32 I- DieLage der Ölmüllerei inPreußen vor Einführung derOewerbefreiheit. kraft ständig auszunützen, oder daß sie einen Überschuß an Wasserkraft hatte, welchen sie zu anderen Zwecken verwenden konnte. In beiden Fällen half man sich meistens durch Anlage einer Öl- oder anderen Mühle. Konnte man die Mehlmühle wegen mangelnder Beschäf tigung nicht ständig in Betrieb halten und entschloß sich da her noch zur Anlage einer Ölmühle, so errichtete man diese ge wöhnlich im gleichen Gerinne 6 ) oder sogar im selben Hause mit der Mehlmühle; herrschte dann einmal Mangel an Mahl gästen, so legte man die Mahlmühle still und benutzte die Wasserkraft zum Betriebe der Ölmühle. Die Besitzer derartiger Ölmühlen arbeiteten gewöhnlich gegen Schlaglohn, und wir hören über ihren Betrieb dieselben Klagen, wie wir sie bei den Ölschlägern gehabt haben, nämlich Vorwürfe wegen Unkenntnis und Nachlässigkeit, ja vielfach auch Unredlichkeit der Müller 7 ). Hatte man dauernd Überfluß an Wasser, oder wollte man aus anderen Gründen neben der Mahlmühle noch eine Ölmühle betreiben, so legte man diese in einem eigenen Gerinne an, so daß man sie ständig neben der Mahlmühle in Betrieb halten konnte. Derartige Ölmühlen treffen wir häufig bei den landes herrlichen Mahlmühlen und auf den großen Gütern, und es wird in ihnen bereits gerade wie in den für sich allein bestehenden Ölmühlen viel Handelsmüllerei betrieben. Sehen wir uns die Einrichtung der Wind- und Wasseröl mühlen einmal etwas näher an. Zur Zerkleinerung der Saat waren fast überall Stampfwerke in Gebrauch. Je nach der Größe des Betriebes und der vorhandenen Kraft hatte man Stampfwerke mit 2—12 Paar Stampfern, doch waren es ge wöhnlich 4—8 Paar. Vereinzelt wurden zu jener Zeit auch bereits Ölgänge benützt, deren Gebrauch sich von Holland aus eingeführt hatte, wo die Ölmüllerei auf einer für die damalige Zeit hohen Stufe technischer Vollkommenheit stand. In solchen mit Ölgängen ausgestatteten Mühlen verwandte man in Deutsch land dann die Stampfwerke gar nicht mehr, sondern begnügte sich mit der alleinigen Arbeit der Ölgänge. Wenn auch das holländische Verfahren, neben den Öl 6 ) Ein Gerinne nennt man den aus Brettern oder sonstigen Materialien zusammengebauten künstlichen Wasserlauf, aus welchem das Wasser direkt auf das Mühlrad läuft. 7 ) Vgl. hierzu S. 37.