8 nicht gesagt fein, daß Nebenius auf den schultern der preußischen Staatsmänner gestanden habe; solche Gedanken lagen damals in der Luft; es bedurfte nur eines kundigen und einsichtsvollen Kopfes, um ihnen die gemeinfaßliche und praktische Form zu geben ; auch Friedrich Lifts Gedankengänge bewegten sich auf diesem Gebiete. Nur ist es ebenso falsch, diese beiden, Nebenius und £ift, deshalb als die eigentlichen Schöpfer des Zollvereins zu preisen. Überdies unterscheiden sich doch die Nebeniusschen Ideen in wesentlichen ­ Punkten von dem Grundcharakter der preußischen Einrichtungen. ­ Sie sind zweifellos theoretisch größer angelegt und verfolgen ­ staatswissenfchaftliche Ziele für das gesamte Deutschland, während Preußens Zollgesetze durch wesentlich praktisch-finanzielle Gesichtspunkte bestimmt wurden und zunächst nur für Preußen zugeschnitten waren. Darin lag aber gerade die Stärke der preußischen ­ Gesetzgebung; denn wie sich bald bei den Darmstädter Verhandlungen ­ herausstellen sollte: der einen Theorie trat eine andere Theorie gegenüber, und da Nebenius, trotz sonstiger Vorsicht und Bescheidenheit des Auftretens, da, wo es sich um seine Doktrin handelte, ­ unnachgiebig und scharf vorging, auch wohl gelegentlich das Übergewicht seines besseren Wissens fühlen ließ, fo platzten die Geister zum Schaden für die Sache feindlich aufeinander. Ferner war ihm der in Aussicht genommene Schutzzoll nur ein augenblicklicher ­ Notbehelf; Nebenius wollte sobald als möglich in die Bahnen des Freihandels einlenken, während Preußen das von den Zeitumständen abhängig machte. Endlich aber forderte er allgemeine ­ deutsche Bundeszölle und eine vom Frankfurter Bundestage abhängige Zollverwaltung. Es gehörte ein gewaltiges Stück Mptimismus dazu, um unter den damaligen Zuständen noch irgend eine positive Leistung höheren Stiles von dieser erlauchten Versammlung ­ zu erwarten. Nnd dabei blieben die beiden Fragen offen, ob diesem Phantom Preußen seine schon in Funktion getretene Zollgesetzgebung ­ opfern würde, und in welcher Weise man die wirtschaftlichen ­ Interessen Deutschlands mit denen (Österreichs werde vereinigen können.