84 mäßigen Sitten zu setzen ist, die von Kindheit an geübt sind. Bei den Menschen, die seit ihrer Jugend durch Trunkenheit und Laster geschwächt sind, ist die Notwendigkeit der Kräfte-Erneuerung konstanter und gebieterischer; daraus resultiert eine höhere Ausgabe und die Notwendigkeit eines höheren Lohnes. Die Arbeiter, die am meisten und am billigsten arbeiten, haben alle durch geregelte Gewohnheiten und musterhafte Sitten in der Jugendzeit eine robuste Gesundheit und ursprüngliche Kraft erlangt. Die Erfahrung widerlegt täglich unter meinen Augen das Axiom der politischen Ökonomie, das, ohne sich von den moralischen Einflüssen Kechenschaft zu geben, einfach die Leistungsfähigkeit (puissance du travail) zur Menge der verbrauchten Nahrung in Beziehung setzt. Was Le Play hier sagt, ist nicht ohne Berechtigung und zeigt wieder die Schwierigkeit aller wirtschafts-wissenschaftlichen Ver gleiche : der hier vorliegende Fall ist aber so extrem, daß er nichts beweist. Zu genauerer Vergleichung der physiologischen Werte wird man Arbeiter mit durchschnittlichen Lebens-Gewohnheiten sehr gut verwenden können. Inwieweit dieser Mangel die Ergebnisse Le Play’s entwertet, ist eine Frage für sich. Seine Zahlen haben für seine Ergebnisse tatsächlich nur relativ geringen Wert erlangt, und insofern ist der ganze Plan seiner Methode unausgeführt geblieben. Le Play ver glich nicht Zahlen, sondern nur Zustände, Sitten, Gesetze usw. Sie sind in der Tat mehr oder weniger „typisch“. Aber da ein ver gleichbares Gerippe an Zahlen fehlt, läßt sich nicht feststellen, in wieweit die sich aus den Vergleichen ergebenden Schlüsse zwingend, allgemeingültig, „typisch“ sind. Dabei muß hier unerörtert bleiben, ob die Forderung, die von Le Play gewählten Familien müßten „typischen“ Charakter haben, am letzten Ende berechtigt ist, ob sie erfüllt werden muß, wenn die Aufgabe, die Le Play sich stellte, gelöst werden soll. So wie er diese Aufgabe faßte, indem er in der einzelnen Familie einen Repräsentanten der ganzen Ge sellschaft erblickte, ist jene Forderung sicherlich berechtigt, und da er ihre Erfüllung auf keine Weise gewährleistete, läßt uns seine Methode wiederum im Stich. Die Bedeutung der Zahlen hei Le Play. Wie wir jetzt wissen, besteht bei Le Play ein Zwiespalt zwischen der ursprüng lichen Absicht und der daraus hervorgegangenen Anlage der Mono graphie einerseits, wobei das Schwergewicht durchaus auf den Zahlen des Budgets liegen sollte, und zwischen der wissenschaft lichen Verwertung der so mühsam gewonnenen Zahlen. Er erwartete von diesen Zahlen eine vollständige Aufklärung über die Existenz