h I - 15 - Wien studierte und der schrieb lange Briefe an seinen Vater nach Hause. Die gingen dann von Hand zu Hand, nicht nur bei uns, sondern oft auch in den Nachbardörfern. Der erzählte, wie Mitte März in Wien das Volk aufge standen war, wie auf den Straßen gekämpft wurde und endlich die Revo lution siegte, wie die Minister davonliefen und der Kaiser ein Parlament , versprach. Daß man hätte den Kaiser verjagen wollen, das war nicht wahr. Aber eine Nationalgarde hatten die Wiener gebildet, Bürger, Arbeiter und besonders die Studenten hatten sich bewaffnet, und da beschlossen denn die Bauern, das auch zu tun. Da tauchten alle möglichen alten Schießprügel auf, mein Vetter fand noch in einer Bodenkammer ein altes Feuerstein gewehr und rückte damit aus. Wer keine Feuerwaffen austreiben konnte, der nahm die Mist- oder Heugübel, und so hatten wir bald auch im Dorf unsere »Nationalgarde«, die fleißig exerzierte. Wenn ich mich heute daran erinnere, muß ich lachen, wie zusammengestöppelt alles war; aber damals war es allen sehr ernst; und besonders den Herren Amtleüten wäre das Lachen ganz gehörig vergangen, wenn sie jetzt versucht hätten, den Bauer so zu behandeln wie vorher. Aber das versuchten sie gar nicht; die früher die ärgsten Schinder gewesen waxen, die waren jetzt sanft wie Lämmer. |Benn ein Bauer von der Robot, so hieß die Zwangsarbeit, fernblieb, dann tat der Herr Amtmann, als ob er nichts bemerkte. Früher hätte es Prügel gesetzt. Manche meinten nun, man solle der Herrschaft überhaupt keine Ar beit mehr umsonst leisten; die Mehrheit aber beschloß, eine Petition an den Kaiser zu richten um Aufhebung der Robot. Die Bittschrift wurde auch ab geschickt; aber wie das schon ist, wenn kein Zwang mehr da ist; wer nicht wollte, der leistete seine Arbeit eben nicht, und die Herrschaften waren froh, wenn ihnen die Bauern nicht noch das Haus ansteckten, wie das in anderen Gegenden ab und zu geschehen sein soll. Anfangs des Sommers waren dann die Wahlen für den ersten Reichs tag. Na, war das eine Aufregung! Und aus unserem Wahlbezirk wurde auch ein Bauer als Abgeordneter nach Wien geschickt. Das war etwas ganz Un erhörtes. Noch vor ein paar Monaten hatte der Bauer vor jedem Beamten und vor jedem Adeligen auf dem Bauch liegen müssen. Jetzt schickten sie einen der ihrigen als Gesetzgeber nach Wien! Beworben hatten sich allerhand Leute um das Mandat, darunter auch ein früherer Amtmann, der jetzt den Bauern schrecklich schön tat; aber die trauten ihm nicht über den Weg und wählten lieber einen der ihrigen. Bald darauf hörte man, daß im Reichstag über Bauernbefreiung verhandelt wurde und unser Abgeordneter schrieb oft darüber nach Hause. Gar.so eilig hatte man es im Dorf damit eigentlich nicht einmal; denn dort leistete ohnehin keiner mehr die Robot, und wenn die Ablösung gesetzlich wurde, dann mußten die Bauern der Herrschaft etwas bezahlen. Trotzdem freuten sich»aber doch alle, als man im September er fuhr, wie ein Gesetz vom Reichstag angenommen worden war, daß viele Lasten ganz unentgeltlich aufgehoben sein sollten, andere nur gegen eine kleine Entschädigung. Freilich hatten viele gehofft, es werde alles einfach so bleiben, wie es nun geworden war, das heißt, daß die, Robot ganz ohne Bezahlung wegfalle; aber die meisten waren doch sehr zufrieden mit dem, was der Reichstag damals beschloß. Später, als wirklich reguliert wurde und mancher dennoch ein schönes Stück Geld zu zahlen hatte, murrten wieder viele, jedoch auch die beruhigten sich bald. Aber die Revolutionäre in Wien wollten noch keine Ruhe geben und trieben die Sache immer ärger, so- daß der Kaiser aus Wien flüchten mußte und dann verbanden sie sich sogar mit den rebellischen Ungarn. Dafür to«»-