86 Kosten für Zinsen und Amortisation, Gagen und Zehrgeld. Ich komme nun zu den Kosten, die dem Schiff durch Zinsen und Amortisation erwachsen. Die Preise der Schiffe richten sich natürlich ganz nach Größe, Ausrüstung, Zustand der Schiffseinrichtungen ­ und besonders auch nach der Konjunktur. So wurde mir von einer Dampfschiffsreederei 1 ) angegeben, daß ein Schiff von 2300 Netto-Reg.-Tonnen und 6000 Tonnen Ladefähigkeit heute (1912) an Baukosten 1250000 Mk. verschlingt, während dasselbe Schiff vor einigen Jahren schon für 800000 Mk. zu haben war. Der Normalpreis sei ungefähr 1000000 Mk. Eine große Segelschiffreederei ­ gab den heutigen Preis für ein Segelschiff von 2855 Netto-Reg.-Tonnen und 4500 Tonnen Ladefähigkeit mit 7 bis 800000 Mk. an; eine andere schätzte den Preis eines ihrer Schiffe von 1990 Netto-Reg.-Tonnen und 3000 Tonnen Ladefähigkeit ­ bei einem Alter von zehn Jahren auf 230000 Mk. Die Amortisationsquote beträgt durchweg 5%, so daß mit Zinsen durchschnittlich 10% per Jahr vom Bruttogewinn abgesetzt werden müssen. Die Amortisation schwankt natürlich auch je nach den Erträgen der betreffenden Jahre. Schließlich will ich noch die immerhin ins Gewicht fallenden Gagen- und Zehrkosten auf Dampfern und Seglern während des Hafenaufenthalts erwähnen. Die Segler mit ihrer geringeren Bemannung als die der Dampfer lohnen stets die ganze Mannschaft ­ im Hafen ab, so daß für die Segelschiffreedereien keine Ausgaben ­ für Gage und Kost zu verzeichnen sind. Die Dampfer dagegen mit bedeutend größerem Mannschaftsbestand als die Segler müssen zur Reinhaltung und Reparatur etc. die ganze Mannschaft an Bord behalten. Abgemustert wird fast nie. Über die Gagen- und Zehrgeldkosten wurden mir folgende spezifizierte Angaben für einen 2300 Netto-Reg.-Tonnen-Dampfer gemacht 1 ). Die Besatzung von 31 Mann bestand aus folgendem Personal mit nachstehendem Monatslohn (s. Tabelle S. 87): Das Zehrgeld beträgt pro Mann und Tag 1,50 Mk., d. h. für die ganze Besatzung pro Tag 46,50 Mk. und 1395 Mk. pro Monat. Die Kosten an Gage und Zehrgeld belaufen sich also für den Dampfer auf 164,61 Mk. täglich. Es ist erklärlich, daß diese Ausgabe bei längerem ­ Löschen »im Strom« von schwerwiegender Bedeutung werden kann und deshalb auch sie in der Richtung wirkt, daß die Dampfer nach Möglichkeit die notwendige Liegezeit im Hafen abkürzen. x ) Von der Reederei August Bolten, Wra. Millers Nachfolger.