1 35 Es war die an Kapitalstärke an zweiter Stelle stehende Discontogesellschaft zu Berlin. Sie durfte nicht länger zuwarten, nachdem sich die Deutsche Bank und die Dresdner Bank zu Beginn des neuen Jahrhunderts bereits eine feste Position in Baden geschaffen hatten — erstere durch den Eintritt der Ober rheinischen Bank, resp. später der Rheinischen Creditbank in ihren Konzern, letztere durch direkte Filialengründungen und durch Fusion der Deutschen Genossenschaftsbank in Frank furt a./M. womit gleichzeitig eine Zentralisation des gesamten badischen Kreditgenossenschaftsbankwesens Hand in Hand ging — wollte sie nicht diesen ihren Rivalen das sich immer mehr zum Industrie- und Handelsstaat entwickelnde Großherzogtum Baden allein überlassen. Sehr erleichtert wurde ihr Streben nach Dezentralisation auf die Südwestecke Deutschlands durch die seit Jahren bestehenden engen Geschäftsbeziehungen zu Mann heims erstem Privatbankhaus, der Firma W. H. Ladenburg & Söhne. Mit dieser hatte die Berliner Großbank schon vor Gründung des Deutschen Reichs als das sog. ältere badische Konsortium Staats- Anleihen placiert. Das anfangs nur gelegentliche und vorübergehende Zu sammentreten der Konsortien führt bald zu dauernder Geschäfts verbindung. Der Anlaß zur Konzentration ist gegeben; dieser Konnex erwirkt dann häufig — wie dies die historische Ent wicklung der deutschen Banken des öfteren zeigt — eine stärkere Annäherung der Kontrahenten und zwar immer gelegentlich eines zu Tage getretenen größeren Kreditbedürfnisses des kapital schwächeren Teils, wodurch dieser meistens irgendwie in Ab hängigkeit von dem kapitalstärkeren gerät, die sich jedoch in den einzelnen Fällen in den verschiedenst abgestuften Graden hält. Unter Mitwirkung der Berliner Großbank und des Frank furter Privatbankhauses E. Ladenburg wurde nun in Mannheim die Süddeutsche Discontogesellschaft A.-G. im Jahre 1905 ge gründet, die den gesamten Geschäftskreis der früheren Privat bankfirma W. H. Ladenburg & Söhne in sich aufnahm. Die direktoriale Geschäftsführung indessen verblieb fast ausschließ lich in den Händen der beiden in Mannheim und Frankfurt a. M.