56 Die zahlreichen Einzelheiten . . . die sich im Schema aller Monographien ­ finden, können nur mit Hilfe einer langen und minutiösen Erhebung gewonnen werden. Um sie gut durchzuführen, muß der Beobachter in alle Teile der Wohnung eindringen: Möbel, Haushaltungsgegenstände, Wäsche, Kleidung, die Höhe der verfügbaren Geldsummen, die Haustiere, das Arbeitsmaterial, ­ kurz: das Eigentum der Familie inventarisieren; er muß die Vorräte schätzen, die Nahrungsmittel wiegen, die je nach der Jahreszeit zu den Speisen verwendet werden; ferner die Arbeiten der Familie innerhalb und außerhalb des Hauses verfolgen. Das Studium der häuslichen Arbeiten ist mitunter unendlich kompliziert, besonders bei den einfachen Völkern, die selbst die Webstoffe bauen, ihre Kleider anfertigen und alles selbst produzieren bis zur Seife, die zum Waschen ihrer Kleidung nötig ist. Noch feinere Untersuchungen ­ sind die, welche sich auf das intellektuelle und moralische Leben beziehen, auf Keligion, Erziehung, Erholung, auf die Eltern- und Freundschaftsgefühle, ­ auf die Beziehungen zum Unternehmer, zu den Mitarbeitern, Dienstboten und Lehrlingen, und endlich auf die Besonderheiten der Geschichte der Familie. Le Play gibt seinen Schülern für die Behandlung der einzelnen Familienglieder einige Ratschläge aus dem Schatze seiner Erfahrungen ­ und seiner Menschenkenntnis. Aber abgesehen davon, daß sich die Menschenbehandlung vielleicht gar nicht erlernen läßt, sind die Schwierigkeiten, die in der Materie selbst liegen, immer noch sehr groß, auch alle Geschicklichkeit des Beobachters vorausgesetzt. ­ Le Play fährt fort 1 ): Andererseits ist der Beobachter in eine ihm unbekannte Welt versetzt und anfangs nur wenig dazu befähigt, die Bestimmung der Gegenstände zu verstehen, das Jneinandergreifen der Arbeiten, den wahren Sinn der Ideen und die genaue Wiedergabe der Gefühle. Er muß also unzählige Fragen an die Familie richten und das bedeutet für diese einen Zeitverlust. Die Schwierigkeit ­ wächst noch in den zahlreichen Fällen, wo der Beobachter bei der Befragung ­ eine durch die lokale Mundart veränderte fremde Sprache anwenden muß. (Die Kenntnis der fremden Sprache ist also schon Voraussetzung.) So ist verauszusehen, daß die häufigen Fragen den Personen eine große geistige Ermüdung auferlegen, die an Nachdenken nicht gewöhnt und wenig geeignet sind, ihre Gedanken logisch zu ordnen. Schlußbemerkungen über den Wert der Familien-Monograpliien. Trotz dieser außerordentlich großen Schwierigkeiten hat Le Play selbst erklärt, er habe keine Monographie aufgenommen, die nicht zu seiner eigenen Zufriedenheit und zu derjenigen der untersuchten Familie ausgefallen wäre. Ob das wirklich ausreichte, wird später zu untersuchen sein. Aber soviel ist gewiß: die monographische ­ Methode an sich war ein Präzisions-Instrument, wie es *) 0. E. I, 222.