34 *) Kef. soc. I, S. XII ff. In erster Linie sollen es Praktiker 1 ) sein, Landwirte oder Gewerbetreibende. Dabei ist es gleichgültig, ob sie einem großen oder einem kleinen Betriebe vorstehen. Ohne die Anwendung von Gewalt halten sie den öffentlichen Frieden aufrecht, alle durch die selben Mittel: „Sie geben in ihrer Heimat ein gutes Beispiel, indem sie ihren Dienstboten, Arbeitern und Nachbarn Bespekt und Zu neigung einflößen“. Wo sie frei herrschen, schaffen sie feste und gedeihende Gemeinwesen; durch Regierung und geschriebene Ver fassungen werden sie oft gestört. „Auf gewisse, wohlüberlegte Fragen geben sie fast übereinstimmende Antworten; aber gleichzeitig bezeichnen sie es als eine Unmöglichkeit, daraus allgemeine Vorschriften abzuleiten. Sie schließen immer mit den Worten, daß man Völker viel mehr durch Gewohnheiten als durch ge schriebene Gesetze regiert.“ Am besten sind als „Soziale Autoritäten“ solche Menschen geeignet, die inneren Anteil an ihren Mitmenschen nehmen. Wie Le Play überhaupt die Kunde sozialer Verhältnisse mehr vom Herzen aus gehen lassen will als von der Vernunft, so stellt er auch hier den inneren Anteil höher als das soziale Verständnis, das natürlich nicht fehlen darf. Dieser innere Anteil wird unter dem Einfluß der Religion am besten erzeugt. Im Anfang seiner'sozialen Studien glaubte Le Play sich vor solchen Menschen hüten zu müssen, die ihr Denken den religiösen Überzeugungen unterordnen. Er fürchtete, daß bei ihnen die ge naue Tatsachenschätzung und die Unparteilichkeit der Schluß folgerungen in Gefahr seien. Doch seine Erfahrung belehrte ihn eines besseren. Sie zeigte ihm aber auch, daß es nur darauf an komme, daß man das Glück seiner Mitmenschen will. Die Skep tiker kennen dieses Ziel nicht, deshalb ist von ihnen für die Sozial wissenschaft wenig zu erwarten. Die tiefste sozialwissenschaftliche Erkenntnis fand er namentlich dort vor, wo die Menschenliebe zum freien Gehorsam gegen die Gesetze und zum Glauben an ein Jenseits geführt hatte. Trotzdem hält Le Play von dem sozialen Verständnis der meisten Geistlichen nicht sehr viel; selten traf er bei ihnen auf richtige Anschauungen. Zwar sagt er, daß mancher einfache Dorf geistliche mehr wirkliches soziales Verständnis habe als liberale Gelehrte. Aber er machte die Erfahrung, daß oft geistlicher Be kehrungseifer, Bildungsstolz, unbedingter Gehorsam gegen geistliche Autoritäten die Einsicht trüben. Religiös gesunde Laien, die vor