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        <title>Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode</title>
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            <surname>Reuß</surname>
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Arbeit richtet. Beide arbeiten hauptsächlich für Rechnung eines 
Unternehmers oder einer Kundschaft. Hier denkt Le Play vorzugs 
weise an Heimarbeiter. Ihnen schließen sich zwei weitere Gruppen 
von größerer Selbständigkeit an, die hauptsächlich für eigene Rech 
nung arbeiten und fast ausschließlich von ihrem Unternehmerlohn 
leben. Das sind einmal die Pächter (ouvriers-tenanciers), die 
Grundstücke in Pacht haben und vom Roh- oder Reingewinn einen 
Zins an den Eigentümer zahlen. Und ferner gehören hierzu die 
kleinen gewerblichen Unternehmer (ouvriers chefs de 
metier), die für ihre Kundschaft oder auch für einen größeren Unter 
nehmer arbeiten (Beispiele Le Play’s sind: Handwerker, kleine 
Kaufleute, Wäscher, Lumpensammler usw., andererseits auch Gießer). 
Ihnen stehen die Eigentümer gegenüber, für die das Eigen 
tum an Grund und Boden kennzeichnend ist, was natürlich nicht aus 
schließt, daß sie auch mobile Werte besitzen wie die vorhergehenden 
Gruppen. Je nachdem sie aus ihrer Arbeit (als Dienstbote, Tage 
löhner usw.) oder aus der Ausbeutung ihres Eigentums ihren haupt 
sächlichsten Gewinn ziehen, bezeichnet sie Le Play als Eigentum 
besitzende Arbeiter (ouvriers-proprietaires, bei welcher Be 
zeichnung im einzelnen Falle das Wort ouvrier durch journalier, 
tächeron usw. ersetzt wird) oder als arbeitende Eigentümer 
(proprietaires-ouvriers). 
Le Play wollte lediglich den „sozialen Wert“ dieser ver 
schiedenen Gruppen der handarbeitenden Klasse feststellen, wobei 
ihm als wichtigstes Kriterium diente „die relative Fähigkeit, die 
jede dieser Tätigkeiten zeigt, um die sittliche Ordnung bei den sie 
ausübenden Familien zu erhalten“. 
Auswahl der einzelnen typischen Familie. Wenn eben ge 
sagt ist, daß die Arbeiter in ihrer gleichmäßigen Gebundenheit an 
die natürlichen und durch Sitte und Gewohnheit charakterisierten. 
Verhältnisse eine ziemlich homogene Masse bilden, so trifft das, wie 
wir oben sahen, nach der Überzeugung Le Play’s meist für ein be 
stimmtes räumlich begrenztes Gebiet zu. Je nachdem in einem 
solchen Gebiet der kleine Bauer oder der Pächter, der Haus- 
industrielle oder der Bergmann überwiegt, erachtet Le Play eine 
solche Familie als typisch für dies Gebiet. In anderen Gebieten, 
besonders in großen Städten, wird man schon weniger von einem 
Familien-Typus sprechen können. Le Play hat bei seiner Faminen- 
auswahl sich meist an Gebiete mit scharf zu erfassender Eigenart 
gehalten. Er will doch zeigen, daß zwischen den äußeren sozialen</div>
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