68 Kgl. Hofku nstanstalt, welche neben der Glasmalkunst die Bildhauerei und Architektur pflegt zur ausschließlichen Ver wendung in der „christlichen“, religiösen Kunst. Das Unternehmen ging hervor aus einer staatlichen Anstalt, der „kgl. Anstalt für krüppelhafte Knaben“, zu deren Vor stande die Regierung den Begründer der heutigen Hofkunst anstalt, Jos. Gabriel Mayer, mit dem Titel eines kgl. Inspek tors berief. Der Gedanke, den Krüppeln bei ihrem Austritt aus der Anstalt die Möglichkeit eines geeigneten Fortkommens zu verschaffen, trieb Mayer an, ein eigenes Privatkunstinstitut zu errichten, dessen religiöse Kunstwerke sich bald eines guten Rufes erfreuten. So wurde in München jene Anstalt gegründet, die heute eines der bedeutendsten Kunstinstitute auf dem Kon tinent bildet: die Mayersche kgl. Hofkunstanstalt. Die mittel alterliche Bauhütte war, nach Kahn, das Vorbild des Grün ders; „wie in ihr vereinigte er in seiner Anstalt die drei bil denden Künste zur inneren Ausschmückung und Einrichtung christlicher Kirchen nach liturgischen Vorschriften: die Bild hauerei, welche sich mit der Ausführung von Statuen und Reliefen, insbesondere auch Kreuzwegstationen in den verschie densten Materialien befaßt; die Architektur, welche sich mit der Herstellung kirchlicher Einrichtungsgegenstände, wie Al täre, Kanzeln, Beicht- und Chorstühle, Baldachine, Krippen etc. beschäftigt und endlich die freilich erst späterhin in den Ge schäftsbereich der Anstalt aufgenommene Glasmalerei, durch deren Pflege Glut- und Farbenpracht, sowie die Dauerhaftig keit der herrlichen Glasgemälde in den alten Domen erreicht und womöglich erhöht werden sollte.“ Heute beherrscht die Firma den Weltmarkt mit ihren Erzeugnissen, deren jedes für ein Kunstwerk ersten Ranges gelten kann. Schon anfangs war das Unternehmen ein rein arbeits orientierter Betrieb und ist heute wo die Produkte in alle Welt gehen, ohne Rücksicht auf Zoll und Fracht, und wo die Arbeiterverhältnisse am Orte keine allzugünstigen sind, noch viel mehr auf einen guten Arbeiterstamm angewiesen. Dies zeigt schon die verhältnismäßig starke Lehrlingshaltung. 25 bis 30 solcher junger Arbeiter lernen bei strengster Arbeitsteilung die einzelnen Facharbeiten bis zur künstlerischen Vollendung als