6. Kapitel. Die Dohnfrag’e. Auch bei der Lohnfrage zeigt sich wieder ein Mangel an ausreichen den statistischen Unterlagen. Die beiden Enqueten der Kommission für Arbeiterstatistik von 1892 und 1901 haben die Gehälter der An gestellten nicht zu ermitteln versucht. Das ist umso bedauerlicher, als gerade die Lohnverhältnisse von weitgehendster Bedeutung für die Beurteilung eines Standes sind. Je schlechter die Bezahlung ist, desto geringer ist das Ansehen des Berufes, desto größer ist die Zahl der ungenügend vorgebildeten Berufszugehörigen, desto minderwertiger sind die Leistungen. Gewiß ist es schwer zu erfassen, auf welchen Ur sachen die Abstufungen in den Gehaltzahlungen beruhen, da hier persönliche Verhältnisse eine ausschlaggebende Rolle spielen. Den Versuch einer Gehaltsstatistik hat der Kaufmännische Verband gemacht, der alljährlich in seinen Jahresberichten über die Gehälter, die bei der Stellenvermittlung erzielt worden sind, Angaben bringt. Danach erhielten ein monatliches Gehalt vom Büro personal 0/ vom Verkaufs- personal % bis 70 M /o . . 31,4 33,1 über 70 bis 100 M. . . . . 36,1 43,2 über 100 M . . 32,5 23,7 Zunächst zeigen die Zahlen, daß ein Unterschied in der Entlohnung von Büro- und Verkaufspersonal vorhanden ist, und zwar sind die Verkäuferinnen schlechter gestellt als die Kontoristinnen. Dieser Vorteil für die Kontoristinnen zeigt sich aber noch deutlicher, wenn man das Jahreseinkommen berechnet. Für die Büroangestellten wird man wohl im allgemeinen eine ständige Beschäftigung annehmen können, wenn nicht etwa ungünstige Geschäftslage oder Gründe per sönlicher Art, wie minderwertige Leistungen, häusliche oder gesund heitliche Rücksichten die Stellenlosigkeit veranlassen. Beim Verkaufs personal dagegen möchte man fast von einer Saisonbeschäftigung