10 Immerhin ist es aber bei dem großen Eisenbedarf von Heer und Flotte, bei der wieder auflebenden Bautätigkeit und bei den Anforderungen der Eifenbahnen wie der Schiffahrt und vieler Industriezweige auf Er neuerung und Erweiterung, doch zu erwarten, daß die Ammoniakher- stellung durch Verkokung von Kohlen viel schneller wieder ihre volle Pro duktionsziffer erreicht haben wird, als die Landwirtschaft ihre frühere Aufnahmefähigkeit für den bei Preisen wie vor dem Kriege doch auch recht teueren Stickstoffhandelsdünger. Wir feheu hiernach, daß selbst bei Fernhaltung allen früher vom Ausland her eingeführten Dünger- und industriellen Stickstoffs unsere einheimische Produktion auf Jahre nach dem Kriege hinaus voraus sichtlich Absatzschwierigkeiten haben und verurteilt sein würde, jede Aus dehnung ängstlich zu vermeiden. Eine Erhöhung des Absatzes ins Aus land, das ja zudem die bisher vom deutschen Markt aufgenommenen ausländischen Stickstoffverbindungen zur Verfügung haben würde, muß sich durch die gleichfalls als Folge des Krieges dort zunächst vorhandene geringere Aufnahmefähigkeit der Landwirtschaft, wie durch die in denVer- einigten Staaten von Nordamerika steigende Ausnutzung der Möglichkeit, Kokereiammoniak zu gewinnen, bei den vor dem Kriege üblichen Preisen als ziemlich ausgeschlossen erweisen. Das einzige, aber freilich sicheren Erfolg in Aussicht stellende Hilfsmittel wäre eine erhebliche Verbilli gung des Düngestickstoffs nach dem Kriege. Und bei richtiger Durch führung der notwendigen Maßnahmen muß eine solche durchaus als möglich bezeichnet werden! Doch darüber später. — Das Angebot von Die in den vorstehenden Zeilen geschilderten Chilesalpeter nach Schwierigkeiten für den deutschen Stickstoffmarkt dem Kriege. müssen sich nun ohne Frage ganz außerordentlich steigern, wenn nach Abschluß des Krieges der Salpeterhandel wieder auf dem deutschen Markt auftritt. Die sichtbaren Vorräte in Chile haben sich für den 31. Dezember 1914 trotz Stillegung einer Anzahl der dortigen Betriebe gegen das Jahr 1913 um nahezu dreiviertel Mil lionen Tonnen Chilesalpeter, gleich weit über 109 000 Tonnen Chile salpeterstickstoff, vermehrt, und werden sich vielleicht noch weiter ver mehren. Soweit es die Schwierigkeiten der Verschiffung erlauben, wird voraussichtlich der Salpeterhandel versuchen, selbst mit Opfern nach dem Kriege seine Lagerbestände zu räumen und seine Produktion wieder in möglichst vollem Umfange aufzunehmen.