74 Schutz gegen die englischen Garne. Der geringe Zollschutz von 2 Talern für den Zentner würde reichlich ausgewogen durch die günstigere Lage der englischen Fabriken für den Bezug der Rohstoffe, durch billigeres Brennmaterial und vor allem durch billigere und bessere Maschinen und größere Kapitalkraft. Unsere Maschinen- industrie lag ja damals noch in den Windeln. Bis zum Jahre 1842 hatte die Garneinfuhr in das Vereinsgebiet die innere Garn produktion um mehr als das Doppelte überstiegen. Dagegen hatten es die Baumwollenweber unter den: Schutze eines Zolles von 30—50 Talern für den Zentner zu einem Export von 14—15 Will. Taler gebracht. Diese Leute remonstrierten nun gegen Zölle auf Baumwollengarne, weil sie diese als notwendiges Rohmaterial für ihre Manufaktur ansahen. Sie hatten in Preußen den Geh. Rat Kühn mit seiner gewandten und kundigen Feder auf ihrer Leite, der herausrechnete, daß die Baumwollwebereien mehr Arbeiter be schäftigten, als die Spinnereien. Das Exempel hatte nur das eine große Loch, daß auch der geringere Betrieb Anrecht und zwar erst recht auf Unterstützung hatte und bei einem entschiedenen Auf blühen der Spinnereien doch auch die Webereien schließlich ihren Vorteil erlangt hätten; denn dann wären die inländischen Garne auch preiswürdiger geworden. Das waren die Auspizien, unter denen am 1. Juli 1845 die siebente Zollkonferenz zu Karlsruhe eröffnet wurde; sie währte bis zum 23. Oktober, und obwohl sie refultatlos verlief, trug sie doch dazu bei, die erhitzten Meinungen pro und contra Zollschutz ab zukühlen und zu klären und vor allem die Überzeugung zu festigen, daß auch solche wichtige Prinzipienfragen den Bestand des Zoll vereins nicht erschüttern könnten und dürften. Bezeichnend war die Anwesenheit vieler Fremder namentlich englischer Agenten, die sich ungeheuer gefreut hätten, wenn bei dieser Gelegenheit der Verein aufgeflogen wäre. Erfrechte sich doch der englische Gesandte Sir Augustus Malet nach dem resultatlosen aber um so kampferfüllteren Verlaufe der Konferenz die freihändlerifchen Mitglieder zu einem „Siegesmahle" einzuladen. Bedenklich während dieser ganzen