84 aber der Fall sei, wäre es wirtschaftlich ratsamer, die Tonerde schon wegen ihres schweren und daher teuren Transportes ganz auszuschalten, und für die eigentliche Sole als Düngemittel eine nicht so voluminöse Vertriebsform heraus zusuchen. Diese durchaus zutreffenden Ausführungen fanden jedoch in der Zu kunft keine praktische Anwendung. Der Finanzminister v. Knapp erklärte, daß chemische Untersuchungen über die landwirtschaftliche Bedeutung der Hallerde keine genügende Aufklärung bringen würden, daß hier vielmehr lediglich die Erfah rung des Landwirts entscheidend sei. Die Bauern aus der Umgegend von Sulz kamen aus weiter Entfernung herängefahren, um diese Hallerde für ihre Aecker zu beziehen. Dabei besprengte man kurz vor der Abfahrt die Hallerde noch mals reichlich mit Sole, da sich die Bauern hierdurch eine erhöhte Düngewir kung versprachen. Anderseits steigerte man die Wagenlast hierdurch bedeutend. Während man für einen Kübel Kalk als Düngemittel 4 kr. bezahlte, forderte und erhielt man für einen Kübel Hallerde 10 kr. Die Nachfrage nach Hallerde seitens der bäuerlichen Bevölkerung war auf der Saline Sulz so groß, daß man sie bei weitem nicht befriedigen konnte. Eine erhebliche Steigerung im Absatz erwartete man auch, sobald erst mal die obere Neckartalbahn fertiggestellt war. Für diesen Produktionszweig der Hallerde lagen daher die Verhältnisse auf der Saline Sulz durchaus günstig, sodaß sich die Regierung schon im Vorjahr 1857 auf Grund dieser Sachlage entschlossen hatte, neue Einrichtungen ans der Saline Sulz zu schaffen. Weiter dachte man an ein Aufgeben der sonst gerade wirt schaftlich nicht sehr günstig dastehenden Saline schon deshalb nicht, weil dies zweifellos eine erhebliche wirtschaftliche Stärkung der preußischen Konkurrenzsaline in Hohenzollern bedeutet hätte. Denn auch diese Saline hatte die Fabrikation der Hallerde in ihren Betrieb aufgenommen. Die Produktion der Hallerde auf der Saline Sulz belief sich um 1857 ans 84 000 Kübel; den tatsächlichen Be darf schätzte man auf 120000 bis 130000 Kübel. Noch bis auf den heutigen Tag besitzt die Hallerde-Gewinnung für die Kgl. Saline Sulz erhebliche Be deutung. Die Verwaltung der Saline Sulz lag in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in den Händen folgender Beamten. Nach dem Besoldungsetat des Jahres 1823 für Salinenämter hatte man für die Saline Sulz einen Salinenverwalter mit der Besoldung dritter Klasse vorgesehen. Als dann in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts die Saline Sulz wirtschaftlich nicht sehr erfolgreich war, unterließ man die Neubesetzung der freigewordenen Salinenverwalterstelle. Als dann infolge der schon an anderer Stelle er wähnten vorgenommenen Verbesserungen der Siedeeinrichtungen die finanziel len Erträgnisse der Saline sich wieder günstig entwickelten, nahm man eine Neubesetzung der Saliuenverwalterstelle vor. Erwähnt sei, daß der Etat von 1864/67 *) als Ertragsablieferung zur Staatshauptkasse die Summe von 75 300 fl. vorsah. Dieser wirtschaftliche Aufschwung der Saline Sulz nach langem finanziellen Daniederliegen war nicht zum wenigsten das Werk eines Beamten, des Salinenkassierers Braun, der in dieser Eigenschaft seit 1858 ver tretungsweise die Saline verivaltete. Dieser Beamte befand sich seit 1839 bei dem Salinenwesen in definitiver Anstellung. In Anerkennung der Verdienste, die sich der Salinenkassierer Braun um die wirtschaftliche Hebung der Saline 1) Verhandlungen d. württ. Kammer d. Abg., Jahr 1865. II. Beil.-Vd. S. 714.