9 2 einträchtigte Landwirtschaft viel eher einen erheblichen Minderbedarf an Stickstoffdüngemitteln gegen früher aufzuweifen haben wird. So mancher früher mit Chilesalpeter etwas verschwenderisch umgehende Landwirt auf unseren besseren Böden hat zudem voraussichtlich in der Kriegszeit gelernt, daß es bei den hohen Aufwendungen für solche Dün gung auch mit weniger geht, wenigstens was seinen privatwirtschaft lichen Standpunkt anbelangt. Für mehr als höchstens 200 000 Tonnen Kunstdüngerstickstoff in der leichter löslichen Form wird daher meines Erachtens in den nächsten zwei bis drei Jahren nach dem Kriege in der deutschen Landwirtschaft bei den vor dem Kriege üblichen Preisen kein Verbrauch zu finden sein, wobei zunächst etwas weniger, dann etwas mehr als diese Menge verbraucht werden wird. Ja, selbst wenn wir annehmen, daß der bisherige Friedensbedarf unserer Industrie an Stickstoff nicht mehr in Form von Chilesalpeter, sondern durch heimische Produkte gedeckt werden würde, und so hierdurch annähernd 30 000 Tonnen^) Stickstoff aus dem heimischen Düngemittel- stickstoffmarkt noch Aufnahme finden könnten, so würde auch auf diese Weise die heimische Produktion kaum untergebracht werden können. Denn sie würde mit rund 236 000 Tonnen immer noch um nicht ganz 10 000 Tonnen über den Bedarf hinausgehen, wenigstens für die ersten Jahre nach dem Kriege, selbst wenn überhaupt kein gebundener Stickstoff, weder Chilesalpeter, noch Kalksalpeter, noch Kalkstickstoff aus dem Aus- lande eingeführt würde. Es müßte wohl auch noch auf die stickstoff haltigen natürlichen Düngergemische, wie Peruguano, Knochenmehl, Blutmehl u. dgl., welche wir zum Teil aus dem Auslande einführten, ebenfalls mehr oder weniger Verzicht geleistet werden, sollte die nach dem Kriege in Deutschland produzierte Stickstoffmenge bei uns auch Aufnahme finden, oder es müßten besondere Maßregeln für diesen Zweck ergriffen werden. Freilich kann man ja noch berücksichtigen, daß zunächst Ammoniak aus den Kokereien nicht in der vor dem Kriege gelieferten Menge erhalten werden wird. Denn auch die Schwerindustrie und die mit ihr zusammen hängende Herstellung des schwefelsauren Ammoniaks in den Koke reien wird nicht sogleich wieder in voller Tätigkeit sein können. 10) Die von der Industrie bei uns verbrauchte Menge Salpeterstickstoff wird auch erheblich höher, und die von der Landwirtschaft aufgenommene Menge dann entsprechend niedriger eingeschätzt.