66 Arbeiterinnen. Aber da die größte Zahl der Angestellten aus kauf männischen Berufen stammte, so hielt es der Verein für geboten, seinen Namen 1900 in „Kaufmännischer Hilfsverein für weibliche Ange stellte“ zu ändern. Der Verein zeigte schon in den ersten Jahren eine sehr rasche Zunahme der Mitgliederzahl, die deutlich beweist, wie stark das Bedürfnis nach Zusammenschluß war. Da man bald die Notwendig keit einer Zusammenfassung der Angestellten auch außerhalb Berlins erkannte, wurden in den verschiedensten Orten Zweigvereine gegründet, die dieselben Bestrebungen vertraten. Es waren das zunächst rein lokale Ortsgruppen, die völlige Unabhängigkeit von dem Berliner Hauptverein bewahrten. Auf diese Art wurden aber die Kräfte der Hane lungsgehilfinnen sehr zersplittert, es mußte sich daher sehr bald der Gedanke einer Zusammenfassung durchringen. Zunächst wollte man die einzelnen Vereine selbständig lassen, nur die Leitung und Verteilung der Aufgaben einer Zentralstelle überweisen. Da dieser Plan scheiterte, ging der Verein seit 1902 dazu über, nur noch abhängige Verwaltungsstellen zu gründen, die einheitlich nach den Anweisungen der Zentralstelle in Berlin geleitet werden. Durch diese straffe Zu sammenfassung ist die einheitliche Durchführung der Aufgaben ge sichert. Nachdem der Verein so seine Tätigkeit über ganz Deutschland erstreckt hatte, nennt er sich jetzt „Kaufmännischer Verband für weibliche Angestellte“. Die Anfänge zu seiner jetzigen Stellung innerhalb der Berufs organisationen liegen erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts und gehen zum wesentlichsten Teil zurück auf die Umgestaltung, die der Verein in seinem inneren Aufbau erlebte. Die Leitung war zunächst den Gründern überlassen. In dieser Zeit wollte der Verein daher auch weiter nichts erstreben, als bestehende Übelstände bei den einzelnen Beteiligten selbst zu beseitigen. Es wurden daher ein Stellennachweis, Krankenunterstützung, auch Bildungsgelegenheiten geschaffen. In dem Maße aber, wie die Angestellten durch diese Hilfe erstarkten und zur Betätigung im Verband erzogen •wurden, mußte auch der Wunsch entstehen, selbst die Leitung zu übernehmen. Es schien einleuchtend, daß aus ihrer Mitte hervorgehende Führerinnen ihre Bedürfnisse besser keimen mußten als fernerstehende und besser geeignet seien, sie zu vertreten. Personen, die die Bestrebungen des Vereins fördern wollten, aber nicht kaufmännisch tätig sind, -wurden daher von jedem Einfluß auf die Stellung des Vereins ausgeschlossen. Der Verband lehnt fremde Hilfe ab und betont sehr deutlich den rein gewerkschaftlichen Charakter. Darin hat er wohl bis jetzt unter den Frauenorganisationen eine Einzel stellung, da bisher kein Verein eine derartige Hilfe abzulehnen hat wagen können. Diese Umwälzung ist sehr wichtig, da sie einen weiteren