65 Ein sehr altes Kunstgewerbe ist zweifellos die Porzel lanfabrikation. Wenn auch in Bayern die Lager an Roh stoffen für die Porzellanherstellung nicht so reich sind wie in manchen anderen Ländern, so ist doch die Industrie dieses Zweiges in den letzten Dezennien mächtig emporgeblüht und dank der dienstbereiten Hilfe der Künstler hat sie sich neben großen Fabrikanlagen zu einer hohen Stufe in der Qualität der gelieferten Waren heraufgerungen. Sie findet in der Kgl. Porzellanmanufaktur in N y m p h e n b u rg- München eine hervorragende Vertretung. Diese weltbekannte Nym phenburger Manufaktur, welche den alten Namen „Manufaktur“ im eigentlichen Sinne tatsächlich gar nicht mehr verdient, hält die alte Tradition in modernem Gewand noch hoch. Die Por zellankunst in vornehmem Stil wurde aufgenommen und auch die Porzellanplastik wieder ausgeübt. Diese Porzellanfabri kation besitzt in der Welt einen guten Ruf und man verspricht sich heute viel von ihren Leistungen, wenn es ihr auch an rechten Abnehmern und Bestellern fehlt, die eine volle Ent wicklung der ihr innewohnenden Kräfte ermöglichen könnten. Darum muß gerade in dieser Industrie darauf gedrungen wer den, daß man das Zeichen beachte, unter dem heute allein der Sieg errungen werden kann, das Zeichen „modern“. Daß die alte Manufaktur heute tatsächlich zu den Fabrikbetrieben gehört, davon zeugen die Menge Kraftmaschinen, wie Koller gänge, Kugelmühlen, Filterpressen, Membranpumpen, Kraft drehscheiben und 1 Pochwerk, sowie eine Masseschlagmaschine, die alle teils elektrischen, teils Dampfantrieb besitzen. Der Betrieb ist sehr abhängig.von seinen Arbeitern. Als arbeits- orientierte Industrie muß die Manufaktur ihren Arbeiter stamm zu erhalten suchen und sie dauernd beschäftigen, da die 130—140 im Betrieb tätigen Arbeiter mit 100—110 Leuten zu den Spezialisten in der Porzellanfabrikation zu rechnen sind, während der Rest von nur 30 Arbeitern auf die Klasse der Lohnarbeiter, der Taglöhner, entfallen. Jeder bessere Arbeiter ist ein Virtuosenarbeiter, der nach den Vor lagen der angestellten, ausnahmsweise auch fremder Künstler arbeiten muß. Der Absatz der Fertigprodukte zerstreut sich auf die ganze zivilisierte Welt. München selbst als Fremden- Fritz, Mönchen als Industriestadt. 5