82 wiesen. Deshalb durfte auch die Monographie, die im Jahre 1855 veröffentlicht wurde, diesen Zustand nicht mehr als einen noch bestehenden in Verbindung mit einem Budget aus späterer Zeit darstellen. Das Verfahren ist irreführend. Es zeigt, daß Le Play die Voraussetzungen einer richtigen Analyse nicht klar erkannte. Die zeitliche Einheitlichkeit ist doch eine unerläßliche Voraussetzung für jeden Versuch, eine Kausalität festzustellen. Zahlen und Worte müssen einander entsprechen. Hier fehlt aber jede Verbindung zwischen beiden. Wenn Le Play ohne Bedenken eine solche Mono graphie veröffentlichte, so beweist dies, daß bei Le Play Wort und Zahl überhaupt nicht so eng zusammenliingen, wie er versicherte, und wie die Methode es verlangt. Auswahl der Familien. Der „Typus“. Die nächste sich uns aufdrängende Frage besteht darin, festzustellen, ob die Familie „typisch“ ist für ihre Gegend. Diese Frage ergibt sich ohne weiteres aus dem Gedanken Le Play’s. Er hatte bei Aufnahme seiner Monographien die Absicht, die sozialen Verhältnisse eines Bezirks, der in der Familien- oder Arbeitsverfassung oder aus sonstigen Gründen ihm charakteristisch erschien, an der Hand einer Familien-Monographie zu beschreiben. Weshalb er die soziale Einheit der Familie wählte, und weshalb die sog. „Arbeiter“-Familie, wissen wir bereits. Le Play hat aber nicht alle diese Monographien veröffentlicht, sondern nur einen kleinen Teil; von 300 wählte er 57 aus, die ihm „besser als die anderen verschiedene Gegenden Europas zu repräsentieren schienen“ 1 ). Da bei wurde Le Play von der Absicht geleitet, eine Entwicklungs reihe aufzustellen, von der asiatischen Urfamilie bis zur Familie Westeuropas. Wenn man von dieser Absicht Le Play’s ausgeht, ist es natür lich sehr wichtig, ob er für die einzelnen Stufen die geeigneten Muster wirklich ermittelt hat; denn es handelt sich dabei um eine Bewertung der ganzen Entwicklung. Ob Le Play immer die Durch schnitts-Familie gefunden hat, können wir nicht entscheiden; es ist möglich; ebenso möglich ist es aber auch, daß er eine Familie wählte, die seiner Bewertung des Zustandes am besten ent- |[ sprach. ») 0. E. I, 397.