14 Der Wettbewerb des Chilesalpeters nach dem Kriege und das englische Kapital. Wenn aber unsereStickstoffindustrie lebensfähig bleiben muß, wird damit auch ein Monopol uner läßlich? — Bereits oben konnte ich ausführen, wie sich nach Abschluß des Krieges wahrscheinlich der Stickstoffmarkt für Deutschland gestalten wird, und daß überreichlichem Angebot möglicherweise nicht ausreichende Nachfrage gegenüberstehen kann. Es kommen aber noch die verschiedensten Umstände hinzu, um diese voraussichtliche Gestaltung des Marktes gerade für die deutsche Stickstoffindustrie bedrohlich, ja verhängnisvoll zu machen: Zunächst ist zu bedenken, daß die Salpeterausbeutung in Chile zun> überwiegenden Teil in den Händen englischen Kapitals ist. Zwar sind nach einer Angabe der Hamburgischen Handelskammer neuerdings auch einige Bremer und Hamburger Firmen dort beteiligt, deren Werke, wie vorsichtig gesagt wird, eine Leistungsfähigkeit von etwa 600 000 Tonnen Salpeter, gleich rund 76 000 bis 80 000 Tonnen Salpeterstickstoff be sitzen. Wieviel bisher gefördert, wie groß nicht die Leistungsfähigkeit" sondern die Leistung dieser Werke war, ist nicht angegeben. Nur wird gesagt, daß eine der vier Firmen die Ausbeute noch nicht aufgenommen habe. — Aber selbst bei voller Ausnutzung ihrer Leistungsfähigkeit wür den diese deutschen Firmen doch nur etwas mehr als ein Sechstel der für 1913 festgestellten Gesamtgewinnung an Chilesalpeter mit rund 2 800 000 Tonnen, gleich 434 000 Tonnen Salpeterstickstoff, in den Händen haben und damit kauin irgendwie maßgeblichen Einfluß ausüben können. Wohl aber darf man als sicher annehmen, daß daß das für die Salpeter- ausbeutung maßgebende englische Kapital nach dem Kriege einmal im wohlüberlegten Selbstinteresse, und zweitens in Fortsetzung des wirt schaftlichen Kampfes gegen unser Vaterland alles tun wird, um die ihm bereits nahezu eigene Monopolstellung auf dem Stickstoffmarkt, der jetzt zum erstenmal von Deutschlands Stickstoffindustrie eine wirkliche Gefahr droht, zu festigen und auszudehnen. Der Absicht wird mit zähem bri tischem Zielbewußtsein das Vollbringen folgen, wenn Deutschland den wohl kaum wiederkehrenden Zeitpunkt heut verpassen sollte. Bereits jetzt hat man von englischer Seite Versuche gemacht, den chilenischen Salpeterausfuhrzoll zu pachten, wie glaubwürdige Nachrichten melden. Zwar ist das Ansinnen bislang abgewiesen worden, aber man weiß nicht, wie lange der Widerstand dauern wird, da Chile schwer unter den Wirkungen des Krieges leidet. Schon für das Jahr 1914 hat die Sal-