52 Die Ausgaben zeigen in ihren einzelnen Teilen nicht die großen Verschiedenheiten wie die Einnahmen, welche letztere durch die Örtlichkeit, die Natur der Arbeiten und die Organisation der Gesellschaft stark beeinflußt werden: Die Ausgaben sind die Folge von Bedürfnissen, wie sie sich aus der Natur des Menschen ergeben. Ihre Verschiedenheiten beanspruchen zwar großes Interesse und müssen durch die Methode in allen Einzelheiten unter sucht werden. Aber immer werden sie von den Bedürfnissen des Menschen entscheidend bestimmt *). Le Play teilt die Ausgaben in fünf Abteilungen: a) Nahrung, b) Wohnung, c) Kleidung, d) Ausgaben für moralische Bedürfnisse, Erholung und Gesundheitsdienst, e) solche für eigene Nebenarbeiten, Schulden, Steuern und Versicherungen (Betriebsausgaben). Wir wollen uns hier nur mit der vierten Abteilung, also mit den Ausgaben beschäftigen, welche geistigen Bedürfnissen und der Körpergesundheit dienen. Wenn diese Ausgaben auch rein zahlenmäßig im Budget keine große Bolle spielen, so legt doch Le Play auf sie großen Wert; er sagt geradezu: Man erhält durch diese Untersuchung nicht nur über das materielle Leben Aufklärung, sondern auch über das intellektuelle und sittliche Leben. Wie die Monographien der „Ouvriers europeens“ zeigen, gibt es in der Lebens weise des Arbeiters kaum ein Gefühl oder eine erwähnenswerte Handlung, die nicht im Budget der Einnahmen oder Ausgaben ihre Spur hinterließe 1 2 ). Wenn auch manche dieser Bedürfnisse vom modernen Staate be friedigt werden, ohne das Budget der einzelnen Staatsangehörigen direkt zu belasten, so bleibt doch dem Einzelnen noch viel zu tun übrig. So erwähnt 3 ) Le Play z. B. die jährlichen Seelenmessen, die in katholischen Gegenden für die Verstorbenen der Familie gelesen werden, und er ist geneigt, aus solchen in Geld meßbaren seelischen Bedürfnissen weittragende Schlüsse zu ziehen. Er sagt: Die regelmäßige Feier dieser Jahresgedächtnisse und der Pomp, der dabei entfaltet wird, sind in vielen Fällen ein ausgezeichnetes Maß der Stärke oder der Schwäche der sittlichen Gefühle. Ebenso deuten Ausgaben für Versicherungen, Anlage von Erspar nissen usw., worin sich die Wirtschaftlichkeit einer Familie zeigt, auf einen höheren sittlichen Zustand als das vollständige Fehlen solcher Ausgaben; oft werden sie der Lage der Dinge nach nicht 1 ) 0. E., 1. Aufl., 31. 2 ) 0. E. I, 237. 3 ) 0. E., 1. Aufl., 41.