32 nach Mannheim zu führen wünscht. Dadurch würde eine direkte Verbindung Münchens mit dem Rheine ermöglicht und München zugleich zu einer Hafenstadt gemacht werden. Liegen die Dinge jetzt schon erschwerend für die Industrie, ­ so wirken auch die lokalen Bauvorschriften Münchens einer möglichen industriellen Entwicklung entgegen. Man ängstigt sich viel zu sehr, daß München unter einer solchen Veränderung in seinem Prestige als gemütliche und von Fremden mit Vorliebe aufgesuchte Stadt verlieren würde und fürchtet die Angliederung einer großen Industrie. Aber man sehe sich nur die modernen Fabrikbauten an, mit deren Fertigstellung ­ Künstler betraut sind. Sie entkräften diesen Einwand oder dämmen ihn doch in Grenzen zurück. Nach allem können für München nur ausnahmsweise solche Industrien in Frage kommen, deren Rohmaterialien von weiter Ferne herbeigezogen werden müssen und mit großen Bahnfrachten ­ belastet sind, Erzeugnisse aus denselben, die man dann unter Aufwand bedeutender Frachtkosten erst in die Absatzgebiete zu transportieren hätte. Die Rohstoffversorgungsplätze ­ für die Münchener Industrien liegen weit entfernt, ­ die Transportkosten lassen die Stadt als ungünstigen Standort all jener Industrien 1 erscheinen, bei welchen die hohen Frachtkosten ein Hindernis bilden für ihre Ansiedelung. Als weitere Vorbedingung eines industriellen Unternehmens hat das Vorhandensein eines entsprechenden Arbeitermaterials zu gelten. In zwei Richtungen liegen diese Anforderungen, welche an das Arbeitsmaterial stets gestellt werden: absolute Beschaffungsmöglichkeit ­ bestgeeigneter Kräfte und billige Arbeiterversorgung. ­ Wie wir schon in den vorhergehenden Kapiteln sahen, hat München eine verhältnismäßig geringe Arbeiterbevölkerung. Die Anzahl der ungelernten Arbeiter ist dennoch eine sehr große, während an gelernten Arbeitern stets ein Mangel ist. Wir führen, um dies zu beleuchten, die Äußerung eines in der Lederbranche tätigen Fachmannes an, wie sie uns Ad. Bfougier in seiner eingangs genannten, kleinen Schrift mitteilt: „Es gelingt jetzt kaum, unseren Arbeiterstand zu erhalten, geschweige denn, ihn zu erhöhen. Vielmehr ist ■man gezwungen, gegen Entschädigung von Fahrgeld und