13 Bovölkermigspolitik. der wichtigsten Aufgaben der Bevölkerungspolitik, aber auch eine der schwierigsten. Bis zu gewissem Grade ist hohe Säuglingssterblichkeit eine natürliche Begleiterscheinung hoher Geburtenziffern. Denn bei hoher Geburtenzahl kann auf das einzelne Kind oft nur geringe Sorgfalt verwendet werden. Diese Tatsache gewinnt aber bedenkliche Ausdehnung, wenn beschränkte wirtschaftliche Verhältnisse es breiten Volksschichten überhaupt unmöglich machen, auf das zu erwartende und auf das geborene Kind die nötige Rücksicht zu nehmen. Man ches läßt sich hier erreichen durch genügende wirtschaftliche und gesundheitliche Fürsorge für Schwangere und Wöch nerinnen, wie sie u. a. durch die neuere Arbeiterschutz- und Krankenversicherungsgesetzgebung ermöglicht ist und durch ge meindliche und gesellschaftliche Veranstaltungen eifrig ge fördert wird. Der Erfolg aller solcher Maßnahmen und Be mühungen hängt aber wesentlich davon ab, ob sich die wirt schaftlichen Verhältnisse der breiten Volksschichten in auf steigender Richtung bewegen. Hierzu bedarf es des Zu sammenwirkens fast aller Zweige der Volkswirtschaftspolitik. Die Selbstemeuemng der Bevölkerung füllt in regel- mäßigen Zeiten niit einer Volkszunahme zusammen, da der Zuwachs den Abgang meist übersteigt. Gleichwohl karrn zu einer gegebenen Zeit die vorhandene Bevölkerung nicht im richtigen Verhältnisse zu dem Bedarfe der Volkswirtschaft an Arbeitskräften stehen. Die Bevölkerrnrgspolitik sucht dann durch bestimmte Eingriffe ein besseres Verhältnis herzustellen. Eirr Zurückbleiben der Volkszahl hinter dem Bedarfe der Volkswirtschaft wurde narnentlich in der Zeit befürchtet, als die Volkswirtschastspolitik von den Grurrdsätzen des „Merkan- lilsystems" mit seirrer eifrigerr Förderung des gewerblicheir Lebens beherrscht wurde. Das 16., 17. und 18. Jahrhundert ist deshalb die Zeit, in der die Bevölkemngspolitik der euro päische), Staaten ans möglichste Förderung der inneren Volks-