86 als Beispiel das Budget der Baschkiren heran (0. E. II, p. 27), in dem als Ausgabe für den Schulunterricht der drei Kinder zusammen 0,63 Fr. angegeben sind. Wollte man daraus schließen, daß der Unterricht sehr minderwertig sein muß, so wäre das verfehlt; wir erfahren aus dem Text, daß es zur Funktion des Geistlichen gehört, den Kindern gratis Unterricht zu erteilen. Und ebensowenig läßt sich aus den Zahlen schließen, die die Ausgaben für den religiösen Kultus wiedergeben. Der „Pariser Lumpensammler“ (0. E. VI) macht gar keine Ausgaben in dieser Hinsicht und wird doch als tiefreligiöser Mann geschildert, der päpstlicher Soldat war und sogar eine kleine religiöse Bibliothek sein eigen nannte. So ist also das Budget kein Ausdruck seiner Überzeugung, die sich ja überhaupt nicht in Zahlen ausdrücken läßt. Denn was wäre damit bewiesen, wenn ein oder gar mehrere Prozente der Ausgaben unter der Rubrik „Kultus“ figurierten? Für die religiöse Überzeugung der Familie gar nichts. Dagegen ist es wohl möglich, vom ganzen sozialen Niveau einer Arbeiterfamilie und von ihrem geistigen Habitus eine annähernd richtige Vorstellung aus der Monographie zu erlangen, wobei die Zahlen des Budgets nicht ohne Wert sind. So ist z. B. für den „Solinger Aufschläger“ die Angabe gewiß charakteristisch, daß der Alkohol und der Rauchtabak seine einzige Erholung bildeten; das Budget enthält tatsächlich beträchtliche Ausgaben dafür. Dieser Aufschläger ist auch in der Tat typisch für den Solinger Heim arbeiter; nur die Schleifer, die noch viel unsolider sind, weichen dadurch vom Typus ab. Also ein ziemlich düsteres Bild. Aber in dem gewählten Einzelfalle waren die Beobachtungen Le Play’s, nach den Angaben einer jetzt noch lebenden Tochter, unvollständig. Der Aufschläger war Mitglied eines Schützenvereins, in dem er gesell schaftliche Anregung fand. Er hatte eine starke Passion für Politik, und zwar war er entgegen der Strömung der Zeit (1851) konservativ gesonnen. (Natürlich hielt er sich auch seine Zeitung.) Durch diese Mängel in der Berichterstattung Le Play’s, der sonst Bruchteile von Pfennigen angibt, wo es nicht nötig ist, wird doch das Bild wesent lich geändert. Aus dem unsoliden Manne, der seine Zeit zwischen der Arbeitsstätte und dem Wirtshaus teilt, wird eine andere Persön lichkeit: der kleine Handwerksmeister aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, der zugleich „Bierbankpolitiker“ ist, einem Verein an gehört und durch sein politisches Interesse und seine der allgemeinen Anschauung zuwiderlaufenden Ansichten zeigt, daß seine Gedanken