46 berufliche Kenntnisse vermitteln. Sie ist also Berufs- und Erziehungs schule zugleich. Auch für die weibliche Jugend muß die Fortbildungs schule gefordert werden, damit die geistige Entwicklung der jungen Mädchen, von der so viel abhängt für die Zukunft unserer Frauenwelt, besonders der unteren Stände, in richtige Bahnen gelenkt werde. Daneben soll die Fortbildungsschule auch beruflichen Zwecken dienen und durch eine Erweiterung der Fachkenntnisse die Leistungs fähigkeit der Frauen heben. Leider sind die meisten jungen Mädchen im Anschluß an die Schule gezwungen, einen Erwerb zu suchen. Bei diesen kann die Fortbildungsschule gegen einen untüchtigen und minder wertigen Stand der Angestellten ankämpfen. Über die Notwendigkeit von Fortbildungsschulen herrscht kein Zweifel, über die Organisation aber gehen die Ansichten stark darüber auseinander, ob Haushaltungsschule oder nur Fachschule. Sicherlich haben infolge der Berufsarbeit nur wenige Frauen Gelegenheit, sich auch die notwendigen Kenntnisse für die Leitung eines Haushaltes zu erwerben, und es ist gewiß begreiflich, wenn die Fortbildungsschule bestrebt ist, diesem Mangel abzuhelfen. Jedoch kann das Ziel einer guten Berufsbildung, gleichwertig der der männlichen Arbeitskräfte, nicht erreicht werden, wenn der Unterricht auch noch mit außerberuf lichen Lehrstoffen belastet wird. Deshalb muß der Haushaltungsunter richt aus dem Lehrplan der gewerblichen und kaufmännischen Fort bildungsschulen gestrichen werden. Der Einwand gegen einen aus schließlichen Fachunterricht, daß Frauen in der Begel ihre Beschäftigung nur als Übergangsstadium bis zur Heirat betreiben, ist nicht mehr beweiskräftig genug, da jetzt Frauen die kaufmännische Tätigkeit viel fach als Lebensberuf ergreifen und oft auch während der Ehe weiter führen. Bei den kaufmännischen Fortbildungsschulen ist überdies eine weitere Spezialisierung nach der Art der Beschäftigung zu wünschen. Denn die Anforderungen, die in beruflicher Hinsicht an das Kontor und an das Verkaufspersonal gestellt werden, sind so verschieden, daß diese Verschiedenheit Berücksichtigung verdient. Dem Verkaufspersonal müßte es ermöglicht werden, in Verkäuferinnenklassen die Mängel der Vorbildung allmählich zu beseitigen. Bei uns herrscht augenblicklich noch vielfach die freiwillige Fort bildungsschule, da es sich bis jetzt besonders die kaufmännischen An gestelltenvereine angelegen sein ließen, für die Gründung von Fort bildungsschulen zu sorgen. Ihre Erfolge sind zweifellos günstige. Da aber diese Verbände ganz auf private Mittel angewiesen sind, leiden sie sehr unter finanzieller Beschränkung. Weiterhin wirkt aber ungünstig, daß der Besuch dieser Schulen freiwillig ist. Infolgedessen sind die Angestellten oft gehindert, von dieser Bildungsgelegenheit Gebrauch