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        <title>Konzentrationstendenzen im badischen Bankgewerbe</title>
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            <forname>Otto</forname>
            <surname>Geyer</surname>
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        </author>
      </titleStmt>
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            <idno>1019658673</idno>
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        ﻿
        <pb n="2" />
        ﻿Staats»

Wissenschaft

Konzentrationstendenzen

im badischen Bankgewerbe.

Ein Beitrag zur deutschen Bankenkonzentration.

Inaugural-Dissertation

zur

Erlangung der Doktorwürde

der

Hohen Philosophischen Fakultät
der

Großherzoglich Badischen
Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg

vorgelegt von

Otto Geyer

Kandidat der Staatswissenschaften
aus Durlach (Baden).

$

B erlin.

Juristische Verlagsbuchhandlung Dr. jur. Frensdorf

1914
        <pb n="3" />
        ﻿
        <pb n="4" />
        ﻿Herrn Bankdirektor Karl Peter,
Karlsruhe.
        <pb n="5" />
        ﻿Disposition.

Seit«

Einleitung.

Streben nach Konzentration, eine Erscheinung moderner Wirtschafts-
ordnung .......................................................1

I. Allgemeine Ursachen der badischen Bankenkonzentration 5

U. Die badischen Kreditverhältnisse vor 1870 .................... 10

A.	Der	Privatbankierstand................................11

B.	Die	Abhängigkeit von fremden	Kapitalmärkten ...	14

C.	Die Allgemeine Versorgungsanstalt Karlsruhe ... 17

in. Konzentrationstechnische Entwicklung der badischen Banken
nach 1870

A.	Die Badische Bank u. die Reichsbank .	.	. 19

B.	Die	Süddeutsche Bank..................................23

C.	Die Oberrheinische Bank............... ... 27

D.	Die	Süddeutsche Discontogesellschaft..................35

E.	Die	Rheinische Creditbank.............................40

Schlußwort.

Anhang. Die bedeutendsten Konzentrationsvorgänge 1870-1912	.	. 68
        <pb n="6" />
        ﻿Literaturangabe

Hübner, O., Die Banken.

Weber, Ad., Depositen- und Spekulationsbanken.

Werner-Sombart, Der moderne Kapitalismus.

Rießer, Zur Entwicklungsgeschichte der deutschen Großbanken.

Wallich, Die Konzentration im deutschen Bankwesen.

Blumenberg, Die Konzentration im deutschen Bankwesen.

Steinberg, Die Konzentration im Bankgewerbe.

Goldschmidt, Die Bankgruppen, ein Blick in die Konzentrationstendenzen
des deutschen Bankwesens.

Fleischhammer, Zentralisation im Bankwesen in Deutschland.

Löwenstein, Geschichte des württembergischen Kreditbankwesens.

Lumm, Das Bankwesen in Elsaß-Lothringen.

Ruby, Die badische Bank.

Hecht, Bankwesen und Bankpolitik in den süddeutschen Staaten, 1819-1875.
Hecht, Die Mannheimer Banken von 1870-1900.

Mayr, Kapitalbedarf und Kapitalbeschaffung in der Industrie Mannheims
und Ludwighafens.

Bauer, Die Aktienunternehmungen in Baden.

Homburger, V., Das Sparwesen in Baden.

Jahresberichte der Badischen Bank.

Ferner verschiedene Jahrgänge des Deutschen Oekonomisten, der Bank und
des Bankarchivs sowie einzelne Berichte der Neuen Badischen Landes-
zeitung, der Frankfurter Zeitung, der Münchner Neuesten Nachrichten
und des Berliner Tageblatts.

m
        <pb n="7" />
        ﻿Einleitung.

Die Konzentrationstendenzen, wie sie heute fast auf jedem
Wirtschaftsgebiete in großer Fülle neu und doch immer wieder
in anderer Form sich durchsetzen, sie verdienen bei ihrem
mächtigen Einflüsse auf unser modernes Wirtschaftsleben die
aufmerksamste Beachtung. Eine Begleiterscheinung des Fort-
schritts unserer modernen Kultur haben sie im Vordringen vor
allem zu einer Anhäufung großer Kapitalsmassen in den Händen
einzelner Unternehmungen beigetragen. Die Konzentration hat
es vermocht, daß eine Reihe von Einzelberufen und Tätigkeiten
in Großbetrieben unter einheitlicher Leitung sich vereinte, die
sich sonst auf anderen Gebieten zersplittert hätte. Dies gilt
insbesondere vom Bankgewerbe. Während anfangs, im frühen
Mittelalter, die Tätigkeit der Banken sich fast ausschließlich im
Geldwechselgeschäft erschöpfte, sind eine Menge von Spezial-
tätigkeiten heute im modernen Großbankbetrieb eingeschlossen.

Das kapitalistische Wirtschaftsprinzip hat diesen mächtigen
Zusammenschluß zu immer größer werdenden Wirtschaftsein-
heiten verursacht. Kaum ein anderer Betrieb, wie der der
Banken, dürfte in dem Maße zur Zentralisation technisch be-
fähigt und wirtschaftlich genötigt sein: „Technisch befähigt, weil
Kapital in der Form von Geld und Geldsurrogaten die sammel-
barste und transportabelste Vermögensform ist; — wirtschaftlich
genötigt, weil die Zentralisation wunderbare Oekonomien erzielt“
(Schäffle in „System der menschlichen Wirtschaft“, Band II,
S. 157).

Die Möglichkeit des Zusammenschlusses wirtschaftlicher
Elemente in größerem Umfange datiert bei dem Bankgewerbe
zurück bis zum Beginn des zweiten Drittels des 19. Jahrhunderts,

1
        <pb n="8" />
        ﻿als durch die neue Form gewerblicher Produktion größere
Kapitalinvestierungen nötig wurden; was andererseits die An-
häufung großer Kapitalien in einzelnen Händen erforderte. Es
beginnt das gesamte deutsche Bankwesen in ein neues Stadium
einzutreten. Der bisher als Alleinherrscher auf dem Kapital-
markt dominierende Privatbankier wird durch die Aktiengesell-
schaftsform verdrängt. Die kleine Unternehmung muß der
größeren weichen. Der Großbetrieb vervollkommnet sich immer
mehr und gewinnt Schritt für Schritt dem Privatbankier an
Boden ab.

Um mächtig und mächtiger ihren Einfluß zu gestalten,
fusionieren allmählich die Banken. Es entstehen die mächtigen
Großbankkonzerne, Riesengebilde, wie sie uns auf industriellem
Gebiete in der Form von Trusts, Kartellen und Syndikaten
verkörpert werden.

Beide, die Bankkonzerne und die industriellen Verbands-
organisationen, sind miteinander und durcheinander groß ge-
worden. Die Banken unterstützen heute noch die Konzentration
der Industrie: Indirekt durch ihre finanzielle Unterstützung und
direkt durch unmittelbares Eingreifen, um die ihre Entwicklung
hemmenden Konkurrenzunternehmungen sich anzugliedern und
sie so vom Wettbewerb auszuschalten. Andererseits wieder
zieht die Großindustrie die Machtvergrößerung und den Kapital-
zuwachs der Banken indirekt durch ihren Kredithunger groß,
der sich in den zahlreichen Emissionen von Industriewerten
auf dem Kapitalmärkte äußert.

Die direkten Ursachen, die zur Konzentration im deutschen
Bankwesen führten und den Großbanken zu ihrer heutigen
Kapital- und Machtstärke verhalfen, sind bereits in den Werken
von Rießer, Wallich, Blumenberg u. a. ausführlich dargelegt.

Die ganze Bewegung hat allmählich einen solchen Umfang
angenommen, daß auch Provinzbanken sich zu einem Zusammen-
schlüsse verstehen mußten. Eine auf territoriale Gebiete Deutsch-
lands, wie Baden, beschränkte Darstellung all der Momente, die
zu der Konzentration der Banken in Baden führten, dürfte
daher gewiß lohnen. Dies soll die Aufgabe der vorliegenden
        <pb n="9" />
        ﻿Arbeit sein. Wenn es mir, wie ich hoffe, gelungen ist, trotz
der beschränkten speziellen Literatur über das badische Bank-
wesen, ein einigermaßen anschauliches Bild über den Konzen-
trationsprozeß im badischen Bankgewerbe zu entwerfen und
damit einen weiteren Beitrag zu der interessanten Erscheinung
moderner Kapitalakkumulationen zu liefern, so verdanke ich
dies in erster Linie Herrn Geh. Hofrat Prof. Dr. Eberh. Gothein
in dessen volkswirtschaftlichem Seminar diese Arbeit begonnen
und zur Ausführung gelangte.

Die Anregung für das Thema gab mir Herr Professor
Dr. Altmann für dessen mir freundlichst bewiesenes Entgegen-
kommen es mir ebenfalls gestattet sei, meinen verbindlichsten
Dank an dieser Stelle auszusprechen.

Heidelberg, im Juni 1913.

Otto Geyer.

3
        <pb n="10" />
        ﻿Allgemeine Ursachen der badischen Banken-
konzentration.

Die gesamte Entwicklung unseres badischen Bankwesens
kann in drei Hauptperioden eingeteilt werden:

I.	Die Herrschaft der Privatbankiers (ohne Konzentrations-
tendenzen) Anfang des 19. Jahrhunderts bis 1870,

II,	Die territoriale Bankenkonzentration innerhalb Badens,
1870 bis 1900, und

III.	Der Einfluß der Berliner Großbanken ab 1900.

Den ersten Antrieb zur Steigerung der Macht- und Kapital-
sphäre unseres badischen Bankwesens, dem lange Zeit (bis 1870)
keine Folge geleistet wurde, gab vor allem das Emporblühen
des deutschen Eisenbahnwesens anfangs der 60iger Jahre. Die
plötzlich in Angriff genommene Herstellung und Erweiterung des
deutschen Eisenbahnnetzes äußerte seine Wirkungen auch im
Großherzogtum Baden. Der Neubau von Bahnen verlangte
rasch bereitzuhaltende, größere Kapitalsmassen; ferner benötigte
die aufblühende badische Industrie (insbesondere Mannheims)
einen steigenden Kapitalsbedarf, All diese Geldmengen konnten
nur durch Vermittlung kapitalstarker Bankinstitute in dem er-
forderlichen Umfang herbeigeschafft und weiter in die verschie-
denen Wirtschaftskanäle wieder abgeführt werden.

Die zahlreichen badischen Privatbankiers und noch weniger
die vorhandenen kleinen Handwerker- und Gewerbebanken ge-
nossenschaftlichen Charakters konnten und wollten (wegen des
mit größerer Kapitalinvestierung verbundenen Risikos) diese
Aufgaben nicht erfüllen. Die Grundlage zur badischen Banken-
konzentration war gegeben.

5
        <pb n="11" />
        ﻿Mehrere Betriebe von gleicher oder verschiedener Kapital-
stärke verbanden sich; — es entsteht die unserm heutigen Bank-
wesen charakteristische Erscheinung der Fusionen und Interessen-
gemeinschaften. Beide Vorgänge haben eines gemeinsam: Vor-
aussetzung und Folge ist die Ansammlung großer Kapitalmassen.
Während in dieser Hinsicht die großen Berliner Bankinstitute
eine ständig machtvoller werdende Stellung sich zu sichern
wußten, haben auch unsere hauptsächlich in Betracht kommenden
badischen Kreditbanken ihre Betriebsmittel teils durch Ansamm-
lung von Kreditoren und Depositen, teils durch direkte Kapital-
vergrößerungen gewaltig gesteigert — ja in neuester Zeit die
Berliner Großbanken prozentual übertroffen, wie dies aus fol-
gender Tabelle hervorgeht:

L

Aktienkapital u. Reserven (in Mill. M.)

ult.	1905	ult. 1910	ult. 1912	°/o Zunahme 1905—1912
Deutsche Bank	258	307	312	121
Dresdner Bank	202	260	262	129
Rhein. Creditb. Mhm.	80	98	112	140
Südd. Disconto-Ges.	20	41	54	2701)

II.

Kreditoren u. Depositen (in Mill. M.)

ult. 1905 ult. 1910 ult. 1912 #/0 Zunahme 1905—1912

Deutsche Bank	1064	1534	1573	148
Dresdner Bank	534	857	887	166
Rhein. Creditbank	95	164	184	194
Südd. Disconto-Ges.	18	64	61	3391)
        <pb n="12" />
        ﻿Summe von I u. Di (in Mill. M.)

	1905	1910	1912	°/o Zunahme 1905-
Deutsche Bank	1322	1841	1885	143
Dresdner Bank	736	1117	1149	156
Rhein. Creditbank	175	262	296	169
Südd. Disc.-Ges.	381)	105	115	3021)

Ein weiteres rein äußerliches Argument für die ständig
zunehmende Erweiterung der Kapital- und Machtsphäre, sowie
der immer weiter schreitenden Konzentration im badischen Bank-
wesen geben die statistischen Berufszählungen der Jahre 1882,
1895 u. 1907. Hiernach ergibt sich folgendes Bild:

Geld- und Kredithandel im Großherzogtum Baden.

Hauptbetriebe mit	Personen:

Summe		Alleinbetr. 2—5 6—10 11—50 20		—200 200 u. mehr
1882	128	4	90	17	17	— —
1895	165	13	91	34	26	1 —
1907	272	21	160	44	41	5	1

Danach haben sich die Großbetriebe zwischen den Jahren
1895 und 1907 gewaltig vermehrt.

1) Die hohe Steigungsziffer der Betriebsmittel der Süddeutschen Dis-
conto-Gesellschaft A.-G. Mannheim, ist daraus zu erklären, daß das Institut
im Jahr 1905 gegründet ist und deshalb noch im Anfangstadium mit verhält-
nismäßig niederen Activ- und Passivposten bilanziert; jedoch übertrifft auch
die relative Steigerung ihrer Betriebsmittel in den späteren Jahren noch
weit die der Berliner Großbanken.

7
        <pb n="13" />
        ﻿Wie sich das Verhältnis der Anzahl der vorhandenen Bank-
institute in den 6 größten badischen Städten zu der Bevölkerungs-
ziffer derselben von der Mitte des vergangenen Jahrhunderts
ab gestaltete, zeigt Tabelle 5 (siehe Anhang), die zugleich ein Bild
abgibt für die seit 1895 stark zunehmenden Konzentrationsten-
denzen im badischen Bankgewerbe:

Während im Jahre 1890 in den größeren Städten Badens
durchschnittlich auf 10000 Einwohner noch 2,42 Banken kommen,
sinkt diese Verhältniszahl ständig, derart, daß bei der letzten
Volkszählung 1910 auf je 10000 Einwohner nur noch 1,17 Ban-
ken fallen, was eine Zunahme der Bankenkonzentration auf die
Bevölkerungsziffer Badens von über 50 °/0 innerhalb 20 Jahren
bedeutet.

Ein jeder Handel, ein jeder Kauf kommt bekanntlich nur
zustande, wenn beide Kontrahenten einen Vorteil zu erringen
glauben; dies gilt auch für eine Verschmelzung oder Angliederung
zweier Bankkomplexe.

Drei Hauptfaktoren sind es, die beim Zusammenschluß von
Bankinstituten (Fusion) zu einer Betriebseinheit in Frage kommen,
und die gegenseitig gewertet werden: ein aktiver, ein passiver
und ein universaler:

1.	Die Machtentfaltung der zum Großbetrieb drängenden
starken Existenzen,

2.	Die Ohnmacht der durch die alle kapitalschwachen Exis-
tenzen verdrängenden Konkurenz um ihr Dasein ringenden
schwächeren Elemente und

3.	Das Streben nach Risiko-Teilung.

Je nach bestehender Konjunktur kommt das erste oder
zweite Moment mehr zur Geltung, wofür die verschiedenen
Hochkonjunkturen und die darauffolgenden Krisenjahre 1873 und
1902 ein Beispiel abgeben. Der dritte Faktor: die Tendenz, das
mit größeren Finanztransaktionen verbundene Risiko auf mehrere
Institute zu verteilen, übt hingegen unabhängig von bestehenden
Konjunkturen seine zur Konzentration drängende Wirkung aus.
Stellten wir die verschiedenen Konjunkturen in der gesamten

8
        <pb n="14" />
        ﻿Periode deutschen Wirtschaftslebens von 1870 ab bis in die
neueste Zeit graphisch dar, so würde eine Kurve zustande kom-
men, die z, B. in den ersten drei Jahren bis 1873 mächtig
steigend emporstrebt, um dann eben so jäh wieder abzufallen;
am Schluß der 70iger Jahre würde sie durch einen fast ebenen
Verlauf die allgemeine Stagnation im deutschen Wirtschaftsleben
kennzeichnen. Diese Kurve verglichen mit der die allgemeinen
Fortschritte der deutschen Bankenkonzentration darstellenden
graphischen Linie ergibt ein umgekehrtes Bild: der allgemeine
wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands in den ersten Jahren
nach dem großen deutsch-französischen Kriege bewirkte, wie in
Handel und Industrie, so auch in dem deutschen Bankwesen
eine gewaltige Dezentralisation, wie sie in den Massengrün-
dungen der Jahre 1871/72, die meistenteils jeder gesunden
Grundlage entbehrten, deutlich zutage tritt. Die bereits be-
stehenden Banken suchten durch Neugründungen, durch Kom-
manditierungen bestehender Bankfirmen, oder durch Filialgrün-
dungen ihrem Geschäftsbetrieb eine erweiterte Basis zu ver-
schaffen, während zu gleicher Zeit neue Privataktienbanken, in
nur zu großer Zahl überall erstanden. Dieser gewaltige Auf-
schwung zeigt äußerlich eine dezentralisierende Tendenz, die
jedoch im Innern einer mächtigen Konzentration Vorschub leistete.

Kaum waren die schweren Krisenjahre von 1872/73 gekom-
men, als auch den schwächeren Elementen unter den neuen
Bankgründungen, die fast alle auf Agio-Gewinn angewiesen
waren, der Atem ausging; die zu schwach fundierten Unter-
nehmungen stürzten zusammen. Was sich einigermaßen halten
konnte, mußte später der Konkurrenz der älteren, auf fester
Basis stehenden Bankinstitute weichen, oder Anlehnung an
stärkere Banken suchen. Sie liquidierten.

Den nach Konzentration strebenden Großbanken konnte
es alsdann nicht schwer fallen, diese sich fest anzugliedern. So
lassen sich noch des öftern bei der Einzelbetrachtung der kon-
zentrationstechnischen Entwicklung der badischen Kreditbanken
— zum Teil neben andern Beweggründen — doch fast immer
d e se beiden Hauptkonzentrationstendenzen finden:

Geyer 2

9
        <pb n="15" />
        ﻿Die Machtentfaltung der zum Großbetrieb drän-
genden starken Existenzen und

Die alle schwächeren Elemente verdrängende Kon-
kurrenz des Großkapitals, welche jeweils im engsten Zu-
sammenhang mit den äußeren Wirtschaftsverhältnissen stehen.

II. Die badischen Kreditverhältnisse vor 1870.

Das Großherzogtum Baden entbehrte außerordentlich lange
eine geordnete Kreditorganisation. Der Anfang des vorigen
Jahrhunderts kennt noch keine größere Anstalt zur Pflege und
Förderung des Kredits. — Die wenigen damals schon bestehenden
Privatbankiers können kaum in Betracht gezogen werden, da
sie Bankgeschäfte häufig nur als Nebenberuf und nur in kleinstem
Umfange betrieben1). Die ersten Bestrebungen, eine Kreditan-
stalt in Baden zu schaffen sind im Antrag des Abg. Fecht zu
erblicken, welcher die Errichtung von Leihanstalten, verbunden
mit Sparkassen in der II. Badischen Kammer am 13. Mai 1819
bezweckte. Hierdurch gelangten interessante Abschnitte aus
der damaligen wirtschaftlichen Lage Badens in die Öffentlichkeit:

„Unter die lautesten Klagen unseres Volkes gehören jene
über den zum schändlichsten Wucher führenden Geldmangel,
der in den entferntesten Provinzen am fühlbarsten erscheint.
In seiner Gegend könnten Familien das bare Geld für das Salz
nicht aufbringen, die Staatsabgaben könnten nicht aufgebracht
werden. Das bei einzelnen vorhandene Geld bleibe der Zir-
kulation entzogen, weil, durch Unglücksjahre verarmt, die Landleute
weder Zinsen noch Kapitalien zahlen könnten. Eine Leihanstalt
unter der Direktion und Garantie vermöglicher Männer gegen
Beziehung eines erhöhten Zinses würde wahrer Segen für un-
zählige Familien werden. Patriotismus und eigener Vorteil

1) Die älteste badische Privatbankfirma ist das Bankhaus J. A. Krebs,
Freiburg i/Br., als Warengeschäft gegr. im Jahre 1683.

10
        <pb n="16" />
        ﻿der Kapitalisten lasse hoffen, daß selbst mancher Ausländer
dieser unter Aufsicht und Leitung der Landesstände zu stellen-
den Anstalt Kapitalien anvertrauen würde”. Jedoch waren
diese, wie alle späteren Versuche dieser Art, lange Zeit ohne
Erfolg geblieben1).

Die Folge hiervon war eine ständig wachsende Kreditnot
im Lande, die neben dem Fehlen einer starken, gut fundierten
Kreditbank zurückzuführen ist:

1.	auf die starke Neigung der vorhandenen Privat-
Bankiers zu Eff ektengeschäften auf Kosten einer
soliden Kreditgewährung,

2.	auf die enorme Verwirrung im Münzwesen und

3.	auf die Abhängigkeit vom auswärtigen Kapital-
markt.

In den meisten anderen deutschen Staaten bestanden um
die Mitte des vorigen Jahrhunderts schon zahlreiche Kredit- und
Privatbanken die zum Teil auch in Baden durch größere Kre-
ditbewilligungen an den Staat und die verschiedenen Industrien
Badens eine hervorragende Rolle spielten. Es sind hier zu
nennen:

A. Aktien-Banken:

1.	der A. Schaaffhausen'sche Bankverein in Cöln im Jahre
1848 mit 5200000 Thlr. als A.-G. gegründet,

2.	Die Disconto-Gesellschaft in Berlin; bereits im Jahre
1851 als Kredit-Gesellschaft gegründet, wurde sie im
Jahre 1856 in eine Kommandit-Gesellschaft auf Aktien
mit einem Kommanditkapitel von 10 Mill. Thalern
unter der Firma Direktion der Disconto-Gesellschaft in
Berlin umgegründet.

3.	Die Bank für Handel und Industrie (dem Börsen- und
Handelsgebrauche gemäß in den folgenden Abschnitten
kurz als Darmstädter Bank bezeichnet) im Jahre 185
als Aktien-Gesellschaft mit dem Hauptsitz in Darmstadt
errichtet, Grundkapital 10 Mill. Gulden.

1) Vergl. Hecht, Bankwesen und Bankpolitik in den süddeutschen
Staaten 1819—1875.

r

11
        <pb n="17" />
        ﻿4,	Die Berliner Handels-Gesellschaft, gegründet im Jahre
1856, Aktienkapital 15 Milk Thaler.

5.	Die Mitteldeutsche Kreditbank in Meiningen, gegründet
ebenfalls im Jahre 1856 mit einem Aktienkapital von
8 Milk Thalern.

B. Privatbankiers:

1.	M. A. v. Rothschild &amp; Söhne, Frankfurt a. M.

2.	Gebrüder Bethmann, Frankfurt a. M.

3.	Sab Oppenheim jr. &amp; Co., Cöln.

4.	v. d. Heydt-Kersten Söhne, Elberfeld.

Diese Banken haben in jener Zeit ihre dem badischen
Wirtschaftsleben bewilligten Kredite zumeist von ihrer Zentrale
aus gewährt, ohne daß sie durch ein Filialennetz im Groß-
herzogtum Baden festen Fuß faßten. Nur die benachbarte
Darmstädter Bank suchte im Anfang des Jahres 1856 bei dem
badischen Ministerium um Konzessionserteilung zur Errichtung
einer Filiale in Mannheim nach. Dies Gesuch wurde jedoch
abschlägig beurteilt auf Grund eines eingeholten Gutachtens der
Mannheimer Handelskammer1),

In diesem interessanten Schriftstück wird unter anderem
eine Filiale der Darmstädter Bank deshalb nicht gewünscht,
„weil das Institut sich keiner Oberaufsicht unterstellen wolle,
keine Grenzen in ihren Finanzoperationen kenne und keinerlei
Verpflichtungen übernehme, vor allem aber scheine das Gesuch
weniger den Drang nach Unterstützung des Handels und der
Industrie Badens, als vielmehr der Absicht zu entspringen der
naheverwandten Zettelbank eine neue gute Absatzquelle ihrer
in Aussicht stehenden Notenmasse zu eröffnen. Das Großherzog-
tum Baden werde dann mit Noten der benachbarten Zettelbank
überschwemmt und in ein Abhängigkeitsverhältnis zu dem Groß-
herzogtum Hessen gelangen.“

Die einzige badische Bankfirma, die den oben bezeichneten
Kreditinstituten bei der Inszenierung größerer Kreditoperationen
(Staats- und Kommunalanleihen hilfreich die Hand bot, war die
Mannheimer Privatbankfirma W. H. Ladenburg (gegründet 1785).

1) Archiv d. Mannh. Handelskammer fase. Bankw.

12
        <pb n="18" />
        ﻿Die wesentlichsten Anleihegeschäfte dieser Gruppen waren
folgende:

1854 badische Staatsanleihe übernommen von der Darm-
städter Bank

1866	4 °/0ige badische Staatsanleihe (30 Mill. Taler) über-
nommen von der Disconto-Ges,, der Seehandlung und
W. H. Ladenburg.

1867	41/2 °/0 badische Staatsanleihe übernommen von der
Berliner Handelsgesellschaft.

1867	4 °/o bad. Prämienanleihe 12 Mill. Taler übernommen
von der Berliner Handelsgesellschaft und der Dis-
conto-Ges.

1868	41/2 °/o Mannheimer Stadtanl. 3,2 Mill. fl. übernom-
men von der Disconto-Ges., M. A. v. Rothschild und
W. H, Ladenburg, Mhm. (Zum Bau der Karlsr.-Mannh.
Bahn),

Die Zusammensetzung dieser Übernahmekonsortien ba-
discher Staats- und Kommunal-Anleihen zeigt deutlich die große
Abhängigkeit des Staatskredits von Frankfurter und Berliner
Bankhäusern; eine Abhängigkeit, die sich außerdem auch bei
den andern süddeutschen Staaten oft sehr unangenehm fühlbar
machte. Nicht die allgem, Lage des Geldmarktes, nicht die fin-
anzielle oder politische Situation des betr. Staates war für die
Übernahmebedingungen einer neuen Anleihe maßgebend, sondern
das alleinige Gutdünken der Frankfurter oder Berliner Finanz-
Magnaten. Und hier war es wiederum lange Zeit hindurch die
Frankfurter Firma M, A. von Rothschild u. Söhne, die den süd-
deutschen Geldmarkt fast unbedingt beherrschte.

Als im Jahre 1866 die politische Lage einen bedrohlichen
Charakter annahm und außerdem eine englische Krisis eine starke
Geldknappheit hervorrief, geriet der badische Staat in schwere
finanzielle Bedrängnis, da ihm ein bei dem Hause Rothschild
nachgesuchter Vorschuß verweigert wurde. Nur die Hilfe der
Berliner Discontogesellschaft, die jedoch sicherlich auch nicht
ohne Einverständnis der befr. Frankfurter Privatbank erfolgte,
konnte die äußerst peinliche Lage retten.



13
        <pb n="19" />
        ﻿Außerdem beteiligten sich diese auswärtigen Banken an
verschiedenen badischen industriellen Gründungen; so übernahm
die Darmstädter Bank u. a. die Gründung der Wollmanufaktur
Mannheim mit einem eingezahlten Aktienkapital von 400000 fl.

Ein interessantes Beispiel von der Abhängigkeit des ba-
dischen Kapitalmarktes auch auf industriellem Gebiet von aus-
wärtigen Bankhäusern gibt eine von der Direktion der Maschinen-
baugesellschaft Karlsruhe in liebenswürdigster Weise zur Ver-
fügung gestellte Aufstellung des gesamten Bankverkehrs dieser
Firma vom Jahre 1853 ab. Danach kamen als Geldgeber für
die Zeit vor 1870 fast ausschließlich nichtbadische Bankinstitute
in Betracht. Der durchschnittlich in den Jahren 1853—1870
von der Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe in Anspruch genom-
mene Bankkredit beträgt hiernach bei

Bankfirma:	Schulden: fl.	größter Schuld-Saldo fl.	
Sal. Oppenheim u. Cie, Cöln M. A. v. Rothschild u. Söhne,	58,641.—	455,750,45	(1866)
Frankfurt a. M.  A. Schaaffhausenscher	49,426.—	245,686,23	(1865)
Bankverein, Cöln  Gebr. Bethmann,	33,513 —	143,581,01	(1866)
Frankfurt a. M.  G. Müller u. Cons.,	15,563.—	38,609,10	(1866)
Karlsruhe  Loew Homburger  (resp. Veit. L. Homb.), Karlsr.	9,039.—	59,319.56	(1858)

Während so die benachbarten Banken aus diesen und
anderen Anleihegeschäften reichliche Gewinne aus dem badischen
Lande zogen, zögerte man hier noch immer, einem badischen
Institut die Konzession zur Eröffnung einer eigenen Kreditan-
stalt zu erteilen. Fünf volle Jahrzehnte mußten dahinfließen,
bis die des öftern durch kriegerische Ereignisse (1848 und 1866)
unterbrochenen Anstrengungen von Erfolg gekrönt waren, trotz-
dem die Bedürfnisfrage von allen Seiten aufs entschiedenste

14
        <pb n="20" />
        ﻿bejaht wurde, und die Notwendigkeit einer Beschleunigung dieser
Angelegenheit durch die zahlreichen Anträge, und Petitionen
von dem badischen Volke dringend verlangt wurde.

Wohl waren damals im Großherzogtum zahlreiche Privat-
bankiers ansässig, aber deren Geschäftsbetrieb und Kapital-
kraft war größtenteils so unbedeutend, daß sie für eine größere
Kreditoperation nicht in Betracht zu ziehen war. Diese Privat-
bankiers hatten ihre bankmäßigen Geschäfte meist einem ihren
Haupterwerb darstellenden kaufmännischen Betrieb angeschlossen.

Oft sind es Produktenhändler (Tuchwaren, Spezereihändler
etc.), die in ihrem „Nebenkontor“ Geschäftswechsel an- und
verkauften, ausländische Münzen in Landeswährung oder um-
gekehrt eintauschten und hin und wieder gegen hohe Zinsen
kleinere Darlehen an ihre Geschäftskunden ausliehen. Selbst-
verständlich unter Ausschluß jedweden Risikos, da sie über die
Kreditfähigkeit ihrer wenigen Kunden aufs genaueste instruiert
waren. Derartige „Kaufmannsbankiers" waren in Baden haupt-
sächlich in den kleineren Städten vertreten,; wenn auch ihre
Kreditgeschäfte kaum in Betracht zu ziehen sind, so hat sich
doch nach und nach manches renommierte Bankhaus aus solchen
kleinen Anfängen entwickelt. Sehr häufig finden wir Speditions-
firmen, die Geldgeschäfte ihrem Unternehmen angliedern. So
haben sich speziell in Frankfurt a. M. eine Anzahl altrenom-
mierter Bankhäuser entwickelt. Dies ergibt sich aus der Art
des Geschäftsbetriebs der Spediteure. Mit der Kreditgewährung
der zum Transport übergebenen Waren unter Aushändigung
derselben an die Bestimmungspersonen gegen Einkassierung der
Valuta war der Grund gelegt für einen regelrechten Wechsel-
verkehr.

Aber fast alle diese Privatbankiers wandten sich um die
Mitte des vorigen Jahrhunderts von dem bisher fast ausschließ-
lich geübten Wechsel-Kreditgeschäft ab, um dem lohnenderen
Effektenhandel sich zu widmen, Effekten- und Arbitragegeschäfte
wurden jetzt allseits bevorzugt. Die Kreditgewährung an Handel
und Industrie trat immer mehr in den Hintergrund. Viele unter
ihnen waren nicht viel mehr als reine Vermögensverwalter.

15
        <pb n="21" />
        ﻿Das Börsenspiel in Effekten (besonders in Losen), das im Laufe
der 50er Jahre als neue Erscheinung im badischen Wirtschafts-
leben auftauchte, reizte alle Volksschichten und fand in der
meist allzugroßen Bereitwilligkeit der Bankiers, ihre Kundschaft
bei Spekulationen zu beraten und häufig auch hierzu zu ani-
mieren, reichliche Nahrung.

So verstanden es viele unter diesen Privatbankiers allein
als Großspekulanten und Vermögensverwalter mit kleinerem
Kapital und weniger Mühe, dafür allerdings mit weit größerem
Risiko, rascheren und größeren Verdienst zu erlangen als bisher.
Dazu kam noch, daß vielen Privatbankiers eine reichliche Neben-
einnahmequelle durch das Geldwechselgeschäft zufloß, welches
bis Anfang der 70er Jahre, durch die äußerst zersplitterten
deutschen Münzverhältnisse begünstigt, in voller Blüte standj
hauptsächlich den in den ausgedehnten badischen Grenzbezirken
ansässigen Bankiers kam dies zugut.

Weiterhin waren in verschiedenen Städten Badens für die
Kreditbeschaffung des Handwerks und des kleinen Gewerbes
sog. Handwerker- und Gewerbebanken ins Leben gerufen worden,
noch bevor die Schulze-Delitz'schen Ideen der Selbsthilfe in
Baden festen Fuß gefaßt hatten. Diese, um die Mitte des
vorigen Jahrhunders begründeten Kleinbanken spielten jedoch
wegen ihrer sehr bescheidenen Betriebsmittel und der nur in
geringen Beträgen geleisteten Darlehen auf dem Kapitalmärkte
Badens damals eine verschwindende Rolle. Nur wenige unter
ihnen konnten ihre Geschäftsbasis im Laufe der Zeit erweitern.
Es sind hier zu nennen:

Der Aktienverein der Mannheimer Handwerkerbank 1847
gegründet, die Mannheimer Darleihkasse, der Aktienverein der
Karlsruher Handwerkerbank, die Gewerbebank Karlsruhe, aus
der die heute noch bestehende Gewerbe- und Vorschußbank in
Karlsruhe hervorging, die Freiburger Handwerkerkreditkasse
u. a. m.

Zu diesen gesellten sich dann von der Mitte der 50 er
Jahre ab die zahlreichen, heute noch in allen größeren badischen
Gemeinden vertretenen Genossenschafts-Banken, die in der

16
        <pb n="22" />
        ﻿Hauptsache die landwirtschaftlichen und gewerblichen Volks-
schichten mit kurzfristigem Kredit versorgten1).

Unter ihnen haben sich in einzelnen badischen Städten,
trotz des durch das Genossenschafts-Gesetz etwas beengten
aber dafür um so solideren Geschäftsbetriebes Institute von be-
deutendem Umfange entwickelt, die in der badischen Volkswirt-
schaft eine achtunggebietende Rolle spielen, insbesondere im
Hinblick auf ihre CreditgeWährung an das städtische Handwerk,
Gewerbe und zahlreiche Industrien,

Sie kommen jedoch wegen ihrer aus dem Genossenschafts-
Prinzip hervorgehenden, streng zentralistischen Geschäftsführung
hier nur passiv in Betracht insofern, als mehrere unter ihnen
durch eingetretene Liquidationen den badischen Credit-Banken
Material zu weiterer Expansion gaben. Die einzelnen Fälle
sind an anderer Stelle bei dem Entwicklungsgang der betr.
Banken erwähnt. Bei der Darstellung der gesamten Kreditor-
ganisation Badens vor der Einigung des deutschen Reiches darf
die Allgemeine Versorgungsanstalt Karlsruhe nicht unerwähnt
bleiben. Im Jahre 1835 gegründet war sie ihrer ursprünglichen
Bestimmung nach eine Renten-Anstalt; erst im Jahre 1863 wurde
mit der Allgem. Versorg.-Anstalt eine Lebensversicherungsbank
verbunden. Ihre verfügbaren Gelder, die ihr aus diesen Ge-
schäftszweigen und aus den Depositen der gleichzeitig mit ihr
verbundenen Hinterlegungskasse zuflossen, verwendete sie teil-
weise zu Darlehen an Handel- und Gewerbetreibende 1 2)

Nach § 53 ihrer Gründungsstatuten durften die flüssigen
Mittel angelegt werden:

1)	auf gerichtlich erstes und wenigstens doppeltes Unter-
pfand,

2)	auf inländische zinstragende Staatspapiere,

1)	Die ersten badischen Kreditgenossenschaften wurden 1858 in Karls-
ruhe, Heidelberg und Ettenheim gegründet. Im Jahre 1868 bestanden bereits
46 solcher Kreditvereine in Baden; während sich die ländlichen Kreditgenoss,
erst in den 70iger Jahren in Baden ausdehnten.

2)	Der Rechenschaftsbericht von 1845 verzeichnet bereits 740 Darlehen
gegen gewöhnliche Verzinsung und 790 Darlehen auf Annitäten.

17
        <pb n="23" />
        ﻿3)	auf Faustpfänder in Staatspapieren und Pfandverschrei-
bungen,

4)	durch Ankauf von Liegenschaften und vom Jahre
1864 ab:

5)	im Escompt- und

6)	im Girogeschäft.

Die an sie herantretende Nachfrage nach Kapitalien wurde
von ihr regelmäßig befriedigt, soweit es ihre Statuten und die
verfügbaren Gelder erlaubten.

Durch ihren dezentralisierten Geschäftsbetrieb]) konnte
sie dem damaligen Kreditbedürfnis auf 1. Sicherheit durch sorg-
fältige Darlehensgewährung weitgehendst gerecht werden.

Mit dieser noch in kleinem Rahmen sich bewegenden ge-
samten Kreditorganisation Badens um die Mitte des vorigen
Jahrhunderts steht naturgemäß in engstem Konnex die Ent-
stehung und Entwicklung des Handels und der Industrie des
Landes. So waren auch vor 1870 die industriellen Großbetriebe
Badens nicht sehr zahlreich. Die wenigen industriellen Grün-
dungen jener Zeit datieren alle nach dem Anschluß des Groß-
herzogtums an den deutschen Zollverein im Jahre 1834. Es
sind in der Hauptsache die Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe
(gegründet 1837), die Gesellschaft für Spinnerei und Weberei
Ettlingen und die Zuckerfabrik Waghäusel. Großbetriebe im
heutigen Sinne kannte man damals noch nicht; die vorwiegende
Beschäftigung in jener Zeit war Ackerbau und Viehzucht neben
einem in voller Blüte stehenden Kleingewerbe. Unternehmungen
korporativen Charakters hatten sich nur sehr vereinzelt und in
geringem Umfange gebildet, so noch in der Bergwerksindustrie
unseres Schwarzwalds und im Gebiete des Handels und Ver-
kehrs, Gesellschaften für die Schiffahrt auf dem Rhein und dem
Bodensee. Dieser wirtschaftlichen Entwicklung entsprach auch
die des badischen Bankgewerbes, bis der große deutsch-fran-
zösische Krieg hier eine völlige Wandlung schuf!

11 Der Geschäftsbericht von 1850 enthält in seinem Verzeichnis sämt-
licher Geschäftsfreunde 67 badische und 27 ausländische Agenten.

18
        <pb n="24" />
        ﻿III. Konzentrationstechnische Entwicklung der
badischen Banken nach 1870.

Die Badische Bank.

Die Frucht der Jahrzehntelangen vergeblichen Bemühun-
gen um ein badisches Kreditinstitut, das den Bedürfnissen des
in den 60er Jahren gewaltig aufgeblüten badischen Handels- und
Gewerbestandes sowie der sich mächtig entwickelnden Industrie
Rechnung zu tragen hatte, war die am 16. März 1870 gegründete
Badische Bank. Sie war als einzige badische Aktienbank jeg-
lichen Konzentrationstendenzen unzugänglich. Bis heute hat sie
an dem Prinzip strengster Zentralisation auf die beiden badischen
Hauptindustriestädte Mannheim und Karlsruhe festgehalten und
hat auf jedwede äußere Ausdehnung ihres Geschäftsbetriebs
durch Errichtung von Filialen, Agenturen oder Depositenkassen
verzichtet. Mitbestimmend für diese Tendenzen war vor allem
ihre gesonderte Stellung im Großherzogtum als Landesnoten-
bank, als welche sie zum Teil eine von den anderen Kredit-
banken getrennte Interessenstellung zu vertreten hat.

Wohl war auch für sie ein innerhalb der badischen Landes-
grenzen gehaltenes intensiv verzweigtes Filialnetz in ihren Grün-
dungsstatuten vom Jahre 1870 (Art. 21) vorgesehen. Eine dies-
bezügliche Bestimmung enthält noch der Art. 16 der revidierten
Geschäftsstatuten vom Jahre 1904:

„Die Gesellschaft kann durch Beschluß des Aufsichts-
rates Zweigniederlassungen (Filialen und Agenturen) er-
richten, auch Anstalten oder Handelshäuser mit der Be-
sorgung ihrer Geschäfte beauftragen........Ferner

sollen bei Errichtung weiterer Zweigniederlassungen vor-
zugsweise die Städte Freiburg i/Br., Heidelberg, Pforz-
heim, Lörrach und Villingen berücksichtigt werden.
Außerhalb Badens ist die Errichtung von Zweignieder-
lassungen oder Agenturen nur nach Vorschrift des
Reichsbankgesetzes § 44 Abs. 3 statthaft."

Sie hat zwar verschiedentlich den Versuch gemacht, an
den Hauptplätzen des Großherzogtums mit der Errichtung von
Agenturen vorzugehen, hat auch vorübergehend in Freiburg und

19
        <pb n="25" />
        ﻿Lahr solche unterhalten, diese aber mußte sie nach einigen
Jahren, wohl wegen zu geringer Rentabilität, wieder fallen
lassen. Hier, wie in fast allen größeren Städten Badens, war
es die deutsche Reichsbank, die durch ihr schon frühzeitig aus-
gebildetes Filialnetz in Baden eine eventuell neu zu errichtende
Filiale der Badischen Bank schwer aufkommen ließ und zugleich
für die beiden bestehenden Bankplätze der Badischen Bank eine
nicht zu verkennende schwere Konkurrenz bildete.

Die Reichsbank hatte an ihrer Stelle in kurzer Zeit durch
ein wohl ausgebildetes Filialnetz das badische Land in ihren
Geschäftsbereich eingezogen. Schon vor Inkrafttreten des Bank-
gesetzes hatte die Mutteranstalt der Reichsbank, die preußische
Bank, ihre Saugarme nach dem Großherzogtum ausgestreckt
und sich in Karlsruhe und Mannheim (Filialen), Pforzheim und
Lahr (Agenturen) festgesetzt. Mitte der 70er Jahre gründete
die durch das Reichsbankgesetz neu entstandene Zentralnoten-
bank Filialen in Freiburg, Heidelberg und Konstanz und zog
dann von den drei größeren Plätzen Mannheim, Karlsruhe und
Freiburg (als Reichsbankstellen) auch die mittleren Städte Badens
wie Weinheim, Offenburg, Bühl, Rastatt, Lörrach, Triberg, Villin-
gen, Waldshut, Säckingen und Baden-Baden (als Nebenstellen)
in ihren Geschäftsbereich ein. Es sind dies alles Städte, die
durch ihren Handel, Gewerbe und Industrie teils größeren
Kreditoperationen zugängig waren, teils auch für ausgedehnteren
Depositenzugang einen fruchtbaren Boden bildeten. Sie alle
waren von der Badischen Bank als eigene Niederlassungen vorge-
sehen, mußten aber aus nachher näher zu erörternden Gründen
dem Reichsnoteninstitut überlassen werden.

Mitte der 90er Jahre zeigte dann die Badische Bank aber-
mals das Bestreben ihren Aktionsradius inbezug auf ihren
Wechselverkehr zu dezentralisieren, indem sie nach und nach
fast alle badischen Städte (zuerst 36 im Jahre 1895, später 64
im Jahre 1904 und heute 75) zu Wechselpariplätzen erhob, d. h.
sie diskontierte auf die bezeichneten Städte Wechsel unter den
für Notenbanken durch Bankgesetz festgesetzten Bestimmungen
zu dem offiziellen Satze, ohne Abzug einer Provision. Diese

20
        <pb n="26" />
        ﻿neue Einrichtung kann als Gegenmaßnahme gegen die sich zu
jener Zeit in Baden dezentralisierende Reichsbank aufgefaßt
werden, die in jeder neuen Niederlassung eine neue Grundlage
für die Füllung ihres Wechselportefeuilles und für die Steigerung
ihres Wechselverkehrs überhaupt erhielt, da sie ebenfalls auf
jede Niederlassung (Bankplatz) provisionsfrei diskontierte. Der
Badischen Bank brachte die Errichtung der erwähnten Wechsel-
pariplätze wohl die gewünschte Belebung ihres Diskontgeschäftes,
aber eine weiter ins Gewicht fallende geschäftliche Expansion
war damit nicht verbunden, insbesondere kann sie nicht zu einer
lokalen Dezentralisation ihrer Geschäftstätigkeit gerechnet werden.
Denn es wurde hierdurch hauptsächlich nur eine Erleichterung
für den Geschäftsverkehr ihrer Wechseldiskontanten bezweckt,
während sonst das Institut an den erwähnten Pariplätzen keinen
weiteren engeren Bankverkehr durch Wechselankauf, Lombar-
dieren und Effektenkommissions- oder Depositengeschäfte er-
wirkte.

Fragen wir nun nach den Gründen dieser Zurückhaltung
unseres badischen Notenbankinstitutes auf dem Gebiete der
Bankenkonzentration, so müssen neben den Schwierigkeiten,
welche die Konkurrenz der kapitalkräftigeren Reichsbank und der
mit der Industrie in innigem Konnex stehenden badischen
Kreditbanken mit sich brachten, wohl folgende vier Gesichts-
punkte für das Festhalten an ihrem Zentralisationsprinzip maß-
gebend gewesen sein:

1.	Die Fesseln des Bankgesetzes vom Jahre 1876 und
die Novelle zu diesem Gesetze von 1889, wodurch ihr
steuerfreies Notenkontingent auf 10 Mill. Mark fixiert, ihr
Notenprivileg auf 27 Mill, Mark verkürzt und ihr Wechsel-
diskontgeschäft durch das Gebundensein an den offiziellen
Banksatz gehemmt wurde.

2.	Die schon auf die beiden bestehenden Bankplätze
allein in sich völlig gesättigte Geschäftstätigkeit, die für
sich eine fruchtbringende Kreditgewährung für ihre Betriebs-
mittel brachte.

3.	Die mit einer neuen Filialgründung verbundene Be-
lastung ihres Unkostenkontos und last not least

21
        <pb n="27" />
        ﻿4.	das bei einer Dezentralisation einzugehende Geschäfts-
risiko, welches bei ihrer Stellung als Privatnoteninstitut

sehr ins Gewicht fallen mußte.

Aber zu alle dem kommt, wie schon eingangs erwähnt,
ihre Sonderstellung als Landesnotenbank vom volkswirtschaft-
lichen Standpunkte aus betrachtet. Als solche hat sie neben
der Reichsbank zunächst in erster Linie den gesamten Zahlungs-
verkehr zu regeln und durch ihr Privileg zur Notenausgabe
den Umlauf der baren Geldmittel zu überwachen. Erst an
zweiter Stelle kommt dann die Funktion eines kreditvermittelnden
Institutes in Betracht. Um ihren ersteren Obliegenheiten gerecht
zu werden, ist eine Dezentralisation nicht absolut erforderlich,
wenn sie auch insbesondere zur Regulierung des Geldumlaufes
sehr zweckdienlich sein würde. Aber deshalb gleich den Stab
über der Badischen Bank zu brechen und ihr jedwede Existenz-
berechtigung abzusprechen, wie dies Ruby in seiner Abhandlung
über die Badische Bank getan hat, dürfte entschieden zuweit
gehen.

Sie kann eben als Privatnotenbank bezüglich ihrer äußeren
Entwicklung nicht ohne weiteres mit dem deutschen Zentral-
noteninstitut, oder gar mit den Kreditbanken verglichen werden,
für die in unserer heutigen Wirtschaftsepoche das Einhalten
mehr oder minder starker Expansionstendenzen eine wirtschaft-
liche Notwendigkeit geworden ist. Als Privatnotenbank sind ihr
durch Reichsgesetz bestimmte Grenzen für ihr gesamtes Wirken
gesetzt, wodurch für sie jeder mit größerer Verlustgefahr ver-
bundene Geschäftszweig und jede spekulativen Charakter
tragende Transaktion, als welche auch eine nicht aus notwen-
digstem Bedürfnis hervorgehende Filialengründung anzusehen
ist, ausgeschlossen ist. Trotzdem sie durch die mächtig dezen-
tralisierte Reichsbank weit überflügelt wurde, darf ihre segen-
spendende und tatkräftige Unterstützung der badischen Industrie
hauptsächlich am Mannheimer Platze nicht übersehen werden.
So ist es zum großen Teil mit ihren Interventionen zu ver-
danken, daß in der Krise von 1902 dem Wirtschaftsleben in

22
        <pb n="28" />
        ﻿Baden nicht noch größere Wunden geschlagen wurden. Ihr
Geschäftsbericht aus diesem Jahre betont dies ausdrücklich:

„Es freut uns außerdem feststellen zu können, daß
es der Badischen Bank in dieser kritischen Zeit
möglich war, den badischen Handels- und Industrie-
kreisen ca. 8 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen.

Und auch in neuester Zeit ist ihr umfangreiches Wirken
zur Befruchtung des Handels, Gewerbes und insbesondere der
Industrie des Landes klar zu Tage getreten, sodaß sie heute
als mächtiger Faktor für die kommerzielle und industrielle Be-
wegung des Landes gilt.

Die Süddeutsche Bank.

Einen in ihrer Entwicklung ebenfalls mehr oder weniger
zentralisierten Charakter zeigt die am 1. Oktober 1896 gegründete
Süddeutsche Bank. Für die vorliegende Arbeit kann nur deren
Übergang in den Deutschen Bankkonzern von Bedeutung sein,
ihr äußerer Entwicklungsgang soll daher nur kurz gestreift
werden.

Sie entstand durch Übernahme der Kundschaft des Mann-
heimer Privatbankhauses Goldmann &amp; Kuhn, das in diesem
Jahre liquidierte. Ihr erstes Aktienkapital war mit 3 Mill. Mark
voll eingezahlt. Die Gesellschaft kommanditierte zunächst die
Bankfirma Lazard Brach &amp; Co. in St. Johann-Saarbrücken im
Jahre 1898 mit 1 Mill. Mark, wovon sie 400000 Mark als Unter-
beteiligung weitergab. Ihre einzige Filiale errichtete sie i. J,
1899 in Worms durch Übernahme der früheren Bankfirma
Ed. Herz &amp; Co. in Worms. Einer weiteren Dezentralisation
war sie nicht mehr zugänglich. Die Motive hierfür sind in der
engen Verknüpfung mit der Mannheimer-Ludwigshafener In-
dustrie zu suchen, die ihr Gesamtinteresse an diesen Platz ge-
        <pb n="29" />
        ﻿bunden hielt. So bestand auch charakteristischerweise ihr Auf-
sichtsrat bis vor dem Eintritt in den Deutschen Bank-Konzern
fast ausschließlich aus Großindustriellen dieser beiden Plätze.

Wie ihre Konkurrenzbank, die Oberrheinische Bank, gerät
auch dies Institut um die Jahrhundertwende in die Gefolgschaft
des sich mächtig ausdehnenden Machtbereichs des Berliner
Großbankentums. Zunächst war es die Dresdener Bank, die
sich durch Aktienbesitz an der Süddeutschen Bank zu beteiligen
suchte. Nachdem schon 1894 die Deutsche Bank festen Fuß
in Mannheim gefaßt hatte, durften die anderen Berliner Groß-
banken nicht mehr allzu lange zögern, wollten sie nicht diesen
wichtigsten Handelsplatz Süddeutschlands ganz aus ihrem In-
teressenkreis fallen lassen. Die Dresdner Bank benutzte daher
den steigenden Kapitalbedarf der Süddeutschen Bank (durch
Generalversammlungsbeschluß vom 10. März 1898 wurde das
Aktienkapital um 3 Mill. auf 6 Mill. erhöht), um im Sommer
1898 nom. 1 Mill. Mark junge, aus dieser Kapitalserhöhung
stammende Aktien zu übernehmen und zugleich die Einführung
sämtlicher Süddeutschen Bankaktien — 6 Mill. Mk, — an der
Frankfurter Börse (Frühjahr 99) zu beantragen und zu erwirken.

Jedoch war der Dresdner Bank mit dieser im Verhältnis
zur Bedeutung des Platzes minimalen Beteiligung nicht gedient;
denn sie gründete im folgenden Jahre eine eigene Filiale in
Mannheim, die sich zu einer ihrer bedeutendsten Niederlas-
sungen herauswuchs und für den Mannheimer Handel und die In-
dustrie unter den lokalen Kreditbanken von hervorragender Be-
deutung wurde. Ihren Aktienbesitz an der süddeutschen Bank
scheint sie unterdessen wieder fallen gelassen zu haben, sodaß
sich aus dieser Transaktion nur ein vorübergehendes Effekten-
geschäft erübrigte. Die Süddeutsche Bank stand so wiederum
geraume Zeit auf eigenen Füßen, In den folgenden Jahren ver-
mochte sie, trotzdem sie auf sich selbst angewiesen war, sich
kräftig zu entwickeln. Durch den bekannten Rheinaukrach wurde
sie nicht direkt in Mitleidenschaft gezogen, verpflichtete sich
aber in dem darauffolgenden Jahre sehr stark bei der mit ihr
eng verbundenen Mannheimer Industrie, was aus den gestei-

24
        <pb n="30" />
        ﻿gerten Akzeptgewährungen hervorgeht. Ende 1904 betrugen
diese 124 °/o ihres Aktienkapitals, wodurch sie sich neben ihrem
gesteigerten Kapitalbedarf zu einer erneuten Kapitalserhöhung
um 4 Mill. Mk. gezwungen sah.

An diesem Punkte setzt wiederum die Machtsphäre der
Berliner Großbanken ein, um ihrem Expansionsbedürfnis Rech-
nung zu tragen. Die seither unabhängige Süddeutsche Bank
gerät in den Konzern der Deutschen Bank. Dadurch, daß jene
gemeinschaftlich mit der mit ihr in freundschaftlicher Beziehung
stehenden Rheinischen Creditbank die jung zu emittierenden
Aktien zu gleichen Teilen übernimmt, ist der entscheidende
Schritt getan. Das „Freundschafts“-Verhältnis mit der Deutschen
Bank, das durch diese Aktienübernahme zustande kam, wurde,
wie dies jeweilig der Fall ist, durch eine Aufsichtsratswahl der
unterstützenden Bank dokumentiert. Roland-Lücke, Direktor
der Deutschen Bank in Berlin, und Dr, Brosien, Direktor der
Rheinischen Creditbank in Mannheim, erhalten Sitz und Stimme
im Aufsichtsrat der Süddeutschen Bank, während umgekehrt
letztere auf die Geschäftsführung der beiden unterstützenden
Banken keinerlei Einfluß gewinnen konnte, Eine Folge des
mehr einer vasallenmäßigen Abhängigkeit gleichen Freundschafts-
verhältnisses war die Abgabe ihrer kommanditarischen Betei-
ligung an dem Bankhause Lazard Brach u. Co. in St. Johann
an die Bergisch-Märkische Bank, die seit 1897 voll in den
Machtbereich der Deutschen Bank zu rechnen ist. Hier ist zu-
gleich ein deutlicher Beweis für das Streben der Berliner Groß-
banken gegeben, ihren Machtbereich distriktweise zu rayonieren.
Speziell den Intentionen der Deutschen Bank ist es zuzuschreiben,
daß das im 19. Jahrhundert noch vollständig in einzelne selb-
ständige Institute zersplitterte Bankwesen Deutschlands sich
immer mehr in einzelne Gruppen alliierte, wodurch andererseits
einer stärkeren Einflußgewinnung von Seiten der Großbanken
Vorschub geleistet wird.

Bei der ganzen Hülfsaktion an der Süddeutschen Bank —
als etwas anderes ist in Wirklichkeit diese Kapitalsunterstützung
nicht zu betrachten — sind zum ersten Male in Baden derartige

Geyer 3	25

t
        <pb n="31" />
        ﻿Bestrebungen der Deutschen Bank erkennbar. Sie, die schon
fast seit ihrem Bestehen in der Pioniertätigkeit für eine deutsche
Bankenkonzentration stets an der Spitze marschiert war, sucht
sich nun auch in Baden eine starke Bankengruppe unter der
Aegide des mächtigsten badischen Kreditinstituts, der Rheinischen
Creditbank, zu schaffen. Deshalb wurde zunächst die Rheinische
Creditbank bei der Kapitalserhöhung mit ebenfalls 2 Mill. mit
beteiligt, obwohl es damals der Deutschen Bank sicherlich ein
Leichtes gewesen wäre, die ganze Süddeutsche Bank zu fusio-
nieren. Aber zunächst durfte durch eine eigene Niederlassung
am Mannheimer Platze, die in Wirklichkeit doch nichts anders
als eine Konkurrenzbank bedeutet hätte, der Rheinischen Credit-
bank nicht vor den Kopf gestoßen werden. An dem Erstarken
der letzteren war die Deutsche Bank selbst am meisten inte-
ressiert, soweit sie nur im Wege der Interessengemeinschaft und
nicht durch Gründung direkter Niederlassungen sich eine ihrem
Konzern zugehörige badische Bankengruppe bilden wollte.
Andererseits wäre es unpolitisch gewesen sich die Süddeutsche
Bank vollständig einzuverleiben, insofern hierdurch der enge
Konnex, den das Institut mit der gesamten Mannheimer Industrie
in ihrem größtenteils aus Mannheimer und Ludwigshafener
Großkaufleuten bestehenden Aufsichtsrat verband, hierdurch
sicherlich teilweise verloren gegangen wäre. In den folgenden
Jahren wird von der Deutschen Bank diese Politik, Erstarkung
und Ausbildung einer badischen Bankengruppe, in der sie zu
gelegeneren Zeiten ihren Einfluß geltend machen konnte, weiter
befolgt. Sie zieht ihren Aufsichtsratposten in der Süddeutschen
Bank im Jahre 1897 zurück und überläßt der Rheinischen
Creditbank dann den Vorsitz. Daß mit dieser Einflußverschie-
bung, die zugleich eine Stärkung der Machtsphäre der Rhei-
nischen Creditbank mit sich brachte, stillschweigende Verein-
barungen und Konzessionen des letzteren Instituts von seiten
der Deutschen Bank verbunden waren, darf als sicher angenom-
men werden. Diese Transaktion ist auch als Grundstein zu dem
Abschluß der badischen Bankenkonzentration in Bezug auf die
Deutsche Bank-Gruppe anzusehen, der zustandekam in der an

26
        <pb n="32" />
        ﻿anderer Stelle behandelten großen Interessengemeinschaft: Rhei-
nische Creditbank — Pfälzische Bank — Süddeutsche Bank,
wodurch die Süddeutsche Bank mit der Pfälzischen Bank fusio-
niert wurde und intern vollständig in jener aufging.

(Tabelle siehe Seite 28.)

Die Oberrheinische Bank.

Die Konzentrationsbestrebungen, denen wir bei der kaum
zwei Jahrzehnte dauernden, aber kräftig dezentralisierten Ent-
wicklung der Oberrheinischen Bank begegnen, zeugen deutlich
für den überhandnehmenden Einfluß der Berliner Großbanken
über unser badisches Bankwesen. Hand in Hand hiermit geht
der kurz vor der Jahrhundertwende einsetzende Eroberungszug
der in der Reichshauptstadt bei einigen wenigen Banken akku-
mulierten Kapital- und Machtsphäre in alle deutsche Einzelstaaten
und heute weit über die deutschen Grenzen in alle Erdteile
hinein.

Die Oberrheinische Bank war das erste badische Kredit-
institut, das sich einem Berliner Großbankenkonzern (Deutsche
Bank) angliederte, und die dann später dem von Berlin strahlen-
förmig ausgehenden mächtigen Expansionsdrang dieser Kapitals-
macht zum Opfer fiel. Diese Erscheinung ist hauptsächlich in
der Konzentrationsperiode 1895—1901 die wichtigste Ursache
zum Zusammenschluß der wichtigsten kreditvermittelnden Unter-
nehmungen in den einzelnen Bundesstaaten Deutschlands. Im
Großherzogtum Baden machte sich dieser „Zug in die Provinz“
zunächst bei der Oberrheinischen Bank geltend. Wohl ist ihre
mächtig dezentralisierte Entwicklung hauptsächlich auf das Konto
der Deutschen Bank zu schreiben, aber auch ihr restloses Auf-
gehen in die Rheinische Creditbank hat sie der Machtsphäre
dieses Berliner Instituts zuzuschreiben.

3*

27
        <pb n="33" />
        ﻿Süddeutsche Bank, Mannheim,

Jahr-	Aktien-	Reservefonds	Kreditoren		Debitoren	Wechsel	Gesamt-Umsatz	Konzentrations-
ultimo	Kapital  M.	(sämtliche)  M.	und  Depositen	Reingewinn	und  Lombards		von 1 Seite	Vorgänge
							338 658 669	Kommandit. be-
1896/97	3 000 000	—	1 379 661	379 591	5 101 775	1 616 177		teiligt b. Lazard,
1898	5 000 000	198 174	1 413 160	328 128	7 033 534	2 071 719	355 129 156 &lt;	Brach &amp;Co.,inSt. Johann (1 Mill.) Dauernde Betei- lig. d. Dresdn. Bk.
1899	6 000 000	333 139	3 537 011	575 114	11 414 717	3 611 087	467 538 111	Fil.i.Worms gegr.
1900	6 000 000	461 633	7 595 778	633 962	13 946 284	4 660 106	704 068 917	
1901	6 000 000	537 591	6 367 022	400 733	12 118 863	4 067 756	703 693 164	Kommandite St. Johann ertraglos.
1902	6 000 000	552 718	7 573 383	352 154	12 760 679	4 467 203	597117 797	
1903	6 000 000	566 291	8 359 383	418 706	13 830 984	4 327 150	654 070 302	Abstoßung der Komm. St. Jo-
1904	6 000 000	586 698	8 606 073	473 818	13 978 041	5 345 934	751 111 998 •	hann, Eintritt in
1905	10 000 000	609 671	8 556 644	656 387	16 570 981	4 820 717	901 469 846	den Deutschen Bank-Konzern.
1906	10 000 000	641 767	12 460 666	801 624	21 582 584	6 534 370	1 001 160 132	
1907	10 000 000	725 900	12 006 770	785 995	22 286 568	6 417 834	1 125 452 542	Austritt d. Auf- sichtsrats d.Dt.B.
								fDr. Brosin Vor-
1908	10 000 000	761 882	12 094 036	911 767	22 955 891	8 190 019	1 167 111 252	sitzender d. Auf- ^ sichtsrats.
1909	10 000 000	801 647	12 144 372	950 102	24 143 068	7 833 782	1 133 739 006	
1910	10 000 000	842 554	14 401 233	984 063	25 741 199	8 474 704	1 172 359 635	

1911 Fusion in die Pfalz. Bk., Interessengem. Rhein. Cred. Bk. — Pfälzische Bank.
        <pb n="34" />
        ﻿Der äußere Entwicklungsgang der Oberrheinischen Bank
bekundet starke dezentralisierende Tendenzen: Aus der Mann-
heimer Bankfirma Köster &amp; Co. wurde sie im Jahre 1883 als
Aktienbank mit einem Kapital von 3 Mill. Mark unter der Firma
Kösters Bank A.-G. gegründet. Aus ihrer inneren Geschäftstätig-
keit ist ihr auf eine hohe Stufe gebrachtes Wechselinkassogeschäft
hervorzuheben, das sie als Spezialität nach französischem Muster
betrieb und in dem sie (nach Ph. Bauers Aktienunternehmungen
in Baden) seinerzeit in Deutschland von keinem anderen Kredit-
institut soll übertroffen worden sein. Sie hatte für diesen intensiv
betriebenen Geschäftszweig einen eigenen umfangreichen Inkasso-
tarif in drei Sprachen verfaßt herausgegeben, worin sie die
Spesen für den Einzug von Wechseln auf jeden bedeutenderen
Handelsplatz der Welt zusammengestellt hatte. Dieser Tarif
versah für die damalige Zeit zugleich die Dienste eines handels-
geographischen Lexikons.

Mit der Gründung der A.-G. verbunden war gleichzeitig
die Errichtung ihrer beiden ersten Niederlassungen in Heidelberg
und Frankfurt a. M. Im Verlauf des ersten Jahrzehnts ihres
Bestehens zeigte sie dann, solange noch ihre Zentrale in Mann-
heim isoliert dastand, keine weiteren Expansionsgelüste. Im
Gegenteil mußte sie ihre Frankfurter Niederlassung im Jahre 1894
liquidieren. Auch zeigt ihre innere Geschäftsentwicklung keine
Merkmale einer erheblichen Ausdehnung ihrer kreditvermittelnden
Tätigkeit, was daraus hervorgeht, daß ihre Betriebsmittel auf
ungefähr derselben Höhe blieben.

Erst die Generalversammlung vom 11. April 1894 bildet
den Wendepunkt in ihrem Werdegange. Hier wurde eine Kapitals-
erhöhung auf 5 Millionen beschlossen, wobei die Deutsche Bank
zum ersten Male in die Geschicke der Oberrheinischen Bank
eingriff, indem sie die Neuemission garantierte und zugleich die
Einführung der Oberrheinischen Bankaktien an den Börsen zu
Berlin und Frankfurt a. M. beantragte und erwirkte. Von nun
an gerät das Mannheimer Institut immer mehr in das Schlepp-
tau der Berliner Großbank. Hierbei schlug die Deutsche Bank
zur Erreichung ihres gewünschten Zieles einen für jene Zeit

29
        <pb n="35" />
        ﻿neuen Weg ein. Sie wandelte die in Betracht kommende
Provinzbank nicht sofort in eine ihrer Filialien um, sondern suchte
sie durch Aktienerwerb oder Aktienaustausch sich anzugliedern.
Was hierbei besonders ins Auge fällt, dem auf diese Weise an-
gegliederten Institut wird seine äußere Selbständigkeit im
weitesten Umfange belassen, und nur durch Herstellung einer
Personalunion in den beiderseitigen Aufsichtsräten, eventuell auch
nur durch einseitige Bestellung einer oder mehrerer Aufsichtsrat-
stellen, wird der Konnex hergestellt. Hierdurch läßt sich dannäus-
serlich der Grad der inneren Abhängigkeit erkennen. Ist dieses
Stadium erreicht, so sucht die Großbank ihren Einfluß auf die
Geschäftsleitung der Provinzbank auszudehnen und zu stärken.
So war es auch in diesem Fall. Die Interessensphäre der Ober-
rheinischen Bank, welche sie mit der Mannheimer und Heidel-
berger Industrie eng verknüpfte, mußte erhalten bleiben und
zugleich nach der Deutschen Bank hinübergreifen. Die Berliner
Großbank erreichte es auch gleich von Anfang an, einen gra-
vierenden Einfluß auf das Mannheimer Institut sich zu sichern.
Hierfür spricht auch der Umstand, daß die Oberrheinische Bank
gewissermaßen als Dankesleistung für die von der Deutschen
Bank übernommene und garantierte Kapitalserhöhung letzterem
Institut eine Aufsichtsratstelle überließ, was umgekehrt keines-
wegs der Fall war. Es war der Oberrheinischen Bank jedoch
gestattet (dies um die Abhängigkeit äußerlich zu verwischen),
daß eines ihrer Direktionsmitglieder einmal monatlich an den
Gesamtdirektoriumssitzungen der Berliner Großbank teilnahm,
was aber keinesfalls einem Äquivalent gleichkam. Durch die
bezeichnete Aufsichtsratstelle im Mannheimer Institut hatte die
Deutsche Bank ein Mittel in die Hand bekommen, gegen alle größeren
Emissions-, Erweiterungs- oder sonstigen Kreditpläne der Ober-
rheinischen Bankdirektion, die etwa ihrem Geiste zuwiderlaufen
könnten, rechtzeitig ein Veto einzulegen. Weiterhin verdankt
aber auch die Oberrheinische Bank hauptsächlich diesem Spiri-
tus rector ihre von jetzt ab folgende beträchtliche Entwicklung.
So verstand es das Berliner Institut, die Oberrheinische Bank
bei dem energischen Ausbau eines intensiv verzweigten Filial-

30
        <pb n="36" />
        ﻿netzes mit ihrer in der Provinz schon vielfach erprobten plan-
mäßigen Konzentrationspolitik zu leiten.

Im April 1894 waren die freundschaftlichen Beziehungen
mit Berlin angeknüpft und bereits am 1. März 1895 wurde die
erste Depositenkasse in Ludwigshafen a. Rh. eröffnet, der dann
Schlag auf Schlag die anderen Filialen folgten. 1896 eröffnete
sie eine weitere Niederlassung im Elsaß durch Übernahme der
altrenommierten Privatbankfirma C. Schwarzmann in Straßburg
i. E. Die hierzu erforderlichen Mittel stammten aus einer gleich-
zeitig vorgenommenen weiteren Kapitalserhöhung von 2 Mill. auf
7 Mill. Mk. Zugleich wurde die bisherige Firma umgeändert in
Oberrheinische Bank, Zentrale in Mannheim. Die folgende Ex-
pansionspolitik erforderte weitere Kapitalserhöhung und zwar

1897	auf	10	Mill.	Mk.

1898	„	15	„	„

1899	„	20	„	„

wovon jedoch nur 25 °/0 in diesem Jahre eingefordert und 1900
weitere 25 °/0 eingezahlt wurden, sodaß ihr eingezahltes Aktien-
kapital zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits auf 17,5 Mill. Mk.
gestiegen war gegen 3 Mill. im Jahre 1894 vor Anschluß an die
Deutsche Bank. Bemerkenswert	für die letzte Kapitalserhöhung

ist der Umstand, daß von da ab die Oberrheinische Bank zu-
gleich in eine Interessengemeinschaft mit einer schweizerischen
Bank, der Creditanstalt in Zürich, eingetreten war. Diese hatte
gleichzeitig mit der Deutschen Bank die Neuemission übernom-
men. Durch diese freundschaftlichen Beziehungen gelang es
dann später dem Züricher Bankinstitut gelegentlich der Fusion
der Oberrheinischen Bank einen Aufsichtsratsitz in der Rhei-
nischen Creditbank zu erlangen, den es heute noch innehat.

Hand in Hand mit dieser gewaltigen Betriebsmittelstei-
gerung ging die weitere intensive Dezentralisation des Mann-
heimer Instituts. Im Jahre 1898 sind allein vier neue Filialen
eröffnet worden. Zunächst hat sie das badische Oberland in
ihren Geschäftsbereich einbezogen, indem sie nach Er-
werbung des Privatbankhauses des Herrn Christian Mez in
Freiburg i/Br., mit einer neuerrichteten Filiale ihren Betrieb

31
        <pb n="37" />
        ﻿eröffnete. Die hierdurch entstandene Lücke zwischen Zentrale
und dem Oberland wurde noch im gleichen Jahre durch eine
Niederlassung in der badischen Residenz ausgefüllt. Ferner über-
nahm sie die alte Bankfirma F. F. Meyer in Baden-Baden und
in Rastatt; in beiden Städten errichtete sie gleichfalls noch im
selben Jahre Filialen. Am 1, Januar 1899 folgte dann die Er-
öffnung einer Niederlassung in Bruchsal und am 1. Juli des
folgenden Jahres einer Niederlassung in Mühlhausen i. E. und
in Basel, welch letztere durch die in Interessengemeinschaft
stehende Schweizerische Creditbank unterstützt wurde. Mit
dem Ende des alten Jahrhunderts wurden dann die Expansions-
bestrebungen abgeschlossen und sie verwandte die folgenden
Jahre zum Ausbau und zur inneren Kräftigung ihrer vielen
allerorten neugegründeten Niederlassungen.

In nicht viel mehr als vier Jahren hatte sie somit ein auf
11 Plätze sich erstreckendes Filialnetz ausgebaut, das das Groß-
herzogtum Baden, Teile von Elsaß, der Schweiz und der bay-
rischen Pfalz in ihren Machtbereich eingeschlossen hatte. In
Süddeutschland nahm sie somit zur Zeit der Jahrhundertwende
als Kreditbank bezüglich ihrer Bedeutung für Handel und In-
dustrie, neben der Rheinischen Creditbank, den hervorragendsten
Platz ein, was sie größtenteils der Initiative ihres kapitalkräf-
tigen Rückgrats, der Deutschen Bank, verdankte.

So wurde ihr im Jahre 1900 zum ersten Male eine 3J/2 °/0ige
Badische Staatsanleihe in Höhe von 28 Mill. Mk. zugeteilt, die
sie gemeinsam mit dem Deutschen Bankkonzern erfolgreich pla-
cierte. (Die früheren badischen Staatsanleihen hatten bisher der
Konzern der Disconto-Gesellschaft mit dem ihr eng befreun-
deten Mannheimer Bankhaus W. H. Ladenburg und der Firma
M. A. von Rothschild u. Söhne in Frankfurt a. M. übernommen;
darauf einigten sich im folgenden Jahre die beiden Konzerne
zur gemeinsamen Übernahme der badischen Staatsanleihen, die
bis heute noch gemeinsam den badischen Staaten die Geldmittel
zu ihren neuen Anleihen verschaffen.) Ebenso gelang es ihr
dann im darauffolgenden Jahre gemeinsam mit der Berliner
Großbank Neuemissionen verschiedener Staats-, Städte- und In-

32
        <pb n="38" />
        ﻿dustrieobligationen zu übernehmen. Ihre Effekten-Emissions- und
Konsortialgeschäfte gewinnen einen immer großzügigeren, aber
auch spekulativeren Charakter, der sich ebenfalls nur durch den
starken Rückhalt der kapitalkräftigen Deutschen Bank einiger-
maßen rechtfertigen läßt.

Die Katastrophe erfaßte dann das Institut bei dem bekannten
Zusammenbruch der Rheinaugesellschaften während der großen
Krise im Jahre 1902, welche ihr auch weiter erhebliche Ver-
luste brachte, sodaß sie auf eine Dividendenverteilung für dieses
Jahr verzichten mußte (bisher 6 °/0). Zur Deckung ihres Ver-
lustsaldos und zu außerordentlichen Abschreibungen mußte sie
den Reservefonds mit über 2 Mill. Mk, heranziehen, sodaß sich
derselbe auf 0,38 Mill. ermäßigte. Noch während des mit sehr
großen Verlusten für die Bank verbundenen Krisenjahres fühlte
sie zum letzten Male ihre von der Deutschen Bank ererbte
Expansionslust wach werden. Unter dem Einfluß dieser nimmt
sie die seit 1856 bestehende altrenommierte Karlsruher Privat-
bankfirma Ed. Kölle in ihre dortige Filiale auf.

Wohl erholte sich die Bank in den beiden darauf folgenden
Jahren einigermaßen (sie verteilt 1903 D/a °/0, 1904 3’/2 °/0 Divi-
dende), aber die Nachwirkungen der schweren Schädigung in
dem Krisenjahre und nicht zum mindesten der gewaltige Druck
der Berliner Großbank (diese war vor der Krise mit 21/a Mill. Mk.
Aktienbesitz an dem Mannheimer Institut beteiligt, den sie
sicherlich während des Rheinaukraches bedeutend erweitert hat)
zwang sie dann zu der an anderer Stelle behandelten Fusion
in die Rheinische Creditbank Mannheim.

33
        <pb n="39" />
        ﻿Oberrheinische Bank

(in 1000.— M),

Jahr	Akt.-Kap.	Ges.-Ums.	Reingew.	Divid.
1883	3100	4 59 257	122,4	4%
1884	3100	520 983	237,8	5%
1885	3100	571 323	302,0	5%
1886	3100	590 124	286,8	4 7»
1887	3100	619 250	288,5	4%
1888	3100	691 981	366,0	
1889	3100	692 957	222,8	—
1890	3100	711 714	358,1	6%
1891	3100	698 557	335,5	6%
1892	3100	706124	344,7	6%
1893	3 100	708 837	337,8	6°/o
1894	5 000	635 272	380,0	6 7»
1895	5 000	694 619	464,8	6 7»
1896	7 000	836 982	633,6	6 7o
1897	10 000	879 333	803,7	6#/o
1898	15 000	1 195 658	1 211,3	6 7o
1899	16 250	1 647 267	1 310,7	6 °/o
1900	17 500	2 504 497	1 356,5	6 7o
1901	17 500	2 238 624	1 364,3	6 7»
1902	17 500	2 304 201	’—	—
1903	17 500	2036178	410,4	iv/o

Konzentrations-V orgänge

1. Juli gegr. aus Privat-
bankhaus Köster, Mhm.
mit 2 Filialen in Heidelberg
und Frankfurt a/M.

Eintritt in den Deutschen
Bank-Konzern.

1. März Depositenkasse in
Ludwigshafen a./Rh.

15, Febr. 3. Filiale in
Straßburg i./Els.

1. April Fusion Privatbk.
Chr. Mez, Freiburg i./Br.
und4.Filiale in Freibg, i./Br,
1. Juni 5. Filiale in Karls-
ruhe, 6. Filiale in Rastatt,
7. Filiale in B.-Baden.

1. Jan. 8. Filiale in Bruch-
sal, 9. Filiale in Basel,
10. Fil. in Mühlhausen i./E.
1. Juni Freundschaftsver-
hältnis m. Schweizer. Kred.
Anstalt, Zürich.

Fusion in die Rhein.Credit
Bank, Mannheim.

34
        <pb n="40" />
        ﻿Es war die an Kapitalstärke an zweiter Stelle stehende
Discontogesellschaft zu Berlin. Sie durfte nicht länger zuwarten,
nachdem sich die Deutsche Bank und die Dresdner Bank zu
Beginn des neuen Jahrhunderts bereits eine feste Position in
Baden geschaffen hatten — erstere durch den Eintritt der Ober-
rheinischen Bank, resp. später der Rheinischen Creditbank in
ihren Konzern, letztere durch direkte Filialengründungen und
durch Fusion der Deutschen Genossenschaftsbank in Frank-
furt a./M. womit gleichzeitig eine Zentralisation des gesamten
badischen Kreditgenossenschaftsbankwesens Hand in Hand ging
— wollte sie nicht diesen ihren Rivalen das sich immer mehr
zum Industrie- und Handelsstaat entwickelnde Großherzogtum
Baden allein überlassen. Sehr erleichtert wurde ihr Streben nach
Dezentralisation auf die Südwestecke Deutschlands durch die
seit Jahren bestehenden engen Geschäftsbeziehungen zu Mann-
heims erstem Privatbankhaus, der Firma W. H. Ladenburg &amp; Söhne.
Mit dieser hatte die Berliner Großbank schon vor Gründung des
Deutschen Reichs als das sog. ältere badische Konsortium Staats-
Anleihen placiert.

Das anfangs nur gelegentliche und vorübergehende Zu-
sammentreten der Konsortien führt bald zu dauernder Geschäfts-
verbindung. Der Anlaß zur Konzentration ist gegeben; dieser
Konnex erwirkt dann häufig — wie dies die historische Ent-
wicklung der deutschen Banken des öfteren zeigt — eine stärkere
Annäherung der Kontrahenten und zwar immer gelegentlich eines
zu Tage getretenen größeren Kreditbedürfnisses des kapital-
schwächeren Teils, wodurch dieser meistens irgendwie in Ab-
hängigkeit von dem kapitalstärkeren gerät, die sich jedoch in den
einzelnen Fällen in den verschiedenst abgestuften Graden hält.

Unter Mitwirkung der Berliner Großbank und des Frank-
furter Privatbankhauses E. Ladenburg wurde nun in Mannheim
die Süddeutsche Discontogesellschaft A.-G. im Jahre 1905 ge-
gründet, die den gesamten Geschäftskreis der früheren Privat-
bankfirma W. H. Ladenburg &amp; Söhne in sich aufnahm. Die
direktoriale Geschäftsführung indessen verblieb fast ausschließ-
lich in den Händen der beiden in Mannheim und Frankfurt a. M.

1

35
        <pb n="41" />
        ﻿ansässigen Bankiersfamilien Ladenburg, während den Aufsichts-
ratplatz des stellvertretenden Vorsitzenden und einen weiteren
Sitz hierin die Berliner Discontogesellschaft innehatte.

Die Beweggründe, die die Herren Ladenburg veranlaßten
ihren alleinigen Einfluß aufzugeben, liegen hauptsächlich in den
damaligen Wirtschaftsverhältnissen: Dem sich gewaltig steigernden
Kredit-Bedürfnis der Industrie und des Handels Mannheims konnte
die alte Firma als Privat-Bank nicht mehr in ausreichendem
Maße gerecht werden, da sie als solche ihre Betriebsmittel nicht
beliebig vermehren kann, wie dies bei einer Aktiengesellschaft
bis zu einem gewissen Grade der Fall ist.

Um daher bez. ihrer Kapitalstärke auf ihrer bisherigen Höhe
zu bleiben und zugleich der steigenden Konkurrenz der anderen
Kredit-Banken gewachsen zu sein, sahen sie sich dem Strom
der Zeit folgend genötigt, die alte Privat-Bank umzugründen.
Das Gründungskapital der neuen A.-G. betrug 20 Mill. M., während
sie gleich zu Beginn ihrer Geschäftstätigkeit sich kommanditistisch
an dem Frankfurter Privatbankhaus E. Ladenburg mit 5 Mill. M.
beteiligte. Welche Höhe umgekehrt die Beteiligung letzteren
Bankhauses und insbesondere der Berliner Discontogesellschaft
an der Süddeutschen Discontogesellschaft A.-G. erreicht hat, geht
aus den Geschäftsberichten beider Aktienbanken nicht hervor,
obschon gerade die Kenntnis der Höhe des Aktienbesitzes
der Berliner Großbank von hohem Interesse wäre. Dadurch,
daß das Direktorium fast ausschließlich aus Mitgliedern der
Ladenburgschen Bankierfamilie bestand, konnte die junge A.-G.
die Vorteile ihrer jetzt gesteigerten Kapitalkraft verbinden mit
den Vorzügen, die eine Privatbank über korporative Bankgesell-
schaften besitzt: die eingehendste, meist persönliche Kenntnis
ihres Kundenkreises. Hierdurch war es auch gelungen, der Bank
den starken Zustrom von Depositen zu erhalten, der sie schon
vor ihrer Umgründung vor den anderen Mannheimer Banken
ausgezeichnet hatte und welchen sie eben diesem engen Personal-
konnex zwischen Bankdirektorium und dem geldgebenden Publikum
mit verdankt.

36
        <pb n="42" />
        ﻿Durch die erhöhten Betriebsmittel (Gründungskapital —
20 Mill. M. &amp; Depositenbestand — 18,2 Mill. M.) konnte sie
gleich zu Beginn ihres Geschäftsbetriebs ihren Aktionsradius
lokal erweitern. Zunächst kommanditierte sie ihr Frankfurter
Schwesterinstitut, die Firma E. Ladenburg, sodann eröffnete sie
zwei neue Filialen in Pforzheim (1, Juni 1905) und in Lahr
(1. Dezember 1905). In Mannheim selbst führte die Konzen-
trationsbestrebung im Laufe des Monats Januar zu Verhand-
lungen mit der Kommanditgesellschaft Weil &amp; Benjamin, welche
mit der völligen Angliederung dieser Firma an die Mannheimer
Zentrale enden.

Ferner wurden noch im Gründungsjahre die Geschäftsbe-
ziehungen mit der Privatbankfirma Straus &amp; Co. in Karlsruhe
angeknüpft, die sich durch die Wahl des Herrn Bankier M. A.
Straus in den Aufsichtsrat der Süddeutschen Discontogesell-
schaft A.-G. dokumentierte.

In der aufblühenden Entwicklung des jungen Unterneh-
mens findet sich noch deutlich der alte unternehmende Geist
der alten Firma Ladenburg wieder, wie er noch als Privatbank-
haus dem Mannheimer Platze durch seine umfangreichen Kredit-
gewährungen erhebliche Dienste geleistet hatte, wie überhaupt
das alte Mannheim das Emporblühen seiner Industrie und seines
Handels zu einem erheblichen Teil diesem alten Privatbankhaus
mit zu verdanken hat.

Obwohl die Bank mit ihrer zuerst gegründeten Filiale in
Pforzheim verschiedentliche Unannehmlichkeiten durch ihren
dortigen Geschäftsführer hatte, ließ sie sich nicht abhalten, sich
ein intensiv verzweigtes Filialnetz auszubauen. So eröffnete sie
bereits im zweiten Geschäftsjahr ihren Betrieb in den beiden
neugegründeten auswärtigen Niederlassungen in Freiburg i. Br.
und in Heidelberg, denen im Jahre 1907 die Errichtung der
5. Filiale in Landau-Pfalz folgte.

Hier, wie in den meisten Fällen, sucht sie bei ihren Dezen-
tralisationsbestrebungen stets Anschluß an bereits bestehende
Bankhäuser, wodurch das immer schwieriger sich gestaltende
Anfangsstadium der neu zu gründenden Filiale bedeutend er-

37
        <pb n="43" />
        ﻿V

leichtert wurde. In Landau übernahm sie den Kundenkreis der
schon seit langer Zeit mit ihr in befreundeten Geschäftsbe-
ziehungen stehenden Privatbank J. M. Bernion. Hierdurch war
gleich zu Anfang ein fester Kundenstamm gesichert und die An-
knüpfung neuer Geschäftsbeziehungen erleichtert.

Der Geschäftsbericht von 1908 erwähnt dann zum ersten
Male die Errichtung von Zahlstellen in Annweiler, Bergzabern,
Edenkoben, Germersheim, Mühlheim i./B. und Neustadt im
Schwarzwald, während noch im gleichen Jahre ihre Filialorga-
nisation eine Erweiterung erfuhr durch Übernahme des Privat-
bankhauses Jakob Bär in Bruchsal, dessen Geschäft ab 1. Jan.
1909 in eine neu errichtete Depositenkasse überging.

Ihre Landauer Filiale erhielt im folgenden Jahre bedeu-
tenden Zuwachs durch Übernahme der Pfälzischen Spar- und
Creditbank A.-G. (vorm. Landauer Volksbank) in Landau, die
mit Wirkung vom 1. Januar 1910 mit ihr vereinigt wurde. Diese
Transaktion wurde durch eine Neuemission bezüglich Umtausch
gegen die Pfälzischen Spar- und Creditbank-Aktien erwirkt.
Ihre Zahlstellen vermehrte sie in diesem Jahre durch zwei
weitere badische Plätze in Eberbach und Haslach i./K.

Verhältnismäßig sehr spät suchte sie sich in Karlsruhe
festzusetzen. Dieses lange Zögern war mitbedingt durch die
regen Geschäftsbeziehungen, die sie mit dem Karlsruher Privat-
bankhaus Straus &amp; Co. verband, dem sie eine direkte Kon-
kurrenz am Platze ersparen wollte. Jedoch erheischte die zu-
nehmende Bedeutung des Handels- und der Industrie der ba-
dischen Residenz, die zugleich vorzüglich als Beamten- und
Rentnerstadt einen verstärkten Depositenzugang und günstigen
Absatz ihrer Neuemission ermöglichte, unbedingt eine direkte
Niederlassung, die auch im Frühjahr 1911 erfolgte.

Einen vorläufigen Abschluß ihrer Expansionstätigkeit bildete
die letzte 8. Filialengründung in Worms a. Rh., sodaß sich heute
ihre Tätigkeit auf einen Aktionsradius von über 17 Plätzen er-
streckt. Ihre gleichzeitige innere Entwicklung, insbesondere der
mächtige Zuwachs ihrer Betriebsmittel, ist aus nachstehender
Tabelle zu ersehen:

38
        <pb n="44" />
        ﻿Süddeutsche Disconto-Gesellschaft A.-G,

(in 1000 M.)

Jahr	Akt.-Kap.	Reserven	Kreditoren	Debitoren
1905	20 000	144 325	18 289	33 331
1906	25 000	1 797 383	40 658	57 318
1907	31 250	1 998 482	42 930	57 373
1908	31 250	2 219 717	41 315	54 570
1909	31 250	2 549 141	51 347	62 662
1910	38 500	2 549 141	64 077	75 567
1911	46 250	3 669 102	67 038	90 116
1912	46 250	3 977 925	61 680	93 621

Reingewinn	Div.	Konzentrations-V orgänge.
1 443,2	6%	Gründung aus W. H, Ladenburg und Söhne, Mannheim durch Disconto-Ges. Berlin. 1. Filiale in Pforzheim und 2. Filiale in Lahr,
2 068,0	6%	3.	Filiale in Freiburg i./B.  4.	Filiale in Heidelberg.
2 071,9	6%	5. Filiale in Landau (Pfalz).
2 299,3	6 7»	Zahlstellen in Annweiler, Bergzabern, Germersheim, Mühlheim i./B. und Neu- stadt i,/Schw,
2 399,6	o  o  vO	Depositenkasse in Bruchsal (1910 6. Fil.)
2 809,6	6°/o	Fusion mit Pfälzischen Spar- u. Credit- bank Landau. Zahlstellen in Eberbach u. Haslach i./K.).
3 218,2	6%	Filiale in Karlsruhe, 8. Filiale in Worms a./R. Zahlstellen in Pirmasens und Schwetzingen.
3 549,8	6°/0	

Gü

vO
        <pb n="45" />
        ﻿Die Rheinische Creditbank.

Schon sehr frühzeitig zeigte das bedeutendste badische
Kreditinstitut, die Rheinische Creditbank, für die damalige Zeit
weitgehende Expansionstendenzen. Zwar mußte sie in den
ersten Monaten nach der Gründung ihrem jungen Geschäftsbe-
trieb straffe Zügel anlegen. Sie war zu ungünstiger Zeit — am
Tage der Kriegserklärung gegen Frankreich — ins Leben ge-
rufen. Die hierdurch hervorgerufene Unsicherheit der Situation
mußte sie zu besonderer Vorsicht mahnen. Jedoch konnten die
rasch folgenden Siegesbotschaften der deutschen Waffen dem
jungen Unternehmen bald wieder frische Lebenskraft bringen,
Handel und Gewerbe gewannen vonneuem Vertrauen und wurden
hierin von dem jungen Institut durch umfangreiche Kontokor-
rent- und Wechselkredite nach Kräften unterstützt. Hand in
Hand mit dem innern Ausbau ging die lokale Expansion:

Noch während des großen Krieges gelang es ihr sich in
Freiburg i/Br. durch eine Filialengründung festzusetzen. Sie er-
warb das alte Privatbankgeschäft des Herrn Sautier, das sie in
ihre erste auswärtige Filiale umwandelte. Die hierfür nötigen
Betriebsmittel wurden aus der am 1. August 1871 ein verlangten
dritten Einzahlung von 20 °/0 auf das erste Aktienkapital in
Höhe von 6 Mill. M. gewonnen (die erste Einzahlung erfolgte
auf den 15. Juli 1870 mit ebenfalls 20 °/0 und die zweite
20 °/0ige Einzahlung auf den 1, Oktober 1870, sodaß das Aktien-
kapital Ende des ersten Geschäftsjahres 3,6 Mill. M. betrug.)

Die frühen Dezentralisationsbestrebungen, welche die Ten-
denzen einer späteren weitgehenden Konzentration des Instituts
auf alle umliegenden Gebiete im Keime bereits in sich tragen,
gingen von einer Aufsichtsratsitzung der Rheinischen Credit-
bank vom 1. Juli 1870 aus. Die hier für nötig befundene lokale
Expansion wurde dadurch begründet, daß das junge Unterneh-
men schon in der kurzen Spanne Zeit seit seiner Gründung einen
enormen Aufschwung all seiner Geschäftszweige erwirkt hatte,
dank der immer zunehmenden Anzahl von Geschäftsverbin-
dungen im Kontokorrent- und Effektenkommissionsgeschäft. Den

40
        <pb n="46" />
        ﻿Aktionären der Bank hatte das erste Geschäftsjahr bereits eine
Rente von 10,06 °/o P- a. gebracht.

In den folgenden Jahren dehnte sich das junge Unternehmen
weiter aus, zunächst durch Gründung einer neuen Filiale in
Karlsruhe am 22. April 1872 und einer Niederlassung in Kon-
stanz anfangs 1873. Hierdurch war es ihr gelungen, sich nach
kaum 27ajähriger intensivster Tätigkeit in den vier wichtigsten
Handels- und Industriestädten Badens festzusetzen, um von hier
aus ihre kreditspendende Tätigkeit allmählich über das ganze
Großherzogtum und die angrenzenden Gebiete auszudehnen.
Und wie richtig es war, das Unternehmen gleich zu Anfang
auf eine breitere Basis zu stellen, zeigt das folgende Krisenjahr
1872 mit seiner nachwirkenden Depression in allen Handels- und
Industriekreisen. Das kräftige Kreditinstitut hatte bereits feste
Wurzeln in allen Teilen des Landes gefaßt, der Krisensturm
konnte ihm einen erheblichen Schaden nicht mehr zufügen.

Das Frühjahr 1874 brachte dann der Rheinischen Credit-
bank 2 weitere Niederlassungen. Zunächst nahm sie den Pfälzer
Bankverein, der ebenfalls in Mannheim seinen Sitz hatte, in sich
auf. Es war dies eine der ersten reinen Fusionen im deutschen
Bankwesen1). Sie vollzog sich, wie dies heute noch größten-
teils üblich ist, durch gegenseitigen Eintausch der Aktien der
fusionierten Bank gegen die der fusionierenden. Hiermit über-
nahm die Rheinische Creditbank gleichzeitig die Kommandite
des Pfälzer Bankvereins in Kaiserslautern, die ihr später den
Grundstock gab für ihre dortige Filiale. Die mit dieser Fusion
ebenfalls verbundene Betriebsmittelsteigerung veranlaßte sie zu
einer weiteren Kapitalserhöhung von 6 Mill. auf 12 Mill. M.,
die der Einverleibung des Pfälzer Bankvereins vorausgegangen
war und von einem Konsortium unter Beteiligung der Württem-
bergischen Vereinsbank glatt vollzogen wurde. Der Umtausch
der Aktien erfolgte dergestalt, daß das erwähnte Konsortium
die frisch emittierten Rheinischen Creditbankaktien gegen die

1) Vgl. Wallich, Konzentration im deutschen Bankwesen, S. 46,
62 und 64.

Geyer 4

41
        <pb n="47" />
        ﻿alten Pfälzischen Bankvereinsaktien im Verhältnis der damaligen
Börsenkurse umtauschte.

Selbst durch die Krise vom Jahre 1872 in ihrer Aus-
dehnung nicht gehemmt, sucht das lebenskräftige Unternehmen
in richtiger Erkenntnis der großen Bedeutung eines weitver-
zweigten Filialenbesitzes seinen Aktionsradius mehr und mehr
zu erweitern. So benutzte die Bank die Liquidation der Hei-
delberger Privatbankfirma Gebr. Zimmern, um dieses Bankhaus
in sich aufzunehmen und es in eine weitere Filiale in Heidelberg
umzuwandeln.

Über die vorteilhafte Expansionstätigkeit der Rheinischen
Creditbank äußert sich diese in ihrem Jahresbericht vom Jahre
1874 folgendermaßen:

„So haben wir jetzt Filialen in Karlsruhe, Konstanz,
Freiburg, Heidelberg und eine Kommandite in Kaisers-
lautern, und erstrecken hiermit unsere Wirksamkeit
über das ganze Land. Die günstige Aufnahme, die unser
Institut überall findet, wo es seine Tätigkeit entfaltet,
ist ein Beweis hierfür, daß es den Interessen des Handels
und der Industrie in richtiger Weise dient .... Die
Ausdehnung, die somit unsere Anstalt in der verhältnis-
mäßig kurzen Zeit ihres Bestehens gewonnen, die fast
2000 Verbindungen, mit welchen sie einen fortdauernden
und ersprießlichen Verkehr unterhält, sprechen am be-
redtsten für die Bedeutung, die sie für die einheimische
Volkswirtschaft hat“.

Die der großen Krise folgenden Jahre brachten dem In-
stitut zum Teil erhebliche Verluste (besonders Mitte der 70er
Jahre bei ihrer Konstanzer Filiale) und beeinträchtigten so ent-
sprechend der gesamten damaligen Wirtschaftslage alle Expan-
sionsbestrebungen für eine kurze Spanne Zeit, was auch haupt-
sächlich durch die in den 70er und 80er Jahren bestehende
allgemeine Stagnation der deutschen Volkswirtschaft bedingt
war. Es gelang dann der Rheinischen Creditbank erst zu
Beginn der 90er Jahre ihren Geschäftskreis wieder lokal zu

42
        <pb n="48" />
        ﻿erweitern. Verhältnismäßig spät wurde die durch ihre gold-
verarbeitende Industrie weit über Deutschlands Grenzen bekannte
Stadt Pforzheim in erhöhtem Maße in ihre Interessensphäre
einbezogen; mit Wirkung vom 1. Januar 1894 beteiligte sich
die Rheinische Creditbank kommanditarisch an der Pforzheimer
Bankfirma Julius Kahn &amp; Co. in Pforzheim.

Die letzten Jahre des vorigen Jahrhunderts mit ihrer
Hochkonjunktur brachten dann der Rheinischen Creditbank
wiederum große Erweiterungen, sowohl durch innere Entwicklung,
als auch weiterhin besonders durch äußere Angliederung und
Erwerb alter schon bestehender Bankfirmen. Die Gesamtum-
sätze der Rheinischen Creditbank konnten sich vom Jahre 1896
bis 1900 mehr als verdoppeln, was hauptsächlich durch die in
diesen Jahren gesteigerte Filialbildung und Kommanditierung
auswärtiger Bankhäuser bewirkt wurde.

So erfolgte am 1. Oktober 1897 die Übernahme des alt-
renommierten 1856 gegründeten Bankgeschäftes der Herren
G. Müller und Cons., großherzogl. badischen Hofbankiers in
Karlsruhe und Baden-Baden und die damit zusammenhängende
Gründung einer neuen Filiale in Baden-Baden (das Karlsruher
Geschäft wurde der dort schon bestehenden Filiale angegliedert).
Bei deren Errichtung wurde das Privatbankgeschäft von Franz
Funk vorm. Gebr. Wolf in B.-Baden zugleich mit aufgenommen.
Hand in Hand hiermit ging eine weitere Kapitalserhöhung von
18 Mill. auf 20 Mill, M.

In dem darauf folgenden Jahre wurde die Kaiserslauterer
Bank vorm. Böcking, Karcher &amp; Co. in Kaiserslautern fusioniert
mit einem Kapitalaufwand von nahezu 3 Mill. M., während zu
gleicher Zeit in Saarbrücken die Privatbankfirma G. F. Grohe
— Henrich &amp; Co. mit 2 Mill. M. kommanditiert wurde. Eine
weitere Betriebsmittelsteigerung benötigte diese Expansion durch
die Kapitalserhöhung von 9,9 Mill. auf 30 Mill. M.

Aber die Expansionsfähigkeit der kräftig sich entwickelnden
Bank war damit noch lange nicht erschöpft. Das Jahr 1899,
das für die Entwicklung der Bank eines der lebhaftesten und in
seinen inneren wie äußeren Geschäftserfolgen eines der bedeu-
        <pb n="49" />
        ﻿tungsvollsten war, brachte auch eine überraschende Fülle neu
gegründeter Filialen,

Die Ortenauer Creditbank A.-G. in Offenburg, mit welcher
die Rheinische Creditbank schon seit einer Reihe von Jahren in
Geschäfts-Beziehungen stand, mußte im Frühjahre 1899 liqui-
dieren. Sie wurde von dem Mannheimer Institut aufgekauft
und zugleich unter Übernahme ihrer sämtlichen Aktiven und
Passiven und den noch vorhandenen Reserven in eine neue
Filiale in Offenburg umgewandelt. Genau ein Vierteljahr später
wurde die Bankkommandite Kaufmann, Engelhorn &amp; Co, in
Straßburg i/E., ein altrenommiertes Bankhaus, dessen Gründung
in die Zeit des deutsch-französischen Krieges reicht, erworben.
Die beiden persönlich haftenden Gesellschafter derselben wurden
zu Direktoren ihrer gleichzeitig dort eröffneten Filiale ernannt.
Die dritte neue Filiale dieses Jahres wurde in Lahr (Baden)
durch Übernahme der alten Bankfirma: „Lahrer Creditbank Carl
Bader &amp; Co,11 errichtet, da deren Hauptteilhaber kurz zuvor
gestorben war. Zuletzt gelang es dann dem Institut ihrer in
B.-Baden bestehenden Filiale einen neuen Geschäftszuwachs
dadurch zuzuführen, daß sie das alte dortige Privatbankgeschäft
Strohmeyer übernahm.

Wie in früheren Jahren, so war auch diesmal immer nur
in engster Verbindung mit einer lokalen Expansion oder einer
tatsächlichen intensiveren Erweiterung der Geschäftsorganisation
eine Erhöhung des Aktienkapitals verbunden. Den großen
Fehler, den manches nicht streng solid geleitete Bankinstitut
dadurch begeht, daß nur bei vorübergehenden Hochkonjunkturen
für ein hierzu erhöhtes Betriebskapital Verwendung gesucht
wird, hat die Rheinische Creditbank vermieden. Stets ist bei
ihr die Ausdehnung ihrer Geschäftsbasis einer Kapitalserhöhung
vorausgegangen oder doch gleichzeitig eng anschließend hieran
eingetreten. Dies kann aus der angeschlossenen Tabelle deutlich
ersehen werden.

So bedingten auch die Errichtung der beiden oben er-
wähnten neuen Niederlassungen in Straßburg und in Lahr (Baden),

44
        <pb n="50" />
        ﻿eine Neuemission junger Aktien im Betrage von 10000800 Mk.,
so daß sich das Aktienkapital bis ersten Oktober 1899 auf rund
40 Mill. erhöhte.

In dem Geschäftsbericht für 1900 kündigt die Rheinische
Creditbank bereits eine neue in den Mannheimer Industrie-
kreisen ziemlich aufsehenerregende Fusion mit der alt angeses-
senen Aktiengesellschaft „Mannheimer Bank" an. Hier wurde
eine für die neueren Konzentrationsbestrebungen im deutschen
Bankwesen charakteristische Form gewählt. Das fusionierte
Unternehmen behält von nun an eine gewisse formelle Selb-
ständigkeit, die jedoch nur rein äußerlich zur Geltung kommt.
Dieser moderne Modus war erstmals von der Direktion der
Disconto-Gesellschaft gewählt worden, gelegentlich der Fusion
dieser Großbank mit der Norddeutschen Bank zu Hamburg im
Jahre 1896. Er birgt zweifellos große Vorteile in sich, wie dies
aus vorliegender Fusion (Rheinische Creditbank — Mannheimer
Bank) effektiv hervorgeht:

Dadurch, daß die Firma Mannheimer Bank, die bereits seit
1868 bestand und sich durch einen festen Kundenstamm in
Mannheim eingebürgert hatte, erhalten blieb, wurde eine Ver-
minderung resp. ein direkter Abzug des alten Kundenkreises
hintangehalten, wie dies erfahrungsgemäß beim vollständigen
Erlöschen einer alten Firma stets zu beobachten ist. Der völ-
ligen Übernahme des fusionierten durch das fusionierende Unter-
nehmen am selben Platze stehen verschiedenerlei Hindernisse
technischer und verwaltungstechnischer Natur entgegen, einmal
durch Vergrößerung der inneren Betriebseinrichtungen, dann
hauptsächlich aber durch die hierdurch bedingten Erweiterungs-
oder Neubauten der Bankgebäude (Vergrößerung der Tresoran-
lagen etc.), ganz abgesehen von den Schwierigkeiten, die in dem
lokalen Bankbetrieb durch die plötzliche Aufnahme eines großen
Kundenkreises entstehen. (Ein Ausweg hätte sich noch geboten
durch Umwandlung der Mannheimer Bank in eine direkte Filiale.
Dem steht aber das deutsche Aktiengesetz entgegen, wonach
einer A.-G. eine Zweigniederlassung am selben Orte nicht zu-
steht.)

45
        <pb n="51" />
        ﻿Um allen diesen Schwierigkeiten zu entgehen, wurde die
Mannheimer Bank unter der alten Firma mit einem Aktien-
kapital von 1 Mill. M, neu gegründet. Die sämtlichen Aktien
verblieben im Besitze der Rheinischen Creditbank.

Über die historische Entwicklung dieses fusionierten Instituts
ist zu erwähnen, daß es bereits 1868 als Genossenschaft für den
kleineren und mittleren Gewerbestand Mannheims unter der
Firma Mannheimer Volksbank gegründet wurde. Um dem wach-
senden Kapitalbedürfnis, das mit der Höhe der genossenschaft-
lichen Geschäftseinlagen nicht mehr korrespondieren konnte,
gerecht zu werden, wurde das Bankhaus im Jahre 1884 in eine
A.-G. umgewandelt. Sie war seit ihrem Bestehen keinen Ex-
pansionstendenzen zugänglich gewesen und hat immer an ihren
Prinzipien strengster Zentralisation auf den Mannheimer Platz,
die sie wohl aus ihrer Genossenschaftszeit noch ererbt hatte,
festgehalten.

1893 änderte sie dann ihre Firma in die „Mannheimer
Bank" um, als welche sie bis 1900 selbständig bestand. Nach
ihrer in diesem Jahre erfolgten Fusion wurde ihr ihre alte
Firma belassen; intern wird sie jedoch von der Rheinischen
Creditbank wie alle auswärtigen Niederlassungen als Filiale be-
handelt. Um zugleich die Betriebskapitalien auf der gleichen
Höhe zu halten, mußte die Mannheimer Bank mit einer stän-
digen Dotation von 5 Mill. M. von ihrem Mutterinstitut ausge-
stattet werden. Das Aktienkapital der Mannheimer Bank in
Höhe von 6 Mill. M. wurde gegen die in gleicher Höhe emit-
tierten jungen Aktien der Rheinischen Creditbank unter Zu-
zahlung von 10 °/0 glatt umgetauscht.

Diese Fusion zeigt, wie dies meistens bei Bankkonzentra-
tionsvorgängen der Fall ist, wie beide Teile, der stärkere wie
der schwächere, aus der Transaktion ihren Vorteil ziehen kön-
nen; der frühere Aktionär der Mannheimer Bank tauscht mit
seinem Aktienbesitzwechsel auch gleichzeitig eine bis zu einem
gewissen Grade gesichertere Rente ein. Denn man kann als
einigermaßen sicher annehmen, daß der Reingewinn einer Aktien-
bank mit großen Betriebsmitteln und ausgedehnterer Geschäfts-

46
        <pb n="52" />
        ﻿basis prozentual zum Aktienkapital keinen so großen Schwan-
kungen unterworfen ist, als dies bei lokal beschränkten Banken
mit geringen Betriebsmitteln der Fall ist. Je geringer das Aktien-
kapital, umso eher kann ein einzelner Verlust im Gewinn- und
Verlustkonto der betreffenden Bank ein für den Aktionär
empfindliches Moment bilden.

Ein Beweis hierfür gibt eben im Banken-Konzentrations-
prozeß der letzten Dezennien die Tatsache ab, daß gerade die
kapitalschwachen Elemente unter den badischen Bankinstituten
den großen Wirtschaftskrisen erlagen. Obschon die Mannheimer
Bank mit ihrem 6 Mill. M. betragenden, voll eingezahlten Aktien-
kapital und mit ihrem alten festen Kundenstamm für die damalige
Zeit durchaus nicht zu den kapitalschwachen Aktienbanken ge-
zählt werden darf, so zeigt sich doch in der der Fusion einige
Jahre später folgenden Krise, daß sie in mehrere verlust-
bringende Engagements verwickelt war, die dann der Rhei-
nischen Creditbank als Rechtsnachfolgerin Veranlassung gab,
auf Grund mehrerer nicht mehr vollständig gesicherter Konten
der Mannheimer Bank umfangreiche Abschreibungen vorzuneh-
men.

Hätte die Mannheimer Bank noch isoliert dagestanden,
wie 3 Jahre zuvor, so hätte ihr der bekannte Zusammenbruch
der Rheinaugesellschaften, bei denen sie durch den Konkurs der
A.-G. für chemische Industrie stark in Mitleidenschaft gezogen
war, nicht nur in ihrem Erträgnis einen gewaltigen Abbruch
getan, ja ihre ganze Existenz wäre sicherlich gefährdet gewesen.

Während der Reingewinn der Rheinischen Creditbank nach
Abzug des Erträgnisses der Mannheimer Bank von 4,5 Mill. M.
im Jahre 1901 auf 3,98 im Jahre 1902 — 12 °/0 sank, differiert
das Reinerträgnis der Mannheimer Bank in derselben Periode
um ca. 38 °/0 (89600 M. im Jahre 1901 gegen 55500 M. im
Jahre 1902). Zugleich'mußten 215000 M. bei ihr für Rückstellung
für die fallierte A.-G. für chemische Industrie und für solche
Konten, die sich in der Krisenzeit verschlechtert hatten, ver-
wendet werden, was bei der geringen Höhe ihrer Betriebsmittel

47
        <pb n="53" />
        ﻿

umsomehr ins Gewicht fallen mußte. Aus all dem ist ersichtlich,
daß die Mannheimer Bank allein nur unter erheblichen Schwie-
rigkeiten die Krise von 1902 überstanden hätte und noch
während dieser oder doch kurze Zeit nachher den Konzentra-
tionsbestrebungen im deutschen Bankwesen unter dann selbst-
verständlich viel ungünstigeren Bedingungen zum Opfer gefallen

wäre.

Nach einer neuesten Reichsgerichtsentscheidung wird sogar
dem Vorstand einer Aktiengesellschaft Antwortsverweigerung
auf Anfragen einzelner Aktionäre in der Generalversammlung
direkt zugesprochen:

„Für Aktiengesellschaften muß der Gedanke an ein Indi-
vidualrecht auf Auskunftserteilung mit Entschiedenheit abge-
lehnt werden. Rechte dieser Art sind vom Gesetzgeber aus
wohl erwogenen Gründen nur in ganz beschränkter Anzahl an-
erkannt.

Der anfragende Aktionär hat sich zunächst an die Ge-
neralversammlung zu wenden und zu beantragen, daß diese
die Stellung der Frage beschließt. Wird beschlossen, die bean-
tragte Frage nicht zu stellen, so hat sich der Aktionär in der
Regel damit zu bescheiden."

Die Nachteile, die sich bei der Fusion der Mannheimer
Bank in die Rheinische Creditbank nach Eustach Mayr1) für
den Aktionär der ersteren dadurch ergeben, daß sein Einfluß
auf die Geschäftsführung der Rheinischen Creditbank äußerst
gering geworden sei, „während bisher die Aktionäre der Mann-
heimer Bank inbezug auf die Geschäftsleitung dieser alles ge-
wesen seien“, dürften wohl kaum in Betracht zu ziehen sein.
Da von Einfluß eines Aktionärs auf die Geschäftsgebahrung
einer A.-G. in der heutigen Praxis kaum mehr gesprochen
werden kann. Letztere besteht eigentlich nur noch formell
durch Abstimmung in der Generalversammlung vor Zustande-
kommen der allerwichtigsten Transaktionen. Ferner stehen dem
Aktionär nach Aktienrecht Anfragen zur Informierung über Ge-
ll Eustach Mayr, Kapitalbedarf und Kapitalbeschaffung der Industrie
etc. In Heidelberger volkswirtschaftlichen Abhandlungen I. Bd. 2. Heft.

48
        <pb n="54" />
        ﻿schäftsgang, Pläne und Aussichten des Unternehmens in der
Generalversammlung zu. Jedoch werden die Antworten hierauf
von Seiten des betreffenden Aufsichtsrats- oder Direktionsmit-
glieds, wo dies nötig erscheint, meist so undurchsichtig und ver-
klausuliert gegeben, daß dem Aktionär (der in den häufigsten
Fällen dazu noch ein Laie im Bankfach ist) in keiner Weise ge-
dient sein kann. Der einzige Faktor, der hier Wandel schaffen
kann und bis zu einem gewissen Grade dies auch schon getan
hat, ist die Presse.

Über die Krisenjahre zu Beginn des neuen Jahrhunderts
enthielt sich dann die Rheinische Creditbank jeder weiteren
lokalen Expansion (der Beginn der Verhandlungen zwecks Fusion
der Mannheimer Bank fallen noch in das Jahr 1900).

Erst das Jahr 1903 brachte dann dem Institut eine lokale
Erweiterung ihrer Machtsphäre bei ihrer alten Stammfiliale in
Freiburg i/Br. Diese nahm auf den 31. Dezember 1903 das
alte und in den weitesten Kreisen bekannte, angesehene Privat-
bankgeschäft Gebr. Kapferer daselbst in sich auf. Nach HOjäh-
rigem Bestehen ist dieses Bankhaus den Konzentrationsbestre-
bungen im Bankgewerbe zum Opfer gefallen und wurde mit
sämtlichen Aktiven und Passiven und seinem gesamten Kunden-
kreis von der dortigen Filiale aufgesogen, die gleichzeitig äußerlich
ihren Machtzuwachs durch Bezug ihres monumentalen Bankneu-
baus dokumentierte.

Ein Höhepunkt badischer Bankenkonzentrationsbestrebungen
ist dann im Jahre 1904 zu verzeichnen, woselbst die Rheinische
Creditbank eine mächtige äußere Entwicklungsstufe erreichte.
Schon 1903 wurden Verhandlungen mit der Credit- und Depo-
sitenbank in Zweibrücken (Pfalz) gepflogen zwecks Übernahme
dieses Instituts. Anfang des kommenden Jahres ist dann beider-
seits ein Vertrag unterzeichnet worden, laut dessen letzteres
Unternehmen von der Rheinischen Creditbank fusioniert und
zugleich in eine Filiale umgewandelt wurde. Ihre Niederlassung
in Neunkirchen übernahm die Rheinische Creditbank als Agentur.
Durch diesen Machtzuwachs mußte das Aktienkapital erneut um
4 Mill. M. auf 40 Mill. M. erhöht werden. Dieser Fusion gehen

49
        <pb n="55" />
        ﻿schon Jahrzehnte währende Geschäftsverbindungen beiderBanken
voraus, wodurch diese Transaktion bedeutend erleichtert wurde.
Aber in die bedeutungsvollste Phase ihrer Entwicklung
trat die Rheinische Creditbank mit Jahresende 1904 ein; unter
dem 17. November d. J. wurde nach kurzen Verhandlungen die
Oberrheinische Bank Mannheim unter gleichzeitiger Mitwirkung
der Deutschen Bank in Berlin im Wege der Fusion von der
Rheinischen Creditbank übernommen. Im Zusammenhang hier-
mit beteiligten sich die Rheinische Creditbank und die Deutsche
Bank mit je 2 Mill. M. an der Süddeutschen Bank zu Mannheim
(Gesamtkapital 10 Mill. M.) Den Abschluß all dieser Konzen-
trationsmomente bildet das Zustandekommen der bekannten be-
freundeten Beziehungen zwischen der Berliner Großbank und dem
Mannheimer Institut, die sich in einem freundschaftlichen Ge-
schäftsverhältnis beider Banken äußern. Die Rhein. Creditbank
berichtet hierüber, daß sie hierbei ihre Selbständigkeit voll
gewahrt habe. Extern fanden diese Beziehungen ihren Aus-
druck in dem Eintritt zweier Direktoren der Deutschen Bank
in den Aufsichtsrat der Rheinischen: des Kommerzienrats Rudolf
von Koch und Ludwig Roland-Lücke, während gleich darauf
der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Rheinischen Creditbank,
Geh. Kommerzienrat Dr. phil. C. Reiß und der erste Direktor
dieser Bank Dr. jur. Brosien in den Aufsichtsrat der Deutschen
Bank gewählt wurde. Daß jedoch die Deutsche Bank bestrebt
sein wird, auf die Geschäftsführung des Mannheimer Instituts
womöglich Einfluß zu gewinnen, darf wohl mit ziemlicher Sicher-
heit angenommen werden. Inwieweit es ihr bis heute gelungen
ist, dies zu erreichen, darüber lassen sich allerdings nur Ver-
mutungen aussprechen. Wieweit ferner der Aktienbesitz der
Deutschen Bank an der Rheinischen einen direkten Einfluß
in der Generalversammlung zulassen kann, hierüber lassen
sich ebenfalls sichere Zahlen schwer anführen. Von einer
Aktienmajorität jedoch (wie dies z. B. bei der Bergisch-
Märkischen Bank der Fall ist) ist der Aktienbesitz der Deutschen
Bank noch weit entfernt, sodaß die Wahrung der äußeren
Selbständigkeit auf absehbare Zeit gesichert ist.

50
        <pb n="56" />
        ﻿Solange sich auch die Rheinische Creditbank in dem der-
zeitigen kräftigen Stadium befindet, wird sie bei ihrem großen
Aktienkapital1), das weit verzweigt und größtenteils als feste
Kapitalsanlage in sicheren Händen sich befindet, die Wahrung
ihrer Selbständigkeit auch weiterhin erfolgreich durchführen
können. Hierzu tragen auch die kräftigen sichtbaren und un-
sichtbaren Reserven sowie die seit Jahrzehnten geübte vorsich-
tige Dividendenpolitik wesentlich bei.

Die Fusion mit der Oberrheinischen Bank vollzog sich
glatt. Das 20 Mill. M. betragende Aktienkapital wurde gegen
15 Mill. M. junge Creditbankaktien umgetauscht, während gleich-
zeitig das Aktienkapital der Rheinischen um weitere 5 Mill. M.,
insgesamt um 20 Mill. M. auf 70 Mill. M. erhöht wurde. Die
restlichen 5 Mill, M. verwandte sie teils zu der bereits er-
wähnten dauernden Beteiligung an der Süddeutschen Bank
(2 Mill. M.), teils zur Kräftigung ihrer Betriebsmittel.

*	Das wesentliche Moment für die badische Bankenkonzen-

tration bei obiger Fusion besteht darin, daß die Rheinische mit
Einverleibung der Oberrheinischen Bank einen schon in sich
,	mächtig ausgedehnten Bankenkomplex aufnimmt; während bisher

ein Institut nach dem andern dem durch die Konkurrenz der
stärkeren Aktienbanken schon längst überflügelten badischen
Privatbankierstand abgerungen werden mußte, gelingt es hier,
durch einen einzigen Prozeß ein schon in sich konzentriertes
Bankensystem zu assimilieren.

Die Oberrheinische Bank hatte zur Zeit ihres Aufgehens
in die Rheinische ein ausgedehntes Filialnetz, das sich über
ganz Baden und die bayrische Pfalz ausdehnte. Im Laufe eines
Jahrzehnts, 1894—1904, (seit Anlehnung an die Deutsche Bank)
„	hatte sie sich, Mannheim eingeschlossen, 10 Stützpunkte für den

Kreis ihrer Tätigkeit erschlossen, ebenfalls meist unter Auf-
saugung von älteren Privatbankgeschäften. Die Darstellung der
Entwicklung dieser starken Dezentralisationstendenzen enthal-

1) Was die Höhe des eingezahlten Aktienkapitals anbelangt, steht die
Rhein. Creditbank an 8. Stelle sämtlicher Deutschen Kreditbanken, an 2. Stelle
unter den sog. Prorinzbanken.

51
        <pb n="57" />
        ﻿tenden Bankorganisation bietet für sich einen interessanten Bei-
trag zur Geschichte des badischen Bankwesens, der bereits in
einem früheren Abschnitt behandelt ist.

Mit der Einverleibung der Oberrheinischen Bank ging Hand
in Hand die Übernahme ihrer inneren Geschäftsbeziehungen.
Außer der bereits erwähnten Anlehnung an die Deutsche Bank,
die die Oberrheinische Bank in eine von einem Filialenverhältnis
nich t mehr sehr entfernten Abhängigkeit von ihr gebracht hatte,
stand die Oberrheinische Bank seit 1899 in einem Freund-
schaftsverhältnis mit der Schweizerischen Creditanstalt in Zürich,
das mit der Fusion ab 1. Januar 1905 auf die Rheinische Credit-
bank überging. Obwohl diese freundschaftlichen Beziehungen
zu dem Schweizerischen Creditinstitut beiderseitig eine will-
kommene Erweiterung der Geschäftsbasis bedeuten, so tragen
sie doch keine so starken konzentrationstechnische Tendenzen
für das badische Institut in sich, wie das Freundschaftsver-
hältnis zu der Deutschen Bank. Rein äußerlich dokumentiert
sich dies schon aus der Wahl nur eines Aufsichtsratmitgliedes
aus dem Direktorium der Schweizerischen Creditanstalt in den
Aufsichtsrat der Rheinischen, des Herrn Bankdirektors W. C.
Escher.

Auch bei dieser Interessengemeinschaft mit der Deutschen
Bank tritt es deutlich zu Tage, daß jeder Zusammenschluß
wirtschaftlicher Elemente im Bankgewerbe einen ökonomischen
Vorteil mit sich bringt. Denn die Deutsche Bank machte bei
der Fu sion der Oberrheinischen Bank in die Rheinische Credit-
bank ebenfalls einen guten Tausch. Wohl mußte sie ihren do-
minierenden Einfluß, den sie auf die Oberrheinische Bank aus-
zuüben imstande war, zu einem großen Prozentsatz fallen lassen.
Es ist ihr aber hierfür gelungen, an Stelle der durch die Wirt-
schaftsk rise anfangs des Jahrhunderts stark mitgenommenen
Provinzbank ein großes, den Kapitalmarkt Badens und der an-
grenzenden Gebiete in hohem Grade beherrschendes erstklassiges
Institut in ihre Interessensphäre zu ziehen. Inwieweit es jedoch
die Rheinische Creditbank erreicht hat, den damals von der
Deutschen Bank auf die Oberrheinische Bank ausgeübten starken

52
        <pb n="58" />
        ﻿Einfluß nach der Fusion ganz von sich abzuschütteln, darüber
kann erst die Zukunft Gewißheit bringen. Bemerkenswert zu
diesem Punkte ist noch, daß die Rheinische bei der Einverlei-
bung der Oberrheinischen Bank größtenteils auch deren bisher
im Interesse der Deutschen Bank arbeitende Direktionsmitglieder
mitübernommen hat, wie dies schon aus rein praktischen Gründen
fast immer der Fall ist. So mußten im Jahre 1903, wohl ver-
anlaßt durch die großen Rheinauverluste, 2 Direktoren der
Oberrheinischen Bank aus dem Zentraldirektorium austreten;
anstelle derer trat ein Direktor der Bergisch-Märkischen Bank
zu Elberfeld1), was auf ein Diktum der Deutschen Bank sicher-
lich zurückzuführen ist.

Durch die völlige Übernahme der Oberrheinischen Bank
erzielte die Rheinische gewaltige Gewinne interner und externer
Natur. Ganz abgesehen von dem moralischen Plus an Macht,
Einfluß und Vertrauen der Kundschaft, das mit jeder Betriebs-
erweiterung verbunden ist, konnte die Rheinische 2,4 Mill. M,
aus dem Fusionsgewinn dem Delkrederekonto überweisen,
während sie den Rest des aus der Transaktion stammenden
Buchgewinnes unter vorsichtiger Bewertung der Aktiven zu
Rückstellungen und Abschreibungen verwendete. Die Zentrale
der Oberrheinischen Bank wurde mit der Rheinischen Creditbank
lokal vereinigt. In dem früheren Bankgebäude der Oberrhei-
nischen in Heidelberg wurde neben der bereits bestehenden
Filiale eine Depositenkasse errichtet. Die Niederlassungen in
Freiburg i,/B. und Straßburg i./E. wurden in die dortigen
Filialen der Rheinischen aufgenommen; ferner betrieb die Rhei-
nische die Niederlassung in Rastatt als neue Agentur und in
Bruchsal als Depositenkasse weiter. Die Niederlassung in Mül-
hausen i./E. wurde ebenfalls als neue Filiale weitergeführt.

Im Jahre 1906 konnte sich die Rheinische weiter dezen-
tralisieren durch die definitive Übernahme des seit 1904 von
ihr kommanditierten Privatbankgeschäfts Julius Kahn &amp; Co. in
Pforzheim. Den diesbezüglichen Verhandlungen, die schon seit

1) Ein überwiegend unter dem Einfluß der Deutschen Bank stehendes
Bankinstitut.

53
        <pb n="59" />
        ﻿einer Reihe von Jahren schwebten, standen deshalb erhebliche
Schwierigkeiten gegenüber, weil das 1864 gegründete Pforzheimer
Institut zugleich von der Württembergischen Vereinsbank seit
1877 und von der Deutschen Vereinsbank in Frankfurt seit 1894
mit kommanditiert wurde. Da beide Konkurrenten augenschein-
lich darnach strebten, durch ihre Beteiligung an der Pforzheimer
Privatbank in dem durch sein bedeutendes goldverarbeitendes
Gewerbe wichtigen badischen Industrieplatz festen Fuß zu fassen,
bedeutet die durch Vertrag vom 26. November 1906 zustande-
gekommene Fusion einen Sieg der Rheinischen Creditbank über
das Stuttgarter und Frankfurter Institut. Die Übernahme voll-
zog sich leicht, da bei dem Mutterinstitut die inneren Ver-
hältnisse der zu übernehmenden Bank sowohl inbezug auf ihren
Geschäftsumfang als auch bezüglich der Kreditwürdigkeit der
Kundschaft durch das über 10 Jahre bestehende Kommandit-
verhältnis bekannt waren. Es konnte deshalb bei der Bewer-
tung der zu übernehmenden Aktiven und Passiven mit absolut
sicheren Zahlen gerechnet werden. Zur Durchführung dieser
Transaktion wurde das Aktienkapital um weitere 5 Mill. M. auf
75 Mill. M, erhöht. Aus den hieraus erzielten Betriebsmitteln
wurden zum Teil die Abfindungen an die früheren Besitzer des
Instituts sowie die gekündigten Kommanditbeteiligungen der
Württembergischen Vereinsbank und der Deutschen Vereinsbank
ausgezahlt. Als äußeren Abschluß der Transaktion und gleich-
zeitig als Äquivalent für die abgetretene Kommandite wurde
Herr Adolf Kahn und Herr Dr. H. Steiner von der Württem-
bergischen Vereinsbank in den Aufsichtsrat der Rheinischen
gewählt. Noch in demselben Jahre erhält die Konstanzer Filiale
einen beträchtlichen Zuwachs durch die Übernahme des im Jahre
1845 gegründeten altangesehenen Privatbankhauses A. Sulzberger
in Konstanz.

Ein Beispiel der segensreichen Wirkung, welche die ziel-
bewußten Konzentrationstendenzen einer in sich erstarkten
Provinzbank haben können, zeigt der Aufsaugungsprozeß der
Gewerbebank Speyer A.-G. im Jahre 1907, Diese Bank war
durch den Konkurs der Firma Mager daselbst, bei der sie durch

54
        <pb n="60" />
        ﻿zahlreiche hohe Kredite stark engagiert war, ins Wanken
geraten. Eine Katastrophe drohte, die nicht nur die Aktionäre
in ihrem Besitze schwer geschädigt hätte (das Aktienkapital der
Gewerbebank betrug nom. 1500000 M. = 1500 Stück Aktien
mit 50 % Einzahlung), sondern auch für den gesamten Kunden-
kreis, der sich über den Speyrer Platz hinaus ausdehnte, ver-
hängnisvoll geworden wäre. Von seiten der Rheinischen Cre-
ditbank wurde die Gefahr rechtzeitig beseitigt durch Aufnahme
des defekten Instituts unter Übernahme der Kreditoren und des
größten Teils der Debitoren. Gleichzeitig wurde eine neue
Filiale an Stelle der aufgelösten Bank errichtet. Die Gewerbe-
bank Speyer trat in Liquidation.

Durch dieses Einspringen in die schon aufs äußerste ge-
fährdete Bresche wurde dem Ruin vieler wirtschaftlich be-
rechtigter Existenzen vorgebeugt, was von seiten der bayrischen
Regierung dankend anerkannt wurde. Daß andererseits auch
die Rheinische Creditbank ihre Interessen zu wahren gewußt
hat, geht aus den diktatorischen Übernahmebedingungen hervor,
die zugleich die gefährdete Stellung der übernommenen Bank
beleuchten. Von dem reellen Aktienwert wurde den alten Ak-
tionären nur noch 10 % von der Rheinischen Creditbank ver-
gütet, falls sie es nicht vorzogen, auf 2 alte Gewerbebankaktien
ä 1000 M. 1 Rheinische Creditbankaktie in derselben Höhe,
10 % unter dem Tageskurs, zu beziehen. Ferner wurden auf das
mit 80000 M. zu Buch stehende übernommene Bankgebäude
weitere 25000 M zu Gunsten der Aktionäre der liquidierten
Bank gezahlt.

Wie vorauszusehen war, mußte die junge Niederlassung
anfänglich mit vielen Störungen und großen Unbequemlichkeiten
kämpfen, die aber dank des starken Rückhalts an der Zentrale
jn Mannheim bald überwunden wurden. Die Speyrer Filiale
bildete in den folgenden Jahren neben den Niederlassungen in
Pirmasens und Zweibrücken einen neuen wichtigen Stützpunkt
ihrer Geschäftsbeziehung in der bayrischen Pfalz, welche seit
Beginn des neuen Jahrhunderts immer mehr in den Aktionsradius
des badischen Kreditinstituts gezogen wurde.

55
        <pb n="61" />
        ﻿Im Großherzogtum Baden hatte die Rheinische Creditbank
nach all den besprochenen Aufsaugungsprozessen privater oder
defekt gewordener Bankhäuser an jedem wichtigen Handels-
und Industrieplatz ihre Niederlassungen mit Ausnahme des
badischen Scharzwaldes, der durch seine Uhren- und Maschinen-
industrie bis in die heutigen Tage einen wichtigen Teil der
badischen Volkswirtschaft bildet. Dies waren die einzigen
Landesteile, in die ihre Kapital- und Machtsphäre bis dahin
noch nicht gedrungen war1). Hier war bisher der Schwarz-
wälder Bankverein A. G. in Triberg mit seinen 4 Niederlassungen
in Villingen, Furtwangen, Lörrach und Zell i. W. Alleinherrscher.
Er war entstanden aus einer rührigen Genossenschaft der kleinen
Schwarzwaldstadt Triberg. Die genossenschaftlichen Strömungen,
die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts von Schultze-De-
litzsch, dem genialen Gründer des deutschen Genossenschafts-
wesens, ausgingen, durchdrangen in jener Zeit alle deutschen Gaue
und faßten auch im hohem Schwarzwald festen Fuß in dem
bereits am 23. Dezember 1867 gegründeten Vorschußverein
Triberg.

Die 1869 gebaute Schwarzwaldbahn brachte der damals
noch in bescheidenen Anfängen stehenden Schwarzwälder In-
dustrie neue Belebung und verhalf dadurch auch dem jungen
Bankinstitut zu einer gewaltigen Steigerung seines Geschäfts-
verkehrs.

1889 wurde dann das Unternehmen in eine A.-G, umge-
wandelt, ebenfalls wieder um dem wachsenden Kapitalbedarf
abzuhelfen mit einem zunächst eingezahlten Aktienkapital von
300 000 M., das dann rasch hintereinander auf 1 Mill. M. erhöht
wurde. Bald hernach eröffnete sie ihre erste auswärtige Nieder-
lassung in Villingen als Agentur, der dann im Jahre 1897 eine
weitere Dezentralisation durch eine Filiale in der industrie- und
gewerbsreichen Industriestadt Furtwangen, unter gleichzeitiger
Übernahme der in Liquidation getretenen Furtwanger Bank,
folgte. Das Aktienkapital hatte sich unterdessen auf 4 Mill. M.

1) Eine geringe kommanditarische Beteiligung seit 1901 bestand bei
dem Bankgeschäft der Herren B. Burger &amp; Co. in Wolfach.

56
        <pb n="62" />
        ﻿erhöht. Der flotte Geschäftsgang der Jahre 1897/98 ermunterte
die Bankleitung zu einer weiteren Expansion durch Einbeziehen
der im Wiesental gelegenen wichtigen Industriestädte Lörrach
und Zell i. W. in ihren Geschäftsbereich. In beiden Städten
wurden neue Filialen errichtet; bei letzterer zugleich unter
Übernahme des in Liquidation geratenen Spar- und Vorschuß-
vereins Zell i, W. Bei all diesen Niederlassungen hatte das In-
stitut nach seinen Geschäftsberichten gesteigerte Umsätze und
gute Erfolge erzielt. Zwei Geschäftsstellen in Donaueschingen
und Badisch Rheinfelden wurden eröffnet, um einer vorüber-
gehenden Hochkonjunktur zu genügen (in Rheinfelden waren es
die Aussichten auf die Nutzbarmachung der Wasserkräfte des
Oberrheins zur Gewinnung elektrischer Energie). Diese mußten
jedoch nach einem Jahr wieder fallen gelassen werden.

Die große Wirtschaftskrise zu Beginn des 20. Jahrhunderts
hatte wie überall so auch hier schwere Wunden geschlagen;
diese wurden noch erheblich vergrößert durch die Unter-
schlagungen eines ihrer Filialdirektoren. Abschreibungen und
Mindererträgnis waren die Folge. Die Entwicklung ihrer Ge-
schäftstätigkeit und Expansionsfähigkeit hatte hiermit ihren Höhe-
punkt erreicht. Die Umsatzziffern und die Erträgnisse des In-
stituts können sich in den folgenden Jahren bis zu ihrer Fusion
in die Rhein. Creditbank nicht mehr merklich heben.

Den gesamten inneren Entwicklungsgang des schwarzwälder
Instituts veranschaulicht nachfolgende Tabelle:

Geyer 5

57
        <pb n="63" />
        ﻿Schwarzwälder Bankverein A.-G,

Jahr

Akt.-Kap.
u. stille Bet.

Reserven

Kreditoren u. Betriebs
Depositen Kapital

Umsatz

Reingewinn

Divi-

dende

Konzentrations-V orgänge:

1889	324 264

1890	522 840

1891	1 018 234

1892	1 015 882

1893	1 016 317

1894	1 017 056

1895	1 266 562

1896	1 265 345

1897	1 764 406

1898	2 500 000

1899	3 625 000

1900	4 000 000

1901	4 000 000

1902	4 000 000

1903	4 000 000

1904	4 000 000

1905	4 000 000

1906	4 000 000

1907	4 000 000

1908	4 000000

70000
78 000
104000
110 000
115 000
130 000
175 000
190000
300 000
450 000
690 000
740 000
610 000
620 000
630000
650 000
660 000
660000
660000
660000

504 483	898 747

854086 1454 926
1 029 108 2 151 342
979 686 2105 568
1 019 398 2150 715
1 453 681	2 600 737

1	955 914 3 397 476

2	371 994 3 827 339

2	452 815 4 517 221

3	474 880 6 424880

4	461 732 8 776 732

5	423 600 10143 600
4 810 650 9 420650
3 630 010 8 312570

3	947 606 8 666 565
4335 640 9 091877

4	810411	9 569486

4 997 073 9 789 980

4	929127 9 687 557

5	216 476 9 971776

12	630	677	23	760
67	954	704	32	077
67	787	582	59	168
63	442	183	76	319
64	143	738	76	211
79	193	615	87	320
109	919	041	93	205
129	276	818	105	467
151	195	492	124	742
218	620	312	165	153
310	954	220	258	274
357	081	008	404	026
430	812	819	351	597
255	458	770	274 482	
272	042	035	270	575
270	817	282	270	855
289	243	830	373	190
303	502	037	276	257
280	055	743	284489	
296	160	991	268	206

57.

6

6

6

6

6

6

6

67.

67.

7

7

5

5

5

5

5

5

5

% A.-G. in Triberg gegr.

1.Filiale inVillingen eröff.

2.	F.i.Furtwangen unt.Über-
nahme d. Furtw. Bank i.L.

3.	Fil. in Lörrach und 4. Fil.
in Zell i. W.

Fusion in Rheinische Cre
ditbank, Mannheim.

00

m
        <pb n="64" />
        ﻿Die Präliminarien zur Fusion in die Rheinische Creditbank
wurden in den Verhandlungen im Sommer 1907 abgeschlossen,
wonach ein enges Freundschaftsverhältnis zwischen beiden
Banken zustande kam, dem ein Jahr später das völlige Auf-
gehen des über 40 Jahre bestehenden, für die gesamte Schwarz-
wälder Industrie überaus segensreich wirkenden Triberger Credit-
instituts in die Rheinische Creditbank folgte. Am 1. Juli 1909
wurde die Fusion perfekt.

Zum Umtausch der Schwarzwälder Bankaktien (4 Mill. M.)
wurden 21/3 Mill. von den gleichzeitig neu emittierten 10 Mill. M.
jungen Rheinischen Creditbankaktien und dazu erworbene
165000 M. im Verhältnis von 2 : 3 unter 5 °/0iger Aufzahlung
verwandt. Die Zentrale in Triberg wurde als neue Filiale über-
nommen, während die Niederlassungen in Furtwangen und Vil-
lingen, Lörrach und Zell i. W. als Agenturen aufrecht erhalten
wurden, derart, daß die beiden ersteren der Triberger Filiale
unterstellt und die beiden letzteren von der Freiburger Filiale
abhängig gemacht wurden.

Die Transaktion vollzog sich glatt. Die buchmäßigen Re-
serven des Schwarzwälder Bankvereins wurden zusammen mit
dem Fusionsgewinn als stille Reserven in die Bilanz aufgenom-
men. Diese Fusion hatte dem Mutterinstitut wiederum einen
beträchtlichen Geschäftszuwachs zugeführt, der sich in den immer
stetig wachsenden Gesamtumsätzen deutlich wiederspiegelt.

Noch im gleichen Jahre erfuhr das starke Creditinstitut
eine weitere Ausdehnung seiner Machtsphäre durch Übernahme
des schon seit mehreren Jahren in den Kreis ihrer Dezentrali-
sations-Dispositionen einbezogenen, im Jahre 1874 gegründeten
Bankhauses August Schneider &amp; Co. in Pirmasens, das schon
seit Jahren in freundschaftlichem Geschäftsverkehr mit ihr stand.
Nach längeren Verhandlungen wurde dieses Bankhaus ebenfalls
in eine neue Filiale der Rheinischen umgewandelt unter Über-
nahme der Geschäftsbeziehungen des alten Instituts. Dabei
behielt sich das Mutterinstitut vor, von den übernommenen Ak-
tiven und Passiven die ihr nicht genehmen Konten mit einer
halbjährigen Kündigungsfrist auszuscheiden.

5*

59
        <pb n="65" />
        ﻿Die Konzentrationsbestrebungen der Rheinischen Credit-
bank fanden dann ihren Abschluß in der großen Finanztrans-
aktion, die drei mächtige süddeutsche Banken zu einer Einheit
verband. Die Rheinische Creditbank, die an leitender Stelle
dieser Finanzoperation stand, trat in eine enge Interessenge-
meinschaft mit der Pfälzischen Bank in Ludwigshafen a/Rh. ein
und vereinigte mit dieser organisch zugleich die Süddeutsche
Bank durch Fusion. Letztere war schon seit 1904 zum Konzern
der Rheinischen Creditbank zu rechnen.

Die Bedingungen, unter denen diese Transaktion zustande
kam, waren folgende: Um den verschiedenen Voraussetzungen
zur gleichwertigen Vereinigung bisher nebeneinander bestehender
Bankkörper zu genügen, insbesondere um hinsichtlich ihrer
Wertbemessung ein annähernd gleiches Niveau zu erreichen, das
für die Herstellung einer Interessengemeinschaft und für den
damit verbundenen Eintritt in den Konzern der Deutschen Bank
absolut benötigt wurde, beschloß die Pfälzische Bank ihr Grund-
kapital von nom. 50 Mill. M. auf nom. 40 Mill. M. zu reduzieren,
woraus sich für letztere Bank ein Buchgewinn von 10 Mill. M.
ergab neben einem Fusionsgewinn von 1 882 362.40 M., zu-
sammen 11 882 562.40 M. Hiervon wurden zunächst die Fusions-
kosten mit ca. 1,2 Mill. M. bestritten und 1,35 Mill. M. zur Er-
höhung des gesetzlichen Reservefonds auf 10 Mill. M. benutzt.
Der Rest fand seine Verwendung zu Abschreibungen auf Debi-
toren, Effekten und Konsortialbestände in Höhe von rund 4 Mill. M,,
die restlichen ca. 5 Mill. M. dienten zu stillen Rücklagen. Die
Gesamtreserven inklusive stillen Reserven dürften hierdurch und
nach Aufnahme der Süddeutschen Bank mit deren Fonds auf
etwa 30—35 °/0 des Gesamtaktienkapitals betragen.

Die Möglichkeit, auf ihre dubiosen Konten Abschreibungen
vornehmen zu können, kam ihr insofern sehr erwünscht, da sie
in den letzten Jahren vor dem Eingehen der Interessengemein-
schaft nicht in entsprechender Höhe Abschreibungen vorgenom-
men hatte. (Die Dividende von früher 8 °/0 war auf 4 bez. 5 °/0,
im letzten Jahre auf 5^2 °/o gefallen.)

60
        <pb n="66" />
        ﻿\

Neben dieser inneren Kräftigung erfuhr dann das Institut
eine bedeutende Erweiterung seines Kundenkreises und seines
geschäftlichen Einflusses durch die Fusion der Süddeutschen
Bank. Hand in Hand hiermit ging eine erhebliche Steigerung
ihres Gewinnerträgnisses. Denn zu dem bisherigen Bruttoge-
winn der Pfälzischen Bank treten nun dauernd die Erträgnisse
der Süddeutschen Bank, die zugleich auf das gleich hohe Aktien-
kapital zur Verteilung kamen, da das reduzierte Kapital der
Pfälzischen Bank durch Umtausch der Süddeutschen Bank-Aktien
sofort wieder auf dieselbe Höhe gebracht war.

Zugleich ist sowohl durch die umfangreichen Abschreibungen
auf Debitoren-, Effekten- und Konsortialbestände als auch be-
sonders durch die Ansammlung bedeutender stiller Reserven
eine Gewähr dafür geboten, daß die Erträgnisse der Bank nicht
mehr in erheblichem Maße .zur Abschreibung verwendet werden
brauchen und so indirekt der Fusionsgewinn einer Stabilisierung
der künftigen Dividende zugute kommt1). Daß beabsichtigt ist,
die Gemeinsamkeit der Interessen nicht nur in der unten näher
beschriebenen Zusammenlegung der Gewinne gipfeln zu lassen,
sondern sie auch vor allem auf möglichste Gemeinschaft der
Geschäftsprinzipien auszudehnen, wird bezeugt durch die bei
diesem Anlaß vereinbarte Personalunion.

Es fanden folgende Übergänge von Aufsichtsrat und Direk-
tionsmitgliedern der sich zusammenschließenden Banken statt:
Von der Rheinischen Creditbank traten der Direktionsvorsitzende
Dr. Brosien — in gleicher Eigenschaft — und Direktor Dr. Jahr
in den Vorstand der Pfälzischen Bank ein. Seitens der Pfälzischen
Bank wurde Direktor Schayer in das Vorstandskollegium
der Rheinischen Creditbank gewählt. Ebenso ist der Aufsichts-
rat-Vorsitzende der Rheinischen Creditbank Dr. Reiß in den
Aufsichtsrat der Pfälzischen Bank, während von letzterer Rudolf
Dacque und Kommerzienrat Eswein, der von seinem bisherigen
Posten als Generaldirektor am 1. Juli 1911 zurücktrat, in den
Kreis der Aufsiehtsräte der Rheinischen gewählt worden,

1) Vgl, die Artikel im Deutschen Ökonomist Nr. 1500 und 1511 Jahrg.
1911: Fusion und der Einfluß auf Dividende.

61
        <pb n="67" />
        ﻿Was das Abkommen im einzelnen anbelangt, so garantierte
vereinbarungsgemäß die Rheinische Creditbank der Pfälzischen
Bank für die nächsten 5 Jahre die gleiche Dividende wie sie
bei ihr (bekanntlich seit bald 10 Jahren 7 °/0) zur Verteilung
gelangt. Wogegen die Pfälzische Bank aus ihrem Gewinn
10 Jahre lang vorweg je 500 000 M. an die Rheinische Credit-
bank abzuführen hat. Alsdann wird der beiderseitige Gewinn
nach den üblichen Abschreibungen, Tantiemen und Gratifikationen
etc. zu einer Dividendenausschüttung bis zu 7 °/0 verwandt und
der Rest fließt an die beiden Banken im Verhältnis zu ihren
Aktienkapitalien zurück.

In ihrer Wirkung kommt diese Interessengemeinschaft, die
auf die Dauer von 30 Jahren festgesetzt ist, besonders im Hin-
blick auf die weitgehende Personalunion einer Fusion ziemlich
gleich. Durch die Pfälzische Bank ist bei dieser Transaktion,
abgesehen von der sofort eingetretenen Konsolidierung und
inneren Kräftigung, als bedeutungsvolles Moment hervorzuheben,
daß die Bank nicht mehr wie bisher isoliert dasteht, vielmehr
in Zukunft alle diejenigen Vorteile genießen wird, die die An-
lehnung an die wirtschaftlich stärkere Rheinische Creditbank
unter Eintritt in den mächtigen Deutsche Bank-Konzern natur-
gemäß mit sich bringen muß.

Nach den Beschlüssen der außerordentlichen Generalver-
sammlung wurde die Reduktion des Grundkapitals der Pfälzischen
Bank unter Beobachtung der einschlägigen gesetzlichen Vor-
schriften derart vorgenommen, daß 20 °/o desselben, mithin
10 Mill. M., zur freien Verfügung der Pfälzischen Bank seitens
der Aktionäre freiwillig einzuliefern waren. Diese fanden ihre
Verwendung zu folgender Transaktion: Die Pfälzische Bank
schloss (zur gleichen Zeit wie die Interessengemeinschaft mit der
Rheinischen Creditbank) einen Fusionsvertrag mit der Süd-
deutschen Bank ab, wonach sie deren Aktionären die vorer-
wähnten gratis einzuliefernden, mit Dividendenberechtigung ab
1, Januar 11 ausgestatteten 10 Mill. M. Aktien im Wege des
Umtausches gegen das 12 Mill. M. betragende Aktienkapital

62
        <pb n="68" />
        ﻿der Süddeutschen Bank anbot. Außerdem leistete sie auf jede
Süddeutsche Bank-Aktie eine Barvergütung von 10 °/0 = 100 M.

Diese Transaktion wurde innerhalb der gesetzlichen Frist
durchgeführt. Sämtliche Aktien wurden freiwillig zur Abstempe-
lung eingereicht bis auf den verhältnismäßig geringen Betrag von
88500 M. Diese Stücke wurden für kraftlos erklärt und durch
junge Aktien ersetzt. Eine förmliche Herabsetzung des Grund-
kapitals war deshalb nur für 20 °/0 der nicht freiwillig zur Ab-
stempelung eingereichten 88 500 M. (also um 17 700 M.) erforder-
lich, Um diesen Betrag wurde das Kapital sofort wieder erhöht,
sodaß es nach wie vor 50 Mill. M. betrug.

Die Geschäfte der Süddeutschen Bank werden auch nach
der Fusion in unveränderter Form unter der Firma Süddeutsche
Bank, Abteilung der Pfälzischen Bank, von den seitherigen
Direktoren weitergeführt. Herr Direktor Arno Kuhn wird zum
Vorstandsmitglied der Pfälzischen Bank mit dem Domizil in
Mannheim ernannt. Der Aufsichtsrat der Süddeutschen Bank
wurde im folgenden Jahre in denjenigen der Pfälzischen Bank
aufgenommen, um dort eine gesonderte Kommission für diese
Abteilung der Pfälzischen Bank zu bilden.

Betrachten wir nun die Vorteile und Nachteile, die sich
aus dieser Finanztransaktion für die beteiligten Banken ergaben,
so muß für alle drei Institute gemeinsam als wesentlichster
Gewinn der Eintritt beziehungsweise die energische Ausdehnung
des Konzerns der Deutschen Bank in Süddeutschland genannt
werden, an dessen Machtzuwachs die bezeichneten Banken in-
direkt partizipieren und durch deren Rückhalt den badischen
Instituten eine kräftige Entwicklung gewährleistet wird.

Andererseits ist wiederum eine Folge der Konzentrationsbe-
strebungen im Bankgewerbe der Verlust der Selbständigkeit
zweier Bankuntemehmungen Badens. Während sich bei der
Süddeutschen Bank die Aufgabe der Selbständigkeit durch eine
Kette von Konzentrationsmomenten nach und nach voll-
zieht und die Einflußgewinnung des Deutschen Bank-Konzerns
auf das infolge des bekannten Rheinaukrachs durch zu hohe
Akzeptgewährung an die Mannheimer und Ludwigshafener In-

63
        <pb n="69" />
        ﻿dustrie stark engagierte Unternehmen in einzelnen Entwicklungs-
phasen deutlich erkennbar ist, verliert die Pfälzische Bank in
Ludwigshafen mit einem Schlage durch ihren Eintritt in den
deutschen Bankkonzern bis zu einem gewissen Grade ihre
innere Selbständigkeit.

Weitere Vorteile allgemeiner Natur bieten sich den drei
Instituten gemeinsam in der Werbetätigkeit der bei allen Kon-
zentrationsprozessen im Bankgewerbe zutage tretenden größeren
Kapitalkraft. Wenn auch nicht organisch zusammengeschlossen,
so repräsentiert doch die süddeutsche Interessengemeinschaft
ein Gesamtaktienkapital von 145 Mill. M. und sichtbare Ge-
samtreserven von 28 Mill. M. (= 20 °/0 des gemeinsamen Ak-
tienkapitals) zusammen über 173 Mill. M. Eigenkapital. Hierzu
kommt noch, wenngleich die Unkosten nicht in dem Maße her-
abgemindert werden konnten, wie dies bei Konzentrationen in
der Industrie der Fall ist, eine Kostenersparnis durch die Ver-
einheitlichung des Verwaltungsapparates. Meistens steigen
gerade durch den Zusammenschluß von Einzelbetrieben in der
ersten Zeit der neuen Betriebsform die Unkosten über die Summe
der früheren einzelnen Unkostenkonten um erst später, wenn sich
die einzelnen Betriebsorgane den Kreditverhältnissen und dem
Verkehr mit der Kundschaft und untereinander völlig akkomo-
diert haben, einen normalen und relativ niederen Stand zu er-
reichen.

So können bei einheitlicher Disposition über große Beträge
im Devisengeschäft günstigere Ergebnisse erzielt werden und
insbesondere im Effektengeschäft durch die Möglichkeit der
Kompensierung von Kommissionskäufen und -Verkäufen Kosten
erspart werden. Ferner kann im Zahlungsverkehr wie im
Wechseldiskontgeschäft weitgehende Vereinheitlichung erzielt
werden durch ausgedehntere Inkassomöglichkeit, sowie durch
Steigerung des auch vom volkswirtschaftlichen Standpunkt so
sehr zu wünschenden bargeldlosen Übertragungsverkehrs.

Ein weiterer, allerdings nicht ziffernmäßig zu belegender
Vorteil für sämtliche beteiligten Institute besteht in dem erweiter-
ten Einblick — zur Vermeidung von Verlusten — in zahlreichere

64
        <pb n="70" />
        ﻿Betriebe einzelner Branchen, wodurch sich der Überblick über
die gesamte Geschäftslage verbessert.

Durch die Möglichkeit dieses weitreichenden Einblicks in
die wirtschaftlichen Verhältnisse einer Volkswirtschaft kann
einerseits einer größeren Kapitalmacht zu spekulativen Effekten-,
Emissions- oder Gründungsgesqhäften Vorschub geleistet werden,
andererseits ist es dem Direktorium eines solchen Bankkom-
plexes eben dadurch möglich, Erfahrungen und vorauszusehende
Ereignisse aus diesem Überblick über bestehende und zukünf-
tige Konjunkturen seinem Kundenkreis zur Verfügung zu stellen
und so durch vorsichtige Kalkulationen und Intentionen an die
maßgebenden Handels- und Industriekreise auch diesen selbst
erhebliche Gewinne zu verschaffen oder sie vor erheblichen
Verlusten zu schützen. Was nun die Vorteile der einzelnen
Banken resp. ihrer Aktionäre betrifft, so hat sich die Rheinische
Creditbank gleich zum voraus einen Hauptanteil ausbedungen
durch die jährliche Zahlung der halben Million M. aus dem
Jahreserträgnis der Pfälzischen Bank für die Dauer von 10
Jahren, während sie ihrerseits als Äquivalent die Dividenden-
garantie (aber nur für die Dauer von 5 Jahren) leistet, sodaß
sie nach dem Jahre 1916 über ihr Jahreserträgnis (inkl. der
halben Million bis 1921) frei verfügen kann.

Die Vorteile, die die Pfälzische Bank aus dieser Trans-
aktion zog, bestehen in der Hauptsache in folgenden Punkten:

1.	In der Konsolidierung ihres Gesamtstatuts,

2.	in der ihr auf 5 Iahre von der Rheinischen Creditbank
gewährleisteten Dividendengarantie,

3.	in dem Machtzuwachs durch die Fusion mit der Süd-
deutschen Bank und, last not least,

4.	in dem Eintritt in den Konzern der Deutschen Bank,
wodurch sie zur Beteiligung an zahlreichen, zum Teil
mit erheblichen Gewinnchancen verbundenen Emissionen
zugezogen wurde.

Hierfür mußte sie die Aufgabe ihrer inneren Selbständigkeit
in Kauf nehmen und zur Durchführung der inneren Stär-

65
        <pb n="71" />
        ﻿kung ihrer Verhältnisse sich zu einer Kapitalreduzierung veran-
laßt sehen. Letztere wurde allerdings für die Aktionäre der
Pfälzischen Bank durch eine erhöhte Rente wieder ausgeglichen.

Für die Süddeutsche Bank endlich bildete diese Trans-
aktion einen besonders für ihre Aktionäre günstigen Abschluß
ihres Werdegangs; denn sie stand schon vor dem Zustande-
kommen der süddeutschen Interessengemeinschaft vollständig
unter dem beherrschenden Einfluß des Konzerns der Deutschen
Bank. Für sie als kleine Aktienbank war es nur noch eine
Frage der Zeit, unter welchen Umständen sie der Konzentration
im badischen Bankwesen zum Opfer fiele.

Während die Pfälzische Bank ihre äußere Selbständigkeit
vollständig zu wahren wußte, mußte die Süddeutsche Bank
diese völlig aufgeben unter dem Druck ihrer beiden Großaktio-
näre, der Deutschen Bank und der Rheinischen Kreditbank, die
zusammen in der entscheidenden Generalversammlung vom 22.
Juni 1911, in der insgesamt 8,4 Mill. M. Aktienkapital vertreten
war, die Aktienmajorität besaßen.

Die Übernahmebedingungen, gegen die die Süddeutsche Bank
ihre gesamten Aktiven und Passiven und hiermit Hand in Hand
ihre Existenzberechtigung an den Deutsche Bank-Konzern ab-
gab, waren für ihre Aktionäre keinesfalls ungünstig, sowohl was
Verzinsung, als auch was Sicherheit der Anlage betrifft.

Zunächst ist ihre Rente durch den Umtausch gestiegen,
wie dies Dr. Brosien in der erwähnten Generalversammlung dar-
legt. Denn während sie bisher für nom. 6000 M. Aktien 6°/0
Div, = 360 M. erhielten, beziehen sie nach der Fusion für die
hiermit umgetausehten 5000 M. Pfälzische Bankaktien (die zu-
gleich von der Rheinischen Creditbank garantierten) 7°/0 = 350 M.
Hierzu kommt noch die 10°/0ige Vergütung pro Süddeutsche
Bank-Aktie, d. s. auf 6000 M. Aktien 600 M., die bei der Be-
rechnung einer 5°/0igen jährlichen Rente weitere 30 M. erbringen,
sodaß nach diesem Beispiel die Dividende von früher 360 M.
auf jetzt 380 M. gestiegen ist.

Vielmehr noch als diese Steigerung der Quantität der Rente
muß aber die Qualität der Anlage nach Vollendung der Trans-

66
        <pb n="72" />
        ﻿aktion für den früheren Aktionär der Süddeutschen Bank ins
Gewicht fallen und hier hat er im Vergleich zur obigen Ertrags-
steigerung einen weit bedeutenderen Gewinn davon getragen.

Bei der Bildung dieser süddeutschen Interessengemeinschaft
stand immer die Deutsche Bank in Berlin als treibende Kraft im
Hintergrund mit ihrem Streben nach Erweiterung ihrer Inter-
essen- und Einflußsphäre auf Süddeutschland, besonders da ihre
Rivalen in der deutschen Bankenkonzentration, die Dresdner
Bank und die Disconto-Gesellschaft, bereits einige Jahre zuvor
hier festen Fuß gefaßt hatten. Die Deutsche Bank fusionierte
nicht, wie es wohl zu erwarten gewesen wäre, die einzelnen
Bankenkomplexe — bei der Pfälzischen Bank und der Süd-
deutschen Bank wäre es ihr sicherlich nicht allzu schwer ge-
fallen, eine direkte Aktienmajorität auf Grund eines Umtausch-
projekts zu erlangen, wie früher bei der kapitalstärkeren Bergisch-
Märkischen Bank, sondern sie stellte die Rheinische Creditbank,
die bereits seit 1904 mit ihr in engem Konnex stand, in den
Vordergrund der ganzen Finanzoperation in Gestalt der durch
sie zustandegekommenen Interessengemeinschaft.

Die Modalitäten waren in der Art proponiert, daß die Vor-
teile, die durch die Ausnützung des Aktienagios bei einer Fusion
erzielt worden wären, auch ohne eine solche erreicht wurden.

Ihrem inneren Wesen nach bedeutet dieser mächtige Zu-
sammenschluß im süddeutschen Bankwesen in hervorragender
Weise eine energische Ausdehnung der Machtsphäre des Kon-
zerns der Deutschen Bank auf das Großherzogtum Baden und
die Bayrische Pfalz unter gleichzeitiger Konsolidierung der dor-
tigen Kreditverhältnisse.

Andererseits haben die vereinigten Interessen der Rheini-
schen Creditbank und der Pfälzischen Bank weiterhin diesen
Instituten selbst unter der Ägide der Deutschen Bank zweifellos
eine erheblich verstärkte Stoßkraft auch in Konkurrenz mit
den übrigen badisch-pfälzischen Banken verliehen.

67
        <pb n="73" />
        ﻿Schlußwort.

Die bedeutendsten Konzentrationsvorgänge 1870-1912.

Werfen wir am Schluß dieser Arbeit einen kurzen Rück-
blick auf die gesamte Konzentrationsbewegung im badischen
Bankgewerbe, so kann zunächst konstatiert werden, daß die
neuzeitige Erscheinung vorläufig wohl ihren Höhepunkt erreicht
hat mit dem letzten großen Zusammenschluß, der süddeutschen
Interessengemeinschaft Rheinische Creditbank — Pfälzische Bank.
Zu gleicher Zeit hat sich auch bei der süddeutschen Disconto-
Gesellschaft A.-G., Mannheim ein Nachlassen ihrer seitherigen
starken Expansionstendenzen geltend gemacht. Denn jede Aus-
dehnung führt schließlich zu einer Grenze, die dann nur auf
Kosten des Ganzen überschritten werden kann; diese scheint
von unsern beiden kapitalstärksten Kreditbanken annähernd er-
reicht zu sein. Hauptsächlich in den letzten beiden Jahrzehnten
wuchsen sie in rapidem Tempo dauernd weiter, aber sie wuchsen
auf natürlich-organischem Wege durch die reguläre Ausbreitung
ihres Kundenkreises und ihrer Kreditgeschäfte. Auch die von
ihnen in dieser gewaltigen Entwicklungsperiode vorgenommenen
Kapitalserhöhungen dienten immer nur der Anpassung der
eigenen Mittel an die gesteigerten Bedürfnisse, was aus den an-
geschlossenen Tabellen deutlich ersehen werden kann. So haben
sich im Großherzogtum Baden in den letzten beiden Jahrzehnten
aus dem großen Komplex mittlerer und kleinerer Banken, wie
wir ihn in den 90iger Jahren vorfinden, vorzüglich zwei Kredit-
banken heraus kristallisiert.

Erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts begannen allmählich
die Berliner Großbanken Einfluß auf das badische Bankwesen
zu gewinnen.

68
        <pb n="74" />
        ﻿Bei genauerer Betrachtung können wir drei Bankgruppen
unterscheiden, die heute noch auf dem badischen Kapitalmarkt
die Hauptrolle spielen. Es sind dies 1. der Deutsche Bank-
Konzern mit der Rheinischen Creditbank und der Pfälzischen
Bank; 2. der Konzern der Berliner Disconto-Gesellschaft mit der
Süddeutschen Discontogesellschaft A.-G. und 3. die Dresdner
Bank mit eigenen Filialen und ihrer nahezu alle badischen Kredit-
genossenschaften in einem Giro-Verband umfassenden Genossen-
schafts-Abteilung in Frankfurt a./M.

Daneben haben sich jedoch auch alle Privatbankfirmen in
den Zeiten der Hochkonjunktur eine starke Position auf dem
badischen Kapitalmarkt verschaffen können, so besonders in
Karlsruhe, Mannheim und Pforzheim.

Worin sich jedoch unsere größeren badischen Kreditinstitute
von einer großen Anzahl anderer deutschen Provinzbanken
unterscheiden, das ist die innere Kraft und Initiative, die sie
sich zu selbständigem Aufstieg bewahrt haben; hier haben sie
sich bis zum heutigen Tage im engeren Rahmen ihres Wirkungs-
kreises den Großbanken gegenüber widerstands- und wettbe-
werbsfähig erwiesen.

69
        <pb n="75" />
        ﻿o

Die wichtigsten Konzentrations-Vorgänge 1870—1912

1870	Rheinische Creditbank:  1871  1872  1873  1874	Centrale in Mannheim als A.-G. gegründet (12. Mai)  1.	Filiale in Freiburg i./B. aus der Privatbank Sautier (30, Juni)  2.	Filiale in Karlsruhe (22. April)  3.	Filiale in Konstanz (1. Jan.)  Fusion mit Pfälzer Bankverein, Mannheim (26. Jan,)
1*	ff	Kommandite i. Kaiserslautern Fa. Böcking, Karcher &amp; Co. (26.Jan.)
ff	It	4. Filiale in Heidelberg aus der Privatbank Gebr. Zimmern i. L. (15. Jan.)
1883 Oberrheinische Bank:	Centrale in Mannheim aus der Privatbank Köster als A.-G.
ff	ff	gegr. (1, Juli)  1. Filiale in Heidelberg

—	„	M	2. Filiale in Frankfurt a./M.

1889 Schwarzwälder Bankverein: Centrale in Triberg aus Vorschußverein Tr. als A.-G. gegr.

1890  1894	Rheinische Creditbank:  —	Oberrheinische Bank:  1895  1896  —	Süddeutsche Bank:	1. Filiale in Villingen (als Agentur)  Kommandite in Pforzheim Firma Jul. Kahn &amp; Co. (1. Jan.) Eintritt in den Deutschen Bank-Konzern  1. Depositenkasse in Ludwigshafen a. Rh. (1. März)  3. Filiale in Straßburg i. E,  Centrale in Mannheim aus Privatbank Goldmann &amp; Kuhn i. L.
1897 Rheinische Creditbank:	als A.-G. gegründet  Fusion mit Privatbank G. Müller &amp; Cons. in Karlsruhe und Baden (1, Okt.) und hieraus

1897 Rheinische Creditbank:	5. Filiale in Baden-Baden
11 11	Übernahme der Privatbank Franz Funk vorm. Gebr. Wolf in Baden-Baden in die dortige Filiale (1. Okt.)
— Oberrheinische Bank:	Fusion mit Privatbank Chr. Mez, Freiburg i. B. und hieraus
f»	11	4. Filiale in Freiburg i./Br. (1. April)

1897	SchwarzwälderBankverein, 2. Filiale in Furtwangen aus Furtwanger Bank i. L.

1898	Rheinische Creditbank:	Fusion mit Kaiserslauterner Bank vorm, Böcking, Karcher &amp; Co.

11 1»	und hieraus  6. Filiale in Kaiserslautern
ff	ff  — Oberrheinische Bank:	Kommandite in Saarbrücken Firma G. F. Grohe-Henrich &amp; Co. 5. Filiale in Karlsruhe (1. Juni)
ff	ff	6, Filiale in Rastatt (1. Juni)
11	ff	7. Filiale in Baden-Baden 1. Juni)

—	SchwarzwälderBankverein: 3. Filiale in Lörrach

—	,,	„	4. Filiale in Zell i. W.

— Süddeutsche Bank:	1. Kommandite in St. Johann Firma Lazard, Brach &amp; Co.
ff	11  1899 Rheinische Creditbank:	Aktien-Beteiligung der Dresdner Bank  Fusion mit Ortenauer Creditbank A.-G. und hieraus
11 11	7. Filiale in Offenburg
11 11	Fusion mit Firma Kauffmann, Engelhorn &amp; Cie. und hieraus
11 11	8. Filiale in Straßburg i. Eis.
11	ff	Fusion mit Lahrer Creditbank Carl Bader &amp; Co. und hieraus
11 11	9. Filiale in Lahr (Baden)

-j
        <pb n="76" />
        ﻿1899 Rheinische Creditbank:
— Oberrheinische Bank:

ff
ff

ff

ff

ff

ff

— Süddeutsche Bank:
1901 Rheinische Creditbank:

1903

1904

ff	ff

ff	ff

ff	ff

— Süddeutsche Bank:

ff	ff

1905 Rheinische Creditbank:

Übernahme der Privatbank Strohmeyer in Baden-Baden in die
dortige Niederlassung

8.	Filiale in Bruchsal (1. Jan.)

9.	Filiale in Basel (1. Jan.)

10.	Filiale in Mühlhausen i. E. (1. Jan.)

Freundschaftsverhältnis mit der Schweizerischen Creditanstalt
in Zürich

1,	Filiale in Worms a. Rh,

Fusion mit der Mannheimer Bank A.-G, in Mannheim
Übernahme der Privatbank Gebr. Kapferer in Freiburg i,/Br. in
die dortige Niederlassung
Eintritt in den Deutsche Bank-Konzern
Fusion mit der Oberrheinischen Bank Mannheim (17. Nov.)

1.	Depositenkasse in Bruchsal

1.	Agentur in Rastatt

Freundschaftsverhältnis mit der Schweizerischen Credit-Anstalt
in Zürich

Fusion mit der Credit- u, Depositenbank Zweibrücken u. hieraus

10.	Filiale in Zweibrücken

2.	Agentur in Neunkirchen (Reg.-Bez. Trier)

Eintritt in den Deutsche-Bank-Konzem
Abstoßung der Kommandite St, Johann

11.	Filiale in Mülhausen (fr. Oberrhein. Bk.-Fil.)
        <pb n="77" />
        ﻿&lt;1

OJ

1905 Süddeutsche Discontoges,:

ff

ff

M

ff

ff

ff

1906 Rheinische Creditbank;

ff

ff

f»	ff

— Süddeutsche Discontoges,:

ff	ff

1907 Rheinische Creditbank:

1908

ff	ff

Süddeutsche Discontoges,:

ff	ff

1909 Süddeutsche Bank:

— Rheinische Creditbank:

ff

ff

Centrale in Mannheim aus Privatbank W. H. Ladenburg &amp; Söhne
durch Disconto-Gesellschait Berlin als A.-G. gegründet
1, Kommandite Privatbank E, Ladenburg, Frankfurt a./M.

1,	Filiale in Pforzheim (1, Juni)

2,	Filiale in Lahr (Baden) (1, Dez,)

Übernahme der Privatbank A. Sulzberger Konstanz in die dor-
tige Niederlassung

Fusion der Privatbank Jul, Kahn &amp; Cie (früh, Kommandite) in
Pforzheim und hieraus

12,	Filiale in Pforzheim

3,	Filiale in Heidelberg

4,	Filiale in Freiburg

Übernahme der Gewerbebank Speyer i. L, und hieraus

13,	Filiale in Speyer

5,	Filiale in Landau (Pfalz)

Errichtung von Zahlstellen in Annweiler, Bergzabern, Germers-
heim, Mühlheim i./B. und Neustadt i, Schw.
Rheinischer-Creditbank-Direktor Brosien wird Vorsitzender des
Aufsichtsrats

Fusion des Schwarzwälder Bankvereins, Triberg und hieraus

14,	Filiale in Triberg

3,	Agentur in Villingen

4,	Agentur in Furtwangen

5,	Agentur in Lörrach i,/W.
        <pb n="78" />
        ﻿1909	Rheinische Creditbank:	6. Agentur in Zell i. Wiesenthal

—	H	ii	Fusion der Privatbank Aug, Schneider &amp; Co, in Pirmasens und

hieraus

—	,i	„	15, Filiale in Pirmasens

—	,&lt;	n	2, Depositenkasse Weinheim a, d,	B.

—	Süddeutsche	Discontoges,:	6, Filiale in Bruchsal

1910	„	„	Übernahme der Pfälzischen	Spar-	und	Creditbank Landau in die

dortige Niederlassung

1911	Rheinische Creditbank; Interessengemeinschaft mit der Pfälzischen Bank in Ludwigs-

hafen a./Rh,

—	Süddeutsche Bank,	Fusion in die Pfälzische Bank, Ludwigshafen a./Rh.

—	Süddeutsche	Discontoges,:	7. Filiale in Karlsruhe

—	i,	„	8. Filiale in Worms a,/Rh.

—	„	„	Zahlstellen in Pirmasens und	Schwetzingen

1912	Rheinische Creditbank; Kommandite in Freiburg i./Br. Firma I. A, Krebs,

KREfSHBIRBSBBa
        <pb n="79" />
        ﻿Badische Bank1)

Tabelle V.

a Bevölkerungszahl. b Anzahl der Institute. c Aui 10.000 Einwohner kommen .... Banken,

	1852			1871			1880			1890		1900			1905		1910		
	a	b	c	a	b	c	a	b	c	a	b c	a	b	c	a	1 b	c	a	b	c
Mannheim	24 316	7	2,88	39 606	10	2,52	53 465	12	2,24	79 058	18 2,27	141 131	16	1,13	163 693 17	1,04	193 902	21	1,08
Karlsruhe	24 299	7	2,89	36 582	12	3,29	49 301	10	2,03	73 684	20: 2,71	97 185	20	2,05	111 249 21	1,90	134 313	16	1,18
Freiburg i./Br.	16 441			24 668	4	1,62	36 401	10	2,75	48 909	12 2,45	61 504	10	1,62	74 098 10	1,34	83 324	10	1,20
Pforzheim	9 152	2	2,18	19 803	12	6,06	24 037	5	2,08	29 988	7 2,33	43 373	7	1,63	59 389 j 7	1,18	69 082	8	1,16
Heidelberg	15 564	2	1,39	19 983	3	1,5	24 417	5	2,08	28 645	5 1,79	40 121	5	1,24	49 527	4	0,8	56 016	5	0,89
Konstanz	7 556	2	2,64	10 061	3	3,0	13 372	4	2,98	16 235	5 3,09	21 445	6	2,8	24 807	7  1	2,82	27 591	6	2,18
Sa. |	79 887	20	2,5	150 703	44	2,9	200 993	46	2,28	276 519	f67 2,42	404 759	64	1,58	282 763 66	1,37	564 228	66	1,17

1) excl. Hypotheken- und Genossenschaftsbanken, sowie der Inkasso-Kommissions- und Lotteriebankgeschäfte.
        <pb n="80" />
        ﻿Rheinische Creditbank

(in 1000.- M.)

Jahr

1870/71

1872

1873

1874

1875

1876

1877

1878

1879

1880
1881
1882

1883

1884

1885

1886

1887

1888

1889

1890

1891

1892

1893

1894

1895

1896

1897

1898

1899

1900

1901

1902

1903

1904

1905

1906

1907

1908

1909

1910

1911

1912

Aktienkapital Gesamt-Umsätze		Reingewinn Dividende		
6000	313 257	527,5	10,06 °/0	
6000	579 139	795,4	12	01  Io
12000	746 088	712,7	5	01  Io
12000	1013490	900,1	6	01  Io
12000	1 251 843	1 010,0	6%	01  Io
12000	1 065 291	562,8	4	01  Io
12 000	1322 712	841,6	4	01  Io
12000	1 242 270	777,0	5	01  Io
12000	1 440920	1 254,5	6	01  Io
12 000	1 708013	1 414,5	61/*	°l  Io
12000	1876 889	1 121,9	7	°l  Io
12 000	1716 854	898,3	6	01  Io
12 000	1 772358	933,4	6	01  Io
12000	2103142	928,3	6	°l  Io
12000	1 962 211	931,6	6	01  Io
12 000	2 264 074	929,6	6	°l  Io
12000	2 086 797	910,2	6	°l  Io
12000	2 372 851	1 069,4	6	01 Io
15000	2 797 533	1 463,3	6	°l  Io
15 000	2168 758	1 336,9	6	Io
15 000	2160176	1 287,3	6	°l  Io
15 000	2 217 223	1 145,0	6	01  Io
15000	2 075 893	1 163,5	6	°l  Io
15000	2 337 873	1 287,6	6	°l  Io
15000	2541 444	1 314,1	6	°l  Io
18 000	2 585 056	1 544,1	61/a	°l  Io
20100	3 003 966	1 902,8	7	°l  Io
30000	3 792 018	2808,5	7 Vs	01 Io

40000	4 760530	4 108,5	7J/s °/o
40000,8	5 508177	4 443,3	7V, °/0
	6977 722,373	4591,3	7	°/0
	6597 619,099	4035,6	61/* °/o
	6612038,519	4 188,9	6VS °/o
	7 280 603,485	4 460,3	61/, %
70000,8	13 068 754,624	7 080,3	7	°/0
70000,8	13 009839,816	7 608,1	7	°/0
75 000,8	14 499 454,524	7 559,9	7	°/0
75000,8	15 899 735,351	7 586,4	7	°/0
85000	17 752 205,026	8 143,9	7 %
85 000	18122 409,733	8 887,0	7 %
95 000	19830 336,306	10 148,3	7	°/o
95 000	21 754519,651	11 201,8	7 7o

Konzentrations-Vorgänge

( 12. Mai 1870 Zentrale in Mannheim gegründet.
{ 30. Juni 1871 1. Filiale in Freiburg i. B. (aus
( Privatbank Sautier)

22. April 2. Filiale in Karlsruhe (selbst)

1. Januar 3. Filiale in Konstanz (selbst)

(26. Januar Fusion mit Pfälzer Bankverein, Mhm. /
1. Kommand. in Kaiserslautern (Firma Bücking,
Karcher &amp; Co. in K.) / 15. Januar 4. Filiale in
Heidelberg (aus Privatbk. Gebr. Zimmern i. Liqu.)

1. Januar 2. Kommandite in Pforzheim (Fa. Jul.
Kahn &amp; Co.)

1. Oktober Fusion mit Privatbank G. Müller &amp;
Cons. in Karlsruhe u. B.-Baden zugleich 5. Filiale
in B.-Baden.

1. Okt. Fusion mit Privatbank Franz Funk vorm.
Gebr. Wolf in B.-Baden (in die dortige Fil. aufgen.)

{6, Filiale in Kaiserslautern (Fusion mit Kaisersl.
Bank vorm. Bücking, Karcher &amp; Co.) / 3. Kom.
in Saarbrücken.

7. Filiale in Offenburg (Fusion mit A. G. Orte-
nauer Cred.-Bank / 8. Filiale in Straßburg i. E.
(Fusion mit Fa. Kauffmann, Engelhorn &amp;	,

9. Filiale in Lahr i. B. (Lahrer Cred.t-Bank CaH
Bader &amp; Co.) / Fusion mit Fmroa Strohmeyer in
B.-Baden.

Fusion mit der Mannheimer Bank A.-G. in Mhm.
(intern. Filiale).

Is'°n mit Privatbank Gebr. Kapferer in Freiburg
B. (Übernahme der dort. Filiale).

’ Filiale in Zweibrücken (Fusion mit Cred.- u.
Positenbank Z.) und Agentur in Neuenkirchen /
atritt in den Dt. Bk.-Konzern / Freundschafts-
rhältnis m. d. Schweizerischen Credit-Anstalt
Zürich / Fusion mit d. Oberrheinischen Bank
&gt;m. zugl. Depositenkassen in Heidelberg und
uchsal, Agentur in Rastatt.

Filiale in Mülhausen i. E. (fr. Oberrh. Bk.-Fil.)

Filiale in Pforzheim (fr. Kommandite Jul.
hn &amp; Cie.) / Fusion mit Privatbank A. Sulz-

rger, Konstanz.

Filiale in Speyer a. Rh. (Gewerbebank Speyer
t-iq.)

Filiale in Triberg (Schwarzwälder Bankverein
•G.), Agenturen in Villingen, Furtwangen, Lür-
•h und Zell i. VZ. / 15. Filiale in Pirmasens
ivatbank Aug. Schneider &amp; Co.)
eressengemeinschaft mit Pfälzische Bank - Süd-

Jtsche Bank.

mmanditverhältnis mit Privatbank J. A. Krebs
Üburd i' Br. (ab 1. I. 1913)
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        ﻿Curriculum vitac.

Ich wurde geboren am 2. August 1887 als Sohn des Gr.
bad. Bezirksarztes Med.-Rat Dr. Geyer. Ich besuchte das Pro-
gymnasium Durlach und das Gymnasium Karlsruhe und absol-
vierte letzteres Sommer 1906. Nachdem ich im folgenden Jahre
meiner militär. Dienstpflicht beim 4. Bad. Feld.-Art.-Reg. Nr. 66
genügt hatte, trat ich in verschiedene Banken und kauftn. Be-
triebe als Volontär ein (Vereinsbank Karlsruhe, Dresdner Bank,
Frankfurt a./O. und Blakeley &amp; Beving, Manchester). Ab Herbst
1909 widmete ich mich nationalökonomischen und juristischen
Studien an den Universitäten München und Heidelberg.

In München hatte ich u. a. die Herren Brentano, Jaffe und
Lotz, v. Mayr und Gareis zu meinen Lehrern. Herbst 1911 be-
zog ich zur Vollendung meiner Studien die Universität Heidel-
berg, wo ich Vorlesungen der Professoren Gothein, Alfred Weber,
Altmann, Schröder, Thoma, Oncken hörte und den Seminaren
der drei erstgenannten Herren angehörte.

Die mündliche Doktorprüfung bestand ich am 11. De-
zember 1913.

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genauerer Betrachtung können wir drei Bankgruppen
ziden, die heute noch auf dem badischen Kapitalmarkt
)trolle spielen. Es sind dies 1. der Deutsche Bank-
mit der Rheinischen Creditbank und der Pfälzischen
der Konzern der Berliner Disconto-Gesellschaft mit der
sehen Discontogesellschaft A.-G. und 3. die Dresdner
eigenen Filialen und ihrer nahezu alle badischen Kredit-
schaften in einem Giro-Verband umfassenden Genossen-
bteilung in Frankfurt a./M.

leben haben sich jedoch auch alle Privatbankfirmen in
»n der Hochkonjunktur eine starke Position auf dem
l Kapitalmarkt verschaffen können, so besonders in
s, Mannheim und Pforzheim,

rin sich jedoch unsere größeren badischen Kreditinstitute
■r großen Anzahl anderer deutschen Provinzbanken
:iden, das ist die innere Kraft und Initiative, die sie
elbständigem Aufstieg bewahrt haben; hier haben sie
•:um heutigen Tage im engeren Rahmen ihres Wirkungs-
en Großbanken gegenüber widerstands- und wettbe-
g erwiesen.

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