92 der Landrat dringend auf das Verbot vom Jahre 1849 hinwies 1 ). Selbst wenn zur Zeit Le Play’s solche Zustände nicht mehr existiert hätten, so wäre es doch unumgänglich nötig gewesen, auf diesen Krebsschaden der Vergangenheit hinzuweisen. Es findet sich aber nicht einmal eine Andeutung davon bei Le Play. Wohl werden einige Schäden oberflächlich erwähnt, so z. B. stellt er es als eine Solinger Gewohnheit hin, keine Ersparnisse zu machen, wobei er aber nicht untersucht, woran das liegt. Gewiß erschwerten die ge schilderten Verhältnisse das Sparen; doch blieb es das Ziel des Solinger Arbeiters, ein kleines Häuschen mit etwas Land als Eigen tum zu haben. Auch der beschriebene Aufschläger, der zu Le Play’s Zeit zur Miete wohnte, hat später ein eigenes Haus erworben, als ihm die Verhältnisse zu sparen gestatteten. Der frühere Fabrikant W. erzählte dem Verfasser, daß die Arbeiter ihr Geld zinslos beim Arbeitgeber stehen ließen, weil sie es dort gut aufgehoben glaubten und sich nur so viel holten, wie sie nötig hatten. Solche Guthaben erreichten manchmal die Höhe von 10000 M. Es ist also auch nicht richtig, von einem gewohnheitsmäßigen Nichtsparen zu sprechen. Wenn Le Play es so darstellt, als ob die ungünstigen Kon junkturen durch die Fürsorge der „Fabrikanten“ ziemlich unschäd lich gemacht worden wären, so entspricht auch das nicht ganz den tatsächlichen Verhältnissen. In nennenswertem Umfange ist wohl früher nie auf Lager gearbeitet worden, besonders nicht in der Waffenfabrikation, wo selbst heute nur bestellte Ware hergestellt wird, weil der Fabrikant bei der Verschiedenartigkeit der Modelle nie weiß, ob er später seine Ware noch los wird. So ist also die Waffen fabrikation heute noch bedeutend größeren Schwankungen ausgesetzt als die Messer- und Scherenfabrikation, die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts auch ganz von den jeweiligen Aufträgen abhängig war. Es gab kaum ein Mittel, die Konjunktur-Schwankungen aus zugleichen. So schreibt die Handelskammer im Jahre 1846: Es ist ein wahrhaft herzzerreißender Anblick, bei der jetzigen Teuerung täglich eine Menge sonst fleißiger Arbeiter, denen man teils schon den Hunger und den Kummer auf dem Gesicht ansieht, von einem Fabrikanten zum anderen wandern zu sehen, die unter dem Anerbieten, sich alles gefallen lassen zu wollen, um Arbeit gleichsam betteln, ohne daß ein Fabrikant auch beim besten Willen ihren Ansprüchen willfahren kann 2 ). J ) Solinger Kreis- und Intelligenzblatt, Jahrg. 1851, Nr. 28. 2 ) Braunschweig 1. c. S. 17.