3. Die Produktionsverhältnisse in der Ölmüllerei um 1800. 35 der sogen. Stampfkuchen lag wohl darin, daß in den Stampf werken die Zerkleinerung häufig weiter getrieben wurde als auf den Ölgängen, weil bei diesen die Samen das Öl infolge der die Ölzellen zerreißenden Wirkung der Steine auch schon bei ge ringerer Feinheit des Samenmehls abgaben 12 ). Ein weiteres Hindernis bildeten schließlich noch die ver hältnismäßig hohen Anschaffungskosten der Ölgänge, welche wieder im Zusammenhang standen mit dem sogen. „Mühlstein regal“. Dieses war ein Fabrikations- und Handelsmonopol des Staates, und bemerke ich darüber kurz folgendes 13 14 * ): „Schon im Landtagrezeß von 1653 geschieht des Mühlsteinhandels als eines Regalrechtes Erwähnung, jedoch galt es anfangs nur in ein zelnen Teilen des Staates und wurde erst gegen Ende des 17. und im 18. Jahrhundert auf weitere Teile ausgedehnt. Auch konnte 1653 sich ein jeder noch Mühlsteine außerhalb des Landes kaufen und zu seinem eigenen Gebrauche einführen, während im Edikt vom 19. April 1689 u ) diese Freiheit nur dem Adel gestattet blieb. Für den Mühlsteinhandel bestanden be sondere Faktoreien in den verschiedensten Städten, denen sogen. Faktors vorgesetzt waren. Die Preise der Mühlsteine waren natürlich in den einzelnen Städten sehr verschieden, und be trugen die Preisdifferenzen zwischen Magdeburg und Königs berg sogar das Zwei- ja Dreifache. Zudem war die Beschaffung der Steine noch mit großen Belästigungen verbunden. Es mußten Steine bestimmter Art monatelang vorher bestellt werden, zum Pfand für sichere Abholung mußte ein Drittel des Ver kaufspreises hinterlegt und beim Kauf schließlich noch ziemlich hohe Faktorgebühren erlegt werden.“ War die Saat in den Stampfwerken oder auf den Ölgängen gehörig zerkleinert, so kam das Samenmehl, falls man den ersten Schlag nicht kalt ausführte, auf den Wärmeofen. Hier wurde es ungefähr bis zur Wärme des siedenden Wassers erhitzt, welche hinreichend war, um das Eiweiß gerinnen zu machen und auch 12 ) Diese Vorliebe der Bauern für Stampfkuchen spielte wohl eben falls dabei mit, daß die Holländer außer auf den Ölgängen die Saat auch noch in Stampfwerken zerkleinern ließen. 13 ) Vgl. Mohr, „Die Entwicklung des Großbetriebes in der Getreide müllerei Deutschlands“. Berlin 1899. S. 7—8. 14 ) Einführung des Mühlsteinmonopols in Westpreußen und im Netze distrikt durch Edikt vom 29. April 1773. 2*