89 lieh durch Befragung unter Zuhilfenahme eines Wochenbudgets ein Jahresbudget zustande kommen kann, das sich in Einnahme und Ausgabe genau deckt, wie es die Budgets Le Play’s tun. Man hat bei allen diesen so sehr minutiösen Berechnungen immer den Ein druck des Errechneten, nicht des Tatsächlichen. Es i kommt hinzu, daß der Aufenthalt Le Play’s bei einer Familie oft nicht länger dauerte, als zur Aufnahme eines Wochenbudgets ge hörte, „mindestens eine Woche, oft einen ganzen Monat“, in einzelnen Fällen auch wohl mehrere Monate. Die Beobachtungszeit von einem Monat ist doch nur ein kleiner Ausschnitt aus der Mannigfaltigkeit des ganzen Jahres. Aber selbst so viel Zeit hat Le Play gar nicht an jede einzelne Monographie wenden können. Abgesehen davon, daß er in derselben Zeit neben den Familien-Untersuchungen noch viele sonstige Studien trieb, technische, geologische usw., ergibt eine einfache Berechnung, daß für die meisten der von ihm gesammelten 300 Budgets nicht so viel Zeit verfügbar sein konnte. Ferner hat Le Play das feste Schema für seine Unter suchungen sich erst allmählich gebildet; es mußten daher not wendigerweise sich viele Lücken bei der Bearbeitung zeigen. Le Play glaubte einen ganz sicheren Maßstab für die Richtigkeit eines Budgets zu haben: die restlose Deckung der Einnahmen und Ausgaben. Es ist aber nicht einzusehen, weshalb die Über einstimmung zwischen Einnahmen plus Ersparnis auf der einen, den Ausgaben auf der anderen Seite ein Beweis exakter Wiedergabe der Wirklichkeit sein muß und nicht vielleicht Zufall oder nur errechnete Übereinstimmung in der Gesamtsumme. Ist die eine Seite des Budgets wenigstens durch ganz genaue Zahlenangaben bestimmt, z. B. die Einnahmen, so bietet eine gut durchgeführte mündliche Befragung nach den Ausgaben dann ziemliche Gewähr für die Richtigkeit, wenn sich Einnahmen und Ausgaben decken. Etwaige kleine Diffe renzen bleiben unseres Erachtens auch dann besser bestehen, da sie nicht die natürlichen Mängel der Methode verwischen, wie es die, ja doch nur errechnete Übereinstimmung auf den Bruchteil eines Pfennigs bei Le Play tut. Bei ihm fehlt aber jene Voraussetzung, und beide Budgetseiten bieten Möglichkeiten zu fehlerhafter Berechnung. Hat der Befraget’ nun zuerst die Einnahmen fest gestellt, so wird er Sich bei den Ausgaben zufrieden geben, sobald hier die Summe der Einnahmen erreicht ist, obwohl die Familie vielleicht mit einem chronischen Defizit arbeitet oder ihre Erspar nisse in Verbesserung des Inventars, in Bauten usw. verwendet.