63 allgemeinen eine Mittel- und Kleinbetriebsindustrie; sie be schäftigt aber viele Tausende und ist in stetig aufsteigender Entwicklung begriffen; wenn von Münchens Industrie die Rede ist, muß sie in erster Linie erwähnt werden. Vielleicht wird Deutschland einmal seinen neuen Stil, der noch immer nicht endgültig gefunden ist, sich aber zweifellos aus den vielen talentvollen Ansätzen heraus entwickeln wird, Mün chener Anregungen und Münchener Industriefleiß verdanken.“ ln Bayern ist, wie wir schon in den einleitenden Worten über den Großstadtcharakter der Stadt München als Kunst stadt ausführten, die Bedeutung des Kunstgewerbes für das Wirtschaftsleben und das geistige Leben des Volkes stets voll gewürdigt worden. Von jeher hat besonders Bayern kunst sinniges Herrscherhaus mit den freien Künsten auch das Kunstgewerbe mit allen Mitteln gefördert. Dem Laien sagt dies ein Gang durch die Residenz und die königlichen Schlös ser des Bayernlandes, der Kenner weiß es auch aus der Ge schichte des Münchener Kunstgewerbes, und erst kürzlich hat ein vielbemerktes Buch über die „Geschichte der Münchener Goldschmiedekunst“ neues Licht auf diese Tatsache geworfen. Daß gerade die Bedeutung der Stadt München im Kulturleben der Gegenwart in hervorragendem Maße der gerade hier be sonders lebendigen Vereinigung von Kunst und Handwerk zu danken ist, lehrt uns die Tatsache, daß von Seiten des Magistrats und der städtischen Kollegien alles daran gesetzt wird, jene Bestrebungen, die darauf abzielen, diese Verbindung im Sinne einer Verallgemeinerung des Verständnisses für wahre Kunst immer segenbringender zu gestalten, tatkräftigst zu un terstützen. Die handwerksmäßige Kunst bestimmt in Mün chen den Charakter des Kunstgewerbes, wie dies Rauecker in seinem Werke „Das Kunstgewerbe in München“ zeigt. Trotzdem haben einige bedeutende Großbetriebe und einige charakteristische Mittelbetriebe ihren Standort in München ge wählt, denn künstlerische Arbeit ist sowohl für die Einzel werkstätte als für die kunstindustriellen Großbetriebe unent behrlich. Auf sie allein wollen wir unsere Darstellung, gemäß der gestellten Aufgabe, beschränken und verweisen im Übrigen auf die ganz vorzüglichen Untersuchungen Raueckers.