33 kenntnis zog er für seine eigene sozialreformatorische Tätigkeit die Konsequenzen. Er mied seitdem zunächst alleLiteratur, mit Ausnahme der beruflichen und einiger wissenschaftlicher und klassischer Werke. „Ich schloß mich mit einer fast ausschließlichen Vorliebe an die „leben den Bücher“ an, an die Heim- und Arbeitsstätten, die mir erklärt wurden durch die sozialen Autoritäten einer jeden Gegend 1 ).“ Bei jenen umfassenden Vergleichen, durch die Le Play sich die Erreichung seines Zieles sichern wollte, mußte er sich besonders in fremden Ländern neben der eigenen Beobachtung auf Gewährsmänner stützen, die ihm seine Aufgabe erleichterten, die ihm vor allem aber durch ihre praktische Tätigkeit und ihre Erfolge in der sozialen Praxis zeigten, wie der soziale Friede erhalten werden kann. Seine Überzeugung war, daß dort, wo es soziale Autoritäten gibt, die ihre Pflicht tun, der soziale Friede erhalten werden kann. Deshalb nehmen sowohl in der Methode wie im Lehrsystem Le Play’s die „Sozialen Autoritäten“ eine hervorragende Stellung ein. Im An schluß an Plato definiert Le Play den Begriff „Soziale Autoritäten“ folgendermaßen 2 ): „Unter der Menge finden sich immer göttliche Menschen, gering an Zahl, deren Handeln von unschätzbarem Werte ist, die in zivilisierten Staaten nicht häufiger als in anderen geboren werden. Die Bürger, die unter einer guten Eegierung leben, müssen der Spur dieser Menschen, die sich vor Verderbnis bewahrt haben, folgen und sie über Land und Meer hin suchen, teils um das Gute in den Gesetzen ihres Landes bestätigt zu sehen, teils um das Mangelhafte zu verbessern. Es ist nicht möglich, daß unser Gemeinwesen jemals vollkommen ist, wenn man diese Beobachtungen und Untersuchungen nicht oder schlecht macht.“ Und Le Play selbst definiert sie als „Menschen, die durch ihre eigenen Tugenden Muster des Privatlebens ge worden sind; die eine große Neigung zum Guten zeigen, bei allen Völkern, in allen Ständen und sozialen Verfassungen; die durch das Beispiel ihres Hauses und ihrer Arbeitsstätte wie durch die peinliche Beobachtung der gött lichen Gebote und der Gewohnheiten des sozialen Priedens die Zuneigung und den Respekt ihrer ganzen Umgebung erlangen; die endlich Glück und Frieden in ihrer Nachbarschaft zur Herrschaft bringen.“ Diese sehr allgemeine Definition wird ergänzt durch weitere Aus führungen an anderen Stellen. ') 0. E. I, 619. 2 ) 0. E. I, Vokabularium, S. 446. 3*