24 Bei der Betrachtung der Tabellen für das Büropersonal ist deutlich bemerkbar die steigende Anteilnahme des Arbeiterstandes an dem gesellschaftlich höher gewerteten kaufmännischen Beruf. Das Über gewicht der bürgerlichen Schichten gegenüber dem Arbeiterstand ist zwar noch bestehen geblieben, aber doch bedeutend geringer geworden. Die Beteiligung der oberen Schicht hat von 1897—1903 erheblich ab genommen. Damit ist aber natürlich keine zahlenmäßige Abnahme der aus diesen Kreisen stammenden Angehörigen verbunden, man kann vielmehr beobachten, daß die Töchter höherer Stände noch immer gern zu diesem Beruf greifen, der als standesgemäß angesehen zu werden anfängt. Aber die Abnahme ist prozentual zu bemerken, da die aus niederen Schichten hervorgehenden Angestellten in solchem Umfange die Tätigkeit im Kontor suchen, daß sie an Zahl die anderen bald erreicht haben werden. Noch deutlicher zeigt sich diese Entwicklung beim Verkaufs personal; 1897 stellen die höheren und Mittelschichten die Hauptmasse der Verkäuferinnen. 1903 zeigt sich schon die stark gewachsene Anteil nahme der Arbeiterbevölkerung. Sie haben die höheren Stände der Zahl nach bald erreicht, und es ist anzunehmen, daß der Anteil der Arbeiterklasse noch wesentlich seitdem gestiegen ist. Dieses stete Vordringen der Arbeiterkreise hat ein Herabsinken im Ansehen des Berufes zur Folge. Je weiter die Arbeitertochter sich hier betätigt, desto mehr verzichtet die Tochter aus höheren Ständen auf diesen Beruf. Die Beschäftigung als Verkäuferin wird deshalb als nicht mel?.r standesgemäß gemieden und jetzt lieber eine Stellung als Kontoristin gesucht. Aber auch hier geht das Einrücken des Arbeiter standes weiter, je mehr das Ansehen des Verkäuferinnenberufes sinkt. Dieses Auf rücken der untersten Klassen in höher bewertete Berufe ist aber kein Zeichen einer wirklichen Auf wärtsentwicklung; denn nicht gelernte, sondern ungelernte Kräfte drängen hier nach und tragen auch dadurch bei zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und des Ansehens. Das Kontorpersonal kann ohne höhere Schulbildung in kürzester Zeit auf den sogenannten Pressen die notwendigste Ausbildung er halten. Da die Kosten gering sind, so können selbst die niederen Stände ihre Töchter zu Kontoristinnen ausbilden lassen. Jede Gründ lichkeit ist aber bei dieser Art des Unterrichtes ausgeschlossen und Heranziehen ungeeigneter Elemente die notwendige Folge. Auch beim Verkaufspersonal liegt die Schuld an der wachsenden Beteiligung des Arbeiterstandes in der Zunahme ungelernter Kräfte. Da die Ausbildung nicht einmal Kosten verursacht, sondern während der Lehrzeit in den meisten Fällen sofort eine Barvergütung gezahlt wird, so ist die Verlockung sehr groß.