25 Diese Entwicklung, die steigende Beteiligung der arbeitenden Klassen am kaufmännischen Beruf, zeigt sich überall. Die neueste Erhebung über die soziale Herkunft stammt aus dem Jahre 1909 und -wurde veranstaltet von den „Verbündeten kaufmännischen Vereinen“. Danach waren unter dem Töchter von Büro personal % Verkaufs personal % 1. Höheren Beamten, Ärzten u. a. ... 4,6 ■22,7 0,6 } 14,7 2. Fabrikanten, Kaufleuten u. ä 18,1 13,4 3. Subaltembeamten 10,5 4,8 4. Kaufmännischen Angestellten .... 4,6 39,3 5,7 40,1 5. Handwerkern, Gast- u. Landwirten u. ä. 16,9 22,9 6. Werkführern, Inspektoren 7,3 6,3 7. Unterbeamten . 10,5 10,4 8. Gesellen, Dienern, Arbeitern 18,8 29,6 9. Sonstigen Angestellten 2,6 2,7 10. Verschiedenen (Rentiers, Verwaltern usw.) 5,8 3,6 1777 =100% 335 =100% Zunächst zeigt die Tabelle, daß in dem Verein die Hauptmasse ■aller Mitglieder Kontoristinnen, also die höhere Schicht der Angestellten schaft, sind. Die Tendenz, die sich schon aus den Angaben des Ber liner Verbandes ergab, bestätigt sich hier: Das immer weitere Zurück treten der oberen Schichten und das Vordringen des unteren Mittel standes und der Arbeiterbevölkerung. Ganz so gewaltig wird der Unterschied aber in den 6 Jahren nicht geworden sein, ein gut Teil läßt sich erklären aus der Art der Erhebung. Die „Verbündeten kauf männischen Vereine“ versuchten aus allen Orten, an denen Zweig verbände bestanden, Material zu erlangen; der Berliner Verband be rücksichtigte wesentlich Berliner Verhältnisse. In den Klein- und Mittelstädten ist es aber für die Tochter aus besseren Kreisen sehr oft noch verpönt, einen Beruf zu ergreifen; zwingt die Not doch zum Erwerb, so wird vielfach lieber schlecht gelohnte Heimarbeit, die nie mand sieht, übernommen, anstatt daß man sich dazu versteht, eine in den meisten Eällen, selbst unter den ungünstigsten Verhältnissen ■doch noch besser bezahlte Stellung anzunehmen. In Berlin aber ist jum Teil diese Geringschätzung der weiblichen Erwerbsarbeit schon -überwunden, andrerseits ist es auch in einer derartigen Großstadt leicht möglich, zu verbergen, daß man erwerbstätig ist.