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        <title>Konzentrationstendenzen im badischen Bankgewerbe</title>
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            <forname>Otto</forname>
            <surname>Geyer</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
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        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1019658673</idno>
          </msIdentifier>
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        Staats»
Wissenschaft

Konzentrationstendenzen
im  badischen  Bankgewerbe.
Ein  Beitrag  zur  deutschen  Bankenkonzentration.

Inaugural-Dissertation

zur
Erlangung  der  Doktorwürde
der
Hohen  Philosophischen  Fakultät
der
Großherzoglich  Badischen
Ruprecht-Karls-Universität  in  Heidelberg
vorgelegt  von

Otto  Geyer
Kandidat  der  Staatswissenschaften
aus  Durlach  (Baden).

$

B  erlin.
Juristische  Verlagsbuchhandlung  Dr.  jur.  Frensdorf
1914
        <pb n="2" />
        Herrn  Bankdirektor  Karl  Peter,
Karlsruhe.
        <pb n="3" />
        Disposition.

Seit«
Einleitung.
Streben  nach  Konzentration,  eine  Erscheinung  moderner  Wirtschaftsordnung ­
  1
I.  Allgemeine  Ursachen  der  badischen  Bankenkonzentration  5
U.  Die  badischen  Kreditverhältnisse  vor  1870  10
A.  Der  Privatbankierstand  11
B.  Die  Abhängigkeit  von  fremden  Kapitalmärkten  ...  14
C.  Die  Allgemeine  Versorgungsanstalt  Karlsruhe  ...  17
in.  Konzentrationstechnische  Entwicklung  der  badischen  Banken
nach  1870
A.  Die  Badische  Bank  u.  die  Reichsbank  .  .  .  19
B.  Die  Süddeutsche  Bank  23
C.  Die  Oberrheinische  Bank  ...  27
D.  Die  Süddeutsche  Discontogesellschaft  35
E.  Die  Rheinische  Creditbank  40
Schlußwort.
Anhang.  Die  bedeutendsten  Konzentrationsvorgänge  1870-1912  .  .  68
        <pb n="4" />
        m

Literaturangabe

Hübner,  O.,  Die  Banken.
Weber,  Ad.,  Depositen-  und  Spekulationsbanken.
Werner-Sombart,  Der  moderne  Kapitalismus.
Rießer,  Zur  Entwicklungsgeschichte  der  deutschen  Großbanken.
Wallich,  Die  Konzentration  im  deutschen  Bankwesen.
Blumenberg,  Die  Konzentration  im  deutschen  Bankwesen.
Steinberg,  Die  Konzentration  im  Bankgewerbe.
Goldschmidt,  Die  Bankgruppen,  ein  Blick  in  die  Konzentrationstendenzen
des  deutschen  Bankwesens.
Fleischhammer,  Zentralisation  im  Bankwesen  in  Deutschland.
Löwenstein,  Geschichte  des  württembergischen  Kreditbankwesens.
Lumm,  Das  Bankwesen  in  Elsaß-Lothringen.
Ruby,  Die  badische  Bank.
Hecht,  Bankwesen  und  Bankpolitik  in  den  süddeutschen  Staaten,  1819-1875.
Hecht,  Die  Mannheimer  Banken  von  1870-1900.
Mayr,  Kapitalbedarf  und  Kapitalbeschaffung  in  der  Industrie  Mannheims
und  Ludwighafens.
Bauer,  Die  Aktienunternehmungen  in  Baden.
Homburger,  V.,  Das  Sparwesen  in  Baden.
Jahresberichte  der  Badischen  Bank.
Ferner  verschiedene  Jahrgänge  des  Deutschen  Oekonomisten,  der  Bank  und
des  Bankarchivs  sowie  einzelne  Berichte  der  Neuen  Badischen  Landeszeitung, ­
  der  Frankfurter  Zeitung,  der  Münchner  Neuesten  Nachrichten
und  des  Berliner  Tageblatts.
        <pb n="5" />
        1

Einleitung.
Die  Konzentrationstendenzen,  wie  sie  heute  fast  auf  jedem
Wirtschaftsgebiete  in  großer  Fülle  neu  und  doch  immer  wieder
in  anderer  Form  sich  durchsetzen,  sie  verdienen  bei  ihrem
mächtigen  Einflüsse  auf  unser  modernes  Wirtschaftsleben  die
aufmerksamste  Beachtung.  Eine  Begleiterscheinung  des  Fortschritts ­
  unserer  modernen  Kultur  haben  sie  im  Vordringen  vor
allem  zu  einer  Anhäufung  großer  Kapitalsmassen  in  den  Händen
einzelner  Unternehmungen  beigetragen.  Die  Konzentration  hat
es  vermocht,  daß  eine  Reihe  von  Einzelberufen  und  Tätigkeiten
in  Großbetrieben  unter  einheitlicher  Leitung  sich  vereinte,  die
sich  sonst  auf  anderen  Gebieten  zersplittert  hätte.  Dies  gilt
insbesondere  vom  Bankgewerbe.  Während  anfangs,  im  frühen
Mittelalter,  die  Tätigkeit  der  Banken  sich  fast  ausschließlich  im
Geldwechselgeschäft  erschöpfte,  sind  eine  Menge  von  Spezialtätigkeiten ­
  heute  im  modernen  Großbankbetrieb  eingeschlossen.
Das  kapitalistische  Wirtschaftsprinzip  hat  diesen  mächtigen
Zusammenschluß  zu  immer  größer  werdenden  Wirtschaftseinheiten ­
  verursacht.  Kaum  ein  anderer  Betrieb,  wie  der  der
Banken,  dürfte  in  dem  Maße  zur  Zentralisation  technisch  befähigt ­
  und  wirtschaftlich  genötigt  sein:  „Technisch  befähigt,  weil
Kapital  in  der  Form  von  Geld  und  Geldsurrogaten  die  sammelbarste ­
  und  transportabelste  Vermögensform  ist;  —  wirtschaftlich
genötigt,  weil  die  Zentralisation  wunderbare  Oekonomien  erzielt“
(Schäffle  in  „System  der  menschlichen  Wirtschaft“,  Band  II,
S.  157).
Die  Möglichkeit  des  Zusammenschlusses  wirtschaftlicher
Elemente  in  größerem  Umfange  datiert  bei  dem  Bankgewerbe
zurück  bis  zum  Beginn  des  zweiten  Drittels  des  19.  Jahrhunderts,
        <pb n="6" />
        als  durch  die  neue  Form  gewerblicher  Produktion  größere
Kapitalinvestierungen  nötig  wurden;  was  andererseits  die  Anhäufung ­
  großer  Kapitalien  in  einzelnen  Händen  erforderte.  Es
beginnt  das  gesamte  deutsche  Bankwesen  in  ein  neues  Stadium
einzutreten.  Der  bisher  als  Alleinherrscher  auf  dem  Kapitalmarkt ­
  dominierende  Privatbankier  wird  durch  die  Aktiengesellschaftsform ­
  verdrängt.  Die  kleine  Unternehmung  muß  der
größeren  weichen.  Der  Großbetrieb  vervollkommnet  sich  immer
mehr  und  gewinnt  Schritt  für  Schritt  dem  Privatbankier  an
Boden  ab.
Um  mächtig  und  mächtiger  ihren  Einfluß  zu  gestalten,
fusionieren  allmählich  die  Banken.  Es  entstehen  die  mächtigen
Großbankkonzerne,  Riesengebilde,  wie  sie  uns  auf  industriellem
Gebiete  in  der  Form  von  Trusts,  Kartellen  und  Syndikaten
verkörpert  werden.
Beide,  die  Bankkonzerne  und  die  industriellen  Verbandsorganisationen, ­
  sind  miteinander  und  durcheinander  groß  geworden. ­
  Die  Banken  unterstützen  heute  noch  die  Konzentration
der  Industrie:  Indirekt  durch  ihre  finanzielle  Unterstützung  und
direkt  durch  unmittelbares  Eingreifen,  um  die  ihre  Entwicklung
hemmenden  Konkurrenzunternehmungen  sich  anzugliedern  und
sie  so  vom  Wettbewerb  auszuschalten.  Andererseits  wieder
zieht  die  Großindustrie  die  Machtvergrößerung  und  den  Kapitalzuwachs ­
  der  Banken  indirekt  durch  ihren  Kredithunger  groß,
der  sich  in  den  zahlreichen  Emissionen  von  Industriewerten
auf  dem  Kapitalmärkte  äußert.
Die  direkten  Ursachen,  die  zur  Konzentration  im  deutschen
Bankwesen  führten  und  den  Großbanken  zu  ihrer  heutigen
Kapital-  und  Machtstärke  verhalfen,  sind  bereits  in  den  Werken
von  Rießer,  Wallich,  Blumenberg  u.  a.  ausführlich  dargelegt.
Die  ganze  Bewegung  hat  allmählich  einen  solchen  Umfang
angenommen,  daß  auch  Provinzbanken  sich  zu  einem  Zusammenschlüsse ­
  verstehen  mußten.  Eine  auf  territoriale  Gebiete  Deutschlands, ­
  wie  Baden,  beschränkte  Darstellung  all  der  Momente,  die
zu  der  Konzentration  der  Banken  in  Baden  führten,  dürfte
daher  gewiß  lohnen.  Dies  soll  die  Aufgabe  der  vorliegenden
        <pb n="7" />
        3

Arbeit  sein.  Wenn  es  mir,  wie  ich  hoffe,  gelungen  ist,  trotz
der  beschränkten  speziellen  Literatur  über  das  badische  Bankwesen, ­
  ein  einigermaßen  anschauliches  Bild  über  den  Konzentrationsprozeß ­
  im  badischen  Bankgewerbe  zu  entwerfen  und
damit  einen  weiteren  Beitrag  zu  der  interessanten  Erscheinung
moderner  Kapitalakkumulationen  zu  liefern,  so  verdanke  ich
dies  in  erster  Linie  Herrn  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  Eberh.  Gothein
in  dessen  volkswirtschaftlichem  Seminar  diese  Arbeit  begonnen
und  zur  Ausführung  gelangte.
Die  Anregung  für  das  Thema  gab  mir  Herr  Professor
Dr.  Altmann  für  dessen  mir  freundlichst  bewiesenes  Entgegenkommen ­
  es  mir  ebenfalls  gestattet  sei,  meinen  verbindlichsten
Dank  an  dieser  Stelle  auszusprechen.
Heidelberg,  im  Juni  1913.
Otto  Geyer.
        <pb n="8" />
        5

Allgemeine  Ursachen  der  badischen  Bankenkonzentration. ­

Die  gesamte  Entwicklung  unseres  badischen  Bankwesens
kann  in  drei  Hauptperioden  eingeteilt  werden:
I.  Die  Herrschaft  der  Privatbankiers  (ohne  Konzentrationstendenzen) ­
  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  bis  1870,
II,  Die  territoriale  Bankenkonzentration  innerhalb  Badens,
1870  bis  1900,  und
III.  Der  Einfluß  der  Berliner  Großbanken  ab  1900.
Den  ersten  Antrieb  zur  Steigerung  der  Macht-  und  Kapitalsphäre ­
  unseres  badischen  Bankwesens,  dem  lange  Zeit  (bis  1870)
keine  Folge  geleistet  wurde,  gab  vor  allem  das  Emporblühen
des  deutschen  Eisenbahnwesens  anfangs  der  60iger  Jahre.  Die
plötzlich  in  Angriff  genommene  Herstellung  und  Erweiterung  des
deutschen  Eisenbahnnetzes  äußerte  seine  Wirkungen  auch  im
Großherzogtum  Baden.  Der  Neubau  von  Bahnen  verlangte
rasch  bereitzuhaltende,  größere  Kapitalsmassen;  ferner  benötigte
die  aufblühende  badische  Industrie  (insbesondere  Mannheims)
einen  steigenden  Kapitalsbedarf,  All  diese  Geldmengen  konnten
nur  durch  Vermittlung  kapitalstarker  Bankinstitute  in  dem  erforderlichen ­
  Umfang  herbeigeschafft  und  weiter  in  die  verschiedenen ­
  Wirtschaftskanäle  wieder  abgeführt  werden.
Die  zahlreichen  badischen  Privatbankiers  und  noch  weniger
die  vorhandenen  kleinen  Handwerker-  und  Gewerbebanken  genossenschaftlichen ­
  Charakters  konnten  und  wollten  (wegen  des
mit  größerer  Kapitalinvestierung  verbundenen  Risikos)  diese
Aufgaben  nicht  erfüllen.  Die  Grundlage  zur  badischen  Bankenkonzentration ­
  war  gegeben.
        <pb n="9" />
        Mehrere  Betriebe  von  gleicher  oder  verschiedener  Kapitalstärke ­
  verbanden  sich;  —  es  entsteht  die  unserm  heutigen  Bankwesen ­
  charakteristische  Erscheinung  der  Fusionen  und  Interessengemeinschaften. ­
  Beide  Vorgänge  haben  eines  gemeinsam:  Voraussetzung ­
  und  Folge  ist  die  Ansammlung  großer  Kapitalmassen.
Während  in  dieser  Hinsicht  die  großen  Berliner  Bankinstitute
eine  ständig  machtvoller  werdende  Stellung  sich  zu  sichern
wußten,  haben  auch  unsere  hauptsächlich  in  Betracht  kommenden
badischen  Kreditbanken  ihre  Betriebsmittel  teils  durch  Ansammlung ­
  von  Kreditoren  und  Depositen,  teils  durch  direkte  Kapitalvergrößerungen ­
  gewaltig  gesteigert  —  ja  in  neuester  Zeit  die
Berliner  Großbanken  prozentual  übertroffen,  wie  dies  aus  folgender ­
  Tabelle  hervorgeht:

L
Aktienkapital  u.  Reserven  (in  Mill.  M.)

ult.

1905

ult.  1910

ult.  1912

°/o  Zunahme  1905—1912

Deutsche  Bank

258

307

312

121

Dresdner  Bank

202

260

262

129

Rhein.  Creditb.  Mhm.

80

98

112

140

Südd.  Disconto-Ges.

20

41

54

270 1 )

II.
Kreditoren  u.  Depositen  (in  Mill.  M.)
ult.  1905  ult.  1910  ult.  1912  # / 0  Zunahme  1905—1912

Deutsche  Bank

1064

1534

1573

148

Dresdner  Bank

534

857

887

166

Rhein.  Creditbank

95

164

184

194

Südd.  Disconto-Ges.

18

64

61

339 1 )
        <pb n="10" />
        7

Summe  von  I  u.  Di  (in  Mill.  M.)

1905

1910

1912

°/o  Zunahme  1905-Deutsche

  Bank

1322

1841

1885

143

Dresdner  Bank

736

1117

1149

156

Rhein.  Creditbank

175

262

296

169

Südd.  Disc.-Ges.

38 1 )

105

115

302 1 )

Ein  weiteres  rein  äußerliches  Argument  für  die  ständig
zunehmende  Erweiterung  der  Kapital-  und  Machtsphäre,  sowie
der  immer  weiter  schreitenden  Konzentration  im  badischen  Bankwesen ­
  geben  die  statistischen  Berufszählungen  der  Jahre  1882,
1895  u.  1907.  Hiernach  ergibt  sich  folgendes  Bild:

Geld-  und  Kredithandel  im  Großherzogtum  Baden.
Hauptbetriebe  mit  Personen:

Summe

Alleinbetr.  2—5  6—10  11—50  20

—200  200  u.  mehr

1882

128

4

90  17  17

—  —

1895

165

13

91  34  26

1  —

1907

272

21

160  44  41

5  1

Danach  haben  sich  die  Großbetriebe  zwischen  den  Jahren
1895  und  1907  gewaltig  vermehrt.
1)  Die  hohe  Steigungsziffer  der  Betriebsmittel  der  Süddeutschen  Disconto-Gesellschaft
  A.-G.  Mannheim,  ist  daraus  zu  erklären,  daß  das  Institut
im  Jahr  1905  gegründet  ist  und  deshalb  noch  im  Anfangstadium  mit  verhältnismäßig ­
  niederen  Activ-  und  Passivposten  bilanziert;  jedoch  übertrifft  auch
die  relative  Steigerung  ihrer  Betriebsmittel  in  den  späteren  Jahren  noch
weit  die  der  Berliner  Großbanken.
        <pb n="11" />
        Wie  sich  das  Verhältnis  der  Anzahl  der  vorhandenen  Bankinstitute ­
  in  den  6  größten  badischen  Städten  zu  der  Bevölkerungsziffer ­
  derselben  von  der  Mitte  des  vergangenen  Jahrhunderts
ab  gestaltete,  zeigt  Tabelle  5  (siehe  Anhang),  die  zugleich  ein  Bild
abgibt  für  die  seit  1895  stark  zunehmenden  Konzentrationstendenzen ­
  im  badischen  Bankgewerbe:
Während  im  Jahre  1890  in  den  größeren  Städten  Badens
durchschnittlich  auf  10000  Einwohner  noch  2,42  Banken  kommen,
sinkt  diese  Verhältniszahl  ständig,  derart,  daß  bei  der  letzten
Volkszählung  1910  auf  je  10000  Einwohner  nur  noch  1,17  Banken ­
  fallen,  was  eine  Zunahme  der  Bankenkonzentration  auf  die
Bevölkerungsziffer  Badens  von  über  50  °/ 0  innerhalb  20  Jahren
bedeutet.
Ein  jeder  Handel,  ein  jeder  Kauf  kommt  bekanntlich  nur
zustande,  wenn  beide  Kontrahenten  einen  Vorteil  zu  erringen
glauben;  dies  gilt  auch  für  eine  Verschmelzung  oder  Angliederung
zweier  Bankkomplexe.
Drei  Hauptfaktoren  sind  es,  die  beim  Zusammenschluß  von
Bankinstituten  (Fusion)  zu  einer  Betriebseinheit  in  Frage  kommen,
und  die  gegenseitig  gewertet  werden:  ein  aktiver,  ein  passiver
und  ein  universaler:
1.  Die  Machtentfaltung  der  zum  Großbetrieb  drängenden
starken  Existenzen,
2.  Die  Ohnmacht  der  durch  die  alle  kapitalschwachen  Existenzen ­
  verdrängenden  Konkurenz  um  ihr  Dasein  ringenden
schwächeren  Elemente  und
3.  Das  Streben  nach  Risiko-Teilung.
Je  nach  bestehender  Konjunktur  kommt  das  erste  oder
zweite  Moment  mehr  zur  Geltung,  wofür  die  verschiedenen
Hochkonjunkturen  und  die  darauffolgenden  Krisenjahre  1873  und
1902  ein  Beispiel  abgeben.  Der  dritte  Faktor:  die  Tendenz,  das
mit  größeren  Finanztransaktionen  verbundene  Risiko  auf  mehrere
Institute  zu  verteilen,  übt  hingegen  unabhängig  von  bestehenden
Konjunkturen  seine  zur  Konzentration  drängende  Wirkung  aus.
Stellten  wir  die  verschiedenen  Konjunkturen  in  der  gesamten

8
        <pb n="12" />
        Geyer  2

9

Periode  deutschen  Wirtschaftslebens  von  1870  ab  bis  in  die
neueste  Zeit  graphisch  dar,  so  würde  eine  Kurve  zustande  kommen, ­
  die  z,  B.  in  den  ersten  drei  Jahren  bis  1873  mächtig
steigend  emporstrebt,  um  dann  eben  so  jäh  wieder  abzufallen;
am  Schluß  der  70iger  Jahre  würde  sie  durch  einen  fast  ebenen
Verlauf  die  allgemeine  Stagnation  im  deutschen  Wirtschaftsleben
kennzeichnen.  Diese  Kurve  verglichen  mit  der  die  allgemeinen
Fortschritte  der  deutschen  Bankenkonzentration  darstellenden
graphischen  Linie  ergibt  ein  umgekehrtes  Bild:  der  allgemeine
wirtschaftliche  Aufschwung  Deutschlands  in  den  ersten  Jahren
nach  dem  großen  deutsch-französischen  Kriege  bewirkte,  wie  in
Handel  und  Industrie,  so  auch  in  dem  deutschen  Bankwesen
eine  gewaltige  Dezentralisation,  wie  sie  in  den  Massengründungen ­
  der  Jahre  1871/72,  die  meistenteils  jeder  gesunden
Grundlage  entbehrten,  deutlich  zutage  tritt.  Die  bereits  bestehenden ­
  Banken  suchten  durch  Neugründungen,  durch  Kommanditierungen
  bestehender  Bankfirmen,  oder  durch  Filialgründungen
  ihrem  Geschäftsbetrieb  eine  erweiterte  Basis  zu  verschaffen, ­
  während  zu  gleicher  Zeit  neue  Privataktienbanken,  in
nur  zu  großer  Zahl  überall  erstanden.  Dieser  gewaltige  Aufschwung ­
  zeigt  äußerlich  eine  dezentralisierende  Tendenz,  die
jedoch  im  Innern  einer  mächtigen  Konzentration  Vorschub  leistete.
Kaum  waren  die  schweren  Krisenjahre  von  1872/73  gekommen, ­
  als  auch  den  schwächeren  Elementen  unter  den  neuen
Bankgründungen,  die  fast  alle  auf  Agio-Gewinn  angewiesen
waren,  der  Atem  ausging;  die  zu  schwach  fundierten  Unternehmungen ­
  stürzten  zusammen.  Was  sich  einigermaßen  halten
konnte,  mußte  später  der  Konkurrenz  der  älteren,  auf  fester
Basis  stehenden  Bankinstitute  weichen,  oder  Anlehnung  an
stärkere  Banken  suchen.  Sie  liquidierten.
Den  nach  Konzentration  strebenden  Großbanken  konnte
es  alsdann  nicht  schwer  fallen,  diese  sich  fest  anzugliedern.  So
lassen  sich  noch  des  öftern  bei  der  Einzelbetrachtung  der  konzentrationstechnischen ­
  Entwicklung  der  badischen  Kreditbanken
—  zum  Teil  neben  andern  Beweggründen  —  doch  fast  immer
d  e  se  beiden  Hauptkonzentrationstendenzen  finden:
        <pb n="13" />
        Die  Machtentfaltung  der  zum  Großbetrieb  drängenden ­
  starken  Existenzen  und
Die  alle  schwächeren  Elemente  verdrängende  Konkurrenz ­
  des  Großkapitals,  welche  jeweils  im  engsten  Zusammenhang ­
  mit  den  äußeren  Wirtschaftsverhältnissen  stehen.

II.  Die  badischen  Kreditverhältnisse  vor  1870.
Das  Großherzogtum  Baden  entbehrte  außerordentlich  lange
eine  geordnete  Kreditorganisation.  Der  Anfang  des  vorigen
Jahrhunderts  kennt  noch  keine  größere  Anstalt  zur  Pflege  und
Förderung  des  Kredits.  —  Die  wenigen  damals  schon  bestehenden
Privatbankiers  können  kaum  in  Betracht  gezogen  werden,  da
sie  Bankgeschäfte  häufig  nur  als  Nebenberuf  und  nur  in  kleinstem
Umfange  betrieben 1 ).  Die  ersten  Bestrebungen,  eine  Kreditanstalt ­
  in  Baden  zu  schaffen  sind  im  Antrag  des  Abg.  Fecht  zu
erblicken,  welcher  die  Errichtung  von  Leihanstalten,  verbunden
mit  Sparkassen  in  der  II.  Badischen  Kammer  am  13.  Mai  1819
bezweckte.  Hierdurch  gelangten  interessante  Abschnitte  aus
der  damaligen  wirtschaftlichen  Lage  Badens  in  die  Öffentlichkeit:
„Unter  die  lautesten  Klagen  unseres  Volkes  gehören  jene
über  den  zum  schändlichsten  Wucher  führenden  Geldmangel,
der  in  den  entferntesten  Provinzen  am  fühlbarsten  erscheint.
In  seiner  Gegend  könnten  Familien  das  bare  Geld  für  das  Salz
nicht  aufbringen,  die  Staatsabgaben  könnten  nicht  aufgebracht
werden.  Das  bei  einzelnen  vorhandene  Geld  bleibe  der  Zirkulation ­
  entzogen,  weil,  durch  Unglücksjahre  verarmt,  die  Landleute
weder  Zinsen  noch  Kapitalien  zahlen  könnten.  Eine  Leihanstalt
unter  der  Direktion  und  Garantie  vermöglicher  Männer  gegen
Beziehung  eines  erhöhten  Zinses  würde  wahrer  Segen  für  unzählige ­
  Familien  werden.  Patriotismus  und  eigener  Vorteil
1)  Die  älteste  badische  Privatbankfirma  ist  das  Bankhaus  J.  A.  Krebs,
Freiburg  i/Br.,  als  Warengeschäft  gegr.  im  Jahre  1683.

10
        <pb n="14" />
        r

11

der  Kapitalisten  lasse  hoffen,  daß  selbst  mancher  Ausländer
dieser  unter  Aufsicht  und  Leitung  der  Landesstände  zu  stellenden ­
  Anstalt  Kapitalien  anvertrauen  würde”.  Jedoch  waren
diese,  wie  alle  späteren  Versuche  dieser  Art,  lange  Zeit  ohne
Erfolg  geblieben 1 ).
Die  Folge  hiervon  war  eine  ständig  wachsende  Kreditnot
im  Lande,  die  neben  dem  Fehlen  einer  starken,  gut  fundierten
Kreditbank  zurückzuführen  ist:
1.  auf  die  starke  Neigung  der  vorhandenen  Privat-Bankiers
  zu  Eff  ektengeschäften  auf  Kosten  einer
soliden  Kreditgewährung,
2.  auf  die  enorme  Verwirrung  im  Münzwesen  und
3.  auf  die  Abhängigkeit  vom  auswärtigen  Kapitalmarkt. ­

In  den  meisten  anderen  deutschen  Staaten  bestanden  um
die  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts  schon  zahlreiche  Kredit-  und
Privatbanken  die  zum  Teil  auch  in  Baden  durch  größere  Kreditbewilligungen ­
  an  den  Staat  und  die  verschiedenen  Industrien
Badens  eine  hervorragende  Rolle  spielten.  Es  sind  hier  zu
nennen:
A.  Aktien-Banken:
1.  der  A.  Schaaffhausen'sche  Bankverein  in  Cöln  im  Jahre
1848  mit  5200000  Thlr.  als  A.-G.  gegründet,
2.  Die  Disconto-Gesellschaft  in  Berlin;  bereits  im  Jahre
1851  als  Kredit-Gesellschaft  gegründet,  wurde  sie  im
Jahre  1856  in  eine  Kommandit-Gesellschaft  auf  Aktien
mit  einem  Kommanditkapitel  von  10  Mill.  Thalern
unter  der  Firma  Direktion  der  Disconto-Gesellschaft  in
Berlin  umgegründet.
3.  Die  Bank  für  Handel  und  Industrie  (dem  Börsen-  und
Handelsgebrauche  gemäß  in  den  folgenden  Abschnitten
kurz  als  Darmstädter  Bank  bezeichnet)  im  Jahre  185
als  Aktien-Gesellschaft  mit  dem  Hauptsitz  in  Darmstadt
errichtet,  Grundkapital  10  Mill.  Gulden.
1)  Vergl.  Hecht,  Bankwesen  und  Bankpolitik  in  den  süddeutschen
Staaten  1819—1875.
        <pb n="15" />
        12

4,  Die  Berliner  Handels-Gesellschaft,  gegründet  im  Jahre
1856,  Aktienkapital  15  Milk  Thaler.
5.  Die  Mitteldeutsche  Kreditbank  in  Meiningen,  gegründet
ebenfalls  im  Jahre  1856  mit  einem  Aktienkapital  von
8  Milk  Thalern.
B.  Privatbankiers:
1.  M.  A.  v.  Rothschild  &amp;amp;  Söhne,  Frankfurt  a.  M.
2.  Gebrüder  Bethmann,  Frankfurt  a.  M.
3.  Sab  Oppenheim  jr.  &amp;amp;  Co.,  Cöln.
4.  v.  d.  Heydt-Kersten  Söhne,  Elberfeld.
Diese  Banken  haben  in  jener  Zeit  ihre  dem  badischen
Wirtschaftsleben  bewilligten  Kredite  zumeist  von  ihrer  Zentrale
aus  gewährt,  ohne  daß  sie  durch  ein  Filialennetz  im  Großherzogtum ­
  Baden  festen  Fuß  faßten.  Nur  die  benachbarte
Darmstädter  Bank  suchte  im  Anfang  des  Jahres  1856  bei  dem
badischen  Ministerium  um  Konzessionserteilung  zur  Errichtung
einer  Filiale  in  Mannheim  nach.  Dies  Gesuch  wurde  jedoch
abschlägig  beurteilt  auf  Grund  eines  eingeholten  Gutachtens  der
Mannheimer  Handelskammer 1 ),
In  diesem  interessanten  Schriftstück  wird  unter  anderem
eine  Filiale  der  Darmstädter  Bank  deshalb  nicht  gewünscht,
„weil  das  Institut  sich  keiner  Oberaufsicht  unterstellen  wolle,
keine  Grenzen  in  ihren  Finanzoperationen  kenne  und  keinerlei
Verpflichtungen  übernehme,  vor  allem  aber  scheine  das  Gesuch
weniger  den  Drang  nach  Unterstützung  des  Handels  und  der
Industrie  Badens,  als  vielmehr  der  Absicht  zu  entspringen  der
naheverwandten  Zettelbank  eine  neue  gute  Absatzquelle  ihrer
in  Aussicht  stehenden  Notenmasse  zu  eröffnen.  Das  Großherzogtum ­
  Baden  werde  dann  mit  Noten  der  benachbarten  Zettelbank
überschwemmt  und  in  ein  Abhängigkeitsverhältnis  zu  dem  Großherzogtum ­
  Hessen  gelangen.“
Die  einzige  badische  Bankfirma,  die  den  oben  bezeichneten
Kreditinstituten  bei  der  Inszenierung  größerer  Kreditoperationen
(Staats-  und  Kommunalanleihen  hilfreich  die  Hand  bot,  war  die
Mannheimer  Privatbankfirma  W.  H.  Ladenburg  (gegründet  1785).
1)  Archiv  d.  Mannh.  Handelskammer  fase.  Bankw.
        <pb n="16" />
        13

Die  wesentlichsten  Anleihegeschäfte  dieser  Gruppen  waren
folgende:
1854  badische  Staatsanleihe  übernommen  von  der  Darmstädter ­
  Bank
1866  4  °/ 0 ige  badische  Staatsanleihe  (30  Mill.  Taler)  übernommen ­
  von  der  Disconto-Ges,,  der  Seehandlung  und
W.  H.  Ladenburg.
1867  4 1 / 2  °/ 0  badische  Staatsanleihe  übernommen  von  der
Berliner  Handelsgesellschaft.
1867  4  °/o  bad.  Prämienanleihe  12  Mill.  Taler  übernommen
von  der  Berliner  Handelsgesellschaft  und  der  Disconto-Ges.

1868  4 1 / 2  °/o  Mannheimer  Stadtanl.  3,2  Mill.  fl.  übernommen ­
  von  der  Disconto-Ges.,  M.  A.  v.  Rothschild  und
W.  H,  Ladenburg,  Mhm.  (Zum  Bau  der  Karlsr.-Mannh.
Bahn),
Die  Zusammensetzung  dieser  Übernahmekonsortien  badischer ­
  Staats-  und  Kommunal-Anleihen  zeigt  deutlich  die  große
Abhängigkeit  des  Staatskredits  von  Frankfurter  und  Berliner
Bankhäusern;  eine  Abhängigkeit,  die  sich  außerdem  auch  bei
den  andern  süddeutschen  Staaten  oft  sehr  unangenehm  fühlbar
machte.  Nicht  die  allgem,  Lage  des  Geldmarktes,  nicht  die  finanzielle ­
  oder  politische  Situation  des  betr.  Staates  war  für  die
Übernahmebedingungen  einer  neuen  Anleihe  maßgebend,  sondern
das  alleinige  Gutdünken  der  Frankfurter  oder  Berliner  Finanz-Magnaten.
  Und  hier  war  es  wiederum  lange  Zeit  hindurch  die
Frankfurter  Firma  M,  A.  von  Rothschild  u.  Söhne,  die  den  süddeutschen ­
  Geldmarkt  fast  unbedingt  beherrschte.
Als  im  Jahre  1866  die  politische  Lage  einen  bedrohlichen
Charakter  annahm  und  außerdem  eine  englische  Krisis  eine  starke
Geldknappheit  hervorrief,  geriet  der  badische  Staat  in  schwere
finanzielle  Bedrängnis,  da  ihm  ein  bei  dem  Hause  Rothschild
nachgesuchter  Vorschuß  verweigert  wurde.  Nur  die  Hilfe  der
Berliner  Discontogesellschaft,  die  jedoch  sicherlich  auch  nicht
ohne  Einverständnis  der  befr.  Frankfurter  Privatbank  erfolgte,
konnte  die  äußerst  peinliche  Lage  retten.
        <pb n="17" />
        14

Außerdem  beteiligten  sich  diese  auswärtigen  Banken  an
verschiedenen  badischen  industriellen  Gründungen;  so  übernahm
die  Darmstädter  Bank  u.  a.  die  Gründung  der  Wollmanufaktur
Mannheim  mit  einem  eingezahlten  Aktienkapital  von  400000  fl.
Ein  interessantes  Beispiel  von  der  Abhängigkeit  des  badischen ­
  Kapitalmarktes  auch  auf  industriellem  Gebiet  von  auswärtigen ­
  Bankhäusern  gibt  eine  von  der  Direktion  der  Maschinenbaugesellschaft ­
  Karlsruhe  in  liebenswürdigster  Weise  zur  Verfügung ­
  gestellte  Aufstellung  des  gesamten  Bankverkehrs  dieser
Firma  vom  Jahre  1853  ab.  Danach  kamen  als  Geldgeber  für
die  Zeit  vor  1870  fast  ausschließlich  nichtbadische  Bankinstitute
in  Betracht.  Der  durchschnittlich  in  den  Jahren  1853—1870
von  der  Maschinenbaugesellschaft  Karlsruhe  in  Anspruch  genommene ­
  Bankkredit  beträgt  hiernach  bei

Bankfirma:

Schulden:
fl.

größter  Schuld-Saldo
fl.

Sal.  Oppenheim  u.  Cie,  Cöln
M.  A.  v.  Rothschild  u.  Söhne,

58,641.—

455,750,45

(1866)

Frankfurt  a.  M.
A.  Schaaffhausenscher

49,426.—

245,686,23

(1865)

Bankverein,  Cöln
Gebr.  Bethmann,

33,513  —

143,581,01

(1866)

Frankfurt  a.  M.
G.  Müller  u.  Cons.,

15,563.—

38,609,10

(1866)

Karlsruhe
Loew  Homburger
(resp.  Veit.  L.  Homb.),  Karlsr.

9,039.—

59,319.56

(1858)

Während  so  die  benachbarten  Banken  aus  diesen  und
anderen  Anleihegeschäften  reichliche  Gewinne  aus  dem  badischen
Lande  zogen,  zögerte  man  hier  noch  immer,  einem  badischen
Institut  die  Konzession  zur  Eröffnung  einer  eigenen  Kreditanstalt ­
  zu  erteilen.  Fünf  volle  Jahrzehnte  mußten  dahinfließen,
bis  die  des  öftern  durch  kriegerische  Ereignisse  (1848  und  1866)
unterbrochenen  Anstrengungen  von  Erfolg  gekrönt  waren,  trotzdem ­
  die  Bedürfnisfrage  von  allen  Seiten  aufs  entschiedenste
        <pb n="18" />
        bejaht  wurde,  und  die  Notwendigkeit  einer  Beschleunigung  dieser
Angelegenheit  durch  die  zahlreichen  Anträge,  und  Petitionen
von  dem  badischen  Volke  dringend  verlangt  wurde.
Wohl  waren  damals  im  Großherzogtum  zahlreiche  Privatbankiers ­
  ansässig,  aber  deren  Geschäftsbetrieb  und  Kapitalkraft ­
  war  größtenteils  so  unbedeutend,  daß  sie  für  eine  größere
Kreditoperation  nicht  in  Betracht  zu  ziehen  war.  Diese  Privatbankiers ­
  hatten  ihre  bankmäßigen  Geschäfte  meist  einem  ihren
Haupterwerb  darstellenden  kaufmännischen  Betrieb  angeschlossen.
Oft  sind  es  Produktenhändler  (Tuchwaren,  Spezereihändler
etc.),  die  in  ihrem  „Nebenkontor“  Geschäftswechsel  an-  und
verkauften,  ausländische  Münzen  in  Landeswährung  oder  umgekehrt ­
  eintauschten  und  hin  und  wieder  gegen  hohe  Zinsen
kleinere  Darlehen  an  ihre  Geschäftskunden  ausliehen.  Selbstverständlich ­
  unter  Ausschluß  jedweden  Risikos,  da  sie  über  die
Kreditfähigkeit  ihrer  wenigen  Kunden  aufs  genaueste  instruiert
waren.  Derartige  „Kaufmannsbankiers"  waren  in  Baden  hauptsächlich ­
  in  den  kleineren  Städten  vertreten,;  wenn  auch  ihre
Kreditgeschäfte  kaum  in  Betracht  zu  ziehen  sind,  so  hat  sich
doch  nach  und  nach  manches  renommierte  Bankhaus  aus  solchen
kleinen  Anfängen  entwickelt.  Sehr  häufig  finden  wir  Speditionsfirmen, ­
  die  Geldgeschäfte  ihrem  Unternehmen  angliedern.  So
haben  sich  speziell  in  Frankfurt  a.  M.  eine  Anzahl  altrenommierter ­
  Bankhäuser  entwickelt.  Dies  ergibt  sich  aus  der  Art
des  Geschäftsbetriebs  der  Spediteure.  Mit  der  Kreditgewährung
der  zum  Transport  übergebenen  Waren  unter  Aushändigung
derselben  an  die  Bestimmungspersonen  gegen  Einkassierung  der
Valuta  war  der  Grund  gelegt  für  einen  regelrechten  Wechselverkehr. ­

Aber  fast  alle  diese  Privatbankiers  wandten  sich  um  die
Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts  von  dem  bisher  fast  ausschließlich ­
  geübten  Wechsel-Kreditgeschäft  ab,  um  dem  lohnenderen
Effektenhandel  sich  zu  widmen,  Effekten-  und  Arbitragegeschäfte
wurden  jetzt  allseits  bevorzugt.  Die  Kreditgewährung  an  Handel
und  Industrie  trat  immer  mehr  in  den  Hintergrund.  Viele  unter
ihnen  waren  nicht  viel  mehr  als  reine  Vermögensverwalter.

15
        <pb n="19" />
        16

Das  Börsenspiel  in  Effekten  (besonders  in  Losen),  das  im  Laufe
der  50er  Jahre  als  neue  Erscheinung  im  badischen  Wirtschaftsleben ­
  auftauchte,  reizte  alle  Volksschichten  und  fand  in  der
meist  allzugroßen  Bereitwilligkeit  der  Bankiers,  ihre  Kundschaft
bei  Spekulationen  zu  beraten  und  häufig  auch  hierzu  zu  animieren, ­
  reichliche  Nahrung.
So  verstanden  es  viele  unter  diesen  Privatbankiers  allein
als  Großspekulanten  und  Vermögensverwalter  mit  kleinerem
Kapital  und  weniger  Mühe,  dafür  allerdings  mit  weit  größerem
Risiko,  rascheren  und  größeren  Verdienst  zu  erlangen  als  bisher.
Dazu  kam  noch,  daß  vielen  Privatbankiers  eine  reichliche  Nebeneinnahmequelle ­
  durch  das  Geldwechselgeschäft  zufloß,  welches
bis  Anfang  der  70er  Jahre,  durch  die  äußerst  zersplitterten
deutschen  Münzverhältnisse  begünstigt,  in  voller  Blüte  standj
hauptsächlich  den  in  den  ausgedehnten  badischen  Grenzbezirken
ansässigen  Bankiers  kam  dies  zugut.
Weiterhin  waren  in  verschiedenen  Städten  Badens  für  die
Kreditbeschaffung  des  Handwerks  und  des  kleinen  Gewerbes
sog.  Handwerker-  und  Gewerbebanken  ins  Leben  gerufen  worden,
noch  bevor  die  Schulze-Delitz'schen  Ideen  der  Selbsthilfe  in
Baden  festen  Fuß  gefaßt  hatten.  Diese,  um  die  Mitte  des
vorigen  Jahrhunders  begründeten  Kleinbanken  spielten  jedoch
wegen  ihrer  sehr  bescheidenen  Betriebsmittel  und  der  nur  in
geringen  Beträgen  geleisteten  Darlehen  auf  dem  Kapitalmärkte
Badens  damals  eine  verschwindende  Rolle.  Nur  wenige  unter
ihnen  konnten  ihre  Geschäftsbasis  im  Laufe  der  Zeit  erweitern.
Es  sind  hier  zu  nennen:
Der  Aktienverein  der  Mannheimer  Handwerkerbank  1847
gegründet,  die  Mannheimer  Darleihkasse,  der  Aktienverein  der
Karlsruher  Handwerkerbank,  die  Gewerbebank  Karlsruhe,  aus
der  die  heute  noch  bestehende  Gewerbe-  und  Vorschußbank  in
Karlsruhe  hervorging,  die  Freiburger  Handwerkerkreditkasse
u.  a.  m.
Zu  diesen  gesellten  sich  dann  von  der  Mitte  der  50  er
Jahre  ab  die  zahlreichen,  heute  noch  in  allen  größeren  badischen
Gemeinden  vertretenen  Genossenschafts-Banken,  die  in  der
        <pb n="20" />
        17

Hauptsache  die  landwirtschaftlichen  und  gewerblichen  Volksschichten ­
  mit  kurzfristigem  Kredit  versorgten 1 ).
Unter  ihnen  haben  sich  in  einzelnen  badischen  Städten,
trotz  des  durch  das  Genossenschafts-Gesetz  etwas  beengten
aber  dafür  um  so  solideren  Geschäftsbetriebes  Institute  von  bedeutendem ­
  Umfange  entwickelt,  die  in  der  badischen  Volkswirtschaft ­
  eine  achtunggebietende  Rolle  spielen,  insbesondere  im
Hinblick  auf  ihre  CreditgeWährung  an  das  städtische  Handwerk,
Gewerbe  und  zahlreiche  Industrien,
Sie  kommen  jedoch  wegen  ihrer  aus  dem  Genossenschafts-Prinzip
  hervorgehenden,  streng  zentralistischen  Geschäftsführung
hier  nur  passiv  in  Betracht  insofern,  als  mehrere  unter  ihnen
durch  eingetretene  Liquidationen  den  badischen  Credit-Banken
Material  zu  weiterer  Expansion  gaben.  Die  einzelnen  Fälle
sind  an  anderer  Stelle  bei  dem  Entwicklungsgang  der  betr.
Banken  erwähnt.  Bei  der  Darstellung  der  gesamten  Kreditorganisation ­
  Badens  vor  der  Einigung  des  deutschen  Reiches  darf
die  Allgemeine  Versorgungsanstalt  Karlsruhe  nicht  unerwähnt
bleiben.  Im  Jahre  1835  gegründet  war  sie  ihrer  ursprünglichen
Bestimmung  nach  eine  Renten-Anstalt;  erst  im  Jahre  1863  wurde
mit  der  Allgem.  Versorg.-Anstalt  eine  Lebensversicherungsbank
verbunden.  Ihre  verfügbaren  Gelder,  die  ihr  aus  diesen  Geschäftszweigen ­
  und  aus  den  Depositen  der  gleichzeitig  mit  ihr
verbundenen  Hinterlegungskasse  zuflossen,  verwendete  sie  teilweise ­
  zu  Darlehen  an  Handel-  und  Gewerbetreibende  1  2 )
Nach  §  53  ihrer  Gründungsstatuten  durften  die  flüssigen
Mittel  angelegt  werden:
1)  auf  gerichtlich  erstes  und  wenigstens  doppeltes  Unterpfand, ­

2)  auf  inländische  zinstragende  Staatspapiere,
1)  Die  ersten  badischen  Kreditgenossenschaften  wurden  1858  in  Karlsruhe, ­
  Heidelberg  und  Ettenheim  gegründet.  Im  Jahre  1868  bestanden  bereits
46  solcher  Kreditvereine  in  Baden;  während  sich  die  ländlichen  Kreditgenoss,
erst  in  den  70iger  Jahren  in  Baden  ausdehnten.
2)  Der  Rechenschaftsbericht  von  1845  verzeichnet  bereits  740  Darlehen
gegen  gewöhnliche  Verzinsung  und  790  Darlehen  auf  Annitäten.
        <pb n="21" />
        18

3)  auf  Faustpfänder  in  Staatspapieren  und  Pfandverschreibungen, ­

4)  durch  Ankauf  von  Liegenschaften  und  vom  Jahre
1864  ab:
5)  im  Escompt-  und
6)  im  Girogeschäft.
Die  an  sie  herantretende  Nachfrage  nach  Kapitalien  wurde
von  ihr  regelmäßig  befriedigt,  soweit  es  ihre  Statuten  und  die
verfügbaren  Gelder  erlaubten.
Durch  ihren  dezentralisierten  Geschäftsbetrieb ] )  konnte
sie  dem  damaligen  Kreditbedürfnis  auf  1.  Sicherheit  durch  sorgfältige ­
  Darlehensgewährung  weitgehendst  gerecht  werden.
Mit  dieser  noch  in  kleinem  Rahmen  sich  bewegenden  gesamten ­
  Kreditorganisation  Badens  um  die  Mitte  des  vorigen
Jahrhunderts  steht  naturgemäß  in  engstem  Konnex  die  Entstehung ­
  und  Entwicklung  des  Handels  und  der  Industrie  des
Landes.  So  waren  auch  vor  1870  die  industriellen  Großbetriebe
Badens  nicht  sehr  zahlreich.  Die  wenigen  industriellen  Gründungen ­
  jener  Zeit  datieren  alle  nach  dem  Anschluß  des  Großherzogtums ­
  an  den  deutschen  Zollverein  im  Jahre  1834.  Es
sind  in  der  Hauptsache  die  Maschinenbaugesellschaft  Karlsruhe
(gegründet  1837),  die  Gesellschaft  für  Spinnerei  und  Weberei
Ettlingen  und  die  Zuckerfabrik  Waghäusel.  Großbetriebe  im
heutigen  Sinne  kannte  man  damals  noch  nicht;  die  vorwiegende
Beschäftigung  in  jener  Zeit  war  Ackerbau  und  Viehzucht  neben
einem  in  voller  Blüte  stehenden  Kleingewerbe.  Unternehmungen
korporativen  Charakters  hatten  sich  nur  sehr  vereinzelt  und  in
geringem  Umfange  gebildet,  so  noch  in  der  Bergwerksindustrie
unseres  Schwarzwalds  und  im  Gebiete  des  Handels  und  Verkehrs, ­
  Gesellschaften  für  die  Schiffahrt  auf  dem  Rhein  und  dem
Bodensee.  Dieser  wirtschaftlichen  Entwicklung  entsprach  auch
die  des  badischen  Bankgewerbes,  bis  der  große  deutsch-französische ­
  Krieg  hier  eine  völlige  Wandlung  schuf!
11  Der  Geschäftsbericht  von  1850  enthält  in  seinem  Verzeichnis  sämtlicher ­
  Geschäftsfreunde  67  badische  und  27  ausländische  Agenten.
        <pb n="22" />
        19

III.  Konzentrationstechnische  Entwicklung  der
badischen  Banken  nach  1870.
Die  Badische  Bank.
Die  Frucht  der  Jahrzehntelangen  vergeblichen  Bemühungen ­
  um  ein  badisches  Kreditinstitut,  das  den  Bedürfnissen  des
in  den  60er  Jahren  gewaltig  aufgeblüten  badischen  Handels-  und
Gewerbestandes  sowie  der  sich  mächtig  entwickelnden  Industrie
Rechnung  zu  tragen  hatte,  war  die  am  16.  März  1870  gegründete
Badische  Bank.  Sie  war  als  einzige  badische  Aktienbank  jeglichen ­
  Konzentrationstendenzen  unzugänglich.  Bis  heute  hat  sie
an  dem  Prinzip  strengster  Zentralisation  auf  die  beiden  badischen
Hauptindustriestädte  Mannheim  und  Karlsruhe  festgehalten  und
hat  auf  jedwede  äußere  Ausdehnung  ihres  Geschäftsbetriebs
durch  Errichtung  von  Filialen,  Agenturen  oder  Depositenkassen
verzichtet.  Mitbestimmend  für  diese  Tendenzen  war  vor  allem
ihre  gesonderte  Stellung  im  Großherzogtum  als  Landesnotenbank, ­
  als  welche  sie  zum  Teil  eine  von  den  anderen  Kreditbanken ­
  getrennte  Interessenstellung  zu  vertreten  hat.
Wohl  war  auch  für  sie  ein  innerhalb  der  badischen  Landesgrenzen ­
  gehaltenes  intensiv  verzweigtes  Filialnetz  in  ihren  Gründungsstatuten ­
  vom  Jahre  1870  (Art.  21)  vorgesehen.  Eine  diesbezügliche ­
  Bestimmung  enthält  noch  der  Art.  16  der  revidierten
Geschäftsstatuten  vom  Jahre  1904:
„Die  Gesellschaft  kann  durch  Beschluß  des  Aufsichtsrates ­
  Zweigniederlassungen  (Filialen  und  Agenturen)  errichten, ­
  auch  Anstalten  oder  Handelshäuser  mit  der  Besorgung ­
  ihrer  Geschäfte  beauftragen  Ferner
sollen  bei  Errichtung  weiterer  Zweigniederlassungen  vorzugsweise ­
  die  Städte  Freiburg  i/Br.,  Heidelberg,  Pforzheim, ­
  Lörrach  und  Villingen  berücksichtigt  werden.
Außerhalb  Badens  ist  die  Errichtung  von  Zweigniederlassungen ­
  oder  Agenturen  nur  nach  Vorschrift  des
Reichsbankgesetzes  §  44  Abs.  3  statthaft."
Sie  hat  zwar  verschiedentlich  den  Versuch  gemacht,  an
den  Hauptplätzen  des  Großherzogtums  mit  der  Errichtung  von
Agenturen  vorzugehen,  hat  auch  vorübergehend  in  Freiburg  und
        <pb n="23" />
        20

Lahr  solche  unterhalten,  diese  aber  mußte  sie  nach  einigen
Jahren,  wohl  wegen  zu  geringer  Rentabilität,  wieder  fallen
lassen.  Hier,  wie  in  fast  allen  größeren  Städten  Badens,  war
es  die  deutsche  Reichsbank,  die  durch  ihr  schon  frühzeitig  ausgebildetes ­
  Filialnetz  in  Baden  eine  eventuell  neu  zu  errichtende
Filiale  der  Badischen  Bank  schwer  aufkommen  ließ  und  zugleich
für  die  beiden  bestehenden  Bankplätze  der  Badischen  Bank  eine
nicht  zu  verkennende  schwere  Konkurrenz  bildete.
Die  Reichsbank  hatte  an  ihrer  Stelle  in  kurzer  Zeit  durch
ein  wohl  ausgebildetes  Filialnetz  das  badische  Land  in  ihren
Geschäftsbereich  eingezogen.  Schon  vor  Inkrafttreten  des  Bankgesetzes ­
  hatte  die  Mutteranstalt  der  Reichsbank,  die  preußische
Bank,  ihre  Saugarme  nach  dem  Großherzogtum  ausgestreckt
und  sich  in  Karlsruhe  und  Mannheim  (Filialen),  Pforzheim  und
Lahr  (Agenturen)  festgesetzt.  Mitte  der  70er  Jahre  gründete
die  durch  das  Reichsbankgesetz  neu  entstandene  Zentralnotenbank ­
  Filialen  in  Freiburg,  Heidelberg  und  Konstanz  und  zog
dann  von  den  drei  größeren  Plätzen  Mannheim,  Karlsruhe  und
Freiburg  (als  Reichsbankstellen)  auch  die  mittleren  Städte  Badens
wie  Weinheim,  Offenburg,  Bühl,  Rastatt,  Lörrach,  Triberg,  Villingen,
  Waldshut,  Säckingen  und  Baden-Baden  (als  Nebenstellen)
in  ihren  Geschäftsbereich  ein.  Es  sind  dies  alles  Städte,  die
durch  ihren  Handel,  Gewerbe  und  Industrie  teils  größeren
Kreditoperationen  zugängig  waren,  teils  auch  für  ausgedehnteren
Depositenzugang  einen  fruchtbaren  Boden  bildeten.  Sie  alle
waren  von  der  Badischen  Bank  als  eigene  Niederlassungen  vorgesehen, ­
  mußten  aber  aus  nachher  näher  zu  erörternden  Gründen
dem  Reichsnoteninstitut  überlassen  werden.
Mitte  der  90er  Jahre  zeigte  dann  die  Badische  Bank  abermals ­
  das  Bestreben  ihren  Aktionsradius  inbezug  auf  ihren
Wechselverkehr  zu  dezentralisieren,  indem  sie  nach  und  nach
fast  alle  badischen  Städte  (zuerst  36  im  Jahre  1895,  später  64
im  Jahre  1904  und  heute  75)  zu  Wechselpariplätzen  erhob,  d.  h.
sie  diskontierte  auf  die  bezeichneten  Städte  Wechsel  unter  den
für  Notenbanken  durch  Bankgesetz  festgesetzten  Bestimmungen
zu  dem  offiziellen  Satze,  ohne  Abzug  einer  Provision.  Diese
        <pb n="24" />
        21

neue  Einrichtung  kann  als  Gegenmaßnahme  gegen  die  sich  zu
jener  Zeit  in  Baden  dezentralisierende  Reichsbank  aufgefaßt
werden,  die  in  jeder  neuen  Niederlassung  eine  neue  Grundlage
für  die  Füllung  ihres  Wechselportefeuilles  und  für  die  Steigerung
ihres  Wechselverkehrs  überhaupt  erhielt,  da  sie  ebenfalls  auf
jede  Niederlassung  (Bankplatz)  provisionsfrei  diskontierte.  Der
Badischen  Bank  brachte  die  Errichtung  der  erwähnten  Wechselpariplätze ­
  wohl  die  gewünschte  Belebung  ihres  Diskontgeschäftes,
aber  eine  weiter  ins  Gewicht  fallende  geschäftliche  Expansion
war  damit  nicht  verbunden,  insbesondere  kann  sie  nicht  zu  einer
lokalen  Dezentralisation  ihrer  Geschäftstätigkeit  gerechnet  werden.
Denn  es  wurde  hierdurch  hauptsächlich  nur  eine  Erleichterung
für  den  Geschäftsverkehr  ihrer  Wechseldiskontanten  bezweckt,
während  sonst  das  Institut  an  den  erwähnten  Pariplätzen  keinen
weiteren  engeren  Bankverkehr  durch  Wechselankauf,  Lombardieren ­
  und  Effektenkommissions-  oder  Depositengeschäfte  erwirkte. ­

Fragen  wir  nun  nach  den  Gründen  dieser  Zurückhaltung
unseres  badischen  Notenbankinstitutes  auf  dem  Gebiete  der
Bankenkonzentration,  so  müssen  neben  den  Schwierigkeiten,
welche  die  Konkurrenz  der  kapitalkräftigeren  Reichsbank  und  der
mit  der  Industrie  in  innigem  Konnex  stehenden  badischen
Kreditbanken  mit  sich  brachten,  wohl  folgende  vier  Gesichtspunkte ­
  für  das  Festhalten  an  ihrem  Zentralisationsprinzip  maßgebend ­
  gewesen  sein:
1.  Die  Fesseln  des  Bankgesetzes  vom  Jahre  1876  und
die  Novelle  zu  diesem  Gesetze  von  1889,  wodurch  ihr
steuerfreies  Notenkontingent  auf  10  Mill.  Mark  fixiert,  ihr
Notenprivileg  auf  27  Mill,  Mark  verkürzt  und  ihr  Wechseldiskontgeschäft ­
  durch  das  Gebundensein  an  den  offiziellen
Banksatz  gehemmt  wurde.
2.  Die  schon  auf  die  beiden  bestehenden  Bankplätze
allein  in  sich  völlig  gesättigte  Geschäftstätigkeit,  die  für
sich  eine  fruchtbringende  Kreditgewährung  für  ihre  Betriebsmittel ­
  brachte.
3.  Die  mit  einer  neuen  Filialgründung  verbundene  Belastung ­
  ihres  Unkostenkontos  und  last  not  least
        <pb n="25" />
        22

4.  das  bei  einer  Dezentralisation  einzugehende  Geschäftsrisiko, ­
  welches  bei  ihrer  Stellung  als  Privatnoteninstitut
sehr  ins  Gewicht  fallen  mußte.
Aber  zu  alle  dem  kommt,  wie  schon  eingangs  erwähnt,
ihre  Sonderstellung  als  Landesnotenbank  vom  volkswirtschaftlichen ­
  Standpunkte  aus  betrachtet.  Als  solche  hat  sie  neben
der  Reichsbank  zunächst  in  erster  Linie  den  gesamten  Zahlungsverkehr ­
  zu  regeln  und  durch  ihr  Privileg  zur  Notenausgabe
den  Umlauf  der  baren  Geldmittel  zu  überwachen.  Erst  an
zweiter  Stelle  kommt  dann  die  Funktion  eines  kreditvermittelnden
Institutes  in  Betracht.  Um  ihren  ersteren  Obliegenheiten  gerecht
zu  werden,  ist  eine  Dezentralisation  nicht  absolut  erforderlich,
wenn  sie  auch  insbesondere  zur  Regulierung  des  Geldumlaufes
sehr  zweckdienlich  sein  würde.  Aber  deshalb  gleich  den  Stab
über  der  Badischen  Bank  zu  brechen  und  ihr  jedwede  Existenzberechtigung ­
  abzusprechen,  wie  dies  Ruby  in  seiner  Abhandlung
über  die  Badische  Bank  getan  hat,  dürfte  entschieden  zuweit
gehen.
Sie  kann  eben  als  Privatnotenbank  bezüglich  ihrer  äußeren
Entwicklung  nicht  ohne  weiteres  mit  dem  deutschen  Zentralnoteninstitut, ­
  oder  gar  mit  den  Kreditbanken  verglichen  werden,
für  die  in  unserer  heutigen  Wirtschaftsepoche  das  Einhalten
mehr  oder  minder  starker  Expansionstendenzen  eine  wirtschaftliche ­
  Notwendigkeit  geworden  ist.  Als  Privatnotenbank  sind  ihr
durch  Reichsgesetz  bestimmte  Grenzen  für  ihr  gesamtes  Wirken
gesetzt,  wodurch  für  sie  jeder  mit  größerer  Verlustgefahr  verbundene ­
  Geschäftszweig  und  jede  spekulativen  Charakter
tragende  Transaktion,  als  welche  auch  eine  nicht  aus  notwendigstem ­
  Bedürfnis  hervorgehende  Filialengründung  anzusehen
ist,  ausgeschlossen  ist.  Trotzdem  sie  durch  die  mächtig  dezentralisierte ­
  Reichsbank  weit  überflügelt  wurde,  darf  ihre  segenspendende ­
  und  tatkräftige  Unterstützung  der  badischen  Industrie
hauptsächlich  am  Mannheimer  Platze  nicht  übersehen  werden.
So  ist  es  zum  großen  Teil  mit  ihren  Interventionen  zu  verdanken, ­
  daß  in  der  Krise  von  1902  dem  Wirtschaftsleben  in
        <pb n="26" />
        Baden  nicht  noch  größere  Wunden  geschlagen  wurden.  Ihr
Geschäftsbericht  aus  diesem  Jahre  betont  dies  ausdrücklich:
„Es  freut  uns  außerdem  feststellen  zu  können,  daß
es  der  Badischen  Bank  in  dieser  kritischen  Zeit
möglich  war,  den  badischen  Handels-  und  Industriekreisen ­
  ca.  8  Millionen  Mark  zur  Verfügung  zu  stellen.
Und  auch  in  neuester  Zeit  ist  ihr  umfangreiches  Wirken
zur  Befruchtung  des  Handels,  Gewerbes  und  insbesondere  der
Industrie  des  Landes  klar  zu  Tage  getreten,  sodaß  sie  heute
als  mächtiger  Faktor  für  die  kommerzielle  und  industrielle  Bewegung ­
  des  Landes  gilt.

Die  Süddeutsche  Bank.
Einen  in  ihrer  Entwicklung  ebenfalls  mehr  oder  weniger
zentralisierten  Charakter  zeigt  die  am  1.  Oktober  1896  gegründete
Süddeutsche  Bank.  Für  die  vorliegende  Arbeit  kann  nur  deren
Übergang  in  den  Deutschen  Bankkonzern  von  Bedeutung  sein,
ihr  äußerer  Entwicklungsgang  soll  daher  nur  kurz  gestreift
werden.
Sie  entstand  durch  Übernahme  der  Kundschaft  des  Mannheimer ­
  Privatbankhauses  Goldmann  &amp;amp;  Kuhn,  das  in  diesem
Jahre  liquidierte.  Ihr  erstes  Aktienkapital  war  mit  3  Mill.  Mark
voll  eingezahlt.  Die  Gesellschaft  kommanditierte  zunächst  die
Bankfirma  Lazard  Brach  &amp;amp;  Co.  in  St.  Johann-Saarbrücken  im
Jahre  1898  mit  1  Mill.  Mark,  wovon  sie  400000  Mark  als  Unterbeteiligung ­
  weitergab.  Ihre  einzige  Filiale  errichtete  sie  i.  J,
1899  in  Worms  durch  Übernahme  der  früheren  Bankfirma
Ed.  Herz  &amp;amp;  Co.  in  Worms.  Einer  weiteren  Dezentralisation
war  sie  nicht  mehr  zugänglich.  Die  Motive  hierfür  sind  in  der
engen  Verknüpfung  mit  der  Mannheimer-Ludwigshafener  Industrie ­
  zu  suchen,  die  ihr  Gesamtinteresse  an  diesen  Platz  ge ­
        <pb n="27" />
        bunden  hielt.  So  bestand  auch  charakteristischerweise  ihr  Aufsichtsrat ­
  bis  vor  dem  Eintritt  in  den  Deutschen  Bank-Konzern
fast  ausschließlich  aus  Großindustriellen  dieser  beiden  Plätze.
Wie  ihre  Konkurrenzbank,  die  Oberrheinische  Bank,  gerät
auch  dies  Institut  um  die  Jahrhundertwende  in  die  Gefolgschaft
des  sich  mächtig  ausdehnenden  Machtbereichs  des  Berliner
Großbankentums.  Zunächst  war  es  die  Dresdener  Bank,  die
sich  durch  Aktienbesitz  an  der  Süddeutschen  Bank  zu  beteiligen
suchte.  Nachdem  schon  1894  die  Deutsche  Bank  festen  Fuß
in  Mannheim  gefaßt  hatte,  durften  die  anderen  Berliner  Großbanken ­
  nicht  mehr  allzu  lange  zögern,  wollten  sie  nicht  diesen
wichtigsten  Handelsplatz  Süddeutschlands  ganz  aus  ihrem  Interessenkreis ­
  fallen  lassen.  Die  Dresdner  Bank  benutzte  daher
den  steigenden  Kapitalbedarf  der  Süddeutschen  Bank  (durch
Generalversammlungsbeschluß  vom  10.  März  1898  wurde  das
Aktienkapital  um  3  Mill.  auf  6  Mill.  erhöht),  um  im  Sommer
1898  nom.  1  Mill.  Mark  junge,  aus  dieser  Kapitalserhöhung
stammende  Aktien  zu  übernehmen  und  zugleich  die  Einführung
sämtlicher  Süddeutschen  Bankaktien  —  6  Mill.  Mk,  —  an  der
Frankfurter  Börse  (Frühjahr  99)  zu  beantragen  und  zu  erwirken.
Jedoch  war  der  Dresdner  Bank  mit  dieser  im  Verhältnis
zur  Bedeutung  des  Platzes  minimalen  Beteiligung  nicht  gedient;
denn  sie  gründete  im  folgenden  Jahre  eine  eigene  Filiale  in
Mannheim,  die  sich  zu  einer  ihrer  bedeutendsten  Niederlassungen ­
  herauswuchs  und  für  den  Mannheimer  Handel  und  die  Industrie ­
  unter  den  lokalen  Kreditbanken  von  hervorragender  Bedeutung ­
  wurde.  Ihren  Aktienbesitz  an  der  süddeutschen  Bank
scheint  sie  unterdessen  wieder  fallen  gelassen  zu  haben,  sodaß
sich  aus  dieser  Transaktion  nur  ein  vorübergehendes  Effektengeschäft ­
  erübrigte.  Die  Süddeutsche  Bank  stand  so  wiederum
geraume  Zeit  auf  eigenen  Füßen,  In  den  folgenden  Jahren  vermochte ­
  sie,  trotzdem  sie  auf  sich  selbst  angewiesen  war,  sich
kräftig  zu  entwickeln.  Durch  den  bekannten  Rheinaukrach  wurde
sie  nicht  direkt  in  Mitleidenschaft  gezogen,  verpflichtete  sich
aber  in  dem  darauffolgenden  Jahre  sehr  stark  bei  der  mit  ihr
eng  verbundenen  Mannheimer  Industrie,  was  aus  den  gestei-24
        <pb n="28" />
        t

gerten  Akzeptgewährungen  hervorgeht.  Ende  1904  betrugen
diese  124  °/o  ihres  Aktienkapitals,  wodurch  sie  sich  neben  ihrem
gesteigerten  Kapitalbedarf  zu  einer  erneuten  Kapitalserhöhung
um  4  Mill.  Mk.  gezwungen  sah.
An  diesem  Punkte  setzt  wiederum  die  Machtsphäre  der
Berliner  Großbanken  ein,  um  ihrem  Expansionsbedürfnis  Rechnung ­
  zu  tragen.  Die  seither  unabhängige  Süddeutsche  Bank
gerät  in  den  Konzern  der  Deutschen  Bank.  Dadurch,  daß  jene
gemeinschaftlich  mit  der  mit  ihr  in  freundschaftlicher  Beziehung
stehenden  Rheinischen  Creditbank  die  jung  zu  emittierenden
Aktien  zu  gleichen  Teilen  übernimmt,  ist  der  entscheidende
Schritt  getan.  Das  „Freundschafts“-Verhältnis  mit  der  Deutschen
Bank,  das  durch  diese  Aktienübernahme  zustande  kam,  wurde,
wie  dies  jeweilig  der  Fall  ist,  durch  eine  Aufsichtsratswahl  der
unterstützenden  Bank  dokumentiert.  Roland-Lücke,  Direktor
der  Deutschen  Bank  in  Berlin,  und  Dr,  Brosien,  Direktor  der
Rheinischen  Creditbank  in  Mannheim,  erhalten  Sitz  und  Stimme
im  Aufsichtsrat  der  Süddeutschen  Bank,  während  umgekehrt
letztere  auf  die  Geschäftsführung  der  beiden  unterstützenden
Banken  keinerlei  Einfluß  gewinnen  konnte,  Eine  Folge  des
mehr  einer  vasallenmäßigen  Abhängigkeit  gleichen  Freundschaftsverhältnisses ­
  war  die  Abgabe  ihrer  kommanditarischen  Beteiligung ­
  an  dem  Bankhause  Lazard  Brach  u.  Co.  in  St.  Johann
an  die  Bergisch-Märkische  Bank,  die  seit  1897  voll  in  den
Machtbereich  der  Deutschen  Bank  zu  rechnen  ist.  Hier  ist  zugleich ­
  ein  deutlicher  Beweis  für  das  Streben  der  Berliner  Großbanken ­
  gegeben,  ihren  Machtbereich  distriktweise  zu  rayonieren.
Speziell  den  Intentionen  der  Deutschen  Bank  ist  es  zuzuschreiben,
daß  das  im  19.  Jahrhundert  noch  vollständig  in  einzelne  selbständige ­
  Institute  zersplitterte  Bankwesen  Deutschlands  sich
immer  mehr  in  einzelne  Gruppen  alliierte,  wodurch  andererseits
einer  stärkeren  Einflußgewinnung  von  Seiten  der  Großbanken
Vorschub  geleistet  wird.
Bei  der  ganzen  Hülfsaktion  an  der  Süddeutschen  Bank  —
als  etwas  anderes  ist  in  Wirklichkeit  diese  Kapitalsunterstützung
nicht  zu  betrachten  —  sind  zum  ersten  Male  in  Baden  derartige
Geyer  3  25
        <pb n="29" />
        26

Bestrebungen  der  Deutschen  Bank  erkennbar.  Sie,  die  schon
fast  seit  ihrem  Bestehen  in  der  Pioniertätigkeit  für  eine  deutsche
Bankenkonzentration  stets  an  der  Spitze  marschiert  war,  sucht
sich  nun  auch  in  Baden  eine  starke  Bankengruppe  unter  der
Aegide  des  mächtigsten  badischen  Kreditinstituts,  der  Rheinischen
Creditbank,  zu  schaffen.  Deshalb  wurde  zunächst  die  Rheinische
Creditbank  bei  der  Kapitalserhöhung  mit  ebenfalls  2  Mill.  mit
beteiligt,  obwohl  es  damals  der  Deutschen  Bank  sicherlich  ein
Leichtes  gewesen  wäre,  die  ganze  Süddeutsche  Bank  zu  fusionieren. ­
  Aber  zunächst  durfte  durch  eine  eigene  Niederlassung
am  Mannheimer  Platze,  die  in  Wirklichkeit  doch  nichts  anders
als  eine  Konkurrenzbank  bedeutet  hätte,  der  Rheinischen  Creditbank ­
  nicht  vor  den  Kopf  gestoßen  werden.  An  dem  Erstarken
der  letzteren  war  die  Deutsche  Bank  selbst  am  meisten  interessiert, ­
  soweit  sie  nur  im  Wege  der  Interessengemeinschaft  und
nicht  durch  Gründung  direkter  Niederlassungen  sich  eine  ihrem
Konzern  zugehörige  badische  Bankengruppe  bilden  wollte.
Andererseits  wäre  es  unpolitisch  gewesen  sich  die  Süddeutsche
Bank  vollständig  einzuverleiben,  insofern  hierdurch  der  enge
Konnex,  den  das  Institut  mit  der  gesamten  Mannheimer  Industrie
in  ihrem  größtenteils  aus  Mannheimer  und  Ludwigshafener
Großkaufleuten  bestehenden  Aufsichtsrat  verband,  hierdurch
sicherlich  teilweise  verloren  gegangen  wäre.  In  den  folgenden
Jahren  wird  von  der  Deutschen  Bank  diese  Politik,  Erstarkung
und  Ausbildung  einer  badischen  Bankengruppe,  in  der  sie  zu
gelegeneren  Zeiten  ihren  Einfluß  geltend  machen  konnte,  weiter
befolgt.  Sie  zieht  ihren  Aufsichtsratposten  in  der  Süddeutschen
Bank  im  Jahre  1897  zurück  und  überläßt  der  Rheinischen
Creditbank  dann  den  Vorsitz.  Daß  mit  dieser  Einflußverschiebung, ­
  die  zugleich  eine  Stärkung  der  Machtsphäre  der  Rheinischen ­
  Creditbank  mit  sich  brachte,  stillschweigende  Vereinbarungen ­
  und  Konzessionen  des  letzteren  Instituts  von  seiten
der  Deutschen  Bank  verbunden  waren,  darf  als  sicher  angenommen ­
  werden.  Diese  Transaktion  ist  auch  als  Grundstein  zu  dem
Abschluß  der  badischen  Bankenkonzentration  in  Bezug  auf  die
Deutsche  Bank-Gruppe  anzusehen,  der  zustandekam  in  der  an
        <pb n="30" />
        3*

27

anderer  Stelle  behandelten  großen  Interessengemeinschaft:  Rheinische ­
  Creditbank  —  Pfälzische  Bank  —  Süddeutsche  Bank,
wodurch  die  Süddeutsche  Bank  mit  der  Pfälzischen  Bank  fusioniert ­
  wurde  und  intern  vollständig  in  jener  aufging.
(Tabelle  siehe  Seite  28.)

Die  Oberrheinische  Bank.
Die  Konzentrationsbestrebungen,  denen  wir  bei  der  kaum
zwei  Jahrzehnte  dauernden,  aber  kräftig  dezentralisierten  Entwicklung ­
  der  Oberrheinischen  Bank  begegnen,  zeugen  deutlich
für  den  überhandnehmenden  Einfluß  der  Berliner  Großbanken
über  unser  badisches  Bankwesen.  Hand  in  Hand  hiermit  geht
der  kurz  vor  der  Jahrhundertwende  einsetzende  Eroberungszug
der  in  der  Reichshauptstadt  bei  einigen  wenigen  Banken  akkumulierten ­
  Kapital-  und  Machtsphäre  in  alle  deutsche  Einzelstaaten
und  heute  weit  über  die  deutschen  Grenzen  in  alle  Erdteile
hinein.
Die  Oberrheinische  Bank  war  das  erste  badische  Kreditinstitut, ­
  das  sich  einem  Berliner  Großbankenkonzern  (Deutsche
Bank)  angliederte,  und  die  dann  später  dem  von  Berlin  strahlenförmig ­
  ausgehenden  mächtigen  Expansionsdrang  dieser  Kapitalsmacht ­
  zum  Opfer  fiel.  Diese  Erscheinung  ist  hauptsächlich  in
der  Konzentrationsperiode  1895—1901  die  wichtigste  Ursache
zum  Zusammenschluß  der  wichtigsten  kreditvermittelnden  Unternehmungen ­
  in  den  einzelnen  Bundesstaaten  Deutschlands.  Im
Großherzogtum  Baden  machte  sich  dieser  „Zug  in  die  Provinz“
zunächst  bei  der  Oberrheinischen  Bank  geltend.  Wohl  ist  ihre
mächtig  dezentralisierte  Entwicklung  hauptsächlich  auf  das  Konto
der  Deutschen  Bank  zu  schreiben,  aber  auch  ihr  restloses  Aufgehen ­
  in  die  Rheinische  Creditbank  hat  sie  der  Machtsphäre
dieses  Berliner  Instituts  zuzuschreiben.
        <pb n="31" />
        Süddeutsche  Bank,  Mannheim,

JahrAktien- ­





Kreditoren

Debitoren

Wechsel

Gesamt-Umsatz

Konzentrationsultimo



Kapital
M.

(sämtliche)
M.

und
Depositen

Reingewinn

und
Lombards

von  1  Seite

Vorgänge

338  658  669

Kommandit.  be1896/97 ­



3  000  000

—

1  379  661

379  591

5  101  775

1  616  177

teiligt  b.  Lazard,

1898

5  000  000

198  174

1  413  160

328  128

7  033  534

2  071  719

355  129  156  &amp;lt;

Brach  &amp;amp;Co.,inSt.
Johann  (1  Mill.)
Dauernde  Beteilig. ­
  d.  Dresdn.  Bk.

1899

6  000  000

333  139

3  537  011

575  114

11  414  717

3  611  087

467  538  111

Fil.i.Worms  gegr.

1900

6  000  000

461  633

7  595  778

633  962

13  946  284

4  660  106

704  068  917

1901

6  000  000

537  591

6  367  022

400  733

12  118  863

4  067  756

703  693  164

Kommandite  St.
Johann  ertraglos.

1902

6  000  000

552  718

7  573  383

352  154

12  760  679

4  467  203

597117  797

1903

6  000  000

566  291

8  359  383

418  706

13  830  984

4  327  150

654  070  302

Abstoßung  der
Komm.  St.  Jo1904 ­



6  000  000

586  698

8  606  073

473  818

13  978  041

5  345  934

751  111  998  •

hann,  Eintritt  in

1905

10  000  000

609  671

8  556  644

656  387

16  570  981

4  820  717

901  469  846

den  Deutschen
Bank-Konzern.

1906

10  000  000

641  767

12  460  666

801  624

21  582  584

6  534  370

1  001  160  132

1907

10  000  000

725  900

12  006  770

785  995

22  286  568

6  417  834

1  125  452  542

Austritt  d.  Aufsichtsrats ­
  d.Dt.B.

fDr.  Brosin  Vor1908 ­



10  000  000

761  882

12  094  036

911  767

22  955  891

8  190  019

1  167  111  252

sitzender  d.  Auf-^
  sichtsrats.

1909

10  000  000

801  647

12  144  372

950  102

24  143  068

7  833  782

1  133  739  006

1910

10  000  000

842  554

14  401  233

984  063

25  741  199

8  474  704

1  172  359  635

1911  Fusion  in  die  Pfalz.  Bk.,  Interessengem.  Rhein.  Cred.  Bk.  —  Pfälzische  Bank.
        <pb n="32" />
        29

Der  äußere  Entwicklungsgang  der  Oberrheinischen  Bank
bekundet  starke  dezentralisierende  Tendenzen:  Aus  der  Mannheimer ­
  Bankfirma  Köster  &amp;amp;  Co.  wurde  sie  im  Jahre  1883  als
Aktienbank  mit  einem  Kapital  von  3  Mill.  Mark  unter  der  Firma
Kösters  Bank  A.-G.  gegründet.  Aus  ihrer  inneren  Geschäftstätigkeit ­
  ist  ihr  auf  eine  hohe  Stufe  gebrachtes  Wechselinkassogeschäft
hervorzuheben,  das  sie  als  Spezialität  nach  französischem  Muster
betrieb  und  in  dem  sie  (nach  Ph.  Bauers  Aktienunternehmungen
in  Baden)  seinerzeit  in  Deutschland  von  keinem  anderen  Kreditinstitut ­
  soll  übertroffen  worden  sein.  Sie  hatte  für  diesen  intensiv
betriebenen  Geschäftszweig  einen  eigenen  umfangreichen  Inkassotarif ­
  in  drei  Sprachen  verfaßt  herausgegeben,  worin  sie  die
Spesen  für  den  Einzug  von  Wechseln  auf  jeden  bedeutenderen
Handelsplatz  der  Welt  zusammengestellt  hatte.  Dieser  Tarif
versah  für  die  damalige  Zeit  zugleich  die  Dienste  eines  handelsgeographischen ­
  Lexikons.
Mit  der  Gründung  der  A.-G.  verbunden  war  gleichzeitig
die  Errichtung  ihrer  beiden  ersten  Niederlassungen  in  Heidelberg
und  Frankfurt  a.  M.  Im  Verlauf  des  ersten  Jahrzehnts  ihres
Bestehens  zeigte  sie  dann,  solange  noch  ihre  Zentrale  in  Mannheim ­
  isoliert  dastand,  keine  weiteren  Expansionsgelüste.  Im
Gegenteil  mußte  sie  ihre  Frankfurter  Niederlassung  im  Jahre  1894
liquidieren.  Auch  zeigt  ihre  innere  Geschäftsentwicklung  keine
Merkmale  einer  erheblichen  Ausdehnung  ihrer  kreditvermittelnden
Tätigkeit,  was  daraus  hervorgeht,  daß  ihre  Betriebsmittel  auf
ungefähr  derselben  Höhe  blieben.
Erst  die  Generalversammlung  vom  11.  April  1894  bildet
den  Wendepunkt  in  ihrem  Werdegange.  Hier  wurde  eine  Kapitalserhöhung ­
  auf  5  Millionen  beschlossen,  wobei  die  Deutsche  Bank
zum  ersten  Male  in  die  Geschicke  der  Oberrheinischen  Bank
eingriff,  indem  sie  die  Neuemission  garantierte  und  zugleich  die
Einführung  der  Oberrheinischen  Bankaktien  an  den  Börsen  zu
Berlin  und  Frankfurt  a.  M.  beantragte  und  erwirkte.  Von  nun
an  gerät  das  Mannheimer  Institut  immer  mehr  in  das  Schlepptau ­
  der  Berliner  Großbank.  Hierbei  schlug  die  Deutsche  Bank
zur  Erreichung  ihres  gewünschten  Zieles  einen  für  jene  Zeit
        <pb n="33" />
        30

neuen  Weg  ein.  Sie  wandelte  die  in  Betracht  kommende
Provinzbank  nicht  sofort  in  eine  ihrer  Filialien  um,  sondern  suchte
sie  durch  Aktienerwerb  oder  Aktienaustausch  sich  anzugliedern.
Was  hierbei  besonders  ins  Auge  fällt,  dem  auf  diese  Weise  angegliederten ­
  Institut  wird  seine  äußere  Selbständigkeit  im
weitesten  Umfange  belassen,  und  nur  durch  Herstellung  einer
Personalunion  in  den  beiderseitigen  Aufsichtsräten,  eventuell  auch
nur  durch  einseitige  Bestellung  einer  oder  mehrerer  Aufsichtsratstellen, ­
  wird  der  Konnex  hergestellt.  Hierdurch  läßt  sich  dannäusserlich
  der  Grad  der  inneren  Abhängigkeit  erkennen.  Ist  dieses
Stadium  erreicht,  so  sucht  die  Großbank  ihren  Einfluß  auf  die
Geschäftsleitung  der  Provinzbank  auszudehnen  und  zu  stärken.
So  war  es  auch  in  diesem  Fall.  Die  Interessensphäre  der  Oberrheinischen ­
  Bank,  welche  sie  mit  der  Mannheimer  und  Heidelberger ­
  Industrie  eng  verknüpfte,  mußte  erhalten  bleiben  und
zugleich  nach  der  Deutschen  Bank  hinübergreifen.  Die  Berliner
Großbank  erreichte  es  auch  gleich  von  Anfang  an,  einen  gravierenden ­
  Einfluß  auf  das  Mannheimer  Institut  sich  zu  sichern.
Hierfür  spricht  auch  der  Umstand,  daß  die  Oberrheinische  Bank
gewissermaßen  als  Dankesleistung  für  die  von  der  Deutschen
Bank  übernommene  und  garantierte  Kapitalserhöhung  letzterem
Institut  eine  Aufsichtsratstelle  überließ,  was  umgekehrt  keineswegs ­
  der  Fall  war.  Es  war  der  Oberrheinischen  Bank  jedoch
gestattet  (dies  um  die  Abhängigkeit  äußerlich  zu  verwischen),
daß  eines  ihrer  Direktionsmitglieder  einmal  monatlich  an  den
Gesamtdirektoriumssitzungen  der  Berliner  Großbank  teilnahm,
was  aber  keinesfalls  einem  Äquivalent  gleichkam.  Durch  die
bezeichnete  Aufsichtsratstelle  im  Mannheimer  Institut  hatte  die
Deutsche  Bank  ein  Mittel  in  die  Hand  bekommen,  gegen  alle  größeren
Emissions-,  Erweiterungs-  oder  sonstigen  Kreditpläne  der  Oberrheinischen ­
  Bankdirektion,  die  etwa  ihrem  Geiste  zuwiderlaufen
könnten,  rechtzeitig  ein  Veto  einzulegen.  Weiterhin  verdankt
aber  auch  die  Oberrheinische  Bank  hauptsächlich  diesem  Spiritus ­
  rector  ihre  von  jetzt  ab  folgende  beträchtliche  Entwicklung.
So  verstand  es  das  Berliner  Institut,  die  Oberrheinische  Bank
bei  dem  energischen  Ausbau  eines  intensiv  verzweigten  Filial ­
        <pb n="34" />
        31

netzes  mit  ihrer  in  der  Provinz  schon  vielfach  erprobten  planmäßigen ­
  Konzentrationspolitik  zu  leiten.
Im  April  1894  waren  die  freundschaftlichen  Beziehungen
mit  Berlin  angeknüpft  und  bereits  am  1.  März  1895  wurde  die
erste  Depositenkasse  in  Ludwigshafen  a.  Rh.  eröffnet,  der  dann
Schlag  auf  Schlag  die  anderen  Filialen  folgten.  1896  eröffnete
sie  eine  weitere  Niederlassung  im  Elsaß  durch  Übernahme  der
altrenommierten  Privatbankfirma  C.  Schwarzmann  in  Straßburg
i.  E.  Die  hierzu  erforderlichen  Mittel  stammten  aus  einer  gleichzeitig ­
  vorgenommenen  weiteren  Kapitalserhöhung  von  2  Mill.  auf
7  Mill.  Mk.  Zugleich  wurde  die  bisherige  Firma  umgeändert  in
Oberrheinische  Bank,  Zentrale  in  Mannheim.  Die  folgende  Expansionspolitik ­
  erforderte  weitere  Kapitalserhöhung  und  zwar
1897  auf  10  Mill.  Mk.
1898  „  15  „  „
1899  „  20  „  „
wovon  jedoch  nur  25  °/ 0  in  diesem  Jahre  eingefordert  und  1900
weitere  25  °/ 0  eingezahlt  wurden,  sodaß  ihr  eingezahltes  Aktienkapital ­
  zu  Beginn  des  20.  Jahrhunderts  bereits  auf  17,5  Mill.  Mk.
gestiegen  war  gegen  3  Mill.  im  Jahre  1894  vor  Anschluß  an  die
Deutsche  Bank.  Bemerkenswert  für  die  letzte  Kapitalserhöhung
ist  der  Umstand,  daß  von  da  ab  die  Oberrheinische  Bank  zugleich ­
  in  eine  Interessengemeinschaft  mit  einer  schweizerischen
Bank,  der  Creditanstalt  in  Zürich,  eingetreten  war.  Diese  hatte
gleichzeitig  mit  der  Deutschen  Bank  die  Neuemission  übernommen. ­
  Durch  diese  freundschaftlichen  Beziehungen  gelang  es
dann  später  dem  Züricher  Bankinstitut  gelegentlich  der  Fusion
der  Oberrheinischen  Bank  einen  Aufsichtsratsitz  in  der  Rheinischen ­
  Creditbank  zu  erlangen,  den  es  heute  noch  innehat.
Hand  in  Hand  mit  dieser  gewaltigen  Betriebsmittelsteigerung ­
  ging  die  weitere  intensive  Dezentralisation  des  Mannheimer ­
  Instituts.  Im  Jahre  1898  sind  allein  vier  neue  Filialen
eröffnet  worden.  Zunächst  hat  sie  das  badische  Oberland  in
ihren  Geschäftsbereich  einbezogen,  indem  sie  nach  Erwerbung ­
  des  Privatbankhauses  des  Herrn  Christian  Mez  in
Freiburg  i/Br.,  mit  einer  neuerrichteten  Filiale  ihren  Betrieb
        <pb n="35" />
        32

eröffnete.  Die  hierdurch  entstandene  Lücke  zwischen  Zentrale
und  dem  Oberland  wurde  noch  im  gleichen  Jahre  durch  eine
Niederlassung  in  der  badischen  Residenz  ausgefüllt.  Ferner  übernahm ­
  sie  die  alte  Bankfirma  F.  F.  Meyer  in  Baden-Baden  und
in  Rastatt;  in  beiden  Städten  errichtete  sie  gleichfalls  noch  im
selben  Jahre  Filialen.  Am  1,  Januar  1899  folgte  dann  die  Eröffnung ­
  einer  Niederlassung  in  Bruchsal  und  am  1.  Juli  des
folgenden  Jahres  einer  Niederlassung  in  Mühlhausen  i.  E.  und
in  Basel,  welch  letztere  durch  die  in  Interessengemeinschaft
stehende  Schweizerische  Creditbank  unterstützt  wurde.  Mit
dem  Ende  des  alten  Jahrhunderts  wurden  dann  die  Expansionsbestrebungen ­
  abgeschlossen  und  sie  verwandte  die  folgenden
Jahre  zum  Ausbau  und  zur  inneren  Kräftigung  ihrer  vielen
allerorten  neugegründeten  Niederlassungen.
In  nicht  viel  mehr  als  vier  Jahren  hatte  sie  somit  ein  auf
11  Plätze  sich  erstreckendes  Filialnetz  ausgebaut,  das  das  Großherzogtum ­
  Baden,  Teile  von  Elsaß,  der  Schweiz  und  der  bayrischen ­
  Pfalz  in  ihren  Machtbereich  eingeschlossen  hatte.  In
Süddeutschland  nahm  sie  somit  zur  Zeit  der  Jahrhundertwende
als  Kreditbank  bezüglich  ihrer  Bedeutung  für  Handel  und  Industrie, ­
  neben  der  Rheinischen  Creditbank,  den  hervorragendsten
Platz  ein,  was  sie  größtenteils  der  Initiative  ihres  kapitalkräftigen ­
  Rückgrats,  der  Deutschen  Bank,  verdankte.
So  wurde  ihr  im  Jahre  1900  zum  ersten  Male  eine  3 J / 2  °/ 0 ige
Badische  Staatsanleihe  in  Höhe  von  28  Mill.  Mk.  zugeteilt,  die
sie  gemeinsam  mit  dem  Deutschen  Bankkonzern  erfolgreich  placierte. ­
  (Die  früheren  badischen  Staatsanleihen  hatten  bisher  der
Konzern  der  Disconto-Gesellschaft  mit  dem  ihr  eng  befreundeten ­
  Mannheimer  Bankhaus  W.  H.  Ladenburg  und  der  Firma
M.  A.  von  Rothschild  u.  Söhne  in  Frankfurt  a.  M.  übernommen;
darauf  einigten  sich  im  folgenden  Jahre  die  beiden  Konzerne
zur  gemeinsamen  Übernahme  der  badischen  Staatsanleihen,  die
bis  heute  noch  gemeinsam  den  badischen  Staaten  die  Geldmittel
zu  ihren  neuen  Anleihen  verschaffen.)  Ebenso  gelang  es  ihr
dann  im  darauffolgenden  Jahre  gemeinsam  mit  der  Berliner
Großbank  Neuemissionen  verschiedener  Staats-,  Städte-  und  In ­
        <pb n="36" />
        33

dustrieobligationen  zu  übernehmen.  Ihre  Effekten-Emissions-  und
Konsortialgeschäfte  gewinnen  einen  immer  großzügigeren,  aber
auch  spekulativeren  Charakter,  der  sich  ebenfalls  nur  durch  den
starken  Rückhalt  der  kapitalkräftigen  Deutschen  Bank  einigermaßen ­
  rechtfertigen  läßt.
Die  Katastrophe  erfaßte  dann  das  Institut  bei  dem  bekannten
Zusammenbruch  der  Rheinaugesellschaften  während  der  großen
Krise  im  Jahre  1902,  welche  ihr  auch  weiter  erhebliche  Verluste ­
  brachte,  sodaß  sie  auf  eine  Dividendenverteilung  für  dieses
Jahr  verzichten  mußte  (bisher  6  °/ 0 ).  Zur  Deckung  ihres  Verlustsaldos ­
  und  zu  außerordentlichen  Abschreibungen  mußte  sie
den  Reservefonds  mit  über  2  Mill.  Mk,  heranziehen,  sodaß  sich
derselbe  auf  0,38  Mill.  ermäßigte.  Noch  während  des  mit  sehr
großen  Verlusten  für  die  Bank  verbundenen  Krisenjahres  fühlte
sie  zum  letzten  Male  ihre  von  der  Deutschen  Bank  ererbte
Expansionslust  wach  werden.  Unter  dem  Einfluß  dieser  nimmt
sie  die  seit  1856  bestehende  altrenommierte  Karlsruher  Privatbankfirma ­
  Ed.  Kölle  in  ihre  dortige  Filiale  auf.
Wohl  erholte  sich  die  Bank  in  den  beiden  darauf  folgenden
Jahren  einigermaßen  (sie  verteilt  1903  D/a  °/ 0 ,  1904  3’/ 2  °/ 0  Dividende), ­
  aber  die  Nachwirkungen  der  schweren  Schädigung  in
dem  Krisenjahre  und  nicht  zum  mindesten  der  gewaltige  Druck
der  Berliner  Großbank  (diese  war  vor  der  Krise  mit  2 1 / a  Mill.  Mk.
Aktienbesitz  an  dem  Mannheimer  Institut  beteiligt,  den  sie
sicherlich  während  des  Rheinaukraches  bedeutend  erweitert  hat)
zwang  sie  dann  zu  der  an  anderer  Stelle  behandelten  Fusion
in  die  Rheinische  Creditbank  Mannheim.
        <pb n="37" />
        34

Oberrheinische  Bank
(in  1000.—  M),

Jahr

Akt.-Kap.

Ges.-Ums.

Reingew.

Divid.

1883

3100

4  59  257

122,4

4%

1884

3100

520  983

237,8

5%

1885

3100

571  323

302,0

5%

1886

3100

590  124

286,8

4  7»

1887

3100

619  250

288,5

4%

1888

3100

691  981

366,0

1889

3100

692  957

222,8

—

1890

3100

711  714

358,1

6%

1891

3100

698  557

335,5

6%

1892

3100

706124

344,7

6%

1893

3  100

708  837

337,8

6°/o

1894

5  000

635  272

380,0

6  7»

1895

5  000

694  619

464,8

6  7»

1896

7  000

836  982

633,6

6  7o

1897

10  000

879  333

803,7

6 # /o

1898

15  000

1  195  658

1  211,3

6  7o

1899

16  250

1  647  267

1  310,7

6  °/o

1900

17  500

2  504  497

1  356,5

6  7o

1901

17  500

2  238  624

1  364,3

6  7»

1902

17  500

2  304  201

’—

—

1903

17  500

2036178

410,4

iv/o

Konzentrations-V  orgänge
1.  Juli  gegr.  aus  Privatbankhaus ­
  Köster,  Mhm.
mit  2  Filialen  in  Heidelberg
und  Frankfurt  a/M.

Eintritt  in  den  Deutschen
Bank-Konzern.
1.  März  Depositenkasse  in
Ludwigshafen  a./Rh.
15,  Febr.  3.  Filiale  in
Straßburg  i./Els.

1.  April  Fusion  Privatbk.
Chr.  Mez,  Freiburg  i./Br.
und4.Filiale  in  Freibg,  i./Br,
1.  Juni  5.  Filiale  in  Karlsruhe, ­
  6.  Filiale  in  Rastatt,
7.  Filiale  in  B.-Baden.
1.  Jan.  8.  Filiale  in  Bruchsal, ­
  9.  Filiale  in  Basel,
10.  Fil.  in  Mühlhausen  i./E.
1.  Juni  Freundschaftsverhältnis ­
  m.  Schweizer.  Kred.
Anstalt,  Zürich.

Fusion  in  die  Rhein.Credit
Bank,  Mannheim.
        <pb n="38" />
        1

35

Es  war  die  an  Kapitalstärke  an  zweiter  Stelle  stehende
Discontogesellschaft  zu  Berlin.  Sie  durfte  nicht  länger  zuwarten,
nachdem  sich  die  Deutsche  Bank  und  die  Dresdner  Bank  zu
Beginn  des  neuen  Jahrhunderts  bereits  eine  feste  Position  in
Baden  geschaffen  hatten  —  erstere  durch  den  Eintritt  der  Oberrheinischen ­
  Bank,  resp.  später  der  Rheinischen  Creditbank  in
ihren  Konzern,  letztere  durch  direkte  Filialengründungen  und
durch  Fusion  der  Deutschen  Genossenschaftsbank  in  Frankfurt ­
  a./M.  womit  gleichzeitig  eine  Zentralisation  des  gesamten
badischen  Kreditgenossenschaftsbankwesens  Hand  in  Hand  ging
—  wollte  sie  nicht  diesen  ihren  Rivalen  das  sich  immer  mehr
zum  Industrie-  und  Handelsstaat  entwickelnde  Großherzogtum
Baden  allein  überlassen.  Sehr  erleichtert  wurde  ihr  Streben  nach
Dezentralisation  auf  die  Südwestecke  Deutschlands  durch  die
seit  Jahren  bestehenden  engen  Geschäftsbeziehungen  zu  Mannheims ­
  erstem  Privatbankhaus,  der  Firma  W.  H.  Ladenburg  &amp;amp;  Söhne.
Mit  dieser  hatte  die  Berliner  Großbank  schon  vor  Gründung  des
Deutschen  Reichs  als  das  sog.  ältere  badische  Konsortium  Staats-Anleihen
  placiert.
Das  anfangs  nur  gelegentliche  und  vorübergehende  Zusammentreten ­
  der  Konsortien  führt  bald  zu  dauernder  Geschäftsverbindung. ­
  Der  Anlaß  zur  Konzentration  ist  gegeben;  dieser
Konnex  erwirkt  dann  häufig  —  wie  dies  die  historische  Entwicklung ­
  der  deutschen  Banken  des  öfteren  zeigt  —  eine  stärkere
Annäherung  der  Kontrahenten  und  zwar  immer  gelegentlich  eines
zu  Tage  getretenen  größeren  Kreditbedürfnisses  des  kapitalschwächeren ­
  Teils,  wodurch  dieser  meistens  irgendwie  in  Abhängigkeit ­
  von  dem  kapitalstärkeren  gerät,  die  sich  jedoch  in  den
einzelnen  Fällen  in  den  verschiedenst  abgestuften  Graden  hält.
Unter  Mitwirkung  der  Berliner  Großbank  und  des  Frankfurter ­
  Privatbankhauses  E.  Ladenburg  wurde  nun  in  Mannheim
die  Süddeutsche  Discontogesellschaft  A.-G.  im  Jahre  1905  gegründet, ­
  die  den  gesamten  Geschäftskreis  der  früheren  Privatbankfirma ­
  W.  H.  Ladenburg  &amp;amp;  Söhne  in  sich  aufnahm.  Die
direktoriale  Geschäftsführung  indessen  verblieb  fast  ausschließlich ­
  in  den  Händen  der  beiden  in  Mannheim  und  Frankfurt  a.  M.
        <pb n="39" />
        36

ansässigen  Bankiersfamilien  Ladenburg,  während  den  Aufsichtsratplatz ­
  des  stellvertretenden  Vorsitzenden  und  einen  weiteren
Sitz  hierin  die  Berliner  Discontogesellschaft  innehatte.
Die  Beweggründe,  die  die  Herren  Ladenburg  veranlaßten
ihren  alleinigen  Einfluß  aufzugeben,  liegen  hauptsächlich  in  den
damaligen  Wirtschaftsverhältnissen:  Dem  sich  gewaltig  steigernden
Kredit-Bedürfnis  der  Industrie  und  des  Handels  Mannheims  konnte
die  alte  Firma  als  Privat-Bank  nicht  mehr  in  ausreichendem
Maße  gerecht  werden,  da  sie  als  solche  ihre  Betriebsmittel  nicht
beliebig  vermehren  kann,  wie  dies  bei  einer  Aktiengesellschaft
bis  zu  einem  gewissen  Grade  der  Fall  ist.
Um  daher  bez.  ihrer  Kapitalstärke  auf  ihrer  bisherigen  Höhe
zu  bleiben  und  zugleich  der  steigenden  Konkurrenz  der  anderen
Kredit-Banken  gewachsen  zu  sein,  sahen  sie  sich  dem  Strom
der  Zeit  folgend  genötigt,  die  alte  Privat-Bank  umzugründen.
Das  Gründungskapital  der  neuen  A.-G.  betrug  20  Mill.  M.,  während
sie  gleich  zu  Beginn  ihrer  Geschäftstätigkeit  sich  kommanditistisch
an  dem  Frankfurter  Privatbankhaus  E.  Ladenburg  mit  5  Mill.  M.
beteiligte.  Welche  Höhe  umgekehrt  die  Beteiligung  letzteren
Bankhauses  und  insbesondere  der  Berliner  Discontogesellschaft
an  der  Süddeutschen  Discontogesellschaft  A.-G.  erreicht  hat,  geht
aus  den  Geschäftsberichten  beider  Aktienbanken  nicht  hervor,
obschon  gerade  die  Kenntnis  der  Höhe  des  Aktienbesitzes
der  Berliner  Großbank  von  hohem  Interesse  wäre.  Dadurch,
daß  das  Direktorium  fast  ausschließlich  aus  Mitgliedern  der
Ladenburgschen  Bankierfamilie  bestand,  konnte  die  junge  A.-G.
die  Vorteile  ihrer  jetzt  gesteigerten  Kapitalkraft  verbinden  mit
den  Vorzügen,  die  eine  Privatbank  über  korporative  Bankgesellschaften ­
  besitzt:  die  eingehendste,  meist  persönliche  Kenntnis
ihres  Kundenkreises.  Hierdurch  war  es  auch  gelungen,  der  Bank
den  starken  Zustrom  von  Depositen  zu  erhalten,  der  sie  schon
vor  ihrer  Umgründung  vor  den  anderen  Mannheimer  Banken
ausgezeichnet  hatte  und  welchen  sie  eben  diesem  engen  Personalkonnex ­
  zwischen  Bankdirektorium  und  dem  geldgebenden  Publikum
mit  verdankt.
        <pb n="40" />
        37

Durch  die  erhöhten  Betriebsmittel  (Gründungskapital  —
20  Mill.  M.  &amp;amp;  Depositenbestand  —  18,2  Mill.  M.)  konnte  sie
gleich  zu  Beginn  ihres  Geschäftsbetriebs  ihren  Aktionsradius
lokal  erweitern.  Zunächst  kommanditierte  sie  ihr  Frankfurter
Schwesterinstitut,  die  Firma  E.  Ladenburg,  sodann  eröffnete  sie
zwei  neue  Filialen  in  Pforzheim  (1,  Juni  1905)  und  in  Lahr
(1.  Dezember  1905).  In  Mannheim  selbst  führte  die  Konzentrationsbestrebung ­
  im  Laufe  des  Monats  Januar  zu  Verhandlungen ­
  mit  der  Kommanditgesellschaft  Weil  &amp;amp;  Benjamin,  welche
mit  der  völligen  Angliederung  dieser  Firma  an  die  Mannheimer
Zentrale  enden.
Ferner  wurden  noch  im  Gründungsjahre  die  Geschäftsbeziehungen ­
  mit  der  Privatbankfirma  Straus  &amp;amp;  Co.  in  Karlsruhe
angeknüpft,  die  sich  durch  die  Wahl  des  Herrn  Bankier  M.  A.
Straus  in  den  Aufsichtsrat  der  Süddeutschen  Discontogesellschaft
  A.-G.  dokumentierte.
In  der  aufblühenden  Entwicklung  des  jungen  Unternehmens ­
  findet  sich  noch  deutlich  der  alte  unternehmende  Geist
der  alten  Firma  Ladenburg  wieder,  wie  er  noch  als  Privatbankhaus ­
  dem  Mannheimer  Platze  durch  seine  umfangreichen  Kreditgewährungen ­
  erhebliche  Dienste  geleistet  hatte,  wie  überhaupt
das  alte  Mannheim  das  Emporblühen  seiner  Industrie  und  seines
Handels  zu  einem  erheblichen  Teil  diesem  alten  Privatbankhaus
mit  zu  verdanken  hat.
Obwohl  die  Bank  mit  ihrer  zuerst  gegründeten  Filiale  in
Pforzheim  verschiedentliche  Unannehmlichkeiten  durch  ihren
dortigen  Geschäftsführer  hatte,  ließ  sie  sich  nicht  abhalten,  sich
ein  intensiv  verzweigtes  Filialnetz  auszubauen.  So  eröffnete  sie
bereits  im  zweiten  Geschäftsjahr  ihren  Betrieb  in  den  beiden
neugegründeten  auswärtigen  Niederlassungen  in  Freiburg  i.  Br.
und  in  Heidelberg,  denen  im  Jahre  1907  die  Errichtung  der
5.  Filiale  in  Landau-Pfalz  folgte.
Hier,  wie  in  den  meisten  Fällen,  sucht  sie  bei  ihren  Dezentralisationsbestrebungen ­
  stets  Anschluß  an  bereits  bestehende
Bankhäuser,  wodurch  das  immer  schwieriger  sich  gestaltende
Anfangsstadium  der  neu  zu  gründenden  Filiale  bedeutend  er ­
        <pb n="41" />
        V

38

leichtert  wurde.  In  Landau  übernahm  sie  den  Kundenkreis  der
schon  seit  langer  Zeit  mit  ihr  in  befreundeten  Geschäftsbeziehungen ­
  stehenden  Privatbank  J.  M.  Bernion.  Hierdurch  war
gleich  zu  Anfang  ein  fester  Kundenstamm  gesichert  und  die  Anknüpfung ­
  neuer  Geschäftsbeziehungen  erleichtert.
Der  Geschäftsbericht  von  1908  erwähnt  dann  zum  ersten
Male  die  Errichtung  von  Zahlstellen  in  Annweiler,  Bergzabern,
Edenkoben,  Germersheim,  Mühlheim  i./B.  und  Neustadt  im
Schwarzwald,  während  noch  im  gleichen  Jahre  ihre  Filialorganisation
  eine  Erweiterung  erfuhr  durch  Übernahme  des  Privatbankhauses ­
  Jakob  Bär  in  Bruchsal,  dessen  Geschäft  ab  1.  Jan.
1909  in  eine  neu  errichtete  Depositenkasse  überging.
Ihre  Landauer  Filiale  erhielt  im  folgenden  Jahre  bedeutenden ­
  Zuwachs  durch  Übernahme  der  Pfälzischen  Spar-  und
Creditbank  A.-G.  (vorm.  Landauer  Volksbank)  in  Landau,  die
mit  Wirkung  vom  1.  Januar  1910  mit  ihr  vereinigt  wurde.  Diese
Transaktion  wurde  durch  eine  Neuemission  bezüglich  Umtausch
gegen  die  Pfälzischen  Spar-  und  Creditbank-Aktien  erwirkt.
Ihre  Zahlstellen  vermehrte  sie  in  diesem  Jahre  durch  zwei
weitere  badische  Plätze  in  Eberbach  und  Haslach  i./K.
Verhältnismäßig  sehr  spät  suchte  sie  sich  in  Karlsruhe
festzusetzen.  Dieses  lange  Zögern  war  mitbedingt  durch  die
regen  Geschäftsbeziehungen,  die  sie  mit  dem  Karlsruher  Privatbankhaus ­
  Straus  &amp;amp;  Co.  verband,  dem  sie  eine  direkte  Konkurrenz ­
  am  Platze  ersparen  wollte.  Jedoch  erheischte  die  zunehmende ­
  Bedeutung  des  Handels-  und  der  Industrie  der  badischen ­
  Residenz,  die  zugleich  vorzüglich  als  Beamten-  und
Rentnerstadt  einen  verstärkten  Depositenzugang  und  günstigen
Absatz  ihrer  Neuemission  ermöglichte,  unbedingt  eine  direkte
Niederlassung,  die  auch  im  Frühjahr  1911  erfolgte.
Einen  vorläufigen  Abschluß  ihrer  Expansionstätigkeit  bildete
die  letzte  8.  Filialengründung  in  Worms  a.  Rh.,  sodaß  sich  heute
ihre  Tätigkeit  auf  einen  Aktionsradius  von  über  17  Plätzen  erstreckt. ­
  Ihre  gleichzeitige  innere  Entwicklung,  insbesondere  der
mächtige  Zuwachs  ihrer  Betriebsmittel,  ist  aus  nachstehender
Tabelle  zu  ersehen:
        <pb n="42" />
        Süddeutsche  Disconto-Gesellschaft  A.-G,
(in  1000  M.)

Jahr

Akt.-Kap.

Reserven

Kreditoren

Debitoren

1905

20  000

144  325

18  289

33  331

1906

25  000

1  797  383

40  658

57  318

1907

31  250

1  998  482

42  930

57  373

1908

31  250

2  219  717

41  315

54  570

1909

31  250

2  549  141

51  347

62  662

1910

38  500

2  549  141

64  077

75  567

1911

46  250

3  669  102

67  038

90  116

1912

46  250

3  977  925

61  680

93  621

Reingewinn

Div.

Konzentrations-V  orgänge.

1  443,2

6%

Gründung  aus  W.  H,  Ladenburg  und
Söhne,  Mannheim  durch  Disconto-Ges.
Berlin.  1.  Filiale  in  Pforzheim  und  2.
Filiale  in  Lahr,

2  068,0

6%

3.  Filiale  in  Freiburg  i./B.
4.  Filiale  in  Heidelberg.

2  071,9

6%

5.  Filiale  in  Landau  (Pfalz).

2  299,3

6  7»

Zahlstellen  in  Annweiler,  Bergzabern,
Germersheim,  Mühlheim  i./B.  und  Neustadt ­
  i,/Schw,

2  399,6

o
o
vO

Depositenkasse  in  Bruchsal  (1910  6.  Fil.)

2  809,6

6°/o

Fusion  mit  Pfälzischen  Spar-  u.  Creditbank
  Landau.  Zahlstellen  in  Eberbach
u.  Haslach  i./K.).

3  218,2

6%

Filiale  in  Karlsruhe,  8.  Filiale  in  Worms
a./R.  Zahlstellen  in  Pirmasens  und
Schwetzingen.

3  549,8

6°/ 0

Gü
vO
        <pb n="43" />
        40

Die  Rheinische  Creditbank.

Schon  sehr  frühzeitig  zeigte  das  bedeutendste  badische
Kreditinstitut,  die  Rheinische  Creditbank,  für  die  damalige  Zeit
weitgehende  Expansionstendenzen.  Zwar  mußte  sie  in  den
ersten  Monaten  nach  der  Gründung  ihrem  jungen  Geschäftsbetrieb ­
  straffe  Zügel  anlegen.  Sie  war  zu  ungünstiger  Zeit  —  am
Tage  der  Kriegserklärung  gegen  Frankreich  —  ins  Leben  gerufen. ­
  Die  hierdurch  hervorgerufene  Unsicherheit  der  Situation
mußte  sie  zu  besonderer  Vorsicht  mahnen.  Jedoch  konnten  die
rasch  folgenden  Siegesbotschaften  der  deutschen  Waffen  dem
jungen  Unternehmen  bald  wieder  frische  Lebenskraft  bringen,
Handel  und  Gewerbe  gewannen  vonneuem  Vertrauen  und  wurden
hierin  von  dem  jungen  Institut  durch  umfangreiche  Kontokorrent- ­
  und  Wechselkredite  nach  Kräften  unterstützt.  Hand  in
Hand  mit  dem  innern  Ausbau  ging  die  lokale  Expansion:
Noch  während  des  großen  Krieges  gelang  es  ihr  sich  in
Freiburg  i/Br.  durch  eine  Filialengründung  festzusetzen.  Sie  erwarb ­
  das  alte  Privatbankgeschäft  des  Herrn  Sautier,  das  sie  in
ihre  erste  auswärtige  Filiale  umwandelte.  Die  hierfür  nötigen
Betriebsmittel  wurden  aus  der  am  1.  August  1871  ein  verlangten
dritten  Einzahlung  von  20  °/ 0  auf  das  erste  Aktienkapital  in
Höhe  von  6  Mill.  M.  gewonnen  (die  erste  Einzahlung  erfolgte
auf  den  15.  Juli  1870  mit  ebenfalls  20  °/ 0  und  die  zweite
20  °/ 0 ige  Einzahlung  auf  den  1,  Oktober  1870,  sodaß  das  Aktienkapital ­
  Ende  des  ersten  Geschäftsjahres  3,6  Mill.  M.  betrug.)
Die  frühen  Dezentralisationsbestrebungen,  welche  die  Tendenzen ­
  einer  späteren  weitgehenden  Konzentration  des  Instituts
auf  alle  umliegenden  Gebiete  im  Keime  bereits  in  sich  tragen,
gingen  von  einer  Aufsichtsratsitzung  der  Rheinischen  Creditbank ­
  vom  1.  Juli  1870  aus.  Die  hier  für  nötig  befundene  lokale
Expansion  wurde  dadurch  begründet,  daß  das  junge  Unternehmen ­
  schon  in  der  kurzen  Spanne  Zeit  seit  seiner  Gründung  einen
enormen  Aufschwung  all  seiner  Geschäftszweige  erwirkt  hatte,
dank  der  immer  zunehmenden  Anzahl  von  Geschäftsverbindungen ­
  im  Kontokorrent-  und  Effektenkommissionsgeschäft.  Den
        <pb n="44" />
        Geyer  4

41

Aktionären  der  Bank  hatte  das  erste  Geschäftsjahr  bereits  eine
Rente  von  10,06  °/o  P-  a.  gebracht.
In  den  folgenden  Jahren  dehnte  sich  das  junge  Unternehmen
weiter  aus,  zunächst  durch  Gründung  einer  neuen  Filiale  in
Karlsruhe  am  22.  April  1872  und  einer  Niederlassung  in  Konstanz ­
  anfangs  1873.  Hierdurch  war  es  ihr  gelungen,  sich  nach
kaum  27ajähriger  intensivster  Tätigkeit  in  den  vier  wichtigsten
Handels-  und  Industriestädten  Badens  festzusetzen,  um  von  hier
aus  ihre  kreditspendende  Tätigkeit  allmählich  über  das  ganze
Großherzogtum  und  die  angrenzenden  Gebiete  auszudehnen.
Und  wie  richtig  es  war,  das  Unternehmen  gleich  zu  Anfang
auf  eine  breitere  Basis  zu  stellen,  zeigt  das  folgende  Krisenjahr
1872  mit  seiner  nachwirkenden  Depression  in  allen  Handels-  und
Industriekreisen.  Das  kräftige  Kreditinstitut  hatte  bereits  feste
Wurzeln  in  allen  Teilen  des  Landes  gefaßt,  der  Krisensturm
konnte  ihm  einen  erheblichen  Schaden  nicht  mehr  zufügen.
Das  Frühjahr  1874  brachte  dann  der  Rheinischen  Creditbank
  2  weitere  Niederlassungen.  Zunächst  nahm  sie  den  Pfälzer
Bankverein,  der  ebenfalls  in  Mannheim  seinen  Sitz  hatte,  in  sich
auf.  Es  war  dies  eine  der  ersten  reinen  Fusionen  im  deutschen
Bankwesen 1 ).  Sie  vollzog  sich,  wie  dies  heute  noch  größtenteils ­
  üblich  ist,  durch  gegenseitigen  Eintausch  der  Aktien  der
fusionierten  Bank  gegen  die  der  fusionierenden.  Hiermit  übernahm ­
  die  Rheinische  Creditbank  gleichzeitig  die  Kommandite
des  Pfälzer  Bankvereins  in  Kaiserslautern,  die  ihr  später  den
Grundstock  gab  für  ihre  dortige  Filiale.  Die  mit  dieser  Fusion
ebenfalls  verbundene  Betriebsmittelsteigerung  veranlaßte  sie  zu
einer  weiteren  Kapitalserhöhung  von  6  Mill.  auf  12  Mill.  M.,
die  der  Einverleibung  des  Pfälzer  Bankvereins  vorausgegangen
war  und  von  einem  Konsortium  unter  Beteiligung  der  Württembergischen
  Vereinsbank  glatt  vollzogen  wurde.  Der  Umtausch
der  Aktien  erfolgte  dergestalt,  daß  das  erwähnte  Konsortium
die  frisch  emittierten  Rheinischen  Creditbankaktien  gegen  die
1)  Vgl.  Wallich,  Konzentration  im  deutschen  Bankwesen,  S.  46,
62  und  64.
        <pb n="45" />
        42

alten  Pfälzischen  Bankvereinsaktien  im  Verhältnis  der  damaligen
Börsenkurse  umtauschte.
Selbst  durch  die  Krise  vom  Jahre  1872  in  ihrer  Ausdehnung ­
  nicht  gehemmt,  sucht  das  lebenskräftige  Unternehmen
in  richtiger  Erkenntnis  der  großen  Bedeutung  eines  weitverzweigten ­
  Filialenbesitzes  seinen  Aktionsradius  mehr  und  mehr
zu  erweitern.  So  benutzte  die  Bank  die  Liquidation  der  Heidelberger ­
  Privatbankfirma  Gebr.  Zimmern,  um  dieses  Bankhaus
in  sich  aufzunehmen  und  es  in  eine  weitere  Filiale  in  Heidelberg
umzuwandeln.
Über  die  vorteilhafte  Expansionstätigkeit  der  Rheinischen
Creditbank  äußert  sich  diese  in  ihrem  Jahresbericht  vom  Jahre
1874  folgendermaßen:
„So  haben  wir  jetzt  Filialen  in  Karlsruhe,  Konstanz,
Freiburg,  Heidelberg  und  eine  Kommandite  in  Kaiserslautern, ­
  und  erstrecken  hiermit  unsere  Wirksamkeit
über  das  ganze  Land.  Die  günstige  Aufnahme,  die  unser
Institut  überall  findet,  wo  es  seine  Tätigkeit  entfaltet,
ist  ein  Beweis  hierfür,  daß  es  den  Interessen  des  Handels
und  der  Industrie  in  richtiger  Weise  dient  ....  Die
Ausdehnung,  die  somit  unsere  Anstalt  in  der  verhältnismäßig ­
  kurzen  Zeit  ihres  Bestehens  gewonnen,  die  fast
2000  Verbindungen,  mit  welchen  sie  einen  fortdauernden
und  ersprießlichen  Verkehr  unterhält,  sprechen  am  beredtsten ­
  für  die  Bedeutung,  die  sie  für  die  einheimische
Volkswirtschaft  hat“.
Die  der  großen  Krise  folgenden  Jahre  brachten  dem  Institut ­
  zum  Teil  erhebliche  Verluste  (besonders  Mitte  der  70er
Jahre  bei  ihrer  Konstanzer  Filiale)  und  beeinträchtigten  so  entsprechend ­
  der  gesamten  damaligen  Wirtschaftslage  alle  Expansionsbestrebungen ­
  für  eine  kurze  Spanne  Zeit,  was  auch  hauptsächlich ­
  durch  die  in  den  70er  und  80er  Jahren  bestehende
allgemeine  Stagnation  der  deutschen  Volkswirtschaft  bedingt
war.  Es  gelang  dann  der  Rheinischen  Creditbank  erst  zu
Beginn  der  90er  Jahre  ihren  Geschäftskreis  wieder  lokal  zu
        <pb n="46" />
        erweitern.  Verhältnismäßig  spät  wurde  die  durch  ihre  goldverarbeitende ­
  Industrie  weit  über  Deutschlands  Grenzen  bekannte
Stadt  Pforzheim  in  erhöhtem  Maße  in  ihre  Interessensphäre
einbezogen;  mit  Wirkung  vom  1.  Januar  1894  beteiligte  sich
die  Rheinische  Creditbank  kommanditarisch  an  der  Pforzheimer
Bankfirma  Julius  Kahn  &amp;amp;  Co.  in  Pforzheim.
Die  letzten  Jahre  des  vorigen  Jahrhunderts  mit  ihrer
Hochkonjunktur  brachten  dann  der  Rheinischen  Creditbank
wiederum  große  Erweiterungen,  sowohl  durch  innere  Entwicklung,
als  auch  weiterhin  besonders  durch  äußere  Angliederung  und
Erwerb  alter  schon  bestehender  Bankfirmen.  Die  Gesamtumsätze ­
  der  Rheinischen  Creditbank  konnten  sich  vom  Jahre  1896
bis  1900  mehr  als  verdoppeln,  was  hauptsächlich  durch  die  in
diesen  Jahren  gesteigerte  Filialbildung  und  Kommanditierung
auswärtiger  Bankhäuser  bewirkt  wurde.
So  erfolgte  am  1.  Oktober  1897  die  Übernahme  des  altrenommierten ­
  1856  gegründeten  Bankgeschäftes  der  Herren
G.  Müller  und  Cons.,  großherzogl.  badischen  Hofbankiers  in
Karlsruhe  und  Baden-Baden  und  die  damit  zusammenhängende
Gründung  einer  neuen  Filiale  in  Baden-Baden  (das  Karlsruher
Geschäft  wurde  der  dort  schon  bestehenden  Filiale  angegliedert).
Bei  deren  Errichtung  wurde  das  Privatbankgeschäft  von  Franz
Funk  vorm.  Gebr.  Wolf  in  B.-Baden  zugleich  mit  aufgenommen.
Hand  in  Hand  hiermit  ging  eine  weitere  Kapitalserhöhung  von
18  Mill.  auf  20  Mill,  M.
In  dem  darauf  folgenden  Jahre  wurde  die  Kaiserslauterer
Bank  vorm.  Böcking,  Karcher  &amp;amp;  Co.  in  Kaiserslautern  fusioniert
mit  einem  Kapitalaufwand  von  nahezu  3  Mill.  M.,  während  zu
gleicher  Zeit  in  Saarbrücken  die  Privatbankfirma  G.  F.  Grohe
—  Henrich  &amp;amp;  Co.  mit  2  Mill.  M.  kommanditiert  wurde.  Eine
weitere  Betriebsmittelsteigerung  benötigte  diese  Expansion  durch
die  Kapitalserhöhung  von  9,9  Mill.  auf  30  Mill.  M.
Aber  die  Expansionsfähigkeit  der  kräftig  sich  entwickelnden
Bank  war  damit  noch  lange  nicht  erschöpft.  Das  Jahr  1899,
das  für  die  Entwicklung  der  Bank  eines  der  lebhaftesten  und  in
seinen  inneren  wie  äußeren  Geschäftserfolgen  eines  der  bedeu ­
        <pb n="47" />
        44

tungsvollsten  war,  brachte  auch  eine  überraschende  Fülle  neu
gegründeter  Filialen,
Die  Ortenauer  Creditbank  A.-G.  in  Offenburg,  mit  welcher
die  Rheinische  Creditbank  schon  seit  einer  Reihe  von  Jahren  in
Geschäfts-Beziehungen  stand,  mußte  im  Frühjahre  1899  liquidieren. ­
  Sie  wurde  von  dem  Mannheimer  Institut  aufgekauft
und  zugleich  unter  Übernahme  ihrer  sämtlichen  Aktiven  und
Passiven  und  den  noch  vorhandenen  Reserven  in  eine  neue
Filiale  in  Offenburg  umgewandelt.  Genau  ein  Vierteljahr  später
wurde  die  Bankkommandite  Kaufmann,  Engelhorn  &amp;amp;  Co,  in
Straßburg  i/E.,  ein  altrenommiertes  Bankhaus,  dessen  Gründung
in  die  Zeit  des  deutsch-französischen  Krieges  reicht,  erworben.
Die  beiden  persönlich  haftenden  Gesellschafter  derselben  wurden
zu  Direktoren  ihrer  gleichzeitig  dort  eröffneten  Filiale  ernannt.
Die  dritte  neue  Filiale  dieses  Jahres  wurde  in  Lahr  (Baden)
durch  Übernahme  der  alten  Bankfirma:  „Lahrer  Creditbank  Carl
Bader  &amp;amp;  Co, 11  errichtet,  da  deren  Hauptteilhaber  kurz  zuvor
gestorben  war.  Zuletzt  gelang  es  dann  dem  Institut  ihrer  in
B.-Baden  bestehenden  Filiale  einen  neuen  Geschäftszuwachs
dadurch  zuzuführen,  daß  sie  das  alte  dortige  Privatbankgeschäft
Strohmeyer  übernahm.
Wie  in  früheren  Jahren,  so  war  auch  diesmal  immer  nur
in  engster  Verbindung  mit  einer  lokalen  Expansion  oder  einer
tatsächlichen  intensiveren  Erweiterung  der  Geschäftsorganisation
eine  Erhöhung  des  Aktienkapitals  verbunden.  Den  großen
Fehler,  den  manches  nicht  streng  solid  geleitete  Bankinstitut
dadurch  begeht,  daß  nur  bei  vorübergehenden  Hochkonjunkturen
für  ein  hierzu  erhöhtes  Betriebskapital  Verwendung  gesucht
wird,  hat  die  Rheinische  Creditbank  vermieden.  Stets  ist  bei
ihr  die  Ausdehnung  ihrer  Geschäftsbasis  einer  Kapitalserhöhung
vorausgegangen  oder  doch  gleichzeitig  eng  anschließend  hieran
eingetreten.  Dies  kann  aus  der  angeschlossenen  Tabelle  deutlich
ersehen  werden.
So  bedingten  auch  die  Errichtung  der  beiden  oben  erwähnten ­
  neuen  Niederlassungen  in  Straßburg  und  in  Lahr  (Baden),
        <pb n="48" />
        45

eine  Neuemission  junger  Aktien  im  Betrage  von  10000800  Mk.,
so  daß  sich  das  Aktienkapital  bis  ersten  Oktober  1899  auf  rund
40  Mill.  erhöhte.
In  dem  Geschäftsbericht  für  1900  kündigt  die  Rheinische
Creditbank  bereits  eine  neue  in  den  Mannheimer  Industriekreisen ­
  ziemlich  aufsehenerregende  Fusion  mit  der  alt  angesessenen ­
  Aktiengesellschaft  „Mannheimer  Bank"  an.  Hier  wurde
eine  für  die  neueren  Konzentrationsbestrebungen  im  deutschen
Bankwesen  charakteristische  Form  gewählt.  Das  fusionierte
Unternehmen  behält  von  nun  an  eine  gewisse  formelle  Selbständigkeit, ­
  die  jedoch  nur  rein  äußerlich  zur  Geltung  kommt.
Dieser  moderne  Modus  war  erstmals  von  der  Direktion  der
Disconto-Gesellschaft  gewählt  worden,  gelegentlich  der  Fusion
dieser  Großbank  mit  der  Norddeutschen  Bank  zu  Hamburg  im
Jahre  1896.  Er  birgt  zweifellos  große  Vorteile  in  sich,  wie  dies
aus  vorliegender  Fusion  (Rheinische  Creditbank  —  Mannheimer
Bank)  effektiv  hervorgeht:
Dadurch,  daß  die  Firma  Mannheimer  Bank,  die  bereits  seit
1868  bestand  und  sich  durch  einen  festen  Kundenstamm  in
Mannheim  eingebürgert  hatte,  erhalten  blieb,  wurde  eine  Verminderung ­
  resp.  ein  direkter  Abzug  des  alten  Kundenkreises
hintangehalten,  wie  dies  erfahrungsgemäß  beim  vollständigen
Erlöschen  einer  alten  Firma  stets  zu  beobachten  ist.  Der  völligen ­
  Übernahme  des  fusionierten  durch  das  fusionierende  Unternehmen ­
  am  selben  Platze  stehen  verschiedenerlei  Hindernisse
technischer  und  verwaltungstechnischer  Natur  entgegen,  einmal
durch  Vergrößerung  der  inneren  Betriebseinrichtungen,  dann
hauptsächlich  aber  durch  die  hierdurch  bedingten  Erweiterungsoder ­
  Neubauten  der  Bankgebäude  (Vergrößerung  der  Tresoranlagen ­
  etc.),  ganz  abgesehen  von  den  Schwierigkeiten,  die  in  dem
lokalen  Bankbetrieb  durch  die  plötzliche  Aufnahme  eines  großen
Kundenkreises  entstehen.  (Ein  Ausweg  hätte  sich  noch  geboten
durch  Umwandlung  der  Mannheimer  Bank  in  eine  direkte  Filiale.
Dem  steht  aber  das  deutsche  Aktiengesetz  entgegen,  wonach
einer  A.-G.  eine  Zweigniederlassung  am  selben  Orte  nicht  zusteht.) ­
        <pb n="49" />
        46

Um  allen  diesen  Schwierigkeiten  zu  entgehen,  wurde  die
Mannheimer  Bank  unter  der  alten  Firma  mit  einem  Aktienkapital ­
  von  1  Mill.  M,  neu  gegründet.  Die  sämtlichen  Aktien
verblieben  im  Besitze  der  Rheinischen  Creditbank.
Über  die  historische  Entwicklung  dieses  fusionierten  Instituts
ist  zu  erwähnen,  daß  es  bereits  1868  als  Genossenschaft  für  den
kleineren  und  mittleren  Gewerbestand  Mannheims  unter  der
Firma  Mannheimer  Volksbank  gegründet  wurde.  Um  dem  wachsenden ­
  Kapitalbedürfnis,  das  mit  der  Höhe  der  genossenschaftlichen ­
  Geschäftseinlagen  nicht  mehr  korrespondieren  konnte,
gerecht  zu  werden,  wurde  das  Bankhaus  im  Jahre  1884  in  eine
A.-G.  umgewandelt.  Sie  war  seit  ihrem  Bestehen  keinen  Expansionstendenzen ­
  zugänglich  gewesen  und  hat  immer  an  ihren
Prinzipien  strengster  Zentralisation  auf  den  Mannheimer  Platz,
die  sie  wohl  aus  ihrer  Genossenschaftszeit  noch  ererbt  hatte,
festgehalten.
1893  änderte  sie  dann  ihre  Firma  in  die  „Mannheimer
Bank"  um,  als  welche  sie  bis  1900  selbständig  bestand.  Nach
ihrer  in  diesem  Jahre  erfolgten  Fusion  wurde  ihr  ihre  alte
Firma  belassen;  intern  wird  sie  jedoch  von  der  Rheinischen
Creditbank  wie  alle  auswärtigen  Niederlassungen  als  Filiale  behandelt. ­
  Um  zugleich  die  Betriebskapitalien  auf  der  gleichen
Höhe  zu  halten,  mußte  die  Mannheimer  Bank  mit  einer  ständigen ­
  Dotation  von  5  Mill.  M.  von  ihrem  Mutterinstitut  ausgestattet ­
  werden.  Das  Aktienkapital  der  Mannheimer  Bank  in
Höhe  von  6  Mill.  M.  wurde  gegen  die  in  gleicher  Höhe  emittierten ­
  jungen  Aktien  der  Rheinischen  Creditbank  unter  Zuzahlung ­
  von  10  °/ 0  glatt  umgetauscht.
Diese  Fusion  zeigt,  wie  dies  meistens  bei  Bankkonzentrationsvorgängen ­
  der  Fall  ist,  wie  beide  Teile,  der  stärkere  wie
der  schwächere,  aus  der  Transaktion  ihren  Vorteil  ziehen  können; ­
  der  frühere  Aktionär  der  Mannheimer  Bank  tauscht  mit
seinem  Aktienbesitzwechsel  auch  gleichzeitig  eine  bis  zu  einem
gewissen  Grade  gesichertere  Rente  ein.  Denn  man  kann  als
einigermaßen  sicher  annehmen,  daß  der  Reingewinn  einer  Aktienbank ­
  mit  großen  Betriebsmitteln  und  ausgedehnterer  Geschäfts ­
        <pb n="50" />
        47

basis  prozentual  zum  Aktienkapital  keinen  so  großen  Schwankungen ­
  unterworfen  ist,  als  dies  bei  lokal  beschränkten  Banken
mit  geringen  Betriebsmitteln  der  Fall  ist.  Je  geringer  das  Aktienkapital, ­
  umso  eher  kann  ein  einzelner  Verlust  im  Gewinn-  und
Verlustkonto  der  betreffenden  Bank  ein  für  den  Aktionär
empfindliches  Moment  bilden.
Ein  Beweis  hierfür  gibt  eben  im  Banken-Konzentrationsprozeß
  der  letzten  Dezennien  die  Tatsache  ab,  daß  gerade  die
kapitalschwachen  Elemente  unter  den  badischen  Bankinstituten
den  großen  Wirtschaftskrisen  erlagen.  Obschon  die  Mannheimer
Bank  mit  ihrem  6  Mill.  M.  betragenden,  voll  eingezahlten  Aktienkapital ­
  und  mit  ihrem  alten  festen  Kundenstamm  für  die  damalige
Zeit  durchaus  nicht  zu  den  kapitalschwachen  Aktienbanken  gezählt ­
  werden  darf,  so  zeigt  sich  doch  in  der  der  Fusion  einige
Jahre  später  folgenden  Krise,  daß  sie  in  mehrere  verlustbringende ­
  Engagements  verwickelt  war,  die  dann  der  Rheinischen ­
  Creditbank  als  Rechtsnachfolgerin  Veranlassung  gab,
auf  Grund  mehrerer  nicht  mehr  vollständig  gesicherter  Konten
der  Mannheimer  Bank  umfangreiche  Abschreibungen  vorzunehmen. ­

Hätte  die  Mannheimer  Bank  noch  isoliert  dagestanden,
wie  3  Jahre  zuvor,  so  hätte  ihr  der  bekannte  Zusammenbruch
der  Rheinaugesellschaften,  bei  denen  sie  durch  den  Konkurs  der
A.-G.  für  chemische  Industrie  stark  in  Mitleidenschaft  gezogen
war,  nicht  nur  in  ihrem  Erträgnis  einen  gewaltigen  Abbruch
getan,  ja  ihre  ganze  Existenz  wäre  sicherlich  gefährdet  gewesen.
Während  der  Reingewinn  der  Rheinischen  Creditbank  nach
Abzug  des  Erträgnisses  der  Mannheimer  Bank  von  4,5  Mill.  M.
im  Jahre  1901  auf  3,98  im  Jahre  1902  —  12  °/ 0  sank,  differiert
das  Reinerträgnis  der  Mannheimer  Bank  in  derselben  Periode
um  ca.  38  °/ 0  (89600  M.  im  Jahre  1901  gegen  55500  M.  im
Jahre  1902).  Zugleich'mußten  215000  M.  bei  ihr  für  Rückstellung
für  die  fallierte  A.-G.  für  chemische  Industrie  und  für  solche
Konten,  die  sich  in  der  Krisenzeit  verschlechtert  hatten,  verwendet ­
  werden,  was  bei  der  geringen  Höhe  ihrer  Betriebsmittel
        <pb n="51" />
        48

umsomehr  ins  Gewicht  fallen  mußte.  Aus  all  dem  ist  ersichtlich,
daß  die  Mannheimer  Bank  allein  nur  unter  erheblichen  Schwierigkeiten ­
  die  Krise  von  1902  überstanden  hätte  und  noch
während  dieser  oder  doch  kurze  Zeit  nachher  den  Konzentrationsbestrebungen ­
  im  deutschen  Bankwesen  unter  dann  selbstverständlich ­
  viel  ungünstigeren  Bedingungen  zum  Opfer  gefallen

wäre.

Nach  einer  neuesten  Reichsgerichtsentscheidung  wird  sogar
dem  Vorstand  einer  Aktiengesellschaft  Antwortsverweigerung
auf  Anfragen  einzelner  Aktionäre  in  der  Generalversammlung
direkt  zugesprochen:
„Für  Aktiengesellschaften  muß  der  Gedanke  an  ein  Individualrecht ­
  auf  Auskunftserteilung  mit  Entschiedenheit  abgelehnt ­
  werden.  Rechte  dieser  Art  sind  vom  Gesetzgeber  aus
wohl  erwogenen  Gründen  nur  in  ganz  beschränkter  Anzahl  anerkannt. ­

Der  anfragende  Aktionär  hat  sich  zunächst  an  die  Generalversammlung ­
  zu  wenden  und  zu  beantragen,  daß  diese
die  Stellung  der  Frage  beschließt.  Wird  beschlossen,  die  beantragte ­
  Frage  nicht  zu  stellen,  so  hat  sich  der  Aktionär  in  der
Regel  damit  zu  bescheiden."
Die  Nachteile,  die  sich  bei  der  Fusion  der  Mannheimer
Bank  in  die  Rheinische  Creditbank  nach  Eustach  Mayr 1 )  für
den  Aktionär  der  ersteren  dadurch  ergeben,  daß  sein  Einfluß
auf  die  Geschäftsführung  der  Rheinischen  Creditbank  äußerst
gering  geworden  sei,  „während  bisher  die  Aktionäre  der  Mannheimer ­
  Bank  inbezug  auf  die  Geschäftsleitung  dieser  alles  gewesen ­
  seien“,  dürften  wohl  kaum  in  Betracht  zu  ziehen  sein.
Da  von  Einfluß  eines  Aktionärs  auf  die  Geschäftsgebahrung
einer  A.-G.  in  der  heutigen  Praxis  kaum  mehr  gesprochen
werden  kann.  Letztere  besteht  eigentlich  nur  noch  formell
durch  Abstimmung  in  der  Generalversammlung  vor  Zustandekommen ­
  der  allerwichtigsten  Transaktionen.  Ferner  stehen  dem
Aktionär  nach  Aktienrecht  Anfragen  zur  Informierung  über  Gell ­
  Eustach  Mayr,  Kapitalbedarf  und  Kapitalbeschaffung  der  Industrie
etc.  In  Heidelberger  volkswirtschaftlichen  Abhandlungen  I.  Bd.  2.  Heft.
        <pb n="52" />
        49

schäftsgang,  Pläne  und  Aussichten  des  Unternehmens  in  der
Generalversammlung  zu.  Jedoch  werden  die  Antworten  hierauf
von  Seiten  des  betreffenden  Aufsichtsrats-  oder  Direktionsmitglieds, ­
  wo  dies  nötig  erscheint,  meist  so  undurchsichtig  und  verklausuliert ­
  gegeben,  daß  dem  Aktionär  (der  in  den  häufigsten
Fällen  dazu  noch  ein  Laie  im  Bankfach  ist)  in  keiner  Weise  gedient ­
  sein  kann.  Der  einzige  Faktor,  der  hier  Wandel  schaffen
kann  und  bis  zu  einem  gewissen  Grade  dies  auch  schon  getan
hat,  ist  die  Presse.
Über  die  Krisenjahre  zu  Beginn  des  neuen  Jahrhunderts
enthielt  sich  dann  die  Rheinische  Creditbank  jeder  weiteren
lokalen  Expansion  (der  Beginn  der  Verhandlungen  zwecks  Fusion
der  Mannheimer  Bank  fallen  noch  in  das  Jahr  1900).
Erst  das  Jahr  1903  brachte  dann  dem  Institut  eine  lokale
Erweiterung  ihrer  Machtsphäre  bei  ihrer  alten  Stammfiliale  in
Freiburg  i/Br.  Diese  nahm  auf  den  31.  Dezember  1903  das
alte  und  in  den  weitesten  Kreisen  bekannte,  angesehene  Privatbankgeschäft ­
  Gebr.  Kapferer  daselbst  in  sich  auf.  Nach  HOjährigem ­
  Bestehen  ist  dieses  Bankhaus  den  Konzentrationsbestrebungen ­
  im  Bankgewerbe  zum  Opfer  gefallen  und  wurde  mit
sämtlichen  Aktiven  und  Passiven  und  seinem  gesamten  Kundenkreis ­
  von  der  dortigen  Filiale  aufgesogen,  die  gleichzeitig  äußerlich
ihren  Machtzuwachs  durch  Bezug  ihres  monumentalen  Bankneubaus ­
  dokumentierte.
Ein  Höhepunkt  badischer  Bankenkonzentrationsbestrebungen
ist  dann  im  Jahre  1904  zu  verzeichnen,  woselbst  die  Rheinische
Creditbank  eine  mächtige  äußere  Entwicklungsstufe  erreichte.
Schon  1903  wurden  Verhandlungen  mit  der  Credit-  und  Depositenbank ­
  in  Zweibrücken  (Pfalz)  gepflogen  zwecks  Übernahme
dieses  Instituts.  Anfang  des  kommenden  Jahres  ist  dann  beiderseits ­
  ein  Vertrag  unterzeichnet  worden,  laut  dessen  letzteres
Unternehmen  von  der  Rheinischen  Creditbank  fusioniert  und
zugleich  in  eine  Filiale  umgewandelt  wurde.  Ihre  Niederlassung
in  Neunkirchen  übernahm  die  Rheinische  Creditbank  als  Agentur.
Durch  diesen  Machtzuwachs  mußte  das  Aktienkapital  erneut  um
4  Mill.  M.  auf  40  Mill.  M.  erhöht  werden.  Dieser  Fusion  gehen
        <pb n="53" />
        50

schon  Jahrzehnte  währende  Geschäftsverbindungen  beiderBanken
voraus,  wodurch  diese  Transaktion  bedeutend  erleichtert  wurde.
Aber  in  die  bedeutungsvollste  Phase  ihrer  Entwicklung
trat  die  Rheinische  Creditbank  mit  Jahresende  1904  ein;  unter
dem  17.  November  d.  J.  wurde  nach  kurzen  Verhandlungen  die
Oberrheinische  Bank  Mannheim  unter  gleichzeitiger  Mitwirkung
der  Deutschen  Bank  in  Berlin  im  Wege  der  Fusion  von  der
Rheinischen  Creditbank  übernommen.  Im  Zusammenhang  hiermit ­
  beteiligten  sich  die  Rheinische  Creditbank  und  die  Deutsche
Bank  mit  je  2  Mill.  M.  an  der  Süddeutschen  Bank  zu  Mannheim
(Gesamtkapital  10  Mill.  M.)  Den  Abschluß  all  dieser  Konzentrationsmomente ­
  bildet  das  Zustandekommen  der  bekannten  befreundeten ­
  Beziehungen  zwischen  der  Berliner  Großbank  und  dem
Mannheimer  Institut,  die  sich  in  einem  freundschaftlichen  Geschäftsverhältnis ­
  beider  Banken  äußern.  Die  Rhein.  Creditbank
berichtet  hierüber,  daß  sie  hierbei  ihre  Selbständigkeit  voll
gewahrt  habe.  Extern  fanden  diese  Beziehungen  ihren  Ausdruck ­
  in  dem  Eintritt  zweier  Direktoren  der  Deutschen  Bank
in  den  Aufsichtsrat  der  Rheinischen:  des  Kommerzienrats  Rudolf
von  Koch  und  Ludwig  Roland-Lücke,  während  gleich  darauf
der  Vorsitzende  des  Aufsichtsrats  der  Rheinischen  Creditbank,
Geh.  Kommerzienrat  Dr.  phil.  C.  Reiß  und  der  erste  Direktor
dieser  Bank  Dr.  jur.  Brosien  in  den  Aufsichtsrat  der  Deutschen
Bank  gewählt  wurde.  Daß  jedoch  die  Deutsche  Bank  bestrebt
sein  wird,  auf  die  Geschäftsführung  des  Mannheimer  Instituts
womöglich  Einfluß  zu  gewinnen,  darf  wohl  mit  ziemlicher  Sicherheit ­
  angenommen  werden.  Inwieweit  es  ihr  bis  heute  gelungen
ist,  dies  zu  erreichen,  darüber  lassen  sich  allerdings  nur  Vermutungen ­
  aussprechen.  Wieweit  ferner  der  Aktienbesitz  der
Deutschen  Bank  an  der  Rheinischen  einen  direkten  Einfluß
in  der  Generalversammlung  zulassen  kann,  hierüber  lassen
sich  ebenfalls  sichere  Zahlen  schwer  anführen.  Von  einer
Aktienmajorität  jedoch  (wie  dies  z.  B.  bei  der  Bergisch-Märkischen
  Bank  der  Fall  ist)  ist  der  Aktienbesitz  der  Deutschen
Bank  noch  weit  entfernt,  sodaß  die  Wahrung  der  äußeren
Selbständigkeit  auf  absehbare  Zeit  gesichert  ist.
        <pb n="54" />
        51

Solange  sich  auch  die  Rheinische  Creditbank  in  dem  derzeitigen ­
  kräftigen  Stadium  befindet,  wird  sie  bei  ihrem  großen
Aktienkapital 1 ),  das  weit  verzweigt  und  größtenteils  als  feste
Kapitalsanlage  in  sicheren  Händen  sich  befindet,  die  Wahrung
ihrer  Selbständigkeit  auch  weiterhin  erfolgreich  durchführen
können.  Hierzu  tragen  auch  die  kräftigen  sichtbaren  und  unsichtbaren ­
  Reserven  sowie  die  seit  Jahrzehnten  geübte  vorsichtige ­
  Dividendenpolitik  wesentlich  bei.
Die  Fusion  mit  der  Oberrheinischen  Bank  vollzog  sich
glatt.  Das  20  Mill.  M.  betragende  Aktienkapital  wurde  gegen
15  Mill.  M.  junge  Creditbankaktien  umgetauscht,  während  gleichzeitig ­
  das  Aktienkapital  der  Rheinischen  um  weitere  5  Mill.  M.,
insgesamt  um  20  Mill.  M.  auf  70  Mill.  M.  erhöht  wurde.  Die
restlichen  5  Mill,  M.  verwandte  sie  teils  zu  der  bereits  erwähnten ­
  dauernden  Beteiligung  an  der  Süddeutschen  Bank
(2  Mill.  M.),  teils  zur  Kräftigung  ihrer  Betriebsmittel.
*  Das  wesentliche  Moment  für  die  badische  Bankenkonzentration ­
  bei  obiger  Fusion  besteht  darin,  daß  die  Rheinische  mit
Einverleibung  der  Oberrheinischen  Bank  einen  schon  in  sich
,  mächtig  ausgedehnten  Bankenkomplex  aufnimmt;  während  bisher
ein  Institut  nach  dem  andern  dem  durch  die  Konkurrenz  der
stärkeren  Aktienbanken  schon  längst  überflügelten  badischen
Privatbankierstand  abgerungen  werden  mußte,  gelingt  es  hier,
durch  einen  einzigen  Prozeß  ein  schon  in  sich  konzentriertes
Bankensystem  zu  assimilieren.
Die  Oberrheinische  Bank  hatte  zur  Zeit  ihres  Aufgehens
in  die  Rheinische  ein  ausgedehntes  Filialnetz,  das  sich  über
ganz  Baden  und  die  bayrische  Pfalz  ausdehnte.  Im  Laufe  eines
Jahrzehnts,  1894—1904,  (seit  Anlehnung  an  die  Deutsche  Bank)
„  hatte  sie  sich,  Mannheim  eingeschlossen,  10  Stützpunkte  für  den
Kreis  ihrer  Tätigkeit  erschlossen,  ebenfalls  meist  unter  Aufsaugung ­
  von  älteren  Privatbankgeschäften.  Die  Darstellung  der
Entwicklung  dieser  starken  Dezentralisationstendenzen  enthal-1)
  Was  die  Höhe  des  eingezahlten  Aktienkapitals  anbelangt,  steht  die
Rhein.  Creditbank  an  8.  Stelle  sämtlicher  Deutschen  Kreditbanken,  an  2.  Stelle
unter  den  sog.  Prorinzbanken.
        <pb n="55" />
        52

tenden  Bankorganisation  bietet  für  sich  einen  interessanten  Beitrag ­
  zur  Geschichte  des  badischen  Bankwesens,  der  bereits  in
einem  früheren  Abschnitt  behandelt  ist.
Mit  der  Einverleibung  der  Oberrheinischen  Bank  ging  Hand
in  Hand  die  Übernahme  ihrer  inneren  Geschäftsbeziehungen.
Außer  der  bereits  erwähnten  Anlehnung  an  die  Deutsche  Bank,
die  die  Oberrheinische  Bank  in  eine  von  einem  Filialenverhältnis
nich  t  mehr  sehr  entfernten  Abhängigkeit  von  ihr  gebracht  hatte,
stand  die  Oberrheinische  Bank  seit  1899  in  einem  Freundschaftsverhältnis ­
  mit  der  Schweizerischen  Creditanstalt  in  Zürich,
das  mit  der  Fusion  ab  1.  Januar  1905  auf  die  Rheinische  Creditbank
  überging.  Obwohl  diese  freundschaftlichen  Beziehungen
zu  dem  Schweizerischen  Creditinstitut  beiderseitig  eine  willkommene ­
  Erweiterung  der  Geschäftsbasis  bedeuten,  so  tragen
sie  doch  keine  so  starken  konzentrationstechnische  Tendenzen
für  das  badische  Institut  in  sich,  wie  das  Freundschaftsverhältnis ­
  zu  der  Deutschen  Bank.  Rein  äußerlich  dokumentiert
sich  dies  schon  aus  der  Wahl  nur  eines  Aufsichtsratmitgliedes
aus  dem  Direktorium  der  Schweizerischen  Creditanstalt  in  den
Aufsichtsrat  der  Rheinischen,  des  Herrn  Bankdirektors  W.  C.
Escher.
Auch  bei  dieser  Interessengemeinschaft  mit  der  Deutschen
Bank  tritt  es  deutlich  zu  Tage,  daß  jeder  Zusammenschluß
wirtschaftlicher  Elemente  im  Bankgewerbe  einen  ökonomischen
Vorteil  mit  sich  bringt.  Denn  die  Deutsche  Bank  machte  bei
der  Fu  sion  der  Oberrheinischen  Bank  in  die  Rheinische  Creditbank
  ebenfalls  einen  guten  Tausch.  Wohl  mußte  sie  ihren  dominierenden ­
  Einfluß,  den  sie  auf  die  Oberrheinische  Bank  auszuüben ­
  imstande  war,  zu  einem  großen  Prozentsatz  fallen  lassen.
Es  ist  ihr  aber  hierfür  gelungen,  an  Stelle  der  durch  die  Wirtschaftsk
  rise  anfangs  des  Jahrhunderts  stark  mitgenommenen
Provinzbank  ein  großes,  den  Kapitalmarkt  Badens  und  der  angrenzenden ­
  Gebiete  in  hohem  Grade  beherrschendes  erstklassiges
Institut  in  ihre  Interessensphäre  zu  ziehen.  Inwieweit  es  jedoch
die  Rheinische  Creditbank  erreicht  hat,  den  damals  von  der
Deutschen  Bank  auf  die  Oberrheinische  Bank  ausgeübten  starken
        <pb n="56" />
        53

Einfluß  nach  der  Fusion  ganz  von  sich  abzuschütteln,  darüber
kann  erst  die  Zukunft  Gewißheit  bringen.  Bemerkenswert  zu
diesem  Punkte  ist  noch,  daß  die  Rheinische  bei  der  Einverleibung ­
  der  Oberrheinischen  Bank  größtenteils  auch  deren  bisher
im  Interesse  der  Deutschen  Bank  arbeitende  Direktionsmitglieder
mitübernommen  hat,  wie  dies  schon  aus  rein  praktischen  Gründen
fast  immer  der  Fall  ist.  So  mußten  im  Jahre  1903,  wohl  veranlaßt ­
  durch  die  großen  Rheinauverluste,  2  Direktoren  der
Oberrheinischen  Bank  aus  dem  Zentraldirektorium  austreten;
anstelle  derer  trat  ein  Direktor  der  Bergisch-Märkischen  Bank
zu  Elberfeld 1 ),  was  auf  ein  Diktum  der  Deutschen  Bank  sicherlich ­
  zurückzuführen  ist.
Durch  die  völlige  Übernahme  der  Oberrheinischen  Bank
erzielte  die  Rheinische  gewaltige  Gewinne  interner  und  externer
Natur.  Ganz  abgesehen  von  dem  moralischen  Plus  an  Macht,
Einfluß  und  Vertrauen  der  Kundschaft,  das  mit  jeder  Betriebserweiterung ­
  verbunden  ist,  konnte  die  Rheinische  2,4  Mill.  M,
aus  dem  Fusionsgewinn  dem  Delkrederekonto  überweisen,
während  sie  den  Rest  des  aus  der  Transaktion  stammenden
Buchgewinnes  unter  vorsichtiger  Bewertung  der  Aktiven  zu
Rückstellungen  und  Abschreibungen  verwendete.  Die  Zentrale
der  Oberrheinischen  Bank  wurde  mit  der  Rheinischen  Creditbank
lokal  vereinigt.  In  dem  früheren  Bankgebäude  der  Oberrheinischen ­
  in  Heidelberg  wurde  neben  der  bereits  bestehenden
Filiale  eine  Depositenkasse  errichtet.  Die  Niederlassungen  in
Freiburg  i,/B.  und  Straßburg  i./E.  wurden  in  die  dortigen
Filialen  der  Rheinischen  aufgenommen;  ferner  betrieb  die  Rheinische ­
  die  Niederlassung  in  Rastatt  als  neue  Agentur  und  in
Bruchsal  als  Depositenkasse  weiter.  Die  Niederlassung  in  Mülhausen ­
  i./E.  wurde  ebenfalls  als  neue  Filiale  weitergeführt.
Im  Jahre  1906  konnte  sich  die  Rheinische  weiter  dezentralisieren ­
  durch  die  definitive  Übernahme  des  seit  1904  von
ihr  kommanditierten  Privatbankgeschäfts  Julius  Kahn  &amp;amp;  Co.  in
Pforzheim.  Den  diesbezüglichen  Verhandlungen,  die  schon  seit
1)  Ein  überwiegend  unter  dem  Einfluß  der  Deutschen  Bank  stehendes
Bankinstitut.
        <pb n="57" />
        54

einer  Reihe  von  Jahren  schwebten,  standen  deshalb  erhebliche
Schwierigkeiten  gegenüber,  weil  das  1864  gegründete  Pforzheimer
Institut  zugleich  von  der  Württembergischen  Vereinsbank  seit
1877  und  von  der  Deutschen  Vereinsbank  in  Frankfurt  seit  1894
mit  kommanditiert  wurde.  Da  beide  Konkurrenten  augenscheinlich ­
  darnach  strebten,  durch  ihre  Beteiligung  an  der  Pforzheimer
Privatbank  in  dem  durch  sein  bedeutendes  goldverarbeitendes
Gewerbe  wichtigen  badischen  Industrieplatz  festen  Fuß  zu  fassen,
bedeutet  die  durch  Vertrag  vom  26.  November  1906  zustandegekommene ­
  Fusion  einen  Sieg  der  Rheinischen  Creditbank  über
das  Stuttgarter  und  Frankfurter  Institut.  Die  Übernahme  vollzog ­
  sich  leicht,  da  bei  dem  Mutterinstitut  die  inneren  Verhältnisse ­
  der  zu  übernehmenden  Bank  sowohl  inbezug  auf  ihren
Geschäftsumfang  als  auch  bezüglich  der  Kreditwürdigkeit  der
Kundschaft  durch  das  über  10  Jahre  bestehende  Kommanditverhältnis
  bekannt  waren.  Es  konnte  deshalb  bei  der  Bewertung ­
  der  zu  übernehmenden  Aktiven  und  Passiven  mit  absolut
sicheren  Zahlen  gerechnet  werden.  Zur  Durchführung  dieser
Transaktion  wurde  das  Aktienkapital  um  weitere  5  Mill.  M.  auf
75  Mill.  M,  erhöht.  Aus  den  hieraus  erzielten  Betriebsmitteln
wurden  zum  Teil  die  Abfindungen  an  die  früheren  Besitzer  des
Instituts  sowie  die  gekündigten  Kommanditbeteiligungen  der
Württembergischen  Vereinsbank  und  der  Deutschen  Vereinsbank
ausgezahlt.  Als  äußeren  Abschluß  der  Transaktion  und  gleichzeitig ­
  als  Äquivalent  für  die  abgetretene  Kommandite  wurde
Herr  Adolf  Kahn  und  Herr  Dr.  H.  Steiner  von  der  Württembergischen ­
  Vereinsbank  in  den  Aufsichtsrat  der  Rheinischen
gewählt.  Noch  in  demselben  Jahre  erhält  die  Konstanzer  Filiale
einen  beträchtlichen  Zuwachs  durch  die  Übernahme  des  im  Jahre
1845  gegründeten  altangesehenen  Privatbankhauses  A.  Sulzberger
in  Konstanz.
Ein  Beispiel  der  segensreichen  Wirkung,  welche  die  zielbewußten ­
  Konzentrationstendenzen  einer  in  sich  erstarkten
Provinzbank  haben  können,  zeigt  der  Aufsaugungsprozeß  der
Gewerbebank  Speyer  A.-G.  im  Jahre  1907,  Diese  Bank  war
durch  den  Konkurs  der  Firma  Mager  daselbst,  bei  der  sie  durch
        <pb n="58" />
        55

zahlreiche  hohe  Kredite  stark  engagiert  war,  ins  Wanken
geraten.  Eine  Katastrophe  drohte,  die  nicht  nur  die  Aktionäre
in  ihrem  Besitze  schwer  geschädigt  hätte  (das  Aktienkapital  der
Gewerbebank  betrug  nom.  1500000  M.  =  1500  Stück  Aktien
mit  50  %  Einzahlung),  sondern  auch  für  den  gesamten  Kundenkreis, ­
  der  sich  über  den  Speyrer  Platz  hinaus  ausdehnte,  verhängnisvoll ­
  geworden  wäre.  Von  seiten  der  Rheinischen  Creditbank
  wurde  die  Gefahr  rechtzeitig  beseitigt  durch  Aufnahme
des  defekten  Instituts  unter  Übernahme  der  Kreditoren  und  des
größten  Teils  der  Debitoren.  Gleichzeitig  wurde  eine  neue
Filiale  an  Stelle  der  aufgelösten  Bank  errichtet.  Die  Gewerbebank ­
  Speyer  trat  in  Liquidation.
Durch  dieses  Einspringen  in  die  schon  aufs  äußerste  gefährdete ­
  Bresche  wurde  dem  Ruin  vieler  wirtschaftlich  berechtigter ­
  Existenzen  vorgebeugt,  was  von  seiten  der  bayrischen
Regierung  dankend  anerkannt  wurde.  Daß  andererseits  auch
die  Rheinische  Creditbank  ihre  Interessen  zu  wahren  gewußt
hat,  geht  aus  den  diktatorischen  Übernahmebedingungen  hervor,
die  zugleich  die  gefährdete  Stellung  der  übernommenen  Bank
beleuchten.  Von  dem  reellen  Aktienwert  wurde  den  alten  Aktionären ­
  nur  noch  10  %  von  der  Rheinischen  Creditbank  vergütet, ­
  falls  sie  es  nicht  vorzogen,  auf  2  alte  Gewerbebankaktien
ä  1000  M.  1  Rheinische  Creditbankaktie  in  derselben  Höhe,
10  %  unter  dem  Tageskurs,  zu  beziehen.  Ferner  wurden  auf  das
mit  80000  M.  zu  Buch  stehende  übernommene  Bankgebäude
weitere  25000  M  zu  Gunsten  der  Aktionäre  der  liquidierten
Bank  gezahlt.
Wie  vorauszusehen  war,  mußte  die  junge  Niederlassung
anfänglich  mit  vielen  Störungen  und  großen  Unbequemlichkeiten
kämpfen,  die  aber  dank  des  starken  Rückhalts  an  der  Zentrale
jn  Mannheim  bald  überwunden  wurden.  Die  Speyrer  Filiale
bildete  in  den  folgenden  Jahren  neben  den  Niederlassungen  in
Pirmasens  und  Zweibrücken  einen  neuen  wichtigen  Stützpunkt
ihrer  Geschäftsbeziehung  in  der  bayrischen  Pfalz,  welche  seit
Beginn  des  neuen  Jahrhunderts  immer  mehr  in  den  Aktionsradius
des  badischen  Kreditinstituts  gezogen  wurde.
        <pb n="59" />
        56

Im  Großherzogtum  Baden  hatte  die  Rheinische  Creditbank
nach  all  den  besprochenen  Aufsaugungsprozessen  privater  oder
defekt  gewordener  Bankhäuser  an  jedem  wichtigen  Handelsund ­
  Industrieplatz  ihre  Niederlassungen  mit  Ausnahme  des
badischen  Scharzwaldes,  der  durch  seine  Uhren-  und  Maschinenindustrie ­
  bis  in  die  heutigen  Tage  einen  wichtigen  Teil  der
badischen  Volkswirtschaft  bildet.  Dies  waren  die  einzigen
Landesteile,  in  die  ihre  Kapital-  und  Machtsphäre  bis  dahin
noch  nicht  gedrungen  war 1 ).  Hier  war  bisher  der  Schwarzwälder ­
  Bankverein  A.  G.  in  Triberg  mit  seinen  4  Niederlassungen
in  Villingen,  Furtwangen,  Lörrach  und  Zell  i.  W.  Alleinherrscher.
Er  war  entstanden  aus  einer  rührigen  Genossenschaft  der  kleinen
Schwarzwaldstadt  Triberg.  Die  genossenschaftlichen  Strömungen,
die  um  die  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts  von  Schultze-Delitzsch,
  dem  genialen  Gründer  des  deutschen  Genossenschaftswesens, ­
  ausgingen,  durchdrangen  in  jener  Zeit  alle  deutschen  Gaue
und  faßten  auch  im  hohem  Schwarzwald  festen  Fuß  in  dem
bereits  am  23.  Dezember  1867  gegründeten  Vorschußverein
Triberg.
Die  1869  gebaute  Schwarzwaldbahn  brachte  der  damals
noch  in  bescheidenen  Anfängen  stehenden  Schwarzwälder  Industrie ­
  neue  Belebung  und  verhalf  dadurch  auch  dem  jungen
Bankinstitut  zu  einer  gewaltigen  Steigerung  seines  Geschäftsverkehrs. ­

1889  wurde  dann  das  Unternehmen  in  eine  A.-G,  umgewandelt, ­
  ebenfalls  wieder  um  dem  wachsenden  Kapitalbedarf
abzuhelfen  mit  einem  zunächst  eingezahlten  Aktienkapital  von
300  000  M.,  das  dann  rasch  hintereinander  auf  1  Mill.  M.  erhöht
wurde.  Bald  hernach  eröffnete  sie  ihre  erste  auswärtige  Niederlassung ­
  in  Villingen  als  Agentur,  der  dann  im  Jahre  1897  eine
weitere  Dezentralisation  durch  eine  Filiale  in  der  industrie-  und
gewerbsreichen  Industriestadt  Furtwangen,  unter  gleichzeitiger
Übernahme  der  in  Liquidation  getretenen  Furtwanger  Bank,
folgte.  Das  Aktienkapital  hatte  sich  unterdessen  auf  4  Mill.  M.
1)  Eine  geringe  kommanditarische  Beteiligung  seit  1901  bestand  bei
dem  Bankgeschäft  der  Herren  B.  Burger  &amp;amp;  Co.  in  Wolfach.
        <pb n="60" />
        Geyer  5

57

erhöht.  Der  flotte  Geschäftsgang  der  Jahre  1897/98  ermunterte
die  Bankleitung  zu  einer  weiteren  Expansion  durch  Einbeziehen
der  im  Wiesental  gelegenen  wichtigen  Industriestädte  Lörrach
und  Zell  i.  W.  in  ihren  Geschäftsbereich.  In  beiden  Städten
wurden  neue  Filialen  errichtet;  bei  letzterer  zugleich  unter
Übernahme  des  in  Liquidation  geratenen  Spar-  und  Vorschußvereins ­
  Zell  i,  W.  Bei  all  diesen  Niederlassungen  hatte  das  Institut ­
  nach  seinen  Geschäftsberichten  gesteigerte  Umsätze  und
gute  Erfolge  erzielt.  Zwei  Geschäftsstellen  in  Donaueschingen
und  Badisch  Rheinfelden  wurden  eröffnet,  um  einer  vorübergehenden ­
  Hochkonjunktur  zu  genügen  (in  Rheinfelden  waren  es
die  Aussichten  auf  die  Nutzbarmachung  der  Wasserkräfte  des
Oberrheins  zur  Gewinnung  elektrischer  Energie).  Diese  mußten
jedoch  nach  einem  Jahr  wieder  fallen  gelassen  werden.
Die  große  Wirtschaftskrise  zu  Beginn  des  20.  Jahrhunderts
hatte  wie  überall  so  auch  hier  schwere  Wunden  geschlagen;
diese  wurden  noch  erheblich  vergrößert  durch  die  Unterschlagungen ­
  eines  ihrer  Filialdirektoren.  Abschreibungen  und
Mindererträgnis  waren  die  Folge.  Die  Entwicklung  ihrer  Geschäftstätigkeit ­
  und  Expansionsfähigkeit  hatte  hiermit  ihren  Höhepunkt ­
  erreicht.  Die  Umsatzziffern  und  die  Erträgnisse  des  Instituts ­
  können  sich  in  den  folgenden  Jahren  bis  zu  ihrer  Fusion
in  die  Rhein.  Creditbank  nicht  mehr  merklich  heben.
Den  gesamten  inneren  Entwicklungsgang  des  schwarzwälder
Instituts  veranschaulicht  nachfolgende  Tabelle:
        <pb n="61" />
        Schwarzwälder  Bankverein  A.-G,

Jahr

Akt.-Kap.
u.  stille  Bet.

Reserven

Kreditoren  u.  Betriebs
Depositen  Kapital

Umsatz

Reingewinn

Dividende ­


Konzentrations-V  orgänge:

1889  324  264
1890  522  840
1891  1  018  234
1892  1  015  882
1893  1  016  317
1894  1  017  056
1895  1  266  562
1896  1  265  345
1897  1  764  406
1898  2  500  000
1899  3  625  000
1900  4  000  000
1901  4  000  000
1902  4  000  000
1903  4  000  000
1904  4  000  000
1905  4  000  000
1906  4  000  000
1907  4  000  000
1908  4  000000

70000
78  000
104000
110  000
115  000
130  000
175  000
190000
300  000
450  000
690  000
740  000
610  000
620  000
630000
650  000
660  000
660000
660000
660000

504  483  898  747
854086  1454  926
1  029  108  2  151  342
979  686  2105  568
1  019  398  2150  715
1  453  681  2  600  737
1  955  914  3  397  476
2  371  994  3  827  339
2  452  815  4  517  221
3  474  880  6  424880
4  461  732  8  776  732
5  423  600  10143  600
4  810  650  9  420650
3  630  010  8  312570
3  947  606  8  666  565
4335  640  9  091877
4  810411  9  569486
4  997  073  9  789  980
4  929127  9  687  557
5  216  476  9  971776

12

630

677

23

760

67

954

704

32

077

67

787

582

59

168

63

442

183

76

319

64

143

738

76

211

79

193

615

87

320

109

919

041

93

205

129

276

818

105

467

151

195

492

124

742

218

620

312

165

153

310

954

220

258

274

357

081

008

404

026

430

812

819

351

597

255

458

770

274  482

272

042

035

270

575

270

817

282

270

855

289

243

830

373

190

303

502

037

276

257

280

055

743

284489

296

160

991

268

206

57.
6
6
6
6
6
6
6
67.
67.
7
7
5
5
5
5
5
5
5

%  A.-G.  in  Triberg  gegr.
1.Filiale  inVillingen  eröff.

2.  F.i.Furtwangen  unt.Übernahme
  d.  Furtw.  Bank  i.L.
3.  Fil.  in  Lörrach  und  4.  Fil.
in  Zell  i.  W.

Fusion  in  Rheinische  Cre
ditbank,  Mannheim.

00
m
        <pb n="62" />
        5*

59

Die  Präliminarien  zur  Fusion  in  die  Rheinische  Creditbank
wurden  in  den  Verhandlungen  im  Sommer  1907  abgeschlossen,
wonach  ein  enges  Freundschaftsverhältnis  zwischen  beiden
Banken  zustande  kam,  dem  ein  Jahr  später  das  völlige  Aufgehen ­
  des  über  40  Jahre  bestehenden,  für  die  gesamte  Schwarzwälder ­
  Industrie  überaus  segensreich  wirkenden  Triberger  Creditinstituts
  in  die  Rheinische  Creditbank  folgte.  Am  1.  Juli  1909
wurde  die  Fusion  perfekt.
Zum  Umtausch  der  Schwarzwälder  Bankaktien  (4  Mill.  M.)
wurden  2 1 / 3  Mill.  von  den  gleichzeitig  neu  emittierten  10  Mill.  M.
jungen  Rheinischen  Creditbankaktien  und  dazu  erworbene
165000  M.  im  Verhältnis  von  2  :  3  unter  5  °/ 0 iger  Aufzahlung
verwandt.  Die  Zentrale  in  Triberg  wurde  als  neue  Filiale  übernommen, ­
  während  die  Niederlassungen  in  Furtwangen  und  Villingen,
  Lörrach  und  Zell  i.  W.  als  Agenturen  aufrecht  erhalten
wurden,  derart,  daß  die  beiden  ersteren  der  Triberger  Filiale
unterstellt  und  die  beiden  letzteren  von  der  Freiburger  Filiale
abhängig  gemacht  wurden.
Die  Transaktion  vollzog  sich  glatt.  Die  buchmäßigen  Reserven ­
  des  Schwarzwälder  Bankvereins  wurden  zusammen  mit
dem  Fusionsgewinn  als  stille  Reserven  in  die  Bilanz  aufgenommen. ­
  Diese  Fusion  hatte  dem  Mutterinstitut  wiederum  einen
beträchtlichen  Geschäftszuwachs  zugeführt,  der  sich  in  den  immer
stetig  wachsenden  Gesamtumsätzen  deutlich  wiederspiegelt.
Noch  im  gleichen  Jahre  erfuhr  das  starke  Creditinstitut
eine  weitere  Ausdehnung  seiner  Machtsphäre  durch  Übernahme
des  schon  seit  mehreren  Jahren  in  den  Kreis  ihrer  Dezentralisations-Dispositionen ­
  einbezogenen,  im  Jahre  1874  gegründeten
Bankhauses  August  Schneider  &amp;amp;  Co.  in  Pirmasens,  das  schon
seit  Jahren  in  freundschaftlichem  Geschäftsverkehr  mit  ihr  stand.
Nach  längeren  Verhandlungen  wurde  dieses  Bankhaus  ebenfalls
in  eine  neue  Filiale  der  Rheinischen  umgewandelt  unter  Übernahme ­
  der  Geschäftsbeziehungen  des  alten  Instituts.  Dabei
behielt  sich  das  Mutterinstitut  vor,  von  den  übernommenen  Aktiven ­
  und  Passiven  die  ihr  nicht  genehmen  Konten  mit  einer
halbjährigen  Kündigungsfrist  auszuscheiden.
        <pb n="63" />
        60

Die  Konzentrationsbestrebungen  der  Rheinischen  Creditbank
  fanden  dann  ihren  Abschluß  in  der  großen  Finanztransaktion, ­
  die  drei  mächtige  süddeutsche  Banken  zu  einer  Einheit
verband.  Die  Rheinische  Creditbank,  die  an  leitender  Stelle
dieser  Finanzoperation  stand,  trat  in  eine  enge  Interessengemeinschaft ­
  mit  der  Pfälzischen  Bank  in  Ludwigshafen  a/Rh.  ein
und  vereinigte  mit  dieser  organisch  zugleich  die  Süddeutsche
Bank  durch  Fusion.  Letztere  war  schon  seit  1904  zum  Konzern
der  Rheinischen  Creditbank  zu  rechnen.
Die  Bedingungen,  unter  denen  diese  Transaktion  zustande
kam,  waren  folgende:  Um  den  verschiedenen  Voraussetzungen
zur  gleichwertigen  Vereinigung  bisher  nebeneinander  bestehender
Bankkörper  zu  genügen,  insbesondere  um  hinsichtlich  ihrer
Wertbemessung  ein  annähernd  gleiches  Niveau  zu  erreichen,  das
für  die  Herstellung  einer  Interessengemeinschaft  und  für  den
damit  verbundenen  Eintritt  in  den  Konzern  der  Deutschen  Bank
absolut  benötigt  wurde,  beschloß  die  Pfälzische  Bank  ihr  Grundkapital ­
  von  nom.  50  Mill.  M.  auf  nom.  40  Mill.  M.  zu  reduzieren,
woraus  sich  für  letztere  Bank  ein  Buchgewinn  von  10  Mill.  M.
ergab  neben  einem  Fusionsgewinn  von  1  882  362.40  M.,  zusammen ­
  11  882  562.40  M.  Hiervon  wurden  zunächst  die  Fusionskosten ­
  mit  ca.  1,2  Mill.  M.  bestritten  und  1,35  Mill.  M.  zur  Erhöhung ­
  des  gesetzlichen  Reservefonds  auf  10  Mill.  M.  benutzt.
Der  Rest  fand  seine  Verwendung  zu  Abschreibungen  auf  Debitoren, ­
  Effekten  und  Konsortialbestände  in  Höhe  von  rund  4  Mill.  M,,
die  restlichen  ca.  5  Mill.  M.  dienten  zu  stillen  Rücklagen.  Die
Gesamtreserven  inklusive  stillen  Reserven  dürften  hierdurch  und
nach  Aufnahme  der  Süddeutschen  Bank  mit  deren  Fonds  auf
etwa  30—35  °/ 0  des  Gesamtaktienkapitals  betragen.
Die  Möglichkeit,  auf  ihre  dubiosen  Konten  Abschreibungen
vornehmen  zu  können,  kam  ihr  insofern  sehr  erwünscht,  da  sie
in  den  letzten  Jahren  vor  dem  Eingehen  der  Interessengemeinschaft ­
  nicht  in  entsprechender  Höhe  Abschreibungen  vorgenommen ­
  hatte.  (Die  Dividende  von  früher  8  °/ 0  war  auf  4  bez.  5  °/ 0 ,
im  letzten  Jahre  auf  5^2  °/o  gefallen.)
        <pb n="64" />
        \

61

Neben  dieser  inneren  Kräftigung  erfuhr  dann  das  Institut
eine  bedeutende  Erweiterung  seines  Kundenkreises  und  seines
geschäftlichen  Einflusses  durch  die  Fusion  der  Süddeutschen
Bank.  Hand  in  Hand  hiermit  ging  eine  erhebliche  Steigerung
ihres  Gewinnerträgnisses.  Denn  zu  dem  bisherigen  Bruttogewinn ­
  der  Pfälzischen  Bank  treten  nun  dauernd  die  Erträgnisse
der  Süddeutschen  Bank,  die  zugleich  auf  das  gleich  hohe  Aktienkapital ­
  zur  Verteilung  kamen,  da  das  reduzierte  Kapital  der
Pfälzischen  Bank  durch  Umtausch  der  Süddeutschen  Bank-Aktien
sofort  wieder  auf  dieselbe  Höhe  gebracht  war.
Zugleich  ist  sowohl  durch  die  umfangreichen  Abschreibungen
auf  Debitoren-,  Effekten-  und  Konsortialbestände  als  auch  besonders ­
  durch  die  Ansammlung  bedeutender  stiller  Reserven
eine  Gewähr  dafür  geboten,  daß  die  Erträgnisse  der  Bank  nicht
mehr  in  erheblichem  Maße  .zur  Abschreibung  verwendet  werden
brauchen  und  so  indirekt  der  Fusionsgewinn  einer  Stabilisierung
der  künftigen  Dividende  zugute  kommt 1 ).  Daß  beabsichtigt  ist,
die  Gemeinsamkeit  der  Interessen  nicht  nur  in  der  unten  näher
beschriebenen  Zusammenlegung  der  Gewinne  gipfeln  zu  lassen,
sondern  sie  auch  vor  allem  auf  möglichste  Gemeinschaft  der
Geschäftsprinzipien  auszudehnen,  wird  bezeugt  durch  die  bei
diesem  Anlaß  vereinbarte  Personalunion.
Es  fanden  folgende  Übergänge  von  Aufsichtsrat  und  Direktionsmitgliedern ­
  der  sich  zusammenschließenden  Banken  statt:
Von  der  Rheinischen  Creditbank  traten  der  Direktionsvorsitzende
Dr.  Brosien  —  in  gleicher  Eigenschaft  —  und  Direktor  Dr.  Jahr
in  den  Vorstand  der  Pfälzischen  Bank  ein.  Seitens  der  Pfälzischen
Bank  wurde  Direktor  Schayer  in  das  Vorstandskollegium
der  Rheinischen  Creditbank  gewählt.  Ebenso  ist  der  Aufsichtsrat-Vorsitzende ­
  der  Rheinischen  Creditbank  Dr.  Reiß  in  den
Aufsichtsrat  der  Pfälzischen  Bank,  während  von  letzterer  Rudolf
Dacque  und  Kommerzienrat  Eswein,  der  von  seinem  bisherigen
Posten  als  Generaldirektor  am  1.  Juli  1911  zurücktrat,  in  den
Kreis  der  Aufsiehtsräte  der  Rheinischen  gewählt  worden,
1)  Vgl,  die  Artikel  im  Deutschen  Ökonomist  Nr.  1500  und  1511  Jahrg.
1911:  Fusion  und  der  Einfluß  auf  Dividende.
        <pb n="65" />
        62

Was  das  Abkommen  im  einzelnen  anbelangt,  so  garantierte
vereinbarungsgemäß  die  Rheinische  Creditbank  der  Pfälzischen
Bank  für  die  nächsten  5  Jahre  die  gleiche  Dividende  wie  sie
bei  ihr  (bekanntlich  seit  bald  10  Jahren  7  °/ 0 )  zur  Verteilung
gelangt.  Wogegen  die  Pfälzische  Bank  aus  ihrem  Gewinn
10  Jahre  lang  vorweg  je  500  000  M.  an  die  Rheinische  Creditbank ­
  abzuführen  hat.  Alsdann  wird  der  beiderseitige  Gewinn
nach  den  üblichen  Abschreibungen,  Tantiemen  und  Gratifikationen
etc.  zu  einer  Dividendenausschüttung  bis  zu  7  °/ 0  verwandt  und
der  Rest  fließt  an  die  beiden  Banken  im  Verhältnis  zu  ihren
Aktienkapitalien  zurück.
In  ihrer  Wirkung  kommt  diese  Interessengemeinschaft,  die
auf  die  Dauer  von  30  Jahren  festgesetzt  ist,  besonders  im  Hinblick ­
  auf  die  weitgehende  Personalunion  einer  Fusion  ziemlich
gleich.  Durch  die  Pfälzische  Bank  ist  bei  dieser  Transaktion,
abgesehen  von  der  sofort  eingetretenen  Konsolidierung  und
inneren  Kräftigung,  als  bedeutungsvolles  Moment  hervorzuheben,
daß  die  Bank  nicht  mehr  wie  bisher  isoliert  dasteht,  vielmehr
in  Zukunft  alle  diejenigen  Vorteile  genießen  wird,  die  die  Anlehnung ­
  an  die  wirtschaftlich  stärkere  Rheinische  Creditbank
unter  Eintritt  in  den  mächtigen  Deutsche  Bank-Konzern  naturgemäß ­
  mit  sich  bringen  muß.
Nach  den  Beschlüssen  der  außerordentlichen  Generalversammlung ­
  wurde  die  Reduktion  des  Grundkapitals  der  Pfälzischen
Bank  unter  Beobachtung  der  einschlägigen  gesetzlichen  Vorschriften ­
  derart  vorgenommen,  daß  20  °/o  desselben,  mithin
10  Mill.  M.,  zur  freien  Verfügung  der  Pfälzischen  Bank  seitens
der  Aktionäre  freiwillig  einzuliefern  waren.  Diese  fanden  ihre
Verwendung  zu  folgender  Transaktion:  Die  Pfälzische  Bank
schloss  (zur  gleichen  Zeit  wie  die  Interessengemeinschaft  mit  der
Rheinischen  Creditbank)  einen  Fusionsvertrag  mit  der  Süddeutschen ­
  Bank  ab,  wonach  sie  deren  Aktionären  die  vorerwähnten ­
  gratis  einzuliefernden,  mit  Dividendenberechtigung  ab
1,  Januar  11  ausgestatteten  10  Mill.  M.  Aktien  im  Wege  des
Umtausches  gegen  das  12  Mill.  M.  betragende  Aktienkapital
        <pb n="66" />
        63

der  Süddeutschen  Bank  anbot.  Außerdem  leistete  sie  auf  jede
Süddeutsche  Bank-Aktie  eine  Barvergütung  von  10  °/ 0  =  100  M.
Diese  Transaktion  wurde  innerhalb  der  gesetzlichen  Frist
durchgeführt.  Sämtliche  Aktien  wurden  freiwillig  zur  Abstempelung ­
  eingereicht  bis  auf  den  verhältnismäßig  geringen  Betrag  von
88500  M.  Diese  Stücke  wurden  für  kraftlos  erklärt  und  durch
junge  Aktien  ersetzt.  Eine  förmliche  Herabsetzung  des  Grundkapitals ­
  war  deshalb  nur  für  20  °/ 0  der  nicht  freiwillig  zur  Abstempelung ­
  eingereichten  88  500  M.  (also  um  17  700  M.)  erforderlich, ­
  Um  diesen  Betrag  wurde  das  Kapital  sofort  wieder  erhöht,
sodaß  es  nach  wie  vor  50  Mill.  M.  betrug.
Die  Geschäfte  der  Süddeutschen  Bank  werden  auch  nach
der  Fusion  in  unveränderter  Form  unter  der  Firma  Süddeutsche
Bank,  Abteilung  der  Pfälzischen  Bank,  von  den  seitherigen
Direktoren  weitergeführt.  Herr  Direktor  Arno  Kuhn  wird  zum
Vorstandsmitglied  der  Pfälzischen  Bank  mit  dem  Domizil  in
Mannheim  ernannt.  Der  Aufsichtsrat  der  Süddeutschen  Bank
wurde  im  folgenden  Jahre  in  denjenigen  der  Pfälzischen  Bank
aufgenommen,  um  dort  eine  gesonderte  Kommission  für  diese
Abteilung  der  Pfälzischen  Bank  zu  bilden.
Betrachten  wir  nun  die  Vorteile  und  Nachteile,  die  sich
aus  dieser  Finanztransaktion  für  die  beteiligten  Banken  ergaben,
so  muß  für  alle  drei  Institute  gemeinsam  als  wesentlichster
Gewinn  der  Eintritt  beziehungsweise  die  energische  Ausdehnung
des  Konzerns  der  Deutschen  Bank  in  Süddeutschland  genannt
werden,  an  dessen  Machtzuwachs  die  bezeichneten  Banken  indirekt ­
  partizipieren  und  durch  deren  Rückhalt  den  badischen
Instituten  eine  kräftige  Entwicklung  gewährleistet  wird.
Andererseits  ist  wiederum  eine  Folge  der  Konzentrationsbestrebungen ­
  im  Bankgewerbe  der  Verlust  der  Selbständigkeit
zweier  Bankuntemehmungen  Badens.  Während  sich  bei  der
Süddeutschen  Bank  die  Aufgabe  der  Selbständigkeit  durch  eine
Kette  von  Konzentrationsmomenten  nach  und  nach  vollzieht ­
  und  die  Einflußgewinnung  des  Deutschen  Bank-Konzerns
auf  das  infolge  des  bekannten  Rheinaukrachs  durch  zu  hohe
Akzeptgewährung  an  die  Mannheimer  und  Ludwigshafener  In ­
        <pb n="67" />
        64

dustrie  stark  engagierte  Unternehmen  in  einzelnen  Entwicklungsphasen
  deutlich  erkennbar  ist,  verliert  die  Pfälzische  Bank  in
Ludwigshafen  mit  einem  Schlage  durch  ihren  Eintritt  in  den
deutschen  Bankkonzern  bis  zu  einem  gewissen  Grade  ihre
innere  Selbständigkeit.
Weitere  Vorteile  allgemeiner  Natur  bieten  sich  den  drei
Instituten  gemeinsam  in  der  Werbetätigkeit  der  bei  allen  Konzentrationsprozessen ­
  im  Bankgewerbe  zutage  tretenden  größeren
Kapitalkraft.  Wenn  auch  nicht  organisch  zusammengeschlossen,
so  repräsentiert  doch  die  süddeutsche  Interessengemeinschaft
ein  Gesamtaktienkapital  von  145  Mill.  M.  und  sichtbare  Gesamtreserven ­
  von  28  Mill.  M.  (=  20  °/ 0  des  gemeinsamen  Aktienkapitals) ­
  zusammen  über  173  Mill.  M.  Eigenkapital.  Hierzu
kommt  noch,  wenngleich  die  Unkosten  nicht  in  dem  Maße  herabgemindert
  werden  konnten,  wie  dies  bei  Konzentrationen  in
der  Industrie  der  Fall  ist,  eine  Kostenersparnis  durch  die  Vereinheitlichung ­
  des  Verwaltungsapparates.  Meistens  steigen
gerade  durch  den  Zusammenschluß  von  Einzelbetrieben  in  der
ersten  Zeit  der  neuen  Betriebsform  die  Unkosten  über  die  Summe
der  früheren  einzelnen  Unkostenkonten  um  erst  später,  wenn  sich
die  einzelnen  Betriebsorgane  den  Kreditverhältnissen  und  dem
Verkehr  mit  der  Kundschaft  und  untereinander  völlig  akkomodiert
  haben,  einen  normalen  und  relativ  niederen  Stand  zu  erreichen. ­

So  können  bei  einheitlicher  Disposition  über  große  Beträge
im  Devisengeschäft  günstigere  Ergebnisse  erzielt  werden  und
insbesondere  im  Effektengeschäft  durch  die  Möglichkeit  der
Kompensierung  von  Kommissionskäufen  und  -Verkäufen  Kosten
erspart  werden.  Ferner  kann  im  Zahlungsverkehr  wie  im
Wechseldiskontgeschäft  weitgehende  Vereinheitlichung  erzielt
werden  durch  ausgedehntere  Inkassomöglichkeit,  sowie  durch
Steigerung  des  auch  vom  volkswirtschaftlichen  Standpunkt  so
sehr  zu  wünschenden  bargeldlosen  Übertragungsverkehrs.
Ein  weiterer,  allerdings  nicht  ziffernmäßig  zu  belegender
Vorteil  für  sämtliche  beteiligten  Institute  besteht  in  dem  erweiterten ­
  Einblick  —  zur  Vermeidung  von  Verlusten  —  in  zahlreichere
        <pb n="68" />
        65

Betriebe  einzelner  Branchen,  wodurch  sich  der  Überblick  über
die  gesamte  Geschäftslage  verbessert.
Durch  die  Möglichkeit  dieses  weitreichenden  Einblicks  in
die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  einer  Volkswirtschaft  kann
einerseits  einer  größeren  Kapitalmacht  zu  spekulativen  Effekten-,
Emissions-  oder  Gründungsgesqhäften  Vorschub  geleistet  werden,
andererseits  ist  es  dem  Direktorium  eines  solchen  Bankkomplexes ­
  eben  dadurch  möglich,  Erfahrungen  und  vorauszusehende
Ereignisse  aus  diesem  Überblick  über  bestehende  und  zukünftige ­
  Konjunkturen  seinem  Kundenkreis  zur  Verfügung  zu  stellen
und  so  durch  vorsichtige  Kalkulationen  und  Intentionen  an  die
maßgebenden  Handels-  und  Industriekreise  auch  diesen  selbst
erhebliche  Gewinne  zu  verschaffen  oder  sie  vor  erheblichen
Verlusten  zu  schützen.  Was  nun  die  Vorteile  der  einzelnen
Banken  resp.  ihrer  Aktionäre  betrifft,  so  hat  sich  die  Rheinische
Creditbank  gleich  zum  voraus  einen  Hauptanteil  ausbedungen
durch  die  jährliche  Zahlung  der  halben  Million  M.  aus  dem
Jahreserträgnis  der  Pfälzischen  Bank  für  die  Dauer  von  10
Jahren,  während  sie  ihrerseits  als  Äquivalent  die  Dividendengarantie ­
  (aber  nur  für  die  Dauer  von  5  Jahren)  leistet,  sodaß
sie  nach  dem  Jahre  1916  über  ihr  Jahreserträgnis  (inkl.  der
halben  Million  bis  1921)  frei  verfügen  kann.
Die  Vorteile,  die  die  Pfälzische  Bank  aus  dieser  Transaktion ­
  zog,  bestehen  in  der  Hauptsache  in  folgenden  Punkten:
1.  In  der  Konsolidierung  ihres  Gesamtstatuts,
2.  in  der  ihr  auf  5  Iahre  von  der  Rheinischen  Creditbank
gewährleisteten  Dividendengarantie,
3.  in  dem  Machtzuwachs  durch  die  Fusion  mit  der  Süddeutschen ­
  Bank  und,  last  not  least,
4.  in  dem  Eintritt  in  den  Konzern  der  Deutschen  Bank,
wodurch  sie  zur  Beteiligung  an  zahlreichen,  zum  Teil
mit  erheblichen  Gewinnchancen  verbundenen  Emissionen
zugezogen  wurde.
Hierfür  mußte  sie  die  Aufgabe  ihrer  inneren  Selbständigkeit
in  Kauf  nehmen  und  zur  Durchführung  der  inneren  Stär-
        <pb n="69" />
        66

kung  ihrer  Verhältnisse  sich  zu  einer  Kapitalreduzierung  veranlaßt ­
  sehen.  Letztere  wurde  allerdings  für  die  Aktionäre  der
Pfälzischen  Bank  durch  eine  erhöhte  Rente  wieder  ausgeglichen.
Für  die  Süddeutsche  Bank  endlich  bildete  diese  Transaktion ­
  einen  besonders  für  ihre  Aktionäre  günstigen  Abschluß
ihres  Werdegangs;  denn  sie  stand  schon  vor  dem  Zustandekommen ­
  der  süddeutschen  Interessengemeinschaft  vollständig
unter  dem  beherrschenden  Einfluß  des  Konzerns  der  Deutschen
Bank.  Für  sie  als  kleine  Aktienbank  war  es  nur  noch  eine
Frage  der  Zeit,  unter  welchen  Umständen  sie  der  Konzentration
im  badischen  Bankwesen  zum  Opfer  fiele.
Während  die  Pfälzische  Bank  ihre  äußere  Selbständigkeit
vollständig  zu  wahren  wußte,  mußte  die  Süddeutsche  Bank
diese  völlig  aufgeben  unter  dem  Druck  ihrer  beiden  Großaktionäre, ­
  der  Deutschen  Bank  und  der  Rheinischen  Kreditbank,  die
zusammen  in  der  entscheidenden  Generalversammlung  vom  22.
Juni  1911,  in  der  insgesamt  8,4  Mill.  M.  Aktienkapital  vertreten
war,  die  Aktienmajorität  besaßen.
Die  Übernahmebedingungen,  gegen  die  die  Süddeutsche  Bank
ihre  gesamten  Aktiven  und  Passiven  und  hiermit  Hand  in  Hand
ihre  Existenzberechtigung  an  den  Deutsche  Bank-Konzern  abgab, ­
  waren  für  ihre  Aktionäre  keinesfalls  ungünstig,  sowohl  was
Verzinsung,  als  auch  was  Sicherheit  der  Anlage  betrifft.
Zunächst  ist  ihre  Rente  durch  den  Umtausch  gestiegen,
wie  dies  Dr.  Brosien  in  der  erwähnten  Generalversammlung  darlegt. ­
  Denn  während  sie  bisher  für  nom.  6000  M.  Aktien  6°/ 0
Div,  =  360  M.  erhielten,  beziehen  sie  nach  der  Fusion  für  die
hiermit  umgetausehten  5000  M.  Pfälzische  Bankaktien  (die  zugleich ­
  von  der  Rheinischen  Creditbank  garantierten)  7°/ 0  =  350  M.
Hierzu  kommt  noch  die  10°/ 0 ige  Vergütung  pro  Süddeutsche
Bank-Aktie,  d.  s.  auf  6000  M.  Aktien  600  M.,  die  bei  der  Berechnung ­
  einer  5°/ 0 igen  jährlichen  Rente  weitere  30  M.  erbringen,
sodaß  nach  diesem  Beispiel  die  Dividende  von  früher  360  M.
auf  jetzt  380  M.  gestiegen  ist.
Vielmehr  noch  als  diese  Steigerung  der  Quantität  der  Rente
muß  aber  die  Qualität  der  Anlage  nach  Vollendung  der  Trans-
        <pb n="70" />
        67

aktion  für  den  früheren  Aktionär  der  Süddeutschen  Bank  ins
Gewicht  fallen  und  hier  hat  er  im  Vergleich  zur  obigen  Ertragssteigerung ­
  einen  weit  bedeutenderen  Gewinn  davon  getragen.

Bei  der  Bildung  dieser  süddeutschen  Interessengemeinschaft
stand  immer  die  Deutsche  Bank  in  Berlin  als  treibende  Kraft  im
Hintergrund  mit  ihrem  Streben  nach  Erweiterung  ihrer  Interessen- ­
  und  Einflußsphäre  auf  Süddeutschland,  besonders  da  ihre
Rivalen  in  der  deutschen  Bankenkonzentration,  die  Dresdner
Bank  und  die  Disconto-Gesellschaft,  bereits  einige  Jahre  zuvor
hier  festen  Fuß  gefaßt  hatten.  Die  Deutsche  Bank  fusionierte
nicht,  wie  es  wohl  zu  erwarten  gewesen  wäre,  die  einzelnen
Bankenkomplexe  —  bei  der  Pfälzischen  Bank  und  der  Süddeutschen ­
  Bank  wäre  es  ihr  sicherlich  nicht  allzu  schwer  gefallen, ­
  eine  direkte  Aktienmajorität  auf  Grund  eines  Umtauschprojekts ­
  zu  erlangen,  wie  früher  bei  der  kapitalstärkeren  Bergisch-Märkischen
  Bank,  sondern  sie  stellte  die  Rheinische  Creditbank,
die  bereits  seit  1904  mit  ihr  in  engem  Konnex  stand,  in  den
Vordergrund  der  ganzen  Finanzoperation  in  Gestalt  der  durch
sie  zustandegekommenen  Interessengemeinschaft.
Die  Modalitäten  waren  in  der  Art  proponiert,  daß  die  Vorteile, ­
  die  durch  die  Ausnützung  des  Aktienagios  bei  einer  Fusion
erzielt  worden  wären,  auch  ohne  eine  solche  erreicht  wurden.
Ihrem  inneren  Wesen  nach  bedeutet  dieser  mächtige  Zusammenschluß ­
  im  süddeutschen  Bankwesen  in  hervorragender
Weise  eine  energische  Ausdehnung  der  Machtsphäre  des  Konzerns ­
  der  Deutschen  Bank  auf  das  Großherzogtum  Baden  und
die  Bayrische  Pfalz  unter  gleichzeitiger  Konsolidierung  der  dortigen ­
  Kreditverhältnisse.
Andererseits  haben  die  vereinigten  Interessen  der  Rheinischen ­
  Creditbank  und  der  Pfälzischen  Bank  weiterhin  diesen
Instituten  selbst  unter  der  Ägide  der  Deutschen  Bank  zweifellos
eine  erheblich  verstärkte  Stoßkraft  auch  in  Konkurrenz  mit
den  übrigen  badisch-pfälzischen  Banken  verliehen.
        <pb n="71" />
        68

Schlußwort.
Die  bedeutendsten  Konzentrationsvorgänge  1870-1912.
Werfen  wir  am  Schluß  dieser  Arbeit  einen  kurzen  Rückblick ­
  auf  die  gesamte  Konzentrationsbewegung  im  badischen
Bankgewerbe,  so  kann  zunächst  konstatiert  werden,  daß  die
neuzeitige  Erscheinung  vorläufig  wohl  ihren  Höhepunkt  erreicht
hat  mit  dem  letzten  großen  Zusammenschluß,  der  süddeutschen
Interessengemeinschaft  Rheinische  Creditbank  —  Pfälzische  Bank.
Zu  gleicher  Zeit  hat  sich  auch  bei  der  süddeutschen  Disconto-Gesellschaft
  A.-G.,  Mannheim  ein  Nachlassen  ihrer  seitherigen
starken  Expansionstendenzen  geltend  gemacht.  Denn  jede  Ausdehnung ­
  führt  schließlich  zu  einer  Grenze,  die  dann  nur  auf
Kosten  des  Ganzen  überschritten  werden  kann;  diese  scheint
von  unsern  beiden  kapitalstärksten  Kreditbanken  annähernd  erreicht ­
  zu  sein.  Hauptsächlich  in  den  letzten  beiden  Jahrzehnten
wuchsen  sie  in  rapidem  Tempo  dauernd  weiter,  aber  sie  wuchsen
auf  natürlich-organischem  Wege  durch  die  reguläre  Ausbreitung
ihres  Kundenkreises  und  ihrer  Kreditgeschäfte.  Auch  die  von
ihnen  in  dieser  gewaltigen  Entwicklungsperiode  vorgenommenen
Kapitalserhöhungen  dienten  immer  nur  der  Anpassung  der
eigenen  Mittel  an  die  gesteigerten  Bedürfnisse,  was  aus  den  angeschlossenen ­
  Tabellen  deutlich  ersehen  werden  kann.  So  haben
sich  im  Großherzogtum  Baden  in  den  letzten  beiden  Jahrzehnten
aus  dem  großen  Komplex  mittlerer  und  kleinerer  Banken,  wie
wir  ihn  in  den  90iger  Jahren  vorfinden,  vorzüglich  zwei  Kreditbanken ­
  heraus  kristallisiert.
Erst  mit  Beginn  des  20.  Jahrhunderts  begannen  allmählich
die  Berliner  Großbanken  Einfluß  auf  das  badische  Bankwesen
zu  gewinnen.
        <pb n="72" />
        69

Bei  genauerer  Betrachtung  können  wir  drei  Bankgruppen
unterscheiden,  die  heute  noch  auf  dem  badischen  Kapitalmarkt
die  Hauptrolle  spielen.  Es  sind  dies  1.  der  Deutsche  Bank-Konzern
  mit  der  Rheinischen  Creditbank  und  der  Pfälzischen
Bank;  2.  der  Konzern  der  Berliner  Disconto-Gesellschaft  mit  der
Süddeutschen  Discontogesellschaft  A.-G.  und  3.  die  Dresdner
Bank  mit  eigenen  Filialen  und  ihrer  nahezu  alle  badischen  Kreditgenossenschaften ­
  in  einem  Giro-Verband  umfassenden  Genossenschafts-Abteilung ­
  in  Frankfurt  a./M.
Daneben  haben  sich  jedoch  auch  alle  Privatbankfirmen  in
den  Zeiten  der  Hochkonjunktur  eine  starke  Position  auf  dem
badischen  Kapitalmarkt  verschaffen  können,  so  besonders  in
Karlsruhe,  Mannheim  und  Pforzheim.
Worin  sich  jedoch  unsere  größeren  badischen  Kreditinstitute
von  einer  großen  Anzahl  anderer  deutschen  Provinzbanken
unterscheiden,  das  ist  die  innere  Kraft  und  Initiative,  die  sie
sich  zu  selbständigem  Aufstieg  bewahrt  haben;  hier  haben  sie
sich  bis  zum  heutigen  Tage  im  engeren  Rahmen  ihres  Wirkungskreises ­
  den  Großbanken  gegenüber  widerstands-  und  wettbewerbsfähig ­
  erwiesen.
        <pb n="73" />
        o

Die  wichtigsten  Konzentrations-Vorgänge  1870—1912

1870  Rheinische  Creditbank:
1871
1872
1873
1874

Centrale  in  Mannheim  als  A.-G.  gegründet  (12.  Mai)
1.  Filiale  in  Freiburg  i./B.  aus  der  Privatbank  Sautier  (30,  Juni)
2.  Filiale  in  Karlsruhe  (22.  April)
3.  Filiale  in  Konstanz  (1.  Jan.)
Fusion  mit  Pfälzer  Bankverein,  Mannheim  (26.  Jan,)

1*  ff

Kommandite  i.  Kaiserslautern  Fa.  Böcking,  Karcher  &amp;amp;  Co.  (26.Jan.)

ff  It

4.  Filiale  in  Heidelberg  aus  der  Privatbank  Gebr.  Zimmern  i.  L.
(15.  Jan.)

1883  Oberrheinische  Bank:

Centrale  in  Mannheim  aus  der  Privatbank  Köster  als  A.-G.

ff  ff

gegr.  (1,  Juli)
1.  Filiale  in  Heidelberg

—  „  M  2.  Filiale  in  Frankfurt  a./M.
1889  Schwarzwälder  Bankverein:  Centrale  in  Triberg  aus  Vorschußverein  Tr.  als  A.-G.  gegr.

1890
1894  Rheinische  Creditbank:
—  Oberrheinische  Bank:
1895
1896
—  Süddeutsche  Bank:

1.  Filiale  in  Villingen  (als  Agentur)
Kommandite  in  Pforzheim  Firma  Jul.  Kahn  &amp;amp;  Co.  (1.  Jan.)
Eintritt  in  den  Deutschen  Bank-Konzern
1.  Depositenkasse  in  Ludwigshafen  a.  Rh.  (1.  März)
3.  Filiale  in  Straßburg  i.  E,
Centrale  in  Mannheim  aus  Privatbank  Goldmann  &amp;amp;  Kuhn  i.  L.

1897  Rheinische  Creditbank:

als  A.-G.  gegründet
Fusion  mit  Privatbank  G.  Müller  &amp;amp;  Cons.  in  Karlsruhe  und
Baden  (1,  Okt.)  und  hieraus

1897  Rheinische  Creditbank:

5.  Filiale  in  Baden-Baden

11  11

Übernahme  der  Privatbank  Franz  Funk  vorm.  Gebr.  Wolf  in
Baden-Baden  in  die  dortige  Filiale  (1.  Okt.)

—  Oberrheinische  Bank:

Fusion  mit  Privatbank  Chr.  Mez,  Freiburg  i.  B.  und  hieraus

f»  11

4.  Filiale  in  Freiburg  i./Br.  (1.  April)

1897  SchwarzwälderBankverein,  2.  Filiale  in  Furtwangen  aus  Furtwanger  Bank  i.  L.
1898  Rheinische  Creditbank:  Fusion  mit  Kaiserslauterner  Bank  vorm,  Böcking,  Karcher  &amp;amp;  Co.

11  1»

und  hieraus
6.  Filiale  in  Kaiserslautern

ff  ff
—  Oberrheinische  Bank:

Kommandite  in  Saarbrücken  Firma  G.  F.  Grohe-Henrich  &amp;amp;  Co.
5.  Filiale  in  Karlsruhe  (1.  Juni)

ff  ff

6,  Filiale  in  Rastatt  (1.  Juni)

11  ff

7.  Filiale  in  Baden-Baden  1.  Juni)

—  SchwarzwälderBankverein:  3.  Filiale  in  Lörrach
—  ,,  „  4.  Filiale  in  Zell  i.  W.

—  Süddeutsche  Bank:

1.  Kommandite  in  St.  Johann  Firma  Lazard,  Brach  &amp;amp;  Co.

ff  11
1899  Rheinische  Creditbank:

Aktien-Beteiligung  der  Dresdner  Bank
Fusion  mit  Ortenauer  Creditbank  A.-G.  und  hieraus

11  11

7.  Filiale  in  Offenburg

11  11

Fusion  mit  Firma  Kauffmann,  Engelhorn  &amp;amp;  Cie.  und  hieraus

11  11

8.  Filiale  in  Straßburg  i.  Eis.

11  ff

Fusion  mit  Lahrer  Creditbank  Carl  Bader  &amp;amp;  Co.  und  hieraus

11  11

9.  Filiale  in  Lahr  (Baden)

-j
        <pb n="74" />
        1899  Rheinische  Creditbank:
—  Oberrheinische  Bank:
ff
ff
ff

ff
ff
ff

—  Süddeutsche  Bank:
1901  Rheinische  Creditbank:

1903
1904

ff  ff
ff  ff
ff  ff
—  Süddeutsche  Bank:
ff  ff
1905  Rheinische  Creditbank:

Übernahme  der  Privatbank  Strohmeyer  in  Baden-Baden  in  die
dortige  Niederlassung
8.  Filiale  in  Bruchsal  (1.  Jan.)
9.  Filiale  in  Basel  (1.  Jan.)
10.  Filiale  in  Mühlhausen  i.  E.  (1.  Jan.)
Freundschaftsverhältnis  mit  der  Schweizerischen  Creditanstalt
in  Zürich
1,  Filiale  in  Worms  a.  Rh,
Fusion  mit  der  Mannheimer  Bank  A.-G,  in  Mannheim
Übernahme  der  Privatbank  Gebr.  Kapferer  in  Freiburg  i,/Br.  in
die  dortige  Niederlassung
Eintritt  in  den  Deutsche  Bank-Konzern
Fusion  mit  der  Oberrheinischen  Bank  Mannheim  (17.  Nov.)
1.  Depositenkasse  in  Bruchsal
1.  Agentur  in  Rastatt
Freundschaftsverhältnis  mit  der  Schweizerischen  Credit-Anstalt
in  Zürich
Fusion  mit  der  Credit-  u,  Depositenbank  Zweibrücken  u.  hieraus
10.  Filiale  in  Zweibrücken
2.  Agentur  in  Neunkirchen  (Reg.-Bez.  Trier)
Eintritt  in  den  Deutsche-Bank-Konzem
Abstoßung  der  Kommandite  St,  Johann
11.  Filiale  in  Mülhausen  (fr.  Oberrhein.  Bk.-Fil.)
        <pb n="75" />
        &amp;lt;1
OJ

1905  Süddeutsche  Discontoges,:

ff
ff
M

ff
ff
ff

1906  Rheinische  Creditbank;

ff

ff

f»  ff
—  Süddeutsche  Discontoges,:

ff  ff
1907  Rheinische  Creditbank:

1908

ff  ff
Süddeutsche  Discontoges,:
ff  ff

1909  Süddeutsche  Bank:
—  Rheinische  Creditbank:

ff

ff

Centrale  in  Mannheim  aus  Privatbank  W.  H.  Ladenburg  &amp;amp;  Söhne
durch  Disconto-Gesellschait  Berlin  als  A.-G.  gegründet
1,  Kommandite  Privatbank  E,  Ladenburg,  Frankfurt  a./M.
1,  Filiale  in  Pforzheim  (1,  Juni)
2,  Filiale  in  Lahr  (Baden)  (1,  Dez,)
Übernahme  der  Privatbank  A.  Sulzberger  Konstanz  in  die  dortige ­
  Niederlassung
Fusion  der  Privatbank  Jul,  Kahn  &amp;amp;  Cie  (früh,  Kommandite)  in
Pforzheim  und  hieraus
12,  Filiale  in  Pforzheim
3,  Filiale  in  Heidelberg
4,  Filiale  in  Freiburg
Übernahme  der  Gewerbebank  Speyer  i.  L,  und  hieraus
13,  Filiale  in  Speyer
5,  Filiale  in  Landau  (Pfalz)
Errichtung  von  Zahlstellen  in  Annweiler,  Bergzabern,  Germersheim,
  Mühlheim  i./B.  und  Neustadt  i,  Schw.
Rheinischer-Creditbank-Direktor  Brosien  wird  Vorsitzender  des
Aufsichtsrats
Fusion  des  Schwarzwälder  Bankvereins,  Triberg  und  hieraus
14,  Filiale  in  Triberg
3,  Agentur  in  Villingen
4,  Agentur  in  Furtwangen
5,  Agentur  in  Lörrach  i,/W.
        <pb n="76" />
        1909  Rheinische  Creditbank:  6.  Agentur  in  Zell  i.  Wiesenthal
—  H  ii  Fusion  der  Privatbank  Aug,  Schneider  &amp;amp;  Co,  in  Pirmasens  und
hieraus
—  ,i  „  15,  Filiale  in  Pirmasens
—  ,&amp;lt;  n  2,  Depositenkasse  Weinheim  a,  d,  B.
—  Süddeutsche  Discontoges,:  6,  Filiale  in  Bruchsal
1910  „  „  Übernahme  der  Pfälzischen  Spar-  und  Creditbank  Landau  in  die
dortige  Niederlassung
1911  Rheinische  Creditbank;  Interessengemeinschaft  mit  der  Pfälzischen  Bank  in  Ludwigshafen ­
  a./Rh,
—  Süddeutsche  Bank,  Fusion  in  die  Pfälzische  Bank,  Ludwigshafen  a./Rh.
—  Süddeutsche  Discontoges,:  7.  Filiale  in  Karlsruhe
—  i,  „  8.  Filiale  in  Worms  a,/Rh.
—  „  „  Zahlstellen  in  Pirmasens  und  Schwetzingen
1912  Rheinische  Creditbank;  Kommandite  in  Freiburg  i./Br.  Firma  I.  A,  Krebs,

KREfSHBIRBSBBa
        <pb n="77" />
        Badische  Bank 1 )

Tabelle  V.

a  Bevölkerungszahl.  b  Anzahl  der  Institute.  c  Aui  10.000  Einwohner  kommen  ....  Banken,

1852

1871

1880

1890

1900

1905

1910

a

b

c

a

b

c

a

b

c

a

b  c

a

b

c

a  1  b

c

a

b

c

Mannheim

24  316

7

2,88

39  606

10

2,52

53  465

12

2,24

79  058

18  2,27

141  131

16

1,13

163  693  17

1,04

193  902

21

1,08

Karlsruhe

24  299

7

2,89

36  582

12

3,29

49  301

10

2,03

73  684

20:  2,71

97  185

20

2,05

111  249  21

1,90

134  313

16

1,18

Freiburg  i./Br.

16  441

24  668

4

1,62

36  401

10

2,75

48  909

12  2,45

61  504

10

1,62

74  098  10

1,34

83  324

10

1,20

Pforzheim

9  152

2

2,18

19  803

12

6,06

24  037

5

2,08

29  988

7  2,33

43  373

7

1,63

59  389  j  7

1,18

69  082

8

1,16

Heidelberg

15  564

2

1,39

19  983

3

1,5

24  417

5

2,08

28  645

5  1,79

40  121

5

1,24

49  527  4

0,8

56  016

5

0,89

Konstanz

7  556

2

2,64

10  061

3

3,0

13  372

4

2,98

16  235

5  3,09

21  445

6

2,8

24  807  7
1

2,82

27  591

6

2,18

Sa.  |

79  887

20

2,5

150  703

44

2,9

200  993

46

2,28

276  519

f 67  2,42

404  759

64

1,58

282  763  66

1,37

564  228

66

1,17

1)  excl.  Hypotheken-  und  Genossenschaftsbanken,  sowie  der  Inkasso-Kommissions-  und  Lotteriebankgeschäfte.
        <pb n="78" />
        Rheinische  Creditbank
(in  1000.-  M.)

Jahr
1870/71
1872
1873
1874
1875
1876
1877
1878
1879
1880
1881
1882
1883
1884
1885
1886
1887
1888
1889
1890
1891
1892
1893
1894
1895
1896
1897
1898

1899
1900
1901
1902
1903

1904
1905
1906
1907
1908
1909
1910
1911
1912

Aktienkapital  Gesamt-Umsätze

Reingewinn  Dividende

6000

313  257

527,5

10,06  °/ 0

6000

579  139

795,4

12

01
Io

12000

746  088

712,7

5

01
Io

12000

1013490

900,1

6

01
Io

12000

1  251  843

1  010,0

6%

01
Io

12000

1  065  291

562,8

4

01
Io

12  000

1322  712

841,6

4

01
Io

12000

1  242  270

777,0

5

01
Io

12000

1  440920

1  254,5

6

01
Io

12  000

1  708013

1  414,5

6 1 /*

°l
Io

12000

1876  889

1  121,9

7

°l
Io

12  000

1716  854

898,3

6

01
Io

12  000

1  772358

933,4

6

01
Io

12000

2103142

928,3

6

°l
Io

12000

1  962  211

931,6

6

01
Io

12  000

2  264  074

929,6

6

°l
Io

12000

2  086  797

910,2

6

°l
Io

12000

2  372  851

1  069,4

6

01
Io

15000

2  797  533

1  463,3

6

°l
Io

15  000

2168  758

1  336,9

6

Io

15  000

2160176

1  287,3

6

°l
Io

15  000

2  217  223

1  145,0

6

01
Io

15000

2  075  893

1  163,5

6

°l
Io

15000

2  337  873

1  287,6

6

°l
Io

15000

2541  444

1  314,1

6

°l
Io

18  000

2  585  056

1  544,1

6 1 / a

°l
Io

20100

3  003  966

1  902,8

7

°l
Io

30000

3  792  018

2808,5

7  Vs

01
Io

40000

4  760530

4  108,5

7 J /s  °/o

40000,8

5  508177

4  443,3

7V,  °/ 0

6977  722,373

4591,3

7  °/ 0

6597  619,099

4035,6

6 1 /*  °/o

6612038,519

4  188,9

6V S  °/o

7  280  603,485

4  460,3

6 1 /,  %

70000,8

13  068  754,624

7  080,3

7  °/ 0

70000,8

13  009839,816

7  608,1

7  °/ 0

75  000,8

14  499  454,524

7  559,9

7  °/ 0

75000,8

15  899  735,351

7  586,4

7  °/ 0

85000

17  752  205,026

8  143,9

7  %

85  000

18122  409,733

8  887,0

7  %

95  000

19830  336,306

10  148,3

7  °/o

95  000

21  754519,651

11  201,8

7  7o

Konzentrations-Vorgänge
(  12.  Mai  1870  Zentrale  in  Mannheim  gegründet.
{  30.  Juni  1871  1.  Filiale  in  Freiburg  i.  B.  (aus
(  Privatbank  Sautier)
22.  April  2.  Filiale  in  Karlsruhe  (selbst)
1.  Januar  3.  Filiale  in  Konstanz  (selbst)
( 26.  Januar  Fusion  mit  Pfälzer  Bankverein,  Mhm.  /
1.  Kommand.  in  Kaiserslautern  (Firma  Bücking,
Karcher  &amp;amp;  Co.  in  K.)  /  15.  Januar  4.  Filiale  in
Heidelberg  (aus  Privatbk.  Gebr.  Zimmern  i.  Liqu.)

1.  Januar  2.  Kommandite  in  Pforzheim  (Fa.  Jul.
Kahn  &amp;amp;  Co.)

1.  Oktober  Fusion  mit  Privatbank  G.  Müller  &amp;amp;
Cons.  in  Karlsruhe  u.  B.-Baden  zugleich  5.  Filiale
in  B.-Baden.
1.  Okt.  Fusion  mit  Privatbank  Franz  Funk  vorm.
Gebr.  Wolf  in  B.-Baden  (in  die  dortige  Fil.  aufgen.)
{ 6,  Filiale  in  Kaiserslautern  (Fusion  mit  Kaisersl.
Bank  vorm.  Bücking,  Karcher  &amp;amp;  Co.)  /  3.  Kom.
in  Saarbrücken.
7.  Filiale  in  Offenburg  (Fusion  mit  A.  G.  Ortenauer
  Cred.-Bank  /  8.  Filiale  in  Straßburg  i.  E.
(Fusion  mit  Fa.  Kauffmann,  Engelhorn  &amp;amp;  ,
9.  Filiale  in  Lahr  i.  B.  (Lahrer  Cred.t-Bank  CaH
Bader  &amp;amp;  Co.)  /  Fusion  mit  Fmroa  Strohmeyer  in
B.-Baden.

Fusion  mit  der  Mannheimer  Bank  A.-G.  in  Mhm.
(intern.  Filiale).

Is '°n  mit  Privatbank  Gebr.  Kapferer  in  Freiburg
B.  (Übernahme  der  dort.  Filiale).
’  Filiale  in  Zweibrücken  (Fusion  mit  Cred.-  u.
Positenbank  Z.)  und  Agentur  in  Neuenkirchen  /
atritt  in  den  Dt.  Bk.-Konzern  /  Freundschaftsrhältnis
  m.  d.  Schweizerischen  Credit-Anstalt
Zürich  /  Fusion  mit  d.  Oberrheinischen  Bank
&amp;gt;m.  zu gl.  Depositenkassen  in  Heidelberg  und
uchsal,  Agentur  in  Rastatt.
Filiale  in  Mülhausen  i.  E.  (fr.  Oberrh.  Bk.-Fil.)
Filiale  in  Pforzheim  (fr.  Kommandite  Jul.
hn  &amp;amp;  Cie.)  /  Fusion  mit  Privatbank  A.  Sulzr
 ger,  Konstanz.
Filiale  in  Speyer  a.  Rh.  (Gewerbebank  Speyer
t-iq.)
Filiale  in  Triberg  (Schwarzwälder  Bankverein
•G.),  Agenturen  in  Villingen,  Furtwangen,  Lür-•h
  und  Zell  i.  VZ.  /  15.  Filiale  in  Pirmasens
ivatbank  Aug.  Schneider  &amp;amp;  Co.)
eressengemeinschaft  mit  Pfälzische  Bank  -  Süd-Jtsche
  Bank.
mmanditverhältnis  mit  Privatbank  J.  A.  Krebs
Üburd  i'  Br.  (ab  1.  I.  1913)
        <pb n="79" />
        75

Curriculum  vitac.

Ich  wurde  geboren  am  2.  August  1887  als  Sohn  des  Gr.
bad.  Bezirksarztes  Med.-Rat  Dr.  Geyer.  Ich  besuchte  das  Progymnasium ­
  Durlach  und  das  Gymnasium  Karlsruhe  und  absolvierte ­
  letzteres  Sommer  1906.  Nachdem  ich  im  folgenden  Jahre
meiner  militär.  Dienstpflicht  beim  4.  Bad.  Feld.-Art.-Reg.  Nr.  66
genügt  hatte,  trat  ich  in  verschiedene  Banken  und  kauftn.  Betriebe ­
  als  Volontär  ein  (Vereinsbank  Karlsruhe,  Dresdner  Bank,
Frankfurt  a./O.  und  Blakeley  &amp;amp;  Beving,  Manchester).  Ab  Herbst
1909  widmete  ich  mich  nationalökonomischen  und  juristischen
Studien  an  den  Universitäten  München  und  Heidelberg.
In  München  hatte  ich  u.  a.  die  Herren  Brentano,  Jaffe  und
Lotz,  v.  Mayr  und  Gareis  zu  meinen  Lehrern.  Herbst  1911  bezog ­
  ich  zur  Vollendung  meiner  Studien  die  Universität  Heidelberg, ­
  wo  ich  Vorlesungen  der  Professoren  Gothein,  Alfred  Weber,
Altmann,  Schröder,  Thoma,  Oncken  hörte  und  den  Seminaren
der  drei  erstgenannten  Herren  angehörte.
Die  mündliche  Doktorprüfung  bestand  ich  am  11.  Dezember ­
  1913.
        <pb n="80" />
        69

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genauerer  Betrachtung  können  wir  drei  Bankgruppen
ziden,  die  heute  noch  auf  dem  badischen  Kapitalmarkt
)trolle  spielen.  Es  sind  dies  1.  der  Deutsche  Bankmit
  der  Rheinischen  Creditbank  und  der  Pfälzischen
der  Konzern  der  Berliner  Disconto-Gesellschaft  mit  der
sehen  Discontogesellschaft  A.-G.  und  3.  die  Dresdner
eigenen  Filialen  und  ihrer  nahezu  alle  badischen  Kreditschaften
  in  einem  Giro-Verband  umfassenden  Genossenbteilung
  in  Frankfurt  a./M.
leben  haben  sich  jedoch  auch  alle  Privatbankfirmen  in
»n  der  Hochkonjunktur  eine  starke  Position  auf  dem
l  Kapitalmarkt  verschaffen  können,  so  besonders  in
s,  Mannheim  und  Pforzheim,
rin  sich  jedoch  unsere  größeren  badischen  Kreditinstitute
■r  großen  Anzahl  anderer  deutschen  Provinzbanken
:iden,  das  ist  die  innere  Kraft  und  Initiative,  die  sie
elbständigem  Aufstieg  bewahrt  haben;  hier  haben  sie
•:um  heutigen  Tage  im  engeren  Rahmen  ihres  Wirkungsen
  Großbanken  gegenüber  widerstands-  und  wettbeg
  erwiesen.
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        ﻿
        <pb n="82" />
        ﻿
        <pb n="83" />
        ﻿
        <pb n="84" />
        ﻿
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
