihof.
        <pb n="10" />
        11

Im  linken  Seitenflügel  der  den  Hof  umgebenden  Gebäude  sind  die  Mälzerei,  das  Betriebslaboratorium  und  daran
anschließend  die  Bureaus  untergebracht,  im  rechten  Flügel  die  Werkstätten,  Materiallagerräume,  Faßwaschhalle ­
  und  Personalwohnungen.  Am  Ende  des  Hofes  liegt  das  Sudhaus.  Oberhalb  des  Sudhauses  sind  die
Malzputzerei  und  die  Schroterei  eingerichtet.  Rechts  vom  Sudhaus  liegen  die  ausgedehnten  Gärkeller,  darunter
die  ebenfalls  sehr  geräumigen  Lagerkeller.  Durch  das  Sudhaus  gelangt  man  in  einen  zweiten  Hof,  der  das
Maschinenhaus  und  die  Dampfkesselanlage,  die  Böttcherei,  Picherei,  Wagenhalle,  den  Aufenthaltsraum  für  das
Fahrpersonal  und  die  Brunnenanlage  enthält.  Ein  Neubau  des  Sudhauses  wird  vorbereitet.  In  dem  angrenzenden
Grundstück  Emilienstraße  13  befindet  sich  die  Privatwohnung  des  Chefs.  Das  gleichfalls  zur  Brauerei  gehörige,

mit  ihr  zusammenhängende ­
  Grundstück  Peterssteinweg ­
  19  enthält  den
großen  Brauereiausschank ­
  „Bierpalast“,  eine
der  schönsten  Lokalitäten
Leipzigs,  in  welchem  die
Erzeugnisse  der  Brauerei
F.  A.  Ulrich  unmittelbar
zum  Ausschank  gelangen.
Die  Betriebskraft  für
die  gesamte  Anlage  liefern
drei  Dampfkessel  mit
500  qm  Heizfläche  und
zwei  Dampfmaschinen.
Sie  treiben  die  Eismaschinen ­
  und  liefern,  in
Verbindung  mit  zwei
Dynamos,  die  elektrische
Energie  für  die  Beleuchtung ­
  und  die  zahlreichen
im  Betriebe  arbeitenden
Motoren.  Eine  Tag  und
Nacht  arbeitende  Pumpenanlage ­
  fördert  mit
etwa  500  cbm  Tagesleistung ­
  die  Wassermengen,
die  in  der  Brauerei  erforderlich ­
  sind.
Der  Betrieb  der
Firma  umfaßt  Brauerei

Teilansicht  der  Dampfmascliinenanlage

werden  untergärige  Biere,
hell  und  dunkel,  Spezialbiere ­
  nach  Pilsener,
Münchener  und  Kulmbacher ­
  Art  und  ein  fast
alkoholfreies  pasteurisiertes ­
  Karamelbier  erzeugt.
Der  Versand  der  Produktion ­
  erfolgt  unter  Verwendung ­
  patentamtlich
geschützter  Etiketts  und
mehrerer  eingetragener
Wortzeichen.  Zur  Verwendung ­
  gelangen  feinstes ­
  Malz  bzw.  Gerste,
Saazer  und  bayerischer
Hopfen.  Von  den  Spezialbieren ­
  werden  namentlich ­
  die  nach  Pilsener
und  Münchener  Art  eingebrauten ­
  Sorten  als
ganz  hervorragende,  den
sogenannten  echten  vollkommen ­
  ebenbürtige
Qualitätsbiere  geschätzt
und  bevorzugt.
Es  ist  selbstverständlich, ­
  daß  dieser
Ruf  der  F.  A.Ulrichschen
Biere  durch  die  zur
V  erwendung  gelangenden
Rohstoffe  und  die  vorund

  Mälzerei,  und  zwar
zügliche,  unter  ständiger  wissenschaftlicher  Kontrolle  stehende  Brauart  veranlaßt  und  gefestigt  worden
ist.  Ein  eigenes  Betriebslaboratorium  prüft  und  analysiert  die  zur  Verwendung  gelangenden  Rohmaterialien
auf  ihre  Beschaffenheit  und  Ergiebigkeit  und  sorgt  durch  unausgesetzte  Überwachung  des  gesamten
technischen  Betriebes  dafür,  daß  in  jedem  Teile  des  Brauverfahrens  nach  den  bewährten  Vorschriften
gearbeitet  und  jahraus  jahrein  ein  gleichmäßiges,  nach  jeder  Richtung  hin  befriedigendes,  einwandfreies ­
  Produkt  zum  Ausstoß  gelangt.  Schon  dadurch  ist  Gewähr  geleistet,  daß  die  Biere  der  Brauerei
F.  A.  Ulrich  stets  in  höchster  Reinheit  und  Bekömmlichkeit  dem  Publikum  zugeführt  werden.  Durch
die  technische  Vervollkommnung  der  Brauerei  ist  eine  weitere  Sicherheit  für  die  Leistungsfähigkeit  der
Braumethoden  gegeben.
        <pb n="11" />
        12

msaasa

ÄS5S

s

Bin  großer  Teil  des  erforderlichen  Malzes  wird,  um  die  Qualitäten  besser  überwachen  zu  können,  in  der  eigenen ­
  Mälzerei  hergestellt.  Die  zu  vermälzende  Gerste,  auf  Grund  langjähriger  Krfahrung  aus  den  besten  Quellen
bezogen,  wird  von  der  Bahnstation  durch  Geschirr  der  Brauerei  zugeführt,  passiert  hier  eine  moderne  Gerstenreiuigungs-
  und  Sortieranlage  und  wird,  so  vorbereitet,  bis  zur  Verarbeitung  auf  dem  Gerstenlagerboden
aufbewahrt.  Kommt  die  Gerste  zur  Vermälzung,  so  wird  sie  zunächst  in  eisernen,  sogenannten  Weichstöcken ­
  gewaschen  und  gelüftet  und  dann  etwa  drei  Tage  hindurch  durch  Wasser  geweicht.  Dabei  nimmt

Automatische  Transportfaß-Reinigungsanlage

Faß-Abfüllhalle
        <pb n="12" />
        9

die  Gerste  ein  für  das  spätere  Keimen  wichtiges  Quantum  Wasser  auf  und  gibt  gewisse,  bittere  Extrakt  -
Stoffe  ab.  Das  fertige  Weichgut  wird  auf  geräumigen,  sauberen  Malztennen  ausgebreitet  und  hier  bei
bestimmter  Temperatur  (etwa  9  bis  15  Grad  Celsius)  und  wiederholtem  Umwenden  der  Malzhaufen  dem
Keimen  überlassen.  In  etwa  8  bis  9  Tagen,  während  welcher  Zeit  die  Gerste  auf  der  Tenne  verbleibt,
macht  sie  einen  eigentümlichen  Prozeß  durch,  bei  welchem  sich  das  Stärkemehl  verändert  und  ein  Enzym,
die  Diastase,  gebildet  wird.  Das  nach  beendeter  Keimzeit  —  die  Sachkunde  des  Mälzers  muß  die  richtige
Zeit  bestimmen,  die  für  die  Gewinnung  qualitätsreichen  Malzes  nötig  ist  —  „Grünmalz"  genannte  Produkt
wandert  auf  die  Darre,  um  hier  den  Trocken-  und  Röstprozeß  durchzumachen.
Die  Dauer  des  Darrprozesses,  der  die  weitere  Keimung  des  Malzes  verhindern  soll,  richtet  sich  nach
der  Art  des  zu  erzeugenden  Bieres.  Für  lichte  Biere  wird  das  Malz  heller  gehalten  und  dazu  bei  niedriger
Temperatur  schnell  gedarrt,  während  für  schwere,  dunkle  Biere  ein  dunkleres  Malz  durch  langsameres  Trocknen

Picherei  und  Böttcherei

bei  höherer  Temperatur  erzielt  wird.  Durch  den  Darrprozeß  erlangt  das  Malz  auch  den  spezifischen,
aromatischen  Charakter,  der  je  nach  der  Art  und  Dauer  der  Darre  verschieden  stark  auftritt.  Das  fertiggedarrte ­
  Malz  wird  sofort  nach  der  Darre  mittels  Putz-  und  Entstaubungsanlage  staubfrei  gemacht  und  von
den  anhaftenden  Keimen  befreit,  da  diese  bei  der  Eagerung,  infolge  ihrer  hygroskopischen  Neigung,  dem
Malz  Wasser  zuführen  würden.  Nach  der  Reinigung  wird  das  Malz,  da  frisches  Malz  sich  schlecht  verbrauen
läßt,  für  etwa  6  bis  10  Wochen  in  Silos,  die  vor  feuchter  Duft  geschützt  sind,  eingelagert,  ehe  es  zum  Verbrauen ­
  gelangt.
Der  eigentliche  Brauprozeß  beginnt  damit,  daß  das  bestimmte  Quantum  Malz  nochmals  durch  eine  Putzmascliine
  geleitet  und  auf  einer  automatischen,  unter  steueramtlicher  Kontrolle  stehenden  Wage  verwogön  wird,
worauf  es  auf  einer  sinnreich  konstruierten  Malzschrotmühle  angebrochen,  d.  h.  geschroten  wird.  Mit  Wasser
vermengt  entsteht  die  sog.  Maische,  die  im  Sudhause  in  großen  eisernen  und  kupfernen  Behältern  bis  zu  250  hl
Fassung  mittels  Dampf  gekocht  wird.  Das  Maischekochen,  das  unter  ständigem  Rühren  mittels  der  in  den
Maischbottichen  vorhandenen  Rührwerke  vor  sich  geht,  führt  wiederum  bestimmte  chemische  und  physikalische
Veränderungen  im  Malz  herbei,  namentlich  die  Umbildung  der  Stärke  in  Zucker  (Maltose)  und  Dextrin,  und

13
        <pb n="13" />
        14

bewirkt  durch  die  Gegenwart  der  Diastase  die  Lösung  der  im  Malz  enthaltenen  Eiweißstoffe,  Salze,  Säuren,
Fette  usw.  Die  Bereitung  der  Maische,  die  Dauer  des  Kochprozesses,  die  Temperaturen  usw.  unterliegen
genauen,  durch  die  Erfahrung  bestimmten  Grundsätzen;  sie  bilden  einen  sehr  wichtigen  Teil  des  gesamten
Brauverfahrens,  da  der  Gehalt  der  Biere  an  Extrakt  und  Alkohol  durch  die  Qualität  der  Maische  bestimmt
wird,  das  Mischungs-  und  Kochverhältnis  daher  nach  der  Art  der  zu  brauenden  Biere  eingestellt
werden  muß.
Die  fertiggekochte  Maische  bleibt  in  Ruhe,  bis  sich  die  Kornhülsen  (Treber)  abgesetzt  haben  und  dadurch
ein  natürliches  Filter  bilden.  Das  Filtrat  ist  die  Würze,  aus  den  löslichen  Bestandteilen  des  Malzschrotes,  den

V  erzuckerungsprodukten
des  Stärkemehls  usw.
bestehend.  Sie  wird
mittels  besonderer  Apparate ­
  auf  ihren  Gehalt
geprüft  und  von  den
Trebern,  die  eins  der
wertvollsten  Viehfutter
sind,  abgezogen,  um  nunmehr ­
  mit  Hopfen  verkocht ­
  zu  werden.  Dieses
abermalige  Kochen,  welches ­
  aus  der  Würze  die
eigentliche  B  ierf  lüssigkeit
herstellt,  bewirkt  eine
stärkere  Konzentration
des  Stoffes  durch  Verdampfen ­
  von  Wasser,
ferner  die  Extraktion
der  wirksamen  Bestandteile ­
  des  Hopfens  und
gewisse  chemische  Umbildungen, ­
  die  für  den
Charakter  des  Bieres
maßgebend  sind.  Der  Zusatz ­
  an  Hopfen  wird  ebenfalls ­
  nach  bestimmten
Erfahrungen  bemessen,
ebenso  die  Dauer  des
Würzekochens,  das  wiederum ­
  mit  Dampf  erfolgt
und  dessen  Beendigung

Flaschenbier-Kellerei

an  dem  sog.  Bruch,  dem
Auftreten  flockenartiger
Ausscheidungen  in  der
Masse,  erkannt  wird.
Um  die  Würze  haltbar ­
  zu  machen,  muß  sie
nach  dem  Kochen  sehr
schnell  abgekühlt  werden.
Sie  wird  daher  mittels
Pumpen  auf  die  Kühlschiffe ­
  gebracht,  große,
flache  Gefäße  aus  Eisenoder ­
  Kupferblech,  auf
denen  durch  besondere
Kühleinrichtungen  die
Temperatur  in  kurzer  Zeit
fällt.  Eine  weitere  Abkühlung ­
  bis  auf  zirka
5  Grad  Celsius  erfolgt  dadurch, ­
  daß  die  Würze  aus
dem  Kühlschiff  über  Apparate, ­
  deren  Rohre  mit
starkgekühltem  Wasser
gefüllt  werden,  nach  den
Gärbottichen  geleitet
wird.
Die  Gärung  ward
durch  Zusatz  der  Hefe  bewirkt, ­
  einer  bestimmten
Reinkultur  von  Spaltpilzen ­
  (Saccharomyces
cerevisiae),  deren  Herstellung ­

  das  Betriebslaboratorium  mit  besonderer  Sorgfalt  überwacht,  da  der  Gärungsprozeß  von  der
Qualität  und  Rasse  der  Hefe  abhängt.  Ein  genau  abgemessenes  Quantum  Hefe  wird  der  auf  die  Gärbottiche ­
  verteilten  Würze  zugesetzt;  der  Brauer  nennt  die  Hefe  „Zeug“,  die  Einleitung  der  Gärung  „Zeug
geben"  oder  „Anstellen".  Bei  einer  Temperatur  von  etwa  5  bis  8  Grad  Celsius,  die  im  Gärkeller  herrschen
muß,  und  nach  innigem  Vermengen  der  Hefe  mit  der  Würze  beginnt  die  Würze  nunmehr  zu  gären,  was
sich  zunächst  durch  Ansetzen  von  Schaum  auf  der  Oberfläche  der  Flüssigkeit  bemerkbar  macht.  Während  der
Gärzeit  im  Bottich  (Hauptgärung  genannt)  unterliegt  das  Bier  wiederum  andauernder  Beobachtung.  Nach  einiger
Zeit  beginnt  die  Hefe  sich  zu  setzen,  der  Schaum,  welcher  sich  gekräuselt  hatte,  wird  dichter  und  fester,  die
Flüssigkeit  klarer,  bis  sie  nach  10  bis  14  Tagen  zum  Abfüllen  reif  ist.  Der  größte  Teil  des  Zuckers  (der  Maltose)
        <pb n="14" />
        15

hat  sich  durch  die  Hefe  auf  vollkommen  natürlichem  Wege  in  Alkohol  und  Kohlensäure  verwandelt.  Das  Bier
wird  nunmehr  vom  Gärbottich  abgezogen  und  in  den  Lagerkellern  in  Riesenbehälter  aus  emailliertem  Stahl  gefüllt,
in  denen  es  eine  ruhige  Nachgärung  durchmacht.  Während  der  2  bis  4  Monate,  in  denen  das  Bier  hier,  bei  sehr
niedriger  Temperatur,  etwa  2  Grad  Celsius,  verbleibt,  setzt  sich  die  Hefe  vollständig  zu  Boden,  das  Bier  klärt
sich  und  wird  zum  Konsum  reif,  wobei  die  Kohlensäure,  die  sich  bei  der  Nachgärung  langsam  entwickelt  und

Betriebs-Laboratorium

Teilansiclit  des  Hauptkontors
        <pb n="15" />
        16

Totalansicht  der  Flaschenbierabteilung  mit  Brauerei-Gasthof  in  GroI3zscliocher
(Nach  einem  Aquarell)
infolge  der  niedrigen  Temperatur  flüssig  wird,  im  Bier  verbleibt.  Hieraus  erklärt  sich  für  den  Biertrinker
auch  die  Forderung,  Ausschankbiere  stets  kühl  zu  halten,  weil  die  im  Biere  gebundene,  den  angenehm
prickelnden  Geschmack  hervorrufende  Kohlensäure  sonst  gasförmig  wird,  entweicht  und  das  Bier  „schal“,
ungenießbar  macht.
Nachdem  die  Bagergefäße  einige  Zeit  geschlossen  waren,  um  durch  den  entstehenden  Druck  noch  mehr
Kohlensäure  zu  binden,  ist  das  Bier  kellerreif  und  wird  nun  mit  Hilfe  einer  isobarometrischen  Faßabfüllanlage

Flaschen-Reinigungs-  rmd  -Abfüllanlage
        <pb n="16" />
        17

Fuhrpark  der  Flaschenbierabteilung  in  Großzschocher

auf  die  Transportfässer  gefüllt,  die  zum  großen  Teil  in  der  eigenen  Böttcherei  hergestellt  und  sorgfältig  ausgepicht ­
  sind.  Die  im  Gebrauch  gewesenen  Fässer  werden  mittels  Waschmaschinen  gründlich  gereinigt  und  nachgepicht. ­
  In  den  Transportfässern  wird  das  nunmehr  trinkfähige  Bier  versandt,  um  zum  Ausschank  gebracht
zu  werden.
Ein  Teil  des  erzeugten  Bieres  gelangt  in  Flaschen  zum  Verkauf.  Die  Brauerei  F.  A.Ulrich  hat  die  Flaschenbierabteilung, ­
  wie  schon  erwähnt,  in  ihrer  Filiale  in  Großzschocher  eingerichtet  und  im  letzten  Jahre  mit  den

Biswerke  in  Bindenau.  (Nach  einem  Aquarell)
        <pb n="17" />
        18

neuesten  Maschinen  und
Apparaten  neu  ausgestattet.
Das  Abfüllen  des  Bieres
auf  die  Flaschen  geschieht
mittels  eines  sinnreichen
Apparates,  ebenso  die  Reinigung ­
  der  in  heißem  Wasser
geweichten  Flaschen  auf
einer  Maschine,  die  mit
einem  System  von  rotierenden ­
  Bürsten  und  starken
Wasserstrahlen  die  Flaschen
innen  und  außen  gründlich
bürstet  und  wiederholt  ausspült. ­
  Das  Karamelbier,
eine  besondere  Spezialität

erfolgt  auf  besonderen  Apparaten. ­

Der  Versand  des  Bieres
erfolgt  mittels  der  eigenen
Wagen  der  Brauerei.  Die
Firma  unterhält  einen  Fuhrpark ­
  von  etwa  60  Wagen
und  etwa  50  Pferden.  Das
Absatzgebiet  beschränkt
sich,  von  geringen  Ausnahmen ­
  abgesehen,  auf
Beipzig  und  Umgebung.
Das  Unternehmen,  das
sich  aus  kleinen  Anfängen
in  steigender  Entwicklung
zu  seiner  jetzigen  Bedeutung
emporgearbeitet  hat,  beschäftigt ­
  gegenwärtig  eine
große  Zahl  kaufmännische
und  technische  Beamte  und
Arbeiter.
In  der  Brauerei  sind
ausreichende  Speise-,  Ankleide-, ­
  Wasch-  und  Badeder

  Brauerei  F.  A.  Ulrich,
wird  pasteurisiert,  um  es
unbegrenzt  haltbar  zu
machen.  Die  verschlossenen
Flaschen  werden  hierbei
bestimmte  Zeit  einer  Temperatur ­
  von  etwa  70  Grad
Celsius  ausgesetzt,  um
die  Hefe  zu  töten  und  dadurch ­
  jede  weitere  Nachgärung ­
  zu  verhindern.
Auch  das  Pasteurisieren

räume  vorhanden,  eine  Maßnahme, ­
  die  in  einem  Unternehmen ­
  der  Genußmittelbranche ­
  schon  durch  die

Eierpalast  Beipzig
Forderung  unbedingter  Sauberkeit  geboten  ist.  Dampfheizung  versorgt  sämtliche  Betriebs-  und  Bureauräume
der  Brauerei;  außer  Wasserleitung  der  städtischen  Werke  sind  zwei  große  Brunnenanlagen  vorhanden.
        <pb n="18" />
        19

Eine  besondere  Pumpenanlage  fördert  täglich  etwa  500  cbm  Wasser,  das  in  hochgelegene  Reservoirs  geleitet
und  von  dort  aus  nach  Bedarf  den  verschiedenen  Betriebsabteilungen  zugeführt  wird.  Infolge  der  peinlichen
Sauberkeit,  die  in  allen  Teilen  einer  Brauerei  herrschen  muß,’  spielt  eine  reichliche  Wasserversorgung  aus  nie
versiegender  Quelle  für  das  Unternehmen  eine  wichtige  Rolle.  Der  Wert  der  vortrefflichen  Brunnenanlage

Ansichten  des  Grundstückes  Lindenau

zeigte  sich  besonders  vor  mehreren  Jahren,  als  infolge  der  Trockenheit  im  Sommer  vielfach  Wassermangel
eintrat,  die  Brunnen  sich  jedoch  als  so  unerschöpflich  erwiesen,  daß  der  Stadt  noch  Wasser  abgegeben
werden  konnte.  Auch  die  Qualität  des  Wassers  ist  eine  ganz  vorzügliche;  das  Wasser  hat  diejenigen
Eigenschaften,  die  man  bei  einem  guten  Brau-  und  Trinkwasser  fordern  muß,  und  die  vorzügliche  Qualität
der  Biere  aus  der  Brauerei  F.  A.  Ulrich  ist  nicht  zum  kleinsten  Teile  durch  das  gute  Wasser  bedingt.
        <pb n="19" />
        Die  treffliche  Organisation,  die  den  technischen  Betrieb  der  Brauerei  auszeichnet  und  die  in  allen
Teilen  ein  regelmäßiges  Arbeiten  ermöglicht,  zeigt  sich  auch  in  den  kaufmännischen  und  technischen  Bureaus.
Alle  Fortschritte  des  Verkehrs  und  der  Bureauwissenschaft  sind  hier  gebührend  berücksichtigt  worden.  Die
Brauerei  ist  durch  Fernsprecher  in  vier  Hauptanschlüssen  an  das  Postnetz  angeschlossen.
In  allen  Teilen  des  Unternehmens  erkennen  wir  die  Energie,  durch  die  der  Begründer  der  Firma
F.  A.  Ulrich  die  Brauerei  in  die  Höhe  gebracht  hat  und  in  welchem  Sinne  weiter  zu  arbeiten  auch  das
Bestreben  der  gegenwärtigen  Ueitung  ist.  Die  Erzeugnisse  der  Firma,  die  auf  der  Sächsisch-Thüringischen
Industrieausstellung  Ueipzig  1897  mit  der  Goldenen  Medaille  der  Stadt  Ueipzig  bedacht  worden  sind,  verdanken
ihren  wohlbegründeten  Ruf  der  außerordentlichen  Sorgfalt,  die  das  Herstellungsverfahren  von  der  Auswahl  der
Rohstoffe  an  bis  zum  Ausstoß  des  trinkfertigen  Produkts  begleitet.  Die  Biertrinker  wissen  aus  langjähriger
Erfahrung,  daß  sie  unter  den  Marken  der  Brauerei  F.  A.  Ulrich  ein  in  jeder  Beziehung  bekömmliches,
aus  den  besten  Stoffen  eingebrautes  Produkt  vorgesetzt  bekommen,  und  sie  haben  nicht  ohne  Grund  diesen
Bieren  durch  Jahrzehnte  die  Treue  bewahrt,  so  daß  die  Brauerei  zuversichtlich  in  die  Zukunft  blicken  darf.

vv
V
        <pb n="20" />
        13

the  scale  towards  document

mm

die  Gerste  ein  für  das  spätere  Keimen  wichtiges  Quantum  Wasser  auf  und  gibt  gewisse,  bittere  Extrakt  -
stoffe  ab.  Das  fertige  Weichgut  wird  auf  geräumigen,  sauberen  Malztennen  ausgebreitet  und  hier  bei
bestimmter  Temperatur  (etwa  9  bis  15  Grad  Celsius)  und  wiederholtem  Umwenden  der  Malzhaufen  dem
^berlassen.  In  etwa  8  bis  9  Tagen,  während  welcher  Zeit  die  Gerste  auf  der  Tenne  verbleibt,
einen  eigentümlichen  Prozeß  durch,  bei  welchem  sich  das  Stärkemehl  verändert  und  ein  Enzym,
ise,  gebildet  wird.  Das  nach  beendeter  Keimzeit  —  die  Sachkunde  des  Mälzers  muß  die  richtige
nmen,  die  für  die  Gewinnung  qualitätsreichen  Malzes  nötig  ist  —  „Grünmalz"  genannte  Produkt
j  ||uf  die  Darre,  um  hier  den  Trocken-  und  Röstprozeß  durchzumachen.
Dauer  des  Darrprozesses,  der  die  weitere  Keimung  des  Malzes  verhindern  soll,  richtet  sich  nach
:s  zu  erzeugenden  Bieres.  Für  lichte  Biere  wird  das  Malz  heller  gehalten  und  dazu  bei  niedriger
■iir  schnell  gedarrt,  während  für  schwere,  dunkle  Biere  ein  dunkleres  Malz  durch  langsameres  Trocknen

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Picherei  und  Böttcherei

:r  Temperatur  erzielt  wird.  Durch  den  Darrprozeß  erlangt  das  Malz  auch  den  spezifischen,
en  Charakter,  der  je  nach  der  Art  und  Dauer  der  Darre  verschieden  stark  auftritt.  Das  fertig-[alz
  wird  sofort  nach  der  Darre  mittels  Putz-  und  Entstaubungsanlage  staubfrei  gemacht  und  von
tenden  Keimen  befreit,  da  diese  bei  der  Tagerung,  infolge  ihrer  hygroskopischen  Neigung,  dem
per  zuführen  würden.  Nach  der  Reinigung  wird  das  Malz,  da  frisches  Malz  sich  schlecht  verbraueu
bwa  6  bis  10  Wochen  in  Silos,  die  vor  feuchter  Ruft  geschützt  sind,  eingelagert,  ehe  es  zum  Verangt.

*  igentliche  Brauprozeß  beginnt  damit,  daß  das  bestimmte  Quantum  Malz  nochmals  durch  eine  Putz-■
  Geleitet  und  auf  einer  automatischen,  unter  steueramtlicher  Kontrolle  stehenden  Wage  verwogen  wird,
worauf  es  auf  einer  sinnreich  konstruierten  Malzschrotmühle  angebrochen,  d.  h.  geschroten  wird.  Mit  Wasser
vermengt  entsteht  die  sog.  Maische,  die  im  Sudhause  in  großen  eisernen  und  kupfernen  Behältern  bis  zu  250  hl
Fassung  mittels  Dampf  gekocht  wird.  Das  Maischekochen,  das  unter  ständigem  Rühren  mittels  der  in  den
Maischbottichen  vorhandenen  Rührwerke  vor  sich  geht,  führt  wiederum  bestimmte  chemische  und  physikalische
Veränderungen  im  Malz  herbei,  namentlich  die  Umbildung  der  Stärke  in  Zucker  (Maltose)  und  Dextrin,  und
        <pb n="21" />
        ﻿
        <pb n="22" />
        ﻿
      </div>
    </body>
  </text>
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