52 natürlichen Zustand darstelle, hervorgerufen durch Gips, welcher vielfach die Steinsalzlagerstätten als geologischen Bestandteil begleitet. Die Gipsbeimischung im Steinsalz belief sich damals auf 1 %, hatte also für die Gesundheit Schäd liches nicht an sich. Anschließend hieran sei auch eines Vorganges gedacht, der kulturgeschichtlich nicht ohne Interesse ist 1 2 ). Im Jahre 1849 hatte die Regierung den Preis des Steinsalzes für Jndustriezwecke auf 18 kr. für den Zentner herabgefetzt, welcher Preis sich ab Bergwerk Wilhelmsglück verstand. Diese Maßnahme war haupt sächlich zur Hebung und Förderung einzelner Gewerbe, wie Seifensieder, Rot gerber usw. getroffen worden. Nun hatte diese Preisherabsetzung eine eigen tümliche Wirkung. Es kam nämlich, besonders im Oberamt Herrenberg, zur Entwicklung einer interessanten Salzindustrie, die sich auf folgender Grundlage vollzog. Zahlreiche Leute kauften das für den menschlichen Genuß durch Bei mischung von Sand und Asche unbrauchbar gemachte Steinsalz mit der Angabe, es industriell verwenden zu wollen. Zu Hause wurde dann durch primitive Destillationsverfahren Sand und Asche niedergeschlagen, worauf man die so ge wonnene Sole wieder zu Kochsalz im Siedeverfahren verarbeitete. Da man dieses Steinsalz zu dem sehr billigen Preise von 18 kr. bezogen hatte, ergab sich für diese Salzsieder ein recht ansehnlicher Gewinn. Diese Art Salzfabrikation nahm zuletzt solche Ausdehnung an, daß die Regierung nahe daran war, den billigen Steinsalzpreis für Gewerbezwecke ganz aufzuheben. Man begrenzte zuletzt die Abgabe von Gewerbesalz auf eine bestimmte Menge. Die württem- bergische Kammer wurde immer wieder bei der Regierung um Herabsetzung des Salzpreises vorstellig. Gleiche Vorgänge spielten sich auch in den 1850er Jahren in der preußischen Kammer ab, wo es vornehmlich der bekannte rheinische Eisen industrielle Harkort war, der eine Herabsetzung der Salzpreise forderte. Man berief sich vielfach auf England, das um die Mitte des 19. Jahr hunderts keine Salzsteuer besaß. In Frankreich hob man im Jahre 1848 die Salzsteuer keineswegs ganz auf, sondern setzte sie auf 10 cts. per Kilogramm fest. Die Sälzpreise waren um diese Zeit in England erheblich niedriger als in Württembergs). So hatte der Abg. Moriz Mohl auf einer Reise durch Eng land festgestellt, daß z. B. in Manchester bei den Bäckern das Pfund Salz im Einzelverkauf nur 3 U kr. kostete; im Engrosverkauf gar nur V 3 kr. per Pfund. Die englischen Bäcker betrieben um jene Zeit überwiegend den Salzverkauf. Im Jahre 1855 stellte sich der Kochsalzpreis in Württemberg im Einzelverkauf auf 3 kr. pro Pfund und Steinsalz auf 1V2 fr. 3 ). Um das Jahr 1855 wurde den württembergischen Fabriken, insbesondere den chemischen, das Steinsalz zu 18 kr. per Zentner abgegeben. Da jedoch die heimische Steinsalzproduktion den Inlandsbedarf überstieg, so mußte man die Mehrproduktion im Auslande abzusetzen suchen. Da man hier jedoch mit Konkurrenz zu rechnen hatte, entschloß man sich, vereinzelt an das Ausland billiger als im Inland zu verkaufen. So wurden um das Jahr 1855 wieder holt 20—40000 Zentner Steinsalz nach der Gegend von Aachen und Duisburg zum Preise von 15 kr. per Zentner verkauft. Näher im Ausland gelegene 1) Verhandlungen d. württ. Kammer der Abg. Jahr 1851. II. Band. S. 1101. 2) G. von Schönberg, Handbuch d. Pol. Oekonomie. Finanzwiss. Tübingen 1897. S. 600. 3) Verhandlungen d. württ. Kammer der Abg. Jahr 1855. II. Band. S. 1304.