90 Le Play hat denn auch die Fehler, die sich notwendig bei einer solchen Erhebungsweise einstellen müssen, nicht vermeiden können. Solche Fehler ihm hier nachzuweisen, ist weder nötig, weil sie eben unvermeidlich sind, noch in größerem Umfange möglich, da zu viel Zeit seitdem vergangen ist. Zwar ist es in einzelnen Punkten zu fällig doch möglich; aber es hat keinen Zweck, solche Einzelheiten hier anzuführen. Optimistische Darstellung hausindustrieller Arbeitsverhält- nisse. Das Urteil Le Play’s über die Solinger Industrie im allge meinen ist beeinflußt von seinem Ideal. Er erkennt an, daß die Arbeiter sich in einer „ganz guten Lage“ befinden, daß die Produk tion stetig steigt und immer mehr Arbeitskräfte von außerhalb heran gezogen werden müssen. Doch die Solinger Industrie hat nach Le Play einen großen Fehler: sie ist abhängig vom Absätze in der Fremde. ln dieser Beurteilung zeigt sich ein großes Mißtrauen gegen jede neuzeitliche Industrie-Entwicklung. Die Autarkie kleinster Wirtschaftsgebiete, am besten jeder Wirtschaftseinheit, um durch die Unabhängigkeit eine vermeintliche Sicherheit zu erzielen, war das Ideal Le Play’s. Und da er die Unstetigkeit, verursacht durch die Verwendung der Dampfkraft, als unvermeidliche Wirkung der modernen Fabrikindustrie betrachtet, befürchtet er für die Solinger Hausindustrie, die in der Nähe des Ruhrkohlen-Gebietes liegt, den baldigen Beginn des Zeitalters der Unstetigkeit. Es sind seine schematischen Vorstellungen von den verschiedenen Stadien der wirtschaftlichen Entwicklung, welche seinen Geist entscheidend be einflussen bei der Darstellung der Solinger Verhältnisse, indem sie namentlich die Vergangenheit zu sehr begünstigen. Le Play stellt das Arbeitsverhältnis in der Solinger Haus industrie folgendermaßen dar: Die Beziehungen zwischen Unternehmern und Arbeitern beschränken sich in der Regel darauf, in aller Güte den Preis für einen Auftrag zu regeln, den der letztere ausführen soll: ihm nach Bedarf Vorschuß an Material und Geld zu geben; endlich, ihm nach der Lieferung den für den Auftrag verein barten Preis ganz auszuzahlen. Bei dieser unabhängigen Lage verfehlen die Arbeiter nicht, die Vorteile der Aufschwungs-Perioden sich zunutze zu machen; aber ebenso müssen sie die ungünstigen Palle auf sich nehmen, die ein Nach lassen der Aufträge mit sich bringt. Doch fühlen sich die Unternehmer ver pflichtet, in Zeiten einer Krise etwas Arbeit anfrechtzuerhalten; sie geben im Bedürfnisfalle den Arbeitern, die sie gewöhnlich beschäftigen, Vorschüsse, für die sie sich später aus den Löhnen bezahlt machen, wenn die Arbeiten wieder