16 Recht. Daß der Chilesalpeter für den Landwirt die größten Bequem lichkeiten bietet, ist nicht zu bezweifeln: zu jeder Zeit anwendbar, ohne größere Vorsicht auszustreuen, nach anzuwendender Menge und Ver wendungsart altgewohnt, und von in der Praxis sehr angesehener Seite den übrigen Stickstoffdüngemitteln Wohl nicht immer auf Grund sicheren Beweisnmterials stark vorangestellt, hat er seine führende Stel lung vor dem Kriegs noch unbeschränkt besessen. Unsere deutsche Land wirtschaft, die nach dem Kriege durch Mangel an Arbeits- und Spann kräften, Futtermitteln und Vieh, sowie an leitenden Männern für viele Wirtschaften, wohl auch durch Schwierigkeiten im Geldverkehr mehr als je ihre volle Tatkraft in Anspruch genommen finden wird, dürfte dann freiwillig ganz sicherlich nicht geneigt sein, Düngemittel anzuwen den, die ihr in der Kriegszeit zwar bekannt geworden sind, die aber doch Unbequemlichkeiten, Schwierigkeiten und anch geringere Erfolge entweder wirklich oder vernieintlich bieten. Daran werden auch mäßige Preisherabsetzungen der anderen Stickstoffdüngemittel gegenüber dem Chilesalpeter nicht viel ändern, zumal man zunächst überhaupt der Nei gung begegnen wird, den Bezug der kostspieligen Stickstoffdünger etwas einzuschränken. Nutzen nun die englischen Salpeterproduzenten die Gunst der Stunde durch eine Herabsetzung der Chilesalpeterpreise aus, so ist nicht wohl abzusehen, wie die deutsche Stickstoffindustrie, falls ihr der Schutz eines Monopols oder ähnlicher Einrichtungen fehlt, sich lebensfähig erhalten soll. Nicht nur der Kalkstickstoff, der zunächst am stärksten leiden würde, da seine Anwendung noch am wenigsten durch gedrungen und auch am schwierigsten ist, sondern auch das schwefelsaure Ammoniak würde voraussichtlich mit derartigen Absatzschwierigkeiten zu tun haben, daß die beteiligten Industrien in der Zeit von einigen Jahren mürbe gemacht wären und nun entweder die Tätigkeit mehr oder- weniger einstellten, oder sich zu Vereinbarungen mit den englischen Sal peterinteressenten verstehen würden, welche diesen noch mehr als sonst die Macht in die Hände gäben. Man hat es nur nötig, die Vorgänge auf dem Petroleum- und Zigarettenmarkte im Laufe der letzten Jahre vor dem Kriege zu verfolgen, um zu wissen, wie schwer sich selbst von Staats wegen gegen derartige wirtschaftliche Kämpfe Stellung nehmen läßt, wenn einnial der richtige Zeitpunkt versäumt war. Und dafür, daß dort, wo es sich um Bequemlichkeit in der Anwendung von Dünge mitteln handelt, der deutsche Landwirt in großer Zahl schon vor