3. Die Produktionsverhältnisse in der Ölmüllerei um 1800. 33 gängen noch Stampfwerke zu benutzen, als das zu jener Zeit vollkommenste bezeichnet werden muß, so hatte doch auch schon der alleinige Gebrauch der Ölgänge gegenüber dem allei nigen Gebrauch von Stampfwerken so bedeutende offenkundige Vorzüge, daß es sich wohl der Mühe verlohnen dürfte, der Frage etwas näher nachzugehen, wodurch die allgemeine Ein führung der Ölgänge verzögert wurde. Erläutern wir zuerst kurz, worin sich die Überlegenheit des Ölganges äußert. In erster Linie sind da geringerer Kraftver brauch bei schnellerer Arbeit und bedeutend geringere Repa raturkosten zu nennen. Die Betriebskraft einer Mühle, sie mag durch Wasser, Wind oder Tiere erzeugt werden, wird am vor teilhaftesten an einer Hauptwelle hervorgebracht, welche durch eben diese Kraft in eine drehende, gleichförmige Bewegung ver setzt wird. Von dieser Stelle läßt sich nun naturgemäß eine andere drehende Bewegung leichter abnehmen als eine ver schiedenartige, z. B. auf- und abgehende, denn erstere ist nur eine Erweiterung oder Verkleinerung der bestehenden Bewe gung, letztere aber eine vollständige Umänderung 8 ). Bei den Stampfwerken findet nun eine derartige auf- und abgehende Bewegung der Stampfer statt, und zwar müssen bei ihnen die wirkenden Massen stets aufs neue aufgehoben werden, wenn sie von dem vorherigen Hube auf die Samen gefallen sind, kommen also abwechselnd in Ruhe und Bewegung. Diese stets und oft 9 ) wiederkehrende Überwindung des Trägheitsmomentes der Stampfer verzehrt natürlich einen bedeutenden Teil der Be triebskraft, während bei den Ölgängen dieser Kraftverlust in folge der gleichmäßigen, drehenden Bewegung der Steine viel geringer ist. Die schnellere Arbeit der Ölgänge beruht auf ihrer fortwährenden Wirkung, sowie darauf, daß die Steine infolge ihrer Eigendrehung neben der zermalmenden Wirkung auch noch eine zerreißende ausüben, wodurch die Ölabgabe bei der Pressung bedeutend erleichtert wird. Praktisch drückt sich diese Überlegenheit der Ölgänge über die Stampfwerke darin aus, daß ein Ölgang mit Steinen von 5 Fuß Durchmesser bei 8—10 Um gängen in der Minute in 12 Stunden soviel Samen verarbeitet, a ) Scholl, „Der Bau und Betrieb der Ölmühlen“. Darmstadt 1844. S. 34. 9 ) Nach Schreiber muß bei einem gut gehenden Stampfwerk jeder Stampfer 50—60 mal in der Minute gehoben werden. Klaue, Ölmüllerei. 3