38 Bei dem Kontorpersonal mit Handelsschulbildung ist danach die Mehr zahl aus einer Volksschule hervorgegangen. Trotzdem ist aber anzu nehmen, daß die Angestellten mit Handelsschulbildung nicht den untersten Schichten entstammen. Die Volksschülerinnen werden infolge der größeren Kosten der Ausbildung auf den Handelsschulen und der längeren Zeit der Ausbildung meist dem unteren Mittelstand angehören,, der die Volksschulbildung für genügend hält, aber für fachliche Aus bildung etwas anzuwenden geneigt und auch wohl in der Lage ist. Von allen in einer Fortbildungsschule ausgebildeten Angestellten hat nur der kleinere Teil eine Mittel- oder höhere Mädchenschule be sucht. Da die Fortbildungsschule an die Volksschulkenntnisse, an knüpft, wird sie nur selten von Nicht-Volksschülerinnen besucht. Auch gilt es unter den höheren Ständen in der Regel nicht als standesgemäß,, die Tochter auf einer Fortbildungsschule die fachliche Ausbildung erwerben zu lassen. Die Besucherinnen der Fortbildungsschulen gehören daher zum größten Teil den unteren Mittelständen und der Arbeiter klasse an, weil diese Einrichtungen ohne erheblichen Kostenaufwand Gelegenheit zu theoretischer Ausbildung bieten. Der Teil der Kon toristinnen, der höhere Töchterschulbildung besitzt und eine Fort bildungsschule besucht, setzt sich wohl hauptsächlich aus älteren Elementen zusammen, die keine geeignete Vorbildung genossen haben oder durch Belegen von Fortbildungskursen besonders in den Abend stunden ihre Kenntnisse zu erweitern suchen. Der Besuch der Fort bildungsschulen durch diese Angestellten ist inzwischen sicher noch gestiegen, da es sich die kaufmännischen Vereine angelegen sein lassen, eigene Fortbildungsschulen zu gründen. Hoch ist die Zahl der Angestellten, die Pressebildung oder ledig lich Besuch eines Stenographiekursus, kaufmännischen Privatunterricht- oder gar keine Vorbildung angeben und Schülerinnen einer höheren Lehranstalt sind. Sie dürften in den meisten Fällen den höheren sozialen Schichten angehören, deren weibliche Mitglieder oft erst dann zu einem Beruf sich entschließen, wenn die Not sie zwingt, oder wenn sie keine Möglichkeit mehr sehen, sich zu verheiraten, und daher Betätigung oder oder Unabhängigkeit von ihren Angehörigen suchen. Häufig sind sie dann angewiesen, schnell einen Erwerb zu finden nach einer möglichst kurzen Ausbildung. Vielfach wenden sich dem kaufmännischen Berufe auch Frauen zu, die schon andere Berufe ausgeübt haben und hier lohnenderen Erwerb oder größere Befriedigung erhoffen. Auch diese werden meist gezwungen sein, sich auf eine oberflächliche Ausbildung zu beschränken. Bei allen diesen Frauen kommt der Entschluß, zum kaufmännischen Beruf zu greifen oder überzugehen, meist erst in höherem Alter. Aus diesem Grunde sehen sie von dem Besuch solcher